Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2021 2 Feb.

Umpf

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Als Kinder hatten wir ein Spiel, gern in der großen Pause auf dem Schulhof gespielt, aber auch anderswo, und manchmal auch allein: irgendein beliebiges Wort so lange laut zu wiederholen, bis es jeden Sinn verloren hatte und nur noch ein einziger albern klingender Buchstabensalat war.

Inzwischen geht es mir schon so, wenn ich ein Wort höre, das mit „impf-“ beginnt.

Impf, impf, impf … Was für ein blödsinniges Wort.

Umpf.

 

2021 31 Jan.

Album / Re-Issue / Wiederentdeckt

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November

Albums (12):

1. Steely Dan: Northeast Corridor / Donald Fagen: The Nightfly Live (September)
2. Lana Del Rey: Blue Banisters (Oktober)
3. Lana Del Rey: Chemtrails Over The Country Club (März)
4. Nick Cave & Warren Ellis: Carnage (Februar)
5. Marc Johnson: Overpass (August)
6. Can: Live in Stuttgart 1975 (Mai)
7. Brahms: Symphony No. 4; MacMillan: Larghetto for Orchestra (Pittsburgh Symphony Orchestra, Manfred Honeck) (November)
8. Asmus Tietchens (Hematic Sunsets): Aroma Club Adieu (Juni)
9. Daniel Lanois: Heavy Sun (April)
10. András Schiff, Orchestra of the Age of Enlightenment: Brahms — Piano Concertos 1 & 2 (Juli)
11. Konstantin Semilakovs: Alexander Scriabin — Couleurs Sonores (Januar)

 

Re-Issues (12):

1. Dave Pike Set: At Studio 2, March 11, 1971 (Februar)
2. Pet Shop Boys: Discovery — Live In Rio 1994 (Mai)
3. Klaus Doldinger: The First 50 Years Of Passport (Juli)
4. Gentle Fire: Explorations (1970-1973) (Januar)
0. (März)
0. (April)
0. (Juni)
0. (August)
0. (September)
0. (Oktober)
0. (November)

 

Wiederentdeckt:

Januar: 801 Live (1976) 
Februar: Cat Mother & The All Night Newsboys: The Street Giveth … And The Street Taketh Away (1969)
März: Albert Mangelsdorff: Three Originals (The Wide Point, 1975; Trilogue, 1977; Montreux, 1980)
April: David Shea: Tower of Mirrors (1995) 
Mai: Hans Zimmer: The British Years (My Beautiful Laundrette, A World Apart u.a.) (2005)
Juni: Miles Davis: Big Fun (1974)
Juli: Hot Tuna: Hoppkorv (1976)
August:
Ketil Bjørnstad, Bjorn Kjellemyr, Jon Christensen, Per Hillestad, Terje Rypdal: Water Stories (1993)
September: Hanns Dieter Hüsch: Abendlieder (1976)
Oktober: Kraan: Live (1975)
November: Ougenweide: Herzsprung (2010)

 

 

2021 23 Jan.

Rams 2

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Der Braun SK-61 von 1956, eine Radio- und Phonokombination, volkstümlich damals auch „Schneewittchensarg“ genannt.

 

Der Braun T-1000 von 1963, der Kurzwellenempfänger, der in keiner Botschaft und bei keinem Top-Spion fehlen durfte.

Zwei Beispiele für Designs von Dieter Rams. Geboren 1932 in Wiesbaden, wollte er zunächst Architekt werden, landete aber dann eher zufällig im Industriedesign. 1955 trat er in die Produktgestaltung der Firma Braun ein, 1961 übernahm er deren Leitung. Jeder hat Designs von Dieter Rams schon gesehen. Seine Formensprache beruht auf radikaler Reduktion auf das Wesentliche, auf Langlebigkeit, und auf einem ausgeprägten Sinn für praktische Benutzbarkeit, vom Rasierer über die Saftpresse bis zum Regalsystem — „gutes Design ist so wenig Design wie möglich“ lautete eine seiner Maximen, die heute an jeder Kunsthochschule gelehrt werden.

Das Braun-Design wurde auch im Ausland so bekannt, dass Rams dort irgendwann als „Mr. Braun“ durchging. Es funktionierte, weil die Gebrüder Braun voll hinter ihm und seinem Team standen (das übrigens rein männlich war — damals war das normal und wurde von niemandem hinterfragt). Das ging gut, bis 1967 die Firma Braun von der Gillette Company übernommen wurde. Ab da hatte Rams immer weniger Rückhalt für seine Designphilosophie. Die Designs sollten saisonweise gewechselt werden, auch das Braun-Logo sollte in Riesenklotzbuchstaben auf den Produkten erscheinen. Klar, dass besonders Letzteres jemandem wie Rams nicht gefallen konnte („Wenn Sie sich einer Person vorstellen, schreien Sie dann?“), und so verstärkte er seinen Nebenjob als Möbeldesigner für die Firma Vitsoe. Dieser Name war mir neu, wenngleich Möbel dieser Firma auch wieder jeder bereits gesehen hat. Auch Rams‘ Türklinken der Firma FSB dürfte jeder schon in der Hand gehabt haben. Zwischen 1981 und 1997 lehrte Rams Industriedesign an der HfbK in Hamburg. Insbesondere Apple dürfte einiges von ihm gelernt haben.

 

 

Nun gibt es einen 75-minütigen Portraitfilm über Rams, hergestellt von dem Dokumentarfilmer Gary Hustwit, der Designfreaks spätestens seit seinem Film über die Schriftart Helvetica (2007) bekannt sein dürfte. Der Film ist ein Crowdfunding-Projekt von 2019 und begleitet Rams durch einige Stationen seines Lebens, zeigt Produkte, Weggefährten, aber lässt ihn vorrangig selbst zu Wort kommen, sowohl über seine eigene Arbeit wie auch über die Arbeiten einiger seiner Kollegen — etwa Ettore Sottsass, dessen knallrote Valentine noch heute Rams‘ Schreibgerät ist. Einen Computer sieht man nicht bei ihm, obwohl ich sicher bin, dass er auch damit umgehen kann. Wichtigster Drehort ist das Arbeitszimmer in Rams‘ Haus im hessischen Kronberg. Haus und Garten sind Teil einer Werkssiedlung von Braun, an deren Gestaltung er selbst beteiligt war — auch wenn er damit nicht ganz zufrieden gewesen zu sein scheint.

 

 

Relativ früh bereits hat Rams über Umweltaspekte seiner Produktgestaltung nachgedacht, und oft merkt man das den Produkten auch an. Nicht immer ganz einverstanden bin ich mit Rams‘ Ansichten über die heutige Zeit. Für einen hellen Geist wie ihn kommen mir manche seiner Einwände recht eng gedacht vor; etwa seine Auffassung zu Leuten, die permanent auf ihr Handy starrend durch die Straßen laufen und dabei Bilder wahrnehmen, die in deren Köpfen nicht mal hängenbleiben. Nicht, dass ich solche Leute nicht auch ein bisschen albern fände — aber sollte einem Designer von seinem Format nicht selbst klar sein, dass diese Leute eine bestenfalls temporäre Erscheinung sein werden? Ich jedenfalls bin sicher, dass die heutigen Handys in fünf oder zehn Jahren (man nagele mich bitte nicht auf eine Zahl fest) aus dem Stadtbild verschwunden sein werden. Dann nämlich werden sie zum integralen Bestandteil unserer Kleidung geworden sein.

Die optische Gestaltung des Films ist sympathisch an Rams‘ ästhetische Auffassungen angepasst, kein Grafikelement ist überflüssig. Die DVD- oder Blu-ray-Version kommt als Teil eines 80-seitigen Buches im Format 16 x 17 cm daher. Der Regionalcode ist 0, der Film sollte also überall laufen. Der Film ist auch online abrufbar, dann allerdings ohne die 30 Minuten Bonusmaterial, das die DVD bietet und das teilweise nicht weniger interessant ist als der Film selbst. Die Sprache ist durchweg deutsch, einige Aussagen sind englisch. Durchgehend sind alle nicht-englischen Passagen untertitelt.

Die Originalmusik des Films ist von Brian Eno. Zum Record-Store-Day wird der Soundtrack als Vinylalbum erscheinen. Die Musik hat gewohnte Eno-Qualität, ohne in irgendeiner Weise besonders auffällig zu sein. Auch für Eno gilt bekanntlich Rams‘ Motto: Less but better.

2021 15 Jan.

[AT 08] Asmus Tietchens: Musik im Schatten

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Weiter in der Asmus-Tietchens-Chronologie: Irgendwann 1982, zwischen den Sky-LPs Spät-Europa und In die Nacht, erschien auf dem amerikanischen Cassettenlabel Aeon die Musik im Schatten. Die Auflage ist nicht bekannt; mein Tipp: nicht mehr als zehn. Mit etwas gutem Willen kann man das Produkt mit Musik aus der Grauzone (1981) und Musik an der Grenze (1982), beide ebenfalls Cassettenproduktionen, als Teil einer Werkgruppe auffassen.

Die fünf Tracks sind harte elektronische Kost, hervorgebracht auf dem Moog Sonic Six, gelegentlich mit kurzen, durchweg durch den Synthesizer und den Filteraltar gedrehten Sprachsamples erweitert. Verständlich ist dabei nur das Wort „selbst“, zu hören in dem Stück „Du darfst“, das wohl nach der gleichnamigen Margarinemarke benannt ist und ähnlich glitschig klingt. Alle fünf Stücke sind akustisch bewusst aufdringlich und schrill gehalten, es gibt kaum Pads, kaum Ruhepunkte und nur wenige angedeutete Melodien. In „Nosferatu“ hören wir elektronisch imitierte Mickymaus-Stimmen, die ein wenig an „Stressmen“ vom Biotop-Album erinnern. Tietchens-typisch ist aber auch auf dieser Einspielung der ökonomische Umgang mit dem Material — nie sind es mehr als vier Schallquellen gleichzeitig, die man hört. Deswegen konnte Tietchens auch immer auf die Möglichkeiten des programmierbaren Mischpultes verzichten, das in Okko Bekkers Audiplex-Studio vorhanden war.

Es ist kein Vergnügen, sich diese Cassette anzuhören; auf mich wirkt die Einspielung „zusammengehauen“ und nicht wirklich interessant. Im Gesamtwerk Tietchens‘ wird man die Musik im Schatten wohl als entbehrlich ansehen dürfen.
 
Musik im Schatten
Aeon AE 001, USA 1982
Wiederveröffentlicht auf Auricle Music AMC 34, GB 1988.
 
 

2020 29 Dez.

Medienphrasen 2020

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Auch dieses Jahr bleiben sie uns nicht erspart, die abgegriffensten und sinnbefreitesten Redewendungen in den (vorrangig deutschen) Medien:

 

geht gar nicht
Männerfreundschaft
ein Zeichen setzen
Brücken bauen
Unternehmensphilosophie
Duell
Erdrutschsieg
Zerschlagung
gerät zunehmend unter Druck
Signal auf Grün / Rot
Da bin ich ganz bei Ihnen
Think Tank / Denkfabrik
Großwetterlage
postkolonial
zum Anfassen
hochfahren / runterfahren
abgehängt
Schalte
vorpreschen
Brummi
schonungslos
Zerreißprobe
an den Rollstuhl gefesselt
Kult
Bärendienst
Satire darf alles
Wglssn dr Vkl
raunen
Ein Gespenst geht um
Legende
active shooter
Beziehungsdrama
Bestsellerautor
Die Menschen dort abholen, wo sie stehen
Wir müssen reden
Dystopie
Reich der Mitte
Weißwurstäquator
Donaumetropole
Vierbeiner
gefiederte Freunde
tief gespaltenes Land
Narrativ
Narrativ
Narrativ
Unruhestand
Wertschätzung
Ruder herumreißen
Kasse klingelt
Herausforderung
*
eingepreist
breit aufgestellt
steile These
systemrelevant
durchimpfen
Urteil gekippt
herunterbrechen
immer mehr
noch nie
Spaghettiwestern
Punkt. Hinter. Jedem. Wort.
wird nichts mehr so sein wie früher
es braucht Mut

 

Somit durchgeimpft gegen kommende Narrative bis 2021.

2020 8 Dez.

Harold Budd 1936 – 2020

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Nun hat auch Harold Budd seine kosmische Adresse gewechselt.

Mehr hier.

 
 

2020 6 Dez.

Meine Jahresliste

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Es ist Nikolaus. Das heißt: Zeit für meine Jahresbestenliste 2020. Alsdann:
 
 

 
 
Top 15:
 

  1. Anja Lechner & Francois Couturier: Lontano
  2. Nick Cave: Idiot Prayer — Alone At Alexandra Palace
  3. Terje Rypdal: Conspiracy
  4. Nick Cave & Nicholas Lens: L.I.T.A.N.I.E.S.
  5. Jon Hassell: Seeing Through Sound (Pentimento Vol. 2)
  6. J. Peter Schwalm & Arve Henriksen: Neuzeit
  7. Die Wilde Jagd: Haut
  8. Carla Bley, Steve Swallow, Andy Sheppard: Life Goes On
  9. Yello: Point
  10. Kraan: Sandglass
  11. Irmin Schmidt: Nocturne
  12. Brian Eno: Film Music 1976 – 2020
  13. Jean-Louis Matinier & Kevin Seddiki: Rivage
  14. Michel Benita: Looking At Sounds
  15. Pet Shop Boys: Hotspot (Special Edition)

 

Auch gut:
 

  • Burt Bacharach: The Great Divide (single)
  • Burt Bacharach & Daniel Tashian: Blue Umbrella (EP)
  • Einstürzende Neubauten: Alles in allem
  • John Fogerty: Fogerty’s Factory (Expanded)
  • Pat Metheny: From This Place
  • Soft Works (Elton Dean, Allan Holdsworth, Hugh Hopper, John Marshall): Abracadabra in Osaka

 

Needs some more listening:
 

  • Bob Dylan: Rough And Rowdy Ways
  • Roedelius: Wahre Liebe
  • Michael Rother: Dreaming
  • Ryuichi Sakamoto: The Staggering Girl (Soundtrack)
  • Bruce Springsteen: Letter To You
  • Asmus Tietchens: Bleiche Brunnen

 

Reissues:
 

  • Ryuichi Sakamoto: Hidari Ude No Yumi (Left-Handed Dream + Bonus-CD) (1981)
  • Tangerine Dream: Pilots of the Purple Twilight (Box Set mit allerlei Bonus)

 

Rediscovered:
 

  • Khaled, Rachid Taha, Faudel: 1, 2, 3 Soleils en concert (2-CD-Version, 1998)
  • Ketil Bjornstad, Bjorn Kjellemyr, Jon Christensen, Per Hillestad, Terje Rypdal: Water Stories (1993)
  • David Byrne & Brian Eno: Everything That Happens Will Happen Today (2008)
  • Madredeus: Lisboa (1992)
  • Max Raabe & Palastorchester: Heute nacht oder nie (Live in New York, 2008)
  • Paul Simon: Graceland (1986)

 

2020 5 Dez.

Beatstudio Berlin

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This memorial plaque was unveiled on December 4, 2020, on the school building in Berlin-Wilmersdorf, Pfalzdorfer Straße 30.
The plaque says:

 

From 1968 to 1984, in the basement of this building the

Electronic Beat Studio

was located.

The Electronic Beat Studio was the creative nucleus for the 
„Berlin School of Electronic Music“.

 

This studio was founded by Konrad Latte, director of the Berlin Baroque Orchestra, and built and managed by Swiss avant-garde composer Thomas Kessler.

Bands like Agitation Free, Tangerine Dream and Ash Ra Tempel as well as solo artists like Manuel Göttsching, Klaus Schulze und Michael Hoenig have made this music known all over the world.

