Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Kennt jemand dieses Poster oder das (fast) identische Plattencover?

Als das Doppel-Album im Jahr 1969 erschien, hatte das zweite Great Awakening des Blues durch weiße Musiker – dieses Mal waren es Briten – die großen Schallplattenlabels längst aufgeweckt, und mancher Pioneer der ersten Zeit war zum Superstar aufgestiegen – Gordon Smith ist das nicht gelungen.

John Peel beschrieb ihn einmal als the foremost white Blues guitarist in the world. Zudem war er einer der größten britischen Blues-Vokalisten. Von allen Stücken dieses Samplers habe ich seine Version des „Diving Duck Blues“ am allerhäufigsten gehört. Ich habe Gordon Smith über die Jahre für einen schwarzen Musiker gehalten, so authentisch klingen seine Slide Guitar und seine Vocals.

Das Debut-Album des 19-jährigen, Long Overdue (1968), ist zusammen mit zahlreichen prev. unreleased tracks auf  The Complete Blue Horizon Sessions erschienen.
 
 
 

 
 
 

Als dieses Album im Jahr 1971 erschien, waren die großen Schallplattenlabels in Sachen Blues längst aufgewacht, und mancher Pioneer der ersten Zeit war zum Superstar aufgestiegen – Duffy Power ist das nicht gelungen. 

Die Songs stammen aus verschiedenen Recording Sessions der Jahre 1965/66. Unter den mitwirkenden Musikern sind Jack Bruce und John McLaughlin. 1992 wurden unter dem Album-Titel Little Boy Blue die Mono-Aufnahmen auf CD wiederveröffentlicht.

Duffy Power ist in beiden Editionen recht mitteilsam.
 

1971:

At the time these recordings were made, there was little chance of them being released to the public on a worthwhile scale, in fact the Recording Companies turned them down on the grounds that they „couldn’t see it being of any commercial value“.

At that time, Blues music, however timeless, was progressing „underground“ and not many people knew it was there. But by public demand, more and more of the music that was once considered a rarity, is now being made available everywhere. Even so, these recordings remain unique, as they contain some highly original and personal performances that were to be the apex of many renowned musical collaborations.

1992:

Some of the deepest feelings I have of that time are of my association with the guitarist John McLaughlin. I knew instinctively that soon he would be an international star, and against his protests I told he would be on his own.

[…]

If you listen to tracks like „It’s Funny“ you will see that we were streets ahead of any other current R & B band. No wonder that by the time this album was released most of the people on it had become superstars.

These tracks are just a glimpse of some things I got up to behind the scenes back in the 1960s. I am very happy that they are being re-issued as I feel they are a unique document of the history of British R & B.

 

2015 16 Okt.

John Cage

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aus „Indeterminacy“

(Konzertplakat, mit Autogramm von Cage)

John Cage – Sonatas No.14 & No.15 ‚Gemini‘ (aus Sonatas & Interludes)

(home made, 1978)

John Cage – CREDO IN US

(Schüleraufführung, 1978)

 

Vingt regards sur l’enfant-Jésus

 

Diesen Klavier-Zyklus hörte ich zum ersten Mal 1978 als Live-Übertragung von den Berliner Festwochen im Radio. Von Messiaen kannte ich bis dato ein paar Orgelwerke, die Turangalîla-Sinfonie und wohl noch ein paar Orchesterwerke. Es war mein  Einstieg in seine Klaviermusik – ich war überwältigt. Peter Serkin (der Sohn von Rudolf Serkin) war der Interpret dieses immens schwierigen und anspruchsvollen Werkes. Die Rundfunksendung habe ich mitgeschnitten, die Notizen in meinem Tonbänder-Merkheft habe ich noch.

 

 

Bald darauf  besorgte ich die Schallplatteneinspielung Peter Serkins, aufgenommen 1973. Inzwischen ist die CD-Version dazu gekommen.

Huit Préludes

Die „Huit Préludes“ sind Messiaens erste im Druck erschienene Klavierkompositionen. Manchmal schimmert es wie Claude Debussy, aber der junge Messiaen ist schon ganz bei sich. Da ich (oder man) Musik sowieso nicht in Worten fassen kann, erlaube ich mir den farblosen Ausdruck, dass die „Huit Préludes“ außerordenlich farbige Musik sind, ein guter Zugang zu Messiaens Klaviermusik. Wenn ich Musik höre, sehe ich keine Farben, rieche ich keinen Schweiß. Das sind nur Assoziationen, keine genuinen Sinneseindrücke.

Messiaen sagt über seine „Huit Préludes“:

Ich war damals zwanzig Jahre alt und hatte noch nicht die rhythmischen Studien betrieben, die mein Leben verändern sollten. Ich liebte leidenschaftlich die Vögel, verstand mich aber noch nicht darauf, ihren Gesang aufzuzeichnen. Aber ich war bereits damals ein Musiker des „Farbtons“

Prélude VI – Cloches d’angoisse et larmes d’adieu

Das „Wummern“ und alle Obertöne der Glocken lösen sich auf in leuchtende Vibrationen. Der Abschied ist purpurfarben, orange, violett.

Die Türe zur Synästhesie ist offen …

München, 2. Juni 1981

 

Ich mag vor allem sein Klavier-Solo-Spiel, seine Triosachen habe ich mir nicht so oft angehört. Ich liebe vor allem sein Solospiel. Wenn ich Solo spiele, dann kann ich manchmal ein solches Level an Inspiration 5 Minuten halten, doch Keith Jarrett kann so etwas 40 Minuten lang tun. Er scheint ein besonderes Selbstbewusstsein zu haben. Er zapft da immer etwas an, etwas Göttliches, etwas, das man nicht in Worte fassen kann. Er erstaunt mich.“

(Brad Mehldau, in einer Sendung Günther Huesmanns im SWR, am 9. Mai 2015)

 

Jarrett’s Auftritt am 2. Juni 1981 im Herkulessaal ist sicher eines seiner längsten Konzerte. Set 1 dauerte ca. 47 Minuten und Set 2 war mit 37 Minuten nur wenig kürzer. Ja, und zwei Zugaben muss man auch noch erwähnen: weitere 14 Minuten. Keine Ansprachen. Angesichts dieser Dimensionen war der „Herkules“-Saal der einzig richtige Ort für diese denkwürdigen Stunden.

Nein, nein, ich bin nicht Jarrett’s Buchhalter. Ich habe oft weite Wege zurückgelegt, um ihn zu hören, um emotionale Erlebnisse der besonderen Art zu erfahren. An jenem Dienstag im Juni 1981 musste ich etwa 350 km mit dem Auto hinter mir lassen. Vielleicht war ich etwas erschöpft.

Es gibt Solokonzerte Jarrett’s, die beginnen und nehmen sofort gefangen. Kyoto 1976, Köln 1975, Kronach 1975. Den Anfang des Münchener Konzerts empfand ich als ausgesprochen spröde, wie intensiv suchend, kein verlockendes Motiv wie im Köln Concert, sondern komplexe Polyphonie, Irrgarten-Harmonik. Ein schwieriger Einstieg in eine Zauberwelt. Erst in Set 2 war ich richtig offen.

Es lag sicher an dieser Erinnerung, dass ich die LP-Ausgabe jahrelang nur aufbewahrt habe. Vor einigen Monaten erst habe ich das Konzert immer wieder gehört. Es ist ein phänomenales Kunstwerk, komplex und von einem Reichtum, den ich als Hörer live im Herkulessaal wohl geahnt habe, aber erst dank der Aufzeichnung nach und nach begreife.

 

„Jarretts Kunst liegt im Gestus, nicht im Material. Wer (wie Zuhörer aus dem Bereich der abendländischen E-Musik) diese Solokonzerte auf die Herkunft der einzelnen musikalischen Partikel hin anhört, wer den Blick auf das Geschiebe richtet, das dieser Bewusstseinsstrom mitführt, statt auf die Bewegung, ist verloren […] Es geht ihm [Jarrett], dem Fundamentalisten, gewissermaßen um Emotionalität an sich. Das Material, könnte man sagen, hat nur noch die Funktion, diese Emotionalität sichtbar zu machen wie Feilenspäne die Linien eines Kraftfeldes.“

(Peter Rüedi, in den Liner Notes der LP-Ausgabe)

 

Ich sehe das etwas anders. Jarrett’s Kunst liegt sowohl im Gestus als auch im Material. Im Konzert bin ich als Hörer nicht in der Lage „die Herkunft der einzelnen musikalischen Partikel“ in aller Tiefe zu begreifen, im Konzert steht das emotionale Erleben vor dem „Blick auf das Geschiebe“. Als Zuhörer abendländischer E-Musik geht es mir nicht anders, wenn ich ein Werk zum allerersten Mal höre.

In Set 1 des Münchner Konzerts erklingt eine kleine, wunderbare Gestalt, etwa nach 4:40 Minuten. Es ist nicht leicht festzustellen, wo sich diese Idee im musikalischen Strom verliert, so sehr wird sie sogleich verwandelt. Bei 8:10 und etwas später ist sie noch einmal greifbar.

Und dann passiert dies: Nach 40 Minuten Musik plus einer halbstündigen Konzert-Pause wird in Set 2 diese Idee wieder eingeführt und bildet für fast 27 Minuten das Rückgrat des in allerlei Farben schillernden musikalischen Prozesses, bevor sie nach einem Tremolowirbel verschwindet und der Flügel in ein bizarres Schlagwerk mutiert.

Jarrett sagte einmal (sinngemäß): „Beim Spielen denke ich immer an Strukturen“. Leider kann ich die Quelle nicht mehr dingfest machen, d.h. ich kann den Mitschnitt jener Rundfunksendung, in der ich das gehört habe, nicht mehr auffinden. Es war vermutlich Michael Naura im NDR, der diesen Satz überlieferte. Vergessen habe ich das nicht. Ohne Struktur wäre Jarrett’s Musik formloses Geklimper auf pianistisch allerhöchstem Niveau.


Letztendlich kann ich nur in Brad Mehldau’s Eloge einstimmen. „Er zapft da immer etwas an, etwas Göttliches, etwas, das man nicht in Worte fassen kann. Er erstaunt mich“

 

Keith Jarrett:

 

I don’t believe that I can create, but that I can be a channel for the Creative. I do believe in the Creator, and so in reality this is His album through me to you, with as little in between as possible on this media-conscious earth.

(zitiert aus den Liner Notes „Solo Concerts – Bremen, Lausanne“)

 

Igor Stravinsky:

 

I was guided by no system whatever in Le Sacre du Printemps. […] I had only my ear to help me; I heard and I wrote what I heard. I am the vessel through which Le Sacre passed.

(aus Igor Stravinsky and Robert Craft „Expositions and Developments“)

 


Ablauf des Münchener Konzerts:

Set 1 (auf den Tonträgern als Part I und Part II bezeichnet)

Pause

Set 2 (auf den Tonträgern als Part III und Part IV bezeichnet)

Zugaben:

Mon Coeur Est Rouge

Heartland

 


Übrigens:

Love No. 3“ strotzt nur so von Struktur, Emotionalität, Ausgelassenheit, Lust am Spiel und am Leben, Frechheit, Freiheit, Mut …

Das ist eine eigene Geschichte.

head & quarter

Lajlas Gedicht
melancholisch
suchend, wünschend ? (a land where fightings don't spread)
Jim & Jules - schwierige freundschaft ?

Lajlas Gedicht
ich hab' es vor tagen schon ausgedruckt
als notenblatt
zum nachspielen am klavier ...
 

zum nachhören:
 

 

2015 8 Sep.

Milngavie

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Schottische Woche?

Das hatte ich nicht erwartet: der Schotte auf dem Bild ist ein Rumäne; der Dudelsack, den er spielt ist eine Trichtervioline. Ich kannte das Instrument vom Hörensagen, von irgendeinem Bild, möglicherweise hatte ich es im Radio schon gehört – lange ist das her. Aber live? Unerhört. Da musste ich stehen bleiben. Der West Highland Way läuft mir nicht davon …

Der drahtige, spröde Sound hatte seinen Reiz. Unter die fremden Melodien mischte sich Bekanntes, ein paar Zeilen aus einer Liszt’schen Ungarischen Rhapsodie, auch Kinderliedlein, die Béla Bartók in seiner vierteiligen Sammlung Gyermekeknek (For Children) bearbeitete – eine Sammlung für Anfänger des Klavierspiels.

Da holt mich beim Zuhören die Vergangenheit ein: der Großvater meiner ersten Freundin war zu Besuch. Er lebte als Kind in Siebenbürgen. Nach dem Kaffeetrinken spielte ich ein paar Stücke aus Bartóks Gyermekeknek. Da begann der alte Herr kräftig mitzusummen. „Sie kennen Béla Bartók?“ wunderte ich mich. „Nein, nein! Aber das haben wir als Kinder gesungen.“

Mit dem Trichterviolinisten habe ich mich ein paar Minuten unterhalten. Ich glaube, meine Augen haben geleuchtet – das konnte ich nicht sehen, aber in seine Augen habe ich geschaut.

So, jetzt muss ich den Rucksack aufsetzen, West Highland Way, Mai 2015.

2015 8 Sep.

Cheers!

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2015 31 Aug.

roaring silence

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In einer Landschaft wie dieser wird man einfach still. Nach 20 Kilometern zu Fuß durch schwarzen Lavasand, über das graugelbe Schwemmland der Jökulsá á Fjöllum lassen wir uns am Rand eines Lavafelds zur Rast nieder.

Es ist windstill, die Sonne scheint und es ist unüblich warm in dieser Hochebene, wo es keinen Grashalm gibt. Nichts Grünes ist zu entdecken im grauen, gelben Schwarz. Kein Vogelzwitschern. Der nächste Verkehrsgeruch ist weit weg.

Wir sitzen und liegen schon eine halbe Stunde – wortlos. Immer lauter wird die Stille. „Ich höre einen leisen Ton“, sage ich zu Dorothea, und sie antwortet: „Ich auch“.

Wir vereinbaren ein Zeichen …

… und singen zugleich den absolut gleichen Ton. Zufall?

Es war kein Ton, der von außen kam.
 
 
 

 

2015 28 Aug.

glatt – rau

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jetzt im Sommer liefert der Garten reichlich Gurken, Tomaten, Brombeeren …

In einer Schale auf dem Arbeitstisch in der Küche liegen sie, die grünen und roten Früchte und ich habe richtig Appetit auf einen frischen Salat. Ich ergreife die krumme, dicke Gurke, die oben liegt und hätte besser Handschuhe getragen, so stachelig war sie. Der Salat schmeckte köstlich. Süße Tomaten, geschmackvolle Gurkenscheiben, mit leichtem Bitteraroma. Das mag ich, und nicht diese glatten, geraden, grünen Schläuche aus dem Supermarkt.

Beim langsamen Kauen schweifen die Gedanken ab. Ich erinnere mich an die Gurkensalate meiner Kindheit. Die Großmutter hat immer die Enden abgeschnitten und die kleinen Stücklein einer Geschmacksprobe unterzogen: wo war das bittere Ende? Man musste in der richtigen Richtung schälen, um die Bitterstoffe nicht über das Gemüse zu verteilen.

Ach ja, die (wider)borstige, bittere Gurke … Das ist jetzt zwei Wochen her. Inzwischen bin ich aufgeklärt. Bitteres kann gefährlich sein.

Ach ja, die (wider)borstige, bittere Gurke … Über den letzten Bissen überfallen mich Assoziationen wie Stechmücken. Ich mag schwarzen Kaffee ohne Zucker, Schokolade mit hohem Kakaoanteil. An Musik muss ich auch denken. Es hätte Janis Joplin oder Tom Waits sein können, war es aber nicht, sondern jene CD die Prison Work Songs vorrätig hält, aufgenommen und herausgegeben von Alan Lomax. Namenlose KÜNSTLER, perfekt! Musik mit Schwielen an den Händen und nach Schweiß riechend, rau eben.

glatt, rau, bitter, süß – ambivalente Angelegenheiten.
 
(dedicated to L.N.)


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