Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

You are currently browsing the blog archives for the category ‘Blog’.

Category: Blog

– ich seh da voll doof aus, Uschi!

– DU siehst blendend aus! Aber ich hab wirklich Monster, vor allem wenn man Zähne sieht. Die fallen dann fast raus beim Singen….

– jedenfalls wird da meine Liebe zum italienischen und spanischen Schlager gut dokumentiert. 

 

 

 

 

2023 10 März

Ocean Highways

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off

 


 
 

I warned him not to drive too fast,

It might be slippery.

The U turn could easily become a double U.

He sped up and pushed the Chevy over a diver wave.

Later I thought, his urge for the mermaids just pulled him away.

 

2023 10 März

Die Geschichte von Eden Ahbez (1)

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off

„Erst 1995 – dem Jahr, in dem Eden starb – erblickte sein einziges Album, 35 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung, ein zweites Mal das Licht der Welt. Bob Keane, der Gründer von Del-Fi Records, hatte seit der Wiederbelebung seines Labels bereits acht Jahre Zeit gehabt, es neu aufzulegen, aber sein Zögern sprach Bände. Zwar hatte Eden mit seinen Liedern echte Hits gelandet, aber andere hatten sie interpretiert, vor allem „Nature Boy“, ein Nummer-1-Hit von Nat ‚King‘ Cole aus dem Jahr 1948, auch heute noch ein immer wieder aufgegriffenes Kapitel im Great American Songbook. „Eden’s Island“ hingegen, eine konzeptionelle Kuriosität, verkaufte sich nur ein paar hundert Mal, und obwohl Ahbez‘ unkonventioneller Lebensstil die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zog, bestand er darauf, das Album zu Fuß zu touren.

Doch die Zeiten ändern sich, und vermutlich erkannte Keane das Easy-Listening-Revival Mitte der 90er Jahre als Grund für die Wiedergeburt von Eden’s Island. Was ist schließlich exotischer als eine Proto-Hippie-Suite über eine mythische Insel? Mit Tiki- und Latin-Einflüssen, dem Quaken von Ochsenfröschen und seiner Bambusflöte, die Vogelgezwitscher und Stammesrufe erklingen ließ, erinnerte das Stück stark an Martin Dennys Quiet Village, während seine blättrige Sentimentalität die Technicolor-Nostalgie des Südpazifiks wiedererweckte.

Dieser eskapistische, berauschende Cocktail befriedigte jedenfalls die käsigen Schwärmereien der Lounge-Champions der 90er Jahre. Die Wiederauferstehung von Eden’s Island war jedoch erst der Anfang. Heutzutage wird es von so unterschiedlichen Musikern wie Agnes Obel und Lias Saoudi von Fat White Family gepriesen, der extra nach Kambodscha reiste, um es in angemessener Umgebung zu hören.

Dass es sich dabei um eine Strandhütte handelte, in der man „Pillen an der Bar kaufen konnte“, sagt viel über die Schwächen der Platte aus. Nicht, dass man Drogen bräuchte, um die wesentlichen Reize des Albums zu schätzen; seine Höhepunkte sind in der Regel die ruhigeren Momente, wie sein unerwartet meditativer, freier Streifzug in der Mitte von „La Mar“ oder das kultivierte Klavier von „Island Girl“, unter dem ein Guiro unruhig pulsiert, während „Myna Bird“ einfach so sanft wie eine Brise ist.“ (soweit der erste Teil von Wyndhams Rezension, mit Deepl und hier und da etwad freizügig übersetzt)

 

 

Meine kleine Erleuchtung, was Miles Davis betrifft, ereignete sich bei Schummerlicht in Marokkos Kinderzimmer. Natürlich waren wir schon ungebändigte Teenager, die sich bei den Monkees im Fernsehen abrollten, und dann einfach den elektrischen Magus im Fillmore East auflegten. Mir ein Rätsel, dass wir beide da so schnell die Zugänge fanden. Dass diese Phase des Trompeters für altgediente Jazzfans zumeist einen Kulturschock darstellte, bekamen wir nicht mit. Wir waren zu jung,um „Birth of the Cool“ mitzuerlebt zu haben.

Aber bald schon fand sich, lang vor dem Abitur, eine alte Miles Davis-Platte bei mir ein, die nie so berühmt wurde wie andere seiner ganz frühen Alben, aber ich liebte sie. Sie stammte aus meinem Geburtsjahr, glaube ich, 1955, und wenn mir später zufällig so eine Lp in die Hände fiel, aus dem Jahr, als ich etwas voreilig auf die Welt kam, sah ich mich in der Wiege rumschreien, und parallel, an einem ganz anderen Ort der Welt, im Tonstudio eine Handvoll Jazzmusiker vor mir. Ein Spiel von Gleichzeitigkeiten.  Da begegnete ich Eden zum ersten Mal, auf „Blue Moods“, denn Miles spielte da, übrigens in Gegenwart eines traumwandelnden Vibraphonisten (Elvin Jones und Charles Mingus waren auch dabei), Nature Boy. Traumverloren.

Der Name des Komponisten sagte mir nichts. Eine Exot. Klang halt anders als Hammerstein. Oder Gershwin. Eine dermassen versunkene Stimmung, hochmelodisch, verweilend, nie vorwärtseilend. Keiner hat es eilig im Paradies. Eden. Das hatte was. Und erst als dann auch Jon Hassell Nature Boy intonierte, und seine Trompete erstmals wie eine Trompete und nackt wie selten klang, wurde ich neugieriger. Eden. Eden Ahbez. Martini Dry. Martin Denny. Weltenbummler. Hippies auf Kreta. Weiter mit Wyndham und meinem Remix aus Deep L und persönlichen Einmischungen… (m.e.)

 

 

„Am markantesten sind die träumerischen Selbstgespräche in „The Wanderer“ und „Full Moon“, in denen aufrichtige, beruhigende Philosophien inmitten von Marimbas und Supper-Club-Pianos vorgetragen werden. Diese Konstrukte bestätigen Ahbez als den Mann, der „Nature Boy“ geschrieben hat, und nehmen gleichzeitig die wunderbar absurden „Spock’s Thoughts“ von Leonard Nimoy vorweg, eine rührende, böhmische Adaption von Max Ehrmanns inspirierendem Gedicht „Desiderata“ aus den 1920er Jahren. (Na, hier werden ja mal gleich einige Fässer geöffnet, und wer „Desiderata“ kennt, möge bitte einen erhellenden Kommentar schreiben.) 

Die Bedeutung von Edens Album  ist so groß, dass Everland nur das letzte von einem guten Dutzend Labels ist, die Eden’s Island im letzten Vierteljahrhundert veröffentlicht haben. Die Jungs haben es jedoch neu gemastert und 50 Minuten seltenes Material hinzugefügt – Demos, einen Jam, Aufnahmen von zeitgenössischen Künstlern mit weiteren Kompositionen – sowie ähnlich aufschlussreiche Linernotes von Brian Chidester, dem Co-Regisseur einer bevorstehenden Dokumentation. Man kann natürlich immer noch seine Eigenartigkeit und Skurrilität feiern, aber dank dieser Extras wirkt die Platte nun deutlich weniger kitschig und dafür revolutionärer, weniger exzentrisch und mehr vorausschauend, ein ganzes Glaubenssystem inbegriffen.

Auf dem Cover ähnelt Eden Ahbez einem zotteligen Landstreicher. Als Waisenkind, das Ende der 30er Jahre vor der Weltwirtschaftskrise mit dem Zug nach L.A. geflohen war, zog er es tatsächlich vor, unter den Sternen zu schlafen, sich den California Nature Boys anzuschließen, Anhängern der deutschen Lebensreformbewegung des 19. Jahrhunderts. Nachdem er durch seine anonyme Übergabe des Songs Nature Boy“ an Nat King Coles Kammerdiener die Erlaubnis zur Aufnahme erhalten hatte, wurde er schlafend unter dem Hollywood-Schild gefunden. Wenn er bis zu seinem Debütalbum weitere Songs u. a. für Sam Cooke („Lonely Island“) schrieb, gab er an, von 3 Dollar pro Tag zu leben, und zahlte angeblich 30 % der Tantiemen von „Nature Boy“ an den Portier, der den Diener ausfindig gemacht hatte.“  

 

(Im Spiegel findet sich, schon ein paar Jahre alt, eine Geschichte über den „Obdachlosen“ und seinen Millionenhit (bei den Tantiemen wurde er demnach auch von dem berühmten Irving Berlin mächtig übers Ohr gehauen – so erging‘s  ja auch vielen frühen Popbands, ob CCR oder den Kinks.)

