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2021 15 Jan

Tropische Gelüste

von: Manafonistas Filed under: Blog | TB | 7 Comments

Carla Bley: „Tropic Appetites“ (1974)Am Mikrofon: Michael Frank. Drei Jahre nach Veröffentlichung der epochalen Triple-LP „Escalator over the hill“ erschien 1974 die zweite Sammlung von Bleys genresprengenden Kompositionen zu Texten von Paul Haines. Inspirationsquelle der surrealen Gedichte waren längere Aufenthalte des Autors in Indien und Südostasien. Obwohl nur eine einzelne LP, ist das von einem Oktett eingespielte Album „Tropic Appetites“ alles andere als ein Anti-Klimax zur Jazz-Oper „Escalator over the hill“. In den komplexen, mehrteiligen Stücken gibt es Anklänge an Songs von Brecht/Weill und fernöstliche Tönungen. Zu hören sind auch Jazz-Rock typische Bass-Riffs und feurige Soli von Tenorsaxofonist Gato Barbieri – und ein ganz besonderes Kinderlied, gesungen u.a. von Bleys damals sechsjähriger Tochter Karen Mantler. Ein weiteres Highlight des Albums ist die Stimme von Julie Tippetts, die nur wenige Jahre zuvor unter ihrem Mädchennamen Julie Driscoll Erfolge in der Popwelt gefeiert hatte. (Die Sendung kann sieben Tage in der Audiothek des Deutschlandfunks nachgehört werden. Der Link findet sich in comment 3.)

 

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7 Comments

  1. Michael Engelbrecht:

    Lieber Michael, TROPIC APPETITES ist sicher eine meiner drei Lieblingsalben von Carla Bley. Ich sage das mit dem gebotenen Understatement, denn wie die zwei andere lauten, darüber müsste ich länger nachdenken, und ESCALATOR OVER THE HILL wäre gewiss nicht automatisch dabei.

    Leider habe ich das Album irgendwann verloren, und so weiss ich nur, aber was heisst hier, nur, aus der Erinnerung, wie grossartig es damals war, wieder und wieder in dieses Album einzutauchen. Ich werfe gerade einen Blick auf meine Alben in vorderster Reihe, und möchte gleich etwas auflegen, das aus der Zeit damals kommt, und ein ähnliches Feuer versprüht.

    Here we go: DON CHERRY (1976), das Album, das Corrado Bacchelli produziert hat, mit den Stücken Brown Rice, Malkauns, Chenrezig, und Degi-Degi. Es kam vor den drei fantastischen Codona-Alben (ECM) raus, wunderbar wild und melodietrunken, und hypnotisch.

    Freue mich auf die Sendung!

  2. Lorenz:

    Tropic Appetites ist die einzige CD von Carla Bley, die ich habe. Tolle Platte! Das Saxophon von Gato Barbieri ist darauf einfach unglaublich. Die Sendung werde ich auch an- oder nachhören.

  3. Michael Engelbrecht:

    https://www.deutschlandfunk.de/milestones.1805.de.html

    Zu Carla möchte ich hinzufügen, dass ihr ein tief beeindruckendes Spätwerk gelungen ist – ich meine die drei von Manfred Eicher produzierten Alben; das (erstmal) letzte dieser Reihe erschien 2020, LIFE GOES ON. Immer wieder dieses Trio: Bley, Sheppard, Swallow. Essenzen.

  4. Michael Engelbrecht:

    Eine Wiederveröffentluchung der einen und anderen alten WATT-Produktion wäre eine feine Sache.

    Dazu fällt mir neben TROPIC APPETITES auch noch jene Schallplatte ein, 13 3/4, oder ähnlich betitelt, eine Seite eine Michael Mantler Komposition, sie andere (der Ohrwurm!) von Carla Bley. Über letztere schreibt AllMusic:

    Bley’s „3/4“ for piano and orchestra is a lovely, romantic locomotive of a piece, its clockwork rhythms dancing and chugging along, offering occasional peaks of luxurious, ecstatic release. The piano part, here performed by Bley (played by Keith Jarrett at the piece’s premiere), isn’t showy or pyrotechnic, blending in at all times with the orchestral writing which is the heart of the composition. „3/4“ stands apart from her other work, sharing little in common with the styles evinced on Escalator Over the Hill, for example, and only partially pointing in the direction of the more hermetic offerings of Social Studies. Kurt Weill’s presence is felt in the cabaret-ish melodies that surface here and there, but this is still uniquely Bley and, along with Escalator and Tropic Appetites, arguably her finest work.

    Besitze ich in leider nicht mehr präsentabler uralter Vinylfasssung. Ich bin sicher, Rosato kennt das Teil.

  5. Lorenz:

    Eine ebenfalls interessante DoCD mit vertonten Texten von Paul Haines ist „Darn it“ ein Projekt von Kip Hanrahan (1993 auf American Clave erschienen). Mit u.a. Carla Bley, Paul Bley, Robert Wyatt, Jack Bruce, Steve Swallow, Leo Nocentelli um nur einige, wenige zu nennen.

  6. Rosato:

    @Lorenz

    nur eine einzige CD von Carla?

    zu den allerallerallerbesten zählt
    THE LOST CHORDS FIND PAOLO FRESU

    die „Banana Suite“ paraphrasiert die bass line eines Songs einer berühmten Band

    hierzu ein Blick zurück um 1710 Tage

  7. Lorenz:

    Sicher, keine böse Absicht.
    Ach, so viel Musik noch zu hören und zu entdecken. Zu meiner Entlastung kann ich zumindest erzählen, dass ich vor vielen Jahren
    auf einem Konzert von „Karen Mantler and her Cat Arnold“ war. Da spielten 3 „Kinder“ von sehr bekannten Musikern in der Band.
    Eben Karen Mantler, Eric Mingus und Jonathan Sanborn. Es war ein
    tolles Konzert – vor allem der noch sehr junge Eric Mingus hatte mich sehr begeistert.
    Ja, Abbey Road. Immer wieder eine Inspiration (für viele).

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