Donated in 2020 by Hans Zimmer and Bernd Kistenmacher

Here’s a short TV report.

Photo: OTFW, Berlin – CC BY-SA 3.0

 

2020 7 Nov.

Pittsburgh, just now

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Man nimmt dieses Buch zur Hand, schaut sich die Bilder auf der Vorder- und Rückseite an, und man weiß: Dies wird wohl ein Coming-of-Age-Roman sein.

Stimmt. Und er spielt im Jahr 1974, in einem Provinznest namens Lippfeld, irgendwo „zwischen Ruhrgebiet und Münsterland“, wo der Autor Andreas Heidtmann großgeworden worden ist. Er hat Klavier studiert — wie es sein Romanheld Ben Schneider tun wird, der allerdings nicht viel Heldenhaftes an sich hat. Die Parallele mag Zufall sein, vielleicht auch nicht. Ich will da nicht spekulieren.

Auf der Kirmes im Autoscooter beginnt die Geschichte von Ben und Susanna. In insgesamt 36 durchweg kurzen Kapiteln nehmen wir an der Teenagerliebe der beiden teil, mit den Höhen und Tiefen, die dieses Alter so mit sich bringt. Wir lernen die Klassenkameraden kennen, die Konfirmandengruppe, Eltern, Lehrer, den engeren Freundeskreis, die Clique, wir lernen die Treffpunkte kennen, erste tastende Kussversuche und etwas mehr, aber nie die volle Dosis. Dazwischen gibt es soziale Realität, gelegentlich sogar ziemlich harte — den Tod eines Mitschülers, den Suizid eines Vaters, einen ziemlich ärmlichen Einbruch in einen Kiosk, viel billiges Bier, Jägermeister und Kellergeister, zarte Drogenversuche und dörfliche Langeweile. Heidtmann ist ein guter Beobachter und ein ebenso guter Erzähler, der es aber auch versteht, Distanz zu halten, wo es nötig ist. Der Leser erhält die Informationen, die er braucht, aber nicht mehr.

Der dramaturgische Dreh des Buches ist die zunächst scheinbar etwas zusammenhanglose Erzählung von einzelnen, immer kurz gehaltenen Episoden. Wer da an die Skizzen zu einem potenziellen Drehbuch denkt, liegt wahrscheinlich gar nicht so falsch. Erst nach und nach merkt man als Leser, dass diese Episoden zunehmend enger um die Protagonisten kreisen und ein immer klareres Gesamtbild ergeben — mit dem Ergebnis, dass einem die Figuren des Romans immer mehr ans Herz wachsen.

Alle Kapitel haben Überschriften, die an Pop- oder Rockmusik der frühen 1970er Jahre angelehnt sind. Diese Musik spielt eine große Rolle im Ablauf der Geschichte. Sie definiert die Charaktere. Real existiert habende Radiomoderatoren kommen vor, etwa Mal Sondock, das WDR-Programm. Aber auch Klassik. Dass Ben ein guter Pianist ist, erschließt sich erst nach und nach. Gelegentlich ein bisschen übertrieben wird die Spielerei mit Produkten jener Jahre. Der Autor setzt deren Kenntnis voraus, und klar, auch ich kenne die noch alle, aber genau das gibt mir das Gefühl, dass mit ihrer Nennung eine Art „Ja, genauso isses gewesen“-Assoziation ausgelöst werden soll.

Der Schluss der Geschichte bleibt auf eine seltsame Weise offen. Aber so ist das ja wirklich, wenn man 16 oder 17 ist. Man ahnt, dass die Geschichte von Ben und Susanna nicht für die Ewigkeit ist, man spürt, dass Rebecca und Ben, als sie sich an der Folkwang-Akademie kennenlernen, nie ernsthaft zusammenkommen werden, weil sie aus zwei inkompatiblen sozialen Schichten stammen, man sieht, wie einige der Freunde wegrutschen und andere zu braven, anständigen Bürgern werden wie ihre Eltern.

Keine Helden, keine großen Abenteuer. Aber Mick, der Luftgitarrenweltmeister, gibt uns allen ein Glücksversprechen.


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