Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archives: März 2016

2016 9 März

Sleep of a Dog

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R.I.P.

 

2016 7 März

Tatort – ratlos

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Geht es eigentlich auch anderen so, oder bin ich es allein, der die Handlung der „Tatort“-Filme nicht mehr versteht?

Ich gebe ja zu, dass ich den „Tatort“ nur noch sehr gelegentlich sehe, vielleicht bin ich deswegen aus der Routine gefallen, aber trotzdem: Der Dresdner „Tatort“ von gestern, der in der Volksmusik-Szene angesiedelt war, ist mir wieder mal ein Rätsel geblieben. Wahrscheinlich deshalb, weil ich regelmäßig nach 20 Minuten bereits vergessen habe, was am Anfang passiert ist. Bei etlichen Szenen hatte ich auch den Eindruck, dass sie überhaupt nur im Film waren, um einige lustig gemeinte Dialoge, ein paar hysterische Schreie der Ermittlerinnen oder einen Vorgesetzten, der wohl den Buffo geben sollte, unterzubringen. Dabei war das Ganze eigentlich ungeheuer vorhersehbar: Dass das Volksmusik-Traumpaar Tina & Toni in Wirklichkeit kein Paar ist, war ebenso meilenweit absehbar wie die von Toni selbst angedrohte „Enthüllung“ per Autobiografie, dass er (wenn ich es richtig kapiert habe) schwul und mit dem Mitglied irgendeiner Volksmusikband zusammen sei — was diese Band wiederum dazu bringt, gleich die Kriminalpraktikantin (gibt es sowas überhaupt?) zu erschlagen, wo es simples Bedrohen auch getan hätte. Den Schluss mit dem bereits vorproduzierten Nachruf-Song habe ich dann überhaupt nicht mehr kapiert, weil er für mich keinerlei Sinn ergibt. Und was dazu noch ein Volltrottel von Fan oder ein Tickets resellender Manager mit der Handlung zu tun hatten — wirklich, ich sollte bei „Conny und Peter machen Musik“ oder vergleichbar unkomplizierten Stoffen bleiben.

Selbst in der nun wahrlich konservativen amerikanischen Country-Szene würde die Verlautbarung eines Sängers, schwul zu sein, kaum noch einen Hund hinter dem Ofen hervorlocken, geschweige denn ein Mordmotiv abgeben.

Beruhigend aber immerhin, dass man beim „Tatort“ nach wie vor die Uhr danach stellen kann, dass in der 80. Minute die Streifenwagen ausrücken. Es gibt doch noch Dinge, auf die man sich verlassen kann.

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Ich brauche eine bestimmte Energie, um diese Schallplatte zu hören. Es hat mit der Schule zu tun, auf der ich war, ein jahrhundertealtes humanistisches Gymnasium direkt neben der Kunsthalle. Es gab bestimmte Eltern, die ihre Kinder dorthin schickten, aber es gab auch andere. Hätte sich ein Schüler mehr für die Sexta angemeldet, hätte es drei Parallelklassen gegeben. So wurden wir in zwei Klassen eingeteilt, mit jeweils 39 Schülerinnen und Schülern. In meiner Klasse gab es zwei Drittel Jungen und ein Drittel Mädchen und in der „b“ war es umgekehrt. Ich war in einer Rowdyklasse gelandet, der Übergang von der Grundschule hierher war ein Schock, und ich kannte niemanden. In den Pausen schallten aus unserem Klassenzimmer Sprechchöre, die dem örtlichen Eishockeyverein die Meisterschaft herbeibrüllten, es gab Eishockeywettbewerbe mit Radiergummis und 30-cm-Linealen, Prügeleien, Beschuldigungen, Diebstähle von Schulmaterialien, schüchterne Referendarinnen wurden mit Orangenschalen und Papierkügelchen beworfen, Pulte wurden gerückt, des Geräusches wegen, es fielen auch bewusst Stühle, es gab Sprechchöre während des Unterrichts, die so veranstaltet wurden, dass die Sprechenden unerkannt blieben, und immer wieder stand der Direktor persönlich im Klassenzimmer und hielt scharfe Disziplinierungspredigten. Leistung zu erbringen, das galt damals als uncool und lächerlich. Neben dieser Verweigerung gab aber auch etwas anderes, eine andere Art von Intelligenz, jenseits der Normierung. Von Anfang an war klar, dass C einmal ein Konzertcellist werden würde. Auf allen Jahresabschlussfeiern spielte er Solo, er saß da, mit oft geschlossenen Augen, atmete hörbar ein oder aus, während alle den Atem anhielten. Ich spürte, mit welchem Respekt C aufgrund seines musikalischen Talents von den Lehrern behandelt wurde. A hingegen trat in der Mittelstufe in einer Rockband als Sänger auf, in einer Schachtel im Keller, in der ich alle meine Fotos aufbewahre, gibt es ein Bild, das A auf der Bühne zeigt, in bunten Shorts und weißem T-Shirt, das Mikro in der Hand, ganz in seinem Element. Er ist Opernsänger geworden. In der Untertertia kam N neu in die Klasse. Ich fand, dass er anders war als die anderen und ich war sofort und lange Zeit in ihn verliebt, ohne etwas zu unternehmen, weil ich irgendwie doch nicht daran glaubte. Vielleicht genoss ich auch nur meine Gefühle und wollte sie nicht gefährden. In der Mittelstufe saßen N und ich im Religionsunterricht nebeneinander, das Highlight der Woche. N spielte wie viele andere in der Klasse (und auch ich) Geige, wechselte später auf Posaune und wurde ebenfalls professioneller Musiker. – Alles Abschweifung bisher. „Misplaced Childhood“, dieses Album ist mit T verbunden. T saß neben mir im Latein-Leistungskurs. Eine der alten Sprachen mussten wir bis zum Abitur belegen. Wir saßen also nebeneinander, während wir, moderiert von unserem begeisterten Lateinlehrer, Senecas Briefe über die Freundschaft übersetzten, Schriften aus frühchristlicher Zeit, Ovids Metamorphosen. In T war ich nicht verliebt, aber ich mochte ihn und seine Jungsenergie neben mir, ein Hibbeln mit den Knien, ein bisschen Schweiß, die rötlichen Härchen auf seinen Unterarmen. Ich mochte die Art, wie er sich bewegte, es hatte etwas Unbeschwertes und Freies, wie er durch die Räume ging. Und ich wusste, dass er Marillion hörte.

„Misplaced Childhood“ ist das Meisterwerk dieser Band und trifft ins Zentrum der Stimmung dieser Zeit. Ein Sound zwischen Energie und Verzweiflung. Wir wussten, dass die interessanten Jobs auf Jahrzehnte besetzt waren. No future. Die Schlagzeile unserer Abiturzeitung lautete „Vom Abitur zur Müllabfuhr“ und auf der Titelseite gab es eine Karikatur, in der ein Schulabgänger sein Zeugnis jemandem, der eine Mülltonne schob, hinhielt, und der Müllmann sagte: „Was, mit einem Schnitt von nur 1,3 wollen Sie bei uns anfangen?“ Ich weiß nicht, was T nach dem Abitur gemacht hat. Da brach vieles auseinander.

Misplaced Childhood. Es gibt Passagen dieses Albums, die bei mir ein sofortiges Glücksgefühl auslösen. Die Rhythmen, die Wortspiele, die Stimmungswechsel zwischen Leichtigkeit und Dramatik, die lyrics, der gesamte Drive, die Dramaturgie. hey were singing a song for you well it seemed to be a song for you, the one I wanted to write for you // I was walking in the park dreaming of a spark when I heard the sprinklers whisper, shimmer in die haze of summer lawns. Und später, irgendwo, mit ganz anderem Ton gesungen: Waiting on the rain for I was born with a habit from a sign the habit of a windswept thumb and the sign of the rain. / I was born with a heard of Lothian. /

2

Meine Mutter hatte die Todesanzeige aus der Zeitung ausgeschnitten, mir aber nie davon erzählt. Ich fand das Stück Papier irgendwann zufällig in der Küche. It´s started raining. Hey you, you´ve survived. Now you´ve arrived to be reborn in the shadow of the magpie.

 

… and this is the Radio Manafonista Breakfast Show. Those who arent´t „awakened“ yet like Walter White in Breaking Bad should have a cup of coffee now in the Cafe Nirvana, go to the jukebox (installed by Gregory Peck) and check out this song sung by Darrell Scott from Kentucky, who wrote some of the soundtrack of the marvellous Justified episodes around Harlan County … – I´m wandering off the point, so here is the Lynyrd-Skynyrd-like „Hank Williams´ Ghost“. Have a nice day.

 

2016 5 März

Somewhere

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„On the end of a tight rope I’m over the town
I’d be good in a circus but so would a clown
From the way that I feel all my hang-ups are down

In the middle of nowhere I found me a tree
And the fruit that we live on reminds me of me
Though we live in the air I’m not sure that we’re free

I don’t really have much to say
Cause I’m living from day to day

Somewhere

And I don’t care what the people say“

(Graham Nash)

The Affair, Justified, Sons of Anarchy, Detectorists, Vikings, Lost, Homeland, Fargo, Longmire, John from Cincinnati, Red Road, 24, Bloodline, Broadchurch, True Detective (auch die vielverrissene zweite Staffel), Deadwood, Banshee (die Kritik von Ingo hat ihre Berechtigung, aber ich mag die Staffeln dennoch, guter Diskussionsstoff), The Bridge, Black Sails, Mad Men, Ray Donovan, The Wire, The Fall, Les Revenants, Luck, The Americans … und ein paar vergesse ich immer bei solch assoziativem Aufzählen …

2016 3 März

50.315520, 11.915150 – Letzte Woche

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27. Februar – Svavar Knútur @Biersalon Trompeter, Hof

 

Die Städte Nürnberg und Fürth haben zusammen rund 730.000 Einwohner. Manchmal frage ich mich, ob eine Mannschaft, gebildet aus den deutschen Spielern des 1. FCN und der SpVgg Greuther Fürth, sich für die UEFA Fußball-Europameisterschaft qualifizieren könnte. Manchmal ist nur dann, wenn ich an Island denke, wo etwa 330.000 Menschen leben. Nun: Island spielt mit, die Niederlande müssen TV glotzen – Surprise, Surprise!

