Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Diese drei Personen sind am 5. Oktober 1974 beim Metamusik-Festival in der Nationalgalerie Berlin aufgetreten. British Rock of the Avantgarde hieß die Veranstaltung. Da war es nicht mehr lange hin zu ANOTHER GREEN WORLD
 
 
 

 
 
 
In der Retrospektive der Metamusik-Festivals 1 und 2 (veranstaltet von den Berliner Festspielen und dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD in Verbindung mit RIAS Berlin) werden zahlreiche Veranstaltungen in Wort und Bild beschrieben und mit Rezensionen aus renommierten Zeitungen bedacht, nicht jedoch der Auftritt von Nico, John und Brian. Ein Review dieser denkwürdigen Veranstaltung kann man hier finden.
 
 

Am laufenden Band (3)

 


 
 

Walter Bachauer
Abreise ins südliche Blütenland – Die Avantgarde auf dem Weg zur Popularität

(Sendung RIAS am 26. Juli 1982)

2016 16 Nov.

Walter Bachauer

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Walter Bachauer war eine Wucht. Was er in den Äther schickte erstaunte mich – Sachen, die der Bayerische Rundfunk Äonen später sendete (wenn überhaupt) …

Bachauer produzierte das Avantgardemagazin und das Musicarium im RIAS. Die beiden Sendungen wechselten sich ab und waren jeweils Montags von 23 Uhr bis 1 Uhr zu hören. Lebhaft in Erinnerung ist mir eine Ausgabe des Musicariums mit Gustav Mahler, Pink Floyd und einer Indischen Raga. Es war Bachauers Bestreben, Grenzen zu ignorieren oder gar als nicht vorhanden zu deklarieren. Dafür war ihm die Plattform ‘Radio’ offensichtlich zu eng. Er verwirklichte dieses Konzept in seinen Metamusik-Festivals 1974, 1976 und 1978 in Berlin.

Vieles habe ich in Sendungen Walter Bachauers zum ersten Mal in meinem Leben gehört: Steve Reich, Philip Glass, Terry Riley, Brian Eno, Laurie Anderson, Clara Mondshine, Ghana Dance Ensemble, John Cage, Joan LaBarbara, Gesang Tibetanischer Mönche und mehr.

 
 
 

 
 

Der Entschluss
 

Zur Erholung fuhren meine Eltern mit Großvater und uns nach Adlenz auf die Bürgeralm. Paul, der inzwischen Germanistik und Geschichte studierte, traf in der Berghütte einen Schulkameraden, Walter Bachauer. Walter war ein besonders begabter und offener Mensch. Er war groß und kräftig und hatte infolge eines missglückten chemischen Experiments eine weiße Augenbraue, die mich an Kapitän Ahab in Melvilles »Moby Dick« erinnerte. Er hatte mit Paul in der sechsten Klasse eine Reise an den Ossiacher See gemacht und ihm beim Messerwerfen mit der Klinge den Handrücken verletzt, der seitdem eine breite Narbe aufwies. Trotzdem blieben sie befreundet. Während Großvater abwechselnd mit Helmut und meinem Vater Schach spielte, redete ich mit Walter über alles Mögliche. Er kannte sich besonders bei der Avantgardemusik aus, brachte mir Mahler, Schönberg, Berg und vor allem Webern nahe und schenkte mir Bücher, die einen Einfluss auf mein Denken nehmen sollten: den »Kinsey-Report«, Sigmund Freuds »Traumdeutung« und den »Ulysses« von James Joyce, den ich von da an jahrelang mit mir herumschleppte, bis ich ihn endlich zu lesen anfing. Die endlosen Gespräche mit Walter öffneten mir ein Tor zu einer Wirklichkeit, auf die ich schon lange neugierig gewesen war.
 

aus: Gerhard Roth, Das Alphabet der Zeit

Ich muss wohl ziemlich verwirrt drein geschaut haben, denn der Verkäufer versuchte zu erklären: heute speichere man mit USB-Sticks, die eine enorme Speicherkapazität hätten, deshalb sei es wohl auch bald mit den CD-Playern im Auto vorbei, schon heute wären die neueren Modelle ja bereits mit USB-Schnittstellen ausgerüstet. Smartphone anschließen und fertig … Jetzt wurde es mir doch zu viel. Ich erläuterte dem jungen Mann nun meinerseits die Sachlage. Er möge sich mal vorstellen, dass man in einem Leben zunächst das Spulentonband als Speichermedium erlebt habe, dann die Kassette, dann die Minidisc, dann die DAT-Audio-Tapes und nun soll die Zeit der CD als Speichermedium auch vorbei sein???

(aus Gregor öffnet seinen Plattenschrank, Folge 116)

 
 
 

 
 
 
Aus dem Jahr 1877 datiert der Beschluss der Stadt Kronach zur Errichtung einer vierstufigen Realschule – Vorgängerin des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums. Im November desselben Jahres stellte Thomas Alva Edison seinen Phonographen vor. Ich weiß nicht, wie das Musikleben zu Kronach im Jahr 1877 beschaffen war. So viel ist klar: Musik musste man selbst machen oder sich handgemacht und mundgeblasen vorführen lassen – in statu nascendi. Es sind seitdem kaum 140 Jahre vergangen, da werden Gregor – und nicht nur ihm – die Speicherformate im Schnelldurchgang gegeben und genommen.

Als ich Kind war, noch im Vorschulalter, war für mich die Musikwelt kaum anders geartet als 1877. Zu Hause wurde nicht musiziert. Wie es dazu kam, dass mich Musik gepackt und nicht mehr losgelassen hat, lag vermutlich daran, dass es doch ein wenig anders war. Wir hatten ein Radiogerät. Meine Lieblingssendung war der Landfunk. Ach was! Es war die einzige Sendung, die ich mir anhörte. Die Beiträge zu Ackerbau und Viehzucht habe ich ertragen, der eingestreuten kurzen Volksmusik wegen.

Mundgeblasenes gab es einmal im Jahr zum Schützenfest, wenn die Helmbrechts Marching Band zum Festplatz zog und den Tag im Bierzelt verbrachte. Man hätte mich vormittags vor der Kapelle abstellen und nachmittags abholen können. Abends im Bett habe ich dann selbst Musik gemacht, vokale Variationen über Blasmusik, autodidaktische Stimm- und Gehörbildung bis ich in den Schlaf fiel.

Mit dem Spiel eines Instruments begann ich recht spät, im Alter von 9 Jahren Violine, mit 13 Jahren Klavier. Mein drittes „Musikinstrument“ war ein Plattenspieler. Da war ich 14 Jahre alt.

Das Radio jedoch war das Fenster mit weiter Aussicht zu Klanghorizonten – viel später auch zu den Klanghorizonten. Drei West-Sender konnte man in der Region über UKW empfangen: anfangs nur den Bayerischen Rundfunk, seit den 60er Jahren RIAS. Der DLF stellte erst nach 1980 UKW-Stationen entlang der Zonengrenze auf.

Vier Moderatoren haben mir viel gegeben. Ich mag sie wegen ihrer Kenntnisse und ihrer sprachlichen Eleganz.

 

Karl Bruckmaier BR

Karl Lippegaus DLF

Michael Engelbrecht DLF

Walter Bachauer RIAS

 

Die Firma Radio Schramm gibt es noch. Sie war schon immer die Nummer 1 am Ort. Jetzt hat sie so gut wie keinen Konkurrenten mehr in der Stadt – dafür andere, mächtigere. In den 50er und 60er Jahren versorgte sie Jukeboxen vieler Kneipen in weitem Umkreis mit populärer Musik, mit Jan & Kjeld, Hang Down Your Head Tom Dooley, Jørgen Ingmann, I Want to Hold Your Hand

 
 
 

 

 
 
 

Das ist die Fassade des alten Ladengeschäftes. Durch die Türe links neben dem Schaufenster trat man ein in den Verkaufsraum. Als Schüler war ich selten dort. Meinen ersten Plattenspieler (Philips Cortina) bekam ich zur Konfirmation geschenkt. Es gab bei Schramm eine gewisse Auswahl an Schallplatten, aber die wenigen, die mich interessierten, waren mir zu teuer. Ich mochte nur Klassische Musik, jedoch kosteten LPs der Marken Deutsche Grammophon Gesellschaft, Electrola etc. um die 24,– DM. Ich trat dem Ring der Musikfreunde, Köln bei. Vier Käufe pro Jahr waren Pflicht. Das reichte mir vorerst, und die ‘Schallplatte des Monats’ war wirklich preiswert!

 

Dennoch hätte ich 1961 beinahe die erste Jazzplatte meines Lebens bei Radio Schramm gekauft. Meine Cousine hörte im Bayerischen Rundfunk regelmäßig die ‚Schlager der Woche‘. Eine Zeit lang hielt sich ein wunderschönes Stück im Chart, das mir sofort ans Herz gewachsen ist. Ich fragte nach bei Schramm:

 

  – Ham Sie Take Five?

  – Naa, des ham mer net.

 

Schade.

Über die Jahre habe ich insgesamt 5 Platten bei Radio Schramm gekauft: die zwei abgebildeten Doppel-Alben, die sich noch immer in meiner Sammlung befinden, und eine LP mit Orchesterwerken von Maurice Ravel, dirigiert von André Cluytens.

 
 
 

wof          zuma

 

Dies ist ein Bild von Njamy Sitson. Er ist Mitglied des World Percussion Ensembles, das gestern Abend bei den Kulturwelten Helmbrechts aufgetreten ist.

 
 
 


 
 
 

Njami sang als Zugabe Johann Abraham Peter Schulz‘ wundervolle Melodie zur Kora, mit Worten einer mir unbekannten Sprache, rund und schön, begleitet von einem leisen Bordun und feiner Percussion, gespielt mit Jazzbesen auf Blättern von Papier.

 

 „Der Mond ist aufgegangen“ is a beautiful African folk tune, really!

 
 

 

Unvergleichliches habe ich am Sonntag Abend erlebt:

 

– zwei charismatische Musiker (Altersunterschied 45 Jahre 6 Monate)

– Klavier- und Tenorsaxophon-Klänge (farbenprächtig leise kraftvoll)

– naturrein (kein mic kein amp kein speaker)

 
 

 
 

Some joyful Kind of Blues overwhelmed me.

Mysterious.

 

Music as a Gradual Process

1968

 
 
 
I do not mean the process of composition, but rather pieces of music that are, literally, processes.
 
The distinctive thing about musical processes is that they determine all the note-to-note (sound-to-sound) details and the over all form simultaneously. (Think of a round or infinite canon.)
 
I am interested in perceptible processes. I want to be able to hear the process happening throughout the sounding music.
 

To facilitate closely detailed listening a musical process should happen extremely gradually.
 

Performing and listening to a gradual musical process resembles: pulling back a swing, releasing it, and observing it gradually come to rest; turning over an hour glass and watching the sand slowly run through to the bottom; placing your feet in the sand by the ocean’s edge and watching, feeling, and listening to the waves gradually bury them.
 
 
 

 
 
 
Though I may have the pleasure of discovering musical processes and composing the musical material to run through them, once the process is set up and loaded it runs by itself.

 

Material may suggest what sort of process it should be run through (content suggests form), and processes may suggest what sort of material should be run through them (form suggests content). If the shoe fits, wear it.

 

As to whether a musical process is realized through live human performance or through some electro-mechanical means is not finally the main issue. One of the most beautiful concerts I ever heard consisted of four composers playing their tapes in a dark hall. (A tape is interesting when it’s an interesting tape.)

 

It is quite natural to think about musical processes if one is frequently working with electro-mechanical sound equipment. All music turns out to be ethnic music.

 

Musical processes can give one a direct contact with the impersonal and also a kind of complete control, and one doesn’t always think of the impersonal and complete control as going together. By „a kind“ of complete control I mean that by running this material through this process I completely control all that results, but also that I accept all that results without changes.

 

John Cage has used processes and has certainly accepted their results, but the processes he used were compositional ones that could not be heard when the piece was performed. The process of using the I Ching or imperfections in a sheet of paper to determine musical parameters can’t be heard when listening to music composed that way. The compositional processes and the sounding music have no audible connection. Similarly in serial music, the series itself is seldom audible. (This is a basic difference between serial (basically European) music and serial (basically American) art, where the perceived series is usually the focal point of the work.)

 

What I’m interested in is a compositional process and a sounding music that are one and the same thing.

 

James Tenney said in conversation, „then the composer isn’t privy to anything“. I don’t know any secrets of structure that you can’t hear. We all listen to the process together since it’s quite audible, and one of the reasons it’s quite audible is, because it’s happening extremely gradually.

 

The use of hidden structural devices in music never appealed to me. Even when all the cards are on the table and everyone hears what is gradually happening in a musical process, there are still enough mysteries to satisfy all. These mysteries are the impersonal, unintended, psycho-acoustic by-products of the intended process. These might include sub-melodies heard within repeated melodic patterns, stereophonic effects due to listener location, slight irregularities in performance, harmonics, difference tones, etc.

 

Listening to an extremely gradual musical process opens my ears to it, but it always extends farther than I can hear, and that makes it interesting to listen to that musical process again. That area of every gradual (completely controlled) musical process, where one hears the details of the sound moving out away from intentions, occuring for their own acoustic reasons, is it.

 

I begin to perceive these minute details when I can sustain close attention and a gradual process invites my sustained attention. By „gradual“ I mean extremely gradual; a process happening so slowly and gradually that listening to it resembles watching a minute hand on a watch — you can perceive it moving after you stay with it a little while.

 

Several currently popular modal musics like Indian classical and drug oriented rock and roll may make us aware of minute sound details because in being modal (constant key center, hypnotically droning and repetitious) they naturally focus on these details rather than on key modulation, counterpoint and other peculiarly Western devices. Nevertheless, these modal musics remain more or less strict frameworks for improvisation. They are not processes.

 

The distinctive thing about musical processes is that they determine all the note-to-note details and the over all form simultaneously. One can’t improvise in a musical process — the concepts are mutually exclusive.

 

While performing and listening to gradual musical processes one can participate in a particular liberating and impersonal kind of ritual. Focusing in on the musical process makes possible that shift of attention away from he and she and you and me outwards towards it.

 

Once again, but now in full length – DLF Studiozeit, 12. Juni 1992

 
 

2016 23 Juli

München

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München, 16. Juli 2016, Gasteig Philharmonie

 

Fotos und Videoaufnahmen im Konzertsaal sind während des gesamten Konzertes und des Schlussapplauses untersagt. Bitte schalten Sie Ihre Handys, Kameras und sonstigen elektronischen Geräte komplett aus und verstauen Sie sie, bis das Konzert beendet ist. Dies ist eine persönliche Bitte von Keith Jarrett. Bitte respektieren Sie diese während des gesamten Abends.

 

Ihr Bell’Arte Team

 
 

München, 22. Juli 2016, Olympia Einkaufszentrum

 

… und vor allem – ich sage es noch einmal, weil wir den Abend darüber häufiger schon gesprochen haben – auch wenn Sie etwas Ungewöhnliches in Ihrer Umgebung bemerken, versuchen Sie dem zu widerstehen, das zu fotografieren oder mit dem Smartphone aufzunehmen und dann an irgend jemand zu posten …

 

Ihr Tagesschau Team

 

Samstag 16. Juli 2016 – München, Gasteig
 
Keith Jarrett, piano solo
 
Ich habe Jarrett am 23. Oktober 1992 im Gasteig zu München live gehört und damals beschlossen, kein Konzert Jarretts mehr zu besuchen. Warum?

Jenem Konzert drohte der Abbruch. Es stimmt schon, in den ersten 10 Minuten wurde gehustet wie in einer Lungenheilanstalt. Jarrett hörte auf zu spielen, wandte sich zunächst freundlich ans Publikum: „can we cough all together at the same time?“, worauf es lange ruhig blieb bis eine weitere Ermunterung ein paar bemühte Verhüstungen hervorrief. Es dauerte nicht lange bis zum nächsten Einhalt. Diese Unterbrechung war jedoch ernster, unangenehmer, denn Jarrett verließ die Bühne, Ende der Vorstellung? Es schien so, denn es dauerte lange, bis er zurück kam. Zuhören mit einer Schlinge um den Hals, die bei jedem Husten im Saal sich enger zusammen zieht, ist nicht mein Ding.

Mit einem solchen Vorfall hatte ich nicht gerechnet. In jenen Zeiten des Praeinternetikums war die Kunde von Jarretts Publikumsbelehrungen noch nicht bei mir eingetroffen. Im Oktober 1992 besuchte ich das zwölfte Mal ein Konzert von bzw. mit Keith Jarrett. Nur einmal erlebte ich eine Unterbrechung. Das war beim Auftritt seines Amerikanischen Quartetts 1976 bei Jazz-Ost-West in Nürnberg, wo er nach wenigen Sekunden sich an die Herde von Fotografen wandte: „If you don’t know when to take pictures – I don’t want any pictures – we stop immediately“. Einverstanden. Es sei gesagt, dass es das sog. Ambiente Konzert war, bei dem simultan im Großen Saal, im Foyer und im Kleinen Saal der Meistersingerhalle Bands spielten und die Besucher nach gusto hin und her wanderten. Es gab Unruhe die Fülle als Jarrett, Redman, Haden und Motian eine fantastische Performance der „Survivors’ Suite“ spielten – ohne weitere Unterbrechung!

Nun habe ich doch noch einmal ein Jarrett Konzert live erlebt. Leise muss es da zugehen.
 
 
 
Jarrett2016
 
 
 

Dieses Ticket war ein Geschenk, das mir zwei Tage vor dem Event zugefallen ist. Natürlich ist mein 1992 gefasster Vorsatz obsolet geworden. Aber was ihn auslöste spielt freilich eine Rolle, zumal medial vermittelte „Erkenntnisse“ über Jarretts gelegentlich sogar unflätige Belehrungen des Publikums, über seinen neurotisch anmutenden Zwang, mangelnde Konzentrationsfähigkeit des Publikums zu beklagen etc. den zum künstlerischen Hochamt Pilgernden begleiten. Die frischen Nachrichten kamen aus Wien – vom 9. Juli 2016.

Keith Jarrett tritt nicht auf, um Mühselige, Beladene oder Gutgelaunte zu erquicken. Er verlangt dem Publikum Einiges ab, wobei die einfachste Übung darin besteht, SmartPhones still zu legen und auf schlecht belichtete SmartPhotos zu verzichten – eine Aufgabe, an der mindestens 2 Wiener scheiterten. In München – und wie ich erfahren habe auch in Wien – gab sich der Veranstalter alle Mühe, das Publikum auf Jarretts Ansprüche vorzubereiten, niemand sollte versehentlich einen Eklat provozieren. Auf jedem Sitz lag ein Infoblatt mit Verhaltensregeln, zu denen auch ein Fotografierverbot während des Schlussbeifalls (!) zählte. Der Saal wurde verdunkelt, die Seitentür zur Bühne öffnete sich, und es trat auf … ein abhängig Beschäftigter der Veranstalterfirma, welcher den Text des Infoblattes vorlas, das Blatt wendete und alles in English wiederholte.

Ich bin trotzdem auf das Schlimmste gefasst, aber es kommt ganz anders. Das Publikum ist lautlos still und bleibt es nach dem einleitenden sperrigen Jarrett’schen Impromptu. Eine lange Generalpause, dann Jarretts erste kurze Ansprache: man möge ruhig applaudieren, wenn einem danach ist – Erleichterung auf beiden Seiten. Das zweite Stück ist von düsterer Art. In den anschließenden Miniaturen erklingen hellere Farben, fassliche Melodien, es folgen glitzernde Passagen, pianistische Bravourstücke, impressionistische Klänge. Gelöst und ohne jeden Hinweis auf einen Verfall der guten Atmosphäre geht es durch den zweiten Teil.

Zu Jarretts Konzerten gehören offenbar Ansprachen, dem Vernehmen nach meistens Belehrungen oder gar Beschimpfungen. Er hält im zweiten Teil eine längere Vorlesung, sie handelt von den Herausforderungen an einen Improvisator, der sich nicht wiederholen, der nicht in Routine verfallen will, davon, warum er nach weit über 100 Solokonzerten immer noch die Anstrengungen von Solo Recitals auf sich nimmt – „who else will do it?“

Er schließt, sich gut gelaunt entschuldigend, mit „Why am I giving a lecture?“ Ich höre ein „thank you“ und halte das für mehr als eine höfliche Floskel der Art thank-you-for-listening

Zurück zum Pianoforte für einen stilisierten Blues und ein paar schöne Préludes vor herrlichen Zugaben: „Answer Me, My Love“, eine zweite, die mir kein Standard zu sein schien, und „Somewhere over the Rainbow“. Standing Ovations nach jeder Zugabe, ich hatte den Eindruck, es könne sogar ein viertes Encore geben. Es war ein großartiges Konzert. Dann ist es doch passiert – ein paar SmartPhlitzlichter …

 

Ferdinand Ries

 

Dieser Marsch veranlaßte übrigens das Gute, daß Graf Browne gleich die Composition dreier Märsche zu vier Händen, welche der Fürstinn Esterhazy gewidmet wurden (Opus 45), von Beethoven begehrte.
Beethoven componirte einen Theil des zweiten Marsches, während er, was mir noch immer unbegreiflich ist, mir zugleich Lection über eine Sonate gab, die ich Abends in einem kleinen Concerte bei dem eben erwähnten Grafen vortragen sollte. Auch die Märsche sollte ich daselbst mit ihm spielen.
Während Letzteres geschah, sprach der junge Graf P…. in der Thüre zum Nebenzimmer so laut und frei mit einer schönen Dame, daß Beethoven, da mehrere Versuche, Stille herbeizuführen erfolglos blieben, plötzlich mitten im Spiele mir die Hand vom Clavier wegzog, aufsprang und ganz laut sagte: „für solche Schweine spiele ich nicht.“
Alle Versuche, ihn wieder an’s Clavier zu bringen, waren vergeblich; sogar wollte er nicht erlauben, daß ich die Sonate spielte. So hörte die Musik zur allgemeinen Mißstimmung auf.

 

 (vorgefallen im Jahr 1803)

 

 

Montag 18. Juli 2016 – München, Tollwood Festival

 

Jamie Cullum

 

Der Besuch eines Jamie Cullum Konzerts ist bei uns ein Familienausflug, dreimal schon hat das stattgefunden. Da geht es ganz schön laut zu. Ich habe mich nicht vorne in Nähe der Bühne aufgehalten, sondern hinter dem Geviert der Licht- und Tontechnik. Vielleicht ist dort der Sound der bestmögliche im Tollwood-Zelt. Eine Schalldruckanzeige verrät präzise, wann es ratsam wird, die Ohren zu schützen. So weit kam es nicht, 103 dB war der einmalige Spitzenpegel. Außerdem gab es kühlende Ventilatoren für die Belegschaft und einen großen Flachbildschirm – ich hatte also beste Sicht auf die Bühne und Jamie Cullums Finger.

 
 
 

 Cullum2016

 
 
 

Jamie Cullum tritt auf, um viele Gutgelaunte zu erquicken. SmartPhotos ohne Blitzlicht, gedacht für den Privatgebrauch sind erlaubt – so die Durchsage des Veranstalters. Jazz mit Popschminke, Pop mit Jazzschminke unterhalten mich glänzend. Jamie, das Energiebündel, ist ein wirklich guter Klavierspieler und Crooner mit einer perfekten Band. Große Überraschungen gibt es nicht und bald fühle ich mich wie im Fußballstadion, umgeben von Fangesängen, die Songs werden mit Jubel begrüßt wie Kicker, wenn sie in die Arena einziehen. Jamies Intros funktionieren, wie Ansagen des Stadionsprechers. Beim nächsten Familienausflug bin ich bestimmt wieder dabei.

 

fast vergessen: Jamie Cullum ist ebenfalls in Wien aufgetreten.

2016 28 Juni

Ég elska Ísland

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Maístjarnan
 
 


 
 

It’s a song, with lyrics by Iceland’s nobel laureate Halldór Laxness. Essentially it is a person speaking to a beloved one, but it’s also an anthem for the 1st of May.

 

Hardworking fervent Icelanders kick England out today.

 


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