Manafonistas

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2023 4 Feb

„A Short Diary“

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | Comments off

Natürlich ist dieses Album von Sebastian Rochford auch eine Zeitreise. Die liedhaften, andeutungsweise hymnischen, Kompositionen diese aussergewöhnlichen Albums entstanden überwiegend nach dem Tod des Lyrikers Gerard Rochford, in heimischer Umgebung. Man kennt Sr Sebastian Rochford von seiner Gruppe Polar Bear (deren bestes Album in der Mohave-Wüste entstand), von den jungen, wilden Sons Of Kemet und dem ultramelodiösen Trio Libero. Hier nun wollte er den Sound  seiner Kindheit und Jugend einfangen – und Trost finden zugleich. Etwas wachrufen.

Bei den fünf Stufen der Trauerarbeit ist die Akezptanz nach Kübler-Ross die abschliessende fünfte. In einer Besprechung des Albums bringt Oliver Coates die „sechste Stufe“ der Trauerarbeit ins Spiel, und zitiert diese „Ergänzung“ von David Kessler: „Meaning“. Rochford und Downes seien noch nicht ganz bereit, nach dem Sinn zu suchen, schreibt Coates. Stattdessen „sässen sie in trauter Zweisamkeit zusammen, an dem Ort, an dem die Abwesenheit am stärksten zu spüren ist.“ Als wären sie noch nicht bereit,  im Prozess der Überwindung der Krise neue Einsichten zu gewinnen, und dadurch ihr Leben reicher zu machen. Eine psychologische Prozessbeschreibung einem Kunstwerk einsimensional überzustülpen (Uschi mach das ganz anders, da wirkt auch nichts aufgesetzt), ist mitunter ein wenig platt, in diesem Fall schlicht deplatziert. Doof halt, weil a) prätentiös, und b) falsch.

Die „Bedeutung“ liegt doch gerade im  schöpferischen Akt des Erinnerns. Die Haus der Kindheit erhält seine Dämmerung, seine alten  Schwingungen, gleichsam gespiegelt und verwandelt zurück. Mehr „meaning“ geht nicht. In diesem Sinne ist „A Short Diary“ eindringlich-elementare Musik, welche man zwei anderen aussergewöhnlichen „home recordings“ des Labels ECM an die Seite stellen kann, den Solo-Piano-Werken „At Home“ von Misha Alperin, und „The Melody At Night With You“ von Keith Jarrett. Alle drei Werke belegen eine von jedem Überschwang befreite Innerlichkeit.

P.S. – … und, a propos „meaning“ – „Bedeutung“ – da schreibt Mr. Harris die perfekte Ergänzung: „The tracks feel unhurried but concise enough not to be just drifting along, and as a meditation on memory / mortality it works at a high level in its efforts to convert sound into meaning.“

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