Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archives: März 2016

 

 
 
 

Lajla: In einer Ausstellung in der Stuttgarter Staatsgalerie habe ich an diese Wand „Manafonistas“ eingetragen. Alles was dort eingetragen ist, wird auch vertont (Christian Marclay). Mir kam dabei die Ideenfrage: wie klingt eigentlich manafonistas? Am Abend fragte ich Wolfram und Gregor, wie sie die Idee fänden, wenn wir ein kleines musikalisches Intro reinstellten? Sie fanden die Idee prima. Und du? Hättest du Lust, ein kleines musikalisches Stück zu produzieren? Die technische Frage kannst du sicher beantworten: Kann man das auf wordpress?

 

Jochen: Das Foto ist schonmal gut. Technisch ist das kein Problem. Wie wäre es als Gemeinschaftsproduktion – a la „eine MP3-Datei geht auf Reisen“? Jemand von uns schickt eine Tonspur – wie ein Kettenbrief – und wer Lust hat, spricht, liest, spielt oder singt etwas dazu. Es müsste allerdings – wäre mein Vorschlag – minimalistisch gehalten sein, nicht zu überladen, eher skizzenhaft spielerisch. Könnte grossen Spass machen, was am Ende dabei rauskommt, so wie „Stille Post“ oder Andre Bretons Falt-Zeichnungen …

 

L: Gute Idee. Ja, das Intro muss minimalistisch sein, sonst nervt es. Wolfram wird sicher Lust dazu haben, er hat ein beachtliches Studio zu Hause. Rosato komponiert ja auch gerne. Mir fällt noch nichts dazu ein. Wie bieten wir’s jetzt auf dem Blog an? Mit dem Foto und Vorschlagstext von dir?

 

J: Ich habe unseren Dialog jetzt einfach mal reingestellt – hoffe, du hast nichts dagegen. Mal schauen, was die anderen dazu meinen.

 

L: Ja, schau mer mal …

2016 12 März

Mackos Kartoffelsuppe ohne Schnickschnack

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Zutaten:

1 Zwiebel

250 g Kartoffeln

1 bis 2 TL Raps- oder Olivenöl

250 ml gute (!) Gemüsebrühe

100 g braune Champions oder Steinpilze

Salz, Pfeffer, Muskat

Zubereitung:

Zwiebel und Kartoffeln schälen und fein würfeln.

Beides in Öl anschwitzen, bis beides glasig ist.

Die Gemüsebrühe dazugießen und 10 bis 15 Minuten köcheln lassen.

Hälfte der Suppe püriern und wieder zurück zu dem Rest geben.

Pilze in Scheiben schneiden, in die Suppe geben und 5 bis 8 Minuten garen lassen.

Erst kurz vor dem Servieren (nicht vorher!) die Suppe ganz schlicht nur mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken.

Hammer. Eine ähnlich gute Kartoffelsuppe habe ich nur einmal zuvor gegessen, mit Brian Eno zusammen, in den Nenzigern, im Kölner Restaurant von Alfred Biolek. Ich schwärmte Brian so davon vor, dass er sich meinen Löffel schnappte (allerdings mit britischer Höflichkeit) und zwei Löffel auf der Zunge zergehen liess. Er teilte meine Begeisterung. Aber diese hier Variante hier, mit Pilzen statt Mettwurst, und sicher einer anderen Rezeptur, wird Sie fraglos begeistern! (m.e.) 

2016 12 März

Drei Romane zum Versinken

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Kleines Mädchen mit grünen Haaren. Das ist das einzige Buch, das ich von David Foster Wallace gelesen habe, ein Kurzgeschichtenband. Worte wie „überbordend“ und „verstörend“ dürfen da gerne zur Beschreibung eingesetzt werden, auch „wahnwitzig“, und „skurril“.

Es ist ja derzeit die Zeit der 1000-Seiten-Bücher, David Mitchells Die Knochenuhren verpasst die Grenze schon mal um knapp 200 Seiten, Guntram Vesper liegt mit seinem grossen  Hinterlandepos Frohburg (ich verdanke Herrn Vesper ein bewegendes Leseerlebnis auf Langeoog in den Siebziger Jahren, Nördlich der Liebe und südlich des Hasses) genauso über der Messlatte wie Garth Risk Hallberg mit seinem Thriller und Gesellschaftsroman City of Fire.

Vielleicht war ich damals, als der Tausendseiter Unendlicher Spass in deutscher Übersetzung erschien, mit Sawyer in der sechunssiebzigsten Folge von Lost unterwegs, oder, mit meiner damaligen „amour fou“ (ich hatte nur etwa dreimal eine „amour fou“, rückblickend ziehe ich (im Vergleich) schmutzige gute „one night stands“ in bezahlbaren Hotels vor, noch weitaus mehr natürlich die „romantische Liebe“, insbesondere in der alltagstauglichen Version – dieser Satz hängt etwas durch, Entschuldigung!) auf einem wochenlangen Spanientrip auf dem Weg zum Ende aller Illusionen – bei Mammutunternehmungen gilt es halt Entscheidungen zu treffen.

Der Film The End of the Tour basiert auf der fünftägigen Reise eines Journalisten (David Lipsky) mit dem früh und  freiwillig (so eine Sache bei Depressionen, das Freiwillige!) aus dem Leben geschiedenen Meisterautor. Der Schreiberling des Rolling Stone machte daraus ein Buch, und 2015 kam der Film ins Kino, ein kleiner Film mit einem schönen Ende, und ganz ohne Girls mit grünen Haaren. Für solche Filme gibt es den Ausdruck „low key“: da wird nichts aufgebauscht, dem Blick aufs Alltägliche vertraut, der allein genug Verschrobenes wie Erhellendes zu Tage fördert. (Zum ersten Mal im Leben sah ich eine Filmszene aus dem verschneiten St. Paul in Minneapolis, jenem Ort, in dem anno 1989 ein Brief von mir im Briefkasten von Steve Tibbetts landete, und meine Radiojahre auf den Weg brachte.)

Die beiden grossen Jungs quasseln nun eine ganze Menge im Laufe dieser gut anderthalb Stunden, man ist versucht, am Tag darauf noch einmal Louis Malles Mein Essen mit Andre hervorzukramen (zumindest, wenn man danach gleich ein Chateaubriand für zwei Personen aus dem Ofen zaubern kann). Das alles funktioniert, weil en passant Verwundungen und Verletzungen spürbar werden, zwischen Alanis Morissette-Fantasien, obsessivem Fernsehgucken, und hemmungslosem Süssigkeiten-Shoping. Und ganz sicher auch, weil „on the road“ etliche gute Songs zu hören sind, es beginnt gleich – Überraschung – mit meinen geliebten Tindersticks (wir sahen sie erst vor Tagen im Kölner „Gloria“!), und endet – noch grössere Überraschung – mit Brian Enos „The Big Ship“.

Und diese Schlussszene allein (mit Enos Instrumentalstück und dem tanzenden David Foster Wallace resp. dem seine Rolle spielenden Akteur, der ein wenig wie eine junge, sympathische, transatlantische Version des Stinkstiefels Gerard Depardieu rüberkommt) hebt den Film (der zuweilen etwas viel „buddy-movie“ ist, aber auf eine nette Art) noch einmal auf ein anderes Niveau. Das ganze Geschwätz ist verstummt, auch die Offenbarungen haben ein Ende – in diesen Schlussminuten wirkt alles noch einmal nach, Momente, die aus der Redundanz des Alltäglichen herausfallen – ein schwebendes Finale. Hernach las ich, dass DFW in einem seiner letzten Bücher („The Pale King“) tatsächlich etwas über „The Big Ship“ geschrieben hat – und diese Notiz lautete folgendermassen:

 

„This song is making me feel both warm and safe, as though cocooned like a little boy that’s just been taken out of the bath and wrapped in towels that have been washed so many times they’re incredibly soft, and also at the same time feeling sad; there’s an emptiness at the center of the warmth like the way an empty church or classroom with a lots of windows through which you can only see rain in the street is sad, as though right at the center of this safe, enclosed feeling is the seed of emptiness.“

And dreams should stay in dreamspace, for that’s where they belong. Mainly cos a dream remembered is a dream that has only half done its work. And the cosmos is made up of stuff the scientists can’t find. Most of it is dream matter – a product that fuses language and music, iration and realisation, past and present, up and down, war and non-war, everything and everything else, and more, into one synaesthesic ball of luminous gloop. Everything* participates. Why does your heart as well as your gut feel music when music is only auditory – just chimp 1.2 banging skins and strumming wires? Because there’s no such thing as playing music: the music plays you. All the successful musician does – in the final analysis – is mediate smudged echoes of the moment of creation and maybe the moment under the moment too. They are listening for the ghost of a chance. They may help us make sense of who we are and where we came from; and as a compassionate side effect, teach us that nothing is lost. So I rake the sky, I listen hard. I trawl the megahertz.

And one night in 2013 a dream half did its work, remembered it on awakening in the middle of the night. The visuals have longsince turned to cosmotic/dreamcosmotic dust but the main theme of it was entirely word based. A repeated phrase that meant nothing to me. It went „Zeta Reticuli knows“, I don’t know how many times. I Say ‚remembered it‘ but the riff was still bouncing around my cerebral cortex – I could still feel it. I picked up my phone and sent myself an SMS so I could remember this meaningless phrase in the morning: „zetaretikuly knows“. Went back to sleep. Typed the nonsense phrase into Google the next day. And it turns out, with the help of search engine semantic/syntax correction, that Zeta Reticuli is real. Why it had got buried under a bush in the boondocks of the subconscious is not for me to conjecture. But hey, Zeta Reticuli knows – for it is written in light on a speck of lighter lighter light in the synaesthesic oblate globe of luminous silly putty that 90% of the cosmos comprises of. Somewhere.

And last week I dreamt I saw the cover of Marillion’s record Misplaced Childhood on a post written in pixels within the everchanging wider set of pixels on Manafonistas. And I dreamt I listened to the whole thing over again.  Ich brauche eine bestimmte Energie, um diese Schallplatte zu hören. & this was all I needed. &:
 

And I looked out the window
And I saw a magpie in the rainbow, the rain had gone

 

 
 
 
What the record offers is a nexus: the place where the dreamers of the dream meet the morning at the window, where The Incredible String Band, Boards of Canada and your own warblings make sense. The cup is broken. And everything is broken. And everything is repairable.

 
*Even stone.
 
[Note: 12.35% of this text is copyright Paddy McAloon, 2003. The rest is copyright: the universe]

I’ve written Brian Eno some lines about my journey along the Northern coast of Scotland, from Thurso to Dunnet Head, with some side trips to the hinterland. Alone with a driving jukebox called „Land Rover“ playing four cd’s only, David Bowie’s „Blackstar“, Brian’s „Taking Tiger Mountain (By Strategy)“, Van Morrison’s „Astral Weeks“, and Bo Hansson’s „Lord of the Rings“ – for days and nights on end, and hard rain in between.

 

„That was quite a strange Highlands drive you took Michael. I’ve never heard Bo Hansson’s Lord of the Rings and indeed know nothing about it. But what a nice group of albums.

I’ve never owned a car in my life, and the only regret I’ve had is that I therefore haven’t been able to drive off into the mountains and listen to music. There’s something about the confinement and concentration of a car interior that makes it an especially good place for listening. I think it’s also that the music really occupies the space of the car three-dimensionally, so you’re really inside the experience (…) 

Speaking of being inside the experience: If you want to hear my new album ( – thanks for the nice comments!) in its 3-dimensional form – which was how it was intended to be heard – I have a multi-channel installation called THE SHIP in Geneva at the moment, at the Institute of Contemporary Art. It’s a long train ride for you…but you could drive and listen to some music on the way!  (…)“

 
 
 

 
 
 

David Mitchell. Die Knochenuhren
 
 
Gleich zu Anfang: ich gebe es zu, ich schätze David Mitchell sehr und freue mich auf jedes neue Buch von ihm. Der 1969 in Southport, Lancaster, geborene Mitchell spricht generationsübergreifend die Menschen an, gefällt also nicht nur mir, sondern begeistert auch meine Schüler, deshalb lesen wir dieses jüngste Buch des Meisters im Moment auch im Literaturkurs der Klasse 13. Doch nun zum Buch selbst: Die Knochenuhren.

Wie Der Wolkenatlas, aber auch Mitchells Erstlingswerk Chaos, spielt auch Die Knochenuhren auf verschiedenen Zeit- und Erzählerebenen. Vom 30.6. bis zum 2.7.1984 erzählt uns die fünfzehnjährige Holly Sykes entscheidendes aus ihrem jungen Leben. Dann springen wir in das Jahr 1991, Geschichtenerzähler ist nun der Student Hugo Lamb, der im dritten Teil des Buchs, im Jahr 2004, von Brubeck, Journalist in Kriegsgebieten und Holly´s Ehemann abgelöst wird. Dann kommen wir in die jüngst vergangene Gegenwart, ins Jahr 2015, Crispin Hershey ist jetzt unser Erzähler, ein Dichter, ein Autor, dessen schöpferische Kraft versiegt und der nun ums Überleben kämpfen muss.

