Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2021 21 Jan.

Sylter Projekte (20.1. – 29.1.)

von | Kategorie: Blog | | Comments off

 

„Geschichte einer Nachtwanderung“ (ein Essay mit Musik für eine „Nahaufnahme“ der Radionacht Klanghorizonte)

“Einführung ins Birding für Ahnungslose“ (mit einer „birdwatcherin“ unterwegs auf Sylt) – für einen Artikel in einer bekannten deutschen Zeitschrift; wird hier auf dem Blog nicht weiter erwähnt, könnte aber den Rahmen bilden der „Nahaufnahme“ im DLF)

Interviews vor- und aufbereiten mit James Yorkston, Cory Hanson, Nik Bärtsch, und Stefan Schneider („Mapstation“)

Flaschenpost aus der Sansibar („doing some red wine testing and writing“)

Invitation Webinar: Artificial Intelligence vs. Climate Change

 

2021 20 Jan.

Zwei wahre Stories mit wildem Meer

von | Kategorie: Blog | | Comments off

 
 

1

 

Bevor vor vielen Jahren das Manafonisten-Treffen auf Sylt stattfand, kontaktete ich ein norwegisches Duo aus der free improv-Szene, das sich „The Sheriffs of Nothingness“ nannte. Sie bekundeten grosses Interesse an meiner Idee, vor den Manafonisten aufzutreten, direkt am Meer, an einem Strand in Rantum. Als es konkret wurde, kamen sie mir beim Preis entgegen, und es deutete vieles darauf hin, dass Sylt ein ziemlich wildes Konzert erleben sollte, fernab gediegener kultureller Übereinkünfte. Das Duo machte seinem Namen nämlich alle Ehre. Natürlich wäre ein kleiner Artikel in der Inselgazette erschienen, und hätte den kleinen Kreis der Zuhörer um einiges vergrössert. Dass es letztlich nicht stattfand, lag einfach darin, dass sich einfach zu wenige Manas für ihre Musik erwärmen konnten. Ich mochte die Vorstellung, wie die Sounds von Wind und Wellen sich mit den Violinen- und Violatönen vermischt hätten. Aber nur bei wenigen wäre wohl der Funke übergesprungen, und etwas Berauschendes entstanden. Andererseits – wer weiss?!

 


Ich liebte Diana Ross und „The Supremes“. Wenn die Anfangsakkorde von „Stoned Love“ einsetzen, ist das so sinnlich. Es ist wie ein Orgasmus. Man kann die Wellen der Emotionen spüren, die aus dem Song kommen. Es ist, als ob du da stehst und das Meer über dich kommt … you’re getting embraced by an electronic sea of vibes … Ich kaufte früher die Motown-Compilations, vielleicht habe ich ihn auf einer davon gehört. Du lagst im Bett, hattest die Kopfhörer auf und dachtest, das ist einfach unglaublich. Es war einfach eine erstaunliche, gefühlvolle Erfahrung. „Stoned Love“ ist wie eine Verführung.

(Steve Diggle, once upon a time member of punk pioneers  Buzzocks)

 

 

Zwei im Lockdown entstandene Solowerke („Mapstation“ & Mats Eilertsen) bilden den Rahmen der  ersten Stunde voller Neuerscheinungen. Passagen meiner Interviews (aus der Ferne) werden zu hören sein, mot Stefan Wagner („Mapstation“) zu seinem neuen Album „My Frequencies, When We“. Und mit James Yorkston über seine Arbeit „The Wide, Wide River“. In den zwei näher betrachteten Stücken geht es um Trauer, Beerdigung, Suizid. „You chose the happy songs“, sagt Yorkston mit einem Schmunzeln. An einer Stelle bringt er in einem Satz die Musik von „Neu!“ und „Veedon Fleece“ unter. Es ist gar  nicht verkehrt, im Vorfeld der Radionacht das erste Album von Rother / Dinger hervorzuholen, gerne auch das zweite, sowie die Arbeit von Van Morrison, dessen Cover eine irische Landpartie mit Hunden suggeriert (immer einer meiner Favoriten von Mr. Morrison.) Zwei Gedichtbände ganz unterschiedlicher Art von Martina Weber und Dana Ranga spielen ebenfalls eine Rolle, in passendem Umfeld von „Sternzeit“ und aktuellen Veröffentlichungen von Ecm und Eno („Rams“). Ein Finne spielt Kandinsky und reist auf seinen Tasten um die Welt, ohne die üblichen, zutraulichen Lokalkoloeite. Zwei Filmempfehlungen, „Lovers Rock“ und Red, White and Blue“, beide von Steve McQueen, bilden den Rahmen einer besonderen Zeitreise in der diesmal nur vierstündigen Ausgabe der Klanghorizonte am 20. Februar. Augustus Pablo und Al Green werden zu hören sein, in einem „akustischen Mandala“ (Olaf Westfeld) für den Cellisten David Darling, der am 8. Januar in Connecticut starb. In einer weiteren Zeitreise werden einige Hörer Tiziano Popoli entdecken und sich fragen: warum erst jetzt? Für genug Überraschungen wird gesorgt sein. 

 

 
 

Gelegentlich wurde hier auf dem Blog auf Unterschiede der Buchcovergestaltung von Original und Übersetzung hingewiesen. Kulturelle Codes, die in einem Land etwas antriggern, in einem anderen nicht – jedenfalls nach Einschätzung der Marketingabteilung. So entspricht das Arrangement auf dem Cover der deutschen Übersetzung von Chris Yates‘ Nightwalk wohl dem, was man hierzulande unter einem Aufbruch zu einer Nachtwanderung versteht: Da ist sich verdunkelnde, aber noch graue Himmel, da ist der unvollständige Mond, und wir sind umgeben von Ästen, Zweigen, Bäumen, die sich bald in Silhouetten verwandeln, und was sich uns dann, wenn wir es wagen, weiterzugehen, offenbart, auch wenn wir die Orientierung verloren haben, das ist im besten Fall pure Magie und unvergesslich. Die Nachtwanderung, an die ich mich am intensivsten erinnere, führte uns auf einem unbekannten Pfad im Odenwald in einen Waldweg hinein und immer weiter. Es waren Pfingstferien, ich war, was ich sehr selten tat, mit einer Gruppe unbekannter Jugendlicher auf einer Art Ferienfreizeit. Wahrscheinlich trug sie das Motto „Schau nach, was in dir steckt“ oder „Leben wär ’ne prima Alternative“, – tatsächlich gab es solche Veranstaltungen in dieser krisenbeladenen Zeit, in der wir nicht wussten, wann jemand in Moskau oder Washington auf den berüchtigten roten Knopf drücken würde, der die Welt in Atome zerlegt, noch bevor wir unser Abitur haben würden. Wir lebten eine Woche im Wald, schliefen in Holzhütten und jeden Tag gab es Diskussionen. Bis spät in der Nacht am Lagerfeuer zu sitzen und zu spüren, wie sich R, der sogar ein politisches Seminar leitete, immer näher zu mir setzte und schließlich sogar seinen Arm um meine Schultern legte, wühlte mich dann aber doch mehr auf als die politische Lage. Es war an einem späteren Abend, als R und ich im Wald spazieren wollten. Eine Schülerin fragte uns, ob sie mitkommen dürfte, und so gingen wir zu dritt. Wahrscheinlich redeten wir über alles Mögliche, mag sein, dass uns irgendwann eine Eule direkt in die Augen blickte oder dass ein Rotwild sein Geweih an einen Baumstamm stieß. Was ich nur weiß, ist, dass es sehr dunkel war. Plötzlich rannten von allen Seiten Schäferhunde auf uns zu, sie bellten laut und zeigten ihre spitzen Zähne. Ich war fest davon überzeugt, dass ich spätestens in einer Minute halb zerfletscht am Boden liegen und in diesem Wald sterben würde. Denn blendeten die Lichtkegel von Taschenlampen auf, das Grelle direkt im Gesicht. Es waren Soldaten. Wir hatten im Dunkel des Waldes ein Schild übersehen, das eine Sperrzone markierte und das Weitergehen untersagte. Sie machten uns Vorwürfe und ließen uns dann gehen. Wir hatten einander zwischendurch aus den Augen verloren. Als wir uns wieder trafen, kamen wir nah zusammen, zu dritt, und umarmten einander. Wir standen lange so da und sprachen nicht.

2021 17 Jan.

„Days of records and roses“ (part 1)

von | Kategorie: Blog | | Comments off

Vor Sylt erreichen mich Fotos von überfüllten Pendlerzügen und wg. steigender Covidzahlen abgesagter Gemeindesitzungen in Wenningstedt. Die Insel ist also kein so sicherer Ort mehr, aber ich werde eh nur pendeln zwischen den einsamsten Stränden, meinem Rosenhaus, und der Futterstelle Rantum-Süd. Von Claudia K. Lasse ich mich in Sachen Nachtwanderung briefen. Meine Kontakte treffe ich ohnehin maskiert im Freien, und wie schön, dass ich auch eine Einführung ins „birding“ erhalte. „Herr Engelbrecht, das war doch schon ein Anfang: sie nahmen das Konzert der morgendlichen Schreihälse auf.“ Genau, Madame. Und legte später dazu im Funkhaus David Hollands Ohrwurm „Conference of the Birds“ auf. Die Anreise mit dem schwarzen Flitzer am 20. Januar. Bis dahin ist noch etwas Zeit. Ich schaue auf die webcam der Strandpromenade. Huch, so leer – ich dachte heute morgen wäre Kurkonzert.

 
 

 
 

Elfter Januar. Wieder daheim, von meinem Krankenhausaufenthalt in Essen, der eine recht entspannte Woche für mich bereithielt, hatte ich, als es dunkel wurde, John Coltranes „Blue World“ aufgelegt, das einzige Album des berühmten Quartetts, das ein Soundtrack sein sollte. Diese „blaue Welt“ wurde erst vor wenigen Jahren ans Licht befördert, und fordert kein einziges bewegtes Bild, um Wirkung zu erzielen. Nach den Tagen in gewisser Abgeschiedenheit war ich endlich wieder in meiner elektrischen Höhle, und suchte mir sehr, sehr, sehr gut aus, was ich an Alben ganz und gar bewusst, mit Ohren gross wie Scheunentore, in mich aufnehmen wollte.

 

Zwölfter Januar. Was hörst du jetzt, was tut dir in dieser Stunde saugut? Ganz sicher, wenn dich Sleaford Mods aus dem Abgrund angucken, während du gerade in ihn hineinblickst. Hier gibt es keinen Trost, ausser an ihrer gnadenlos harten Sprache teilzuhaben, ihrem runtergebrochenen knochentrockenen Sound. Let’s call it furious absurdismHeute morgen folgte ich dem Gebell ihres Albums „Eton Alive“. Ziemlich grossartig. How kraut can you get? Die Brüder Diaz und Diaz aus Tucson, Arizona, haben sich mit ihrer Band Trees Speak nicht gerade zu verschwindend kleinen Teilen dem teutonischen Krautrock verschrieben. Ihre Kunst auf „Shadows Form“ besteht allerdings darin, mit jedem Track eine komplett andere Szenerie zu inszenieren. Sie arbeiten dabei nie die alten Gebrauchsanweisungen ab, betreiben interessante Geräuschforschungen, und lassen so manche Hörererwartung dezent ins Leere laufen. Diese Epigonen sind erfinderisch.  Toll produziert auch, die Veröffentlichung von Soul Jazz Records.

 
 

 
 

Dreizehnter Januar. Weiter geht es mit meinem ganz privaten Seelenfuttterfestival. Aus Australien kam mit der Post Unerwartetes. Das Pianosoloalbum „Appearance“ von The Necks-mastermind Chris Abrahams. Zwei lange Stücke, die sich Zeit nehmen, von Wellenkamm zu Wellenkamm. Grosse Ruhe, feine Spannung. Nachmittags war Billies Stunde. Hatte mich M. Wards Homage an „Lady in Satin“ (1958) ein ums andere Mal fasziniert, war nun Zeit für das Original, das ja auch Robert Wyatt in sein Herz geschlossen hat. Ich bin überrascht, wie gut dieser alten Produktion das Remastering getan hat. Am Abend hatte ich einen Deal mit Augustus Pablos „Rising Sun“. Ein warmer Sound vom Allerfeinsten. (Wäre  Bo Hanson Rastafari gewesen, er hätte vielleicht so geklungen – ein reichhaltiges Reggae-Instrumentalalbum – es findet sich auf der Doppel-Cd „Ancient Harmonies“, mit weiteren drei Produktionen des Augustus Pablo, aus den Achtziger Jahren, als moderne Sounds  bei ihm freundlich um Einlass baten.) 

 

Nachklang (Was Mr. Suggs von Madness zu Augustus Pablos berühmestem Album King Tubby meets Rockers Uptown erzählte): „Es ist einfach zeitlose Space-Age-Musik. Musik, die mit so wenig Technologie aufgenommen wurde, und doch klingt sie so technologisch. Sie ist spontan aufgenommen und spontan abgemischt, und doch klingt sie, als wäre sie arrangiert worden, von viertausend Produzenten, vier Millionen Trevor Horns. Aber es waren nur zwei Kerle, die Fader hoch und runter schoben, mit ein paar Raumechos. Es ist ein erstaunlicher Sound, und es ist erstaunlich, was sie in Jamaika gemacht haben, besonders Leute wie Lee Perry und King Tubby. Klanglich haben sie die Musik verändert. Damals war es ziemlich schwierig, an sie heranzukommen: Es gab einen Laden in Finsbury Park, der ein ziemlich bedrohlicher Ort war, wenn man ein junges, pickeliges, hautkrankes Kind war. Ich erinnere mich, dass Johnny Rotten dort hinging, aber ich glaube, er war ein bisschen furchtloser! Aber es gab Hauspartys, auf denen man ein bisschen davon hörte, und es verbreitete sich in Läden wie Rough Trade und im Rock On in Camden Town, und am Ende lieh man sich eine Menge Platten, die man nie zurückgab …“

2021 16 Jan.

Infusion

von | Kategorie: Blog | Tags:  | | 2 Comments

 

Das einstmalige Wunderkind Ofri Nehemya ist mittlerweile auch Schlagzeuger im Trio des Pianisten Shai Maestro und sicherlich noch Vieles mehr. Ganz wie Artgenosse Ziv Ravitz reiht er sich ein in die Galerie junger Glanzlichter des israelischen Jazz. Faszinierend, wie vital solche Akzente einmal mehr Frank Zappas Diktum vom Verfallsdatum des Jazz Paroli bieten. Das Gleiche gilt für seinen Abkömmling, den Jazz-Rock, der ja auch schon oft für tot erklärt wurde. Weit gefehlt, was einmal prägend war, bleibt immer gut. Zählte man sich doch zu jenen, die Billy Cobham einst im Maschinenhaus zu Bremen, jenem Wallfahrtsort, in dem zum Tanzen oftmals Steely Dan erklang, über die Schulter schauten, von der Empore aus, die aussah wie ein Stahlgerüst auf einer Großbaustelle. Alphonse Mouzon war damals auch ein Star am Sternenhimmel. Später dann war man versessen auf Peter Erskine, favorisierte lange Zeit sein Trio mit Palle Danielsson und John Taylor, sammelte deren Platten. Apropos Maschinenhaus, auch im Lockdown kommt so manche Erinnerung wieder: die Helden früher Jugendtage hiessen Train (in Anlehnung an Coltrane), mit einem gewissen Gerd Lueken an Piano und Klarinette und vor allem Ronald Geissler an der Fender, den ich unglaublich gut fand. Those were the fun and funk times. Einfluss hatten auch Soft Machine und das Mahavishnu Orchestra. Wir pilgerten zu vielen Konzerten dieser Gruppe. Wie gesagt: die Fusion-Ader fliesst auch heute noch zuweilen, frisch und frei und unverkalkt. Repetitive Strukturen, Minimalmusik, vertrackte Polyrhythmen erhielten mittlerweile Einzug. Dem elektrisierenden Drumstick-Geflirre wie auf „Drive“ könnte ich stundenlang zuhören und -schauen.

 

2021 15 Jan.

[AT 08] Asmus Tietchens: Musik im Schatten

von | Kategorie: Blog | Tags:  | | Comments off

 
 
Weiter in der Asmus-Tietchens-Chronologie: Irgendwann 1982, zwischen den Sky-LPs Spät-Europa und In die Nacht, erschien auf dem amerikanischen Cassettenlabel Aeon die Musik im Schatten. Die Auflage ist nicht bekannt; mein Tipp: nicht mehr als zehn. Mit etwas gutem Willen kann man das Produkt mit Musik aus der Grauzone (1981) und Musik an der Grenze (1982), beide ebenfalls Cassettenproduktionen, als Teil einer Werkgruppe auffassen.

