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Archives: Tyshawn Sorey

Der Herr Professor ist bestens vorbereitet um den Epigonen eurozentrischer Musikkultur eine äußerst feine Lektion in der Entwicklung neuer ästhetischer Dimensionen zu erteilen. Diskret, leise, in wunderbaren Miniaturen und Duetten mit ausgewähltesten Mitstreitern. Schon seit Jahren arbeitet er auf dem Boden mikrototaler persischer Dastgah-Skalen und Inspirationen durch Ornette Coleman’s chromatische Matrizes an der Entwicklung einer postchromodalen Musik für deren Umsetzung auf Facets er die Stimmung eines Klaviers den exotischen Skalen anpassen ließ und sich dann Kris Davis, Tyshawn Sorey und Craig Taborn dazu holte, um in überwiegend improvisierten kleinen Stücken (einige basieren auf Stücken von Thelonious Monk) nur vermeintlich dissonante Klangräume zu ergründen, die mit allen europäischen Hörgewohnheiten brechen, fremd und doch zugleich vertraut wirken. In vielen Stücken spielt der Komponist Hafez Modirzadeh dann im Duett Tenorsaxophon mit den Pianisten, wobei er über eine eigens entwickelte Spieltechnik daraus auch mikrotonale und orientalische Melodiefiguren entlockt. Jedes der Stücke stellt eine spezielle Herangehensweise an die umgestimmten Skalen dar, mal in melodischer Weise, mal in Akkordclustern. Und nicht zuletzt wagt er sich, vielleicht auch um zu zeigen wie ernst es ihm ist an ein Stück aus J.S. Bach’s Goldbergvariationen heran und stellt es in einen verstörend neuen Kontext. Eine Herausforderung für den Hörer, die im Verlassen gewohnter Dimensionen aber mit vielen Kleinodien reich belohnt wird. Hafez Modirzadeh ist Professor für Weltkultur der Musik in San Francisco und dennoch klingt hier nichts in einem der innovativsten, facettenreichsten Alben dieses Jahres akademisch.

 
 

2020 14 Jan

Neues Feld

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Manchmal taucht ganz unvermittelt eine Neugier oder ein Interesse auf und schon ist man drin in einem selbstgestrickten Film („XYZ ungelöst“). Es muss so zwischen Nikolaus und Weihnachten gewesen sein, das Tablet war zur Hand, die Körperhaltung war entspannt und wie ein Trojanisches Pferd stand die entscheidende Frage im Raum: „Gibt es eigentlich Alben von Tyshan Sorey?“ Sorry, what, mag sich jetzt der Leser fragen, zumal jener, der sich in der politischen Parteienlandschaft besser auskennt als in der Jazz- und Avantgardeszene New Yorks. Und so kommt der Schreiber dieser Zeilen um eine Statement nicht herum: der gesuchte Interpret ist ein Schlagzeuger von imponierender Gestalt, recht jung noch, spielt ebenfalls Posaune und Klavier. Man sah ihn einst in Hamburg live und fand ihn gut. Das Ergebnis einer durch einen Streamingdienst des Vertrauens gestützten Internetrecherche führte flugs zu einem Album namens Koan, dass mit Zen erstmal recht wenig zu tun hat. Dort musiziert im Trio neben Sorey am Schlagzeug und Thomas Morgan am Bass auch Todd Neufeld an der Gitarre. Dieser Gitarrist war auf meiner Karte bislang nicht verzeichnet gewesen und ist insofern eine Überraschung auf dem Gebiet massgeblicher, hörenswerter und richtungsweisender Gitarrenmusik. Genau der Klang, der mir seit langem auch vorschwebt beim Spielen. Jedem, der irgendein Instrument spielt, steht es frei, einen Vertrag zu kündigen, der so auch nie abgeschlossen wurde, nämlich Dienstleister zu sein im Feld akustischer DIN-Normen, als Sklave des Rhythmus, mit dem jeder mit muss, und als hart ackernder Mojo im begrenzten Feld strikt vorgegebener Funktionsharmonik, wie man sie aus simplen Schlagern kennt, aber auch den höherwertigen Jazz Standards oder dem reizvollen Bossa Nova. Wer hier die Flucht ergreift, tut gut daran, lässt Altes hinter sich, und entdeckt Neuland. Oder eben Todd Neufeld. Vorbilder hinsichtlich gelungener Ausbruchsversuche gab es ja schon immer. Sein Spiel kann man als eine verblüffende Mixtur verschiedener Einflüsse hören, in Wahlverwandschaft zu David Torn etwa, Mary Halvorson, Derek Bailey, Marc Ducret, vor allem auch John Abercrombie. Als Gitarrist für mich die Entdeckung des Jahres Zwei-Null-Neunzehn, und bis auf Weiteres, was das eigene Musizieren angeht, die Referenz. Vorhang auf und alle Klänge offen, zu hören ist „Embed“.

 
 

 

 
 
 
Sometimes something really happens
 
 
 

 
 
 
and emerges
 
 
 

 
 
 
finds energy and form
 
 
… the great Tyshawn Sorey with the great Nils Davidsen and Jakob Anderskov
 
and …
 
it was recorded happily!
 
here, in this building
 
 
© FoBo_HenningBolte


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