Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archives: März 2022

 

Es gibt kaum randständigere Orte als Parkplätze, alles an ihnen ist auf das Vorübergehende eingestellt, das begrenzte Verweilen, fast unvergesslich ist es, wenn ein Parkplatz mal in einem Song auftaucht, wie bei Joni Mitchell. Diesen Parkplatz im Raum von Haria werde ich nie vergessen, und nichts hat sich dort zugetragen, was einen Song hergäbe, oder eine kurze Kurzgeschichte. Zwischendurch las ich dort einen Text über Joni Mitchells frühe Jahre, und wie ihr kurzzeitiger Lover Leonard Cohen eigentlich nie aus dem Bett raus wollte. Ein Foto der Zwei hatte den adretten Charme alter Urlaubsfotos. Ich klappte das Magazin zu. Es war einfach phänomenal, bei 33 Grad Celsius und einem trockenen Wind aus Afrika diesen wundervollen Niemandsort abends um acht Uhr auf sich wirken zu lassen, mit all den Geräuschen ringsum Jameos Del Agua, und noch eine Weile diese tropischen Sphären einzuatmen, bis eine Treppe ganz in der Nähe für das Publikum geöffnet wurde, für zwei Höhlenkonzerte mit Nils Petter Molvaer sowie Francois Couturier und Anja Lechner. Es war der Tag, als Lajla mir eine kurze Lektion über Stillleben erteilte, weil ich ihr ein Foto mit einem angebissenen Fisch aus dem „Restaurant der fünf Brüder“ als solches verkauft hatte.

 

 


Können Bücher zugleich witzig und spannend sein? Und zudem noch orginell? Eine Expertin für zeitgenössische Thriller-Kunst in der New York Times schreibt genau diese Eigenschaften Alex Seguras SECRET IDENTITY zu und bemerkt, das Buch funktioniere auf vielen Ebenen: „als Hommage an den klassischen Noir, als Liebesbrief an das New York der zwielichtigen 1970er Jahre und als eindringliches Tutorial über das Comic-Publishing jener Zeit.“ Im Mittelpunkt steht (soweit ich das verstanden habe) Martina, die Sekretärin des Chefs eines kaum überlebenden Comic-Verlages, die sich danach sehnt, ihre eigenen Comics zu schreiben. Leider ist ihr Chef ein chauvinistischer Tölpel. 
Aber das Glück ist ihr hold, als sie sich mit einem Kollegen zusammentut und dabei hilft, eine elektrisierende neue Serie mit einer grüblerischen Heldin namens Lynx zu produzieren. (Bonus: Einige der Seiten sind im Buch enthalten.) Aber dann wird der Kollege ermordet. Und niemand weiß, dass Martina den größten Teil der Geschichte geschrieben hat – ihr Name wird nicht als Autor erwähnt. Der Versuch, ihrer unbeständigen, unregelmässig verheirateten Freundin aus dem Weg zu gehen, beruflich Fuß zu fassen und den Mord an ihrem Kollegen aufzuklären, während sie der Polizei einen Schritt voraus ist, erweist sich als schwierig. Aber es gibt Entschädigungen, wie zum Beispiel eine wilde Nacht im CBGB’s mit einer elektrisierenden neuen Band, den Talking Heads. Das scheint doch nun wirklich ein Buch für einige Manafonisten und Leser dieses Blogs zu sein: wir kennen das ja schon, dass der eine und die andere hier Bücher veröffentlichen, aber selber Heldin eines Romans zu sein, ist schon ein starkes Stück. In fünf Jahren auf Netflix, vielleicht aber schon Mitte März in Ihrem Bücherschrank.

 

2022 5 März

Dimmed highlights

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So manches Licht ist, zugegeben, eher dunkel schimmernd in diesen Tagen. Der Pass, in sepiafarbenes noir getaucht, liefert gelungen eine Adaption der schwedisch-dänischen Serie Die Brücke, ist dabei aber in der Erzählung eigenständig. Die Serie spielt im Grenzgebiet von Deutschland zu Östereich. Grosseinstellungen einer fantastischen Bergwelt sind von erlesener Schönheit, für Bild-Ästheten und für Thriller-Fans eine grosse Freude. Nomadland ist ein ruhiger, berührender Film über das Leben, das Sterben, Begegnungen und Wanderschaft. Und das weite Land der Staaten. Succession, ich schrieb bereits darüber, ist meine absolute Nummer Eins, aus guten Gründen. Ein Aspekt mag die Kameraführung sein, die Interaktionen und Dialoge auf eine sehr intime Weise einfängt, als sei man mittendrin. Und wer guckt nicht gerne durchs Schlüsseloch der dekadenten Bourgeousie heimlich beim Leben zu? Mare of Easttown ist ebenfalls sehr sehenswert, mit Kate Winsley in einer ernsten Rolle als sozial kompetente Polizistin. Könnte der Kontrast hier grösser sein zu Anke Engelke? Die kommt sowas von frisch und witzig rüber in der achten Staffel ihrer Show und ist ein echter Ladykracher, verhilft dabei zu Lockerungsübungen in Sachen intelligente Heiterkeit. Nein, ganz ohne Humor geht es nicht, liebe Fernsehgemeinde! Vor einem Overload des Wissens schützen Huxleys Pforten der Wahrnehmung wie jenes Loblied auf den Typus des „Idioten“, das der von mir geschätzte Prosa-Dichter Botho Strauss in seinem Band Lichter des Toren präsentiert, in dem ich immer wieder gerne stöbere. „Klüger ist dümmer“, hier wird es klar. Schon Peter Sloterdijk bemerkte einst im Gespräch mit Hans-Jürgen Heinrichs, viele Geisteswelt-Akademiker hätten sich schon in jungen Jahren „zuschanden gelesen“. Trotz alledem sind Bücher Zufluchtsorte, die uns schützen können. Hinsichtlich des Desasters, das sich gerade abspielt, war die Zeit nun aber reif, um endlich auch Hintergründe zu erfahren: Krieg in Europa – Das Ukraine-Drama gibt einen Einblick in Geschichte und Entwicklung jenes Landes, das zerrissen scheint zwischen Ost und West. Die Dokumentation erzählt auch von den Menschen dort und ihrem kämpferischen Präsidenten, dem vormals polit-komödiantischen Hauptdarsteller einer erfolgreichen Fernsehserie, die manchem Oligarchen nicht gefallen haben dürfte. Wenn man bei all dem dann, um etwas Luft zu schnappen, eine kleine Runde dreht, kommt aus dem Nichts oftmals die Zeile eines gerne gehörten Liedes aus dem Unterbewussten emporgeschnellt. Was wäre an dieser Stelle angebrachter, als eine davon hier zu präsentieren, aus einem Song von James Taylor, mit dem man immer gerne „mitging“. So wie neulich gerade, als man spazierte und sinnierend sich fragend sang:

 

Moving in silent desperation,
Keeping an eye on the Holy Land
A hypothetical destination, say
Who is this walking man?

2022 4 März

A memory of Steve Tibbetts

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video

 

Allein der Titel „The Patience Fader“ lässt Assoziationen hierhin und dorthin driften. Und so zufallsoffen die Bilder zu diesem Video sind, sie erinnern mich an die seltsamen Gefühle von Vertrautheit (Unheimlichkeit), die mich beschleichen, wenn ich langsam mit meinem Toyota durch eine fremde Stadt fahre, oder durch eine zu einer Art „Geisterstadt“ mutierte (weil ich ewig nicht mehr dort war, und der Stamm der vertrauten Gesichter verschwunden ist). Mit flüchtigen wie lebendigen flashbacks an Lydia, Ursula, Andrea, Isolde, Uschi, Christiana, Christine, Julia, Verena, Inge, Ruth, Annette, Susanne, Gabriele, Hiltrud (diese Namen – und so oft mit Kerzenlicht, ECM & Skyline). Und deshalb wird diese neue CD von Pan American, resp. Mark Nelson, in meinem CD-Player zu hören sein, wenn ich auf meiner Reise ans Ende der Welt (aka Furth i. W.) durch Würzburg fahre, meine „zweite Heimat der Studentenjahre“ (1974-81), auf dem Weg zu einem Hotel, das am besten auf einer kleinem Anhöhe liegen sollte (um den Fluss zu sehen, die Festung, und, in aller Stille, vielleicht ein Klopfen an der Tür zu hören). Das Best Western Hotel in Würzburg-Süd tut es auch. Auch ohne Swimmingpool.

 

2022 3 März

„Get On Board“

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2022 3 März

A Nest of Ninnies

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Was mich an diesem Buch am meisten begeistert, ist seine Entstehungsgeschichte. Juli 1952: John Ashbery und James Schuyler waren Mitte/Ende 20, sie schrieben Gedichte, die in der Öffentlichkeit noch nicht beachtet wurden, und hatten das Wochenende bei Dreharbeiten in East Hampton verbracht. Bekannte nahmen sie im Auto mit, zurück nach New York. Die Zeit zog sich hin. Schuyler schlug Ashbery vor, gemeinsam einen Roman zu schreiben. Und wie? Abwechselnd, Zeile für Zeile. „Alice was tired“, fing Ashbery an. Sie kamen an einem typischen Vororthaus vorbei, weiß gestrichen, grüne Fensterläden, und beschlossen, dass es das Zuhause der Protagonisten sein sollte. Sie trafen sich einmal in der Woche und schrieben weiter. Ob daraus ein Buch werden würde, war den beiden egal. Ashbery zog es nach Frankreich. Über eine räumliche Distanz weiterzuschreiben, funktionierte nicht so gut. Sie mussten im selben Raum sein. Erst zehn Jahre später kehrte Ashbery zurück. Erste Gedichtbände von ihm waren erschienen, darunter „Some Trees“ und „The Tennis Court Oath“. Der Durchbruch als Lyriker. Ashberys Verleger fragte, ob er nicht einen Roman schreiben könnte. Ein Versuch, mit dem Autor Geld zu verdienen. Ashbery erzählte von dem Projekt mit Schuyler. Die beiden beendeten den Roman und erlaubten sich eine Abweichungen vom ursprünglichen Plan, Satz für Satz abwechselnd zu schreiben. „A Nest of Ninnies“ (deutscher Titel: Ein Haufen Idioten) erschien 1969. Auf dem Cover der englischsprachigen Ausgabe findet sich das Vororthaus von der Rückreise  East Hampton – New York. Für die deutsche Ausgabe hat man sich für ein anderes Symbol streitlustiger Bürgerlichkeit entschieden: eine in die Luft geworfene Kaffeetasse, aus der Kaffee überschwappt und deren Unterteller zerbricht.

2022 2 März

„The Glass Rainbow“

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The Glass Rainbow“ – auf  diesen Roman aus dem Jahre 2010 werde ich hier noch zurückkommen. Ich bin gerade mittendrin und schwer begeistert. In deutscher Erstübersetzung ist das Buch unlängst im Pendragon-Verlag erschienen, und heisst nun, etwas nüchterner: „Eine Zelle für Clete“. Ganz grosse Klasse. Und obwohl es Band 18 der Dave Robicheaux-Reihe ist, kann ich Ihnen versichern: man braucht keinen chronologischen Zugang, und kann überall in diese Welt mit viel „Southern Noir“ einsteigen. Dave und Clete sind sowas wie Don Quichote und Sancho Pansa im Amerikanischen Süden, nur, nun ja, etwas härter drauf. Auf Seite 175 sitzen Clete und Emma in einer Kneipe und kommen sich etwas näher. James Lee Burke ist, falls sich das noch nicht rumgesprochen haben sollte, ein literarisches „Schwergewicht“. Er besitzt die wunderbare Fähigkeit, seine mitunter naturpoetisch aufgeladene,  zuweilen berauschende Prosa mit tollen, fesselnden Geschichten zu koppeln. Das geht mit feinem Pinselstrich in tiefe seelische Bezirke, und leistet sich, auch im Blick zurück zu alten Zeiten, keine Spur von Weichzeichnung. Burke kann eben auch Pollock: „Ich bin mal neben einem Rock‘n‘Roll-Drummer aufgewacht, der mir erzählte, wir hätten uns in Juarez trauen lassen, aber es gab keine Urkunde. Der Typ wurde sowieso von einem Zug überfahren. Da war ich gerade mal 17. Diesen Teil meines Lebens nenn ich immer die Kehrseite der alten Rock-Ära“. 

 

 
 

Jeder hat Alben, die das eigene Leben begleiten. Und es gibt Zeiten, da möchte man unbedingt wieder in dem einen und anderen versinken, als wäre es eine Notwendigkeit, kein Luxus. Hier sind vier solcher Schallplatten, die gerade Leuchtzeichen aus meinem Archiv sendeten. Light your fire! // Everyone has albums that accompany their lives. And there are times when you desperately want to sink back into one and another as if it were a necessity, not a luxury. Here are four such records that just sent out beacons of light from my archive. Elevate! In these times such deep listening can be seen as a ritual. A society that has in many aspects lost its abilities to create common sense based rituals in times of transition implies an urgent request: create your own ones, get together, share the campfire. Die Titel dieser Alben (für die, die beim Anblick der Cover kein DejaEcouté haben: Before and After Science. Birds of Fire. Wear your love like heaven. Solstice.)

 

2022 1 März

Carnevale in Napoli

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Heute wurde auf den Straßen in Neapel Karneval gefeiert. Es gab viele Umzüge, hauptsächlich war ihr Thema: „Schützt unsere Natur und Umwelt“. Es flog viel Konfetti durch die Luft, die Familien gingen traditionell neapolitanische Lasagne essen. Für mich war das lebhafte Treiben ungewohnt. Ich wusste, dass bei uns der Karneval abgesagt war, dann fand ich aber Verständnis für den Gang des normalen Alltags. Überall stehen Plakate mit der Aufschrift „Stop Putin Stop NATO“. Ich denke nur die Russen selbst können Putin stoppen. Und natürlich der zugedrehte Geldhahn.

 


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