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on life, music etc beyond mainstream

2023 6 Mrz

mixed pickles

von: Jochen Siemer Filed under: Blog | TB | Tags:  | 6 Comments

 

Ziemlich in der Mitte zwischen Weihnachten und Sommer liegt die saure Gurkenzeit – zumindest, was Serien betrifft, so scheint’s. Da freut man sich, dass es noch kleine Köstlichkeiten gibt wie der grossartige Western 1883 und die humorvoll-erotischen Urlaubsepisoden an der sizilianischen Küste in The White Lotus. So können dann auch ARD-Programme glänzen und hätte ich jemals behauptet, im deutschsprachigen Milieu gäbe es nichts Gutes, so nähme ich alles zurück: die an Big Little Lies angelehnte heiter-dramatische Krimigeschichte wurde aus Kalifornien ins Östereichische transponiert und besitzt ein ganz eigenes Kolorit. Vier Freundinnen und der ungeklärte Todesfall eines sadistischen Gymnasialdirektors machten grossen Spass. Unvergesslich der dröge Wortwitz einer Kommissarin, die ununterbrochen Kuchen isst. Slow Horses nennt sich das gediegene, gut gereifte Handwerk des subtilen englischen Schwarzhumors, verpackt in der Geschichte einer von der Regierung aufs Abstellgleis gestellten „Versagertruppe“ britischer Geheimdienst-Agenten, die sich aber dann doch allesamt als ziemlich gewieft und professionell zeigen. Hallelujah ut di wat nix? Denkste wat – das vermeintlich dümmste Huhn findet oft die dicksten Körner und das auf Nebenwegen. Überraschend war The Last of Us: ein aggressiver Parasiten-Pilz befiel die Erde und machte Befallene zu tötenden Zombies. In einer dystopischen Nachwelt kämpfen nun ein Mycel-immunes, aufgewecktes Teenie-Girl und ein älterer erprobter Kämpfer ums Durchkommen: menschlich warm und sehenswert, in atemberaubenden Bildern. So schön kann Weltuntergang sein. Ich wollte ihr eine Chance geben, stieg deshalb quer ein bei Staffel Vier, aber letztlich enttäuscht und deshalb nicht am Ball geblieben bin ich bei Babylon Berlin. Klar, kann man gucken, aber muss nicht: filmhandwerklich und schauspielerisch solide (Meret Becker ist ’ne Show), leider etwas überfrachtet und angestrengt, auch deshalb knapp unterhalb des Binge-Faktors.

 

This entry was posted on Montag, 6. März 2023 and is filed under "Blog". You can follow any responses to this entry with RSS 2.0. Both comments and pings are currently closed.

6 Comments

  1. Michael Engelbrecht:

    1883, und auch The White Lotus (eine durchaus sinistre, dämonische Ebene vertieft den oft dunklen, hin und wieder burkesken Humor), begeistern mich.

    Slow Horses: gut. And twisted.

  2. Olaf Westfeld:

    Slow Horses 1 mochte ich sehr gerne, hab ich in einem Rutsch geschaut, aber jetzt hab ich leider kein apple+ mehr … diese deutsche Serie teste ich gerne mal an, danke für den Tip.

  3. Olaf Westfeld:

    Gestern Abend die ersten drei Folgen von „Tage, die es nicht gab“ gesehen, es war eher schwierig aufzuhören – heute ist die zweite Runde dran, mal sehen, ob wir eine Pause hinbekommen oder die Staffel zu Ende gucken.

  4. Jochen:

    Hab ich geahnt, dass es passt, Olaf: Thema Schule, das Akademikermilieu …

    Der beste Spruch der Kommissarin kommt ganz am Schluss.

  5. Olaf Westfeld:

    Big Little Lies hatte mir auch sehr gut gefallen …. und Tage, die es nicht gab war auch gut, wurde jetzt in 2 Abenden geschaut. Gerade die beiden Kommissare (& der Kuchen) haben die Serie noch ein bisschen besser gemacht …

  6. Jochen:

     
    Dann verrate ich jetzt den Schlussakkord, Olaf:

     

    Jung-Kommissar: „Ich habe Ihnen einen Kuchen gebacken, weil Sie den doch so gerne essen!“

    Kommissarin (probiert ihn): „Ich kann mich nicht erinnern, jemals etwas so Trockenes gegessen zu haben.“

    Er: „So trocken wie Ihr Humor?“

    Sie: „Welcher Humor?“

     

    Abspann …

     


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