Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

You are currently browsing the blog archives for the month Februar 2019.

Archives: Februar 2019

2019 12 Feb.

Shtisel

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags:  | 1 Comment

 

Zugegeben, es dauert zwei bis drei Folgen, bis man drin ist in dieser für mich völlig fremden Welt orthodoxen Judentums. Diese Geduld muss man aufbringen.

Aber nach spätestens der dritten Folge, wenn man halbwegs begriffen hat, wer wer ist, dann ist man drin in der Geschichte. Und dann entspinnt sich die schönste Serie, die ich seit vielen Jahren gesehen habe.

Unbedingte Empfehlung.

 

2019 11 Feb.

Hafen im Nebel – un film gris von 1938

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off

Das rote Pferd

 

In der Manege des Truges

kreist

das rote Pferd deines Lächelns

aufgepflanzt steh ich da

mit der traurigen Peitsche der Wirklichkeit

und ich weiß nichts zu sagen

dein Lächeln ist ebenso wahr

wie meine ganze Weisheit.

 
 

Ist es draussen grau, geht man am besten in einen Film, der noch grauer ist. Ein Vorläufer des Film Noir war Marcel Carné, dessen poetischen Film Hafen im Nebel ich gestern in der Blackbox sah. Dass Jean Gabin auch sinnlich spielen konnte, beweist er in der Rolle des Deserteurs Jean, der nach Le Havre will, um dort das Schiff nach Venezuela zu nehmen.

Ich wußte nicht, dass Jacques Prévert (1900-1977) auch Filmskripte verfasste, ich kannte ihn lediglich als Lyriker und Chansons-Dichter. In Le Quai Des Brumes gibt es wunderbare lyrische Dialogmomente in melancholischer Atmosphäre. Der Liebesplot mit Jean und dem atlantikklaren Gesicht der Michèle Morgan ist kurzliebig und endet in mutiger Verzweiflung. Wie in den Filmen von Jean Renoir wird das prekäre Leben der Ärmsten poetisch-realistisch mit raffinierter Kameraführung gezeigt. Wer Gelegenheit hat, diesen Film zu sehen, wird ihn wie ein bewegendes Gedicht „lesen“.

 
 

Doch das Leben trennt

die Liebenden

ganz sanft

ganz ohne Lärm und Streit

dann kommt das Meer und tilgt im Sand

die Spur des Paars das sich entzweit.

 
 

Jetzt ist es wieder hell, ich schiebe die CD Les feuilles mortes rein und zwar die mit der Stimme von Juliette Gréco.

 

 
 

 

Der Tag, an dem Nina Simone beinahe meine Jukebox schrottete und der verbotene Joyce endlich geliefert wurde

 

Am Morgen holte ich meine alte Schreibmaschine aus dem Keller, spannte einen Bogen Original-Jukebox-Titelschilder ein, tippte oben MY BABY JUST CARES FOR ME ein, in der Mitte NINA SIMONE und unten LOVE ME OR LEAVE ME und überlegte, welche Platte der neuen Simone-Single weichen müsste. Während ich noch nachdachte, erinnerte ich mich an den Herbstflohmarkt, auf dem ich diese Nina-Simone-Single erworben hatte; die Platte sah gut aus, kaum Kratzer, vor allem, wann bekommt man schon mal eine Single von Nina Simone? Fünf Euro wollte der Händler, für 3,50 Euro steckte ich sie ein. Nun also, welche Platte sollte weichen, ich entschied mich für die Animals “The House Of A Rising Sun“, die Scheibe musste ohnehin etwas geschont werden. Nun nahm ich das Titelschildchen der Animals-Scheibe heraus und ersetzte es durch das, welches auf die Nina-Simone-Single hinwies.

Nun hätte ich nur noch die entsprechende Schallplatte austauschen, Geld einwerfen und die Nummer 158 drücken müssen, dann würde MY BABY JUST CARES FOR ME erklingen, doch, was geschah? Ein schreckliches Krachen, Quietschen, Aufheulen war zu vernehmen, ein Blick in das Boxeninnere ließ mich erschaudern: das Laufwerk, auch Schlitten genannt, hatte zwar die richtige Single angesteuert und auch aus dem Plattenständer herausgeholt, doch war es scheinbar nicht möglich, die Platte aufzulegen. Das Antriebswerk drohte sich aus seiner Verankerung herauszuquälen. Kurzerhand zog ich den Netzstecker. Was war passiert? Ich hatte beim Kauf der Single nur auf Kratzer geachtet, nicht auf die sonstige Beschaffenheit der Platte, die war nämlich offenbar so verbogen (siehe Bild), dass sie beinahe mein Laufwerk (Schlitten) geschrottet hätte. Das Unheil war noch abzuwenden, das Laufwerk konnte ich wieder reparieren. Die Nina-Simone-Single war allerdings nur noch etwas für den Restmüll.

Trost kam am Nachmittag in Form eines Schreibens der Stadtbibliothek Reutlingen. Doch der Reihe nach: Am 2. Februar 1922, James Joyce wurde 40 Jahre alt, sollte sein Meisterwerk erscheinen, Ulysses. Joyce hatte einerseits darum gekämpft, den Roman bis zu seinem Geburtstag fertig gedruckt, in seinen Händen halten zu können, konnte aber andererseits letzte Verbesserungswünsche und Zusätze nicht zurückhalten. Die Drucker machten es aber möglich, zwei Exemplare des Ulysses wurden am Morgen des 2. Februar ausgeliefert, sodass Joyce am Geburtstagsabend im Freundeskreis im italienischen Restaurant Ferrari in Paris feiernd, das Päckchen mit dem Buch öffnen – aber erst nach dem Dessert! (es lag die ganze Zeit unter seinem Stuhl) – und herumreichen konnte.

Eine wunderbare deutsche Übersetzung des Ulysses legte der geniale Übersetzer Hans Wollschläger 1975 vor, allerdings: einen fehlerfreien englischen Urtext des Buches gab es damals noch nicht. Eine kritische, synoptische Edition des Romans erschien erst 1984. Unter der Leitung von Hans Walter Gabler hatte man versucht, ein vertrauenswürdiges Original zu rekonstruieren. Auf Grund dieses Textes versuchte nun Harald Beck mit einem Übersetzerteam, dem auch als Mentor Fritz Senn aus Zürich angehörte, eine Überarbeitung der Wollschläger-Übersetzung. Im März 2007 hatte man noch mit Hans Wollschläger über das Vorhaben gesprochen, dann starb er am 19. Mai plötzlich. An der Revision wollte man allerdings festhalten, rund 5000 Änderungen und Korrekturen wurden vorgenommen, 2017 konnte man dem Suhrkamp-Verlag das Vorhaben als abgeschlossen vermelden.

 

 

 

 

Dann der Rückschlag: Gabriele Gordon, Inhaberin der Rechte an der Übersetzung Hans Wollschlägers, verhinderte das Erscheinen der revidierten Ausgabe, der „Kunstwerk-Charakter“ der Wollschläger-Übersetzung würde so nicht nur beeinträchtigt, sondern zerstört. „Nur Hans Wollschläger selbst hätte seine eigene geniale Übersetzung überarbeiten können. Niemand sonst.“ Von diesem Rechtsstreit las ich im Januar 2018 zum ersten Mal; bis zum Sommer vergangenen Jahres war dann klar, das Buch würde nie erscheinen. Am Ende erlaubte die Rechte-Inhaberin den Druck von 200 Exemplaren, die ausschließlich an Bibliotheken in aller Welt ausgegeben werden dürften, aber eben unverkäuflich seien.

Als Liebhaber dieses Buches war ich natürlich zutiefst unglücklich über die vergeblichen Verhandlungen zwischen Verlag und Rechte-Inhabern, setzte nun aber alles daran, eines dieser 200 Bücher wenigstens ausleihen zu dürfen. Bei einigen Bibliotheken habe ich es versucht, vergeblich, dann schließlich, zwei Tage vor dem Geburtstag von Joyce, am 31.1.19, erhielt ich die Nachricht, dass die Universitätsbibliothek Hannover (ausgerechnet, das musste so kommen) mir für vier Wochen ein Exemplar der revidierten Ausgabe ausleihen würde. Unermessliche Freude!

 

 

 

2019 10 Feb.

Fresh Zappa

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags:  | 2 Comments

„Information is not knowledge.
Knowledge is not wisdom.
Wisdom is not truth.
Truth is not beauty.
Beauty is not love.
Love is not music.
Music is THE BEST.“

Frank Zappa (1940 – 1993)

 

v i d e o

 

Berklee College of Music and Boston Conservatory at Berklee students pay tribute to Frank Zappa performing a medley of „Waka/Jawaka“, „Inca Roads“, „Peaches en Regalia“ and „Zomby Woof“ at the Berklee Performance Center.

 

 

 
 

„There is a real sense of dramatic narration about this performance, which is highly considered, thoroughly idiomatic, and bursting with contained subtlety and enchantment. This feeling of being so close to life, and yet so elusive and unfathomable, is breathtaking. These are haunting melodies embroidered with Eleni Karaindrou’s finest pianistic tracery, a marvel of scintillating pianistic prowess, imagination and finesse.“

Jean-Keith Fagon, Hill Rag

2019 7 Feb.

Sun of Goldfinger

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: , | 4 Comments

 

Teaser

 
 

 

            

 
 

            

 

 

  1. Rooney Mara in SONG TO SONG (Regie: Terrence Malick)
  2. Sandra Bullock in THE NET (Regie: Irwin Winkler)
  3. Evangeline Lilly („Kate“) in LOST (Regie: Damon Lindelof)
  4. Alexandra Maria Lara in CONTROL (Regie: Anton Corbijn)
  5. Laura Dern in INLAND EMPIRE (Regie: David Lynch)
  6. Winona Rider in NIGHT ON EARTH (Regie: Jim Jarmusch) und in REALTY BITES (Voll das Leben), Regie: Ben Stiller
  7. Nicole Kidman in THE INTERPRETER (Die Dolmetscherin), Regie: Sydney Pollack
  8. Scarlett Johansson in LOST IN TRANSLATION (Regie: Sofia Coppola)
  9. Monika Vitti in LIEBE 1962 (Regie: Michelangelo Antonioni)
  10. Naomi Watts in MULLHOLLAND DRIVE (Regie: David Lynch)
  11. Martina Gedeck in SOMMER 04 (Regie: Stefan Krohmer)
  12. Irène Jacob in DREI FARBEN ROT (Regie: Krzysztof Kieślowski)
  13. Maura Tierney („Helen“) in THE AFFAIR
  14. Catherine Keener in SYNECDOCHE NEW YORK (Regie: Charlie Kaufman)

 

to be continued

2019 6 Feb.

Sechs Zwei Neunzehn

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 1 Comment

 

Toffee brown und Oyster grey. Zwei mal sechzig Milliliter. Die neuen Farben der Saison. Das Datum notiert, um nachzuhalten, wie lange vorhaltend. Zwei Anrufe beim morgendlichen, vier Kilometer langem Weg um den See herum. Jemand hat an Dich gedacht. Falsch! Es waren sogar zwei. Das Eis auf dem See gefroren, aber nicht durchgehend und nicht zum Betreten freigegeben. „I Trawl The Megahertz“, neu aufgelegt. Nach einer niederschmetternden Diagnose entstanden: ein Monolog aus im Radio erhörten, aufgezeichneten und dem eigenem Empfinden des Paddy McAloon. Eine Altersangabe, die heute gelesen, vor fünf Jahren auf dich zugetroffen hätte. Nachdenklich werden. Ein abendliches Anhören des gesprochenen Monologs; und auch das Nachlesen. Die Vertiefung. Der Ritt nach Agadir und das Versprechen, eines Tages frei zu sein wie der Wind.

 


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz