Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

 

The Carla Bley Trio – Munich 2002

 
 
Carla Bley, piano

Andy Sheppard, saxophones

Steve Swallow, bass


 

2020 4 März

Egoism

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There has been a strange (some would say a dramatic) in-out-game here in recent months. All in all, more stayed outside than came back. Perhaps it went unnoticed that I was a participant in this game. I don’t want to write about leaving because I would have to explain why I was absent for a few weeks. I pondered a little bit about why someone wants to be an author on the Manafonistas blog. Manafonistas are or were here for different reasons:

 
 

Some come for entertainment

Others escape loneliness

It may be essential to someone

Someone thinks it’s the best prophylaxis against old age dementia

Many or few delight in happy discourses

You experience resonance. It is good for the soul to be in a community

For others it is like a weekend pub visit, a beer, good conversations …

Even if it is not a diary, it is a storage for personal memories

Maybe it can even be used as a platform for playful self-expression

 
 

The blog has brought me a lot, including it helped me to regain quality of life after a depressive mood. I have found at least one friend. The blog is probably more important to me than I am to the blog. Why did I join? I say it frankly and freely: from a motive that has always distinguished my actions: from pure egoism. Who is afraid of the number 13?

 

Zum Beispiel das Magazin vom 5. März, das man abends um 21.05 Uhr hören kann. Im Deutschlandfunk. Und sieben Tage lang, danach, in der Mediathek des Senders. Ein Magazin, in dem alles bloss unverbunden nebeneinander steht, mag ich nicht. Ein Strauss Buntes ist zwar nicht zu verachten, aber ein Strauss Buntes ist eben nicht einfach ein Strauss Buntes. Da können Welten zwischen liegen. Es kommt auf die Komposition der Farben an. Ich mag rote Fäden, die en passant auftauchen, oft erst in der Planung, oder beim Verfassen des Skripts. Diskrete Leitfäden.

 

So diskret natürlich nicht, wenn man in einen öffentlichen Raum spricht. Ein Leitfaden diesmal sind sogenannte „alte Werke“, Schallplatten und Cds, die zwischen 1971 und 2018 rauskamen. Sie fliessen am Rande ein, aber bei manchem Hörer wird dann der Griff in den Plattenschrank (oder die Lust am Verfolgen einer Spur) so naheliegend sein wie der Wunsch, vielleicht die eine oder andere der neuen Produktionen zu erwerben. Welche historischen Aufnahmen werden also anklingen, ohne einen einzigen Ton von ihnen zu spielen? Hier sind sie: Carla Bley: Escalator Over The Hill. Paul Bley: Open, to Love. Gil Scott Heron: Pieces Of A Man. Ralph Towner: Solo Concert.

 

Und natürlich, wenn man sich die Sendung ein- oder zweimal anhört, und meinen dezent servierten, rein verbalen, Schlussknall nicht überhört, eine hübsche Breitseite für stockkonservative Musiklehrer, Gema-Lobbyisten – und Bierzeltbewohner des Jazz, dann weiss man, wo hier der Hase im Pfeffer liegt.

 

Dass es beim Hören von Musik, die nicht auf glattrasierten Oberflächen dümpelt, stets eine Tiefenstrukur, oder, weniger Chomsky-like, einen doppelten Boden, einen Abgrund, diverse „roots“, und zuweilen eine Unerschöpflichkeit gibt (warum sonst zu ihr zurückkehren?), das sollten die eingehend vorgestellten neuen Produktionen idealerweise belegen. USA: Gil Scott-Heron & Makaya McCraven. Jeff Parker. Transatlantische Bündnisse: Carla Bley Trio. Wolfgang Muthspiel Trio (diese beiden ECM-Produktionen werden von Bert Noglik und Thomas Loewner mit Interviewpassagen präsentiert). England / Südafrika: Shabaka and the Ancestors. Europa: Samuel Rohrer.

 

Und im Laufe der Zeit werden Sie auch die Stimmen von zwei Schlagzeugern vernehmen, von Samuel Rohrer aus einem aktuellen Interview, und von Jon Christensen aus einem Gespräch aus dem letzten Jahrhundert. Samuel Rohrer schrieb mir vor Tagen: Jon Christensen war und bleibt mein erster großer Held! Und so wäre es auch gar nicht verfehlt, ein paar der grossartigen Alben zu nennen, an denen der Norweger mitwirkte. Ich habe mich auf ein einziges beschränkt, statt gleich ein Dutzend aufzuzählen, weil ein Magazin eben nicht ausufern sollte. Und „Sich-Auf-Die-Suche-Machen“ ein Teil der Freude auf Entdeckungsreisen ist.

2020 2 März

Sibiriens vergessene Klaviere

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2020 1 März

„The Two Note Phenomenon“

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Jan Bang wrote me something that sounded interesting, in regards to small bass lines in old music from the 50‘s, as part of an e-mail interview, concerning his forthcoming album with Eivind Aarset, „Snow Catches On Her Eyelashes“ (Jazzland). I really didn‘t know exactly what he meant (just had some ideas) and asked for examples – among them, then, a song by Marlene Dietrich, „Lazy Afternoon“Listen to the track, and you’ll understand. By the way, it‘s such a wonderful song, its mood, its slowness. The interview with Jan will be posted here on the day of the album‘s release, on March 13th. After playing one track from it, in my last radio night, „The Witness“, the responses were quiet enthusiastic, from Harald Rehmann, Martina Weber, and other friends and strangers. Stunning, for an album that owns all features of experimental music in its truest sense, a strange hybrid of musique concrète, free improv, ambient – one of these records for the infamous imaginary movies in our heads, which, I have to admit, I never have seen when listening to even the most „in-between“-music.

 

Michael: Now I listened to that two note thing of the bass in Marlene‘s song you mentioned. Such a sound from the bottom, minimal impulse, discreet company, but what an impact, IF you focus on it. I think I wouldn’t normally realize these tiny fragments when listening to the song. Mhm. One could possibly write a little book on it, a universal pattern, a link between decades, cultures, styles, nearly archetypal. All these things at the  margins.

Jan: It surely is effective, and worth an article if not a book on the subject matter.

Michael: A small book it would be, Jan, on that two tone thing, sure, not as big as the ones on twelve tone music.

Jan: Haha.

2020 27 Feb.

Triptych

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The three albums, the original City: Works of Fiction and the two archival reissues, Psychogeography and The Living Garden, guide you through Hassell’s thought process to link them together as a whole. This doesn’t feel or seem like a systems approach to music but something far more organic in its final process. These are pieces that can be viewed individually or as a complete piece of work. They are a triptych that can also be heard on their own separate levels. The vibrancy of the performances stretch out beyond the canvasses they were created for into a distinct new life of their own.

2020 27 Feb.

„Continual Decentering“ (Arjuna Music)

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Als ich Samuel Rohrer nach dem Titel fragte, hatte ich eine Ahnung, was er antworten würde, aber meine Ahnung irrte sich. Er entnahm den Titel einem Buch des Philosophen Ken Wilber, der unter „continual decentering“ ein Muster versteht, welches die Entwicklung eines Menschenlebens widerspiegelt.

„A Brief History Of Everything“ heisst das Buch, auf das sich Rohrer bezieht, der Titel der deutschen Übersetzung, „Eine kurze Geschichte des Kosmos“ sei nicht so gelungen, verrät mir einer, der sich bei diesem Bewusstseinsforscher und Philosophen gut auskennt.

Nachdem ich das beeindruckend nonchalante Album für Schlagwerk und Elektronik mehrfach gehört habe, halte ich meine Ahnung von dem, was der Ausdruck „kontinuierliches Dezentrieren“ im Zusammenhang des Hörens in mir auslöst, immer noch für schlüssig.

Der Schweizer hat dieses Werk solo eingespielt, und dabei in einem Sound-Szenario gearbeitet, in dem die kleinsten Perkussionsimpulse Trigger sein können für elektronische wie räumliche Ausdehnungen.

Was da in einem überwiegend improvisierten Werk entsteht, ist ein immenser Resonanzraum, in dem der Trommler im klassischen Sinn nicht Mittelpunkt eines Kraftfeldes ist, sondern mehr und mehr hinter den sich bildenden Klanggestalten zurücktritt, als könnte er, in aller Gelassenheit der Entwicklung von Soundfiguren folgen, und spontan auf sie reagieren.

Das kann man ja nun auch als „fortschreitendes Verschwinden aus dem Zentrum“ verstehen. Vielleicht ist ja dieses Entfernen vom Ich, hin zu einem anderen Selbstverständnis, einer ich-befreiten Zone, einem zweiten Weg um das Gehirn herum (less control, more surrender), nicht so weit weg von Ken Wilber.

Und dabei ereignet sich die Musik in maximaler Transparenz, und wirkt, allen Effekten zum Trotz, seltsam effektfern. Nicht so häufig kommt auf dem Solowerk eines Perkussionisten, eines Spezialisten also für „Erschütterungen“, Vibrationen, und Zeiteinteilungen, dermassen viel Ruhe und Stille ins Spiel.

All dieses De-Zentrieren wirkt im übrigen, die nächste Paradoxie, verblüffend konzentriert.

2020 27 Feb.

Ernest Hoods Nachbarschaft im alten Amerika

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„This is not a social record in the sense that it be played at a gathering. Indeed, it is a rather personal thing to be reflected upon (as musical cinematography) alone, or with a dear close friend.“

 

So sah es Ernest Hood, wenn er an sein 1975 erschienenes Album „Neighborhoods“ dachte, das er damals privat pressen liess, und das nur einen kleinen Hörerkreis fand – viele Menschen kannten ihn eher von Flora Purims Album „Butterfly Dreams“.

 

Wer sich heute auf diese feinsinnig angereicherten „field recordings“ aus einem lang vergangenen Portland, Oregon, einlässt, landet leicht in der eigenen Kindheit, und meistens ist es dann egal, an welchem Ort, in welcher Zeit man selber Kind war, once upon a time...

 

Keine Frage, leichter fällt es, wenn es keine von Krieg und Horror heimgesuchten Jahre waren – auch die sogenannte „behütete Kindheit“ hielten ihre Kümmernisse und Melancholien bereit. Aber eben auch all diese speziellen Zutaten und Stimmen und Geräusche und Schimmer.

 

Und schier endlose Sommerabende.

 

Eine Collage mit Tiefenwirkung. Was Hood damals in seiner Heimat aufzeichnete, besitzt universelle Züge. Und erreichte nun doch, mit der Wiederveröffentlichung auf dem geschätzten Label „FreedomToSpend“ (als CD, DL, oder auf vier Schallplattenseiten verteilt), und viele Jahre nach seinem Tod, eine etwas grössere Hörerschaft.

 

„It is a social record in that it reminds us of the fact that most of us made our first social contacts and early transactions in our neighborhood streets How familiar, how indelible the pictures are: aromas of soft velvet days. strong friendships, fears. hates. loves … our first brush with such mystical elements as sex and power.“

 

1923 kam der kleine Ernest zur Welt, bespielte in der Jugend schon Tanzclubs. Und es kamen Jazzbands dazu. Er erkrankte schwer während einer Polio-Epidemie in den frühen Fünfziger Jahren, lag ein Jahr im Krankenhaus, war an Krücken und Rollstuhl gefesselt. Er wechselte zur Zither, und wer will, kann ihn auf frühen Alben von George Duke oder Stanley Clarke hören, oder eben bei Flora Purim.

 

Als die Krankheit sein Leben veränderte, begann er mit den Sichtungen all der akustischen Aufzeichnungen seiner jungen Jahre. Hier, beim Hören, beim Lauschen, beim Eintauchen, macht sich schwebend und leicht eine stille, in sich gekehrte Euphorie breit.

 

Ernest Hood sprach von „Audiopostkarten“, wenn er Stücke daraus spielte, in seiner kleinen Sendung in einer lokalen Radiostation. Da spielte er auch die „fusion music“ der Siebziger Jahre, gern die romantischeren Varianten. Er legte auch Songs auf von Randy Newman, aus abgründigen, scharfzüngigen, wundertraurigen Platten wie „Good Old Boys“ oder „Little Criminals“.

 

Immer wieder schwankte der Blickwinkel in seinen Shows zwischen Aufbruch, Vision, und Erinnerung. Er liebte es einfach, jene Momente zu sammeln, die Kindheit ausmachen, bevor sie zuende geht. Eine Kindheit kann plötzlich ausklingen, mit einem grossen Knall, oder sie verschwindet fast unmerklich.

 

Er konnte ein Lied davon singen.

 

Es hat etwas Tröstendes, mit diesem Album einen Schlüssel an die Hand zu bekommen, alte Räume neu zu öffnen. Nennen wir „Neighborhoods“ einfach eine gelungene Trance-Induktion, die mit jeder Wiederholung an Tiefe gewinnt.

2020 26 Feb.

Hartmut Hintersacher

von | Kategorie: Blog | Tags: , | | 3 Comments

Nachdem Hartmut Hintersacher nun endlich die vom Kulturamt vorgeschriebene Anzahl guter Bücher gelesen hatte, wobei es ja starke innerparteiliche Diskussionen gab, welche genau das seien, stellte er den Antrag auf Zuweisung einer Netflix-Serie. Nachdem das bedingungslose Grundeinkommen im Jahre 2024 endlich eingeführt worden war und den Entwicklungen der digitalen Arbeitswelt Rechnung trug, ging mit diesem Einkommen auch die Berechtigung zur grenzenlosen Teilnahme am Kulturbetrieb einher. Ein jeder Bürger der neuen Ordnung musste sich aber verpflichten, eine bestimmte Anzahl an Romanen oder Sachbüchern zu lesen, nicht zuletzt auch einer neurophysiologischen Prophylaxe wegen, denn es hatte sich gezeigt, dass ohne diese Praxis Areale des Gehirns schlichtweg verkümmerten. Der Einstieg zurück zur Literatur fiel Hartmut zunächst schwerer als gedacht, denn sowohl das Alter als auch eine dramatisch nachlassende Einbildungskraft taten ihr Übriges. Dies zählte zur Vielzahl toxischer Nebenwirkungen der Digitalität, für die noch keine hinreichende Verpackungsbeilage jemals geschrieben wurde, allenfalls annähernde Versuche stattfanden. Vor Jahren schrieb einmal Frank Schirrmacher sein Payback, lange vorher schon mahnte Dietmar Kamper ein „Verschwinden des Körpers“, und ein Herr Precht formulierte in Jäger, Hirten, Kritiker die Problemlage ganz prächtig. So folgten unausweichlich grosse Umwälzungen, in einer Welt, in der die Arbeit grösstenteils von Robotern geleistet wurde. Hartmut Hintersacher hatte nun die Erlaubnis bekommen vom Komitee zur Vermeidung sinnlos verglotzter Lebenszeit, nun doch endlich auch mal wieder eine Fernsehserie zu schauen und die Wahl fiel, hilfreichen Hinweisen folgend, auf eine Perle aus dem Jahre 2019 mit dem Titel Giri / Haji, immer noch nachhaltig sehenswert. Hintersacher rieb sich die verträumten Augen, nahm die Schlafmütze vom Kopf und schnäuzte sich damit die verschnupfte Nase. Warum nur, stellte er erneut fest, spielte sowas stets in einer völlig anderen Liga als die nationale Fernsehkost daheim? Das war ja wie ein Wechsel von Schwarzweiss zu Farbe, damals in der Urzeit medialer Technik! Überhaupt gehörte er ja noch einer Generation an, in der man sich beim Gehen nicht das Smartphone vor die Nase hielt und auch im Supermarkt an der Kasse nicht lauthals in das Handy rief, ob noch Eier fehlten und zuhause auch ausreichend Wurst im Kühlschrank war. Nun gut, es gab genügend Grund, sich aufzuregen, aber eben auch den Stoff, aus dem die Träume sind. Da Hartmut inzwischen serienmässig hochgebildet war, auch an der Abendschule schon einige Kurse besucht hatte für fachgerechte Rezensionen, die von Bloggern aller Klassen sehr beliebt waren, kamen ihm natürlich schnell Vergleiche in den Sinn. Fargo etwa oder das einst so bahnbrechende  Breaking Bad. Der in Giri / Haji zwischen Brüdern gesprochene Satz „We aren´t bad people, we only did bad things!“ – klar, der kam auch schon in Bloodline vor, jener Geschichte, die auf den Florida Keys spielte und auch von auf Abwegen wandelnden Geschwistern erzählte. Worum ging es? Zwei Brüder, der eine Cop, der andere Gangster; Familiengeschichten; kleine und grosse Liebesaffairen; vorzügliche Bilder aus den hippen Städten London und Tokio, überhaupt: Japan; vielschichtige Charaktere, wie sie auch in guten Romanen vorkommen; Comic and Comedy; grafische Effekte und geniale Spielereien; Tanzeinlagen; exquisite Soundtracks – um nur Einiges zu nennen. Ja, das alles hatte Hartmut nun den Feierabend verschönert, er hatte ja trotz Grundeinkommens immer noch seinen Fulltimejob. Beim Komitee zur Vermeidung sinnlos verglotzter Lebenszeit würde er nun bald erneut einen Antrag stellen, in ein paar Wochen, nach vorgewiesener Buchlektüre. Better Call Saul 5 etwa stand auf dem Programm, auch so eine alte Kamelle, immer noch gut. Und Bücher? Ja, da gab es Vieles, das zu lesen vielversprechend war, von Botho Strauss etwa.

2020 23 Feb.

„T

von | Kategorie: Blog | | Comments off


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