on life, music etc beyond mainstream
2020 16 Feb.
Jochen Siemer | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Israel Lights | Comments off
Shai Maestro – piano
Jorge Roeder – double bass
Ziv Ravitz – drums
(Shai Maestro Trio / live on screen / Bimhuis Amsterdam)
2020 12 Feb.
Jochen Siemer | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Israel Lights, Ziv Ravitz | 33 Comments
Schlagzeuger waren mir immer sehr wichtig. Schon damals in the early days of Rock´n Roll und folgend dann im Jazzrock war das so: Ginger Baker, Alphonse Mouzon, Billy Cobham, Harvey Mason. Eine Zeit lang hörte unsereins dann geradezu exzessiv das Peter Erskine Trio, mit Palle Daniellson am Bass und John (nicht James!) Taylor am Piano. Jack DeJohnette spielte eine grosse Rolle! Als Kind baute man sich gerne Schlagwerk auf aus Mutters leeren Waschmittel-Papptrommeln, garniert vom Küchenhocker als imaginierter Snare Drum (später dann im Spielmannszug die echte) und der Leselampe als Becken. Auf Drummer in den Jugendbands war man ebenso stolz wie auf den Fender-Bassmann an den Saiten, während man selbst dazu die Klampfe spielte, so gut es eben ging. Zurück zu rauherer Natur, genannt auch „Gegenwart“, die in ihren besten Momenten gute Konzerterlebnisse bereithält. Beim ersten Schlag gleich auf das Hi-Hat: „Hey, what´s that!“ Im Fortgang dann dieses quirlige Weather-Report-Gefühl, ein flirrender Rhythmusteppich spannt sich aus, als wenn Insektenschwärme in der Sahara sirren. Nicht nur das Ohr, auch der Verstand ist im Nu gespitzt vor Neugier. Und wiedermal taucht diese Frage auf: „Warum nur klingen manche Gruppen live um Vieles besser als auf Platte?“ Klar doch, hier geht es nicht um behutsam in Vinyl gepresste Ewigkeit, sondern um das gegenwärtige Momentum mit dem Publikum, mit Ort und Zeit. Once again the venue was the Elphi – der Anlass war ein edler: die Jubiläumstage des Labels ECM fanden statt, betitelt mit „Reflektor Manfred Eicher“. Den Abschlussakt der Programmtage bestritt das Quartett des Trompeters Avishai Cohen, mit Barak Mori am Bass, Yonathan Avishai am Flügel und eben Ziv Ravitz am Schlagzeug. Zuvor spielte im Set ein Brasilianer, solo an der zehnsaitigen Gitarre und am Piano, jeweils eine halbe Stunde, souverän und virtuos: muito obrigado, o senhor Gismonti! Die Tage darauf aber youtubte unsereins wie wild „Ziv Ravitz“, als sei dies eine Pistenabfahrt mit dem Rodelbob. Man stiess dabei auch auf Shai Maestro und so vieles mehr, die Büchse der Pandora war mal wieder offen wie ein Tamborin. Warum um alles in der Welt erreicht einen Musik denn umso intensiver, je leibhaftiger man sie erlebt? Wir ahnen es und ziehen dem Radetzky-Marsch den Ravitz-Groove bei Weitem vor.
2020 5 Feb.
Jochen Siemer | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: James Taylor | 3 Comments
Suddenly a door jumps open and in comes a topic-related interest. A well known acquaintance by the name of James Taylor pays another visit in my mind. The mature October Road was a fresh surprise and like the soundtrack of some love affair. We luckily had kind of a letterman that days, Schmidt was his name and in his TV show one late night his sideman Helmut Zerlett brought the conversation to your album. He called it brilliant, with a featured drummer legend named Steve Gadd. These days again I am trying to figure out some songs of yours on my guitar, like we did often in that folky days of the last century´s Seventies. Your voice is a gem and the fingerpicking style is unique, combining folk, jazz, country and the good old rock´n roll. Looking forward listening to American Standard in a couple of days.
2020 26 Jan.
Jochen Siemer | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Kommunikation | 6 Comments
„Wenn man mit Leuten redet, die einen nicht wirklich verstehen, fühlt man immer das man has made a fool of oneself, wenigstens ich. Und das geschieht mir hier immer wieder.“
(LW, Public and Private Occasions)
„Die Schwierigkeit ist mit einem Menschen freundlich zu sprechen ohne Punkte zu berühren in denen man sich nicht verstehen kann.“
(LW, dito)
2020 22 Jan.
Jochen Siemer | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: TV Serien | 3 Comments
Eine kleine, spontane Betrachtung von Fernsehserien unter dem Aspekt des Humors scheint lohnenswert, auch wenn sie vorerst lückenhaft bleiben muss. Es ist aber gar nicht so einfach: zählen beispielsweise auch die feinen Nuancen des Schwarzhumors dazu? Dann nämlich käme es zu einer Vielzahl und diese Rubrik wäre prall gefüllt. Fangen wir also an mit dem Subtilen und nehmen hierbei die Gelegenheit zur vergnüglichen Rückschau wahr. Es war gewiss nicht Friedemann Schulz von Thun, auch niemand aus dem Hause Thurn und Taxis, vielmehr der lobenswerte, höchst erfolgreiche, tiefsinnige und prägnante Ferdinand von Schirach, der unsereins mit seinem Statement, das wirkliche Leben zeige sich ja immer erst in der Rückschau, ein zutiefst zustimmendes „Genau!“ entlockte. Wo also waren wir gewesen, als wir wiedermal nicht Musik hörten, noch Bücher lasen, sondern Serien schauten? Es beginnt mit Fargo – die Staffel Eins für mich besonders gelungen. Hierzulande nicht im Streaming, trotzdem gut war Justified. Erstklassig auch Breaking Bad, ebenso die daraus entwickelte Weiterführung bzw Parallelgeschichte Better Call Saul. Gut sind auch Sneaky Pete, Dr House und Glow. Aus England kommt viel Witz: Detectorists, Fleabag, The End of the f***ing World. Und dann dieser Mann, dessen Frau starb und der seinen Hund über alles liebt, gespielt in der Serie After Life von einem Schauspieler, der auf die Frage, woran er denn glaube, wenn nicht an Gott, nach kurzem Zögern konterte: „An Hunde!“ In jüngster Zeit war dann auch The Marvelous Mrs. Maisel von verblüffender Qualität und zählt zu den Serien, die staffelweise immer besser werden, on top was number three. Aber was ich momentan schaue, das ist die Krone des Vergnügens, zu genial. Lauthals wird gelacht, nicht nur vornehm geschmunzelt. Bis die allerletzte Episode daheim verköstigt wurde, bleibt das aber geheim. Denn über alle Staffeln, die wir noch nicht zu Ende geschaut haben, müssen wir schweigen. Das wusste ja schon Wittgenstein. Oder war es von Thurn und Taxis?
2020 14 Jan.
Jochen Siemer | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: David Torn, Todd Neufeld | Comments off
2020 14 Jan.
Jochen Siemer | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Todd Neufeld, Tyshawn Sorey | 1 Comment
Manchmal taucht ganz unvermittelt eine Neugier oder ein Interesse auf und schon ist man drin in einem selbstgestrickten Film („XYZ ungelöst“). Es muss so zwischen Nikolaus und Weihnachten gewesen sein, das Tablet war zur Hand, die Körperhaltung war entspannt und wie ein Trojanisches Pferd stand die entscheidende Frage im Raum: „Gibt es eigentlich Alben von Tyshan Sorey?“ Sorry, what, mag sich jetzt der Leser fragen, zumal jener, der sich in der politischen Parteienlandschaft besser auskennt als in der Jazz- und Avantgardeszene New Yorks. Und so kommt der Schreiber dieser Zeilen um eine Statement nicht herum: der gesuchte Interpret ist ein Schlagzeuger von imponierender Gestalt, recht jung noch, spielt ebenfalls Posaune und Klavier. Man sah ihn einst in Hamburg live und fand ihn gut. Das Ergebnis einer durch einen Streamingdienst des Vertrauens gestützten Internetrecherche führte flugs zu einem Album namens Koan, dass mit Zen erstmal recht wenig zu tun hat. Dort musiziert im Trio neben Sorey am Schlagzeug und Thomas Morgan am Bass auch Todd Neufeld an der Gitarre. Dieser Gitarrist war auf meiner Karte bislang nicht verzeichnet gewesen und ist insofern eine Überraschung auf dem Gebiet massgeblicher, hörenswerter und richtungsweisender Gitarrenmusik. Genau der Klang, der mir seit langem auch vorschwebt beim Spielen. Jedem, der irgendein Instrument spielt, steht es frei, einen Vertrag zu kündigen, der so auch nie abgeschlossen wurde, nämlich Dienstleister zu sein im Feld akustischer DIN-Normen, als Sklave des Rhythmus, mit dem jeder mit muss, und als hart ackernder Mojo im begrenzten Feld strikt vorgegebener Funktionsharmonik, wie man sie aus simplen Schlagern kennt, aber auch den höherwertigen Jazz Standards oder dem reizvollen Bossa Nova. Wer hier die Flucht ergreift, tut gut daran, lässt Altes hinter sich, und entdeckt Neuland. Oder eben Todd Neufeld. Vorbilder hinsichtlich gelungener Ausbruchsversuche gab es ja schon immer. Sein Spiel kann man als eine verblüffende Mixtur verschiedener Einflüsse hören, in Wahlverwandschaft zu David Torn etwa, Mary Halvorson, Derek Bailey, Marc Ducret, vor allem auch John Abercrombie. Als Gitarrist für mich die Entdeckung des Jahres Zwei-Null-Neunzehn, und bis auf Weiteres, was das eigene Musizieren angeht, die Referenz. Vorhang auf und alle Klänge offen, zu hören ist „Embed“.
Gedankenmüll im Kopf, Professor ratlos. Das Rettende: subtile, spontan auftauchende „Sprünge“ (shifts), aus deren Kraftimpuls heraus man plötzlich den Antrieb gewinnt, etwas zu schreiben und den Kernpunkt beim Schopfe packt, so als wolle man einen Schmetterling fangen. Diese Impulse sind unverfügbar, man muss sie einladen, ihnen ein ansprechendes Ambiente bereiten. Sind sie dann da, verschwindet alles andere, das Zeitgefühl verändert sich und drei, vier Stunden können sich dann in der Wahrnehmung leicht zu zwanzig Minuten komprimieren (einzig fatal ist, dass in solchen Momenten in der Küche gerne mal was anbrennt). Über eine lange Distanz hin entsteht so eine Sammlung eigener Texte, die auch im Rückblick noch Wert haben: das Glück des Schreibens, die Frucht der Arbeit, auch autobiografisch gesetzte Ankerpunkte. Beim Aufräumen der Wohnung fand sich in einem Packen angesammelter Journale, Schriftstücke und Zettelkrams auch ein älteres Blatt mit einer handgeschriebenen Notiz (zuweilen schrieb ich ja kleine, mir bedeutsame Textpassagen aus irgendwelchen Büchern ab). Schon im Begriff, diese dem Altpapier zukommen zu lassen, machte ich mir doch die Mühe, diese Kritzelschrift – etwas ungeduldig, da unter Zeitdruck – zu entziffern. „Das ist ja genial, was da geschrieben steht. Es entspricht genau meinen Vorstellungen und meiner Gefühlslage. Von wem war denn das bloß noch?“ Es sickerte dann durch: das hatte ich mal selbst geschrieben. „Sieh an, das hätte ich jetzt nicht gedacht!“ Welch ein Unterschied zu den oft hilflos herumstochernden, im Nachhinein peinlichen Selbstbezogenheiten und Egodramen in Tagebuchaufzeichnungen aus Jugendtagen, die einem beim Aufräumen auch jederzeit entgegenspringen könnten.
2020 2 Jan.
Jochen Siemer | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Songdiving | Comments off
Some years ago a Golden Retriever crashed into my bike. Unfortunately we both were on a high level fitness mode which means: wild things run fast. Luckily the dog was undamaged, did a quick shake to heal his trauma and then went on. Meanwhile the cyclist – which unfortunately was me – jumped over the handlebars like a dolphin but instead of warm water harsh gravel gave a not so warm welcome. Days later the surgeon said: „Instead of an irreparable discus lesion now on your left hand a clean fracture would have been less complicated!“. The following course of rehab exercises to heal that hand, doing a self-invented physiotherapeutic training on the fingerboard of my guitar, had an inpact on the generally way of playing it, led to more melodic playing and trying to imitate and enscrypt the songs I love. In the earlier days I thought that many songs were impossible to play: like bitches brew, obscure magic, intransparent structures. Well, the good news is: nearly everything that someone plays (exept the songs of Pat Metheny, haha) or sings or whatelse, can be copied and anticipated. This process can be very thrilling, like acoustic crossword puzzles, means: analysis by ear and then transcription to guitar. How exactly works that bassline? Can it be transformed into fingerpicking style? And so on. I hope to find the time (and discipline) to offer some of my crossword solutions more detailed in the next future. For now I may present a list of artists that performed or created the songs I am hunting for like a hot dog, jumping frog in Albuquerque: Prefab Sprout, Bon Iver, Joni Mitchell, Steely Dan, Peter Gabriel, John Martyn, Tori Amos, Alanis Morisette, Aldous Harding, Greg Allman, Joanna Newsom, Paul Brady, Kurt Vile, Tracy Chapman, Genesis, Sting, Eric Clapton, Djavan, Natalie Merchant, Walter Becker, Prince, David Sylvian and Yelawolf. Just to name some very few.