Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2015 6 Mai

Hanns Dieter Hüsch

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Hanns Dieter Hüsch ist der einzige Künstler außer Dieter Hildebrandt, den ich jemals per Brief mit Rückumschlag um ein Autogramm gebeten habe.
 
 
 

 
 
 
Heute wäre Hanns Dieter Hüsch 90 Jahre alt geworden. Ich nehme ja an, er wird sich deshalb mit dem lieben Gott in Dinslaken treffen und die beiden werden dort heute abend irgendeinen groben philosophischen Unfug treiben, einen groben. Ich hoffe es wenigstens.

Aus gegebenem Anlass hier eine Liste von nicht mehr erhältlichen Tonträgern von Hanns Dieter Hüsch:
 

  • Chansons, Gedichte, Geschichten (1961)
  • Das Wort zum Montag (1968)
  • Enthauptungen (1971)
  • Eine schöne Gesellschaft (1972)
  • Live (1973)
  • Joseph Goebbels‘ „Michael – Ein deutsches Schicksal in Tagebuchblättern“, zitiert von HDH (1974)
  • Liedermacher (Single, 1975)
  • Abendlieder (1976)
  • Und das Herz schlägt wie ein blinder Passagier (1977)
  • Das schwarze Schaf vom Niederrhein (1978)
  • Hagenbuch hat jetzt zugegeben (1979)
  • Das Lied vom runden Tisch (1980)
  • Am Niederrhein (1988)
  • Hanns Dieter Hüsch trifft Franz Hohler (1996)
  • Meine kleine Nachtmusik (1997)
  • Hagenbuch live (WDR/NDR-Mitschnitte, 1998)

 
Um baldige Wiederveröffentlichung in zumindest digitaler Form wird gebeten. Und dass mir die noch erhältlichen CDs nicht etwa vom Markt genommen werden!

2015 30 Apr.

Those were the Cars II

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Wo wir schon bei alten Autos sind … Für so eines lohnt es sich schon fast zu sterben.
 

2015 29 Apr.

Popol Vuh / Florian Fricke: Kailash

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kailash
 
 
 

Immer hatte Florian Fricke ein Solopiano-Album machen wollen. Zu seinen Lebzeiten ist ihm das nicht vergönnt gewesen. Nun liegt doch eines vor, als CD/LP 1 des Kailash-Boxsets, das auf Soul Jazz Records erschienen ist. Dazu gibt es den Soundtrack zum gleichnamigen Film auf der CD/LP 2, und als Sahnehäubchen gibt es den Film noch als DVD (PAL/NTSC, ohne Regionscode) dazu.

Schon mit 12 oder 13 Jahren ist Florian Fricke als Piano-Wunderkind gehandelt worden. Davon ist hier nichts zu hören, eher hat man den Eindruck, in einem hingetupften akustischen Skizzenbuch zu blättern. Die Aufnahmen sind zwischen 1972 und 1989 entstanden, und auch, wenn sie sich beim ersten Hören gelegentlich irgendwo zwischen Roedelius und Satie zu bewegen scheinen, so sind sie doch ganz eindeutig Fricke. Es ist sein harmonischer Stil, es ist seine typische Melodieführung. Manchmal hört man Hintergrundgeräusche oder Beckenklänge, manchmal singt Fricke leise mit, manchmal hätte man sich das Instrument besser gestimmt und die Aufnahmen etwas professioneller gewünscht, aber man muss sie als das hören, was sie sind: Studien, ursprünglich sicher nicht zur Veröffentlichung vorgesehen. Einige Stücke dürften Notizen sein, die letztlich im Album Hosianna Mantra ausgeführt wurden, andere schweben frei (und manchmal ein bisschen ziellos) umher und nehmen den Hörer mit auf eine Reise durch Frickes Gedankenwelt.

Die zweite CD/LP enthält den Soundtrack zu dem Film Kailash — Pilgerfahrt zum Thron der Götter, den Fricke und sein musikalischer Mitstreiter und Kameramann Frank Fiedler 1995 erstmals auf Video veröffentlichten. Der Mix aus Keyboards und eingearbeiteten Field Recordings ist faszinierend, über Strecken atemberaubend und macht wieder einmal ganz deutlich, dass Popol Vuh als musikalisches Projekt konkurrenzlos dastand. Allerdings ist die Erwähnung des Namens Popol Vuh ein bisschen irreführend; tatsächlich ist es Florian Fricke allein, der hier spielt. Man sollte also auch kein bislang unentdecktes Popol-Vuh-Album erwarten, sondern Florian Frickes Soundtrack zu einem Film. Bevor man sich diesen Film allerdings zu Gemüte führt, empfiehlt es sich, einen Blick auf das Stichwort „Mount Kailash“ in Wikipedia zu werfen, um sich eine ungefähre Vorstellung zu verschaffen, welche kulturelle und religiöse Bedeutung diesem Gipfel zukommt. Der kommentarlose Film erklärt dies nicht, und ganz ohne Hintergrundinformationen wird nicht klar, was da eigentlich gefilmt wurde, was Menschen in dieser fast völlig von der Welt abgeschnittenen Region Tibets suchen, oder weshalb der Berg nur umrundet, aber nicht betreten werden darf. Weiß man das allerdings, erhalten die Bilder in Verbindung mit der Musik eine beeindruckende Zusatzdimension, die weder der Soundtrack noch der Film jeweils für sich allein bieten könnten. Film und Musik sind restauriert, und verglichen mit der alten Videofassung hat sich das gelohnt.

Während ich die Piano-CD eher als stimmungsvolle Zugabe sehe, ist der Kailash-Soundtrack für mich schon jetzt ein früher Kandidat für die Platte des Jahres.

2015 19 Apr.

Apollo’s Fire

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Pittsburgh hat tatsächlich eine Renaissance & Baroque Society, und die stellt manchmal verblüffend gute Konzerte auf die Beine. Selbst ein altes Schlachtschiff wie Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, von dem man automatisch denkt, es sei schon längst tausendfach zu Tode gedudelt worden, kann plötzlich wieder überraschend hörenswert werden, wenn es richtig präsentiert wird.

Das Ensemble Apollo’s Fire aus Cleveland, Ohio, (Jeannette Sorrell, musical direction, Olivier Brault, principle violin) fand gestern abend den richtigen Dreh. Apollo’s Fire spielt auf Originalinstrumenten; im August wird man die Gruppe bei den BBC-Proms hören können, sicherlich auch online.

 

 
 
 
Vor zwei Jahren spielte Hans-Joachim Roedelius in Pittsburgh — im Hinterzimmer einer Kneipe voller Gläserklirren und ständig rein- und rauslaufender Gäste, mit Backgroundgelaber vom Tresen. Eine ziemliche Zumutung. Man hätte ihm den Saal im Andy-Warhol-Museum gewünscht. Der ist für solche Künstler ideal, wie sich am Donnerstag wieder einmal zeigte. Gerade noch klein genug, um Konzentration entstehen zu lassen, gerade groß genug, um die nicht allzu große Gemeinde der Pittsburgher Ambient-Fans aufzunehmen, die hier ziemlich vollzählig versammelt gewesen sein dürfte.
 
 
 
loscil
 
 
 
Loscil (a.k.a. Scott Morgan) aus Vancouver, Kanada, gab den Supporting Act. Eine gute Wahl. Vom Publikum zunächst kaum bemerkt, begann er seinen rund dreißigminütigen Auftritt. Ich kenne seine letzten drei Alben noch nicht (der Mann ist einfach zu produktiv), aber was er hier zu Gehör brachte, waren ruhige, fließende Klanglandschaften, nicht weit weg von Coast/Range/Arc von 2011; vielleicht ein wenig dunkler. Dazu war eine gut darauf abgestimmte Filmprojektion zu sehen — Wasser in diversen Variationen. Wie bei vielen Elektronikern stellte man sich auch hier die Frage, was der emsig an seinen Geräten wirbelnde Musiker da eigentlich macht. Wenn Computer im Spiel sind, verliert der Begriff „live“ zusehends seinen Sinn. Es dürfte eine Art Grundplayback ab Cubase gewesen sein (perfekt mit der Projektion synchronisiert), in das er Live-Einwürfe hineinstartete. Warmer Beifall am Ende.
 
 
 
awvfts
 
 
 
Beim Hauptact des Abends, Loscils Labelmates A Winged Victory for the Sullen, war die Live-Frage etwas leichter zu beantworten, denn das Berlin/Brüsseler Duo trat ergänzt um ein Streichtrio (zwei Violinen + Cello) in den Ring. Adam Wiltzie hat mal bei Sparklehorse gespielt, Dustin O’Halloran ist durch Filmmusiken bekannt geworden. Die beiden können ohne Frage komponieren. Zu hören war offenkundig ihr zweites Album, Atomos. Von Wiltzies Gitarre kam nicht viel durch, ihr Klang floss mit dem Keyboardteppich zu einer Einheit zusammen; die Streicher, da mit Mikrofon verstärkt, fielen dagegen zeitweilig etwas trocken aus dem Klangbild heraus, einzelne E-Piano-Einwürfe waren zu laut; gelegentlich waren die Lautsprecher überfordert. Zu sehen war leider nicht viel, der anscheinend vorgesehene Hintergrundfilm lief aus irgendwelchen Gründen nicht, so dass ein einziges Dia für den ganzen Auftritt reichen musste; die Musiker selbst saßen weitgehend im Dunkeln.

Während des über eine Stunde durchgehend gespielten Stückes gingen mir ständig neue Assoziationen durch den Kopf. Ich fühlte mich streckenweise an Tangerine Dream der Ära zwischen Zeit und Phaedra erinnert, Brian Enos Apollo klang immer wieder einmal an, aber auch Steve Reichs Music For 18 Musicians oder seine Multiplay-Komposition Violin Phase. Andere Momente erinnerten an Mike Oldfield, an Cluster II oder auch Cluster & Eno. Dabei wirkte das Ganze niemals wie eine Kopie oder in irgendeiner Weise geklaut, aber wenn mir die Musiker erzählen würden, sie hätten diese Platten nie gehört, würde ich ihnen nicht glauben. Freundliche und sehr angenehme Musik, im Hinblick auf eine individuelle Handschrift aber wohl noch ausbaufähig.

2015 19 März

Whiplash

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whiplash
 
 
 
Messerscharf. Keine Szene und kein Dialog zuviel. Keine ueberfluessige Sekunde.

Mit diesem Stoff koenntest du in Deutschland jahrelang von einer Produktionsfirma zur naechsten und von einem Sender zum naechsten laufen. Niemand wuerde diesen Film machen.

Deswegen interessiert sich in den USA kein Hund fuer deutsche Filme. Und das ist in Ordnung so.
 

 

 
 
 
Den Lesern dieses Blogs muss man nicht erklären, wer Eberhard Weber ist. Résumé ist seine tatsächlich von ihm selbst geschriebene Autobiografie, parallel mit seinem Album Encore veröffentlicht.

Da erzählt jemand, was ihm aus dem vielen Jahren seiner Karriere in Erinnerung geblieben ist — Begegnungen mit Kollegen, Reiseerinnerungen, Flugplatzabenteuer, sein Instrument, die Arbeit mit Manfred Eicher, der Einsatz von Verstärkern und Elektronik im Jazz, der Konzert- und Tourneebetrieb, die (teils deftigen) Unterschiede zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Jazzbusiness, die Existenz als „Telefonbassist“, wie er sich einmal einen LSD-Trip mit Wolfgang Dauner geteilt hat. Und noch vieles mehr, was in eine Autobiografie gehört. Das alles ist ein bisschen unsystematisch, ein bisschen sprunghaft, manchmal heiter, manchmal mit Widerhaken versehen (das ist dann besonders interessant), nie langweilig. Résumé liest sich, als würdest du mit Weber beim Glas Wein zusammensitzen.

Dass das, was das Publikum wahrzunehmen glaubt, nicht immer mit dem übereinstimmt, was die Musiker auf der Bühne empfinden, wenn sie es spielen, ist eine Erkenntnis, die vielleicht manchen überraschen wird, ebenso, dass die Musik auf der Bühne anders klingt als im Saal. Als Hörer macht man sich das selten klar. Eine andere interessante Erkenntnis Webers ist, dass gerade in den 60er Jahren die Grenzen zwischen Jazz und Schlager fließend sein konnten, die Musiker das aber nie gestört hat (anders als oftmals die Kritiker). Nicht allen wird gefallen, was Weber über den Free Jazz schreibt. Er weist nicht nur auf das Dilemma hin, dass, wenn alles erlaubt ist, kaum noch Variationsmöglichkeiten existieren und das Ganze dann ziemlich einförmig wird, sondern er beschreibt auch, dass es zwei Free-Jazz-Fraktionen gab, nämlich eine „Hardcore“- und eine „Happening“-Fraktion. Erstere nahm ihr Wirken todernst, letztere nicht. Deswegen konnten sich beide gegenseitig nicht ausstehen. Mittendrin finden sich einige nette Anekdoten über den „Jazzpapst“ Joachim-Ernst Berendt, dessen Verdienste als Gründer und damaliger Leiter der SWF-Jazzredaktion zwar unbestritten sind, der sich aber gelegentlich, wie Weber hier an einem Beispiel schildert, in Widersprüche mit seinen eigenen Forderungen verwickelte — etwa, indem er Musikern vorschrieb, wie sie „free“ zu spielen hatten. (Der geschätzte Werner Burkhardt hat Berendt mal eine „rührende Humorlosigkeit“ bescheinigt. Das findet sich hier bestätigt.)

Weber geizt nicht mit Meinung. Immer schimmert dabei ein stilles Augenzwinkern durch den Text hindurch. Selbst dann, wenn er über seinen Schlaganfall spricht. Auch hier nimmt man ganz beiläufig Erkenntnisse mit, auf die man sonst nur kommen kann, wenn man direkt mit dem Thema konfrontiert ist — etwa, dass der Schlag nicht nur körperliche Auswirkungen hat, sondern auch die emotionale Wahrnehmungsweise des Gehirns verändert. Seinen Humor hat Weber trotzdem nicht verloren: „Ich kann nicht Bass spielen. Aber ich weiß, wie’s geht!“

Ein sympathisches Buch.
 

Eberhard Weber:
Résumé – Eine deutsche Jazz-Geschichte
sagas.edition, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-944660-04-2
 

Eine Nachbemerkung sei noch gestattet: Ich weiß nicht, weshalb gerade die Verleger von Musikbüchern immer wieder zu glauben scheinen, sie müssten die Regeln der Typografie neu erfinden. Dieses Buch ist eigentlich schön aufgemacht, sogar mit Lesebändchen. Um so mehr irritiert mich die verwendete Schrift, eine serifen- und gesichtslose Type, die an Formulare vom Finanzamt erinnert und das Lesen von Seite zu Seite anstrengender macht. Liebe Buchgestalter, ihr wisst es doch: Ein Buch stellt andere typografische Anforderungen als, sagen wir, ein ECM-Booklet. Selbst wenn ihr die Garamond nicht mehr sehen mögt, es gibt viele Möglichkeiten. If in doubt, set in Caslon. Funktioniert immer. Oder von mir aus sogar in Times New Roman — besser als dies hier wäre selbst das. Danke fürs Zuhören.

2015 8 März

The American Way of Symphony

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Gerade hat das Pittsburgh Symphony Orchestra – mit seinem Chefdirigenten Manfred Honeck auf dem Sprung in die Top-Liga – seinen Sommerspielplan veröffentlicht.

Darin findet man unter anderem: „Brahms + Radiohead with conductor-composer-singer Steve Hackman and food and drinks (June 24).“

Da fehlt jetzt nur noch eine Highschool-Marchingband als Supporting Act und für die Pause im Foyer eine Seehundshow.

2015 19 Feb.

Frozen

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Niagara Falls, last night. Minus 23 Grad.
 

2015 18 Feb.

Late Night Music

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Ob man angesichts der Weltlage eine wunderbare Spätnachtsmusik hier einstellen kann, einfach so?

Probiert es.

Den „wooow!“-sagenden Moderator am Ende möge man gelegentlich mit dem Waschlappen erschlagen.
 


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