Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archives: März 2019

Was Michael Pollan mir sympathisch macht, neben anderen Dingen, ist seine mentale Annäherung an die vier, fünf psychedelischen Reisen, von dener er in seinem Buch berichtet. Er bringt Neugier, aber auch Skepsis mit, und die Nächte vor seinen Drogenreisen sind schlaflos. Grosse Ängste plagen ihn, ob er nicht eine Herzattacke erleiden und elendig verenden könnte, in der Abgeschiedenheit mancher Hütte, in der er, von einem Psychonauten seines nicht gänzlich voll ausgeprägten Vertrauens, LSD erhalten würde. 

Einen grossen Bogen macht er um um MDMA herum, weil diese Droge tatsächlich auch durch das Herz-Kreislaufsystem geschleust wird. Dass ein Mensch mit solch ausgeprägter Vorsicht sich dann auf holotropes Atmen einlässt, ließ mich schmunzeln, denn diese Technik impliziert Hyperventilationen der heftigeren Sorte, was einem nervösen Herzen schon einiges Herzstolpern, sprich, Extrasystolen, bescheren kann. Zudem katapultierte ihn diese Methode des Atmens  in eine andere Welt, in welcher er auf einem wilden Pferd durch unbekannte Räume gallopierte, eine beträchtliche Pulsbeschleunigung ist da danz naheliegend. (Als ich vor zehn Jahren einen Dreh finden wollte, für einen gordischen Knoten, bekam ich die Möglichkeit, mit der Begleitung erfahrener Psychonauten, eine „Reise“ anzutreten, aber aufgrund meines Unwissens und daraus resultierender Ängstlichkeit lehnte ich ab, was mir heute nicht mehr passieren würde.)

 
 
 

 
 
 

Als ich vor einem knappen Jahr bei einem 91-jährigen peruanischen Schamanen im tiefen Sauerland aus einem grossen Kelch mit etlichen anderen Teilnehmern „die kleine Schwester von Ayahuasca“ schlürfte, die keinerlei Halluzinationen produziert, aber schon einen sehr interessanten Zustand eröffnet, wurde ich von einer betörenden Klarheit des Bewusstseins ergriffen. Ich fühlte mich wie ein Psychotherapeut, der auf der Höhe seiner Fähigkeiten agieren könnte. In diesen zwei Tagen hatte ich fesselnde Gespräche, die Hanseatin auf dem Foto etwa erzählte mir von ihren Reisen in den peruanischen Dschungel, von profunden Heilungsprozessen, und neuen Formen der Darmsanierung. Während um mich herum, reihenweise, eingehüllt in Nebelschwaden reinen Dschungeltabaks, bei schamanistischen Tiefenbindegewebsmassagen, wohl ein Mix aus „Rolfing“ und alten Heilertechniken aus Peru, tiefe Traumen aufbrachen, und zahlreiche Menschen gleichzeitig schrien, weinten, stöhnten, machte ich leise Konversation mit meinen neben mir sitzenden Gefährten, die auch bald schreien und weinen würden. So liebevoll ich es nur vermochte, kümmerte ich mich um sie, sprach ihnen Mut zu, und als ich selbst massiert wurde, erlebte ich die Session als unendlich angenehm. (Seine Erfahrung mit Ayahuasca schildert Michael Pollan gegen Ende des Buches.) 

Kein Trauma, kein Schmerz, aber ich hatte die Rechnung ohne die Hexe gemacht, die, am Nachmittag vor dieser langen Nacht, plötzlich auf ihrem Weg zurück anhielt, nachdem sie ihre gesammelten, unfreiwillig absurd wirkenden, Wirrungen dem Peruaner geklagt hatte, und zwar ellenlang, ohne Punkt und Komma, und wohl aus der Ferne ein unterdrücktes Lachen aus meiner Ecke vernommen hatte (die Schweizerin hatte mir ins Ohr geflüstert: „zehn Minuten kalt duschen kann auch helfen!“) – wenn es den bösen Blick gibt, dann traf er mich da und unvermittelt. Ein grosser Fehler, ich wendete meinen Blick ab, statt dem ihren standzuhalten, aufzustehen, und sie zu konfrontieren. In den Wochen danach machten sich seltsame Krankheitssymptome bemerkbar, und ich scheue mich nicht, von dieser unglaublichen Begebenheit zu erzählen. Und einer Spur von Parapsychologie Raum zu geben. Ich hörte von sehr rationalen Zeitgenossen, die von ähnlichen Erfahrungen berichteten. Ein  Mistelzweig wurde über den Türeingang gehängt. Sollte ich sie in diesem Jahr wiedersehen, beim Peruaner, werde ich, weil ich durchaus bedacht sein kann, ihr nicht meine Faust ins Gesicht rammen, sondern sie freundlich, aber unnachgiebig, zur Rede stellen. Und herausfinden, ob ich Opfer einer Einbildung oder eines gezielten Angriffs aus der westlichen Voodookiste wurde. (Um Missverständnissen vorzubeugen, ich schlage niemals Frauen, aber bei Hexen, die mir Böses wollen, könnte ich schon mal eine Ausnahme machen.)

Aber ich schweife ab. Und, wie es aussieht, muss die Geschichte von dem Pilzforscher auf dem Baum noch einmal verschoben werden. Kurz vor Ende der langen Nacht war jeder angehalten, mit dem angemieteten Bus oder Taxi zu fahren, wegen des drastisch veränderten Bewusstseinszustandes. Da mein Geist aber vollkommen klar war, und der böse Blick noch weit davon entfernt, seine Wirkung zu tun, setzte ich mich ans Steuer meines Toyota und brauste durch die späte Nacht, die noch keine Dämmerung bereithielt. Ich fuhr in einen Feldweg hinein und entdeckte einen Fuchs am Wegesrand, der keine Anstalten machte, die Flucht zu ergreifen. Er zeigte keinerlei motorische Unruhe, und ich vermutete keine Tollwutgefahr. Als ich ausstieg, näherte ich mich langsam, und er schaute zu mir auf. Ich setzte mich wenige  Meter von ihm entfernt ins Gras, und wir verbrachten eine herrliche Stille miteinander, während der wir uns immer wieder direkt anschauten, er bevorzugt mit schiefgelegtem Kopf. 

Ein tiefer Friede erfüllte mich. Dann begann der Fuchs zu reden: „Ich glaube, es wartet dein Freund, der Steuner, auf dich. Der, den du auf Lanzarote gefüttert hast.“ ich gab ihm recht, und nahm mir  vor, bald ein Flugticket nach Arrecife zu besorgen.  Ich fragte den Fuchs, ob er eine Lieblingsmusik habe. Der Fuchs antwortete, der spanische Streuner würde am liebsten Flamenogitarren hören, bekäme sie aber nur selten, aus den Autos von Touristen, in Fetzen und Fragmenten, mit, immerhin genug, um ein paar Flamencoschritte auf dem trockenen Gras zu imitieren. Besonders liebe er das Gitarrenspiel von Niño Miguel. Als  ich ihm versicherte, ich würde dem Streuner,  neben gutem Futter, auch jede Menge Flamenco zukommen lassen, fragte ich nochmal, was er denn so, als Fuchs, gerne hören würde aus der Menschenwelt. Und seine Antwort verblüffte mich: „Pink Moon von Nick Drake“, das waren seine Worte, und dann sang er noch ein paar Zeilen aus dem Lied „Place To Be“, in bestem Fuchsenglisch. Tränen der Rührung liefen aus meinen Augen.

Als ich kürzlich die neue Platte von Eleni Karaindrou Tous des Oiseaux hörte, interessierte mich, auf was sich “Alles Vögel“ beziehen könnte. Die Antwort gibt Eleni Karaindrou in den Linernotes zur Schallplatte:

 
 
 

 
 

Sure, we should all be as the birds, free, without borders defining our existence and dictating our way of thinking. I feel deep gratitude for my encouter with such a haunting play as “Tous des oiseaux“. It unlocked me, it opened new horizons, it broadened myy preception, it created within me images and feelings unknown, it deeply moved me. This production and my collaboration with Wajdi Mouawad ist a great chapter in my life.

 

Ich besorgte mir das Buch von Wajdi Mouawad “Vögel“, erschienen in der Theaterbibliothek-Im Verlag der Autoren:

Eitan, Student der Genetik, möchte den Eltern seine neue Freundin Wahida vorstellen, allerdings gibt es ein Problem, Wahida ist Araberin, Eitans Eltern Juden. Der Vater, David, rasend vor Wut, kann das nicht akzeptieren, die Mutter, in ihrer Jugend in der DDR aufgewachsen, kann beide verstehen, Vater und Sohn: „Gruppenidentität ist das Elend der Menschheit“. Der Großvater Eitans, Etgar, KZ-Überlebender, versucht zu vermitteln.

Natürlich wollen Wahida und Eitan diesem Elend entfliehen, es gelingt ihnen aber nicht. Während einer gemeinsamen Israelreise wird Eitan bei einem Terroranschlag schwer verletzt. Die Familie, Großeltern und Eltern besuchen den Schwerverletzten. Und irgendwann wird klar, dass beim Erbgut von Vater und Großvater etwas nicht stimmt.

Der Autor des Theaterstückes Tous des Oiseaux (Alles Vögel), Wajdi Mouawad, wurde im Libanon geboren und lebte in Kanada, er übernahm 2016 die Leitung des Pariser Théâtre National de la Colline. Die Uraufführung von Tous des Oiseaux fand 2017 statt. Das vor dem Hintergrund des Nahostkonflikts sich abspielende Familiendrama wird mehrsprachig aufgeführt, was in der Logik des Stückes begründet ist, es wird Englisch, Hebräisch, Arabisch und Deutsch gesprochen. Die deutsche Erstaufführung wurde im November 2018 im Schauspiel Stuttgart gezeigt. Kürzlich konnte ich die Stuttgarter Inszenierung sehen und war begeistert. Mich hat das Stück an Lessings Nathan der Weise erinnert, obwohl in dem Stück weniger die Religion thematisiert wird als vielmehr Vergangenheitsbindung und Identität. Angesichts der verfahrenen Situation im Nahen Osten das richtige Stück zur richtigen Zeit.

Und, keine Frage, die Musik von Eleni Karaindrou zu Tous des Oiseaux ist großartig.

2019 11 März

Dr. Seltsam oder wie ich der Tanzstunde entging

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Auf dem Düsseldorfer Photo weekend gefiel mir besonders dieses Foto von der polnischen Fotografin Weronika Gęsicka. Dieses Foto könnte genauso gut aus der Biografie The Kinks – X-Ray entnommen sein: „Come dancing. That’s how they did it when I was just a kid …“

 

2019 11 März

Als der Pilzforscher auf den Baum kletterte (2)

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Die Psychonauten sind eine besondere Spezies, und wenige von ihnen waren so exzentrisch wie es all die Geschichten aus der alten Zeit, von Ken Kesey bis Timothy Leary, vermuten lassen. Geradezu nüchterne Wissenschaftler, teilweise Angestellte der Regierung in Forschungsprogrammen, erlebten die aufkommende Gegenkultur der „beatniks“ und „hippies“ eher mit Skepsis, hielten die traditionellen Werte für bedroht – und erlebten, was historisch belegt ist, eine Offenbarung nach der andern, als sie erstmals LSD oder einen „magic mushroom“ zu sich nahmen. Ihre Sicht der Dinge geriet ins Wanken und verwandelte sich, und wir reden hier nicht von Kreativmenschen, die Drogen gerne en passant als Horizont erweiternd erlebten.

Ganz schlicht berichteten manche dieser frühen Psychonauten (die sich zu Beginn nie im Leben so genannt hätten) über Erfahrungen von Transzendenz und Gott, von universellem Einssein, und sie hatten kein Seminar bei einem fernöstlichen Guru besucht, oder zuviel Ragamusik gehört. Damals, vor der grossmäuligen Propaganda Learys, war LSD legal und verfügbar, und eine der schillernsten Figuren jener Ära, Al Hubbard, Politiker, Heiler, Geheimagent, Forscher, und was weiss der Kuckuck noch alles, hatte aus Zürich eine unfassbare Menge LSD erhalten, mit der er quer durch die Lande zog, um anderen Forschern und Heilsuchenden, mit geleiteten Sitzungen, neue Welten zu erschliessen. HBO sollte aus dem Leben dieses Mannes eine grosse Serie machen, und Herrn Leary mal links liegen lassen.

Von früh an an war klar, dass man für eine LSD- und Pilzreise einen geschützten Rahmen braucht. Und dass die erschütternden oder seligmachenden Erfahrungen unbedingt im Gespräch, im Austausch mit einem erfahrenen Therapeuten oder Psychonauten, verarbeitet werden sollten. Essentiell ist auch die Einstimmung: dem Probanden wird ein Set an Regeln an sie Hand gegeben, dass er, je nach Notwendigkeit während seines Trips aktivieren sollte, Dinge wie: „du kannst nicht sterben“ / „spreche mit den Gestalten, die dir Angst einflössen“ / „vermeide jede Panik, atme ruhig“.  Ein Teil der Leser dieser Zeilen wird an dieser Stelle genug haben, und froh sein, dass die einzige Droge in seinem / ihrem Leben Kaffee oder grüner Tee ist, oder ein Viertel Rotwein am Abend. Tatsächlich offenbaren die Reisen erstklassiges Material, um eigene Konflikte zu entschlüsseln, chronische Muster aufzulösen, lang überfällige Versöhnungen einzuleiten, tiefitzende Ängste zu überwinden. Wenn es gut läuft. Stanislav Grov etwa wusste, dass der verantwortungsbewusste Umgang mit LSD die Behandlungszeit einer klassischen Psychoanalyse drastisch verkürzen konnte. Aber wer ausser einen Handvoll Heilern und Psychotherapeuten konnte diese neuen Potentiale schon klug einsetzen? Wer sich überschätzte und als Einzelperson auf Expedition ging, fand sich rasch auf einem Horrortrip wieder. Wie gesagt, es geht hier nicht allein um Heilung und Therapie, es geht auch für den gesunden „Normalneurotiker“ und die  Zeitgenossen, die sich einfach rundum wohlfühlen in ihrer Haut und ihrem Leben, um die Kunst, die eigene Welt zu bereichern. Immens zu bereichern.

 
 
 

 
 
 

In seinem Buch zur Psychedelika-Forschung geht Michael Pollan in keinem Moment ein auf die Welt der Klarträume, der luziden Träume, warum sollte er auch? Das ist nun mein liebstes Terrain der Traumforschung, und ich kann Ihnen versichern, dass die regelmässige und klug eingesetzte Technik, im Traum das  Bewusstsein „anzuknipsen“, und zu erkennen, dass man träumt, nicht minder weitreichende Erfahrungen ermöglichen kann, was Therapie, Selbstentwicklung, Aha-Erlebnisse und alltagsrelevante philosophische Erkenntnisse etc. angeht. Pures Abenteuer, auch das!

Man kann im luziden Traum die surrealsten Erscheinungen und Erlebnisse viel besser lenken, wie gesagt, bei vollem Bewusstsein, dass man sich im Traumzustand befindet, und auch hier empfiehlt es sich, einen Begleiter an der Seite zu haben, der einem die Praxis der Klarträume lehrt, Verhaltensregeln für die Traumreisen ausspricht, und die Erfahrungen im nachinein mit aufarbeitet.

Neulich fragte mich ein Freund, wozu denn luzide Träume gut seien. Wer einmal durch eine fremde Stadt geht, aus der Ferne dunpfe Beats hört, ihnen folgt, bis er, an der Kasse vorbei, einen riesigen Raum voller Menschen betritt, und vorne Wayne Coyne und The Flaming Lips erlebt – und dann plötzlich merkt, dass er in einem Traum ist – wird diese Frage nicht mehr stellen.

Und alle kleinen Tricks anwenden, damit dieses Konzert noch länger dauert. Als der Träumer dieses Klartraums dann innig wünschte, Wayne Coyne würde mal wieder den berühmten Bowie-Song zum Besten geben, schossen dem Träumenden alsbald ganz reale Tränen des Glücks durch die (Traum-)Augen, er schwebte über die Bühne, Minuten lang, und landete sanft in der Nähe des Mischpults. Von hinten legten sich zwei Hände auf seine Schultern, und sein Herz klopfte, als er sich umdrehte. Ich hatte für diesen luziden Traum keinen Auftrag, ich entschied spontan, es war ja nur einer aus der Abteilung „fun & adventure“ – und doch war die Erfahrung überwältigend. Ich hätte aber jederzeit auch die Szenerie verwandeln können – das ist viel leichter als bei einer von Psychedelika induzierten Erfahrung. Bald wird hier zu lesen sein, wie es dem Pilzforscher erging, als er auf einen Baum kletterte.

 
 
 

 
 
 

EMPFOHLENE LITERATUR:

 

Thomas Yuschak – Advanced Lucid Dreaming – The Power of Supplements (für Fortgeschrittene)

Dylan Tucillo, Jared Zeizel, Thomas Peisel – Klarträumen (für Anfänger)

Clare R. Johnson: Llewelyn‘s Complete Book of Lucid Dreaming – A comprehensive guide to promote creativity, overcome sleep disturbances & enhance health and wellness (für Anfänger und Fortgeschrittene)

 

 

 

 

Anfang 1998 gab Mark Hollis noch ein paar Interviews, bevor er sich ins private Leben zurückzog. Eines dieser Interviews machte ich, und es drehte sich um sein tatsächlich letztes Album, schlicht „Mark Hollis“ genannt. In nächster Zeit wird es hier zu lesen sein. Spätestens im April oder Mai. Als Journalist, der die Freiheit hat, nach der faszinierendsten Musik unserer Tage zu suchen, merke ich, dass ich kein Interesse daran habe, allem gerecht zu werden. Ich werde, neben den Entdeckungen am Rande (gerade am Rande passiert mehr als da, wo sich alle Schlagzeilen tummeln), immer zu jenen Werken zurückkehren, die nicht aufhören, mich zu fesseln, resp. zu öffnen, grenzenlos.

Das sind gar nicht so viele. Mit hundert Alben könnte ich gut meinen Koffer schnüren, und zur „desert island“ segeln. Mark wäre dabei, mindestens mit zwei Werken. Sein Tod hat mich getroffen, nicht aus einer sentimentalen Laune heraus. Viel tiefer. Es war und ist die Musik. Ich bin Mark nur zweimal begegnet, wir wurden keine „buddies“, wir waren Fremde, aber die Herzlichkeit des Hamburger Wiedersehens, sieben Jahre nach dem „Laughing Stock“-Gespräch, belegte die Nachwirkungen der scheinbar so flüchtigen Begegnung in einer Souterrain-Wohnung nahe Angel Station – Mark war extra aus Suffolk angereist, für dieses einzige Interview mit deutschsprachigen Journalisten, Markus Müller und mir.

Wir hatten auch eine Fussballverbindung, er zu Tottenham Hotspur, ich zu Borussia Dortmund, und immer wenn die Clubs gegeneinander spielten, konnte ich mich mit jeder Niederlage leicht abfinden, weil ich Mark Hollis auf der anderen Seite wähnte. Er wurde nah des Stadions an der White Lane in Tottenham geboren, und ich glaube, sein Gesicht gefunden zu haben, auf diesem Foto aus dem Jahre 1968. Wir waren beide 13, und ich kann mich täuschen. 5th October 1968. Tottenham Hotspur legend Jimmy Greaves scoring the winning goal against Leicester City, in a five goal thriller at White Lane. Wir hätten, da bin ich sicher, über genau dieses Spiel sprechen können, er hat es nie vergessen, aber wir sprachen über die Kugel, die Silke Bischoff tötete.

 

2019 10 März

„A genuinely gifted storyteller“

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Dear Manafonistas,

 

Whenever I’m reading a truly fantastic crime novel, there’s a certain calm that comes over me. It’s the feeling of knowing that you’re in the hands of a genuinely gifted storyteller who knows exactly where he or she is leading you. Brookmyre writes with the kind of precision and richness that inspires this feeling for me. BLACK WIDOW is an assured thriller in every possible sense. This might not be a book that readers will binge-read, but that’s no flaw of the novel.

 

 

BLACK WIDOW is complex and layered, featuring alternate narrators and timelines—and, to make things even more complex, the chapter headings don’t tell you right off the bat which narrator you’re reading next. Despite all these moving parts, I felt completely at ease with this story’s layers—Brookmyre masterfully leads the reader down rabbit holes and through a maze to the truth at the core of this book. Don’t misunderstand: BLACK WIDOW is wholly engaging and moves at a pace that’s comparable to its psychological thriller peers, it’s simply not a book I found myself wanting to binge-read; I took my time with this read, savoring each page and letting myself get lost in its dark maze—and the payoff for this journey was absolutely worth it. The book will be published by Rowohlt Taschenbuchverlag on April 16.

 

Kindest regards, Emily

 

 

Released on Wacoal Art Center’s NEWSIC label, Yoshiaki Ochi’s Natural Sonic shares some of the same magic heard in the music of fellow roster mates Yoshio Ojima, Motohiko Hamase, and Mich Live. This time the aural trick would be one of the most simple of them all. Largely composed, conceived, and performed on organic material — water, stone, found and created, etc. — Natural Sonic tries to draw out a ton of beauty and inventive experimentation from very earthly objects. It’s some of the beauty he would later provide to Miyako Koda’s wonderful Jupiter as well.

Yoshiaki Ochi’s work on Natural Sonic was largely derived from compositions he created as house performer and composer for the legendary Japanese fashion designer Issey Miyake. With a bit of outside help from his brother Yoshihisa, Natural Sonic was the interesting middle ground between experimental tribal music and Japanese environmental music.

For as many unplaceable wooden percussive exist on the album, sounds that mimic rain fall, bird song, and wordless vocal harmonizing take up equal sonic space. Whatever he didn’t have at hand, Yoshiaki would actually create, as art object and sound object, to go after a specific sound he wanted. Obviously, the lack of synthesizers is made up for a welcome exploration of the sonorities of these instruments. If you’re a huge fan of Geinoh Yamashirogumi’s Ecophony Gaia or Midori Takada’s Through The Looking Glass, Natural Sonic should sound of that lineage, albeit with a far more elemental stick.

 

 

 

 

I‘m in a dreamland. It is Japan, many years away from now. Satoshi Asiwaka sets the mood, with his composition „Still Space“, and it sounds exactly like that, „exactly“, I know, is a funny word here.

When I was a child, my father, a traveling man in industry, sent postcards from time to time, and I will never forget the big, big stamps on his cards from Japan – great hills with snow, women with strange eyes and long black hair.

Oh, what is that, Hideku Matsutake‘s „Nemireru Yoru“, for a moment, I think of my old and long gone „Spielzeugeisenbahn“. If that would have been the music for  my big green train crossing the big green field, I surely would have stopped time moving, I would have shouted „freeze“ to the world in a tender way.

When I was a bit older, I had a book called „Getting There“, and one of the first exercises was to fall up to the stars. It was a trance exercise – if you find the book, just follow the instructions, and use Joe Hisaishi’s „Islander“ as a way to activate a different you. In these synthetic arpeggios, the relaxed drum figures sound like real drum figures.

If it is very quiet in a room, and you do your Ikebana or your favourite solitary game (es gibt so viele Patiencen!), this can be the record of your choice. Oh, Yoshiaki Ochi‘s „Ear Dreamin‘“ has a real touch of Japan, slow enough for Western perception modes. It‘s no joke when, in the middle of the radio night, and in the middle of my hour on KANKYO ONGAKU, I will play a song from David Sylvian‘s „Beehive“, a distant brother to these moods of environmental music.

Oh, big surprise, a new favourite piece rolls along with waves of water, „Variation iii“, by Masashi Kitamura. The ascetic dark drumming, the space between the beats, and it stops way before its time, the shame of shiny fragments.

The constant loss of shiny fragments.

Now I have to stop writing and lose myself in the music of the double album. All the tracks seem to shy away from smartass knowing. They are just t h e r e, like the smell of my beloved plant (what was its name?), in the garden of my second childhood. I’m away now, on a day, where a tiny drip of blood found its way out of a tiny part of my body.

 

2019 8 März

„I also want to die in New Orleans“

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Like Dylan when he went electric, and Waits when he went Beefheartian, Mark Kozelek (aka Sun Kil Moon) divided his fans when he moved from jangly elegiac rock of standard proportions to expansive, digressive prose enquiries into the crumbling state of a nation, and the crumbling state of the man just trying to negotiate it all. But my advice to dissenters is to surrender rather than resist. No, Kozelek hasn’t „lost it“. If anything he’s found it, and found it in abundance.

So on to specifics. In this instance his partners in crime are Donny McCaslin (sax) and Jim White (drums). McCaslin deserves a medal for his restraint. After all, this is the man who bought as much to Bowie’s Blackstar as Mick Ronson and Robert Fripp brought to the great man’s 1970s output. Yet much of the times, here, he simply spends shadowing Kozelek’s guitar riffs, his sensuous breathy timbre adding little more than texture and atmosphere.

 

 

Lyrically Kozelek continues to reflect on the things that make life worthwhile – meals, music, books, films, conversations with friends and strangers. But then they’ll be a queasy slide into everything that threatens all this – the current administration, school shootings, the suffering of innocent animals, death. Perhaps there’s more light and humour than before: opening track “Coyote” includes a hilariously telling conversation with his partner centred on a possible gas leak. And “Couch Potato” is even quite chirpy in a melancholy Joni Mitchell kind of way. But Kozelek’s genius lies in how he indirectly conveys how temporary everything precious is, how contingent on outside forces.

Essentially what we have here is music as conceptual art. Or if you prefer, a new form generated from two quite distinct older forms: the quiet pleasures of the short story – wit, character, dialogue, digressions and expositions – given a partly improvised musical framing. No wonder the man has been so prolific in recent years – he’s out there on his own and the possibilities are limitless. How exciting that must be.

written by Howard Male

 

 

 

 

According to Danny Eccleston (Mojo, April 2019), „THE SECRETS OF THE BEEHIVE (1987) remains Sylvian‘s masterpiece, a symbiosis of masterly songwriting and the musicality of his recent excursions. Sakamoto‘s arrangements build a consistent arboreal mood, with piano and strings, and Danny Thompson‘s bass and Phil Palmer‘s acoustic guitar mixing late 60‘s folk rock and torch song.“

 


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