Die fünf Tracks sind harte elektronische Kost, hervorgebracht auf dem Moog Sonic Six, gelegentlich mit kurzen, durchweg durch den Synthesizer und den Filteraltar gedrehten Sprachsamples erweitert. Verständlich ist dabei nur das Wort „selbst“, zu hören in dem Stück „Du darfst“, das wohl nach der gleichnamigen Margarinemarke benannt ist und ähnlich glitschig klingt. Alle fünf Stücke sind akustisch bewusst aufdringlich und schrill gehalten, es gibt kaum Pads, kaum Ruhepunkte und nur wenige angedeutete Melodien. In „Nosferatu“ hören wir elektronisch imitierte Mickymaus-Stimmen, die ein wenig an „Stressmen“ vom Biotop-Album erinnern. Tietchens-typisch ist aber auch auf dieser Einspielung der ökonomische Umgang mit dem Material — nie sind es mehr als vier Schallquellen gleichzeitig, die man hört. Deswegen konnte Tietchens auch immer auf die Möglichkeiten des programmierbaren Mischpultes verzichten, das in Okko Bekkers Audiplex-Studio vorhanden war.

Es ist kein Vergnügen, sich diese Cassette anzuhören; auf mich wirkt die Einspielung „zusammengehauen“ und nicht wirklich interessant. Im Gesamtwerk Tietchens‘ wird man die Musik im Schatten wohl als entbehrlich ansehen dürfen.
 
Musik im Schatten
Aeon AE 001, USA 1982
Wiederveröffentlicht auf Auricle Music AMC 34, GB 1988.
 
 

2021 15 Jan.

Tropische Gelüste

von | Kategorie: Blog | | 7 Comments

Carla Bley: „Tropic Appetites“ (1974)Am Mikrofon: Michael Frank. Drei Jahre nach Veröffentlichung der epochalen Triple-LP „Escalator over the hill“ erschien 1974 die zweite Sammlung von Bleys genresprengenden Kompositionen zu Texten von Paul Haines. Inspirationsquelle der surrealen Gedichte waren längere Aufenthalte des Autors in Indien und Südostasien. Obwohl nur eine einzelne LP, ist das von einem Oktett eingespielte Album „Tropic Appetites“ alles andere als ein Anti-Klimax zur Jazz-Oper „Escalator over the hill“. In den komplexen, mehrteiligen Stücken gibt es Anklänge an Songs von Brecht/Weill und fernöstliche Tönungen. Zu hören sind auch Jazz-Rock typische Bass-Riffs und feurige Soli von Tenorsaxofonist Gato Barbieri – und ein ganz besonderes Kinderlied, gesungen u.a. von Bleys damals sechsjähriger Tochter Karen Mantler. Ein weiteres Highlight des Albums ist die Stimme von Julie Tippetts, die nur wenige Jahre zuvor unter ihrem Mädchennamen Julie Driscoll Erfolge in der Popwelt gefeiert hatte. (Die Sendung kann sieben Tage in der Audiothek des Deutschlandfunks nachgehört werden. Der Link findet sich in comment 3.)

 

 

It is with great sadness that we share the news of David Darling’s passing. David leaves us with a rich legacy through his music, his teaching and his spirit. He touched all of us deeply and impacted the lives of so many around the world, inspiring us to find and express the creative spark within.

(daviddarling.com)

 

 

Der tätowierte Schamane mit Fellmütze sitzt am Küchentisch, als ich nach Hause komme, Beine hoch, Fellschuhe auf dem weißen Esstisch neben der Butter, starrt er mich schweigend an. Sprachlos und schwindlig vermeide ich Blickkontakt, habe andere Sachen zu erledigen. Käfig, Rad, Hamster. Hier ist ein Stückchen Käse zum Knabbern. Einfrieren, dann kann ich später davon essen. Der Keller wird neu verkabelt. Das schwarze Plastik der alten Glühbirnenfassung zerbröselt zwischen den Fingern. Der Boden bebt, Krach rührt mich durch, fügt sich in die Musik ein. Ein Einkaufszettel liegt auf dem Küchentisch, in Schreibschrift stehen Grün, Gedankenformen und Transzendentale Wellen darauf. Ob ich Plansprachen darunter schreibe? Eisiger Wind um meinen Mantel, Schnee fällt von der Küchendecke und bedeckt die Fellmütze mit einem feinen feuchten Film.

 


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz