Manafonistas

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Archives: Februar 2023

 

Mein Gott, du hörst mir ja wieder nicht zu.

 

Mit offenen Augen durch die Welt gehen, ist uns eine geläufige, gut gemeinte Aufforderung zur Neugierde. Aber mit offenen Ohren durch die Welt ziehen, ist eine bisher unausgesprochene Einladung. Warum eigentlich? Sind wir vom Schauen genervt, klappen wir unsere Augenlider einfach runter. Diesen körpereigenen Schutzmechanismus haben die Ohren nicht. Liegt es daran?

Als Schüler trainierten wir unser Gehör im „Hitparadenpfennigspiel“. Wir legten eine Schallplatte auf und wer bereits beim ersten Ton den Hit erkannt hatte, bekam 10 Pfennig. Aus dieser Zeit stammt meine Unsitte, einen ganzen Song nur nach den Anfangstakten zu beurteilen. Wahrscheinlich sind mir durch dieses emotional assoziative Hörverhalten einige tolle Musikstücke entgangen. Wie hören wir, wenn wir hören?

 

„Um welches Geheimnis handelt es sich, wenn man im eigentlichen Sinne zuhört, horcht, lauscht, sprich, wenn man sich bemüht, eher die Klanglichkeit zu fassen oder zu erhaschen als die Botschaft?“

 

Auf was konzentrieren wir uns primär, wenn wir ein Musikstück hören, auf den Sound oder die Lyrics? Wieso hat der Klang generell eine so große affizierende Wirkung? Von mancher Musik, wie zum Beispiel den Flamenco Klängen, fühle ich mich regelrecht attackiert. Musik ist für mich innerhalb des art-circles die Kunst, die mich am schnellsten und tiefsten ergreift. Ein besonderes Ekstasepotential haben für mich zum Beispiel Songs wie OHIO von CSNY, BOTH SIDES NOW von Joni Mitchell oder der Auftritt von Patti Smith vor dem Nobelpreispublikum mit Bob Dylan‘s A HARD RAIN IS GONNA FALL

Gestern Abend ging ich durch einen engen, einspurigen, etwa 1 km langen, nur spärlich beleuchteten Tunnel. Ich vernahm ein undefinierbares Geräusch, das mich beunruhigte. Ich begann laut zu singen, damit der Schall in diesem langgezogenen Raum den dumpfen Laut übertönte und mir das Echo meiner Stimme meine lebendige Gegenwart bewusst machte. Ich hatte „Heart of Gold“ gesungen. Der unbekannte Geräusche verursachende Lauscher könnte für diesen schönen Song ein offenes Ohr gehabt haben.

 

 


 
 
 
Seulement un alto, mais ensuite orchestral : à propos de George Dumitriu, John Coltrane, Thelonius Monk, György Ligeti, Ig Henneman et Ralph Towner
 
 

Le musicien George Dumitriu (alto, violon, guitare), d’origine roumaine et basé à Amsterdam, a enregistré un album solo à l’alto sur des compositions de Thelonious Monk, qui sort sur le label berlinois Evil Rabbit. Voici quelques éléments de contexte en suivant un fil reliant John Coltrane, György Ligeti et Ig Henneman.

 
 
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2023 5 Feb.

Das fängt ja gut an …

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Auch wenn es der dunkelste Januar seit mehr als 40 Jahren sein soll, die letzte Generation den grünen Kometen, als er der Erde zu nahe kam aus Protest mit Kartoffelbrei beworfen hat und die Chinesen ihre jahrtausendealte Tradition des Ballonsteigenlassens in der auslaufenden Hurrikansaison über Amerika fortgesetzt haben, gab es im vergangenen Monat doch erfrischend viele erhellende Klangmomente, allesamt inspirierende Hörempfehlungen in der Spanne zwischen ungewöhnlichen perkussiven und tiefgründigen Ambientalben:

 
 

    1. Ryuichi Sakamoto – 12
    2. Sebastian Rochford & Kit Downes – A Short Diary
    3. Kali Malone, Stephen O’Malley, Lucy Railton – Does Spring Hide Its Joy
    4. John Cale – Mercy
    5. Martina Bertoni – Hypnagogia
    6. Ekin Fil – Rosewood Untitled
    7. Ami Dang – The Living World’s Demands
    8. Le Millipede –  Legs and Birds
    9. Catherine Graindorge & Iggy Pop – Dictator
    10. Marius Gjersø – Yûgen
    11. Harmonious Thelonious – Cheapo Sounds
    12. Rian Treanor & Ocen James – Saccades
    13. Burnt Friedman – Hexenschuss (Extended Versions)
    14. Suss – Suss

 
 
 
   
 
 

 

Tout a commencé le troisième jour, tôt, la pluie, quelques chats errants, et le bruit des vagues. En parcourant les routes de l’arrière-pays, j’ai pensé à la chanson „Roads“ de Robert Forster, que je peux presque chanter avec lui. Quelle charge émotionnelle cette route tout sauf plate a pour les autochtones, leur bonheur, leur tristesse. Des choses se passent.  Enfin, arrivée au parking du Cap d’Erqui. Sur les panneaux, je lis et relis „Les plages sauvages“, comme si ce nom voulait évoquer avec force l’époque d’avant le tourisme omniprésent. Ou ces heures matinales où les chats et les chiens sont encore plus nombreux.  Les lacs sont d’anciennes carrières de grès rose. Vient ensuite une zone où la bruyère se mêle aux genêts et aux ajoncs – un paysage aux nuances de gris éclatantes. J’aperçois le port. Et puis j’entre dans les plages sauvages, „Lourtuais“ et „Portuais“. En été, l’eau doit être d’un bleu turquoise. Je suis dans le flow de la marche, et j’atterris au café Karma, sur le port, l’odeur des toilettes me vient de l’autre côté – le plus drôle dans cet endroit, c’est le nom du café. De retour dans la voiture, la musique de „Marquee Moon“. „I spoke to a man / Down at the tracks / And I ask him / How he don’t go mad / He said, „look here, junior, don’t you be so happy / And for heaven’s sake, don’t you be so sad“. Tout a commencé le troisième jour, tôt, la pluie, quelques chats errants, et le bruit des vagues.

 

2023 5 Feb.

A visceral search for identity

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Früher habe ich eine Zeitlang jeden Film des koreanischen Starregisseurs Park Chan-Wook (hier bei EPD Film aktuell ein Portrait seines Schaffens und Überblick über sein Œuvre) im Kino angesehen. Spätestens ab seinem Durchbruch Joint Security Area waren die alle sehenswert, trotz oder vielleicht auch gerade wegen ihrer gewissen sterilen Regiekunst, die eine gewisse philosophische Note nicht scheute. Irgendwann allerdings überwiegte dann die leere, artifizielle Seite (I’m a Cyborg, but that’s okay), die Langeweile zog ein, und mich zogen die Filme nicht mehr an. Irgendwann muss ich da wohl mal etwas nachholen.

Aktuell in deutschen Kinos gestartet: seine unverhohlene Film-Noir- / Neo-Noir-Hommage-Lovestory Die Frau im Nebel, und mir fällt auf, wie unglaublich viel Zeit vergangen ist, seit Park ein angesagter Regisseur unter Filmliebhaber(inn)en war. Da dieser neue Film als recht intelligente und schillernde Krimi-Unterhaltung vermarktet wird, begaben wir uns am Wochenende in Berlins schönstes und wohl größtes Kino, unweit unserer Wohnung gelegen, und schauten Die Frau im Nebel – seltenerweise in deutscher Synchronfassung; ein bisschen eigenartig finde ich es immer, wenn asiatischen Menschen in fernen Kleinstädten und Dörfern astreines Theaterhochdeutsch sprechen, und skurril auch, wenn immer wieder die Originalstimmen der Schauspieler/innen auftauchen, wenn die Figuren dann nicht mehr koreanisch, sondern chinesisch sprechen. Es ist wie gesagt eine halbe Ewigkeit her, seit ich einen Film von Park Chan-Wook gesehen habe; dieser war ein wenig anders als erwartet – doch nicht ganz so eingängiges Unterhaltungskino, auch wenn man in der ersten Viertelstunde noch meinen könnte, dass die Handlung, auch so ähnlich in einem „Tatort“ stattfinden könnte … aber dann erinnerte ich mich, dass die Filme von Park sich ja schon immer durch diese gewisse artifizielle Unnahbarkeit ausgezeichnet haben und konnte mich da gut mit anfreunden, und so störte auch das Theaterdeutsch kaum mehr.

Hat mir alles in allem sehr gut gefallen, ich muss aber auch zugeben, dass es wohl ein Film für intellektuelle Film-Nerds (bevorzugt Ü40, bevorzugt männlich) ist, was an der jüngeren Frau neben uns (ca. Mitte 20) deutlich zu merken war, die während des Film ständig durch lautes Aufstöhnen ihr Missfallen zum Ausdruck brachte. Inszenierung, Kamera, Schauspiel (soweit eingedeutscht beurteilbar) und Montage allesamt top. Zu empfehlen mit den den genannten Einschränkungen (not everyone’s cup of tea) – kein realistischer Krimi, sondern eher etwas überhöhtes Erzählen in Vertigo-Tradition. Man konnte unschwer den alten Hitchcock jeder zweiten Ecke dem Regisseur über die Schulter blicken sehen …

 

 

 

 

Dann, einen Tag später gleich noch einmal einen Kinobesuch in einem anderen in Korea spielenden Film, der ebenfalls 2022 im Programm in Cannes hochgelobt wurde: Return to Seoul – großartiger Film. Sehr berührend und keine Minute langatmig, immer wieder reizvolle, authentische Wendungen. Toll, wie der über zwei Stunden die Spannung hält, bei diesen Stimmungswechseln. Chapeau an Drehbuch und Regie. Und natürlich an die Hauptdarstellerin. Souverän, ohne die Warnung „Achtung Große Kunst“ wie bei Park Chan-Wook, und doch eigentlich viel kunstvoller, da nicht ausgestellt., sondern mit feiner (Regie-)Hand geführt. Ein Film, bei dem es vielleicht besonders schön ist, wenn man vorab so wenig wie möglich darüber weiß. Auch „Trailer“ finde ich oft problematisch, weil die so oft viele der schönen Wendungen oder gar Entwicklungen der Charaktere und der Handlungswege verraten.

Auf kluge Weise setzt der Film seine Irritationsmomente ein — visuell wie dramaturgisch. Ein Film auch, der, anders als Die Frau im Nebel seine gewisse Distanziertheit nicht zum Auf-Distanz-Halten des Publikums nutzt, sondern dies produktiv immer wieder auflöst, geschickt bricht und in Frage stellt. Überhaupt: Dass Retour à Seoul, eine koreanisch-französische Co-Produktion (und auch deutsches Geld war irgendwo dabei) Fragen aufwirft, diese aber nicht – oder sagen wir besser: nicht konventionell – auflöst, ist ein nicht unwichtiger Aspekt seiner faszinierenden Kunst. Ich war von Anfang bis Ende gefesselt und hätte auch noch eine Stunde weiter schauen können. Fast war ich traurig, dass wir diese Hauptfigur nach zwei Stunden und dieser schillernden Zeit im Saal verlassen mussten.

 

 

2023 5 Feb.

From my interview with Sebastian Rochford

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Das Piano ist ein ganz spezielles Instrument für mich. Es ist das erste Instrument, das ich lernte, und mein Vater und meine Mutter waren verliebt in den Klang. Die Lieblingsmusik meines Vaters waren Glenn Goulds Bach-Interpretationen, und für meine Mutter überwiegend Bill Evans, Keith Jarrett und Nina Simone. Ich wuchs auf mit dem Klang des Pianos, meine Eltern spielten darauf, und obwohl ich bislang nie Musik für ein Klavier geschrieben hatte, war mir dieser Sound des „Zuhause-Seins“ unheimlich vertraut.

Was das „Drumming betrifft, gab ich mir die Freiheit zu spielen oder nicht zu spielen, je nachdem was das jeweilige Stück verlangte. Im wesentlichen sollte es eine Art Solo-Piano-Album sein, mit unserem alten Hausklavier, und ein paar Spuren des Schlagwerks. Eines meiner Lieblingsalben – auch da spielt der Raum eine besondere Rolle – ist Thelonious Monks „Alone In San Francisco“. Mich störte die Idee nicht im geringsten, für diese Arbeit nur wenige eigene Klänge aktiv beizusteuern. Mit Kit Downes sprach ich lange über den Umgang mit den Pedalen, und dass die Musik nie über eine bestimmte Dynamik hinausgehen sollte, um idealerweise  in einer besonderen Schwingungszone zu verweilen. 

Das Stück „This Tune Your Ears Will Never Hear“ war das letzte Stück, das ich schrieb, aber es sollte den Anfang des Albums markieren. Ich sehe das Stück als eine Art Torweg, fast wie eine Begleitung meines Vaters auf seiner nächsten Etappe. Zugleich spielte diese andere Empfindung hinein: wenn du ein Elternteil verlierst, kann es sich anfühlen, als wäre man ein kleines Kind, das in den Abgrund ruft … so there are some lines in the tune that represent that to me.

Obwohl wir geplant hatten, das Album gemeinsam abzumischen, entwickelte es sich so, dass Manfred Eicher die Aufnahmen allein mischte, und im Grunde war es wohl genau das, was ich wollte. Ich war so nah dran an der Musik, und fühlte, dass er sich ihr auf eine Weise annehmen konnte, zu der ich nicht fähig war. Nicht nur technisch, auch aufgrund der fehlenden Aussenansicht. Als ich mir seine Abmischungen anhörte, war es fast so, als würde ich das Album zum ersten Mal hören. Als hätte ich bis dahin gar nicht realisiert, was ich wirklich gemacht hatte. Er brachte alles auf den Punkt und steigerte die Intensität vieler Details. Es erschien mir wie die stärkste Version der Musik.

Was die Raumcharakteristik des Klanges angeht, nun, wir hatten bei den Aufnahmen auch einige Raummikrofone benutzt. Zum Beispiel platzierten wir ein altes ACR-Mikrofon im Kamin, um etwas von der Resonanz des Steins hinter dem Feuerplatz einzufangen. Und das ist ein anderer Aspekt der nachträglichen Bearbeitung von Manfred, dass er dem Sound des Raumes treu blieb, ohne je darin gewesen zu sein

Und, ja, das Stück „Silver Light“ kam mir in den Sinn, als ich im Hausflur stand … ich erinnere mich daran, wie ich nach meinem Phone greife, und die Treppe hinauf gehe Richtung Schlafzimmer … ich singe in das Phone hinein, die ganze Zeit über, während ich die Treppe hinaufgehe, und die Melodie nimmt im Nu ihre fertige Gestalt an. Ich habe die Aufnahme gespeichert, und wenn ich sie mir anhöre, klingt sie genauso wie auf dem Album. „Silver Light“ repräsentiert für mich den Moment, in dem ich mit meinem Vater zusammen war, als er starb.

 

audio

 

2023 4 Feb.

„A Short Diary“

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Natürlich ist dieses Album von Sebastian Rochford auch eine Zeitreise. Die liedhaften, andeutungsweise hymnischen, Kompositionen diese aussergewöhnlichen Albums entstanden überwiegend nach dem Tod des Lyrikers Gerard Rochford, in heimischer Umgebung. Man kennt Sr Sebastian Rochford von seiner Gruppe Polar Bear (deren bestes Album in der Mohave-Wüste entstand), von den jungen, wilden Sons Of Kemet und dem ultramelodiösen Trio Libero. Hier nun wollte er den Sound  seiner Kindheit und Jugend einfangen – und Trost finden zugleich. Etwas wachrufen.

Bei den fünf Stufen der Trauerarbeit ist die Akezptanz nach Kübler-Ross die abschliessende fünfte. In einer Besprechung des Albums bringt Oliver Coates die „sechste Stufe“ der Trauerarbeit ins Spiel, und zitiert diese „Ergänzung“ von David Kessler: „Meaning“. Rochford und Downes seien noch nicht ganz bereit, nach dem Sinn zu suchen, schreibt Coates. Stattdessen „sässen sie in trauter Zweisamkeit zusammen, an dem Ort, an dem die Abwesenheit am stärksten zu spüren ist.“ Als wären sie noch nicht bereit,  im Prozess der Überwindung der Krise neue Einsichten zu gewinnen, und dadurch ihr Leben reicher zu machen. Eine psychologische Prozessbeschreibung einem Kunstwerk einsimensional überzustülpen (Uschi mach das ganz anders, da wirkt auch nichts aufgesetzt), ist mitunter ein wenig platt, in diesem Fall schlicht deplatziert. Doof halt, weil a) prätentiös, und b) falsch.

Die „Bedeutung“ liegt doch gerade im  schöpferischen Akt des Erinnerns. Die Haus der Kindheit erhält seine Dämmerung, seine alten  Schwingungen, gleichsam gespiegelt und verwandelt zurück. Mehr „meaning“ geht nicht. In diesem Sinne ist „A Short Diary“ eindringlich-elementare Musik, welche man zwei anderen aussergewöhnlichen „home recordings“ des Labels ECM an die Seite stellen kann, den Solo-Piano-Werken „At Home“ von Misha Alperin, und „The Melody At Night With You“ von Keith Jarrett. Alle drei Werke belegen eine von jedem Überschwang befreite Innerlichkeit.

P.S. – … und, a propos „meaning“ – „Bedeutung“ – da schreibt Mr. Harris die perfekte Ergänzung: „The tracks feel unhurried but concise enough not to be just drifting along, and as a meditation on memory / mortality it works at a high level in its efforts to convert sound into meaning.“

 

 
 
 

Das vergangene Jahr war so voll mit bemerkenswerter neuer Musik, dass ich mich dieses Mal entschieden habe daraus zwei Beiträge zu schreiben: den ersten über meine Ranking-List und einen weiteren über die Alben und Klänge, die ich bemerkenswert finde obwohl sie es aus verschiedenen Gründen nicht auf die Bestenliste geschafft haben. Zum ersten mal belegt hier auch ein Musiker 3 Plätze unter den Favoriten, der aber auch wohl zum ersten mal mehr als 3 Alben in einem Jahr aufgenommen hat. Die Rede ist hier von Stephan Thelen, der für seine komplexen und polyrhythmischen Exkurse demnächst auch eine eigene Rezension bekommt.

Und natürlich gibt es auch wieder Pianohighlights, die dieses Jahr von den 3 Pianisten Francesco Tristano, Koki Nakano und Moritz Fasbender gestellt werden, weil sie neben einem äußerst feinen Sinn für subtile Klangstrukturen auch pianistisch eine bemerkenswertes Niveau halten und dabei neue Räume erschließen. Hier mag es vielleicht verwundern, dass der sonst von mir sehr geschätzte Daniel Lanois nicht auf der Liste auftaucht, aber ich fand sein Album Player, Piano zwar studiotechnisch exzellent, aber musikalisch schlichtweg banal. Da erinnert es mich eher an die Sonatinen von Clementi, durch die sich jeder Klavierschüler früher oder später einmal hindurcharbeiten darf, als an die Innovationen, die ich auf dem Boden Lanois‘ sonstigem Werk wenigstens in Ansätzen erhofft hatte. Auch mehrfachen Hören machte es, in der Hoffnung doch etwas übersehen zu haben, leider nicht besser.

 
 

    1. Björk – Fossora
    2. Brian Eno – Foreverandevernomore
    3. Evgueni Galperine – Theory Of Becoming
    4. Midori Takada – Cutting Branches For A Temporary Shelter
    5. Wolfert Brederode – Ruins and Remains
    6. Flock – Flock
    7. Francesco Tristano – On Early Music
    8. Kali Malone – Living Torch
    9. Stephan Thelen – Fractal Guitar 3
    10. Toechter – Zephyr
    11. The Comet Is Coming – Hyper-Dimensional Expansion Beam
    12. Dai Fujikura & Jan Bang – The Bow Maker
    13. Moritz Fasbender – 13 Rabbits
    14. Michael Rother & Vittoria Maccabruni – As Long As The Light
    15. Stephan Thelen – Fractal Sextet
    16. Deathprod – Sow Your Gold in the White Foliated Earth
    17. Park Jiha– The Gleam
    18. The Smile – A Light for Attracting Attention
    19. Steve Reich – Reich/Richter
    20. Shabaka – Afrikan Culture
    21. Uwalmassa – Malar
    22. Stephan Thelen & Jan Peter Schwalm – Transneptunian Planets
    23. Erik Satie – Fragments
    24. Koki Nakano – Oceanic Feeling
    25. Sigurd Hole – Roraima
    26. Kreidler – Spells and Daubs
    27. Son Of Chi & Arthur Flink – The Fifth World Recordings
    28. Group Listening – Clarinet & Piano: Selected Works Vol 2
    29. Roedelius & Tim Story – 4 Hands
    30. Oren Armbachi, Johan Berthling, Andreas Werliin – Ghosted
    31. Pascal Schumacher – Luna
    32. Ustad Noor Bakhsh – Jingul
    33. Plastikman & Chilly Gonzales – Consumed In Key

 
 
 
   
 
 
 

Unter den Wiederveröffentlichungen ist natürlich Robert Fripp’s Exposures das absolute Highlight, gefolgt von einem japanischen Cluster von Sakamoto/Noto, Shimizu und Takada. Alles wunderbare, zeitlose Alben.
 
 

    1. Robert Fripp – Exposure Box
    2. Alva Noto & Ryuichi Sakamoto – Insen/utp/Svmmvs
    3. Yasuaki Shimizu – Kiren
    4. Midori Takada – Tree of Life
    5. David Toop – Pink Spirit/Noir World
    6. Djivan Gasparyan – I will not be sad in this World/Moon shines at Night
    7. Harold Budd – Pavilion of Dreams
    8. NEU! – Box Set
    9. Richard Pinhas – Iceland
    10. Vladislav Delay – Anima

 
 
 
   
 
 

2023 4 Feb.

Vollmond mit Tunnelblick

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