Manafonistas

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2021 27 März

Abschied von Matjora (ein Gastbeitrag aus Brandenburg)

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Abendkühle senkt sich übers Dorf, auf einer Insel gelegen, mitten in der Angara. Wie lange noch? Eine Übelkeit lastet auf den Gedanken der noch Hiergebliebenen. Ohne klopfen trete ich ein, setze mich zu den Altfrauen und Altmännern in Darias niedriger Stube, auf die Truhe, auf die Banke, strecke die Beine, bekomme ein Schälchen Tee gereicht, gefüllt aus dem raumheizenden Samowar, der einzigen Dekoration des Tisches, dem wichtigsten Hausgerät in den Hütten der Alten, genieße das unhinterfragte Zugehörigsein. Beredet wird, was kommt, was geht, Stimmen im Gleichmaß zur Natur, Fragen formulieren, Meinungen parlieren, scheitklobige, grundwahre Worte, schmucklos, geradeheraus, ehrlich bis auf die Knochen, erbarmungslos, weise. Aber hoffnungslos? Jeder darf sprechen, jeder nimmt hin, seines Wandelns Abwege vorgeführt zu werden, jeder ist Teil dessen, was Gott seine Geschöpfen dulden lässt. Beschönigungen sind Zeitverschwendung. So ist es, anders kann es nicht sein, am Rande der Welt, am Ende des zupackenden Gestaltens eines Erdfleckens, am Ende der Existenz von Hütten, Ställen und Äcker, des Dorfes, der Insel in der Angara. Ich tauche ein, schwinge mit, treibe mit, auf den Wogen der Worte entlang der Tage, der Erinnerungen, der Probleme, Ängste, des Daseins. Mit blendender Gewalt wird die Gedankenwelt jener Menschen ausgeleuchtet. Bald wird der Damm geöffnet, werden Insel, Dorf, alle Samoware, alles was nicht rechtzeitig ans entfernte Ufer, in das frischerbaute Örtchen geschafft sein würde, die eherne Lärche, die seit Äonen steht und die zu fällen man nicht erfolgreich sein wird, ja, selbst die ungezählten Toten auf dem Friedacker der vergangenen Jahrhunderte, wie kann man das je vor seinem Gewissen verantworten?, all dies wird von den Wassermassen verschlungen werden, und Matjora wird gewesen sein.

Es ist der Übersetzerin Elena Panzig zu verdanken, dass diese Geschichte zu uns ins (Ost)Deutsche gekommen ist, es ist ihr zu verdanken, dass Valentin Rasputin, der Schöpfer, der Chronist dieser Geschichte, überhaupt einer breiteren Öffentlichkeit im Ostblock zur Kenntnis gelangte. Erst ihre axtwuchtige, klangfühlende Übertragung ins Deutsche rückbewirkte die Aufmerksamkeit, die Rasputin dann auch in seiner sowjetischen Heimat erfahren hat. Er wuchs im fernen Sibirien auf, nahe des Baikalsees, nahe Irkutsk. Bis dorthin gelangte kaum ein interessierter Blick aus dem europäischen Teil des Landes. Nach Novellen und Geschichten aus seiner Heimat über das Ringen der Menschen ums Menschsein, fasst »Abschied von Matjora« alle Weltsicht und Erfahrungswelt Rasputins zu einer Allegorie auf das Leben, des Seins und Vergehens zusammen. Näher vermag kaum jemand der »russischen Seele« sich einfühlen, dem Denken und Besorgen des dörflichen Arbeitens fern der »modernen« Welt, den Kämpfen der Menschen ums Morgen. Was weiß denn der von Ferne stammende Sowchos-Vorsitzende von dieser Gegend?, was verbiegen sich denn die jungen Leute vor dem vermeintlichen Fortschritt?, was wird aus uns Alten, die doch das Gedeihen der Nachkommen vorbereitet haben?

Kaum je, zumindest äußerst selten, finde ich mich in einen Maelstrom der Worte so unentrinnbar gesogen. Nicht hilflos. Nein. Nicht versinkend. Nein. Erkennend, berührt, erhaschend einen Hauch vom Weltengeist. Ja. Aufgenommen in den Schoß unerschütterlichen Vertrauens. Ja.

Ich erinnere mich ähnlicher Momente beim Verstecken im Holzschiff Jahnns und beim Hören der Fried’schen Übertragung des Milchwaldes von Dylan Thomas während eines Maskenschauspiels.

Zum ersten Mal denke ich den Gedanken, ein Buch sollte man frühestens dann lesen, wiederlesen, wenn man selber das Alter erreicht, das der Autor zum Zeitpunkt des Verfassen hatte. Kann man denn vorher überhaupt in der Lage sein, die Vielschichtigkeit mancher Wortwahl annähernd zu erfassen?

Das Ende der Geschichte Matjoras verschwimmt im Nebel des Ungewissen. Doch das Sinnieren über universelle Fragen des Seins bleibt im Gebräu des täglichen Erwägens und Vergewisserns gegenwärtig.

 

Valentin Rasputin »Abschied von Matjora«, Übersetzung: Elena Panzig

 

Gerade 14 Tage ist es her, dass mir auf dem Wochenmarkt jemand dies Büchlein wohlwollend in die Hand legte. Wie sehr mag ich das freitägliche Weilen in dem überschaubaren Rund der Stände, vollgestopft mit allen notwendigen Köstlichkeiten für die kommende Woche! In die eine Richtung brauche ich nur andeutungsweise nicken, schon wird nach einem guten Stück bunten Specks für mich gekramt, von mehreren Stellen kommt ein herzliches HALLO, bei dem Käsefritzen aus dem Nachbardorf beginnt meist der Reigen der Gespräche, die mal Politik, mal Probleme der bäuerlichen Existenz, mal Kochtips oder ganz andere Fragen betreffen, immer auch zu puren Albernheiten ausarten. Interessant, erfreulich, erheiternd. Man kennt im Laufe der Jahre diesen oder jenen Marktgänger, mit dem man zu plaudern weiß, erkundigt sich beim Organisten der Kirche, die hier Schatten wirft, wie es denn mit dem Organieren voranginge. Ich weiß, wer woher seine Waren bezieht, wessen Eier von glücklichen Hühnern stammen und mir ein solches höchsteigenhändig erwürgen würde, wer seinen Speck noch selber räuchert. Unschätzbares Eingeweihtenwissen in einer Stadt, deren Angebot an solcher »Bückware« ziemlich begrenzt ist. Unter zwei Stunden geht es selten.

Und wenn man mit einer jungen Dame und ihrer Mutter über Salzgebäck aus Fetakäse plaudert, weil beide dem Zucker abhold sind, und mich dann der ältere Herr, der aus der Nähe dem zuhörte, ebenfalls um das Rezept bittet, dann führt das manchmal noch weiter in ganz ferne russische Gefilde und zur Verabredung für die nächste Woche zum Büchertausch.

Ohne den Markt würde mir tatsächlich etwas fehlen.

Eine unglaubliche Koinzidenz führte mich kürzlich zu einer Internetseite, auf der eine verstaubte Fotografie eine Person des Buches abzubilden scheint  (s.o.).

 

Olaf (Ost), 26. März 2021

 

Als Olaf W. mich vor Wochen auf dieses Album hinwies, war ich erstmal sehr zurückhaltend. Ein Elektronik-Produzent, ein alter Jazz-Hase, und dann noch das London Symphony Orchestra. Mir fielen fürchterliche Verbindungen von Jazz und Symphonik ein. Und dann noch Synthesizer. Zu Pharoah Sanders hatte ich meist einen guten Draht, aber leicht kann es närrisch zugehen, wenn das hohe Alter naht. Es gibt nun mittlerweile dutzendweise Lobgesänge auf „Promises“. Auch in Pop-Zirkeln, ähnlich wie vor Jahren bei diesem Dingsda, dessen Namen ich zum Glück gerade vergessen habe. Ein verquastes Gebräu war das, aus Pomp, betont tiefschürfendem Jazz, und kosmischem Geraune – die Naiven witterten tatsächlich einen neuen Coltrane. Nun hat Pharoah Sanders einst selbst mit Coltrane gespielt, noch dazu auf Augenhöhe. Aber Zeiten ändern sich, und es sind schon andere Wilde in der Nostalgie und Weichzeichnung alter Meriten gestrandet. Der Londoner Elektroniker nennt drei Künstler in einem Atemzug, die seine Arbeit an den „nine movements“ inspiriert hätten: Claude Debussy, Olivier Messiaen und Bill Evans. Hoch hängt die Latte – mein lieber Herr Gesangsverein! Sam Shepherd hatte natürlich zwischendurch immer wieder Kontakt zum Saxofonisten, und einmal erzählte ihm dieser vielleicht schon weise, gewiss aber sehr alte Mann folgendes:  „Ich bin auf einem Schiff auf dem Ozean. Bären kommen vorbei und rauchen Zigarren. ‚Wir haben die Musik‘, singen die Bären. ‚Wir haben, wonach du gesucht hast.‘ “ MhhmmmEin Traum. Vielleicht ein Schlüssel zur Musik? Wenn man in diesen Tagen auf die Uwe-Düne steigt, ist man dort stundenlang allein. Der, nach dem die Düne benannt ist, hat hier im Norden deutsch-dänische Geschichte geschrieben, landete zwischendurch im Knast, und nahm sich Ende der Dreissiger Jahre des letzten Jahrhunderts in Rio de Janeiro das Leben. Jeder Wanderweg ist hier ein Bildungsweg. Aber klar ist auch: wenn ich meine Boom-Box raushole, spotify anzapfe, bin ich in exklusiver Gesellschaft eiskalter Ostwinde, und dieser Musik von Floating Points, Pharoah und dem LSO. Ich hatte mich ganz dick eingepackt, und lauschte der Musik vom ersten bis zum letzten Ton. Ich traue meiner Faszination im nachhinein noch nicht so recht über den Weg – der Raum, in dem ich die Komposition in mich aufnahm, auf dem höchsten Punkt von Sylt, war zu speziell, um nicht jedem Sound eine bestimmte Aura zu verleihen. Ich blickte aufs Meer hinaus, um herauszufinden, ob ich gerade vielleicht selber träumte – aber ich sah keine qualmenden Bären. Was die wohl geraucht haben?! Und so habe ich alle Fertigurteile ausgesetzt, und mich ein weiteres Mal mit Pharoah verabredet, dann aber nachts in einem Strandkorb. Immerhin kann ich schon eins sagen: die Musik hat was.