 

2023 10 März

Remembering Obscure

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off

Als zwischen 1975 und 1978 die zehn Platten von Enos Obscure Records erschienen, wurde eine Tür aufgestossen, welche die sogenannte Avantgarde in die  Popkultur transportierte. Der Begriff  „progressive Rockmusik“ verlor bald an Ausstrahlung, weil das auf Dauer Progressive rasch allzu hochtrabend geriet. „Pink Floyd“, „Yes“, „Emerson Lake & Palmer“ und zig andere packten die Tonspuren voll, bis der Arzt kam. Oder im Bereich von Jazz-Rock und „Fusion“:  man denke  an die Gigantomanie diverser 70er-Jahre-Bands, die anfangs Klasse ablieferten, und soäter  ihren  eigenen Erfolgsrezepten auf den Leim gingen In den Obscure Records öffneten sich ganz andere Klangfelder, denen alles Monströse abging; selbst Werke von John Cage waren mit dabei, einer der hellsten Geister des 20. Jahrhunderts, der jeder Selbstverliebtheit den Garaus machte. Bis auf wenige Ausnahmen produzierten Eno und ein kleiner britischer Kreis, zu klein, um einen Gentleman-Ckub zu öffnen, hochinteressante Klangstoffe, die auf diversen unterirdischen Wegen bis heute nachwirken. Ich befragte einst Tom Waits und Mark Hollis  zu ihren Erlebnissen mit Obscure Records! Sie hatten was zu erzählen!

 

The Sinking of the TitanicGavin Bryars – 1975 – Obscure no. 1  (*****)

Ensemble PiecesChristopher Hobbs, John Adams, Gavin Bryars – 1975 – Obscure no. 2 (***)

Discreet MusicBrian Eno – 1975 – Obscure no. 3 (*****)

New and Rediscovered Musical Instruments – Max Eastley, David Toop – 1975 – Obscure no. 4 (****)

Voices and Instruments – Jan Steele, John Cage – 1976 – Obscure no. 5 (****) 

Decay MusicMichael Nyman – 1976 – Obscure no. 6 (**)

Music from the Penguin Café – Members of the Penguin Café Orchestra – 1976 – Obscure no. 7 `(*****)

Machine MusicJohn White, Gavin Bryars – 1978 – Obscure OBS-8  (***)

Irma – an opera by Tom Phillips, music by Gavin Bryars, libretto by Fred Orton – 1978 – Obscure OBS-9  (***)

The Pavilion of DreamsHarold Budd – 1978 – Obscure OBS-10  (****)

 

Nat King Cole – „Nature Boy“

 


1 – Wenn Jon Hassell über Amerikas Exotika-Musik sprach, all die Werke mit skurrilen Covergestaltungen, in denen Afrika und Asien und die Geheimnisse ferner Kulturen mit leicht erhöhtem Martini-Blutspiegel eine sehr westliche Perspektive erhielten, dann tat er es mit ironischem Schmunzeln. Und Hintersinn. Das Fremde wurde einem nicht gefährlich, wenn es mit einem netten Swing daherkan, und so koloriert und karikaturenhaft daherkam wie die alten Südseefilme mit putzig zurechtgemachten Eingeborenen. Aber natürlich hatten diese Platten von Les Baxter und Martin Denny auch einen beträchtlichen Charme, und wir wollen mal hoffen, dass diese american cats keinen white supremacy-Gedankenschrott pflegten. 
Mit dem Namen Les Baxter assoziiere ich als erstes immer Lex Barker, den berühmten Old Shatterhand-Darsteller, der mir als 15-jährigem Kid mal an einem Swimmingpool mit Mario Adorf gegenüber sass, während der Super-Minister Schiller mit seiner Geliebten ein paar Runden im Mallorcinischen Pool schwamm. In einem abgelegenen Super-Hotel. THE WHITE LOTUS 1970. Schade, dass ich das Paparazzi-Foto, das ich damals schoss, nicht mehr habe, das wäre hier DER historische Schnappschussknaller aus der alten BRD. Diese ganze Exotika-Musik hatte viel gemein mit der TV- und Kinowelt, in der Flipper, Rin Tin Tin, Lassie, Karl May, James Bond, Emma Peel und hundert andere Namen (Gesichter, unvergesslich) Fenster in eine andere Welt öffneten. Ganz egal, wie naiv und kindlich und regressiv das teilweise daherkam: es waren Fenster in eine andere Welt. Entferne das Glitzern, und hinter Traumgesichtern erzählen dir die Projektioen, Schatten und  Schemen von einst ihre wahre Geschichte. Do it one more time, Diana Rigg! (m.e.)

 

I look crazy, but I am not. And the funny thing is that other people don‘t look crazy, but they are.“

(Eden Ahbez)

 

2 – Eden Ahbez war eine Art Mittler zwischen dem alten Amerika und der Ära der Hippies. Ein Go-between. Wer sich anno 2023 auf „Eden‘s Island“ einlässt, mit Scotch und Candlelight, oder mit einer Bong und Räucherstäbchen (aber auf keine Fall mit tierischem Ernst) kann tatsächlich einem alten Staunen nahekommen, dieser Schwelle von Kindheit und Erwachsenen-Status. Schmunzeln, lachen, träumen. GETTING THERE. Ein Blinzeln, und wir sind wieder dort, aber wie VERWANDELT.  Oder, mit „Professor“ Leary gesagt: TURN ON, TUNE In, DROP OUT. Blue moods reloaded. Etwas Besseres als den Tod finden wir überall. On the shores of Monterey / it’s such an beautiful day. Wyndham, auf zur letzten Runde deines Trips auf „Eden‘s Island“… (m.e.)

 

 

 

 

3 – (Das Finale von Wyndham Wallaces Besprechung der Neuausgabe auf Everland) – „Für manche bleibt Ahbez sicherlich ein Sonderling, und Melodien wie das unwiderstehlich fröhliche „Mongoose“ und das schwärmerische „Banana Boy“ mit ihren Rassenklischees sind nicht hilfreich. Auch der Bonustrack „Yes, Master“ ist sexistisch angehaucht, während ein anderes Stück, „India“ von 1951, besser zu George Bruns‘ Dschungelbuch-Musik von 1967 passen könnte. „Eden’s Island“ ist jedoch eine kluge, utopische Metapher und nicht lächerlicher als andere gleichgesinnte, subversive Ansichten, die später von Hippies übernommen wurden.

Im verträumt-idealistischen „Eden’s Cove“ ist „Liebe alles, wofür sie leben“, während er in „La Mar“ eine stürmische See in „einem kleinen Boot, das ich Leben nannte“, überquert, was auch durch die knarrenden Balken von „The Old Boat“ und Ahbez‘ unverwechselbare Flöte evoziert wird. „Surf Rider“ erinnert an eine süße Schwesternschaftsgruppe, die von Brian Wilson – an dessen Smile-Sessions Ahbez teilnahm – bekehrt wurde, und im ruhigen „Full Moon“, in dem „all men are brothers“, schließt Ahbez mit „I am everyone, anyone, no-one“, womit er Lennons „I am he as you are he as you are me“ in „I Am The Walrus“ um sieben Jahre vorwegnimmt.

Der Unterschied liegt im musikalischen Kontext. Aus einer konservativen Ära stammend – unterstrichen durch weitere Boni wie „The Shepherd“ von 1949, dargeboten vom Schauspieler Herb Jeffries, und „The Planet Song“, das darauf besteht, dass „die Natur eine Symphonie ist“ – verwendete Ahbez‘ leise Rebellion Flöten, Marimbas und Vibraphone. Die Hippies fügten lediglich Gitarren, Schlagzeug und offensichtlichere psychedelische Mittel hinzu.

Die Musik von Ahbez hat sich nicht verändert, aber 63 Jahre später hat sich unser Einblick in seine Motive verändert und offenbart einen Mann, der seiner Zeit weit voraus war. Einschalten, einschalten, ausschalten.“ 

 

we are all dreamers. / Foto von Susanne Berndt, meiner Sylter Lockdownreiseleiterin

 

 

P.S.  Ich habe mir die Doppel-Cd bestellt. Und auf bandcamp beim Schreiben dieses Textes ein zweites Mal rauf und runter gehört. Ein grosses Vergnügen. Und ein tiefgehendes obendrein. Erhältlich ist diese Ausgabe von Everland in limitierter Auflage auf Vinyl und auch als 2xLP mit Gatefold-Vinyl und Booklet in einer Holzbox.  Das Foto von Susanne B. stammt vom Dach der Osloer Oper. Vielen Dank auch an Wyndham Wallaces Zeitreise. 

 

In 2018, Steve Erickson is interviewed and asked to name a single theme that all of his books have in common. „Um …“ he says with a laugh, pauses. Then he continues: „Chaos. The chaos of the world, the chaos of time and place. The chaos of sex and the self, of nature and the quadrants. Of memory and what it means to remember.“ Steve Erickson’s third novel, Tours of the Black Clock, published in 1989, begins by quoting William L. Shirer’s The Rise and Fall of the Third Reich. It recounts a detail of Hitler’s private life. In the late 1920s, Hitler loved his niece, Geli. At the end of the summer of 1931, the arguments between the two of them became more and more violent. Geli committed suicide. Hitler was inconsolable for months. Like Erickson’s other books, Tours of the Black Clock borders on the disjointed. As one crosses the twentieth century, one is lost in time and space. Reference points have disappeared. Vienna is flooded. Critics have mentioned postmodernism, magic realism, science fiction, surrealism, and mythology, but no label fits. Erickson’s work builds a consciousness of its own. It is not part of our common logic thinking systems. Where in the universe am I? Some chapters are written by an omniscient narrator, but large parts are written in the first person. Then that person changes identity, so you have to rethink the perspective. Some characters die, but they reappear later. You feel a chill under your skin from the subtle color palette: Herds of silver buffalos are on the move, destroying everything in their path. A boy with natural white hair. A girl in a blue dress. Dancing. She danced and men died. A blueprint rolled up in an old saddlebag. The map of a family home, the map of the 20th century. Banning Jainlight is born in 1917 and turns out to be precocious and addicted to sex when he grows up. He destroys his home, travels to Europe, Paris, Vienna, Berlin. He writes extraordinarily successful pornographic stories, well paid. Some of his clients make special demands on the staff of the stories. One of his clients is Hitler. However, his name is never mentioned in the novel, so as not to confuse a fictional character with a historical one. Hitler ends up in an Italian prison and manages to escape as an old man. Toward the end of the book, the radio in the motel does not work. In all of Erickson’s novels, there are deep experiences of love. And there’s a fundamental, unbearable loss. Tours of the Black Clock is the darkest of Erickson’s novels that I have read so far. However, The Sea Came in at Midnight, Rubicon Beach, and Amnesiascope are also pretty dark stuff. Actually, I started reading Tours of the Black Clock around three years ago, I got stuck on it, and it took about half of the book to get to the point where I couldn’t put it down. In contrast to Amnesiascope, there is almost no dialogue, and I don’t remember any of those kinds of reflective sentences that you can think about in a general way beyond the lecture. Most of the novel is narration, which makes reading a bit monotonous. Still, you end up having experienced a unique kind of depth. From a daytime perspective, the novel makes no sense. But our nocturnal side understands it completely.

 

 

 

 

This is my first reading impression of Tours of the Black Clock, on April 29th 2020.
This is my review about Amnesiascope (04-20-2018).
For Michael’s radio show I translated a piece from Amnesiascope into German.
My reading process of „Das Meer kam um Mitternacht“ (The sea came in at Midnight) was paused even for 12 years. I wrote about the reasons here, more than 8 years ago.

In a  way, I’m addicted to Erickson’s world, because of the way he deals with time and space. The next book I’m going to read is Zeroville. Journalist Jim Knipfel summed it up this way: „God hides a secret movie in every movie ever made.“ (From: Conversations with Steve Erickson. Edited by Matthew Luter and Mike Miley)

 

2023 7 März

märz-loops

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: , | 2 Comments

 

„pulsation“

 

[curious about jon hassell’s psychogeography (zones of feeling) I listened to the first track of the album and immediately felt the strong need to create a somehow asymmetrical, pulsative floating loop with occasional bass dabs]

 

„snowflake“

 

„bass jumps“ (added march 15th)

 

2023 6 März

mixed pickles

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags:  | 6 Comments

 

Ziemlich in der Mitte zwischen Weihnachten und Sommer liegt die saure Gurkenzeit – zumindest, was Serien betrifft, so scheint’s. Da freut man sich, dass es noch kleine Köstlichkeiten gibt wie der grossartige Western 1883 und die humorvoll-erotischen Urlaubsepisoden an der sizilianischen Küste in The White Lotus. So können dann auch ARD-Programme glänzen und hätte ich jemals behauptet, im deutschsprachigen Milieu gäbe es nichts Gutes, so nähme ich alles zurück: die an Big Little Lies angelehnte heiter-dramatische Krimigeschichte wurde aus Kalifornien ins Östereichische transponiert und besitzt ein ganz eigenes Kolorit. Vier Freundinnen und der ungeklärte Todesfall eines sadistischen Gymnasialdirektors machten grossen Spass. Unvergesslich der dröge Wortwitz einer Kommissarin, die ununterbrochen Kuchen isst. Slow Horses nennt sich das gediegene, gut gereifte Handwerk des subtilen englischen Schwarzhumors, verpackt in der Geschichte einer von der Regierung aufs Abstellgleis gestellten „Versagertruppe“ britischer Geheimdienst-Agenten, die sich aber dann doch allesamt als ziemlich gewieft und professionell zeigen. Hallelujah ut di wat nix? Denkste wat – das vermeintlich dümmste Huhn findet oft die dicksten Körner und das auf Nebenwegen. Überraschend war The Last of Us: ein aggressiver Parasiten-Pilz befiel die Erde und machte Befallene zu tötenden Zombies. In einer dystopischen Nachwelt kämpfen nun ein Mycel-immunes, aufgewecktes Teenie-Girl und ein älterer erprobter Kämpfer ums Durchkommen: menschlich warm und sehenswert, in atemberaubenden Bildern. So schön kann Weltuntergang sein. Ich wollte ihr eine Chance geben, stieg deshalb quer ein bei Staffel Vier, aber letztlich enttäuscht und deshalb nicht am Ball geblieben bin ich bei Babylon Berlin. Klar, kann man gucken, aber muss nicht: filmhandwerklich und schauspielerisch solide (Meret Becker ist ’ne Show), leider etwas überfrachtet und angestrengt, auch deshalb knapp unterhalb des Binge-Faktors.

 

Keine Ahnung, wann ich das letzte Mal in der alten Heimat eine Schallplatte gekauft habe. Der letzte Tonträger war vielleicht Du kannst mich an der Ecke rauslassen, eines der schönsten deutschsprachigen Alben, steht aber zwischen den CDs und ist 2008 erschienen. Ich erinnere mich auch daran, das zweite Album von Calexico kurz nach der Veröffentlichung bei Shock Records zu kaufen, oder Original Rockers, die ich aus einem Stapel zog, nachdem ich schon hunderte Alben in einem Second Hand Shop durchgeschaut hatte. Aber das war vor Jahren, Jahrzehnten, … so lange hatte ich in dieser Stadt, in der ich häufig bin, keine LP gekauft bis wir uns zu viert, eine sitzt noch in ihrem Kinderwagen, gestern in den kleinen und schon gut gefüllten Schallplattenladen kurz vor dem Markt drängten. Wir waren an diesem verregneten Samstagmittag alle schon etwas hangry, merkten zum Teil noch den schweren Primitivo vom Vorabend, so dass ich nur schnell durch das ECM/Japo Fach guckte, während der Besitzer des Ladens sich mit einem anderen Kunden über das Rolle mit Hip Hop Album von Afrob unterhielt. Love, Love habe ich noch nie so günstig gesehen, nach einem Blick auf das Vinyl wusste ich warum, bei zwei anderen Alben stimmten jedoch Qualität und Preis: Für €35,- trug ich Gnu High und Nan Madol in ein Café, wo wir unsere Laune besserten, ins Elternhaus, schließlich in einem Auto und zwei Zügen nach Hause. Am Samstagabend reichte die Energie nur noch zum Glotzen (8 Frauen in der ARD Mediathek), dafür hat mich die Musik heute über sonntägliche Landschaften getragen.

Auf der Innenhülle von Nan Madol sind ein Name (vielleicht „Babock“, die Schrift ist nicht ganz deutlich) und ein Datum (22. 12. 78) in verblichener blauer Tinte geschrieben. Ich glaube nicht, dass diese Schallplatte oft lief, dafür ist das Vinyl zu gut erhalten; gleiches gilt zum Glück für Gnu High. Da ich in der letzten Woche mehrmals Travel von The Necks gehört habe, drängen sich mir Vergleiche auf. Musikalische Momentaufnahmen von einer hohen Dichte, kleinteilige rhythmische Partikel, ein klanglicher Wildwuchs, in dem viele Stimmen miteinander plaudern, das Ganze oft mit Brummen und Summen grundiert. Auf dem Album von Edward Vesala finden sich mehr melodische Themen, fast schon folkloristisch-liedhafte Einflüsse, als bei The Necks, die noch tiefer in den reinen Klang einzutauchen scheinen (wobei es ja auf dem neuen Album dieses tolle Stück gibt, wo der Klangstrom fast schon reggaehaft konturiert wird).

Gnu High – die erste ECM LP von Kenny Wheeler, das letzte Album, auf dem Keith Jarrett als Sideman mitwirkte – Kreise, die sich öffnen, Kreise, die sich schließen. Zu den beiden gesellten sich im Juni 1975 noch Dave Holland und Jack DeJohnette vor die Mikrophone des Generation Sound Studio in New York, wo Tony May und Manfred Eicher die Musik (3 Stücke, 40 Minuten) aufnahmen. Pure Champion Sound, massive. Am Ende von Heyoke gibt es eine längere Passage – es ist nur das Schlagzeug zu hören, vor allem zischen die Becken – der unsere Hündin höchst aufmerksam gelauscht hat. An dem Rest der Schallplatte hat Ella dann unverständlicherweise keinerlei Reaktion gezeigt. Sehr bemerkenswert an dieser Arbeit ist, wie genau die Musiker aufeinander hören, wie sie Pausen setzen, sich wechselseitig immer wieder die Bühne überlassen, um wenig später gemeinsam die Sterne vom Himmel zu holen.

Was mich noch ein bisschen umtreibt: nachdem ich einem Freund schrieb, welche Platten ich mir gekauft habe, antwortete er, dass ich „ein sehr vorhersehbarer Plattenkäufer“ sei. Wie gut, dass es bald wieder ein neues Album der Sleaford Mods gibt. Oder ich kaufe mir Hounds Of Love, etwas von PJ Harvey, Common One, oder… mal sehen. 

 
 

Der Film ist konfliktträchtig. Der Konflikt besteht bereits, bevor man den Vorspann gesehen hat: Es ist ein Antikriegsfilm, seine Macher gehören zu den Guten, stellen ihre Kraft in den Dienst einer humanen Botschaft. Also ist er gut, oder? Wir zeigen Euch den Krieg wie er wirklich ist, schonungslos. Also habe ich ihn gut zu finden. Oder? Und wenn er mir jetzt nicht gefällt – bin ich dann ein Kriegstreiber ? Schliesslich leben wir in einer Zeit der Vereinfachungen und bequemen Spaltungen.

Im Westen nichts Neues (ab jetzt IWNN) wurde im Ausland euphorisch gefeiert, trägt eine neunfache Oscarnominierung auf dem Rücken, 7 britische Filmpreise. In Deutschland ist die Rezeption verhalten, Netflix hat auch bisher nicht die Zuschauerzahlen preisgegeben. Der Hauptvorwurf: Der Film habe mit der Buchvorlage eigentlich nichts mehr zu tun, gebraucht aber den guten Namen Remarques als Vehikel – den die jüngeren Generationen heute ohnehin nicht mehr kennen. Der Vorwurf ist marginal.

Der Spiegel – Rezensent warf das Handtuch und schaltete nach 20 Minuten ab. Er wollte nicht sehen, wie Menschen mit Flammenwerfern verbrannt werden oder Soldaten an Senfgas ersticken. Weichei, oder? Grausamkeit erzeugt bei empfindsameren Menschen Abwehr, das kann sich durchaus einmal als Müdigkeit, Langeweile oder Desinteresse maskieren, anderseits werden wir täglich mit Gewaltdarstellungen überspült, das brüht schon ziemlich ab, das kann’s also irgendwie nicht sein; verbrannte Leichen gibt’s in jedem Tatort zum Abendessen. Ein Gemetzel mehr …

Zur Vorgeschichte: Das 1928 erschienene Buch von Remarque las ich als 14jähriges Mädchen, es hat mich sehr aufgewühlt; von da an las ich Kriegsliteratur, sah auch die beiden amerikanischen Verfilmungen des Romans – ich war und bin kein Weichei. Eher eine vom Team Brühwurst. Die Antikriegsfilme aus den Staaten habe ich verschlungen: Platoon, Full Metal Jacket, Apocalypse Now, die geniale Satire MASH und zahllose über die Kriege in nahen Osten. In Gottesnamen auch noch Schindlers Liste – ich komme mit dergleichen ohne Alpträume zurecht.

Erster Versuch jetzt im Januar: IWNN her gestreamt und mit Ehemann geguckt … – versucht zu gucken! Abschalten nach circa 30 Minuten aufgrund eines Gefühls von Gleichgültigkeit oder Seelenverhärtung angesichts einer zusammenhanglosen Aneinander-Reihung von Schrecken und Grausamkeiten, die nicht enden wollten.

Zweiter Versuch eine Woche später – tapfer durchgestanden, aber ohne wesentliche emotionale Beteiligung, der Film schafft es nicht, „mich hineinzuziehen“, das Hauptkriterium, wenn mir ein cineastisches Werk gefallen soll. Einer Freundin ging es ähnlich. Eine Aneinanderreihung von grausamen Situationen, ungestaltet, ohne Handlung, ohne Spannungsbogen, die Protagonisten ständig schlamm- oder blutbespritzt, schwer von einander unterscheidbar, ohne Individualität, wir wissen auch nichts über ihre Vorgeschichte. Wir sehen nur, wie sie zugrunde gehen. Es könnte eine Doku sein, aber auf dergleichen ist man nicht eingestellt, wenn man einen Oscar-verdächtigen Film herbei streamt.

Der Film frustriert unsere Sehgewohnheiten. Wir sind gewöhnt an Handlung, Spannung und an Sympathieträger, die wir zu Identifikationsfiguren wählen können – auf deren Seite wir stehen und stellvertretend mitfühlen können. Schliesslich eine Auflösung der Spannung und irgendeine Form von Showdown und Ende, Happy End, Broken Happy End oder Bad End. Jack klammert sich an eine verbliebene Tür der Titanic, die im Nordatlantik treibt, und wir leiden mit Rose, die schliesslich seine Hand loslässt – eine ikonische Szene. Ein Band verbindet uns mit den Figuren, in diesem Fall mit Rose und ihren Wünschen. IWNN bietet keine ikonischen Szenen, manchmal fragt man sich ob überhaupt etwas gestaltet wurde und nicht nur Grauen produziert.

Dann überraschen die wiederholten Aufnahmen einer stillen und unberührten, immer indifferenten Natur, in der kein freundlicher Schöpfergott mehr spürbar ist, sie scheint nur das Treiben der Menschen zu ihren Füssen aussitzen zu wollen. Ein Moment der Gestaltung, in seiner Stille kontrapunktisch eingesetzt gegen das Menschengetöse.

Der Film erzählt keine Geschichte, mit der wir mitgehen, mithoffen und -bangen könnten wie Schindlers Liste oder die Titanic, er bietet nichts zum Festhalten, führt nicht und nimmt uns nicht an die Hand; es rollen nur mitleidlos die Schrecken über uns hinweg, einer nach dem anderen, wir können keine Gefühle mehr entwickeln, dafür ist kein Raum mehr, auch kein Denk- und Phantasieraum. Nur überwältigende Leere, Sinnlosigkeit und der Schrecken der Endlosigkeit des Schreckens.

Und genau das ist der Krieg. Und der lässt sich nicht künstlerisch fassen und gestalten. Adorno meinte, man könne nach Auschwitz keine Gedichte mehr schreiben, den habe ich immer gut verstanden, wie soll man Auschwitz „gestalten“? Offenbar lässt er sich auch nicht sprachlich fassen.

Wer dabei war, kann oft nicht darüber sprechen – unsere Väter und Grossväter konnten es nicht und wir Jüngeren reagierten mit Abwehr, wenn sie es versuchten, es war uns lästig. Dahinter steckte sicher Angst, ein Spüren des Anliegens der Veteranen endlich einmal sprechen und abladen zu wollen und uns damit zu überfordern. Oder ihre ganze Frustrationswut abzukriegen. Meistens begann es mit dem Gestus „Ihr habt ja keine Ahnung, Euch gehts ja gut …“, auf dieser Vorwurfsschiene erwarteten wir uns mit Recht keine gedeihliche Diskussion. Da beschlossen wir lieber dass es uns nicht interessiert. Man hatte mit dem eigenen beginnenden Leben genug zu tun.

Ist es anmassend sich vorstellen zu wollen, was ein Soldat in dieser Situation erlebt? Jetzt und heute würde ich es gerne wissen, jetzt traue ich mir zu es auszuhalten, aber die meisten Weltkriegsveteranen leben jetzt nicht mehr.

Ich habe inzwischen viel gelernt über Trauma und Trauma-Verarbeitung, die Reaktion des Gehirns auf Nicht-mehr-Verarbeitbares, auf das Durchbrechen des Reizschutzes und das Versagen der psychischen Abwehr, über das Abschalten gefühlsverarbeitender Hirnzentren und das Aktivieren von Zentren, die für das blosse Überleben zuständig sind. Im Krieg gäbe es keine Depressionen, heisst es; vermutlich stimmt das, das Gehirn arbeitet da anders, heute spricht man von Dissoziation, ein psychisches Entweichen aus der Situation, das bis zu ausserkörperlichen Erfahrungen führen kann.

Diese Phänomene finde ich beim Betrachten dieses Filmes wieder – abschalten, distanzieren, flüchten, nichts mehr fühlen – er „zieht nicht hinein“, er stösst uns aus und zwingt uns unser Gefühlsleben abzuschalten. Und den Fernseher gleich mit dazu. So werden wir zu Deserteuren. Da ändern auch Erzbergers Bemühungen um einen Waffenstillstand nichts, das weckt keine Hoffnung. Irgendwann fühlt man nicht mehr, nicht weil der Film schlecht gemacht wäre, sondern weil er traumaspezifische Verarbeitungsweisen triggert. So erkläre ich mir das Rätsel das ich mir gerade selber bin.

Die Fähigkeit eines Regisseurs, Derartiges loszutreten, ist hoch einzuschätzen – ob es für die Oscarnominierungen verantwortlich ist oder hier eher ein Woke-Mechanismus greift, sei dahingestellt. Der Westen, der seine Friedfertigkeit so oft und gern zitiert und demonstriert, kann es sich schlecht leisten, einen Antikriegsfilm nicht zu preisen und zu be-preisen. Wie stehen wir denn da? Und so kommt jetzt bald die rauschende und wort- und tränenreiche Gutmenschennacht.

 


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz