Manafonistas

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Archives: Oktober 2020

Jon Hassell sagte mal sinngemäss, dass man einiges über einen Menschen erfahre, wenn man in seiner Plattensammlung stöbere. Demzufolge geben Steve Tibbetts und ich hier Einblicke in unsere derzeitige „Seelennahrung“. Ich schickte ihm einen Link zu Ingos „Kammerstück mit Carla und Steve“ sowie ein Foto von den zwei Zeitreisen und der „Nahaufnahme“ (Terje Rypdal in den Siebziger Jahren) der kommenden „Klanghorizonte“, und er revanchierte sich mit einem Foto seiner derzeitigen Hörstoffe. Zwei Suchbilder, die zu näherem Hingucken einladen: ah, ich entdecke, er hört eine CD mit Federico Mompous „Musica Callada“, und, wie ich seinen kurzen Zeilen entnehme, hat er besonderen Gefallen gefunden an dem Album „The Suspended Harp of Babel“ von Cyrillus Kreek. Aber wer steckt hinter „Hoop“?

 

 

 

Steve, here are the last three hours of my next radio marathon night. incl. your album „Life of“ (a bit in the dark), and you will be speaking about Terje, the road dog!

 

 

 

Michael! My pile of CDs: would like to listen to more of them, but coming back regularly to Moussay, Hoop, and especially Kreek, tracks 1, 3, 13, 19.

2020 9 Okt.

Nat Burchall on Mono

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„Ein Grossteil der jamaikanischen Musik zwischen den späten Sechzigern und Siebzigern wurde in Mono veröffentlicht. Es gibt ein paar Ausnahmen, und zwei solcher monumentaler Alben  in exzellentem Stereo waren für mich „This is Augustus Pablo“ und „King Tubby Meets The Rockers Uptown“. Aber meistens wurde die Aufnahmen in Mono abgemischt, insbesondere für Singles. So sehr mich das Verteilen  der Sounds in einem breiten Klangfeld fasziniert – Mono hat ein paar Vorteile. Es gibt auch Jazzsammler, die Monopressungen bevorzugen, weil sie den Sound mögen, diesen dichten Zusammenhalt. Mono kann der Musik  größeres Gewicht verleihen. Das ist im Reggae  von Bedeutung, etwa, wenn du mit einem „soundsystem“ arbeitest: da erzeugt der  Monosound mehr Druck, und Stereo verringert diesen Effekt hörbar. Der Grund dafür, dass „Upright Living“ in Mono vorliegt hat,  neben dem ästhetischen Reiz, einen prosaischeren Grund: zwei Bandmaschinen waren defekt, so ist es eben beim diesen „Vintage-Sachen“, sie benötigen  permanente Pflege. Wir trafen in den letzten Jahren öfter ganz bewusst eine Wahl zwischen Stereo und Mono, aber bei UPRIGHT LIVING waren uns die Hände gebunden.“

2020 8 Okt.

Universal Beings E & F Sides

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Ein rundum geglücktes Nachspiel zu dem vielgerühmten Album „Universal Beings“ des Schlagzeuger Makaya McCraven aus dem Jahre 2018. Die Methode bleibt die gleiche: aus den Jam-Sessions von vier Bands in Europa und den USA, deren gemeinsamer Nenner die Anwesenheit von McCraven ist – und eine Ausrichtung auf luftige Improvisationen und polyrhythmische Grooves – formt der Mann aus Chicago achtzehn Stücke, mit Loops, Überlagerungen, und allem, was digitale, Hip-Hop-erprobte Studiotechniken hergeben. Das Resultat wirkt schlüssig und kohärent, auch, oder gerade weil die Nahtstellen der Nachbearbeitung durchaus erkennbar sind. Eigentlich wendet Makaya McCraven auch einen Trick der Minimalisten vom Schlage eines Steve Reich an: er fokussiert sich auf besonders geglückte Passagen der kollektiven Improvisation, verwandelt sie eine Zeitlang in repetitive Muster, um sie dann wieder in den kollektiven Ideenfluss einzubetten. Das überzeugt auch, weil Makaya McCraven um die Gefahren dezenter Reizüberflutung weiss, und geschickt für Momente des Innehaltens sorgt. Tatsächlich ist es sein Bestreben, alle leicht ermüdenden, redundanten Elemente freien Improvisierens zu eliminieren, und die Musik auf Essenzen zu reduzieren! Als  „Zukunft des Jazz“ muss man diese Musik nicht hinausposaunen, dafür gibt es, was Teamspirit, Partyatmosphären, beinharten Funk und Produktion angeht, einen spannenden Vorläufer aus analogen Zeiten: Miles Davis‘ „On The Corner“.

 

„Hanging words such as “atmospheric,” “evocative,” or “lyrical” on this Christmas tree would only topple it in a shower of withered needles. One might say the title refers not to the music itself, which if anything feels drenched, but rather to its lingering effects. I sometimes imagine the synthesizer here as a substitute for an unavailable orchestra, the presence of which would have created an entirely different, Eberhard Weber-like, experience. As it is, its sedation lends a potent archival ascendency and distills the soaring solos within. Rypdal’s keening guitar percolates through the album’s semi-porous cloth like sunlight through the veil over a face of one who has seen the world only through the wavering screen of tears, and never in the clarity of day. It is a style of playing that falls even as it rises. At his profoundest moments, Rypdal inspires a humbling lack of vocabulary with which to describe what one hears. In which case, After the Rain is filled with silence.“

(Tyran Grillo, ECM reviews)

 
 

Wer nicht alphabetisch archiviert, kennt das Phänomen: eine alte Lieblingsplatte hat sich unauffindbar gemacht – so ist es mir just mit „After The Rain“ ergangen. Irgendwie werde ich das Teil auftreiben für die Themenstunde der „Radionacht Klanghorizonte“ am 17. Oktober zwischen 3.05 und 4.00 Uhr. Da geht es um die Alben von Terje Rypdal aus den Siebziger Jahren. Zuvor zwei Stunden voller aktueller Produktionen, von „Paradise Cinema“ bis „Belbury Poly“, von Ed Harcourt bis Anja Lechner, von Bill Callahan bis Sufjan Stevens. Und, unglaublich, aber wahr, richtig guter „PostKrautRock“ aus Osnabrück! In den Zeitreisen bis 6.00 Uhr in der Früh gibt es dann einen Trip durch ausgewählte nordamerikanische Song- und Soundlandschaften (von Bobbie Gentry bis Van Dyke Parks) – später wandert ein gewisser Jah Wobble durch die Docklands, und Miles Davis ist mit seinem „elektrischen Septet“ von anno 1971 zu hören, von einer Tour, die auch in München Station machte. Zu den Zuhörern dort, auf welche die Musik einen immensen Eindruck (mit Folgen) machte, zählten Herr Klinger und ein gewisser Manfred Eicher.

 

 

Eine kurze Kurzgeschichte, oder ein Tagebucheintrag? Als ich heute morgen erwachte, hatte ich so einiges erlebt, das nachwirkte. Vor dem Aufstehen kramte ich die Traumerinnerungen zusammen, damit sich nicht das meiste fadenscheinig in Luft verwandelte. Wir trafen uns nach Ewigkeiten wieder, waren aber immer noch Mitte dreissig. Sie im Bademantel, ein Lachen, etwas lockerer als sonst – nie hätte ich gedacht, dass sie Philosophie studieren würde, als wir mit der Gang durch die Bittermark streiften, und Marokko besonders bizarre Baumstämme ablichtete. Vom ersten Traum hatte ich nur kurze Sequenzen im Sinn, die ich in einen Loop verwandelte, als ich um 2.30 Uhr im Bad kaltes Wasser über mein Gesicht laufen liess. Sie öffnete den Mantel, streifte mich ein zweites Mal, und rief mich ins Bett. Die Magie endete zu früh, und ich gab meinem Unbewussten den Auftrag, den Traum fortzusetzen. Inkubation ist das Zauberwort, Freunde, und es gelang, natürlich mit der eigenen Logik des Unterbewusstseins. Sie lebte in einem grossen Haus, toughe Innenarchitektur, Künstler am Werk. Ihr Lebensgefährte hatte die seltsamste Kaktusfrisur aller Zeiten, und neben speziell designten Haarbüscheln wuchsen kleine Blumen auf der Kopfhaut. Er war mir ungefähr so unsympathisch wie Whitneys narzisstischer Lover in „The Affair“. Eine grosse Party schien im Gange zu sein, und ich begrüsste eine Reihe flüchtig vertrauter Gesichter. Neben mir studierte ich mit einer gewissen Helga einen Konzertführer. Der Kaktus kam angerauscht und schwärmte von einem grossartigen Gitarristen, der aber im edelsten holzvertäfelten Raum der Dortmunder Kunstszene nur 24 Zuhörer zulasse. Ich kannte nicht mal seinen Namen und war froh, als ich Ian Bellamy entdeckte, dessen Auftritt ich unbedingt erleben wollte. Ich suchte U. und fand sie in einem Nebenraum, mit Tränen in den Augen. Was ist los, fragte ich sie, und sie berichtete, dass ihr Mann sie über Monate gefangen gehalten hatte, ohne Kontakt zur Aussenwelt. Ich fragte sie, ob das Elend ein Ende haben soll. Sie war froh, als wir einen Plan austüftelten. Vor Jahrzehnten waren wir in Paris, auf der Suche nach einem Zimmer im Quartier Latin, ich wollte ein Einzelzimmer buchen und sie reinschmuggeln, es klappte nicht, wir fuhren, weil wir die richtige Abfahrt verpassten, anderthalb mal um den Boulevard Periphérique, und schliefen unterwegs auf einem Parkplatz. Der Soundtrack dieser zwei Wochen war Hotel Hello von Gary Burton und Steve Swallow, sowie Ruth Is Stranger Than Richard von Robert Wyatt, auf dem schräpigsten kleinen Kassettenrekorder, manchmal kroch ich in die Töne hinein wie in unseren XXL-Schlafsack beim Zelten in der Bretagne. Gott, sie war hinreissend, muskulös, gebräunt, schwarzes Haar, und ich war ein verträumter Idiot. So richtig in Liebe entbrannt waren wir nicht, wir stritten wie die Hamster, und nur abends, in den Fischresraurants am Meer, und später, wenn wir vögelten, kehrte eine Art Friede ein. Neben Ingos Text zu Steve Swallow und Carla Bley konnte ich zwei weitere Tagesreste ausfindig machen, welche diese Träume auf den Weg brachten: die finale Episode von „The Affair“, die mir und  meinem Unterbewussten offenbar nahegingen, und eine Szene aus dem Roman „Blacktop Wasteland“.

2020 5 Okt.

Thirty years ago, Oct. 5, 1990

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„It was thirty years ago today

Cale & Eno let the jukebox play

They’ve been going in and out of rock n roll

They’re guaranteed to raise the smile,

So may I introduce to you,

The act you’ve known for all these years,

Captain Eno and Welshman Cale

We’re The Cale & Eno Night Sky Band

We hope you will enjoy the show

Sit back and let the evening go

It’s wonderful to be here,

It’s certainly a thrill.“

2020 4 Okt.

zum 80. von Steve Swallow

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Sehr knapp, aber gerade noch rechtzeitig: Hier mein kleines Geburtstagsständchen zum 80. von Steve Swallow.

Das Video ist der zweite Teil des Gesprächs, das ich vor einem Jahr im Haus von Steve und Carla im kleinen Örtchen Willow, rund eine Viertelstunde außerhalb von Woodstock, aufgenommen habe.

 
 
 

 
 
 

Mit gut 25 Minuten ist es ein wenig länger ausgefallen, dafür aber ist es nicht nur sehr informativ, sondern vor allem auch sehr unterhaltsam. Letztlich ist es eine Auswahl unterhaltsamer Erinnerungen und Reflexionen rund um das klassische „ECM Touchstones“- Album von 1975, Dreams So Real – Music of Carla Bley.

Die verschiedenen Kapitel behandeln u.a. die Beziehung zwischen dem WATT-Label und ECM, die Entstehung von Dreams So Real“ und warum Carla das Album nicht mochte, wie Gary Burton und andere Jazzmusiker ihre Kompositionen spielten, und wie Steve über das Verhältnis von Jazzmusiker/innen und -komponist/innen denkt, aber auch Erinnerungen an die allerste Begegnung zwischen Carla und Steve, 1954(!) in einem Jazzclub New York. Steve spricht recht viel über Carla als Komponistin, was dann auch im dritten Teil des Interviews noch eingehender behandelt werden wird.

2020 3 Okt.

Verwandlungen

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„Blue Note Re:imagined“ – die junge englische Jazzszene befasst sich mit Interpretationen des Kataloges von Blue Note Records. Ich hörte mir den  Beitrag von Shabaka Hutchings an, dessen Album mit den „Ancestors“ für mich zu dem guten Dutzend herausragender Jazzalben des Jahres zählt. Und, sofort, ein Dejavu – „das kennst du doch?!“ – und mir kamen gleich  bekannte Melodien in den Sinn, von Miles un Co. – aber nein, das hier kommt aus einer ganz abgelegenen Ecke. Der Titel sagte mir auch nichts, aber, nach einigen Klicks war der Fall klar – Shabaka hatte sich an ein Stück einer meiner ganz frühen Blue Note-Platten gemacht, die nie sonderlich berühmt wurde, aber meine Teenagerohren mit  tief entspannten, hypnotischen Sphären und Ostinati begeisterte. Das Original von „Prints Tie“ stammt aus der Bobby Hutcherson-Platte „San Francisco“, an seiner Seite neben Joe Sample am elektrischen Klavier, und einer erstklassig-spartanisch agierenden rhythm section, der wunderbare Harold Land an diversen Blasinstrumenten. Und, ehrlich, das Original ist stärker als das Cover, Bobby Hutchersons spät einsetzende Marimba ein Traum.


Und noch ein Coveralbum tauchte auf, diesmal eins von alten Freunden. Ich erzähle jetzt nicht gross und breit, wie es entstand, aber natürlich spielte Corona eine Rolle, das Canceln von Konzertreisen, der Überfluss an gewonnener Zeit inmitten all der dramatisch runtertickenden biologischen Uhren. Jedes Bandmitglied wählte einen Song aus, nicht mal einen ultimativen Lieblingssong, sondern eher einen aus der Kategorie „reizvoll“, „faszinierend“ und „schaun wir mal, was wir daraus machen können“. Und so entstand in kurzer Zeit Lambchops neues Album „Trip“.

 

 

Das Cover ist schon mal äusserst kitschverdächtig. Da die Leute von Lambchop aber alle hell und ausgeschlafen sind, haben sie sich dabei sicher etwas gedacht. Was wohl? Nun, ich kann Ihnen da momentan auch nicht weiterhelfen, vielleicht haben Sie eine Idee. Eins der Lieder kann man sich schon im  Netz anhören „Reservations“ stammt von Wilco und findet sich auf einem ihrer Klassker, „Yankee Hotel Foxtrot“. Mit 13 Minuten ist es die mit Abstand längste Coverversion von „Trip“ und wartet mit einer Besonderheit auf. Zuerst bearbeiten die Herren den Song mit Zeitlupe und anderen Feinheiten, und danach malen sie eine Landschaft. Alle Worte haben sich verabschiedet, und der grösste Teil des „Liedes“ besteht aus reinem, sich am Horizont verlierenden, Pastell. Sehr mutig ist das, sehr eigenwillig. Und erzählt etwas, indirekt, von dem Troste der Musik in tödlichen Zeiten. Man könnte bei der Blume an Scott McKenzie denken. San Francisco zum Zweiten.

 

Personnel: Kurt Wagner (vocals), Tony Crow (piano, synth, bk vocals), Matt Swanson (bass, bk vocals), Paul Niehaus (pedal steel, elec gtr, acoustic gtr, bk vocals), Andy Stack (sax, drums, drum prog, gtr, bk vocals), Matt McCaughan (synth, drums, drum prog, bk vocals)

2020 3 Okt.

Django 60

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Zum heutigen 60. Geburtstag von Django Bates habe ich dieses Interview mit ihm fertig editiert (knapp 15 aus insgesamt rund 70 Minuten Interview). Über länger als ein Jahr hinweg habe ich versucht, ein Treffen mit ihm organisiert zu bekommen; erst in der Corona-Zeit hat es schließlich geklappt. Er lebt seit einigen Jahren in Bern, und das passte dann gut mit einer meiner Schweiz-Ausflüge zusammen, zumal ein sehr guter Freund von mir ebenfalls (seit 14 Jahren) in Bern lebt. Django selbst meint, seine First-House-Zeiten seien nicht besonders wesentlich in seinem Schaffen, aber seine Erinnerungen sind durchaus schön zu sehen und hören. Leider kann ich Ken Stubbs nicht so einfach treffen und interviewen – es sei denn, mir sponsort jemand einen Trip nach Australien. Andererseits ist Django auch der einzige des Quartetts First House, der nach diesen Alben noch eine Beziehung zu ECM weitergeführt hat. Passagen aus dem Gespräch, die über die Zusammenarbeit mit Sidsel Endresen berichten, habe ich aus Fokussierungsgründen außen vor gelassen, werde aber versuchen, davon etwas in meinem demnächst anstehenden Sidsel-Interview/Portrait einzusetzen.

 

 

2020 2 Okt.

„Shore“

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“And with love and hate in the balance / one last way past the malice, /  one warm day is all I really need.” Ein jazziges Piano streunt durch die Beach Boys-Harmonien. Und an einer anderen Stelle von „Shore“ hören wir ein Sample aus „Don’t Talk (Put Your Head on My Shoulder)“.

 


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