Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2021 10 Mai

Humanbeing

von: Uli Koch Filed under: Blog | TB | Tags:  1 Comment

Ganz langsam erhebt sich etwas aus dem Ursprung der musikalischen Evolution, ganz aus der Tiefe, dem Leisen, Bodenlosen. Warm und amorph schwillt es an, verdichtet sich ganz langsam. Schwebt über den Wassern, leicht und subtil, nur unterbrochen von den Tupfern eines präparierten Pianos, erkundet den Raum. Wird organisierter, organischer, organhafter, wird Fleisch – Flesh. Fängt an zu leben, pulsiert, elektronisch moduliert, verästelt sich immer feiner, kommt in den rhythmischen Fluß, wird Blut – Blood. Dann, ganz zart wie ein Luftzug, fast verloren, ein Hauch von Haut – Skin. Cineastische Übergänge, so wie sie in den Träumen in den frühen Morgenstunden gerade noch erinnert werden können und, wenn man sie nicht gleich festhält werden sie  flüchtig, vergänglich, oneiroid.

Humanbeing ist das Soloprojekt von Rossano Baldini, der einerseits viel Musik für Film und Fernsehen komponiert hat und auf der anderen Seite als Jazzpianist und Keyboarder auch an der Seite bekannter Größen aufgetreten ist. Humanbeing ist sein erstes Soloprojekt, bei dem er frei von äußeren Anforderungen seiner eigenen Vision folgt. Einer hybriden Vision, die zwischen organischen Kräften und virtueller Natur, zwischen akustischen und elektronischen Elementen es doch wagt ganz physisch zu werden, dem Abbild eines Organismus mit seinen Organen, deren verschiedene Funktionen sich nur in der gegenseitigen Bezugnahme, dem Zusammenwirken voll entfalten können. Einer hybriden Vision, die sich musikalisch in dem Spannungsfeld zwischen synthetischer Klangerzeugung und einem Bercandeon, einem akkordeonähnlichen Instrument mit zwei diatonischen Tastaturen, erfüllt und dabei in einer ganz eigensinnigen Intimität erblüht.

Atemlos, schneller, synthetischer, sequenzieller treibt es voran und bleibt doch luftig, Lunge – Lungs. Dann geht es mit technoidem Drive weiter in die substanzielle Verdichtung hinein, pushend und doch sehr wandelbar und voller Überraschungen. Mitten im Kraftwerk des Lebens, der Leber – Liver. Geht nahtlos ins Zentrum des Erlebens weiter, wieder weiter, erzählend, spielerisch und emotional. Die einzige Stelle, in der mit Carmine Iuvone am Cello eine Gastmusikerin erklingt, erst lyrisch andeutend, dann rauh und wirbelnd in ein akustisch begehbares Herz – Heart. Eine höchst dynamische Organlehre, in die wir noch das offene Ohr einbringen können.

 
 

This entry was posted on Montag, 10. Mai 2021 and is filed under "Blog". You can follow any responses to this entry with RSS 2.0. You can leave a response here. Pinging is currently not allowed.

1 Comment

  1. Giacomo Bruzzo:

    Herrliches Kommentar, vielen Dank.

Leave a comment

XHTML allowed tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Mit dem Absenden akzeptiere ich die Übermittlung und Speicherung der Angaben, wie unter Datenschutz erläutert.


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz