Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2020 23 Apr

Good Souls Better Angels

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„Lassen Sie uns jetzt über den Gesang sprechen. Einige langjährige Lucinda Williams-Fans vermissen, wie die heute 67-Jährige klang, als sie jünger war, mit einem saubereren Ton und höheren Registern; sie beklagen, dass ihr Stimmtimbre vergröbert und ihre Diktion ungeschliffen und manieriert geworden ist. Ein Kritiker, der eine kürzlich ausgestrahlte Sendung besprach, verglich ihre derzeitige Stimme auf absurde Weise mit Bob Dylans rostigen Pfeifen. Als jemand, der Sänger, die rau, aber ausdrucksstark sind, denjenigen mit konventionell „guten“ Stimmen vorzieht, denke ich, dass Williams besser singt als je zuvor. Obwohl der Blues schon immer der Kern ihrer musikalischen Identität war, ist sie jetzt, mit diesem neuen Album, eine Blues-Sängerin und ein Rock ’n Roller, der vom Blues durchdrungen ist.“

(George de Stefano, übersetzt von MHQ)

 

Lucinda Williams erlebt eine unruhige Zeit nach ihrem Umzug nach Nashville.  Dass ein grosser Teil des Daches des neuen Domizils von einem Tornado abgerissen wurde, zum Beispiel. Und sie hat mehr als gewöhnlich im Schlaf geredet.  In einer Nacht letzte Woche träumte sie, dass Mormonen in ihr Haus eindrangen, ihre Freunde bekehrten und ihr Hab und Gut stahlen. Das war nicht das Thema: „Sie saßen alle nebeneinander, und ich sagte: ‚Verstehst Ihr nicht, ihr solltet unter Quarantäne gestellt werden!“ Williams lacht, ihr lakonischer, anarchischer Bariton mündet in ein überraschendes Kichern. Ihr Ehemann und Manager, Tom Overby, sagte ihr, sie sei im Schlaf zornig worden. Sie glaubt, das käme von den nächtlichen Fernsehmarathons, die zu ihrer neuen Lockdown-Routine geworden sind, bei der sie bis 5 Uhr morgens aufbleiben und sich das jüdische Drama Unorthodox ansehen, „nur in meinem Traum kamen sie als Mormonen heraus“. (Laura Snipes, übersetzt von D.L)

 

Flashback August 2017. Zwei von der Klasse von ’73, Klaus Schäfer und Michael Engelbrecht, fahren von Dortmund nach Köln, der eine spielt, sammelt, und liebt Gitarren, der andere liebt gute Gitarrenmusik und gute Songs, tun sie natürlich beide. Dennoch, ganz andere Hörgeschichten. Das Konzert von Lucinda Williams in der Kantine wird zu den unvergesslichen zählen, für beide. Auf der Rückfahrt schöne Sprachlosigkeit, viele Geschichten.

 

 
 

„All Those Born With Wings“ – mit  dieser Überschrift hatte ich einst – eine Manafonistas-Anregung von vor kurzem aufgreifend – einem Freund eine musikalische Arbeit gewidmet. Ganz andere Freunde, Musiker meiner Heimatstadt, hatten – es ist lange her – ein Konzert in einer kleinen ruinösen, aber vielleicht deswegen hübschen und heimeligen Kapelle, von einem Verein kulturell bewirtschaftet, nicht weit außerhalb der Stadt gegeben, das mich ob seiner fast meditativen Magie so inspiriert hatte, dass ich – kaum nachhause geradelt – mich hinsetzte und das Grundgerüst einer „Meditation in Jazz“ mit eben jenem Obertitel und auch mit diesem Stücke beginnend zusammenbaute, woraus dann eine komplette MiniDisc im Longplay-Modus wurde – also ein 160 Minuten dauernde kontemplative Klanglandschaft, mit Ebenen und Flussläufen und Hügeln und Findlingen; vielleicht – wenn ich jetzt darüber nachdenke – eine Reminiszenz an meine mich umgebende brandenburgische Heimat; hatte ganz emphatische und berückende, auch herrlich statische, pulsierende, auch fließende, springende, auch kosmische Musiken herausgesucht und könnte Namen nennen wie Garbarek, Nusrat, Srinivas, Aero, Miles, Byrd, Isham, Moondog; im Ganzen recht Blasinstrumente-gewichtet – vielleicht, weil mich Luft-Instrumente leicht in eine hyperventilierende Ekstase bringen können – auf jeden Fall gelungen.

Und ja, nach den Klanghorizonten … Roedelius, das kann ich sagen, ist einer meiner musikalischen Vaterfiguren, aus denen ich viel Weisheit, Kraft, Demut und Herzlichkeit schöpfe. Es gibt nur wenige, zu denen man wie zu einem Vorbild aufschauen mag, von denen man lernen will, von denen man sich berühren lässt. Auch für mich ist das letzte Stück der neuen Platte „Wahre Liebe“ das interessanteste.

Und noch etwas finde ich bemerkenswert an ihr: Wir hatten uns in letzter Zeit viel mit »Kankyo Ongaku« und dem dazugehörenden Umfeld beschäftigt. Erstaunlicherweise passt Roedelius‘ Album wunderbar hinein in den Reigen jener Environmental Music. Von den Klangfarben her und auch von der Ausstrahlung her.

Interessant war es, Buffy Sainte-Marie wiederzuhören, von der ich eine neue & eine alte im Schrank, doch lang nicht gegriffen habe. Vor allem mit dem Wissen von heute ist es immer wieder spannend, wenn man altem mit gespitzten Ohren begegnet, es wägt und teurer wertet oder auch verwirft.  Hatte mich damals sehr beeindruckt. Bo Hansson kann jedoch gar niemals verworfen werden, oder? Gerade vielleicht, weil ich nie das Buch dazu las oder je eine Verfilmung sah, ist diese Musik für mich imaginativ und voller Abenteuer.

 

(PS mittendrin: Ich bemerke gerade mit Wohlgefallen in meiner verwendeten Lieblingsschrift »Vollkorn« die hübsche Ligatur »fi«. Diese Schrift von Friedrich Althausen gefällt mir einerseits wegen des schönen Aussehens, auch der kyrillischen Variante, dann – und vielleicht ist das der springende Punkt – des dahintersteckenden Wortwitzes wegen: Er hat seine Schrift als „Brotschrift“ konzipiert – als Buchdrucker weiß ich, was das meint – und hat sie allen Ernstes »Vollkorn« genannt. Welch ein Spaß!)

 

Und ja: MUSICA ESPORADICA ist sehr interessant. Die frame drum ist schön markant. Ein guter groove. Den Sound von Saiz erkenne ich sofort wieder, denn von den Roach/Saiz/Reyes-Sachen ist mir das bestens bekannt. Gefällt mir hier einen Zacken besser, weil noch akustischer. Das Wort „minimal“ übt seit ich es kenne einen ganz eigentümlichen und Körper wie Geist in Schwingung versetzenden Zauber auf mich aus. Mein Tag heute begann witzigerweise mit „In C“ von Riley, und für morgen werde ich endlich Reichs »Music for 18 Musicians« herausholen. Ich denke schon ein paar Tage darüber nach. Das heißt also, es lag „in der Luft“. Solche Erlebnisse hab ich öfter. Trotz Corona hat man nicht genug Zeit, nie wird man sie haben, alles Schöne und Interessante zu hören, zu sehen, zu lesen!

 

(verfasst von Olaf P. alias Olaf Ost)

 

… Mats Hummels über die Zeit nach der Krise: „In Dortmund gehe ich immer ins gleiche Café. Da gehe ich dann sofort hin. Ich glaube, ich gehe bei Wiedereröffnung rein, frühstücke, bleibe über Mittag da, Nachmittags Kaffee und Kuchen, und ich gehe erst wieder, wenn die mich rauswerfen – keine Sekunde früher.“

 

Lieber Michael!

 

Ich habe nun endlich Zeit gefunden, meine Aufzeichnungen durchzugehen, aus den Tagen der Selbsterfahrungsgruppe im Weserbergland. In Erinnerungen bin ich oft dorthin zurück gekehrt, aber nur in der Art, dass ich Musik auflegte, die wir damals gespielt haben. Die Beziehung mit Heike war schon auf dem absteigenden Ast, aber es gab noch schöne Momente, und dieser letzte gemeinsame Urlaub hatte einiges davon zu bieten. Gutes altes Hippie-Feeling. (Heike ist gerade mitten in einem neuen Honeymoon, und ich fahre auf Hatha-Yoga ab, so ändern sich die Zeiten.) Ist ja noch gar nicht sooo lange her. Die Gelage mit Wein und Haschisch, nachts, während aus den Bäumen „Sowiesoso“ von Cluster lief. Deine Lagerfeuergeschichten haben mich genauso wegdriften lassen. Einmal spieltest du dazu eine der ersten Selbstportrait-Alben von Roedelius und erzähltest davon, wie diese vollkommen unperfekte Musik mit all ihren Einfachheiten oft tieferen Zauber entfachen kann als etwas irrsinnig Virtuoses. Du erzähltest, wie Musiker wie Eno oder Roedelius gerne beschädigte Kassettenrekorder, Tonbandgeräte, Instrumente benutzten.

Ich habe einiges mitgeschnitten, und das lief gestern Nacht in meiner Dachstube in Osnabrück. Gesichter wurden lebendig, als ich die Stimmen hörte, die Nachtgeräusche, und im Hintergrund diese „Selbstportraits“ des alten Österreichers. Karins Stimme ist einmal zu hören, und sie schwärmt da von der berühmten Platte mit dem Buckelwalen. Karin und Bernd, eines dieser scheinbar ewigen Paare, die über die Jahrzehnte beieinander geblieben sind. Ich stellte sie mir als Girl vor, und wie ich damals aussah, und ich  hätte gerne ein Zelt mit ihr geteilt und ihren Körper erkundet. Das mit der Lust hört nie auf, oder? Aber Karin sprang ihr Heterosein aus jedem Knopfloch, also steckte ich ihr zum Abschied nicht mal meine Mobilnummer zu. Vielleicht liest sie ja euren Blog. Egal, ich spinne nur etwas. Soll ich dir drei Stunden Klänge und Stimmen senden? Wie ist das neue Album von Roedelius? Was ist gerade deine Lieblingssscheibe? Hey, und das war ein ganz tolles „Seminar“! Pass gut auf dich auf, und vielleicht kommst du ja mal in Osnabrück vorbei? Seit diesem Virusirrsinn kommen mir schon Dinge, die nur Wochen, Monate zurück liegen, wie ein vergangenes Leben vor.

 

Herzlich, Gabi!

2020 14 Apr

Produced by Eno

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The first-ever reissue of the classic 1981 debut album from this much revered Ghanaian band. Vibrantly produced by British sound explorer Brian Eno in Accra, Ghana.

Highlife meets afro-funk. Spirited and horn driven.

In 1981, London based E.G. Records released the debut album from a young Ghanaian group called Edikanfo. The eight-piece band was the last group to be managed by Faisal Helwani, a charismatic impresario who was based at the popular Napoleon Club in Osu, a suburb in Ghana’s teeming capital Accra. Edikanfo quickly rose to international notoriety following the release of “The Pace Setters” because of the infectious, forward-looking highlife meets afro-funk synthesis the band committed to tape. But the album also caught an additional wind of publicity due to its producer, the already legendary British musician and sound conceptualist Brian Eno. During that time, Eno was researching and openly propagating West African musics. He often mentioned his love of Fela Kuti and called his own rhythm driven experiments the search for a “vision of a psychedelic Africa.” He had recently been collaborating with The Talking Heads on their Avant-funk masterpiece “Remain in Light” and with The Talking Heads front man David Byrne on “My Life in the Bush of Ghosts,” an album which foretold the sort of cross-pollination and global music interconnectivity that today we take for granted. Eno and Edikanfo’s work together at Studio One in Accra (Ghana) was yet another inspired morphing of soundworlds and processes and a significant touchstone for both artists.

But just when the sky seemed the limit for Edikanfo, the coup d’état in Ghana on the last day of 1981, tragically put the brakes on the band’s quickly developing fortunes. For years after that, the country endured enforced curfews at night, which of course ultimately gutted the live music scene in Accra and elsewhere. Because of this and other financial setbacks, the band ceased activity and its members spread out in exile, all over the world. It clearly seemed as though the story of Edikanfo, one of Ghana’s greatest bands of that era, had come to a premature end.

Now, almost four decades later, Edikanfo has returned. And with its surviving members gearing up to reissue and tour their classic 1981 album, “The Pace Setters,” the band is once again excitedly pointed towards the future.

(this is only posted for two days)

 

v i d e o

 

 

v i d e o

 

2020 1 Apr

„Murder Most Foul“

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In Dylans Erzählung werden kleinste Details beleuchtet. Er setzt uns in diese Limousine, bevor die Schüsse fielen, während des Attentats, und auf der sechs Meilen langen Fahrt zum Parkland-Krankenhaus. Vizepräsident Lyndon Johnson  wird am Nachmittag um 14.38 Uhr als Präsident vereidigt. Es ist damals wie heute erschütternd, wenn die Verse erklingen: „Ich sagte, die Seele einer Nation wurde weggerissen / Und sie beginnt langsam zu zerfallen / Und dass es 36 Stunden nach dem Jüngsten Tag ist.“

Es sei an dieser Stelle daran erinnert, was gestern in der Zeitung zu lesen war, dass der jetzige amerikanische Präsident, der es schafft, in seiner erbärmlichen Regentschaft eine demokratische Struktur nach der anderen zu schwächen und zu vernichten, die besten Umfragewerte seit langem hat: ein bekannter Reflex grassierender Dummheit, sich in Krisenzeiten hinter der Projektion einer „starken Figur“ zu versammeln.

Was für eine Tragödie, dass er im November aller Wahrscheinlichkeit nach auf weitere vier Jahre im Amt bestätigt werden wird. Gut, dass es immer noch die Unbequemen gibt: Bob Dylans Song „Murder Most Foul“ bestätigt einmal mehr seine Kunst, völlig aus der Zeit zu fallen, und genau dort anzukommen, wo alles Lebende und Sterbende zusammenkommt, „in the here and now“.

 

+Steve Eliovson  acoustic guitar
Collin Walcott  percussion

Recorded January 1981 at Tonstudio Bauer, Ludwigsburg
Engineer: Martin Wieland
Produced by Manfred Eicher

 

 

„I just got back from Cape Town, S Africa … I spent a week and a 1/2 making a nuisance of myself at various gigs/jams. I got to sit in with Bensonphile, Richard Caesar, Wes-o-phile, Alvin Dyers and other sundry bands/guys. So on saturday I was invited to a party at great pianist Robert Payne’s pad. There were a few people there, and one guy was introduced as „Steve“. About 1/2 way thru the nite I heard „Steve“ mention recording in Germany. I tentatively asked him for his last name, and his response FLOORED me: Eliovson. This was the legendary Steve Eliovson who recorded on ECM in ’80 and promptly vanished. He is a legend amongst SA gtr players, and here he was in front of me alive and well !!!!! He told me lots of stories of hanging with Towner and Abercrombie et al, and how the exigencies of survival forced him to abandon his gtrs in NY storage NEVER to return to music – sad freaking story … Anyway I pulled out my gtr and he played a bit. Rusty, but with glimpses of a Mclaughlin style … He told me he was in Europe to record his 2nd ECM date and the weekend before recording commenced he broke a leg ski-ing in the Alps. It all began to fall apart for him after that. They postponed the rec. date, and Steve went back to NYC where he was living at the time. He said he couldn’t really play gigs or get around with a cast up to his hip in NY and he was living on someone’s couch. He decided to store his belongings and head back to SA to regroup. He never got back … and it seems he lost momentum … I could sense the sad regret/loss behind his eyes … He mentioned hanging with Richie Bierach in those days, and that Richie was living in a literal „shoebox“: one room with barely space to move. He also recalled jams with Towner and Abercrombie where they all got so stoned that guys were literally falling over while playing … His sad story reconfirmed to me that if you can simply find a way to keep playing music in your life (never mind being a „star“ or „famous“) you can count yourself lucky …“

(Tom Marcello)


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