Manafonistas

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2022 12 Feb.

Once upon a time

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“Yeah, I think it can only work on a telepathic level. It was natural – you live almost like a cult when you’re younger. Each person would have their thing they were into most and they’d bring that to the table. (…) We’d all gravitate to certain things – Everyone loved Lee Perry, I loved Frank Sinatra and doo-wop groups. My grandad had all these old records, like Reader’s Digest Hawaiian and choral records, and that’s where we’d pick a lot of stuff up from.“

(James Skelly, The Coral)

 


Im letzten Jahr fand ein Doppelalbum viele begeisterte Hörer, „Coral Island“ von The Coral, eine Zeitreise entlang alter englischer Küstenkäffer, mit wunderbaren spoken word-stories und einem Melodientaumel, der in alter Zeit manche Jukebox in Beschlag genommen hätte. Seltsamerweise  war ich der einzige Manafonist, der in den Sog dieses Trips geriet – was meine Erinnerung an zwei Wochen Torquay wachrief, an eine surreale Bootsfahrt mit einem sprechenden Hund. 
Eine urbritische Band knüpfte damit an den Zauber von „Magic and Medicine“  und ihres Debuts „The Coral“ an, aus dem Jahre 2002, das jetzt neu aufgelegt wird (diese „anniversary edition“ enthält die üblichen b-sides und rarities, mit einigen echten Granaten – und das Cover spricht sowieso Bände) –  und damit sind schon mal in einem Satz drei ziemlich grossartige Popalben genannt. 


Damals waren einige von den sechs Freunden noch Teenager, und sie liebten gutes Haschisch, Captain Beefhearts „Safe As Milk“ (das auch ein gewisser Brian Eno grandios fand), und „Forever Changes“ von Love, dass in unendlich vielen Bestenlisten auftaucht. Nun habe ich immer nur vom Kopf, aber nie vom Bauch her verstanden, was an diesen beiden Platten so weltbewegend sein soll, aber ganz sicher war ich damals dem rauen Charme des Debuts der Briten erlegen. Wer noch eine alte Aufnahme der „Klanghorizonte“ aus jener Zeit besitzt (verwittert, Chromdioxid) – das Interview mit James Skelly war ein echtes Highlight. 
Mein alter Bekanter Tom Pinnock lebte vor Ort und besitzt wesentlich mehr Insiderwissen – er bringt es so auf den Punkt:


Die Zeit hat eine Art, die rauen Kanten von Songs zu glätten, das, was einst schockierend war, abzuschleifen, bis es sich sicher anfühlt. Einige Momente sind jedoch seltsam widerstandsfähig: Zum Beispiel „Revolution“ von den Beatles, dessen stechender Fuzz immer noch so ungesund aufregend ist, wie er es vor fast 54 Jahren gewesen sein muss. Auch „Skeleton Key“ von The Coral hat sich als ziemlich hartnäckig erwiesen: Der erste richtige Vorgeschmack auf ihr selbstbetiteltes Debüt aus dem Jahr 2002 kombinierte ungelenkes Beefheart-Geschepper mit Shanty-Gesängen und einem Space-Rock-Mittelteil, der wie von einem Post-Syd-Floyd-Album herübergebeamt schien. Oh, und ein scherzhaftes Disco-Funk-Coda, in dem die Band scheinbar die Kinderfernsehserie Byker Grove zitiert. Die Mischung dieser Elemente ist an sich nicht bemerkenswert, aber die Art und Weise, wie das Sextett es geschafft hat, dass sich das Ergebnis so natürlich und zusammenhängend anfühlt, ist es schon.

Martina berichtete kürzlich in einem Kommentar, dass die Pandemie die Hörgewohnheiten einer Freundin verändert habe, sie höre jetzt kaum noch molllastige Musik (so erinnere ich es wenigstens, ist schon ein paar Wochen her). Auf Anhieb dachte ich, dass dies für mich nicht zutrifft: am häufigsten lief bei mir in den letzten Monaten mit Amnesiac ein zeitloses Klanglabyrinth, sicher kein Quell der guten Laune. Davon abgesehen ist es schon so, dass bei mir in dieser Zeit des Schmuddelwetters und der ungemütlichen Gesamtlage (eine meiner täglichen Aufgaben ist es, den Vertretungsplan für eine Schule zu erstellen, womit ich gerade überdurchschnittlich viel zu tun habe) Musik läuft, die eher gute Laune verbreitet. Ich mag an der Stelle ja das englische Wort „uplifting“ ganz gerne, die deutschen Übersetzungen „erhebend“ und „erbaulich“ treffen den Kern nicht, „aufmunternd“ passt schon eher, aber auch nicht wirklich. Ende letzten Jahres kaufte ich zwei gebrauchte Pet Metheny LPs: „Wichita Falls“ und „Pat Metheny Group“. Midwestern light, wide open spaces, coffee with milk and lots of sugar and one of the most beautiful songs Rick Beato knows. Meine Wertung: knapp 4 Donuts mit Zuckerglasur für beide Alben. Dann kamen in den letzten zwei Wochen noch drei Platten bei mir an. Bei dem Album des Ibrahim Khalil Shihab Quintet ist der Titel Program: Spring. Hier sind Charles Lloyd oder John Coltrane als Assoziationen naheliegend, insgesamt wunderbar sonnige Musik. Leider mussten die Klänge 1968 in Johannesburg in nur zwei Stunden aufgenommen werden; man wünscht sich, diese so gut eingespielten Musiker hätten die Chance gehabt, ein ernsthaft produziertes Album aufzunehmen. Trotzdem: diese Musik verströmt unverschämt gute Laune und bekommt als Wertung 3 1/2 Gläser frisch gepressten O-Saft. Mit der Post kam ausserdem Cat von Hiroshi Suzuki, ein Juwel aus Japan, das aber eher nach groovy West Coast klingt. 1975 aufgenommen, Schlagzeug, Bass, Keyboards, Saxophon und Posaune. Wertung: 4 Flat Whites.

Und dann war da noch Trio Tapestry von Joe Lovano & Co im Paket. Hiermit bin ich noch lange nicht fertig, schreibe später hoffentlich etwas, vergebe aber als Wertung schon mal 4 Klangschalen und einen Gong für dieses meisterhafte Webstück.

 


Bei nicht wenigen Lesern dieses Blogs hat die von Marc Hollander und Crammed Discs früh in den Achtziger Jahren ins Leben gerufene Musikreihe „
Made To Measure“ dauerhaft Spuren hinterlassen. Kam ein Gepräch auf dieses Brüsseler Label für überwiegend instrumentelle  Musik abseits des Mainstreams, fielen mir stets zwei Favoriten ein, MTM 8 und MTM 15. Interessanterweise führte ich das erste Interview meines Lebens mit Sussan Deyhim & Richard Horowitz, im Che Coo La La in Dortmund (s. Foto). Heiner Goebbels war von dem Album „Desert Equations“ und der Stimme der gebürtigen Iranerin ähnlich begeistert, und so ist Sussan Deyhim auf einem seiner besten Arbeiten zu hören („SHADOW – Landscape with Argonauts“ –  auch Brian Eno ist ein Bewunderer dieses ECM-Albums). Richard H. ist auf einigen Alben von Jon Hassell zu hören, etwa auf „Vernal Equinox“ und „Power Spot“. Und hat das betörende Solowerk „Eros In Arabia“ geschaffen, das vor Jahren neu aufgelegt wurde.

 

Und dann war da ja noch MTM 15, das im Jahr seines Erscheinens – 40 years ago – spät abends manche Nacht in einem Dorf namens Bergeinöden am Ende der Welt einleitete (a year of magic, eros and dying dreams, a novella in preparation), und, auch wenn ich damals noch keine Bestenlisten führte, zählte es, rückblickend, zu meinen unvergesslichen Alben des Jahres 1982, neben ein paar ECM’s (u.a. Mike Nocks „Ondas“), sowie Bruce Springsteens „Nebraska“, XTCs „English Settlement“, Donald Fagens „The Nightfly“, Dexys Midnight Runners „Too Rye Aye“, Laurie Andersons „Big Science“, und Brian Eno‘s „On Land“ Hätte Enos Meilenstein zum 40-Jährigen nicht endlich eine Surround-Version verdient!? Eigentlich ein Witz, dass dieses Album, das seinerzeit eine Anleitung zu einer simplen All-Around-You—Version mit einem dritten Lautsprecher beiliegen hatte, nie in 5:1 aufgelegt wurde. Nun gut, es lockt auch so in die Tiefe des Raumes… Crammed Discs merkte damals zu MTM 15 dazu an:

 

A photographer, writer and poet of the analog synth, Benjamin Lew used to work as a mixer of exotic cocktails in a bar which was haunted by Tuxedomoon’s sax-player, and by the rest of the American Lost Generation of early Eighties Brussels. The encounter gave birth to one of these discreet but unforgettable minor miracles which take place sometimes. The fact that the title of the resulting album („Douzieme Journee: le Verbe, la Parure, l’Amour“) is taken from a book (by ethnographer Marcel Griaule) on the cosmogony of the Dogon people of West Africa points to the magical and radically alien dimension of this music.


SUSSAN DEYHIM & RICHARD HOROWITZ  
Desert Equations: Azax Attra (MTM 8) // BENJAMIN LEW / STEVEN BROWN Douzieme Journee: le verbe, la Parure, l‘Amour (MTM 15) – beide Werke sind nun wieder erhältlich, auch als Vinyl.
Massanfertigungen für den Underground! Ein neues Album von Steven Brown kommt 2022 raus, sein erstes seit Ewigkeiten.

 

2022 11 Feb.

song of the day

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Steve Gadd – Larry Goldings:

„No More Blues / Chega No Saudade“

 
 

2022 11 Feb.

Der zwölfte Manafonist

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Die Sache ist die, dass dieses englische Duo wohl in manch exzentrischem Jahresrückblick auftauchen wird, obwohl man sich bei diesem Foto auch fragen könnte, ob wir es mit einer neuen Netflix-Serie rund um Aliens zu tun haben. Man wird sich mitunter nach dem Hören ihrer neuen LP wie ein leicht erleuchtetes Wesen vorkommen, mutmasst Electronic Sound in seiner März-Ausgabe, die die Rückkehr von Soft Cell auf dem Cover zelebriert (auch ein spezielles Duo), aber was machen die Zwei schon anderes, als real existierenden Kompositionen von Beverly Glenn-Copeland bis Neu! eine spezielle Tönung zu verpassen, mit field recordings, Himmelsblick, und delikater Kammermusik?! Auf ihre Interpretation von Brian Enos „Events In Dense Fog“ müssen wir aber noch warten. Alles weitere, wenn das Vinyl aus England den deutschen Zoll passiert hat.

 

Dieser Sänger und Gitarrist hat einen dermassen schrulligen Namen, dass er auch an der Seite von George Clooney in „O Brother, Where Art Thou“ (ein nach wie vor sehenswerter Films, auch dank eines ausgefuchsten Soundtracks) seine Rolle gefunden hätte, in einem alten Amerika, das die Coen-Brüder mit Hilfe von Homer neu heraufbeschworen. Da gab es Baumwollpflücker und Bretterbuden, in denen Bluessänger ihre Lieder aufnahmen. Jake Xerxes Fussell ist ein Folksänger alter Schule im besten Sinne, das heisst, er bleibt erfinderisch, wenn er die alten Quellen hernimmt, so erfinderisch, dass ihm dabei ein paar unerhörte Lieder gelingen. Magischer Realismus, der das Alltägliche umwandelt. Auf seinem jüngsten Reigen geht es dezent melancholisch zu, eine sanfte Orchestrierung erweitert die versammelten Pastelltöne. Soldaten sagen ihren Liebsten adieu, Windmühlen brennen nieder, und am Ende sind selbst die, die mit dem Leben davongekommen sind, schon lange tot. Vielleicht kennen einige „The Golden Willow Tree“, das sich, wie so manches hier, in uralter Zeit abspielt und auf offenem Meer. Der Multiinstrumentalist James Elkington hat das Album mit einem rundum warmen, analogen Sound ausgestattet, in dem Bläser, Streicher, Klavier, rares  Trommelhandwerk und die gute alte pedal steel-Gitarre in keinem Moment mit dicker Farbe auftragen. Eine ruhige, traurige, erhebende, vollkommen unspektakuläre Angelegenheit, und ausserst hörenswert. 

2022 8 Feb.

Walking through Brooklyn in 2014

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Nach dem Genuss eines fantastischen Cappuccinos mit der Salimbene Bohne (s. Kaffeezentrale.de, hoher Röstgrad, ölige Bohne, berauschende Geschmacksnoten) hier, anbei, ein Selfie. Statt meines Gesichts (an einem Mundwinkel wäre noch eine Spur Milchschaum zu entdecken, von meinem neuen und allerfeinsten elektrischen Milchaufschäumer „Stelio“), also ein aktuelles Blutbild. Ein Selfie, vor dem zweiten Boost. Keine Sorge wegen des leicht erhöhten Harnsäurewerts, das scheint bei mir fast Norm zu sein, keinerlei Neigung zu Gicht.

Übrigens, mit dem Kaffeevollautomaten Delonghi Dinamica bin ich rundum zufrieden, nur den zugehörigen Milchschäumer kann man in die Tonne hauen. So aber gelingt mir nun endlich, mit „Stelio“ und den Bohnen meines Dealers aus Bochum, sensationeller Cappuccino, vom Milchkaffee ganz zu schweigen.

 

 

„One more cup of coffee for the road“, sang Dylan einst – für daheim empfehle ich zum koffeinhaltigen Rundumerlebnis Dieter Ilgs Solobassalbum „Dedication“. Dass er ein faszinierender Musiker ist, wusste ich schon lange, man denke nur an das eine Piano-Trio-Album von Marc Copland. Mit dem Trompeter Till Brönner kann man mich bekanntlich jagen, aber ich weiss dass er abseits seiner smoothy boozy Barhockermusik sein Instrument gut beherrscht. Vor ein paar Wochen hörte ich denn ein Stück, mit dem es ihm wohl gelungen wäre, einmal in dreissig Jahren Teil einer playlist der Klanghorizonte zu werden: seine Interpretation (im Duo mit „Einzelfuchs“ Dieter Ilg) von Leonard Cohens „Thousand Kisses Deep“ ist richtig gut.

Vielleicht hat Herr Brönner Lust, abseits seiner Weihnachts- und Osterjazzhasenmusik mal ein gewichtigeres Duoalbum mit dem Einzelfuchs aufzunehmen: „Music For Coffee Lovers In Dark Corners“, mit ausgewählten Coverversionen aus der „gothic scene“ der Popkultur, von Dead Can Dance, The Cocteau Twins, This Mortal Coil, und ähnlichen Kalibern. Leave the comfort zone. Paint It Black, Till. No sugar required. Spiel deinen Jazz wie Chuck Norris seinen Kaffee trinkt: schwarz und ohne Wasser. Und auf keinen Fall „Wohltemperiertes“.

 

2022 6 Feb.

The Philosophy Of Modern Song

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The Philosophy of Modern Song is Bob Dylan’s first book of new writing since 2004’s Chronicles: Volume One — and since winning the Nobel Prize for Literature in 2016. Dylan, who began working on the book in 2010, offers a masterclass on the art and craft of songwriting. He writes over 60 essays focusing on songs by other artists, spanning from Stephen Foster to Elvis Costello, and in between ranging from Hank Williams to Nina Simone. He analyses what he calls the trap of easy rhymes, breaks down how the addition of a single syllable can diminish a song and even explains how bluegrass relates to heavy metal. These essays are written in Dylan’s unique prose. They are mysterious and mercurial, poignant and profound, and often laugh-out-loud funny. And while they are ostensibly about music, they are really meditations and reflections on the human condition. Running throughout the book are nearly 150 carefully curated photos as well as a series of dream-like riffs that, taken together, resemble an epic poem and add to the work’s transcendence. In 2020, with the release of his outstanding album Rough and Rowdy Ways, Dylan became the first artist to have an album hit the Billboard Top 40 in each decade since the 1960s. The Philosophy of Modern Song contains much of what he has learned about his craft in all those years and, like everything that Dylan does, it is a momentous artistic achievement. Out in November.


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