 

2021 26 März

Aufruf zu einem konsequenten Lockdown

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Ich  habe bereits den Campact-Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsident*innen der Länder unterzeichnet. Bitte unterschreib auch Du – und verbreite den Appell weiter. 

 

„Die deutsche Politik regiert gegen die Wissenschaft und die Mehrheit der Bevölkerung. Das ist unverantwortlich und führt das Land sehenden Auges in eine Katastrophe. Dabei ist die Lösung allen klar.“

 

spiegel.de / corona-pandemie-warum-wir-jetzt-einen-harten-lockdown-brauchen …

 

Das ist mein letzter Text rund um Corona in Deutschland bis zum 21. Juni. Mal sehen, was bis dahin passiert. Wobei natürlich von einem eigenen Text kaum die Rede sein kann. Nur ein Link zum Campact-Appell, zur Fakten- und Wahrscheinlichkeitslage. Und ein Zitat aus Spiegel-Online. Mit Schwarzsehen hat das alles  nichts zu tun. (m.e.)

 

 

Irgendwann, inmitten der vorletzten, siebten Staffel von „Spiral“, besucht Joséphine Karlsson Laure Bertaud daheim. So ganz viel passiert in ihrer Unterhaltung nicht, das Band zwischen ihnen war stets ein dünnes, Phasen der Feindschaft, der Nähe, des Kümmerns, des Auseinanderdriftens gingen stets ineinander über. Aber allein, das was in den vier Wänden der Inspektorin passiert, zwischen den Frauen, zeigt, welche Art von Garn in den acht Staffeln der französischen Cop-Serie geflochten wird, wie man als Zuschauer in ihren Bann geraten kann. In Kleinigkeiten zeigt sich eine kaum zu steigernde Intensität: beide Frauen sind irgendwann sehr müde, und man hört Laure kaum, wie sie in ihr Schlafzimmer geht, und Audrey ihr eine gute Nacht wünscht. Auch wenn „Spiral“, neben allem anderen, eine Kriminalserie ist, wartet man oft gar nicht auf das, was als nächstes passiert, man verweilt einfach an der Seite der Protagonisten, voller Interesse, vollkommen absorbiert. Manchmal passiert eben kaum was, wie hier, in dieser Szene. Und irgendetwas macht selbst solche „Momente zum Vergessen“ unvergesslich. Vielleicht weil man ein Gespür für Zeit, wie sie verfliegt, gewinnt. An anderen Stellen ist die Spannung unerträglich. Eine ganz besondere Serie, die ewig so weitergehen könnte, wenn nicht alles darin permanent zuende gehen würde. Als wäre  die „nouvelle vague“ immer noch die „nouvelle vague“, und Agnes Varda und Francois Truffaut hätten irgendwann, in einer Parallelwelt, einen heimlichen Deal gemacht, eine knallhartie Cop-Serie zu entwickeln. Voller wunderbarer, strauchelnder Menschen. In einem vollkommen unromantischen Paris. (Eine DVD-Box, acht Staffeln, Sprache: französisch, englische Untertitel verfügbar)

 

Z60 – Zapfenstreich: Ladies and Gentlemen, may I proudly introduce an Anpassungsproblem wegen Vereinsamung, Verlust sozialer Beziehungen, soziale Isolierung, womit der International Code of Diseases einen Zustand bezeichnet, der dem eines Fallschirmspringers in nicht endendem Wolkenmeer gleichkommt, wenn sich sein Schirm nicht öffnet. Ein kalter Aufguß in einer eisigen Sauna, die wir schon lange nicht mehr betreten dürfen. Aerosol Grey Machine für atemlose Autisten, Dauerdusche in der Dunkelkammer. I advance masked. Warst Du schon mal gesund? Lauter Bäche, eher Kloaken fließen murmelnd und mahnend ins Jammertal und mit diesem einen Spahn zündet in der dunkelsten Nacht keiner mehr eine Kerze an. Im Gegenteil: Der letzte macht das Licht aus. Ruhetage für humanoide Mutanten. Ein gläserner Sarg oder ein Herz aus Glas. Unzutreffendes bitte streichen. Zwei Tabletten Vomex und ein halbleeres Glas Wasser. Die virale Pein der Phantasielosen und die viroide Lust der finsteren Propheten. Serieller Sieg transfiniter Minderheitenmathematik, ein goldenes Kalb. Heilige Misanthropie der Moribunden. Die dunkle Seite der Macht. Die Angst des Torwarts beim Elfmeter. Die Einsamkeit des Surfers auf der dritten Welle kurz bevor sie bricht. Hattrick of the mad Hatter (sad matter!). Dauerlutscher oder Daumenschrauben für die Drillinge. Opiumschwämmchen fürs Volk. Lonesome like Silver Surfer in der nach unten offenen Abwärtsspirale, wahrlich ohne Mission – Mission impossible: Alternative facts or alternative fakes? Wirklichkeit ist das, was funktioniert definierte Gautama Buddha einst. Dann scheine ich unwirklich geworden zu sein. Ein andalusischer Hund. Der Beobachter ist das Beobachtete, aber schaut wirklich noch jemand hin? Wollt ihr den totalen Shutdown? Trennwände aus Plexiglas. Die letzte Wiese, ein leeres Theater, aber die Luft ist rein. Zorro oder Zoppo Trump? Z60.

 
 
 

 

2021 24 März

ECM Podcast No. 2

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In den ersten Monaten des Jahres gab es schon eine ganz Reihe beeindruckender Musikalben – nicht zuletzt ECM Records trug zu einem reichhaltigen Musikwinter 20/21 bei, u.a. mit neuen Werken von Trio Tapestry, Shai Maestro und Nik Bärtsch. Hier ein Link zu einem Podcast von ECM, in dem sich der israelische Pianist zu seinem aktuellen Album „Human“ äussert. Joe Lovano ist im podcast no. 1 zu hören. Das wird es noch lange nicht gewesen sein: Pianisten / Pianistinnen  als hochkreative „sidewomen“ oder „bandleader“: das wird sich auch auf neuen Alben von Thomas Strønen und Vijay Iyer fortsetzen, ganz gleich, ob mit oder ohne podcast. Bei Thomas Strønen gehört Ayumi Tanaka zu einem Trio, das uns über das Konzept der Reduktion neu nachdenken lässt, Vijay Iyers Band dagegen präsentiert, auch ohne Gitarre, ein „power trio“ der Extraklasse. Beide Alben stelle ich in den Klanghorizonten am 17. April vor. Ayumi Tanaka wird im Laufe des Jahres bei ECM ein Album als Bandleaderin vorstellen, das sich wahrscheinlich in unsere Reihe mit „Japanese Jewels“ bestens einfügen wird.

 

 

 

 

It was New Year’s Eve 1969 and I had tickets to see Jimi Hendrix and the Band of Gypsies, the evening they recorded the live album at the Fillmore East in NYC, but it was not meant to be. You see, I had a bad case of strep throat that was keeping me home on that cold, snowy winter’s night. I was 17 years old and my entire family was out partying, even my little brother. So I was left alone in our New Jersey suburban house, gazing out the window at the flurries of snow and the icy driveway illuminated by streetlights, imagining all the revelry I was missing down at the Fillmore in the East Village.

In the midst of feeling terribly sorry for myself, the phone suddenly rang. I picked it up and it was one of my friends who happened to live in the house I grew up in down the hill. He told me that a girl, Judy, whose boyfriend was visiting his parents back in Wales for the holidays, had asked about me. “Judy is here and is apparently very horny – she pretty much told me she wants to sleep with you tonight,” he informed me. “You should come down – this is probably the only chance you’ll ever get with her.”

Judy was an artist, a gorgeous black woman hailing from Britain. She was sophisticated, older by at least three years and had reportedly dated Stevie Winwood – in other words, she was way out of my league. My friend handed the phone over to her. “Brian, you just have to come down. We’re having quite the party and it would be lovely to see you.” I mumbled something about being ill but she pressed me to come over. “I promise it will be worth it,” she purred seductively.

I had to go – What else could I do? I gathered myself together, took a hot shower and dressed for the cold weather. The ice made a crackling noise under my feet as I made my way down the hill to my childhood home. It was always weird revisiting the home where I had spent a good portion of my wonder years. When I arrived I was greeted by a group of hippie friends who were of course already quite high, giggling and embracing me in the doorway. They guided me to the back den which had once been a screened in sunroom when I had lived there. They were playing the Jimi Hendrix album, Axis Bold as Love. My friend had lived in England for a year and had returned with some great records, including the British version of Are You Experienced. He had turned me onto Hendrix and all things fab from the British Isles. And now he was turning me onto Judy.

I walked into that now enclosed sunroom, a room I had almost burned down as a child when a science experiment took a bad turn – and there she was, sitting in the corner on the couch looking radiant, wearing a black dress and a beautiful gold necklace with matching earrings. She was stunning – with her high cheek bones and her hair plaited and pulled tightly back, to me she looked like a model. She was flirtatious and when I told her I wasn’t feeling well, she immediately dug into her purse and brought out an Alka-Seltzer. Dissolving it in a glass of water I dutifully drank it down. Feeling no better, she proceeded to ply me with alcohol, a dirty martini as I recall.

After hanging around listening to the Stones Aftermath and the latest Traffic album, she invited me downstairs to my friend’s bedroom. This was really odd for me. As a young child, I never had a bedroom of my own, having shared a room with my older, then younger brother. It wasn’t until I turned 13 that my parents remodeled the sub-surface playroom, the only window which was at ground level. I remember feeling somewhat isolated from the rest of my family who lived two flights of stairs up from me, almost as if I lived in the basement, although it certainly had afforded me plenty of privacy. I noticed it was still the cheery orange color it had been when I first moved in. There was a small double bed and a chest of drawers. A small desk was tucked away in a corner. Judy lit a candle, sprawled out on the bed and motioned to me to join her. She then proceeded to try everything in her repertoire to arouse my interest, but I was just too ill. To tell the truth, she intimidated me, and besides, it was just too weird being in a room I had lived in as a 13-year-old. Childhood memories kept flooding back, distracting me from her amorous efforts.

After exhausting a good number of pages from the Kama Sutra to no avail, Judy and I went back up to join the group. It was then that we got a call from another friend who lived further down the street in an old Victorian. He invited the group of us to make our way over for a hookah full of hashish and the newest Who album. We carefully picked our way down the slippery sidewalk, a couple of us nearly falling enroute.

Tom’s room was a hippie dream – Candelight flickered against the high embossed tin ceiling and on the classic psychedelic posters that dotted the walls; tin foil had been artfully laid in just below the crown molding, giving the room a mirrored appearance, and the antique windows made everything outside look like an impressionist painting. The centerpiece of the room was a low brass Persian table on top of which sat a hookah. Underneath the table lay a luxurious Iranian rug. We sat on floor cushions and took turns taking hits off the hookah. My friend put on Tommy and as was the custom in those days, we sat back and listened in silence.

Not that the hash did much for my condition – instead of being sick, I was now very high and sick. Taking a cue from Judy’s obvious determination to seduce me, everyone tactfully left the room. Once again, she tried everything she could think of to interest me, but alas, her ministrations were all in vain. Eventually she gave up and decided to drive home. New Years Eve was over. I honestly don’t even remember the long, cold walk back to my house.

A couple weeks later, I was on my way to school in NYC. I was walking through the uptown NY Port Authority Terminal on 178th St when I spotted a beautiful woman carrying a rather large black leather art portfolio. It was Judy. I made my way over and after chatting for a couple minutes I mumbled an apology for what had transpired, or rather, what had not transpired on New Years Eve. “Umm, Do you think we umm, might get together again, uh, now that I’m feeling better and all?” I asked, my voice trembling with trepidation. Judy gave me a cool look and uttered, “I don’t think so. Take good care luv.” And that was it. She wandered off towards the subway and disappeared into the crowd. I never saw her again.

2021 21 März

„Stray“

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official trailer

So einfach wie der Titel und so komplex wie die Stadt, die er kurz beleuchtet, kommt „Stray“, Lo’s scharfsichtiger Dokumentarfilm über die Straßenhunde von Istanbul, ohne Erzählung oder so etwas wie eine Handlung aus. Stattdessen verleihen die rastlosen Rhythmen der unsicheren Existenz der Streuner einem Film, der eher kontemplativ als niedlich ist, eine poetische Zufälligkeit. Zitate aus der griechischen Philosophie auf dem Bildschirm unterbrechen die kurzen 72 Minuten, und Fetzen von belauschten Gesprächen wirbeln auf und verblassen wieder, während Zeytin und ihre Hundekumpel – Teil dieser Welt und doch von ihr entfernt – vorbeiziehen.

(New York Times)


Unter dem Titel „Streuner – Unterwegs mit Hundeaugen“ ist der Dokumentarfilm nun erhältlich auf Leihbasis bei amazon prime bzw. als reguläre DVD im Handel.

2021 20 März

Poirot auf der Insel

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Kurz vor der Stichwahl zum Amt des Bürgermeisters geht gerade auf der Insel der temporär einsamsten Strände der Republik die Post ab. Erinnern Sie sich kurz mal an alte Romane mit Hercule Poirot: wenn der kultivierte Meisterdetektiv es sich mal so richtig gut gehen lassen wollte, in der Provinz, am Meer,  – vita contemplativa – tauchte  garantiert eine Leiche auf, zumindest die berühmte bildliche, im Keller.  Gewiss, ich habe Jobs zu erledigen, und ein paar solitäre Forschungsprojekte am Start, auf meiner dritten Reise in den Sylter Lockdown: Nachtwanderungen, Dünenbesteigungen, Stille bis zum Horizont, aber wenn der „menschliche Faktor“ ins Spiel kommt, kann ich auch anders. Letztlich ist meine Kernkompetenz die eines Psychologen. Supervision, Mediation, Befriedung dysfunktionaler Systeme. Nun, worum geht es? Vieles dreht sich derzeit um Lars Schmidt – sein Projekt „Zukunft“ muss er wohl umschreiben, und sich vor allem um seine Gegenwart kümmern. Mit knapp 15 % der Stimmen scheiterte er nämlich im ersten Wahlgang. In der Folge richtete er sich an seine Wähler und empfahl ihnen, sehr zum Missfallen der CDU, den parteilosen Nikolas Häckel zu wählen. Und an dieser Stelle kommt deren Morsumer Ortsbeiratsboss Stephan Bahr ins Spiel, der, kein Scheiss, über den Einsatz eines Detektivs nachdachte. Per Sprachnachricht soll Herr Schmidt die Botschaft erhalten haben: „Du wirst einen Schatten haben!“ Dabei geht es anscheinend um die Frage, wo Schmidt seinen ersten Wohnsitz habe. „Ich sehe meine Privatsphäre, meine Kinder, meine Frau und mich dadurch unmittelbar bedroht“, beklagte er sich nun in einem offenen Brief, drohte gar, so heisst es, mit den berühmten „brisanten Enthüllungen“. Sind Sylter Verantwortungsträger betrunken Auto gefahren? Haben lokale Amtsgrössen gar in Nachtclub-Hinterzimmern Drogen genommen? Das ganze klingt nach einer Provinzposse – aber wie leicht können solche Dinge aus dem Ruder laufen … Nicht, dass das am Ende doch ein Fall wird für den Psychologen, oder, schlimmer noch, für Hercule Poirot! 

Es ist schon sehr lange her – Micha saß eventuell in der Untertertia des Gymnasiums – ich saß in einem Schallplattenladen in der Sonnenstraße zu München. Der Laden verfügte über vier einigermaßen schalldichte Kabinen, ausgestattet mit Lautsprechern. Ob es solche Läden heute noch gibt? Es war mein Klassikladen in München. Klassik gab’s ja nicht in der Gleichmannstraße 10 bei jazz by post. Ich hörte mir Klaviersonaten von Prokofiev an, als die Tür aufging und zwei Schüler – vielleicht Obersekunda – eintraten mit einem dicken Packerl LPs unter dem Arm. Wir kamen ein wenig ins Gespräch. Die beiden wunderten sich, was ich für komisches Zeug anhöre und ich ließ mir zeigen, was sie aufzulegen vorhatten: klar, Rockscheiben, aber von mir völlig unbekannten Bands. Ich fragte nach, was sie veranlasst habe, diese Alben auszuwählen, ob sie die Bands kennen würden. „Nee, aber die Plattencovers sind geil“ sagte einer der beiden sinngemäß. Aha.

Vor 2 bis 3 Jahren kannte ich die Namen „RONIN“ und „Nik Bärtsch“ nicht. Sie tauchen ja nicht in den SPIEGEL-Bestseller-Listen auf. Ihre Musik ist mir auch im Radio nie begegnet und selbst im Manafonistas-Blog sind sie mir nicht aufgefallen. Es war Zufall, dass ich auf RONIN aufmerksam wurde. Beim Durchblättern des Qobuz-Streaming-Portals bin ich hängen geblieben. Da fielen mir Track-Titel auf, die aus MODUL und einer Zahl bestanden. „Geile Titel“ dachte ich – sinngemäß. Aha.

So ein MODUL hörte ich mir an, fand nicht nur den Titel witzig (i.e. verblüffend, ungewöhnlich, originell etc.), sondern auch die Musik. Bald kaufte ich das Album NIK BÄRTSCH’S RONIN LIVE und hatte den Wunsch, die Band live zu erleben. Der Wunsch ging am 22. November 2019 in Erfüllung. Nachfolgend hat mich Nik Bärtschs Musik brennend interessiert und beschäftigt. Irgendwann dachte ich daran, mich mit meinen Mutmaßungen unmittelbar an Nik zu wenden. Hier sind die Ergebnisse unseres Mail-Ping-Pongs. Niks Worte sind in manafonistasbrauner Schrift dargestellt, etwa so:

 

Danke für Deinen umfassenden Bericht und die Hintergründe. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Herzliche Güsse auch an Michael. Meine Comments, siehe unten.

 

Als Hörer kann man ja neugierig sein, was der Künstler sich gedacht hat – sag ich jetzt mal so nichtssagend flapsig. Vielleicht ist man als Künstler auch neugierig, was beim Hörer ausgelöst wird – oft sind ja nur die vibrations wahrnehmbar & natürlich der Beifall.

 
unbedingt, danke

 

MODUL

 

Ein Titel, der einigermaßen selten gewählt wird für Musikstücke. Nik Bärtsch & seine Bands RONIN, MOBILE etc. spielen reine Instrumentalmusik. Dass Instrumentalmusik und Vokalmusik als gleichrangig gelten, ist für uns eine fraglose Selbstverständlichkeit.

 

Musikhistorischer Exkurs

 

„Sonate, que me veux-tu?“
„Sonate, was willst du von mir?“
„Sonate, was willst du mir sagen?“

 

Diese Frage wird dem frz. Philosophen Bernard de Fontenelle (1657-1757) zugeschrieben. Er soll sie gestellt haben bei einem Konzert, das ausschließlich aus Instrumentalmusik bestand. Welche Bedeutung kann solche Musik ohne Worte haben?

 

Gute Frage, da gibt es ja eine ganze Debatte dazu im 19. Jahrhundert. Interessant ist wieder einmal Strawinsky dazu:
 

„Manchmal fühle ich mich wie jene alten Männer, denen Gulliver auf der Reise nach Laputa begegnet: Sie haben der Sprache entsagt und versuchen, sich mit Hilfe von Objekten zu verständigen. Ein Komponist befindet sich immer in dieser Lage, da er keine verbale Kontrolle über seine Musik hat. Der einzige wahre Kommentar zu einem Musikstück ist ein anderes Musikstück.“

 

Vokalmusik dominierte die Musik des europäischen Kulturraums bis ins ausgehende 16. Jahrhundert. Instrumentalmusik galt als zweitrangig nach der wortgebundenen Vokalmusik. Sie existierte in selbstständiger Form als Tanzmusik, Militärmusik, u.ä. Sie existierte als “Zutat” von Vokalwerken, als “Intrada”, “Sinfonia”, “Ritornello”. Das sind neutrale Bezeichnungen, so wie auch “Sonata”, “Klavierstück” (Karlheinz Stockhausen), “Study” (Conlon Nancarrow), “MODUL” …

 

Ganz genau!!! Keine inhaltlichen Vorgaben, der Hörer und die Spielerin dürfen in der Musik hören, was sie möchten.

 

Es dauerte etwa 200 Jahre, bis sich nach einem längeren Prozess ein Paradigmenwechsel vollzogen hat. E.T.A. Hoffmann schreibt im Jahr 1810 in seiner berühmten Rezension von Beethovens 5. Sinfonie:

 

Wenn von der Musik als einer selbstständigen Kunst die Rede ist, sollte immer nur die Instrumental-Musik gemeint seyn, welche, jede Hülfe, jede Beymischung einer andern Kunst verschmähend, das eigenthümliche, nur in ihr zu erkennende Wesen der Kunst rein ausspricht. Sie ist die romantischste aller Künste, – fast möchte man sagen, allein rein romantisch.

 

Das ist genau die Debatte, die ich meinte.

 

Titel von Jazz-Stücken
 

Wenn es um Standards geht, sind es die Titel von Vokalnummern aus Musicals, Filmen usw. Es scheint zur Gewohnheit geworden zu sein, später auch Stücke die keinerlei Text-Bezug haben mit poetischen Titeln zu versehen – “Long as you know you’re living yours” / “Mortgage on my Soul” / “Follow the crooked Path” / “Human” …

 

Exakt

 

„MODUL, que me veux-tu?“
„MODUL, was willst du mir sagen?“

 

Ich weiß nicht, was Ísland bedeutet. Anders gesagt, ich habe keine Ahnung, was der Kosmos bedeutet. Ich finde Ísland & den Kosmos einfach toll. Ich finde Niks MODULE auch toll – toll, wie eine hinreißende Landschaft.

 

interessant, das meine ich genau, DU kannst entscheiden, DEINE Fantasie ist ebenso wichtig wie das Stück.

 

Geht es überhaupt um Ausdruck in Niks Musik? Oder ist Niks Musik nicht einfach ein kleiner Kosmos im großen Kosmos. You know: ich finde Ísland & den Kosmos & Niks MODULE einfach toll …

 

Finde ich eine adäquate Umschreibung. Natürlich gelten Regeln der Musik auch in meinem Kosmos, aber er hat schon eine eigene Logik und Grammatik.

 

Vielleicht wählt Nik den Titel MODUL, weil damit jeder Hinweis auf eine „Bedeutung“ oder einen „Ausdruck“ unterbleibt.

 
Genau
 

Was sagt Igor Stravinsky? Dies hier:

 

Ich bin der Ansicht, daß die Musik ihrem Wesen nach unfähig ist, irgend etwas ,auszudrücken‘, was es auch sein möge: ein Gefühl, eine Haltung, einen psychologischen Zustand, ein Naturphänomen oder was sonst. Der ,Ausdruck‘ ist nie eine immanente Eigenschaft der Musik gewesen, und auf keine Weise ist ihre Daseinsberechtigung vom ,Ausdruck‘ abhängig. Wenn, wie es fast immer der Fall ist, die Musik etwas auszudrücken scheint, so ist dies Illusion und nicht Wirklichkeit. Es ist nichts als eine äußere Zutat, eine Eigenschaft, die wir der Musik leihen gemäß altem stillschweigend übernommenem Herkommen, und mit der wir sie versehen wie mit einer Etikette, einer Formel — kurz, es ist ein Kleid, das wir aus Gewohnheit und mangelnder Einsicht allmählich mit dem Wesen verwechseln, dem wir es übergezogen haben.
All diese Mißverständnisse entstehen dadurch, daß diese Leute in der Musik immer etwas anderes als Musik finden wollen. Für sie ist es wichtig, zu wissen, was die Musik ausdrückt, was der Komponist wohl gedacht hat, als er sie schrieb. Sie können nicht begreifen, daß die Musik eine Sache ,für sich‘ ist und völlig unabhängig von den Gedanken, die sie in ihnen erweckt. Anders gesagt: die Musik interessiert sie nur, soweit sie an Dinge rührt, die zwar nicht in ihr enthalten sind, die aber bei ihnen gewohnte Gefühle erwecken.

 

Diese Äusserungen kenn ich auch und kann viel damit anfangen. Ich würde aber „den Leuten“ nicht zu nahe treten und jeder Mensch darf in der Musik hören, was er möchte. Toll ist es natürlich, wenn dabei etwas Neues in einem entsteht!

 

Hmm, was richtet Musik bei den Hörenden an? Vielleicht gibt es so viele Möglichkeiten, wie es Menschen gibt und gab. Zunächst muss man sich überhaupt von den Klängen angesprochen fühlen, zur Resonanz angeregt werden, d.h. sie überhaupt anhören wollen. Bei mir geht sehr oft „emotionales“ und strukturelles Hören Hand in Hand. Außerdem kann das, was ich zur Zeit gerne und oft höre sich gehörig unterscheiden, etwa

 

– RONIN
– Ravel, Gaspard de la nuit
– Rachmaninoffs 3. Piano Concerto
– Shai Maestro
– Miles Davis, Cellar Door Sessions 1970

 

Am Freitag dürfte die CD Entendre bei mir eintreffen. Aber ich kenne das Album ja schon. Ich finde es ganz wunderbar:

 

klangsinnlich
intellektuell anspruchsvoll
MODUL 55 blickt in die Ferne mit kurzen Einsprengseln, die ich mir auf einer persischen Santur gespielt vorstellen könnte
pianistisch sehr beeindruckend
feine Balance von Strenge und Freiheit
abwechslungsreich

 

Danke für Deine Rückmeldung, wie immer sehr interessant und passend.

 

RHYTHMUS
 

Dass Nik & RONIN sowie weitere Formationen etwas ganz EIGENES erdacht haben, merkt man sofort beim allerersten Höreindruck. Oberflächlich/wenig tief hörend/vereinfacht hält man es für ein „Wesen“ aus dem (Be)Reich der repetitiven Musik, die ja seit den 60er/70er Jahren auch im westlichen Kulturkreis existiert. Nik Bärtschs Konzept beruht auf repetitiven Patterns von unterschiedlicher Länge, deren Überlagerung ein hörend kaum zu durchschauendes irisierendes Ganzes bilden. Ein einzelnes Pattern mag einfach sein. Im Zusammenwirken fordern sie von den Bandmitgliedern höchste Konzentration und Präzision. Erstaunlich finde ich, wie Nik es schafft, Piano Solo diese vertrackten Zeitstrukturen wie es scheint mühelos vorzutragen. Ich gehe davon aus, dass Nik wenigstens anfangs eine klassische Ausbildung am Klavier durchlief, also mit Bach, Beethoven etc.

 

Nicht am Anfang, ich spielte Boogie-Woogie, dann Blues, Jazz, Latin, Gershwin, Bartók, dann Klassik von Bach bis modernste abstrakte Komponisten. Op.27 von Anton Webern auswendig gelernt etc …

 

In der Klassischen Musik (17. bis 19.Jh.) wird man die komplexen Zeitstreckenkombinationen von Niks Kompositionen nie antreffen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein klassisch geschulter Pianist mit der Zeitorganisation von Niks MODULEN überfordert ist, vor allem dann, wenn er die eigentlich einprägsamen Patterns in ihrer irritierenden Verflechtung ohne ein Notenblatt vor Augen darbieten soll. Nik habe ich übrigens nie mit einem Notenblatt erwischt ( Live / YouTube / yourstage.life ).

 

Stimmt haargenau. Im Anhang Notenblätter von 5, 26, 42 (Vienna), 55, 13, 58 gibts nur als Band Versionen, 58 ist quasi eine Improvisation mit den Patterns in dem Modul.

 

MODUL 13
 

Anhand von MODUL 13 möchte ich ein wenig verdeutlichen, was es mit der erwähnten speziellen Zeitgestaltung auf sich hat. MODUL 13 erscheint auf dem neuen Album „Entendre“, liegt aber schon seit 2002 auf dem Album „Hishiryo“ vor. Auf diese ältere Version beziehe ich mich, und zwar auf Episode 2 (3:12 bis 4:03). Auf Vorzeichen habe ich in den Notentexten verzichtet. Es kommen folgende Töne vor: as / ces / es / f / ges

 

 

Dieses Pattern erklingt 8 mal. Es ist 8 + 9 (in summa 17) Zeiteinheiten lang. ’8‘ beginnt mit einer Achtelpause, ’9‘ besteht aus neun Achtelpausen.

 

 

Hier liegen 2 Patterns vor. Das einfache der beiden Patterns ist der orange gezeichnete Cymbal-Klang, der für sich genommen extrem simpel ist: gleichmäßige Impulse im Abstand von 4 Zeiteinheiten. Das zweite Pattern ist in zwei Schichten notiert. Im Notenbeispiel stehen in der oberen Zeile die akzentuierten Töne, darunter die Figuration, welche jeweils mit einem akzentuierten Ton beginnt. Es gibt darin 2 Zeitstrecken:

 

4+4+5 (13 Zeiteinheiten)
4+4+4+4+5 (21 Zeiteinheiten, vollständig sichtbar in Bild 3)

 

 

Im vorhergehenden Notenbeispiel (Bild 2) ist ein wichtiger Ton, ein rhythmischer Impuls ausgelassen. Hier in Bild 3 ist er als blauer Klecks zu sehen. Pattern 1 ist auch dabei. Die „blauen Pulse“ erklingen regelmäßig im Abstand von 2 Zeiteinheiten. Für sich allein genommen ist jedes Pattern alles andere als eine pianistische Herausforderung. Das Zusammenbringen durch einen Solospieler ist jedoch zum Verrücktwerden knifflig. Ob der Cymbalklang per Fußpedal eingebunden wird ???

 

Das Cymbal habe ich danach aufgenommen.

 

Die Patterns umfassen Zeitstrecken, welche der Klassischen Musik des 17./18./19. Jahrhunderts völlig fremd sind, in ihrer simultanen Überlagerung sowieso. Ich frage mich natürlich, ob es für Nik ein langer Weg war, diese herausfordernden Zeitstrukturen zu verinnerlichen. Schaut man ihm beim Spielen zu, dann sieht man souveräne Leichtigkeit. Hört man ihm beim Spielen zu, dann hört man souveräne Leichtigkeit

 

Sehr langes Training. Zyklen, Polyrhythmen und deren Überlagerung mit guter Klangkultur und Lockerheit zu spielen, braucht lange Jahre der Reifung und Vertiefung.

 
Hörbeispiele in comment #1

 
MUSIK und ZAHL

 

Die gesamte 2. Episode ist so strukturiert:


4 4 5
4 4 5
4 4 4 4 5
4 4 5
4 4 4 4 5
4 4 5
4 4 4 4 5
4 4 5
4 4

 

spekulativ

 

8 ( 4+4)
5 ist die Zahl, welche den „quadratischen“ 4er-Puls ins Wanken bringt

 

Die festgestellten Zeiteinheiten 5 / 8 / 13 / 21 repräsentieren Fibonacci-Zahlen. Der Quotient benachbarter Fibonacci-Zahlen nähert sich dem „Goldenen Schnitt“ je weiter fortgeschrittene Fibonacci-Zahlen man wählt (z.B. 89 / 144)

 


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