Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archives: Januar 2022

2022 2 Jan.

„Erwarte das Unheimliche!“

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The man behind The Mountain Goats is a rising star in the literary fiction world, and with very good reason. Darnielle’s marvelously unsettling Wolf in White Van (about a reclusive and severely disfigured video game designer) and Universal Harvester (about a 90s Iowa video store clerk who discovers that someone has been modifying the VHS tapes …) were both critically acclaimed and nominated for major awards.

His new novel, the deliciously titled Devil House, is the story of a once-successful true-crime writer who moves into a California house where a pair of murders took place during the “Satanic Panic” of the 1980s.

Expect the Unheimlich. The book will be released at the end of January, 416 pages. Let me know if anyone wants to start a parallel reading adventure. Starting in February. 

 

 

1. Brian Eno: Another Green World
2. Keith Jarrett: The Köln Concert
3. Neil Young: Tonight‘s The Night
4. Joni Mitchell: The Hissing of Summer Lawns
5. Ralph Towner: Solstice

2022 1 Jan.

Solo for Benedicte Maurseth

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A few years ago, musician, writer and philosopher David Rothenberg invited me to join him in several musical projects involving the sounds of unique birds from around the world. While I stayed in Berlin we also gave some live outdoor concerts, playing with nightingales in various parks late in the evening in the city. Playing with these incredible birds changed how I listened to animals in nature.

During the same period Hardanger Musikkfest, an annual festival arranged in my home region of Hardanger, commissioned new music from me for their 2019 festival. The festival theme that year was “vandring”, a word with many different meanings such as walking, hiking or strolling. I had grown up at Maurset, in the mountains of Eidfjord municipality, close to the edge of the Hardangervidda National Park, and had gone hiking in this region throughout my life. So the festival theme felt close to my heart.

I have also felt involved with and connected to ecosophy (økosofi), founded by the Norwegian philosopher Arne Næss (1912-2009). This is based on the view that humans are part of an ecological system that is interdependent with nature, and that all of life and all of nature’s rich diversity have equal value. I wanted to include this perspective in the commissioned work “Hárr” as a way of focusing on its role as a creative inspiration, and to refer to the philosophy by using musique concrète from animals and human beings living, harvesting or simply enjoying the mountains’ gifts and abundance throughout the centuries. All this was combined with musical themes and fiddle tunes composed on the Hardanger fiddle, and later arranged and improvised together with the other musicians involved in the commissioned work.

In many ways creating music and hiking are the same thing, at least to me – they evoke an awareness of beauty, deep listening and presence when our spirit is open. You can experience them alone or share them with others, in silence or in conversation. Both require time, effort, patience and repetitive continuity. Both are also a reminder of something else, something larger than the individual self, that makes one feel forever humble as a human being.

 

(Hárr will be released on February 25) 

2022 1 Jan.

Oren‘s „Live Hubris“

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Wire-writer Noel Gardner even detects „e2-e4“ hypnosis here, Manuel Göttsching-style. Famous album, that one, I never liked it too much, to my own surprise. But I like this one. 2016 erschien „Hubris“, eine spannende Platte von Oren Ambarchi auf Editions Mego, und gefragt, was es damit auf sich habe, sagte er: „Guitars, guitars, guitars, and voice.“ Das war formidable Musik, und Monate, bevor der Scheiss mit Corona losging, gastierte Oren mit einer weitaus grösseren Formation, der das Sprengen von Stilistiken schon an der Besetzungsliste abzulesen war (schauen Sie mal, auf dem Cover!), im Londoner Café Oto, und fabrizierte „Live Hubris“. Das Vinyl erschien so kurz vor Weihnachten in so wenigen auserwählten Plattenläden, dass 99,9 % der Leser dieses Blogs erst jetzt davon erfahren dürften. Nun, drei Teile hat das Opus, und nicht nur ist das Vinyl vortrefflich gepresst, die Aufnahme transparent und herrlich dynamisch – auch können Sie hier eine Zeitreise ins Jahr 2019 antreten, nach London: wer hätte gedacht, dass die gute alte Zeit einmal nur so kurz hinter uns liegen würde?! Welcome! Even the ghosts of Can alive and kicking. Amongst Mars Gustafsson rocking his horn and so much else. (And in all those 31 years past, I would have noted: to be presented at Klanghorizonte.)

 

2022 1 Jan.

Umherlaufend

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Diskurse umschwirren mich wie Motten das Licht. Einer ist der von der „künstlichen Intelligenz“. Hier sollte man die Musik betrachtend einbeziehen. Wenn mir ein Song gefällt, dann höre ich ihn wohl weit über Hundertmal, er bietet mir dann Zuflucht sozusagen. Ich renne also nicht von etwas weg, sondern horche in etwas hinein, versuche jede Nuance nachzuahmen. Auf einer Bank vor der faszinierenden Silhouette des Ihmezentrums mal wieder sinnierend sitzend, dabei die scheinbar sinnlos umherlaufenden Tauben betrachtend, kommt also folgender grossartige Geistesblitz: der Gesang von Taylor Swift und Ed Sheeran in dem Song „Run“ wäre, abgesehen von der mathematisch leicht feststellbaren Akkordfolge, nicht annähernd von einem noch so weit entwickelten Computer zu kopieren, weil ihm Emotionen innewohnen, die ich als warmhearted american Country Coolness umgehend ins Guinessbuch der Rekorde eintragen liesse. Auch rhythmische Feinheiten: mit Null und Eins nicht darstellbar. Künstliche Intelligenz ist Lichtjahre entfernt von jedem subtilem Empfinden. Ein weiterer Diskurs ist das Motiv des „Weniger ist Mehr“, das heute höher denn je am Zenit des Bedeutungshorizonts erscheint, in Zeiten des Klimawandels. Bevor ich aber irgendeinen schlaumeierischen Verriss zu Harald Welzers neuem Buch Nachruf auf mich Selbst lese, werde ich es zunächst einmal selbst lesen. Der Autor kommt aus Hannover, kennt sicherlich das Ihme-Zentrum, und ich hatte, wenn ich ihn im Fernsehen sah, stets das Gefühl: den kennst du doch! Eines vorweg: wie Ciorans guter Freund einst kein Nirvana ohne Kaffee wünschte, käme für mich kein „Weniger ist Mehr“ infrage ohne die generelle Ambivalenz des Konsums als auch unser grundlegendes Verlangen nach Kontinuität mit in Betracht zu ziehen. Fatal ist doch: die meisten Dinge, die wir angesammelt haben, überleben uns. Mir kommt zunehmend mehr abhanden. Im Bloch-Jargon gesprochen: ist, was wir haben, überhaupt noch in unserem Besítz?

 

An einem Tangotanzkurs teilzunehmen, kam für mich nie in Frage. Genausowenig wie eine Oper von Verdi oder U2 oder Sting oder einen Luther-Chor live zu erleben. Oder ein Bewunderer von Osho zu werden. Aber ein paar dezente Spuren haben Gardel und Co. bei mir hinterlassen, und eines Tages konnte ich den Meister des Nuevo Tango treffen, in Köln. Ein kleines Interview. Ein paar Jährchen her. Ich liebte den Soundtrack von Gato Barbieri zum „Last Tango In Paris“ viel mehr als den Film selbst, erinnere mich, wie ich  auf einem alten Plattenspieler die Platte mit Astor Piazzolla und Gerry Mulligan wieder und wieder hörte, aber soweit kam es nicht, dass ich mal nach Buenos Aires fliegen und jene verruchten Quartiere und Rotlichtbezirke aufsuchen wollte, in denen der Tango (mit Carlos Gardel) seine Triumphe feierte.

Piazzolla hatte allerdings gedacht, ich wolle mit ihm von der Rezeption aus telefonieren und mir dabei Notizen machen; schliesslich empfing er mich in einem perfekt geschneiderten Schlafanzug auf seinem Zimmer. Mir fielen plötzlich nur Standardfragen ein; der Mann war nicht gut gelaunt, und das übertrug sich auf mich. Wenn man nur in dem, was man weiss oder halb weiß, stochert, ist das ermüdend. Der Schlafanzug war skurril. 

Dann holte ich meinen Trumpf aus dem Ärmel, erzählte ihm, wie sehr ich den Schriftsteller Julio Cortazar lieben würde, und der hätte ja auch so einiges über ihn, Astor, geschrieben. Und da erzählte er mir dies: – Ja, Julio und ich, wir gingen mit unsern Frauen einmal in eine Kneipe im Quartier Latin. Plötzlich kam ein Mann und sagte, ich sei doch der Tango-Mann. Der Tango sei ganz fürchterliche Musik, und wieso ich so einen kindischen Mist machen würde. Ich stürzte mich auf den Idioten, der mich da so anpöbelte und wollte ihn ins Gesicht schlagen. Julio warf sich dazwischen und sorgte dafür, dass nichts passierte. Wir verliessen das Etablissement, und sassen dann später woanders, und ich lauschte wieder den Geschichten von Julio Cortazar. Ja, er war ein Großer. Wussten Sie, fragte er mich, dass er Boxen liebte. Ja, sagte, ich, boxen – und alten Jazz.

Und ich erzählte ihm, wie ich den Roman RAYUELA – Himmel und Hölle – verschlungen hätte, dabei immer einige der alten Platten, die im Roman vorkamen, aufgelegt hätte (bei Naura in der NDR-Jazzedaktion durfte ich mich mit lauter Schätzen eindecken), und wieviel Mate-Tee ich getrunken hätte in den Wochen der Lektüre, so nah waren mir die verrückten Mate-Tee-schlürfenden Glückssucher des Schlangenclubs, zum großen Teil Exilanten.

Später, als Cortazar Lungenkrebs hatte, ging er mit seiner Liebe, die auch Lungenkrebs hatte (ich glaube sie hiess Carol Dunlop) auf eine Reise über französische Autobahnen. Sie notierten, was sie auf den Rastplätzen und in den runtergekommenen Hotels erlebten, und machten daraus ein tolles Buch.

 

2017

  1. Father John Misty: Pure Comedy
  2. The Mountain Goats: Goths
  3. Gas: Narkopop
  4. Ryuichi Sakamoto: async
  5. Darren Hayman: Thankful Villages, Vol. 2

2018

  1. Steve Tibbetts: Life of
  2. Brian Eno: Music for Installations
  3. Marianne Faithfull: Negative Capability
  4. Jon Hopkins: Singularity
  5. Nils Frahm: All Melody

2019

  1. Underworld: Drift Series (Box Set)
  2. Arve Henriksen: The Timeless Nowhere (Vinyl Box)
  3. Joe Lovano: Trio Tapestry
  4. Oren Ambarchi: Simian Angel (see review on Jan 9)
  5. Lankum: The Lifelong Day

2020

  1. Tunng: …presents Dead Club
  2. The Flaming Lips: American Head
  3. Jon Hassell: Seeing Through Sound
  4. Einstürzende Neubauten: Alles in allem
  5. Die Wilde Jagd: Haut

2021

  1. Lambchop: Showtunes
  2. Floating Points w/ Pharoah Sanders: Promises
  3. Jon Hopkins: Music for Psychedelic Therapy
  4. Portico Quartet: Terrain
  5. Nik Bärtsch: Entendre / The Mountain Goats: Dark In Here

2022

  1. Brian Eno: not yet titled
  2. Steve Tibbetts: not yet titled
  3. Father John Misty: Chloe and the next 20th Century
  4. Duane Pitre: Omniscient Voices*
  5. Kreidler: Spells And Daubs

 

*Fans von zeitgenössischen minimalistischen Komponisten wie Kali Malone oder Caterina Barbieri werden Duane Pitre wahrscheinlich schon begegnet sein. Mit seiner 2009 erschienenen Kompilation „The Harmonic Series“ hat er das uralte Stimmmuster der „Just Intonation“, das zuvor mit „Minimalisten“ der 60er/70er Jahre wie La Monte Young und Terry Riley in Verbindung gebracht wurde, für eine neue Generation junger Musiker wiederentdeckt. Seit dem 2012 erschienenen Album „Feel Free“ hat Pitre traditionelle akustische mit moderner elektronischer „Improvisation“ kombiniert, und dieses neue Werk, das von der Verwendung tonaler Cluster durch den New Yorker Komponisten Morton Feldman beeinflusst ist, ist das jüngste Ergebnis. Obwohl es aus fünf Stücken unterschiedlicher Länge besteht, die eine größere harmonische Vielfalt bieten, bleibt es ein komplettes Werk, ein glückselig pulsierendes Gespräch zwischen dem Organischen und dem Elektronischen, das gleichzeitig amorph und doch klar ist. Es ist schwer zu sagen, wo man sich in der Platte befindet, außer dass man sich warm und sicher fühlt und dass man sie, wenn sie zu Ende ist, noch einmal spielen muss. Jedenfalls wird es einigen Manafonisten so ergehen.


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