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2016 16 Nov

Walter Bachauer & Brian Eno

von: Hans-Dieter Klinger Abgelegt unter: Blog | TB | Tags: , 6 Kommentare

Diese drei Personen sind am 5. Oktober 1974 beim Metamusik-Festival in der Nationalgalerie Berlin aufgetreten. British Rock of the Avantgarde hieß die Veranstaltung. Da war es nicht mehr lange hin zu ANOTHER GREEN WORLD
 
 
 

 
 
 
In der Retrospektive der Metamusik-Festivals 1 und 2 (veranstaltet von den Berliner Festspielen und dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD in Verbindung mit RIAS Berlin) werden zahlreiche Veranstaltungen in Wort und Bild beschrieben und mit Rezensionen aus renommierten Zeitungen bedacht, nicht jedoch der Auftritt von Nico, John und Brian. Ein Review dieser denkwürdigen Veranstaltung kann man hier finden.
 
 

Am laufenden Band (3)

 


 
 

Walter Bachauer
Abreise ins südliche Blütenland – Die Avantgarde auf dem Weg zur Popularität

(Sendung RIAS am 26. Juli 1982)

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Mittwoch, 16. November 2016 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

6 Kommentare

  1. Hans-Dieter Klinger:

    Zur Gliederung der langen Sendung

    00:00 Brian Eno
    07:30 Kommentar
    14:02 Kommentar, Philip Glass
    35:27 Kommentar
    37:12 Philip Glass
    51:03 Kommentar, Bognermayr-Zuschrader Erdenklang
    72:38 Kommentar, Brian Eno

  2. Michael Engelbrecht:

    Geschichte wird lebendig.

    In jenem Herbst 1974, als Eno, Nico und Cale in Berlin auftraten, begann ich mein Psychologie-Studium in Würzburg. Ich wohnte im I-Haus in der Friedenstrasse 2, zusammen auf einem Doppelzimmer, mit meinem neuen englischen Buddy Dave Webster aus Preston.

    Via Jazz by Post, Gleichmannstrasse 10, bekam ich, glaube ich, damals schon, die Briefe mit aufregenden Jazzneuheiten, nicht nur von ECM Records.

    Die Beatles waren erst vier Jahre „history“, und Dave spielte abends, zu unserer gemeinsamen Freude, das „white album“, ich glaube, bis in die Weihnachszeit hinein.

    Ich kannte von Eno bis dahin nur flüchtig die ersten beiden Roxy Music-Alben, die bei mir interessanterweise überhaupt nicht zündeten.

    Anders als der Zündfunk bald darauf (der sehr wohl zündete), wo ich Ingeborg Schober, Carl Ludwig Reichert, Karl Bruckmaier und Michael Hutter hörte.

    Das war dann aber auch schon 1976, 1977 und 1978, Eno war dort „Stammgast“, und seine Platten waren bei mir neben allerlei Free Jazz, ECM und Soft Machine eingereiht.

    Ich hatte bald mein Einzelzimmer, und wundere mich noch heute, dass sich niemand beschwerte, wenn ich, manchmal nachts (wenn ich durch allergisches Asthma wach wurde – Würzburg war ein Pollenkessel) John Coltranes LIVE IN JAPAN hörte.

    LEO war mein Lieblingsstück, und es half meine Bronchien zu entkrampfen, genauso wie das Mittel mit dem gefährlich klingenden Namen Asthmokranit, das ein zusätzliches High verursachte, weil darin Ephedrin enthalten war.

    ROLLING STONE von Terje Rypdal rockte damals auch gern die Nacht.

    Das war das Haus, in dem ich mich zum ersten Mal in einem Fahrstuhl verliebte.

    Eines Tages kam Paul Watzlawick in den Grossen Hörsaal, und ich kaufte einen Raubdruck von LÖSUNGEN.

  3. Jan Reetze:

    Bachauers Sendung könnte heute noch genau so laufen. Vielleicht sollte sie das sogar.
    Die Funktionsweise des Fairlights scheint er allerdings nicht genau gekannt zu haben, auch die Herkunft des Namens „Erdenklang“ war ihm wohl nicht klar (die gesamte Platte ist ausschließlich mit gesampelten Naturklängen realisiert worden).

  4. Hans-Dieter Klinger:

    Mich interessiert Näheres zur „Funktionsweise des Fairlight“. Findet man etwas darüber in Musikcomputer-Computermusik (J.B. Metzler Verlag) ???

    Auch die Herkunft des Namens „Erdenklang“ würde ich gerne erfahren

    ——-

    Clara Mondshine hatte doch sein eigenes Studio. Wahrscheinlich ist nicht mehr herauszufinden, welches Equipment er verwendete. Oder?

  5. Jan Reetze:

    Es ist 30 Jahre her, dass ich das Buch geschrieben habe — da weiß ich selbst nicht mehr, ob ich das heute noch empfehlen möchte. Der Wikipedia-Eintrag ist auf jeden Fall ausführlicher. Bognermayr & Zuschrader hatten damals den Fairlight II. Der Fairlight war der erste Sampler, außerdem ermöglichte er eine additive Klangsynthese einfach mit dem Lichtgriffel am Bildschirm. Das war ziemlich sensationell, das konnten vorher nur elektronische Studios mit irrem Aufwand.

    Auf dem Gerät konnte man Melodien per Klaviatur einspielen und auf einem Sequenzer speichern, man konnte sie aber auch Note für Note am Bildschirm eintippen, ähnlich wie heute bei Score-Programmen wie etwa Sibelius. An dem grünen Bildschirm war das eine Tortur für die Augen. (Ein Notenlesegerät, von dem Bachauer in seinem Beitrag spricht, gab es nicht.) Bognermayr und Zuschrader haben beides eingesetzt.

    Die „Erdenklang-Sinfonie“ hieß deshalb so, weil sie (fast) vollständig aus Naturklängen besteht, die Bognermayr und Zuschrader auch weitgehend selbst gesampelt und bearbeitet hatten (streckenweise bis zur Unkenntlichkeit). Damit war sie das erste Werk aus Naturklängen, das nicht der Musique concrète im Sinne Schaeffers oder Henris zuzuordnen war. Ulli Rützel als Mitorganisator der Linzer Ars Electronica gehörte zu den Auftraggebern des Werkes, das dort auch live uraufgeführt wurde, später hat er sein eigenes Label nach dieser Platte benannt (die damals noch bei Teldec erschienen war).

    Man muss „Erdenklang“ als Pionierwerk hören, musikalisch ist es nicht unbedingt ein Meisterwerk, und die beiden hatten die klangliche Ästhetik dieses neuen Werkzeuges noch nicht richtig raus. Das hat Bachauer schon richtig gehört. Spätere Platten von Bognermayr und Zuschrader (die sich dann Blue Chip Orchestra nannten) waren besser.

    Damals hat der Fairlight II um die 130.000 Mark gekostet. Es wird ihm nachgesagt, er habe wesentlich zum Entstehen des Hip-Hop beigetragen (so auch die gestrige Folge von „Soundbreaking“), und das stimmt wohl auch — soviel zu der Mär, das sei am Anfang Musik „von unten“ gewesen. Drei Jahre später gab es dann schon den EMU, der nur noch einen Bruchteil kostete und den Fairlight eigentlich schon zum Museumsstück machte. Und irgendwann kam der Akai-Sampler (S-2000, glaube ich, hieß das Ding), der dann in Nullkommanichts die Studios beherrschte. Sogar Holger Czukay ersetzte seine Tonbandmaschinen letztlich damit.

    Welches Studio-Equipment Bachauer hatte, koennte vielleicht Achim Gieseler wissen, die beiden haben ja mal eine Platte zusammen gemacht. Aber das ist nun auch schon Jahrzhnte her.

  6. Hans-Dieter Klinger:

    Vielen Dank für die ausführlichen Erklärungen. Als ich die Sendung vor Kurzem wieder hörte, war ich erstaunt über die Fähigkeit des Fairlight, mühelos Partituren lesen zu können, konnte das aber nicht einschätzen.
    Ich hatte um das Jahr 2000 (?) eine Demoversionen eines solchen OCR-Programms ausprobiert (könnte von Finale gewesen sein). Ich fand es nicht überzeugend.

    Bognermayr-Zuschrader hat mich gar nicht angesprochen, wohl aber Brian Eno. Vermutlich habe ich nach dieser Sendung AMBIENT 4 gekauft und das von Brian Eno vorgeschlagene, auf dem back cover erklärte three-way speaker system ausprobiert.

    Im Abschnitt über Philip Glass macht Bachauer eine Anspielung auf Koyaanisqatsi (time 36:50), ohne den Titel des Films (℗ 1982) zu nennen.


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