Auch exzellente Handballer gibt es in dem kleinen Land. 2008 gewann Island die Silber-Medaille bei den Olympischen Spielen, und es ist nicht lange her, da hat ein isländischer Trainer – Dagur Sigurðsson – die deutschen Handballer zur Europa-Meisterschaft geführt. Dagur ist vielseitig: nicht nur Sportler, sondern auch Musiker, Schachspieler, Unternehmer. Er ist Mitbesitzer des KEX-Hostels – eine ehemalige Keksfabrik.

Das KEX-Hostel ist einer von mehreren Veranstaltungsorten des Iceland-Airwaves-Festival zu Reykjavík. An fünf Tagen Anfang November bekommt man einen Einblick in eine unglaublich bunte Musikszene …

… von der ich eigentlich erst seit wenigen Tagen einen nur leichenblassen Schimmer habe. Was weiß ich schon von isländischer Musik? 

Surprise, Surprise steht als Vinyl-Scheibe aufrecht in meinem Plattenschrank – wegen des Funk-Fusion-Krachers Garden Party, the band is still alive! Im November 2013 habe ich versäumt, Mezzoforte bei den Kulturwelten des Textilmuseums Helmbrechts zu hören. Björk hat mich vor allem als Schauspielerin in der Rolle der Selma in Lars von Triers Film Dancer in the Dark beeindruckt.

Dass ich die Tür zur isländischen Pop-Musik jetzt einen Spalt aufgemacht habe, liegt daran, dass mein Sohn Philip, der regelmäßig das Iceland-Airwaves-Festival besucht und eine Blogseite über isländische Musik betreibt, mich am letzten Samstag zu Svavar Knúturs Auftritt in Hof mitgenommen hat. Ein feines Konzert!

 

Svavar Knútur – Bátur bíður

 


 
 
 

 
 
 

Während der langen Autofahrt nach Hause haben wir Sóley zugehört.

 

Sóley – „I’ll Drown“

 

 
 
 

also setzte ich mich in den Toyoten und rauschte in das Stuttgarter Land. Nachdem ich mich bei diversen Stadtmagazinen (ein Lob dem Hohen Norden, dem Wilden Westen, dem Tiefen Bayern) umgetan hatte, war die Sache mit der „promo copy“ rasch erledigt. Unterwegs war schon der erste „download link“ angekommen, ich ging auf Nummer sicher, hatte drei geordert, und zwei Original-CDs wurden mir zudem noch ans Herz gelegt, ich sagte, sorry, eine Pizza nach Wahl, ansonsten nur Radio, und der „Baltimore Chronicle“! So lernte ich zwei Stammhörer der „Klanghorizonte“ kennen, von denen ich noch nie gehört hatte. Zeit für eine kurze Pause im Spessart. Ich fuhr Stunde um Stunde ab, im Radio wurde der Knaller „City On Fire“ vorgestellt, dieser Scheissregen (aber da helfen  ‚on the road‘ die 34 Songs von Native North America, Vol. 1: Aboriginal Folk, Rock and Country 1966-1985″, sowie der neue Stoff von M. Ward und The Coral) – endlich angekommen, brauchte ich erst mal ein Wurstbrot und ein Bier, ja, was Deftiges, von Ästheten wird immer angenommen, sie trinken Sekt korrekt und reden schlaue Sachen über Quentin Tatantino. Aber heute ging es beim Treffen mit einem meiner besten Freunde nur um eins: ich drückte, zur Einstimmung, eine weniger bekannte Single von Herman’s Hermits, „My Sentimental Friend“. Und die Jukebox tat ihre Arbeit. Wir liessen den Song nachwirken, und ich kniff mich, weil ich mich wie 17 fühlte. Als dann Stille herrschte, Waldrandstille zumindest, hörten wir gemeinsam, und zum ersten Mal überhaupt, „The Ship“, das neue Album von Brian Eno. Wir hatten im Vorfeld etwas darüber gelesen, hatten gewisse Vorstellungen, aber was dann passierte, auf unseren Gesichtern, zwischen den  Ohren, die Laute, ab und zu, aus halb geöffneten Mündern, sprach eine andere Sprache, und doch Bände. „Wahnsinn“ war noch das komplexeste Wort. Dreimal lief fas Album von Anfang bis Ende. Ich sagte Gregs: – hier, Freund der schwäbischen Maultaschen, ich habe heimlich was geöffnet in der Küche, das hat jetzt genug Luft und die richtige Temperatur. Two Left Feet, Molly Dooker, Jahrgang 2013! – Und nun? – Gregs, komm, ich schlage „Aja“ vor, von Steely Dan, sonst dauert es mit dem Einschlafen. Uns war schon klar, dass „The Ship“, wenngleich völlig anders, so doch vom Kaliber „On Land“ oder „My Life in the Bush of Ghosts“ ist.


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