Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2019 3 Nov.

Kris Davis

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I met her in a Dublin bar, the sorceress from witchita. Not true, just kidding, according to Mister McAloon. From fiction to fact now: it was the splendid John Zorn Festival in the Elphi of Hamburg about two years ago, among twentyfive excellent jazz musicians from New York, many of them known from the Tzadik Label, where she was part of the crew. The first act on stage was on solo piano. She sat down at the instrument with her back to the audience. „Wow, what a charismatic presence – peaceful and fully focused!“ Her playing was special and I even prefered it compared to the great solo performance of Craig Taborn, which really meant something. Later that evening she participated in a quartet with Mary Halvorson on guitar, Drew Gress on double bass and Tyshawn Sorey on drums. Like others, declaring it later in in their press reviews, also for me this was the top act of a five hours during night. „Why isn´t she well known?“ – the research started on that canadian pianist and spellbound I listened to a lot of her works since then. It seems that she´s increasingly getting more interest now, but likewise it´s ok to stay secret. Shurely this years album Diatom Ribbons will be on a best list, published at Santa Claus on this blog.

 

2019 3 Nov.

Fred Rauch

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Fred Rauch war lange Zeit Hörfunkmoderator beim Bayerischen Rundfunk. Er hatte eine wunderbare Stimme, der ich als Kind gerne zuhörte. Sie war warm, auch wenn es kalt im Zimmer war. Ich hatte immer das Gefühl, der Klang streichelt meinen Rücken wie eine sanfte Hand. Was er sagte war nebensächlich und ebenso nebensächlich war die Musik, die er vorstellte in seiner Sendung Sie wünschen, wir spielen Ihre Lieblingsmelodien. Diese Sendung gab es bis in das Jahr 1978. Aber da hatte ich mich schon längst von ihr abgewandt.

An Fred Rauch wurde ich heute am 2. November erinnert. Die Post brachte ein Packerl mit einem Album, das am 1. November erschienen ist, ein Album das am Samstag den 16. Juli 2016 im Gasteig zu München aufgenommen wurde. Nein, da ist nicht Fred Rauch aufgetreten.

Das Album enthält den bis heute vorletzten Liveauftritt Keith Jarretts – und ich fürchte er wird es bleiben. Dem Applaus hört man an, dass die Zugaben das Publikum am stärksten bewegten. Auch für mich waren sie die Höhepunkte eines fabelhaften Recitals. Ich befand mich auf Grund glücklicher Umstände damals im Publikum. Die Melodie des ersten Encores kannte ich gut, den Titel aber nicht. Der Text – wenigstens der Anfang – hätte mir einfallen können nach den ersten Melodietönen. Das hat nicht geklappt, weil mehr als ein halbes Jahrhundert vergangen ist, seit ich ihn zuletzt vernommen habe.

Im Booklet des Albums steht Answer Me, My Love (Gerhard Winkler/Fred Rauch). Na sowas! MEYERS GROSSES TASCHENLEXIKON verrät nichts über den Song und seine Autoren. Ich musste also andere Quellen zu Rate ziehen. Klar, Fred Rauch hat nicht in englischer Sprache getextet.

 

Mütterlein, Mütterlein
Könnt‘ es nochmal so wie früher sein
Als du mich mit deiner lieben Hand
Geführt durchs Kinderland

 

Keith Jarrett spielt eine unglaublich feine Interpretation und seine Lieblingszugabe Somewhere Over The Rainbow ist so inspiriert und komplex wie selten. Die Trivialität der Vorlagen ist weggezaubert. Das Wie ist in der Kunst entscheidend, nicht das Was.

Als ich noch Fred Rauch zuhörte, konnte ich nicht ahnen, dass Keith Jarrett die Erinnerung an diesen Rundfunkmann wachrufen würde. Ja, das ist ein alberner Satz.

In den 90er Jahren habe ich eine Rundfunksendung von Michael Engelbrecht über Steve Reich mitgeschnitten und Auszüge daraus oft im Unterricht vorgestellt. Damals habe ich auch nicht geahnt, dass Micha und ich uns als Autoren bei den Manafonistas nahe kommen würden.

 
 
 

 

 
 

Im Original ist das, was hier auf dem Coverfoto silbriggrau erscheint, ein glänzendes tiefes Schwarz. Das wirkt viel dezenter und weniger plakativ. Sven Lattemann schreibt über das Album:

 

Was BOHREN UND DER CLUB OF GORE besonders gut können, was sie auf „Black Earth“ in Perfektion ausspielen, das ist die Fähigkeit, der Trostlosigkeit und der Schwermut unerschrocken ins Gesicht zu blicken. Es wird kein Satan beschworen, keiner verlorenen Romanze schluchzend nachgeweint, nicht drogengeschwängerten Fantasien nachgehangen. Hier wird in poetischer Manier nachts um halb Drei das letzte Bier an der geschlossenen Bude getrunken, das Weihnachtsfest allein gefeiert und die verflossene Beziehung leidenschaftslos per SMS abgeschlossen. Alles mit einem Achselzucken, aber dafür wirkungsvoll eingefangen im Stile eines Schwarz-weiß-Horrorfilms.

 

Musik, die in aller Stille unter die Haut geht und dort ihre beruhigende Wirkung sicher entfaltet. Wenn sich seltsame Störgeräusche einschleichen und Sie nicht sicher sind, ob das gewollt ist (es ist nicht gewollt), wechseln Sie das Abspielgerät.

 
 

Cloud Atlas: Empfehlung von Uli auf der gemeinsamen Rückfahrt vom letzten Manafonistentreffen. Was mich sofort überzeugt hatte, war seine Beschreibung, es gehe um verschiedene Personen, die in Handlungszusammenhängen völlig unterschiedlicher Epochen (von einer Urzeit bis in die ferne Zukunft) gezeigt werden, wobei bestimmte Charaktere immer wieder vorkommen bzw. von den gleichen Schauspielern gespielt werden. Hollywood-Bombast, aber gigantisch.

 

Gang of Four (Viererbande, La bande de quatre), von Jacques Rivette, dessen Filme ich am liebsten auf französisch mit englischen Untertiteln sehe. Es ist nicht wirklich eine Viererbande, es sind vier Schauspielschülerinnen, die den gleichen Kurs einer undurchschaubaren, strengen Dozentin besuchen und gemeinsam in einem Haus am Rand von Paris leben. Viele Theaterproben. Und das Verschwörungstheorieelement, das Rivette gern in seine Filme einbaut. Und dann ist es doch eine Viererbande, auf bestimmte Art.

 

A Single Man spielt im Jahr 1962 in Los Angeles. Ein britischer Collegelehrer verbirgt einen Teil seiner Vergangenheit und weiß nicht, wie er weiterleben kann. Der Film ist nicht so düster, wie es klingt.

 

Der letzte Tango in Paris ist der Grund dafür, warum Maria Schneider in dem nächsten Film, in dem sie eine Hauptrolle spielte, nämlich Antonionis „The Reporter“, keine Nacktaufnahmen machen wollte.  Um einen Tango geht es nicht wirklich. Und der Schluss hätte von Jacques Rivette sein können.

 

2019 31 Okt.

Enter only

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… you can check out any time you like,
But you can never leave!

 

2019 31 Okt.

Die passende Lektüre

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Das Alltagsleben durchschnittlicher spätmoderner Subjekte in den Zonen, die der sogenannten »entwickelten westlichen« Welt zugerechnet werden, konzentriert sich und erschöpft sich mehr und mehr in der Abarbeitung von explodierenden To-do-Listen, und die Einträge auf dieser Liste bilden die Aggressionspunkte, als die uns die Welt begegnet: der Einkauf, der Anruf bei der pflegebedürftigen Tante, der Arztbesuch, die Arbeit, die Geburtstagsfeier, der Yogakurs: erledigen, besorgen, wegschaffen, meistern, lösen, absolvieren.

(H. Rosa, Unverfügbarkeit)

 

Es gab eine Zeit, da war das Thema „Beschleunigung“ in aller Munde und stand auf Tages-Ordnungen von Soziologen, die etwas auf sich hielten. Warum auch nicht? Gab es nicht zu jeder Epoche ihr passendes phänotypisches Verdachtsmoment, quasi als zwillingshafter Urbegleiter, um mit Sloterdijk zu sprechen? Paul Virilio („Geschindigkeit“) kommt mir in den Sinn oder Helga Novotny mit ihrem Buch Eigenzeit. Ging es dabei nicht immer auch um Entfremdung und um das Unbehagen in der Kultur? Des einen Marx ist des anderen Freud. Die Kritik an Auswüchsen des preußisch-protestantischen Arbeitsethos hat sich heute allerdings gründlich gewandelt und andere Schwerpunkte treten in den Vordergrund. Autoren wie Byung-Chul Han behandeln sie, oder Hartmut Rosa in seinem hitverdächtigen „Resonanz“- Buch, das ganz oben steht auf meiner To-do Liste abzuarbeitender literarischer Verlockungen. Nun aber zunächst dessen vermeintliche „Kurzfassung“ Unverfügbarkeit, die ich mir ausnahmsweise mal als E-Book besorgte. Da fehlt doch entschieden das sinnlich Haptische und mit Bleistift ankreuzen kann man hier auch nichts! Wie gesagt, jede Zeit hat ihre wunderlichen Wunden.

 


 
 

Dieses Mal hatte der umtriebige Musiker, Berater und Schriftsteller Rudi Esch („Die Krupps“) ins Haus der Universität eingeladen, um uns auf seiner allährlichen Musikmesse mit wirklichen Bonbons zu überraschen. Mir fiel auf, dass ziemlich viele Frauen im Publikum sassen, eher ungewöhnlich für seine electric-show. Die Bühne war noch leer, es lief ein Video von der Gruppe Chicago – die Nr. 1 im Jahr 1976: „If you leave me now“Auf einmal ging die Tür auf, ein Video zeigte jetzt die Sex Pistols – die Treppe herunter kam das Idol der Punkszene: Jordan Mooney. Lila Haare, schwarzer Petticoat, schwarze Lederjacke, das obligatorische Hundehalsband um. Rudi Esch hatte tatsächlich die Punk Ikone nach Düsseldorf geholt. Sie bekam Riesenapplaus. Er hatte sie eingeladen, um ihr die Möglichkeit zu geben ihr neues Buch Defying Gravity vorzustellen. Bereits im November 1976 hatte John Peel in Radio One eine Single der Sex Pistols gespielt: „So it goes“. Jordan erzählte, wie sie mit 19 nach London ging, eine Arbeit im Modeladen „Sex“ von Vivien Westwood auf der Kingsroad annahm. Sie fordert uns auf, eine Zahl zu nennen, schlug dann  diese Seite auf und begann zu lesen. Wir hörten aus Zeiten, in denen es wild herging (SM), wo die Leute von ihrem Outfit so erschreckt waren, dass sie davonliefen, wie sie ihre Haare wild auftürmte und nicht nur den Sex Pistols ihren Look verpasste. Neben mir sass ein Mann, der einige Bücher und LPs zum Signieren mitgebracht hatte. Ich fragte ihn nach einem Buch, auf dem Cover Jordan Mooney, die sich sehr schön geschminkt hatte, sie sieht aus wie ein Mondriangemälde.

Immer am Samstag, erzählte sie, arbeitete auch der Kunststudent und Musiker Glen Matlock in dem Fashionladen, wo bekanntlich die Sex Pistols gegründet wurden. Glen kommt auf die Bühne. „Ha!“ denke ich, „Dandy, Dandy, where you gonna go now?“ Er ist schnieke gekleidet, perfekte Frisur: a dedicated follower of fashion. Glen Matlock is really a talker. Ihm machte es sichtlich Spass, aus der alten Zeit zu erzählen, als in Londoner Strassen die Ratten umherliefen, als es stank und die IRA ihre Bomben warfen. Er sei ausgesprochener Kinks-Fan gewesen, allerdings mochte er deren Haarschnitt und ihr „straight outfit“ überhaupt nicht. Er war von den Who und den Yardbirds begeistert und als er einmal in der Band erwähnte, dass er auch die Beatles mochte, flog er raus. Er lachte laut, als er das sagte. Schliesslich seien die Hauptsongs von ihm gewesen. Er wirft den Kopf nach hinten und singt: „I am an anti-christ, I am an anarchist …“ – yeah, anarchy in the U.K. Er lädt uns ein, in den Plattenladen gegenüber zu kommen, dort würde er noch weitere Songs zum besten geben. Er singt noch den Sex Pistols Evergreen „Pretty vacant“. Ich schaue mich in den Schadow Arkaden, wo der Plattenladen A&O ist, um und sehe nur Designerläden. Pretty vacant. Ich nehme mir vor, zuhause gleich mal wieder Preservation Act 1 von den Kinks anzuhören und zwar viel besser passend zu mir: „Where are all the Teddy Boys now? Where are they now?“

2019 28 Okt.

Dann war Stille und

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Auf Fixpoetry.com gibt es jeden Tag einen „Text des Tages“, meist ein Gedicht. Heute war es eine Arbeit von Sudabeh Mohafez, die auch die Autorin des wunderbaren Poetryletters # 316 ist, hier anzusehen.

 

2019 28 Okt.

Ein konstruktiver Ausblick

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Writing on the blog has always been a give and take. I always enjoyed the small and big stories, experiences from near and far away. Manafonistas is like a breathing echo system, a choir of voices. Now the system may repair itself. It is not possible in the classic set-up. I will surely not open up another blog.

Michael Engelbrecht, Manafonistas

Natürlich wünsche ich mir einen konstruktiven Ausgang für uns alle. Beim letzten Manatreffen zeigte sich, dass wir eine starke Gruppe sind. Ich habe auch jetzt nicht den Eindruck, dass das „Manahaus“ wackelt. Machen wir weiter mit dem, was uns hier zusammenbringt: schreiben.

Lajla Nizinski, Manafonistas

2019 26 Okt.

„Systems of Devotion“

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In essence, The Necks make a humbling, transcendent racket, organic and living, but intense and machine-like at the same time. To say that the Necks are a jazz outfit that rocks approaches the point, but fails to nail it. These three players operate on the cusp of genre, a space that could be easily over-intellectualised. Is it ambient jazz systems music? Free improv modern classical? But the emotional wallop of their output puts paid to all that over-thinking. Key to it all is that the Necks play spontaneously, improvising every night. Going to see them requires a suspension of disbelief, a parking of the salutary cynicism that gets most of us through our days. The experience is enhanced by listening hard to the microscopic evolutions in everyone’s playing: mindfulness for noiseniks, perhaps. Or you can just zone out: the Necks can get very psychedelic, drawing on eastern forms, drones and devotional music.“

(Kitty Empire, The Guardian)


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