Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archiv: August 2017

2017 25 Aug

Testbild

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Vor fünfzig Jahren wurde in der alten BRD das Farbfernsehen eingeführt, und das alte Testbild, vom griseligen Rauschebild ganz abgesehen, verschwand zügig aus deutschen Wohnzimmern. Dem neuen farbigen Textbild war nur eine kurze Dauer beschieden. Es wird vermisst (schwarzweiss oder koloriert), denn es stand für asketischen Leerraum, der später, von Spassvögeln aus den Redaktionsstuben, von Aquarien, oder einem flackernden Kaminfeuer, ersetzt wurde. Da wurde es schon wieder zu heimelig, man stelle sich vor, angestrahlte Gartenzwerge hätten das nächtliche Ambiente noch vervollständigt. Jede Form von Leere, ausser der hirnlosen, ist heute aus dem TV verschwunden, schade eigentlich.

 

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Es war in Münster, im Kunstmuseum, ich hatte einen ultraschweren Schinken von Edmund Husserl gelesen, und beschlossen, dass die Philosophie mich nur weiter bringt, wenn sie mit Lust betrieben wird. Da liefen auch zuviele Kantianer rum, dann lieber später, in Würzburg, ein paar durchgeknallte Bhagwans, und wohldosierte Analytikerinnen.

Zur Bekämpfung leichter Ungleichgewichte von „body & mind“ kamen die drei Gentlemen gerade richtig, Mitte der Siebziger Jahre – und als sie auf einer Empore den Raum betraten, brandete der Applaus auf. „Gateway“ war ein trefflicher Name für das Trio, das der guten alten Tante Powertrio tatsächlich neue Töne beibrachte. Nach Jimi Hendrix war die Messe noch nicht gelesen. Da waren auf alten Holzstühlen und geschrubbtem Boden viele Zuhörer versammelt, die seitdem gewiss ihre ECM-Plattensammlung stetig vergrössert haben. Eine versprengte Wahlverwandtschaft, und etliche auch schon tot.

Ganz gleich, welche Historie Abercrombie, Holland und DeJohnette mitbrachten (zwei hatten danken Miles D. und Charles L. schon Legendenstatus, und Abercrombie fabrizierte, rückblickend weiss man es, in jenem Jahrzehnt diverse Meilensteine, oder gestaltete sie mit, ich sage nur Timeless, ich sage nur Sargasso Sea, ich sage nur Gateway, ich sage nur Mountainscapes, ich sage nur Grazing Dreams, ich sage nur Deer Wan, ich sage nur Eventyr) – sie waren damals Underground, und sie prägten eine Sprache, a living thing.

John Abercrombie strebte nach Transparenz, und konnte dieses Spielideal, in nachfolgenden Jahrzehnten, mit einem besonderen lyrischen Kammerjazz realisieren. Meine letzte Lieblingsplatte, Class Trip. Time is a hunter. Thank you for the music, John!

 
 
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Es war bewegend, gestern Abend, nach zwanzig Jahren, mein altes Portrait erneut zu hören, das anlässlich des Todes von John Abercrombie im Deutschlandfunk wiederholt wurde. (Sie können die ganze Sendung, incl. der einleitenden und abschliessenden Worte von Harald Rehmann,  unter „comment 1“ nachhören.) Es kam mir gelegentlich so vor, als würde der sehr bescheidene, zugleich beredte Gitarrist einzelne meiner „Sternstunden“-Erinnerungen mit seiner Sicht der Dinge pulverisieren – sehr interessant zudem  die Passagen, in denen er von der Zusammenarbeit mit Manfred Eicher erzählt – da wird einmal mehr deutlich, dass die Siebziger eine grosse Zeit des Experimentierens waren, in denen auch Zweifel und ständiges Hinterfragen zum kreativen Prozess gehören konnten. Es gab keine fertigen Rezepturen für „sound and vision“.

Die Alben, die John  Abercrombie als  „Sammlerstücke“ erwähnt, sind schon längere Zeit wieder erhältlich, so etwa „The First Quartet“, drei CD’s in einer weissen Box, mit dem eingangs gespielten Stück „Madagascar“, sowie „Five Years Later“, sein zweites Duo-Album mit Ralph Towner. Letzteres ist sicher auch ein „Klassiker“, und es sollte mich wundern, hätten wir es in der Jazzredaktion nicht schon in der Reihe „Milestones“ gewürdigt.

2017 24 Aug

Bomb Hugger

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„Because if it’s not love,
it’s the bomb, the bomb, the bomb
that will bring us together …“

– singen The Smiths.

 

 

He or she, an alien, young dude, young girl, sweet seventeen, eighteen, a future full of promises, some blessed, some cursed. The world, currently on edge. The madman in the White House can start a nuclear attack any time his disturbed mind tells him to do so. He has to be taken away from duty, peacefully. The Geriatric Center for Millionaires might take care. Or some Golden Coast Resort with a team of life coaches for hoplessly narcisstic fascists. Fucking Nixon, drunk, once tried a strategic nuclear attack, Kissinger (one of fucking Kissinger’s few good deeds) stopped him in the process.  But, imagine, the world will not yet have reached its next end to come, imagine a young lad or lady who never have heard or read or seen anything of our recommendations for September. He, she starts from top, works to the bottom. First, an Austrian with a knack for empty spaces in music will put our earth-bound alien into a deep trance. Takes a day to come back to so-called real life. The four Eno albums will open one gate of perception after the other. Takes weeks to resurface. Alien buys a damaged synthesizer. Alien sings „The Fat Lady of Limbourg“ in the shower. Diving into a fresh and witty (though profound) book about The Beatles then leads to different stages of being lost. Alien, or Innocentia, will learn the „yeah-code“ and loose innoence. Fifty-five „yeahs“ in „It won’t take long“ – it won’t take long?  Takes months to resurface. The story does not end yet, here we go:  „Flamingo“, by master writer James Lee Burke. Another 480 pages to get lost in. At the end, „Ozark, season 1“: welcome to the third (!)  golden age of TV. The world is a dark place. Everything is broken, everything falling apart. Time for love, real, good, strong love. „Nunc stans“. „This is the first day of the rest of your life.“ Lessons to fight, lessons to surrender.

 

2017 24 Aug

„Der fünfte Streich“ (Finale)

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Innerhalb von vier Jahren waren also, zwischen Januar 1974 und Sommer 1977 (ten years, after the summer of love, Mr. Whistler!) die vier „Songalben“ von Brian Eno erschienen. Und, bei allem Respekt, hatte mich Roxy Music nur am Rande interessiert. In den ersten zwanzig Jahren eines Lebens ändert sich selbiges mitunter über Nacht, mit bestimmten Platten, später schafft das Musik nur selten. Die Tigerbergmusik war so ein Ding, wie Sgt. Pepper, eine Einstiegsdroge, und die Instrumentalalben verzauberten mich nicht weniger. Was aber die Songs angeht – da war, nach Ray und John und Paul, nach Neil Young und Leonard Cohen und Joni Mitchell und Robert Wyatt, eine neue Lieblingsstimme aufgetaucht, DIE Stimme, eingewickelt in fantastische Klänge.

Nun kam „der fünfte Streich“ (der mir gespielt wurde), das lange Schweigen der Stimme. Ich weiss heute noch, wie ich als Stadtkind, im einsamen Furth i. W., an einem trostlosen Kiosk, ein Interview von Harald InHülsen mit Eno las, der nach New York umgezogen war, und verkündete, keine Lust mehr an weiteren Songalben zu haben. Ich lebte mein erstes Psychotherapeutenleben an der tschechischen Grenze,  und bekam ab und zu Besuch von einer Motorradfahrerin. Da fehlte etwas, alles Glück dünnes Eis, Heimat ein Wort aus dem Erdkundebuch, ich lebte in „a fucking village called Bergeinöden“, John Lennon wurde erschossen, und zwei Jahre lang lief eine sehr begrenzte Zahl an Schallplatten (Seelenfutter!) „on high rotation“, neben den üblichen Verdächtigen auch „Scary Monsters“, „Northern Song“ „Common One“ und „Colossal Youth“. Allison Statton war eine weitere Lieblingsstimme, die noch schneller verschwand als sie kam. Damals ging meine kolossale Jugend kolossal zuende. Crash & crack & break. 

Im folgenden Jahrzehnt wurde ich zum Jäger der verlorenen Stimme, und fand mich damit zurecht, Eno als notorischen „background singer“ zu erleben. Das Highlight im Bayerischen Wald war natürlich „Remain In Light“, ab und zu dann hörte ich ihn bei U2, die mich musikalisch überhaupt nicht packten, ein pathetischer irischer Katholik war wirklich das letzte, was ich brauchte. Einmal sang Brian Eno einen Coversong für einen Jonathan Demme-Film („Ring of Fire“), viel kam da nicht zusammen, bis er, irgendwann nach London zurückgekehrt, beim Staubsaugen die Lust am Singen wiederentdeckte, und sich mit John Cale ein Album lang das Singen der Lieder teilte. Das war der eigentliche „fünfte Streich“, nach den vier bereits erzählten „Streichen“ der vier Alben aus den Siebzigern, das Album „Wrong Way Up“. Damals traf ich Brian zum zweiten Mal, es wurde ein sehr langes Gespräch über Songs und Stimmen und Kindheit. Eine schöne Pointe, dass er in den letzten Jahren fast so viel singt wie einst in jungen Jahren. Damit endet die kleine Textreihe der „fünf Streiche“ – Kristiansand is calling!

2017 23 Aug

„Over and gone“

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I had just turned 15 in February of 1967, thus I was a bit young to fully appreciate and understand the Summer of Love. But I was ripe for it all the same. I was tuning into Sgt. Pepper’s, The Doors’s first album, the Airplane’s Surrealistic Pillow, etc. I had already smoked my first joint.

Even though I was all the way over on the East Coast, the vibe of San Francisco had drifted across the country like heady incense. It showed up one day in the form of my best friend’s older brother. He came east bearing gifts: good strong pot and a stack of records from the left coast. He wore tall black boots with pointy toes, bell-bottom jeans, and a blue denim jacket. He had a mustache and a beard and hair down to his back. He was a self-proclaimed anarchist – and the coolest guy I had ever met!

In truth, I idolized the hippie movement. I’d already gotten a taste of it—a free concert in New York City’s Central Park. The lineup was impressive: the Butterfield Blues Band opened, followed by the Jefferson Airplane. The Grateful Dead in all their glory played a long closing set. That concert turned out to be a life-changing experience. I still remember the Airplane hanging out on a riser behind the Dead, swaying to the music of (the yet to be released) Anthem of the Sun (possibly the most adventurous album of their entire studio output), Augustus Owsley Stanley (the legendary acid maker) at the mixing board and Grace Slick throwing candies out to the uber-stoned crowd during the Dead’s set. It was a taste of heaven. I walked out convinced I was destined to become a musician and that somehow, I had get to San Francisco.

That summer, my parents sent me on a camping tour called Wagons West. A very straight couple ran it. They hired teachers to drive a couple dozen rambunctious teenagers in Ford econo-vans across the country to visit the nation’s landmarks. They had the annoying habit of embarrassing us in crowds by shouting loudly, „Waggoneers, over here!“

I admit it,  I was one of the wilder ones. I didn’t fit in with most of them; they were far too sedate and, well, straight for my tastes. However, it turned out that there were several other characters with whom I quickly aligned myself. One of them turned out to be the son of Robert Rauschenberg, the late contemporary artist. He even crazier than I was, espousing an incomprehensible philosophy that seemed to include spaghetti as the ultimate form of God. The other character was Jason, whose father was a well-known science-fiction writer. His dad had written an apocalyptic novel about the reemergence of a new society after the psychedelic wars. Jason was 15 going on 25 – he’d already managed to grow a sort of mustache, had long hair, and always wore dark shades. And he lived in Greenwich Village. He was an aspiring photographer and always had his camera at the ready.  His dad would eventually go on to publish an article in Life magazine entitled, “My Son Is on LSD.“  These metropolitan New Yorkers seemed far more experienced than I was. They became my mentors, especially with regards to drugs and generally getting into trouble, which we did quite a bit that summer.

After endless stops at national monuments and parks, we finally arrived in San Francisco. As we drove across the Golden Gate Bridge, Scott McKenzie’s “If You’re Going to San Francisco” (wear some flowers in your hair) came on the radio. This was how I wound up at 15 in San Francisco during the Summer of Love.

We were staying at the Y, and managed to ditch the group almost immediately, making a beeline for the Haight. It was teeming with energy; the streets were full of colorfully clad hippies and runaways. The smell of pot was everywhere. People were drumming and dancing in the park. Head shops looked like dark caves, filled with glowing black-light posters; smoke and music were drifting into the streets. Long haired freaks were giving away copies of the beautiful and mystical Oracle on every street corner. There was a vibe of unbridled creativity and freedom in the air. I drank it all in, too young and naive to see the shadow that lurked beneath the veneer of “Love on Haight.”

It is impossible to convey the feeling this experience transmitted to an impressionable 15-year-old. A new and mysterious world was being revealed, a world rich with the promise of altered consciousness, drug-and-music fueled ecstasy, and at least to my testosterone fueled teenage mind, the possibility of getting it on with far-out hippie chicks! And somewhere, mixed in with the drugs, music, and sex, there was also a feeling of nascent spirituality crackling in the air.

Of course, the first thing we did was to try to cop some drugs. Jason simply went up to the most promising hippie in the vicinity and asked. The longhaired, bearded freak with the requisite flowers in his hair responded with, “No problem, man.” Jason proceeded to give him a laundry list of uppers, downers, pot, and LSD etc. The hippie told us he would get the stuff and come to our room at the Y. (Yes, we were that naive!) A few hours later, back in our room, there was a knock on the door: The hippie had actually come through with all of Jason’s requests! The rest of the summer was admittedly a blur, but I do remember nearly getting sent home several times for our escapades. (After that summer, the tour banned all longhaired kids.)

We hid our stash inside a portable battery-driven record player we had bought in Chinatown. We only had a couple of records with us, Sgt. Pepper’s, Surrealistic Pillow, Country Joe and the Fish’s Electric Music for Mind and Body, and, for some reason, Projections, the second Blues Project album.  Those 4 albums became the soundtrack of that crazy summer. We played them ad nauseam, never tiring of “Lucy in the Sky,” “White Rabbit,” “Sweet Lorraine” and “Flute Thing.” “Don’t You Want Somebody to Love” became a sort of anthem for us.

Radio was cool in San Francisco. KSAN played a mix of psychedelic rock, blues, Indian ragas, folk, and classical music. You never knew what you were going to hear next. It was true free-form radio—before it was even invented—as anti-corporate as one could possibly imagine. Bulgarian music, Vivaldi, Van Morrison, Taj Mahal, Hendrix, and Ravi Shankar all mixed together in equal measure. Even the top 40 stations were pumping out Van Morrison’s “Brown Eyed Girl,” the Doors’s “Light My Fire,” or Hendrix’s “Purple Haze.”

And what a year for albums! Bands didn’t just put out one classic; many had no less then two: the Airplane released both Surrealistic Pillow and the boundary breaking Bathing at Baxter’s; the Doors had their eponymous first album and followed it with Strange Days; Hendrix released Are You Experienced? and Axis Bold as Love. This was also the year that Buffalo Springfield Again was released, as well as Forever Changes by Love. Moby Grape put out its near perfect first album. The psychedelic movement had a strong showing in Britain as well: The marvelously creative and zany The Who Sell Out came out alongside one of the best Kinks albums, Something Else. The Incredible String Band put out the amazing 5000 Spirits. Pink Floyd released its first album, the trippy Piper at the Gates of Dawn. And of course, the Beatles released Sgt. Pepper (and later in the fall, Magical Mystery Tour, which may have been a shitty movie, but was certainly a solid collection of songs).

The first time I heard Sgt. Pepper was on the radio. FM radio had just gotten its first pop station and a DJ named Rosko (“on the go in stereo“) played it in its entirety before it was officially released. I had on my dad’s Scott tuner and listened with his Sennheiser headphones. In short, it blew my stoned 15-year-old mind. I even thought I distinctly heard one of the Beatles call out my name (right before the reprise of Sgt. Peppers!) I had never heard anything quite like it. Some rock critics thought it was overproduced and put it down for not being pure enough rock-n-roll. I remember reading a review that focused on dissing “Within You and Without You,” because it was „too Indian“ and the lyrics were too „overtly spiritual.“ For me all of it was ear candy I was ready to devour. And devour it I did.

As it turns out I’m still devouring it: Earlier this summer I bought the newly released deluxe package of Giles Martin’s remarkable remix of Pepper. It is everything I could’ve hoped for. Giles used the original mono mix as his template for relative volume balances, and got ahold of the individual tracks (before they were bounced to the final 4-track), and flew the tracks into the computer, where he was able to sync them up. This enabled Giles to create a true stereo mix from scratch. To me this mix, best heard in hi def (either in stereo or 5.1,) is the perfect Pepper. It has the solid bottom of the mono mix, bringing up the bass and drums for added power, yet possesses a wide, balanced and satisfying stereo soundstage, all the while retaining the relative balances and gutsiness of the original mono mix. The 5.1 mix is well worth checking out. It starts off mostly in the fronts with just a little ambience in the rears, but as the album unfolds, so does the surround-sound experience. By the end it entirely envelopes the listener.

There is an overriding theme here: The Beatles seemed to be telling us that we all have the ability to paint our reality as we so choose. You hear it in “Fixing a Hole,” “Getting Better,” the fantasy world of “Lucy in the Sky,” the emancipation proclamation of “She’s Leaving Home.” The message was clear: You don’t have to settle for the status quo: You are free to create the reality you want, if not externally, at least within your own internal landscape, where you can escape the humdrum 9-5 world.

Listening to this album all these years later, I am struck by how ahead of its time it really was. This is not only apparent in the arrangements and boundary pushing production, it’s also embedded in the sophisticated lyrics—it’s not all peace and love either. There is an underlying thread of discontent and darkness brewing just beneath the veneer of psychedelic good vibes. Even as a teenybopper I could feel the despair and anger in the lyrics of “Good Morning, Good Morning”; Lennon was already emerging as the misanthrope he was to become in his later solo years, the dark clouds of a world in chaos seeping into the hermetically sealed bubble of his acid-infused days and nights. Even the Beatles couldn’t completely isolate themselves from the real world, the daily tally of war deaths, scandals, and the ever-present mortal news. “A Day in the Life” summed it all up.

It has been 50 years since the months we so romantically refer to as the Summer of Love. But by the end of that summer, the stories of drug burnouts, alcohol abuse, and the use of meth and other decidedly nasty drugs were circulating. Even as the busses carrying tourists, eager to see the hippies in their natural environment, were still driving through the Haight and the Village in NYC, the Diggers, a group of idealistic anarchists and performance artists who were feeding hippies in Golden Gate Park and had started the Haight Ashbury Free Store, proclaimed the „Death of the Hippies“ and marched through the streets of the Haight carrying the Hippie Coffin. Yes, it was over almost before it began. Shortly after, came the deaths of Jimi, Janis, Jim, and all the rest. Not to mention the assassinations of Robert Kennedy and Martin Lither King.  After that it was only a short trip from Woodstock to Altamont. The dream was over.

I read recently that the American neo-Nazis have dubbed this summer the Summer of Hate. No surprise there – the Blue Meanies are still trying to ruin our day. And we’re still trying to fight the good fight. Some things will never change.

It may be a cliché to say the music lives on. But, you know, it really does!

2017 22 Aug

Moshi

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Man nannte ihn Barney, aber er war Franzose. Bernard Jean „Barney“ Wilen, geboren 1937 in Nizza. Mit seinem Saxofon ein Wanderer zwischen Welten. Früh begleitete er Miles Davis zu den laufenden Bildern des Louis Malle-Klassikers mit Jeanne Moreau, „Fahrstuhl zum Schafott“ , er spielte mit drei Vierteln des Modern Jazz Quartet, in den Sechziger Jahren dann Free Jazz, Fusion Music. Jazzgeschichte im Hochgeschwindigkeitsmodus.

