Am Mittwoch, den 21. Dezember sendet ZDF neo Oskar Salas berühmten Film Die Vögel.
Wenn ich mich nicht irre, sind die Soundeffekte vom wenig bekannten Albert Hitchcook (so ähnlich heißt er, glaube ich).
on life, music etc beyond mainstream
2016 20 Dez.
Hans-Dieter Klinger | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Elektronische Musik, Oskar Sala | Comments off
Am Mittwoch, den 21. Dezember sendet ZDF neo Oskar Salas berühmten Film Die Vögel.
Wenn ich mich nicht irre, sind die Soundeffekte vom wenig bekannten Albert Hitchcook (so ähnlich heißt er, glaube ich).
2016 12 Dez.
Hans-Dieter Klinger | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Metamusik-Festival, Walter Bachauer | 1 Comment

Katalog Metamusik-Festival Berlin, 1974 & 1976
A lost treasure, truly, denn bei einem Gang über die Marktplätze des Internets werde ich nicht fündig. Hinter einer verriegelten Tür – in Heidelberg – könnte man einen Blick darauf werfen.
Gut, dass das Buch schon eine Zeit lang in meinem Bücherschrank steht, ist es doch ein rares Dokument, in dem ab und an zu blättern und zu lesen sich lohnt. Walter Bachauer war Initiator dieses Festivals.
Metamusik
Nein, der Begriff ist keine Etikette für eine neue Schublade im musikalischen Sortiment der Zeit. Metamusik ist das genaue Gegenteil von Genre-Begrenzung, das „Meta-“ steht für „Über-„griff, für ein kasten-und kästchenloses Musikbewußtsein, dem die „Querlinien über der Weltmusik“ wichtig geworden sind. Als Titel über eine Serie von Konzerten bedeutet Metamusik nicht weniger als ein Programmkonzept, das thematischen Variationen unterliegt. 1974 war es der Einfluß Asiens auf Euroamerika, manifestiert in Meditationsklängen und mantrischen Melodieformeln, 1976 ist es die musikalische Kraft, die auf der Kehrseite des Meditativen wirkt, der geschlagene Rhythmus, die Percussion.
Walter Bachauer in: Metamusik-Festival 1 und 2, Berlin 1974 und 1976

1974 – Terry Riley / Tibetische Mönche des Gyuto-Klosters

1974, 15. Okt. – Steve Reich and Musicians

1976, 8. Okt. – Steve Reich “Music for 18 Musicians” (Europ. Erstaufführung)
Wie kommt es, dass Tibetische Mönche in Europa auftreten?
Die Fahrt beginnt in Pathankot, einer staubigen Stadt noch in der Ebene. Der bunt bemalte Bus, unterteilt von harten Holzbänken, windet sich im ersten Gang durch die Vorberge des Himalaya. Manchmal hält er an einem Wasserrohr, das aus dem Felsen ragt. Man sieht die Straße ganz hoch oben in einer Wand und kann sich nicht vorstellen, jemals dort anzulangen. Wenn Kurven auf künstlichen Trassen aus dem Berg hängen, sieht man, daß die Stützmauern, längst verwittert wie der Stein rundum, nur noch eine begrenzte Zahl bunter Busse verkraften werden. Daß sie diesen noch passieren lassen, indische Denkart wird daran nicht zweifeln. Nach acht Stunden kommen wir in Daramsala an. Es sind zwei Orte. Am Fuß des Berges wohnen Inder, auf dem Gipfelplateau Tibeter. Unten Hindus und Moslems, oben Buddhisten. Auf dem zentralen Platz von Upper Darashala drehen sich jede Stunde des Tages die bronzenen Gebetsmühlen mit der Prägung OM MANI PADME HUM. Jeder, der vorbeikommt, versetzt einen der Metallzylinder in Drehung. Hier residiert der Dalai Lama, weltliches und geistliches Oberhaupt aller emigrierten Tibeter, auf einem vorgeschobenen Hügel, außerhalb der Siedlung. Im Hotel Kailash, dem einzigen hier, miete ich ein Zimmer. Es ist von anderen Zimmern durch Bretter mit großen Fugen getrennt. Man wirft sich gutnachbarliche Blicke zu. Eine Woche warte ich auf die Audienz beim Dalai Lama. Ich will ihn bitten, Mönche des Gyuto-Klosters nach Europa reisen zu lassen und ihre esoterischen wie geheimen Rezitationen fremden Ohren preiszugeben. Der Dalai Lama entscheidet zu Gunsten der Reise und entläßt mich mit einem weißen Schal, der dem Bittsteller Segen verspricht. Das Gyuto-Kloster liegt in einem anderen Himalaya-Tal, nur auf dem Umweg über die Ebene zu erreichen. Oben in Dalhousie stehen Hotels im viktorianischen Stil, gebaut von Engländern, die das Wüstenklima der Gangesebene nicht ertrugen. Doch das Gyuto-Kloster bleibt unauffindbar in dieser Siedlung auf sieben verschiedenen Hügeln, deren Flanken in steile Täler führen.
„Die Klöster liegen höher in den Bergen, aber wir wissen so gut wie nichts über ihre Bewohner“, erzählt ein Inder, der sich ausnahmsweise zu einer Auskunft herabläßt. Der Weg führt in dichte Wälder. Wenn sich die Bäume lichten, sieht man im fernen Violett die schneebedeckten Berge der vorgeschobenen Himalaya-Kette. Ich erkenne das Kloster an kleinen ausgeblichenen Fahnen, die im Winde wehen. Der Abt Tara Tulku und die Ältesten versammeln sich und bewirten mich mit Keksen und gesalzenem Tee, auf dem eine Schicht Butter schwimmt. Die potentielle Reise wird in Klausur beraten. Dieweil reicht mir der Klosterarzt einen großen Karton mit deutschen Medikamenten, die ein Tiroler Chirurg gespendet hat. Ich soll dem tibetischen Mediziner übersetzen, wofür die Pillen taugen. In langen heiteren Debatten verständigen wir uns über die anatomische Lage von Organen, oder vielmehr Begriffen wie „Leber“ oder „Niere“, die die tibetische Heilkunde nicht ganz so exakt definieren will wie die westliche. Mehr als die Hälfte der Präparate sind gegen Blutdruckkrankheiten, an denen Tibeter grundsätzlich nicht leiden. Nach Ende der Klausur fällt Tara Tulku sein Urteil. „Wir sind ein aussterbendes Volk und wollen unsere Lehre weitergeben. In Europa werden wir Freunde gewinnen, auch wenn sie Text und Musik unserer Zeremonien nicht verstehen können. Und überdies schützt uns ihr Unverständnis vor dem Verrat jener wahren esoterischen Geheimnisse, die mit uns vergehen werden.“
Walter Bachauer in: Metamusik-Festival 1 und 2, Berlin 1974 und 1976
2016 7 Dez.
Hans-Dieter Klinger | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 8 Comments
Das ist der Titel eines Albums von Stan Kenton, ein Album, erschienen in den frühen 50er Jahren, ein Titel, der sich dem Gedächtnis einprägt. Ich kenne ihn seit Jahrzehnten. Habe ich ihn in J. E. Berendts Jazzbuch aufgelesen? Keine Ahnung, egal.
Heute habe ich zum ersten Mal überhaupt Stan Kentons Album gehört. Natürlich war ich bereit, ‘Neue Konzepte rhythmischer Kunstfertigkeit’ aufzuspüren. Das ist mir irgendwie misslungen. Die Metren gehen nicht über den 4/4-Takt hinaus, in 23 Degrees North – 82 Degrees West erscheint der Clave Beat, Taboo gibt sich leicht afro-karibisch. Das ist um 1952/53 nichts Neues (Dizzy Gillespie, Chano Pozo, Mario Bauzá hatten den afro-kubanischen Ton da schon längst dem Jazz einverleibt). Aber eine Menge Artistries in Harmonics, in Polyphony, in Sounds, in Arrangement faszinieren mich. Das klingt in Mono frisch und blitzblank.
Eigentlich hatte ich gar nicht vor, mich Stan Kenton zuzuwenden …
New concepts of artistry in rhythm entdeckte ich während des letzten Waldspaziergangs in Begleitung meines Kopfhörers, als der mir WDR 3 Jazz & World vorspielte:
Dawn of Midi – Dysnomia
ganz ausführlich
Amino Belyamani, piano
Aakaash Israni, bass
Qasim Naqvi, drums
2016 6 Dez.
Hans-Dieter Klinger | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 5 Comments
1
Transzendental – Franz Liszt, Etudes
Daniil Trifonov, Klavier
release 07.10.2016
DGG 0289 479 5529 0
2
Maurice Ravel, Complete Piano Works
Bertrand Chamayou, Klavier
release 13.01.2016
Erato
Ravels Klaviermusik fasziniert mich ununterbrochen, ganz besonders die großen Werke, wie Gaspard de la Nuit, Le Tombeau de Couperin, Miroirs …
3
Bernd Alois Zimmermann
Sinfonie in einem Satz / Musique pour les soupers du Roi Ubu u.a.
release 2016
Wergo
Die ‚Musique pour les soupers du Roi Ubu‘ ist eine groteske, makabre, glänzend instrumentierte Collage aus viel Tanzmusik der Renaissance, mit einem geradezu apokalyptischen Schluss, gemixt aus Stockhausens Neuntem Klavierstück, Wagners Walkürenritt und dem Marche au supplice aus der Symphonie fantastique von Hector Berlioz.
4
Carla Bley, Andy Sheppard, Steve Swallow
Andando El Tiempo
release 06.05.2016
ECM 2487
hach !!!
5
Giovanni Guidi
Ida Lupino
release 02.09.2016
ECM 2462
6
Vincent Peirani & Michael Wollny
Tandem
release 10.10.2016
ACT 9825-2
7
Michael Wollny
Hexentanz
release 23.03.2007
ACT 9756-2
Die Reihenfolge drückt keine Rangordnung aus – 7 ist also nicht schlechter als 1, und 1 ist nicht schlechter als 7. Ich komme nicht auf 20 Alben, weil ich so viele in einem Jahr nicht richtig verdauen kann. Ein klarer Regelverstoß: das Album Hexentanz wurde schon 2007 veröffentlicht. Aber ich finde es eindrucksvoller als das Duo Peirani-Wollny. Zu meiner Verteidigung sage ich:
Unvorsichtig lasse ich mich zu diesem Statement hinreißen: Wollny ist der Trifonov der improvisierten Musik.
Friend
’n
Fellow
Die Zusammenarbeit von Voice & Guitar ist altbewährt. Das habe ich, wie viele Andere auch, hautnah erlebt. Zur Studentenzeit waren wir oft an einem schönen See, irgendwo nahe München. Es war ein verträumter Platz unter Laubbäumen mit einem kleinen schmalen Sandstrand. Oft war ein Junge dabei – seinen Namen habe ich vergessen – der es drauf hatte, Voice & Guitar. Von ihm habe ich das Rauchen von Roth-Händle übernommen und seine spezielle Art, Zigaretten der Schachtel zu entnehmen: mit seinem plektronförmigen Daumennagel ritzte er einen langen Spalt mitten in die Frontseite der Verpackung, klappte sie auf und holte eine schwarze Roth-Händle heraus. Wolfgang rauchte Reval und griff sich manchmal jene Gitarre am Strand. Er spielte nur ein Stück, nämlich Rocky Raccoon, und machte damit mächtig Eindruck auf Agnes. Da habe ich immer davon geträumt, Trockenklavierpulver zu erfinden. Wasser zum Aufgießen gab es ja genug an unserem Sandstrand. Mit Voice & Guitar kann man sogar Nobelpreise gewinnen – wenn man eigene Texte singt.
Voice & Guitar gab es am 2. Dezember bei den Kulturwelten. Gleich nach dem ersten Stück sag ich zu meinem Mädel: „Ich werd’ verrückt!“ Constanze Friend ‘n Thomas Fellow sind nun in Helmbrechts und sinnieren erst einmal über den eigenartigen Namen des ihnen bis vor Kurzem unbekannten Ortes. Beim nächsten Stück schließe ich die Augen und meine Ohren sehen eine Band, ein ganzes Quartett, nicht nur voice and guitar! Auch bass und percussion, oder war es doch ein Quintett mit melody and rhythm guitar? Das hört sich etwa so an:
Nach mehr als 2 Stunden gibt es ein verblüffendes PreEncore: eine Fantasie über H-E-L-M-B-R-E-C-H-T-S. Ob sie das öfter machen? frage ich nach dem Auftritt. Vielleicht auch über B-O-N-N? Nö, sagt Constanze, das war ‘ne spontane Improvisation. Die letzte Zugabe war „What a Wonderful World“.
Das war es auch, 21/2 Stunden lang. Nicht ein einziges Mal ist mir der kommende amerikanische Ubu Roi durch den Kopf gegangen. Eine Frage hatte ich noch an die beiden. Ob ich eines ihrer Stücke komplett auf einer Blog-Seite vorstellen dürfe? Wenn es eine ihrer Eigenschöpfungen ist, habe man nichts dagegen. Nun denn …
2016 28 Nov.
Hans-Dieter Klinger | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Steve Reich, Walter Bachauer | 3 Comments
DRUMMING
Das Berliner Festival des Sommers 1972 – von Walter Bachauer initiiert nach dem Vorbild von Hans Ottes „pro musica nova“ – präsentierte Steve Reich and Musicians mit Drumming. Der RIAS und SFB nahmen auf. Im Mai 1973 sendete Bachauer diesen Mitschnitt im Avantgardemagazin. Ich saß vor den Lautsprechern, und mein Revox A77 lauschte mit. Meine Eindrücke sind nicht zu beschreiben – eine unerhörte, eine nie zuvor gehörte Art von Musik …
Das Tonband ist verschollen, nur meine Notizen in der Tonbänder-Kladde existieren noch. Im Jahre 1974 erschien bei der Deutschen Grammophon Gesellschaft jene legendäre 3-LP-Box, die Steve Reichs Bekanntheit enorm förderte. Zum 80. Geburtstag Steve Reichs in diesem Jahr gab es ein 180g-Vinyl-Reissue dieser Box. Weil das Booklet meiner 1974-Ausgabe verloren gegangen ist, habe ich die Wiederveröffentlichung erworben. Das neue Beiheft enthält erstaunliche Ergänzungen …
By 1974 Steve Reich was emerging from what one music critic called „that underground pantheon where he was installed as composer in residence to the young and initiated“, going on to say that Deutsche Grammophon had now „produced the album which [brought] Reich above ground“: the 3-LP set of Drumming, Six Pianos and Music for Mallet Instruments, Voices and Organ. The album, recorded in Hamburg in January 1974, had been released in the autumn of that year (early 1975 in the US). The history of its inception, however, goes back to May 1972, and is richly documented in a remarkable series of letters, telexes, telegrams, internal memos and protocols preserved in a Deutsche Grammophon A & R file – including no fewer than 46 letters from Steve Reich himself, mainly addressed to his producer Dr. Rudolf (Rudi/ Rudy) Werner.
aus dem Beiheft zu
Drumming, Six Pianos, Music for Mallet Instruments, Voices and Organ
DGG 479 6310
… und weiter mit
It was Walter Bachauer, the director of avant-garde music at the Berlin Festival, who first recommended Drumming to Rudolf Werner in a letter of 11 May 1972 …
On 31 May Bachauer sent Werner a tape of Drumming, Reich’s tour plan and the Berlin Festival programme. Reich was to be in Berlin from 6 to 11 July; he and Werner first met up there.
Das kann nur ein Band eines frühen New Yorker Mitschnitts gewesen sein.
2016 28 Nov.
Hans-Dieter Klinger | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Hans Otte, Walter Bachauer | 8 Comments
Hans Otte ist ein beinahe Unbekannter
ein kaum bekannter Pianist
es gibt Aufnahmen mit dem SWF-Sinfonieorchester und den Berliner Philharmonikern
ein kaum bekannter Komponist
sein bekanntestes Werk ist DAS BUCH DER KLÄNGE für Klavier
Herbert Hencks 1999 erschienene ECM-Einspielung dieses 12-teiligen Klavierzyklus hat die Erinnerung an einen unterschätzten Komponisten lebendig erhalten.

Auf dem kompositorischen Weg des 1926 geborenen Hans Otte scheint es keine kontinuierliche stilgeschichtliche Entwicklung zu geben.
Beiheft Zeitgenössische Musik in der Bundesrepublik, Vol. 5
Man hat keine Chance, diese Feststellung profund zu überprüfen. In Heft 17 der MusikTexte vom Dezember 1986 findet man neben einem überraschend umfangreichen Werkverzeichnis eine nur schmale Diskographie. Das ist bis heute so geblieben. Das widerspiegelt auch meine Tonträgersammlung. Neben einer Aufnahme von Das Buch der Klänge / Stundenbuch – gespielt von Hans Otte – ruhte viele Jahre eine Aufnahme von passages (1965) für Klavier und Orchester ungehört.

Die New Music aus Amerika kam in zwei Wellen. In den 50er Jahren war es der Kreis um John Cage, der die festen Burgen des europäischen Serialismus erschütterte.
In den frühen 70er Jahren fand die amerikanische Minimal Music essentielle Unterstützung in Deutschland. Die New Allies waren zahlreiche Kulturträger Westdeutschlands, allen voran die Rundfunkanstalten.
Die Festivals „pro musica nova“ und „pro musica antiqua“ in Bremen
Hans Otte gehörte zu den Neuen Verbündeten der American Experimental Music und war dazu ein Förderer der Alten Musik, ganz besonders der damals noch jungen historischen Aufführungspraxis. Nikolaus Harnoncourt hat ein erstes entscheidendes Podium in Bremen gehabt. 1959 war das Jahr, in dem Hans Otte die Leitung der Musikabteilung von Radio Bremen übernahm.
Als ich 1959 nach Bremen kam, hab‘ ich mir einfach das Konzertleben der Stadt angeschaut, und das war ja, wie man weiß, sehr traditionsbeflissen. Es waren in erster Linie eben die Philharmonischen Konzerte für klassische und romantische Musik da, dann gab es ein reges Kirchenmusikleben. Was der Stadt also meiner Meinung nach damals fehlte, war die gesamte alte Musik, vom Mittelalter bis zur Renaissance und in das Barock hinein, was der Stadt fehlte, war die Kenntnis der neuen Musik, und was der Stadt ebenfalls fehlte, war das, was man Informationen über die außereuropäischen Musikkulturen nennen kann. Also habe ich ein Festival für alte Musik aufgebaut und eins für neue. Im Zusammenhang mit anderen Festivals in Berlin, Rennes und München war es möglich, als Ergänzung auch immer mehr außereuropäische Musikensembles nach Bremen zu holen. Es war eigenttlich eine Liebeserklärung an Bremen, eines Tages sollte jeder wissen können, was auf dieser Welt musikalisch existiert. (Bei Pro Musica Nova) ging es darum, durch das Festival darüber zu informieren, was die mittlerweile längst schon arrivierten Komponisten der Welt denn gerade machen: Stockhausen, Cage, Boulez. Kagel. Ligeti und so weiter. Dann gab es natürlich die vielen ganz jungen Komponisten, die wir hier vorgestellt haben.
MusikTexte 17, 33
Ungewöhnlich detailreich, fast möchte man glauben lückenlos, wird in New Music, New Allies Hans Ottes Wirken in Bremen beschrieben, ein Engagement, das weit über die Hansestadt hinaus ausstrahlte. Und hier kommt Walter Bachauer ins Spiel, der am 3. Dezember 1971 der Uraufführung von Drumming im Museum of Modern Art, New York beiwohnte – am 3. Dezember 2016 wäre Hans Otte 90 Jahre alt geworden.
In the audience at Otte’s legendary 1972 festival sat a RIAS employee named Walter Bachauer (1942-1989). In July 1972 he hosted a similar eight-day series of avant-garde concerts in West Berlin (11-18 July), subtitled „Spiel, Klang, Elektronik, Licht.“ For this ambitious event, Bachauer took advantage of the European tours of Cage, Tudor, and Reich and other Americans like Feldman and Rzewski who resided in Europe that summer. Following Otte’s plan, Bachauer presented concerts as well as exhibitions, tape demonstrations, and three seminar series. […] Like Otte, Bachauer framed his festival with Cage and Tudor, who gave the first concert as well as the last. Three concerts featured works by Feldman. […] Many critics agreed that for better or for worse, Reich’s Drumming stole the show.
New Musik, New Allies, 184
2016 18 Nov.
Hans-Dieter Klinger | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Steve Reich, Walter Bachauer | 1 Comment
Der Dezember 1971 ist in New York C. überaus kalt. Frierend pendle ich zwischen den Protagonisten des Manhattan-Avantgarde-Undergrounds und werde immer überzeugter, daß Europa eine Generation von Komponisten dieser Stadt einfach nicht zur Kenntnis nimmt. Die jüngste, diejenige, die dem eurozentrischen Weltbild all dieser „Ästhetiker“ nicht hörig ist, jene, die nicht den „Staten Island Serial Stile“ schreibt. Am letzten Tag vor dem Abflug nach Los Angeles vertreibe ich mir die Zeit im Museum of Modern Art. Am schwarzen Brett hängt ein Plakat: „Steve Reich: ‚Drumming‘. Premiere“. Die Anzeige bezieht sich auf den kommenden Abend, auf das Keller-Auditorium des Museums. Ich verspäte mich und der Saal ist übervoll. Während unzähliger Wiederholungen immergleicher Melodiebruchstücke fühle ich zuerst argen Widerstand gegen „Monotonie“. Aber der Versuch eines rationalen Einspruchs scheitert an der fast automatischen Veränderung meiner Wahrnehmung. Ich bemerke, wie auch andere Leute in ihre Sitze fallen, als würde die Energie der Musik eine besondere Position des Körpers verlangen. Als stünde ein ungeheuerlicher Start bevor. Ich falle in einen Traum von Sonnenaufgängen. Irgendwie folgen sie den Wellen von Aufbau und Zerstörung in den Rhythmen der Musik, die dort vorn mit einem präzisen Gleichmut geschlagen wird. Doch auch den Zusammenhang zwischen Klängen und Farben der inneren Bilder kann ich nicht verfolgen. Begonnene Überlegungen werden weggespült, die synästhetischen Träume reißen alles mit sich. Es ist, als würde ich rückwärts fliegen, in einen Strom bunter Partikel ohne Angst fallen. Der Strom versiegt nach 83 Minuten mit dem Finale der Musik. Jetzt fällt mir ein, daß ich ähnliche, von farbigen Linien erfüllte Räume in einem Film Stanley Kubricks sah. Als ich mit dem japanischen Komponisten Makoto Shinohara das Museum verlasse, finde ich Vergnügen bei dem Gedanken, daß die musikalische Utopie stets noch unkalkulierbar und jäh aus den Kellern kommt. Shinohara und ich sind bester Laune, als uns auf der 53th Street zwei schwarze Boys links und rechts überholen. Sie machen kurzen Prozeß und erbeuten grinsend 20 Dollar. Shinohara rühren sie nicht an. Er ist in ihren Augen „farbig“. Die Boys laufen zum nächsten U-Bahn-Eingang und schreien dabei die verdutzten Passanten an. Ich verstehe nur “ … Power … . „
Walter Bachauer in: Metamusik-Festival 1 und 2, Berlin 1974 und 1976
Walter Bachauer hat am Abend des 3. Dezember 1971 der ersten Aufführung von DRUMMING beigewohnt. Eine Begegnung mit Folgen …
aus „List of Works“ in: Steve Reich, Writings about Music
2016 16 Nov.
Hans-Dieter Klinger | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Am laufenden Band, Walter Bachauer | 1 Comment
Clara Mondshine ist ein einzigartiger Name, unauffindbar in Telefonbüchern und Einwohnerverzeichnissen – ein Kunstname, ein Künstlername. Dass Bachauer Clara ist, wurde nicht geklärt als ich zwei- oder dreimal Musik von Mondshine im RIAS hörte.
Im Juli 1988 lief mein Cassettendeck im Aufnahmemodus.

Am laufenden Band (4)
(Sendung RIAS am 8. Juli 1988 – Moderation: Hildegard Curth)
Ocean of Tears
The Final Ritual
Bachauer mochte die Musik von Eno.