Übrigens, anders als im Wolkenatlas, begleitet uns Holly durch alle Buchteile hindurch, sodass wir am Ende des Buches vor ihrem Lebenspanorama stehen und die Lebenszeit eines Menschen vom 15ten Lebensjahr an bis ins hohe Alter betrachten können.

Der fünfte Teil spielt 2015, die Erzählerin ist Dr. Iris Mariunus-Fenby, eine Ärztin. Wahrscheinlich hat sich Mitchell auf Grund dieses Kapitels, es ist der weitaus längste Teil des Buches, den Winner of the World Fantasy Award geholt, mehr wird hier nicht verraten. Der letzte Teil der „Knochenuhren“ spielt 2043, Erzählerin ist wiederum Holly Sykes, jetzt aber im hohen Alter. Wir befinden uns in Irland, die Zivilisation ist am Ende, die westliche Welt heruntergewirtschaftet, die Umwelt restlos und irreparabel zerstört, überall herrscht Armut und Hunger, wer kann, flieht, etwa als Wirtschafts- oder Klimaflüchtling nach China.

 

Holly sagt am Ende ihres Lebens:

Ich und meine Generation haben uns sinnlos vollgefressen im Restaurant der Reichtümer dieser Erde und die Zeche geprellt, obwohl wir – trotz allen Leugnens – genau wussten, dass wir unseren Enkeln eine Rechnung hinterlassen, die sie nie werden bezahlen können.“

 
 
 

 
 
 

Es ist natürlich keine Frage, dass Mitchell die jeweilige Zeitepoche wieder perfekt sprachlich, politisch, wirtschaftlich und kulturell darstellt. Und dabei spielt natürlich auch die Musik eine große Rolle (das ist aber eine andere Geschichte, siehe der nächste Plattenschrank).

Am letzten Wochenende habe ich mit größtem Interesse einmal mehr die Kolumne von Caroline Emcke in der Süddeutschen-Zeitung gelesen. Es ging um Bildung, um Schule, ums Denken lernen. Emcke zitiert zu Anfang ihres Artikels den französischen Philosophen und Literaten Paul Valéry: „Denken ist unablässiges Durchstreichen“ , schrieb er. Der Satz hat bei mir gesessen, genau so ist es, dachte ich. Denken verlange demnach, schreibt Carolin Emcke weiter, „das zuvor Gedachte nicht unangetastet zu lassen, als sei es heilig, sondern es permanent neugierig und skeptisch zu betrachten. Denken als „unablässiges“ Durchstreichen verweist also auf die Notwendigkeit, bisher sicher geglaubte Erkenntnisse oder auch lieb gewonnene Gewohnheiten immer wieder zur Disposition zu stellen und, bei Bedarf, zu korrigieren.“

Genau das führt uns David Mitchell in seinen Büchern vor und er schafft das, indem er uns zurücktreten lässt, und eine Gesamtschau auf Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges ermöglicht und uns dadurch zur Korrektur, zur Umkehr zum „Durchstreichen“ bewegen könnte. Mitchells berühmtestes Buch Wolkenatlas spannt den Bogen beginnend 1849 über 1935, 1973, 2044, 2144 bis ins 24 Jahrhundert, Die Knochenuhren stellen ein Lebenspanorama vor, vom 15ten Lebensjahr der Protagonistin, bis in ihr hohes Alter.

Und Mitchell hat natürlich auch wieder in seinem jüngsten Roman, Verbindungen nicht nur zwischen den einzelnen Zeitaltern hergestellt, sondern, auch das kennen wir schon aus Vorgängerromanen, hat auch Verschränkungen zu früheren Romanen hergestellt. Immer wieder begegnen wir vertrauten Figuren aus früheren Romanen. Kürzlich las ich, dass zwanzig Figuren aus den „Knochenuhren“ bereits im „Wolkenatlas“ vorkommen. All das ist aber keine Spielerei, Mitchell wird nämlich nicht müde, dem Leser klar zu machen, dass alles miteinander zusammenhängt, dass die Sklaverei im 18 Jahrhundert, der Kolonialismus der letzten Jahrhunderte, der Rassismus, der gnadenlose, nur am Gewinnstreben orientierte Kapitalismus, die Ausbeutung der Natur nicht einfach irgendwann einmal die Welt beherrscht hat und dann war´s das, nein, all das hat bis in unsere Gegenwart Auswirkungen und wird auch unsere Zukunft bestimmen.

Und so wird es für mich besonders deutlich in Der Wolkenatlas, in Die tausend Herbste des Jacob de Zoet und jetzt wieder in Mitchells jüngstem Roman Die Knochenuhren: Denken ist „unablässiges Durchstreichen“, wir haben es in der Hand, was aus dieser unserer Welt wird, nichts ist egal, was wir uns erträumen, was wir wollen und umsetzen, das ist wichtig. Wir sollten dann aber auch vielleicht manchmal Gewohntes in Frage stellen, sicher geglaubte Erkenntnisse zur Disposition stellen.

„Wenn wir wirklich glauben, dass die Menschheit sich über Klauen u. Zähne erheben kann, wenn wir wirklich glauben, dass unterschiedliche Rassen u. Glaubensbekenntnisse diese Welt so friedlich miteinander theilen können wie die Waisenkinder ihren Kerzenölbaum, wenn wir wirklich glauben, daß Führer gerecht sein müssen, Gewalt geächtet gehört, Macht verantwortet werden muß u. die Reichthümer der Erde u. ihrer Oceane gerecht vertheilt werden sollen, dann wird eine solche Welt auch zustande kommen.“ (Zitat Adam Ewing 1849, Tagebuchaufzeichnung – aus: Der Wolkenatlas).

So, ich denke, ich habe nichts vorweggenommen, Sie werden dieses Buch verschlingen, als wäre es ein außerordentlich spannender Krimi. Für mich war es allerdings schon etwas gewöhnungsbedürftig, auf der einen Seite grandiose realistische Literatur zu lesen, die uns während etwa 600 der über 800 Seiten geboten wird, dann aber auch Fantasy, mag sie auch wirklich sehr gut sein. Wer Mitchell einmal kennenlernen will, er kommt in ein paar Tagen nach Deutschland, dieses Mal leider nicht nach Stuttgart, er liest am 15.03. in Köln im WDR Funkhaus, am 16.3. in Frankfurt im Literaturhaus und am 16.07. in Zürich.

 

Der Roman Die Knochenuhren erscheint heute in deutscher Sprache.

Hier wollte Wim Wenders schon lange einen Film drehen. Wäre er ein bildender Künstler, hätte er sich hier sein Studio eingerichtet. Die Rede ist von dem kleinen Ort Butte, Montana. Eine still gelegte Zechenstadt. Die Gebäude leben noch in einer anderen Zeit. Und das Licht. Lost & detached. Verstaubte Whiskyflaschen im speak easy club. I need to go out of town. Aber die Leute wollen nicht die Cowboys. Sie suchen den Mythos, just for entertainment. Phantom des Westens. Canyons of buildings. Somebody had to carry the torch.

Did you see „Der Unbeugsame“?

I couldn´t. We still were at the set then.

I like to base my stories and my movies on real places and characters, says Wim Wenders. Not so much on plot and story. We first came up with a character and then we tried to make a first scene and a place. And from that initial moment we developed the story, scene by scene. We did not know the end.

Ich kann nicht erklären, worum es geht, sagt Sam Shepard, der die Doppelrolle von Drehbuchschreiber und Hauptfigur spielt. Es geht um so vieles. It´s certainly not about … (hier lacht er kurz auf und bricht ab und wirkt eine halbe Sekunde unsicher, bis er sich fängt. Das kommt sehr sympathisch rüber. Dass es nicht rausgeschnitten wurde.) It´s really about, well, it´s about estrangement. This strange american sadness, the loneliness and how strange people are from each other. We don´t know each other. I´m haunted by that. The american character is more about that than anything else. More than success, power or strength and all the other things we present ourselves to be. It´s more about this strange lack of identity. We don´t know who we are. We never know it. We´ve invented our identity. We don´t have a clue.

Wim Wenders, Sam Shepard: Don´t Come Knocking

Die erste Begegnung mit ihm hatte ich 1976, im Studentenwohnheim in Würzburg, als ich „Dança das Cabeças“ auflegte, Nana an der Seite von Egberto Gismonti. Der Perkussionist hatte stets das Elementare im Sinn. Man denke nur an das Traumtrio Codona, mit Colin Walcott and Don Cherry. Sein Soloalbum mit dem grauen Cover. So viele gute Platten. Er war auch bei Jon Hassells „Possible Musics“ dabei. Die Grossen gehen, einer nach dem andern.


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