Joachim Ernst Berendt holt ihn 1967 für „Jazz meets India“ nach Donaueschingen, und wenn wir schon mal in der Ecke sind – er spielt auch im berühmten Lindauer Jazzclub „Zur Fischerin“. Der junge Manfred Eicher organisiert das Programm des Clubs mit und steigt schon mal mit seinem Kontrabass ein. Ich war vor Wochen an genau dem Ort, heute ein gutes Restaurant, ich hätte gerne eine Zeitmaschine betreten.

Im wilden Jahr 1968 kam der Underground auch im Schwarzwald an. Bei MPS entstand „Barney Wilen and his Amazing Free Rock Band“ – mit Joachim Kühn, Aldo Romano und anderen Cracks nahm er die Platte „Dear Prof. Leary“ auf. Leary war nie Professor, wie Jan Reetze jüngst anmerkte.  Der Traum: Afrika. Mit dem einstigen Model aus reichem Haus, Fahnenschwingerin 68 in Paris, Freundin und Filmemacherin Caroline de Bendern und einem recht grossen Tross bricht er 1970 auf – Gelder fliessen aus einer Kulturstiftung.

Der ganz grosse Traum ist das, das Ziel: Sansibar. man besingt die Insel, aber man kommt nie dort an. Hätte man die geplante Strecke durchgezogen, wäre man in Kriegsgebieten leicht zu Tode gekommen. Das Leben, der Jazz, das Abenteuer, werden eins. 1972 kehrt man zurück. Das Ergebnis: das Album Moshi. Von einem kleinen Label damals veröffentlicht, wird es gefeiert, erinnert, fast vergessen, und zum teuren Sammlerstück. Jetzt hat das Label Souffle Continu „Moshi“ als Doppelalbum auf Vinyl neu herausgebracht, mit einem tollen Bildband, notierten Erinenrungen und einem auf DVD beiliegenden Dokumentarfilm von Carolin de Bendern.

Zwei Jahre zogen Barney Wilen und seine Weggefährten durch Sahara und Sahelzone. Afrika: für afroamerikanische Jazzmusiker wahlweise Urheimat oder Mythos. Pharoah Sanders, Art Blakey, Randy Weston, Don Cherry und viele andere verweilten dort, aber eben auch europäische Freigeister. Die afrikanische Verwurzelung, politisch oder romantisch genährt, sollte während und nach kolonialistischen Wirrnissen ein neues Bewusstsein schaffen, konkrete Utopien eines freieren Lebens waren gefragt, doch der Kontinent erlebt, bei allem Wandel,  bis heute politische, soziale, existenzielle Alpträume.

Zahllose Rock- und Jazzmusiker zog es Ende der Sechziger Jahre nach Marokko, nicht alle werden glücklich. Die Fremde fordert oft ihren Tribut, der Rausch kann  in Angst umschlagen. Das Doppelalbum „Moshi“ ist eine schillernde Collage, die keine Verschmelzung der Welten vorgaukelt. Man spielt mit Einheimischen, schliesst Freundschaften, studiert neue Perkussionsinstrumente, singt alte und neue Hymnen. Die Musiker aus Frankreich lassen sich mit Haut und Haar auf die Fremde ein, lernen die blauen Menschen kennen, Stämme, die surreale Maskenbälle inszenieren.

Irgendwann dreht die französische Stiftung den Geldhahn zu, aber Caroline de Bendern dreht ihren Film zuende, der so fragmentiert ist wie die Musik, und auf jeden schlauen Kommentar aus dem Off verzichtet. Es gab schon genug Ethnologen, die mit den ihrem westlichen Herrschaftsdenken Zerrbilder Afrikas verbreiteten. Das Leben mit den afrikanischen Freunden hat an manchen Orten etwas Kommunenhaftes, das Jammen die Nächte hindurch, erotischer Taumel, Freunde fürs Leben, und dem Tod begegnen sie auch im engsten Kreis.

Barney Wilen starb 1996 in Frankreich. Ich habe mich erst in den letzten Wochen mit seinem Leben etwas näher befasst, habe mir noch eine alte Filmmusik besorgt, von einem französischen Film noir mit Lino Ventura, ich kann mir ihn auch, als jungen Schlacks, gut vorstellen, im Jazzclub „Zur Fischerin“, anno 1968, in Lindau, am Schwäbischen Meer.

 

 
 
 

ONE The Beatles: Sgt.Pepper’s Lonely Hearts Club Band (double cd oder, auch wenn das immer doof klingt, die „super deluxe edition“) – die Herstellung einer wundervollen Stereobalance beweist, dass die Jungs damals wirklich mono bevorzugten, die Transparenz ist atemraubend, der Bass druckvoll. Wer stets gern zu der Garagenband aus Liverpool zurückkehrt, lese das Buch „Dreaming The Beatles“.

 

TWO Brian Eno: Taking Tiger Mountain (By Strategy) (double vinyl) – die „vier half-speed masters“ von Enosvier Songalben aus den Siebzigern sind jeden Cent wert, obwohl die erhältlichen CD-Masters von 2004 auch keine Wünsche übriglassen. Ich schätze tatsächlich alle vier Alben gleichermassen, Favoriten wechseln mit den Jahreszeiten.

 

THREE Brian Eno: Here Come The Warm Jets (double vinyl) – das wildeste Songalbum ist alles, Protopunk vor Punk, wundervoller Pop, extravaganter Melodienrausch, das englische Wort „overflowing“ findet hier seine vollendete Entsprechung. Aus so einem Reigen  könnten andere Künstler ganze Karrieren schöpfen, Eno gönnt es sich nur einmal.

 

FOUR Brian Eno: Another Green World (double vinyl) – man garantiere mir 25.000 Euro, und ich schreibe ein 120 Seiten umfassendes Prosalanggedicht zu diesem sicher einflussreichsten der vier Alben, ohne ein pathetisches oder schwärmerisches Wort. Am 16. Oktober geht es um diese „big four“ in der „Nahaufnahme“ der Klanghorizonte im Deutschlandfunk. 

 

FIVE Brian Eno: Before And After Science (double vinyl) – ein Kieferklapptrunter-Erlebnis unter guten Kopfhörern, ich höre nie auf, das Album zu entdecken, und hatte in diesem Jahr gar einen luziden Traum, in dem ich einen perfekten neuen Enosong hörte, der nur auf dieses Album gepasst hätte. Echtes Copyright-Problem. Die englische Kurzgeschichte (non-fiction) dazu wird mit Ian McCartney verfasst. Kein Witz. 

 

SIX Radiohead: OK Computer NOTOK 1997 2017 – ehrlich gesagt, habe ich erst in diese Jahr einen Narren gefressen an diesem Album, besser spät als nie. Unfassbar „zeitgenössisches“ Werk, um diesem altbackenen Ausdruck mal etwas Feuer zu geben.

 

SEVEN Bark Psychosis: Hex – kaum einer kennt diese Musik, die ähnlich verstörend ist wie spätes Zeug von Talk Talk – noch heute absoluter „underground“ für die Psyche und nächtliches Lauschen!  „Sheer beauty. Knife-slit tension“. 

 

EIGHT Arthur Russell: Instrumentals (double vinyl) – es ist tottraurig, dass der singende Cellist, Tanzbodenforscher und Verhallungskünstler zu Lebzeiten nie das ernten durfte, was ihm posthum an Lobgesängen zugetragen wird, dieses Werk darf man auch unter „new exotica“ katalogisieren, aber es steht immer noch recht einsam da, wartet auf jeden Zuhörer. Und die kleine neue Vinyledition ist schon wieder vergriffen.

 

NINE Midori Takada: Through The Looking Glass (double vinyl) – japanischer Minimalismus, und so viel mehr. Ein Traum von Henri Rousseau, lauter „twilight zones“, ein einsam und allein eingespieltes Kunststück in arg begrenzter Studiozeit. „Beauty hurts, darkness works as medicine“.

 

TEN Pep Llopis: Poiemusia La Nau Dels Argonautes (vinyl)- die mediterrane, tiefentspannte Variante der Minimalisten & Argonauten, in der alles aquamarin funkelt, und jede Oberfläche eine eigene Tiefenströmung produziert. Ibiza ist nicht so weit von Valencia entfernt. Es ist das Jahr 1983.

