Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2020 29 Juli

Ein Triptychon

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2020 26 Juli

Song of the Day

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Yes

&

me

 

2020 23 Juli

Spielfreude

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Zu den nachhaltig wirkenden Wertschätzungen der letzten Jahre zählt für mich das Buch Wer nicht spielt, ist krank des Philosophen und Medienwissenschaftlers Norbert Bolz. Auch wenn der Titel mich stets störte, nehme ich es immer mal wieder zur Hand. Denn wer spielt, der ist und bleibt gesund, so müsste es doch heissen. Nichtsdestotrotz nimmt das Buch eine geradezu paradigmatische, symbolische Stellung ein, als Grundüberzeugung. Hinzu kommt eine Fülle aufgeführter literarischer Quer-Verweise, die das Thema vertiefen. Auch weckt der Nachname dieses Autoren Erinnerungen an jene Glücksmomente vergangener Kindertage, als man den Marktplatz eines kleinen Dorfes in einen Bolz-Platz umfunktionierte, um dort Fussball zu spielen. Dieser Platz war eigentlich die Kreuzung von Feldwegen und kleinen Strassen gewesen, die in alle Himmelsrichtungen führten und die Gegend zum leicht zugänglichen Abenteuer-Gelände machten, mit verzaubernden Waldwinkeln, schroffen Böschungen, sanften Hängen, all den prallgrünen Wiesen, den kornblumenblau und klatschmohnrot geschmückten Getreidefeldern. Durchpreschende Trecker, Mähdrescher, Gülle-Anhänger; und auch mal eine Herde Kühe aus dem Bestand der umliegenden Bauernhöfe wurde geduldig durch die Horde des Fussball-ekstatischen Jungvolks getrieben. 

Zerschrammte Knie und kurze Lederhose mit integriertem Brustbeutel für Geldmünzen und Seitentasche für das Taschenmesser waren damals ein untrügliches Zeichen für vitales Jungsein und gelungenes Leben. Heimliches Spatzenschiessen mit Freunden, die an jene proletarischen Randfiguren erinnern, deren eine von der amerikanischen Schauspielerin Julia Garner bravourös darstellt wird in der dunklen Fernsehserie Ozark. Man wohnte dort in spärlichen Behausungen und hatte dennoch auch Zugang zur Kultur. G war damals der grösste Rowdy in der Nachbarschaft und zeitweise mein bester Freund. In dem winzigen Haus am Dorfrand betrieb die Mutter einen Kiosk. Eine Cola und ein Stück Lakritze staubte man dort immer ab. Als Vorgarten diente ein kleiner Sandplatz mit Schlammgrube, in der sich ein glückliches Schwein suhlte. G´s Zimmer war tapeziert mit Bravo-Postern der Band Creedence Clearwater Revival. Er hatte auch die Luftgewehre. Als Mutprobe die Stromstärke der Elektrozäune auf den Viehweiden mit der Hand zu testen (man tastete sich mit einem Grashalm heran, bis einen der Schlag erwischte) gefiel mir weniger. Wie sagte schon ein Mit-Manafonista einst am Telefon: „Du weisst, für unsereins beginnt der Tag mit einer Schusswunde!“

Das Zentrum war also jener Bolzplatz und man dachte sich gerne die passende Identität dazu aus: „Karl-Heinz Schnellinger bin ich schon!“ „Na gut, dann bin ich eben Gianni Rivera.“ Kleiner gedanklicher Abstecher also in weit zurückliegende Sommer. Was bleibt, ist bis auf Weiteres die Lust und Fähigkeit zu Spielen, und auch die Einbildungskraft. Das Bedürfnis, sich die reale Existenz durch Illusionen auszuschmücken, bleibt weiterhin legitime Flucht. Illusion heisst ja: ins Spiel kommen, das weiss auch der rapide alternde Lateiner. Ich schrieb einmal in diesem Blog über das Akustik-Mikado-Spiel, das eine Möglichkeit bietet, mit eigenen Improvisationen locker umzugehen. Eines ist gewiss: im nächsten Leben werde ich ein ausgebildeter Komponist, der auch in der Lage ist, Melodielinien, voicings und Rhythmen Noten-mässig („notariell“) festzulegen, denn nur die notierte Musik hat ihren Namen auch verdient, behaupten wir hier mal ganz unverfroren. Bis dahin bleibt mir als – Achtung: Pleonasmus! – dilletantische Vergnügung das Mikado-Spiel (das kleine Stück vom Vortag, als erholsames Randprodukt, nach zuvor vergeblichen Versuchen der Interpretation eines Eros-Ramazotti-Songs, nannte ich „Define and Dissolve“).

 

Among the bunny bunch of recently covered and anticipated songs is „You“ by the group Ten Sharp, which I always liked listening to, remembering those radiodays at the construction sites. Found it as exhilarating as Bruce Hornsby’s „The Way It Is“ or Anastacia’s „Sick and Tired“. Luckily there is an overdub function on my little recorder which makes it easy to do a quick take and saves me from rheumatic symtoms while diving for hours into music, cable-tangling and technical overloaded issues: frozen bones in an advanced age. This fact offers another point of identification with detective Harry Ambrose, who tried to catch a Nietzsche-influenced criminal, permanently hobbling with sciatic problems through the third season of the fantastic and dark series The Sinner. Further on it reminds me of philosopher Dietmar Kamper, who once wrote that stumbling is the most appropriate way to move for man and mankind. So here we are, cheeky stumbling into fingerpicking again, just for fun and fit for „You“.

 

2020 25 Juni

borders and bindings

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During the last days and weeks I discovered some songs of Carlos Santana, which probably may be assigned to the topic of mainstream, but I don´t mind. Since I meanwhile have to transfer nearly every song I like into my own guitar-playing, a new way of listening has developed over the years, which admittedly has something addictive about it. A good song always introduces itself as a binding and as a border as well – in it´s unknown structure and in the sense that you can’t play everything you´re listening to immediately. But the analytical ear is trained over time and that’s a good thing, because you can’t always rely on these quickly available online chord sheets. One example is a lockdown session with Carlos, John and Friends that made me want to anticipate and participate. What damn kind of lick is that in minute 0:15? I want to own it, play it, keep and eat it, digest it in my system. The chords are quite simple but this kind of music shows the meaning of the correct counting time. One of many meanings of the Blues. Like Wolfram once wrote: every Manafonist has to find his own subject. Well, this songdiving thing is mine.

 

2020 18 Juni

Today

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2020 8 Juni

Hohe Drehzahl

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Bosch ist hier nicht Motor und kein Maler, sondern Polizist. Die sechste Staffel dieser Serie gleichen Namens kommt, wie alle vorher schon, recht still daher, zieht aber behutsam in die Tiefe. Eine Klasse für sich. Für einen Thriller mit recht wenig suspense und gerade deshalb angenehm – man bleibt doch gerne am Ball. Kaum Filmmusik, der Sound ist die Umgebung. Falls der Teufel das Detail liebt, wird er hier unzählige Augenblicke lang verweilen. Der zwischenmenschliche Beziehungsbereich, der Polizeiapparat, feine Charakterschilderungen, Intrigen: es geht um Mikrostrukturen, die ja im geduldigen Verlauf von Serienstaffeln viel genauer gezeichnet werden können als in Filmen. Überhaupt, dieses Los Angeles-Ambiente hat es in sich: eine Augenweide. Mir fiel zudem Aufmerksamkeits-technisch etwas auf: meistens nämlich finde ich dann eine Sache gut, wenn sie gleichzeitig das Interesse weckt und es ebenso befriedigt. Es entsteht dann dieses Zeitgefühl mit dem bereits erwähnten flow. Es ist auch das Wirken von Intelligenz von einer niedrigen in schnellere Drehzahl, wie ich einmal bei einem Sufi-Autor las. Man kennt das von der Fahrradschaltung mit den heute üblichen rund zwei Dutzend Gängen: ständig ist man am Schalten, denn es geht um den richtigen grip, im permanenten Wechsel. Ich wäre sogar in der Lage, in diesem Sinne eine Fernsehserie mit bestimmten Arten von Jazzmusik, der Akkordstruktur eines Steely Dan Songs, meiner Werkzeugkiste oder einem Fussballspiel in Zusammenhang zu bringen – doch ginge das hier zu weit. Bleiben wir in Bodenhaftung, so wie Bosch: von Natur aus nüchtern. Auch darin liegt ein Zauber. Einziger Nachteil solch televisionärer und komplett ideologiefreier Feinkost: man möchte permanent auf die Pausetaste drücken angesichts der dichten Dialoge und raffinierten Details. Dann aber wäre das Surren der Synapsen störend unterbrochen, in einem Hirn, das hier Erweiterung erfährt: auf eine Weise, die nicht jeden Handlungsstrang akkurat verfolgen muss, auch mal ins Randgeschehen sich verträumt. Mit dem Vertrauen, das Erkenntnis nicht nur rational geschieht, zuweilen sich auch unbewusst den Zugang sucht. Wann hört man schon in einem Krimi Leute über Art Pepper und Thelonius Monk reflektieren und sieht den undurchsichtigen Kartell-Schurken lesen in diesem bekannten Buch von Marcel Proust? Der Hund von Bosch heisst Coltrane, der spielt allerdings kein Saxofon. Das hätte wohl dem phantastischen Hieronymus sogar gefallen.

2020 26 Mai

Wunderkind-Jazz

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Eine als Blitzgedanke maskierte Fragestellung gestern lautete: „Was macht eigentlich Joey Alexander?“ Vorzeiten schon bekam man ja den Tipp, sich dieses Wunderkind des Jazz mal anzuhören und reihte sich daraufhin ein in die Riege derer, die nicht fassen konnten, was ein Junge mit gerademal neun Jahren am Piano zelebrierte. Mittels YouTube entdeckte man das Stück „Warna“ aus dem in diesem Jahr erschienenen gleichnamigen Album des mittlerweile Siebzehnjährigen. Da man in diesen Tagen Carlos Santana näher unter die Lupe nahm, passte, was man hörte, wie die Faust aufs Auge: allerfeinster latin stuff. Die Recherche-Maschine namens Internet startete auch prompt – man muss ja heute nicht mehr pilgern, nicht einmal das Haus verlassen, um sein Instant-Wissen anzuhäufen – und enthüllte einige interessante biografische Details. Der Pianist kommt aus Bali, ist dann aber mit seinen Eltern irgendwann der musikalischen Kontakte wegen nach New York gezogen. Als Kind schon traf er Herbie Hancock, der zu ihm sagte, dass er an ihn glaube. Das stärkte den Entschluss, sein Leben der Musik zu widmen. Man hört es selbst, was auch seine namhaften Mitmusiker bestätigen: er kann alles antizipieren, hat ein fantastisches Gefühl für rhythmische Nuancen. Wen wundert es, wenn einer mit gerademal Sechs ein Stück von Thelonius Monk entdeckt und auf dem Spielzeug-Keyboard dann gleich spielen lernt!

 

2020 12 Mai

Muthspiel 2

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Weil ich das Stück „Camino“ nicht unter Manafonistas vorstellen möchte (ein Handgriff, der sich seit der Anfangszeit des Blogs oft als nützlich und unproblematisch bewährt hatte, zunehmend aber zu Verwirrung und auch Unbehagen hinsichtlich nicht nachverfolgbarer Autorenschaft führte und deshalb nun eine Zeitlang brach liegen sollte), hier eine kurze Begleitnotiz, direkt und frech in die Tastatur getippt – zu diesem wieder einmal vorzüglichen Vortrag des Österreichers. Wenn einem zu einem Thema etwas einfällt, und zu solcherlei Gitarrenspiel fällt mir eine Menge ein, dann geraten die Dinge ja generell wie Dominosteine ins Purzeln. Jegliche Schreibhemmung (little reference to Shining) wird auf den nächsten Tag verschoben und jede Latte, die zu hoch gesteckt war, fällt herab und verliert so ihren Schrecken. Klassische Gitarrenmusik interessiert mich ja relativ selten, umso mehr aber der typische Klang einer Konzertgitarre in anderen Musikbereichen, sei es Jazz, Folklore oder Bossa Nova. Muthspiels Spiel ist diesbezüglich paradigmatisch. Es hat einen Anklang an die Klassik, ist aber etwas Anderes – es ist, wie wir Anglophilen sagen: far more thrilling.

 

 

 

Everybody who´s been buying equipment for the last twenty years, you got a pretty good bag or box of cables, chargers and whatnotgoing, right? Like I went through – because every piece of equipment you buy comes with that one wire where you´re like „What the fuck does this one even do? Does this even go to this machine? I don´t know, it´s all wrapped and it´s got a twisty on it. Better save it. Maybe I´ll know what it does later. I might need it.“ Right? I went through that entire box. It took me like an hour and a half. Did not think about the end of the world during that time. And, honestly, I did not throw one of those things away …

(MM, End Times Fun)

 

Die Kunst besteht darin, Dinge aufs Tablett zu bringen, die jedermann auf der Zunge liegen, aber selten klar benannt werden. Solche Momente liefert auch der kalifornische Komödiant und Schauspieler Marc Maron zuhauf, vielen bekannt als Hauptdarsteller der Netflix Serie Glow, in der es um female wrestling geht. Als er einmal in einer früheren Show über die Dave Matthews Band sinniert, wird klar, dass auch unsereins sich ein Leben lang fragte, wer eigentlich diese mysteriöse Musikgruppe sei, die einen niemals wirklich interessierte. Im musilschen Sinne eine Band ohne Eigenschaften, ein Ausbund an Langeweile, so stellte ich sie mir stets vor. Nun, in End Times Fun, wie gewohnt zynisch, zornig, witzig und empathisch lamentierend vorgetragen, erneut so ein Wiedererkennungs-Effekt: Tonnen von angesammelten Kabeln, Steckern, Adaptern und Zeugs, dessen man sich mühsam, meist vergeblich, zu entledigen sucht. Und wenn schon Peter Sloterdijk jüngst die grassierende Unfähigkeit vieler Zeitgenossen erwähnte, sich vom Konsummüll alter Tage zu trennen, muss man sich doch fragen: „Wenn nicht jetzt (im Corona-Lockdown) – wann dann?!“

 


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