Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

 

Zwei im Lockdown entstandene Solowerke („Mapstation“ & Mats Eilertsen) bilden den Rahmen der  ersten Stunde voller Neuerscheinungen. Passagen meiner Interviews (aus der Ferne) werden zu hören sein, mot Stefan Wagner („Mapstation“) zu seinem neuen Album „My Frequencies, When We“. Und mit James Yorkston über seine Arbeit „The Wide, Wide River“. In den zwei näher betrachteten Stücken geht es um Trauer, Beerdigung, Suizid. „You chose the happy songs“, sagt Yorkston mit einem Schmunzeln. An einer Stelle bringt er in einem Satz die Musik von „Neu!“ und „Veedon Fleece“ unter. Es ist gar  nicht verkehrt, im Vorfeld der Radionacht das erste Album von Rother / Dinger hervorzuholen, gerne auch das zweite, sowie die Arbeit von Van Morrison, dessen Cover eine irische Landpartie mit Hunden suggeriert (immer einer meiner Favoriten von Mr. Morrison.) Zwei Gedichtbände ganz unterschiedlicher Art von Martina Weber und Dana Ranga spielen ebenfalls eine Rolle, in passendem Umfeld von „Sternzeit“ und aktuellen Veröffentlichungen von Ecm und Eno („Rams“). Ein Finne spielt Kandinsky und reist auf seinen Tasten um die Welt, ohne die üblichen, zutraulichen Lokalkoloeite. Zwei Filmempfehlungen, „Lovers Rock“ und Red, White and Blue“, beide von Steve McQueen, bilden den Rahmen einer besonderen Zeitreise in der diesmal nur vierstündigen Ausgabe der Klanghorizonte am 20. Februar. Augustus Pablo und Al Green werden zu hören sein, in einem „akustischen Mandala“ (Olaf Westfeld) für den Cellisten David Darling, der am 8. Januar in Connecticut starb. In einer weiteren Zeitreise werden einige Hörer Tiziano Popoli entdecken und sich fragen: warum erst jetzt? Für genug Überraschungen wird gesorgt sein. 

 

This entry was posted on Dienstag, 19. Januar 2021 and is filed under "Blog". You can follow any responses to this entry with RSS 2.0. You can leave a response here. Pinging is currently not allowed.

10 Comments

  1. ijb:

    Kleine Anmerkung: David Darling wurde zwar in Indiana geboren, gelebt hat er dann allerdings bis zu seinem Tod an der Ostküste, in Connecticut, auf halber Strecke zwischen New York City und Boston, wo er laut der Todesmeldung auch starb.

    Ich habe ein paar Mal versucht, zu ihm Kontakt aufzunehmen, hätte ihn liebend gerne besucht, da er in der ECM-Familie als (Solo-)Cellist eine ganz eigene Rolle eingenommen hat, habe, nachdem meine E-Mails unbeantwortet blieben, über die letzten zweieinhalb Jahre auch auf anderen Wegen versucht, Kontakt herzustellen (zumal ich mehrfach ganz in der Nähe seines Wohnorts war), was aber leider erfolglos geblieben ist.

  2. Olaf Westfeld:

    Diese Steve McQueen Filme kannst Du empfehlen? Ich hatte auch schon damit geliebäugelt, die zu gucken. Habe jetzt die 4. Staffel The Crown durch und von daher etwas Zeit. Wobei mich das viele vor dem Bildschirm sitzen so langsam nervt, aber irgendwann wird das ja auch wieder besser.

  3. ijb:

    Ich persönlich habe zwar die McQueen-Filme (noch) nicht gesehen (kein Amazon-Zugang – versuche Amazon ohnehin nicht auch noch zu fördern, solange der Laden so unsozial ist und zu den größten finanziellen Nutznießern der Pandemie zählt) – ABER: Steve McQueens Werk ist prinzipiell immer empfehlenswert. Kann mir nicht vorstellen, dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird. Kaum jemand im Film-/Audiovisuelle-Kunst-Bereich schafft es wie er, gesellschaftsrelevante und politische Themen mit hohem künstlerischen Anspruch und emotionaler Intensität zu verbinden.

  4. ijb:

    Eine hervorragende sechsteilige Serie habe ich in den letzten zwei Tagen gesehen, die ich auch nicht nachdrücklich genug empfehlen kann: Die „True Crime“-Serie Höllental ist seit ein paar Tagen in der ZDF-Mediathek zugänglich.

    Ich empfehle, möglichst keine Besprechungen (mit Inhaltsangaben und dergleichen vorab zu lesen; manche nehmen da schon sehr viel vorweg), aber wer dennoch etwas Zusatzinfo braucht, hier ein paar Zeilen aus dem Film-Dienst:

    Eine Serie über den realen Kriminalfall rund um das Verschwinden und die Ermordung der neunjährigen Peggy Knobloch im Mai 2001 in der bayerischen Stadt Lichtenberg. Die sechs Folgen rekonstruieren das Geschehen mittels akribischer Recherche, eines ausgeklügelten Sounddesigns und ohne Wertung oder Effekthascherei, sodass sich eine außergewöhnliche narrative Sogkraft entfaltet.

    __

    „Dieser Fall hat eine unglaubliche Dimension: er ist für mich wie ein großes dunkles Loch, wie so ein Grauen, in dem es keinen Halt mehr gibt. […] “, sagt Marie Wilke am Ende der vierjährigen Produktionszeit von „Höllental“. Dafür hat sich die Regisseurin von „Staatsdiener“ und „Aggregat“ akribisch durch 80.000 Seiten Aktenmaterial gekämpft, aus dem der Dokumentarfilmer Thomas Heise als Sprecher aus dem Off vielfältig zitiert und zugleich permanent neue Assoziationsketten schafft. „Ich habe von vornherein keinen investigativen oder journalistischen Ansatz verfolgt. Für mich war Errol Morris’ „Der Fall Randall Adams“ ein wesentlicher Einfluss für dieses außergewöhnliche Serienprojekt, das in meinen Augen von konzentrischen Kreisen geprägt ist: Das macht den Fall Peggy Knobloch einerseits so spannend, andererseits auch so reich an Widersprüchen.“
    […] Allein mit Schwarzblenden, statisch kadrierten Befragten und einer klugen Auswahl aus knapp zwanzig Interviewpartnern […] gelingt der Serienmacherin eine narrative Wucht, die sich konsequent durch alle Teile zieht.

    Das multiperspektivisch in Szene gesetzte True-Crime-Format, das im Gegensatz zu amerikanischen Pendants ohne Bilder aus dem Gerichtssaal oder von Verhören auskommen muss, rekonstruiert die Rätsel um das Verschwinden und den Mord sehr differenziert. Dabei werden etwa auch die Fehler innerhalb des Polizeiapparates wie in der Justiz ungeschönt aufgezeigt und zur Diskussion gestellt. Ohne Reenactments wie etwa bei Errol Morris und im Wechsel aus Originalschauplätzen, Fotos, Polizeiakten, Zeitungsberichten und sparsam verwendetem Archivmaterial erbringt die Regisseurin den Beweis, dass nichts spannender als die Realität ist und im Grunde jeder Interviewte inzwischen mit einem eigenen Wahrheitsbegriff operiert. Das führt am Ende zu einem regelrecht labyrinthischen Erzählbogen, der mehr Fragen als Antworten generiert und zugleich ungemein fesselt.

  5. Michael Engelbrecht:

    Betr: SMALL AXE. Es gibt eine preisgünstige Doppel-DVD, englisches Original mit/ohne engl. Untertitel. Drei der fünf Filme, die sich um strukturellen Rassismus in England drehen, 1968-82, habe ich schon gesehen, und sie waren durchweg brilliant. Mangrove, Lovers Rock, Red, Blue and White. Man kann die Filme als standalones sehen.

  6. Martina Weber:

    Dana Ranga kannte ich gar nicht. Sie ist auch auf lyrikline.org mit Gedichten vertreten. Ich habe gerade mal zwei gelesen und bin sehr angetan. Was für eine Entdeckung.

  7. Michael Engelbrecht:

    Ob sie in diesem Band selber dichtet (eher weniger), verdichtet, oder vorgefundene Texte von Astronauten einfach in eine lyrische Form transportiert, 1:1, als Doku-Lyrik, werde ich noch rausfinden. Die Idee ist jedenfalls simpel und effektiv. Man kann es aber nicht oft machen (wenn es so simpel ist.)

  8. Martina Weber:

    Also, dieses sehr kurze Gedicht von Dana Ranga auf lyrikline.org finde ich spontan ausgezeichnet, es setzt etwas frei, hat Tiefe, lässt sich logisch gar nicht erschließen:
    https://www.lyrikline.org/de/gedichte/wasser-15344

  9. Michael Engelbrecht:

    Interessant. Offensichtlich viele Ansätze.

    Zu James Yorkston: man könnte den Eindruck gewinnen, aufgrund meinest Textes, THE WIDE WIDE WORLD wäre eine düstere Amgekegenheit. Ist es nicht. Ein mitreissendes Album in meinen Ohren. Hier der völlig stimmige Text zu bestimmt einem der feinsten Folklalben des Jahres 2021, von Domino Records HQ:

    James Yorkston and The Second Hand Orchestra will release The Wide, Wide River on January 22nd. The album came to be after the blossoming of a long-term friendship between James Yorkston and Karl-Jonas Winqvist, the Swedish music producer, leader and conductor of The Second Hand Orchestra.

    A communal feeling is apparent across the entire album. Recordedand mixed in Sweden over the course of three days with a selection of musicians Winqvist had brought together, including Peter Morén (Peter, Bjorn & John), Cecilia Österholm (one of Sweden’s best-known nyckelharpa players), Emma Nordenstam (piano & cello) and Ulrika Gyllenberg (violin). The studio approach with The Second Hand Orchestra was entirely improvised around Yorkston’s songs, and the only song they heard in advance was “Ella Mary Leather”; Yorkston didn’t want to direct anyone too much but instead, allowed for a welcoming, instinctive, free-spirited and joyful atmosphere.

    The Wide, Wide River isa soothing, warm and sublime listen, whilst alsohighlighting Yorkston’s skills for songwriting, collaboration and as a musical conductor. The record takes in past loves, advancing age and friends, now gone, whilst also containing some of the most sanguine songs Yorkston has ever made.

  10. ijb:

    SMALL AXE DVD – das ist natürlich interessant; das war mir nicht bekannt. Ist ja sehr ungewöhnlich, dass so schnell nach dem Start schon eine DVD-Veröffentlichung stattfindet – macht aber natürlich Sinn bei Steve McQueen und BBC. Von etlichen Streaming-Service- (bzw. Amazon-)Produktionen gibt es ja (bislang?) keine DVDs, und man ist auf ein Abo oder zumindest einen Probemonat angewiesen.

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