Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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  1. Succession – Seasons One & Two
  2. Normal People – Season One
  3. The Queen´s Gambit – Mini Series
  4. The Marvelous Mrs. Maisel – Season Three
  5. Der Überläufer – Four-Part Series (Film)
  6. Better Call Saul – Season Five 
  7. Sharp Objects – Season One
  8. Big Little Lies – Seasons One & Two
  9. Show Me A Hero – Mini Series 
  10. Unorthodox – Mini Series 
  11. The Marriage Story – (Netflix Film)  
  12. Giri / Haji – Limited Series 
  13. The Meyerowitz Stories – Mini Series  
  14. Little Fires Everywhere – Mini Series 
  15. Bosch – Season Six
  16. Never Look Away („Werk ohne Autor“) – Film
  17. Unterleuten – Three-Part Series (ZDF Mediathek)
  18. Knives Out! – Mini Series 
  19. Ozark – Season One  
  20. The Sinner – Season Three  
  21. Miss Americana – Taylor Swift (Netflix Documentary)  
  22. Marc MaronEnd Times Fun (Netflix / Comedy)  
  23. Citizen K (Documentary on Michail Chodorkowski)
  24. After Life – Season Two
  25. I Am Not Okay With This – Season One 

 

 

2020 20 Nov.

Guter Herbst

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Der Mensch muss etwas tun. Noch immer dem starken Drang verfallen, gute Songs nicht nur hören, sondern selbst auch spielen zu wollen, gehört zur momentanen Grundaustattung. Vieles macht man im stillen Kämmerlein klar, doch spirituelle Resonanzrahmen bleiben stets wichtig. Ob beim Serienschauen, bei Sport Spass Spiel und erst Recht in der Musik: es ist gut, wenn man wen kennt, der dasselbe schätzt. Mit den Manafonistas hat sich der Horizont doch gewandelt und über den eigenen Tellerrand hinaus war man auch daran interessiert, was andere mögen, zudem dem Neuland gegenüber offen. Und doch, eine seltsame Regression schlich sich ein in letzter Zeit, man war versucht, so manches aus dem inneren Archiv zutage tretende Erinnerungsfragment im Nachhinein auch struktur-technisch aufzuarbeiten. Die Frage „Was wird hier gespielt?“ ergründen wir mit einem still fingerpicking alive! Die Hände wollen begreifen. „Wieso kommt so manche Neugier spät und nicht vielmehr früher?“ fragt der Geist des alten Leibnitz neben mir. Neulich erzählte C, ihr Vater sei jetzt pflegebedürftig, sie sei jetzt das erste mal seit zwanzig Jahren wieder Auto gefahren, um für ihn die Besorgungen zu machen. Und? Kein Problem, verlernt man nicht! Sehr beruhigend! Genauso ist es mit dem analytischen Gehörsinn: hat der sich erst mal eingenistet, ist er nicht mehr auszutreiben. Zu den aufs Korn genommenen Objekten dieser obskuren Leidenschaft gehörte jüngst beispielsweise der Song „River“ von Joni Mitchell. Erst jetzt, nachdem ich Sierra Eaglesons Version hörte, möchte ich ihn gitarrentechnisch nachvollziehen, wenngleich ich dieses Lied schon immer mochte. Den Cyndi Lauper Hit „Time after Time“ kannte ich vor allem aus dem Album Traveling Miles der Cassandra Wilson. Von Iron & Wine nun findet sich eine Fassung, die einen flugs selbst zum Instrument greifen lässt. Weil alle Dinge (verschwörungstheoretisch) drei sind, sei hier auch „Clocks“ von Coldplay genannt, warmherzig vorgetragen von Good Harvest. Täte unsereins, wie damals Dieter-Thomas Heck, die Hitparade moderieren, dies wäre wohl die momentane Nummer Eins: „Nimm die Klampfe in Hand und spiele D-Dur, A-Moll, C-Dur, E-Moll!“ Wie einst Cyndi, nur im Looper.

2020 22 Okt.

Ein Schmitz-Witz

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Lange nachdem die ersten Amerikaner den Mond betraten und lange bevor die ganze Welt online ging, war meine hohe Zeit nicht nur die des Radiohörens, sondern auch der Bibliotheksbesuche gewesen. Sie waren wie Wallfahrtsorte eines selbst initierten Bildungshungers, weitab vom Lernzwang jeglicher Schulsysteme: eigene Fragen, freies Spiel. Erfahrungen mit Meditation und langen Wanderungen weckten philosophisches Interesse. Das brachte mir damals auch die Literatur Peter Handkes, die persona Martin Heideggers und die Neue Phänomenologie des Herrmann Schmitz näher. Sein Werk System der Philosophie, zehn Bände, jedes 1000 Seiten umfassend und ein Kilo Gewicht auf die Waage bringend, las ich nahezu komplett, in Teilen mehrmals. Es war wohl, dass ich damals eine neue Art des Lesens für mich entdeckte: „Lesen um des Lesens willen“. Auch auf das Thema „Der Witz“ ging Schmitz in seinem Mammutwerk ein. Einen der von ihm dort erzählten wollte ich beim Mana-Treffen in Stuttgart vortragen, in alerter Runde bei Gregor in der Stube. Ich bekam ihn aber nicht mehr zusammen. Das sei hier nun nachgeholt:

 
 

Nachdem Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betreten hatte, gab er nicht nur den berühmten Satz mit dem Schritt von sich. Ehe er zurück in das „Eagle“-Modul kletterte, machte er eine rätselhafte Bemerkung: „Viel Glück, Mr. Gorsky.“ Jahrzehntelang blieb ungeklärt, was der Astronaut damit gemeint haben könnte. Ein Reporter stellte vor kurzem erneut die Frage an Neil Armstrong und erhielt Antwort. Einmal, als er noch ein kleiner Junge war, spielte Neil mit seinem Bruder Baseball im Garten. Ein Ball landete genau unter dem Schlafzimmerfenster der Nachbarn, Mr. und Mrs. Gorsky. Als Neil sich bückte, um den Ball aufzuheben, hörte er, wie Mrs. Gorsky ihren Gatten anschrie: „Oralen Sex? Du willst oralen Sex? Du kannst dann oralen Sex haben, wenn der Nachbarjunge auf dem Mond rumläuft!“

 

2020 13 Okt.

seasons since summer

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Big Little Lies zählt zu den wenigen Highlights des TV-Erlebens jüngeren Datums. Meryl Streep: great acting, hart an der Schmerzgrenze, weil: that performed lady seemed to be a „psychopath“. Succession ist mein Champion. Ein Soundtrack aus überwiegend klassischer Musik, der an weihnachtliche Festtags-Stimmung denken liess, passte hier perfekt in das dekadente Ambiente einer familiären Medien-Bourgeoisie. Das in den Dialogen vorherrschende „Fuck off!“ gab dazu den idealen Kontrapunkt. Ja, diese Serie war ein Fest. Ansonsten war bei all der Streaming-Vielfalt „mediocre“ das Mantra: viel gut gemachtes Handwerk ohne erhebenden spirit. Alles sehr schön bunt hier. But David wants to fly! So schade, dass aus dem einst Besonderen schleichend das Gewöhnliche wird. Auch hier scheint Entropie zu wirken. Selbst Hochgelobtes und handwerklich Tadelloses „flutscht“ (Verbform von flow) oft nicht. Zeit, sich davon abzugrenzen. Apropos David, vor ein paar Tagen zeigte mir ein Regisseur mit grossem Namen, was man von einer guten Fernsehshow erwarten darf: dass sie auch die tiefsten Schichten des Unbewussten (Freuds „Es“) anrührt und auf die visuelle Reise mitnimmt. So wie die wundersamen Werke der Malerin Oda Jaune, jüngst beiläufig und neugierig entdeckt.

 

2020 26 Sep.

afro jazz modal loop

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a u d i o

 

2020 20 Sep.

Septemberlicht

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Im Wartezimmer der kieferchirurgischen Praxis lag die heissbegehrte Ware wohlfeil ausgestellt: der Patient nahm eine jener Zeitschriften zur Hand, die er sonst selten zur Ansicht bekam und wenn, dann nur zuhause online (umsonst & drinnen). Es fand sich schnell ein interessanter Artikel, um die Wartezeit zu überbrücken: von Bas Kast, jenem Journalisten, dem es gelungen war, mittels ausgiebiger Recherche einen „Ernährungskompass“ zu erstellen, den man wohl in der Kategorie „Mega-Bestseller“ verbuchen kann. Mittlerweile zu einem Papst für gesundes Essen avanciert, beklagte der Autor aber, dass er sich in dieser Rolle unwohl fühle: erstens sei er noch nicht so alt und zum Zweiten auch kein professionell legitimierter Berater dieses Fachgebiets. Es entspräche auch nicht seinem Bild von sich selbst. Das brachte ihn aber auf ein anderes Thema, nämlich die Frage, wer wir eigentlich sind. Darüber schrieb er dann einen Roman. Der Patient fand das insofern interessant, weil er festgestellt hatte, dass sich im Laufe der Jahre Identitäts-Schwerpunkte verlagern und Vieles von Früher später obsolet erscheine. Weitergehend seine These, dass man selbst zu den Neurosen, vergangenen Verhangenheiten und skurrilen Leidenschaften Abstand gewinnen könne. Praktische Dinge gewännen zunehmend an Gewicht. Der eigene Körper verfiele zudem zunehmend in die Rolle eines schwer erziehbaren Störenfrieds, wie der Lümmel in der letzten Reihe, den es zu händeln gelte. Auch im Zuge von Corona wurde wieder klar, was viele sehen: „Ich weiss, dass ich nicht weiss“. Der Patient wurde aufgerufen und brach die Wartezimmer-Lektüre abrupt ab. Als er dann, im Praxisraum auf dem Behandlungsstuhl sitzend, auf eine riesige Luftaufnahme von Rio de Janeiro blickte und der strahlende Doktor ihm auch zahntechnisch eine Perspektive eröffnete, war die Welt wieder in Ordnung. Das Ich stellte keine weiteren Forderungen. Der Patient trat im Septemberlicht radelnd gutgelaunt den Heimweg an und auch der Lümmel aus der letzten Reihe schwieg für eine Weile.

 

2020 11 Sep.

aproach to a song

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(cover 1)

(cover 2)

 

2020 5 Sep.

Transparente Schritte

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„Mehr Transparenz!“ wird allerorts gefordert – wobei ja diese Durchsichtigkeit auch schnell ins Negative kippen kann: Entzauberung und Überwachung wären dann die Folge. Darüber schrieb ja auch der koreanische Philosoph Byung-Chul Han in einem Buch mit dem Titel „Transparenzgesellschaft“, das zu jenen zählt, die ich immer wieder lese: denn gute Gedanken und Formulierungen haben kein Verfallsdatum, lesen sich auch nicht zur Neige, so wie man eine Schachtel Zigaretten „aufraucht“.

Gestern verfolgte man beeindruckt ein Live-Konzert in Kristiansand, mit dabei die Herren Bang und Aarset. „Ja, was kommt denn nun von wem?“ war die bange Frage. Eine Handbewegung des Gitarristen Eivind verriet es: ah, dieser Basslauf kommt aus seinem Instrument! Was ein Zauberer und Zubereiter namens Jan da zelebriert, bleibt geheime Alchemistenküche. Sein empathischer Körperausdruck jedenfalls ist eine Show. Auch der dargebotene Sound: vom Feinsten. Waren die Bild-Projektionen zufällig oder Punkt-genauestens zur Musik plaziert?

 

 

Summa summarum jedenfalls bekam unsereins beim Hören dieser Klänge sofort Lust, selbst Musik zu machen, was ich heute dann auch tat. Eine zuweilen zeitraubende Angelegenheit, bei der man vom Hundertsten ins Tausendste kommt, von Sirenensounds betört die Richtung verliert, wie das einst schon Odysseus drohte. Immerhin, kleine Erkenntnisse und noch ein kurzes „Mikado-Spiel“ zum Abschluss der Tages-Session: eine erste Spur wird hingeworfen, dann direkt die zweite Spur dazu gespielt. Ein bisschen Schnitt noch, fertig sind die transparenten Schritte.

 

2020 18 Aug.

Die Schwierigkeit zu sein

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Als in der Mitte der Achtziger Jahre des Nachts auf BBC das Solodebüt eines englischen Musikers vorgestellt wurde, von dem ich vorher noch nie etwas gehört hatte, da wusste ich auch nicht, dass dieser einst einen ähnlichen Stellenwert bekommen würde wie den zuvor schon John Martyn, Joni Mitchell und zeitweise James Taylor inne hatten – ich bekam noch gerade den Teil einer Sendung mit, in dem also ein Gast war, den ich nicht einzuordnen wusste. Geradezu elektrisiert wurde am nächsten Tag im Plattenladen fiebrig nachgefragt. Dem Verkäufer bei Musicland zu Hannover wurden hilflos im Dunkeln tapsend Anhaltspunkte um die Ohren gehauen: „erstes Soloalbum“, irgendwas mit „Japan“, „klingt wie Brian Ferry“. Der hingegen wusste natürlich gleich Bescheid und gab das gesuchte Album mit auf den Weg. Ich trug es nach Hause wie eine Trophäe, als stolzer Besitzer von David Sylvians Brilliant Trees. Es war wohl John Peel damals in den alten Radiozeiten, der in jener Sendung die Fragen stellte: „What are you reading these days, Mr. Sylvian?“. Ein Buch von Jean Cocteau sei es mit dem Titel The Difficulty of Beeing, war die erstaunliche Antwort. Der Titel bildete seitdem einen der zahlreichen Brückenschläge zu dem, was mich an der Philosophie zu interessieren begann – es hing auch mit einem allgemeinen Unbehagen zusammen und dem Gefühl, dass im richtigen Leben viel Falsches sei und die Erde zuweilen unbewohnbar wie der Mond. Hegel nannte es das Negative und auch Krishnamurti sprach davon. Ausdrücklich geht es hier nicht um Erbaulichkeiten, die sich als Lehrstoff für die Schule eignen. Seit jenen Tagen in den Achzigern war ich lange Zeit gewissermassen als Botschafter in Sachen „Sylvian“ unterwegs: die Identifikationsfigur schlechthin in dieser Gemengelage aus personeller Selbstfindung, spirituellem Abenteurertum und Reimen, die nach Shakespeare klingen. Anspruchsvolle Hybridität auch, die ihre Wurzeln im british folk genauso hat wie in der Popmusik und im Avantgarde-Jazz. Heute höre ich diese Musik nur noch selten, der identifikatorische Reiz zumindest scheint verblasst. Zuweilen allerdings spiele ich einige von David Sylvian´s Liedern gerne auf Gitarre nach, haben mich doch deren teils rätselhafte Akkordstrukturen stets verwundert. Die Melodielinien, von einer Jahrhundertstimme vorgetragen, als habe Orpheus persönlich sie gesungen, sie bleiben zeitlos schön.

2020 4 Aug.

A Praise

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Small wake-up call from the television-muezzin: „Succession!“ it sounds from the onion dome and praised is a highly acclaimed masterpiece: the portrayal of a patriarchal media mogul and his family-entourage. The heirs, his children, are four freaky, more or less troubled sibblings. Watching this is a must, according to Quawali-singer Nusrat Fateh Ali Khan actually a „Musst, Musst“. For me it is one of the few series I would even watch for a second time. The story is: my Netflix summer break alternative offered a ticket to Sky but did not provide subtitles, so I had to watch it „pure“, in the original version. First a bad surprise („Wow, is my English still that poor?“) it soon turned to be a win situation: you don’t get all dialogue details, maybe half of them, but on the other hand valences of attention become free for other things, like the faces, the venues, the film-cuts. The flow is guarantied, anyway. And brilliant acting transports a main part of the plot by itself. The rest do the episode-guides. Someday, if circumstances allow, on a second run the dialogue subtilities will certainly be re-adjusted. Already looking forward to that point. In the meantime I tune in with a reviewer hiding out somewhere in the widespread cotton fields of Rotten Tomatoes: „My regrets to all those who have missed this ambitious shakesperean show.“

 


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