Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2016 22 Juni

Ég elska Ísland

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Vonarskarð – Pass der Hoffnung
 
 

 
 
 
der letzte Pass
 
 

 
 

2016 1 Juni

Alan Lomax

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Ich möchte mich vorweg bei Radiohoerer bedanken. Ohne seine zuverlässig aktuell gehaltenen Radiotipps würden mir viele Eindrücke entgehen. Ohne seinen Hinweis hätte ich gestern Abend eine wunderbare Sendung bei SWR2 über Alan Lomax versäumt. Für ein paar Tage kann man sie hier nachhören. Auch das Manuskript der Sendung ist dort verfügbar.

Alan Lomax und sein Vater John A. Lomax sind bedeutende Sammler traditioneller Musik, auf diesem Feld gleichrangig mit Béla Bartók und Zoltán Kodály. Lomax dokumentierte die gering geschätzte Musik der unteren Gesellschaftsschichten, verschaffte ihr Respekt und öffnete den Blick auf ein verborgenes, buntes Universum. Christoph Wagner, dem Autor der Sendung, gelingt es, einen Eindruck dieses Universums zu vermitteln.

Lomax begann früh, sich auch politisch zu betätigen. Er war in der Bürgerrechtsbewegung aktiv und trat der Rassendiskriminierung entgegen. Sein politisches Engagement brachte ihn in Schwierigkeiten. Im Zuge der Ermittlungen von Senator McCarthy wurde er kommunistischer Sympathien und subversiver Umtriebe verdächtigt. Das FBI legte eine Akte über ihn an. Lomax setzte sich nach England ab und hielt sich mehrere Jahre in Europa auf.

Ich vermute, dass die Arbeit von John und Alan Lomax großen Einfluss auf die Entwicklung der amerikanischen (populären) Musik hatte. So „entdeckten“ beide in den 1930er Jahren Leadbelly, den sie im Angola State Penitentiary, Louisiana besuchten und Aufnahmen für die Library of Congress anfertigten. Vielleicht ist mancher Worksong, aufgenommen in Gefängnissen der amerikanischen Südstaaten, durch Lomax freigelegt worden, etwa Early in the Morning. Ich erinnere mich an eine Version von Ginger Baker’s Air Force. Brian Eno hat auf MY LIFE IN THE BUSH OF GHOSTS ein Sample aus der Folkways Platte Sea Island Folk Festival: Moving Star Hall Singers and Alan Lomax verwendet – MOONLIGHT IN GLORY. Das war mir bekannt. Was ich nicht wusste:

 

Heute lassen sich viele junge und ältere Folk-, Rock- und Weltmusiker, auch DJs und Club-Elektroniker, von den archaischen Aufnahmen von Alan Lomax inspirieren. Ob John Paul Jones von Led Zeppelin, Moby, Trombone Shorty oder der jungen Banjospieler Jayme Stone – alle versuchen, den klingenden Schatz, den Lomax einst gehoben hat, für die Musik der Gegenwart fruchtbar zu machen.

(zitiert nach Christoph Wagner)

 

Nun habe ich aus meiner Alan Lomax Sammlung eines meiner Lieblingsstücke aufgelegt, Duckin’ And Dodgin’. Hmm, Unknown Artist, wunderbar …

 

The incredible thing is, that when you play this material back to people, it change everything for them. They realise that their stuff and they were just as good as anybody else. Then I found out that what I was really doing and my father was really doing, was giving an avenue to those people to express themselves and tell their side of the story.

(Alan Lomax)

2016 14 Mai

Carla

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In den Manafonistas-Sedimenten ruht in der April-2016-Schicht ein Beitrag, den ich hier freilegen möchte. Dort regte Michael an, Please let me know your favourites consisting entirely of cover versions … no matter from which era. Zu meinen Favoriten zählt das Album The Lost Chords Find Paolo Fresu von Carla Bley. Die ersten 6 Tracks – das Banana Quintet – haben es in sich, für mich ist das eine Cover-Version der besonderen Art.

Carla Bley ist am 11. Mai 80 Jahre alt geworden. Zahlreiche Rundfunksendungen feiern eine lebende, eine lebendige Legende des Jazz. Das ist schön. Viele ihrer Freunde und Gefährten sind in den vergangenen Jahren gestorben: Paul Bley, Charlie Haden, Paul Motian, Gato Barbieri, Dewey Redman, Jack Bruce.

In meiner Jazz-Sammlung ist Keith Jarrett mit den meisten Alben vertreten, gefolgt von Miles Davis und dann doch tatsächlich von Carla und Paul Bley. Im REAL BOOK, das ich seit den 70er Jahren besitze und benütze, sind einige Stücke von Carla, darunter die sperrigen, skizzenhaften And Now The Queen und Ictus, denen nur Musiker vom Format eines Paul Bley gewachsen sind und die zugänglicheren Ida Lupino und Sing Me Softly Of The Blues, die ich gerne selbst spiele.

Wenige Tage vor ihrem Geburtstag erschien ihr neues ECM-Album. Das Trio mit Carla Bley, Steve Swallow, Andy Sheppard – eine Besetzung, die an das Jimmy Giuffre Trio erinnert – fasziniert mich seit vielen Jahren. Es gibt eine Reihe von exzellenten Alben mit diesen Dreien: Songs With Legs (Aufnahmen einer Europa-Tournee aus dem Jahr 1994), die Lost Chords Alben (von denen ich jenes mit Paolo Fresu besonders liebe) und die letzten beiden ECM-Releases Trios und Andando El Tiempo.

Im Winter 2010 habe ich das Trio Live in Neuburg/Donau im „Birdland“ erlebt und konnte mit den Musikern sprechen. Der Eindruck war tief, ja schon meine Vorbereitung auf das Konzert war von besonderer Art, denn während der Fahrt nach Neuburg hörte ich erstmals die Banana Suite, die mich auch in Tagen danach intensiv beschäftigte – ein Anlass, nach Carla Bley’s Webseite zu suchen und per eMail meine Eindrücke mitzuteilen. Die höchst originelle Webseite wird von Carla’s Tochter Karen Mantler gestaltet. Ein Besuch lohnt sich!

 
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2016 3 März

50.315520, 11.915150 – Letzte Woche

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27. Februar – Svavar Knútur @Biersalon Trompeter, Hof

 

Die Städte Nürnberg und Fürth haben zusammen rund 730.000 Einwohner. Manchmal frage ich mich, ob eine Mannschaft, gebildet aus den deutschen Spielern des 1. FCN und der SpVgg Greuther Fürth, sich für die UEFA Fußball-Europameisterschaft qualifizieren könnte. Manchmal ist nur dann, wenn ich an Island denke, wo etwa 330.000 Menschen leben. Nun: Island spielt mit, die Niederlande müssen TV glotzen – Surprise, Surprise!

Auch exzellente Handballer gibt es in dem kleinen Land. 2008 gewann Island die Silber-Medaille bei den Olympischen Spielen, und es ist nicht lange her, da hat ein isländischer Trainer – Dagur Sigurðsson – die deutschen Handballer zur Europa-Meisterschaft geführt. Dagur ist vielseitig: nicht nur Sportler, sondern auch Musiker, Schachspieler, Unternehmer. Er ist Mitbesitzer des KEX-Hostels – eine ehemalige Keksfabrik.

Das KEX-Hostel ist einer von mehreren Veranstaltungsorten des Iceland-Airwaves-Festival zu Reykjavík. An fünf Tagen Anfang November bekommt man einen Einblick in eine unglaublich bunte Musikszene …

… von der ich eigentlich erst seit wenigen Tagen einen nur leichenblassen Schimmer habe. Was weiß ich schon von isländischer Musik? 

Surprise, Surprise steht als Vinyl-Scheibe aufrecht in meinem Plattenschrank – wegen des Funk-Fusion-Krachers Garden Party, the band is still alive! Im November 2013 habe ich versäumt, Mezzoforte bei den Kulturwelten des Textilmuseums Helmbrechts zu hören. Björk hat mich vor allem als Schauspielerin in der Rolle der Selma in Lars von Triers Film Dancer in the Dark beeindruckt.

Dass ich die Tür zur isländischen Pop-Musik jetzt einen Spalt aufgemacht habe, liegt daran, dass mein Sohn Philip, der regelmäßig das Iceland-Airwaves-Festival besucht und eine Blogseite über isländische Musik betreibt, mich am letzten Samstag zu Svavar Knúturs Auftritt in Hof mitgenommen hat. Ein feines Konzert!

 

Svavar Knútur – Bátur bíður

 


 
 
 

 
 
 

Während der langen Autofahrt nach Hause haben wir Sóley zugehört.

 

Sóley – „I’ll Drown“

Ich möchte mich nicht mit fremden Federn schmücken. Der pfiffige Titel stammt nicht von mir. Ich habe ihn von einer LP des Ganelin Trios.

 
 
 

 
 
 

Auf dieser Schallplatte gibt es ein Stück, das 1980 bei den Berliner Jazztagen erklungen ist, ein Stück, das ich seinerzeit auf Tonband mitgeschnitten und ein Jahr später als „THE RETURN OF THE PRODIGAL FUN“ auf Vinyl – gekauft bei jazz by post – wiedergefunden habe. Einen besseren Titel kann man nicht dafür finden dachte ich mir, für Free Jazz, wie ich ihn nie zuvor gehört habe, unprätentiös, nicht von der Art schaut her, wir haben die Freiheit mit Schöpflöffeln gefressen, sondern funny, von einer Wirkung wie Ray Anderson’s Alligatoren:

bouncing, vitalissimo, zum Kreischen. Wie schön, wenn Jazz sich nicht wie E-Musik benimmt … (s. „comment 1“)

2016 28 Jan.

the return of the prodigal fun (1)

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Bei der Autofahrt nach Nürnberg zur Jam Session – sie findet im 14-Tage-Rhythmus statt – sind immer ein paar CDs eingepackt, Jazz natürlich! Klassik eignet sich nicht zum Anhören bei dem Brummen und Rauschen, und mein Freund am Steuer steht sowieso nicht auf Klassik.

Wir fahren fahren fahren auf der Autobahn eine gute Stunde. Das ist eine willkommene Gelegenheit, die eigene CD-Sammlung wieder zu entdecken. Nicht wenige meiner Scheiben rotierten zuletzt vor Jahren oder Jahrzehnten im Player. Am letzten Montag habe ich einen wirklich guten Griff getan:

 
 
 
RayAndersonAlligator
 
 
 

Oh, wir haben gekreischt vor Vergnügen. So, jetzt läuft die Scheibe täglich zur Gemütsergötzung. Das Beste wird sein, ich lasse Ray Anderson und seine Rassel Band zu Wort kommen:

 

 

Dem gibt es nichts hinzuzufügen …

Naja, vielleicht dies: Rosato meint, dass da etwas New-Orleans-Spirit wirkt und webt …

2016 17 Jan.

minimal winter

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minimal music
 
 
 

 
 
 
die Geheimnisse der Wiederholung …
 
 
 

 

… aus einer Sendung des DLF (Studiozeit, 12. Juni 1992)
 

2015 26 Dez.

26. Dezember 2015

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2015 10 Dez.

2015

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Rachmaninov Variations

Daniil Trifonov and The Philadelphia Orchestra

Schostakowitsch, Sämtliche Sinfonien & Konzerte

Orchester und Chor des Mariinsky Theaters, Valery Gergiev

Tom Johnson

Music and Questions, Music with Mistakes, Same or Different

Mauricio Kagel

Zwei-Mann-Orchester für zwei Ein-Mann-Orchester (Basler Fassung 2011)

The Revenge of the Dead Indians

In Memoriam John Cage, a composed film directed by Henning Lohner

Iiro Rantala

My Working Class Hero

Karen Mantler

Business is Bad

Erroll Garner

The Complete Concert by the Sea

Larry Karush

Piano Crossroads
Art of the Improviser

Mokave

Volume 1
Volume 2
Afrique

Komitas

Levon Eskenian and The Gurdjieff Folk Instruments Ensemble

Textilmuseum

 

Die Zahlen in der Überschrift sind die geographischen Koordinaten des Textilmuseums zu Helmbrechts. Ich bin in Helmbrechts geboren, habe dort die Volksschule besucht und im Heimatkunde-Unterricht gelernt, dass Helmbrechts der Kleiderschrank der Welt sei. Damals war das noch ziemlich zutreffend. Es gab zahlreiche große mechanische Webereien, die wichtigsten Arbeitgeber der Region.

Das Herstellen von Textilien war über die Jahrhunderte ein essentieller Wirtschaftszweig neben der kargen Landwirtschaft in einer waldreichen, klimatisch rauen Gegend. Ursprünglich waren es Hausweber, die auf ihren Handwebstühlen die Tuche produzierten und sie in schweren Körben auf den sog. Webersteigen von ihrem Wohnort in die Städte, nah und fern, zum Tuchhändler trugen. In meiner Kindheit lebte in der Nachbarschaft noch ein Hausweber, den ich oft besuchte. Der Raum war ausgefüllt mit der hölzernen Maschine, nur wenig Platz gab es für einen Zuschauer. Ich war fasziniert von den virtuosen Hand- und Fußbewegungen des Handwerkers, der, einem Percussionisten gleich, polyrhythmisches Getöse herstellte.

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden die hier gefertigen Stoffe in mehr als 100 Länder exportiert. Dabei mussten die unterschiedlichsten Ansprüche befriedigt werden, da jedes Volk seine eigenen Gepflogenheiten, Muster und Farben in seinen Tüchern verarbeitet haben wollte.

Zur Blütezeit dieser Textilmanufakturen gab es kein Textilmuseum in Helmbrechts. Museen erinnern an Vergangenes – wie Grabsteine. Die Handweber mussten den mechanischen Webereien weichen. Die großen mechanischen Webereien der Stadt sind nun auch verschwunden, abgerissen, oder ihre Hallen sind anderen Zwecken zugeführt worden. Nur wenige Betriebe waren anpassungsfähig und ein paar pfiffige Newcomer handeln mit Textilwaren – weltweit, dank des Internets.

 

Kulturwelten

 

Fortschreitende Überalterung, immer mehr leer stehende Wohnhäuser, fallende Immobilienpreise sind keine guten Zeichen. Aber man hat sich nicht mit dem Verwelken der Region abfinden wollen. Um die Stadt lebendig zu erhalten, wurde vor ca. 10 Jahren eine Veranstaltungsreihe gestartet. Die Kulturwelten bieten mittlerweile gut 40 Veranstaltungen pro Jahr an. Immer mehr Menschen aus der ganzen Region begeistern sich für sie. Der Initiator und Programmgestalter achtet darauf, die unterschiedlichsten Ansprüche zu befriedigen, die Gepflogenheiten, Muster und Farben differierender Vorlieben zu treffen und dabei das Niveau hoch zu halten mit Jazz, Blues, Rock, Ethno-Musik, Kabarett und mehr.

Am 28. November hörte ich im Textilmuseum das Ramón-Valle-Trio. Tags zuvor trat die Band im Birdland, Neuburg/Donau auf (ein sehr weiter Weg für mich). Brillanter afro-cuban Jazz war zu hören, polyrhythmisches Getöse vom Feinsten und viele, ganz persönliche Geschichten zu den Stücken. Der kleine Raum hat Platz für rund 150 Besucher. Man kommt sich vor wie in einem großen Wohnzimmer.

Am 5. Dezember trat Martin Tingvall auf, Piano solo. Er zeigte enorme Bandbreite – von verträumten lyrischen Stücken bis akrobatisch inszeniertem Blues, bei dem der ganze Flügel bebte, physisch extrem wahrnehmbar in der ersten Reihe.

 

Ramón-Valle-Trio, Kostproben

Ramon Valle Trio compilation live @ the A Trane

 

Textilmuseum Helmbrechts


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