 

ELEVEN Barney Wilen: Moshi (double vinyl) – eine schillernde Collage, die keine Verschmelzung der Welten vorgaukelt. Man spielt mit Einheimischen, schliesst Freundschaften, studiert neue Perkussionsinstrumente, singt alte und neue Hymnen. Die Musiker aus Frankreich lassen sich mit Haut und Haar auf die Fremde ein, lernen die blauen Menschen kennen – psychedelischer Jazz, erotischer Taumel, surreale Maskenbälle!

 

TWELVE Lal and Mike Waterson: Bright Phoebus – „Get past a couple of hokey moments to be transported back, first to the communal hopes of the ’70s, and thence into the country lanes of centuries passed“ (Jim Irvin, Mojo)

 

 

P.S.: I’m only refering to reissues that got a special treatment by excellent remastering techniques (that surpass the quality of other available editions), or by extended and highly valuable extensions, or by brilliant design matching the brilliance of the music, or, simply being gems being saved from forgetting and ridiculously high prices at Discogs. David Bowie‘ s Berlin days  will join the circle later on. No, I’m not a Prince fan. And if  the number would be twenty, Deathprod, Oregon, Weather Report, and Ray Charles in mono would have got their songs of praise. The one who knows the writer who coined the title phrase on „darkness & beauty“, will get a free copy of the next Eno album in 2018, MHQ promises. The four prints that accompanied Before and After Science’s first edition in 1977 (double click on the pictures) are beautifully reproduced in the reissue’s design. 

Kürzlich haben mehrere Mitautoren hier über das Sortieren und die Ordnungsmethoden eigener Plattensammlungen philosophiert. Dabei tauchte bei mir die Frage auf, was man als Musikliebhaber überhaupt bei sich behält oder wie andere das System handhaben. Die meisten Leute, die ich kenne, besitzen eine mehr oder weniger überschaubare CD-Sammlung. Manche/r kauft sich mal eine Platte, die als „Fehlkauf“ verbucht wird … Aber so eine richtige Sammlungspflege betreibt kaum eine/r. Oder ich höre später, dass einer alles verkauft hat.

Vor zehn Tagen hat ein Nordische-Musik-Bekannter (genau genommen hat er die Seite einst ins Leben gerufen), der zuvor bereits viele lange Jahre für unterschiedliche Zeitschriften geschrieben hatte, geschätzte 6500 CDs verkauft, also mehr als ich besitze – alle auf einen Schlag an einen Händler. Nur einen kleinen Teil persönlich wichtiger Scheiben behält er. Glücklicherweise konnte ich gerade noch rechtzeitig für einen Kurzbesuch dort aufkreuzen und mir einige Sachen heraussuchen, die ich zum größten Teil schon lange gerne haben wollte, unter anderem einige ECM- und Real-World-Veröffentlichungen oder je zwei CDs von June Tabor und Birthday Party. Klar kann ich mir bei weitem nicht alles kaufen, was ich gerne haben möchte – häufig leihe ich verschiedene Musik aus dem reichhaltigen Sortiment des Berliner Bibliotheksverbunds aus, einiges davon erwerbe ich später auch, wenn ich es zu günstigen Preisen finde. Und klar konnte ich bei der Sammlungsauflösung bei weitem nicht alles einpacken, was ich gerne mitgenommen hätte … Doch nun räume ich so nach und nach die CDs in mein Regal, und in der ECM-Sektion gibt es längst nicht mehr genug Platz.

Ich kenne Leute, die finden es ganz wichtig, zu Hause eine ordentliche, will sagen große Bibliothek zu besitzen. Hingegen haben Bücher mich nie so interessiert wie Musikalben. Auch DVDs habe ich nie gesammelt, besitze nur sehr wenige. Man kann doch fast alle Bücher und Filme einfach ausleihen, in einer Stadt wie Berlin sowieso; außer Spezialistensachen vielleicht. Und beim Umzug erst! Uff.

Ja, ich habe Respekt vor den riesigen Bücherregalen von Bekannten und Freunden. Ich verstehe: Dahinter steht der Gedanke, dass man ja dieses oder jenes Buch vielleicht doch irgendwann noch einmal lesen möchte. (Doch kommt man schon dazu, all die Bücher zu lesen, die man gerne lesen würde? Ich überhaupt nicht.) Oder dass einem dieses oder jenes Buch ganz arg am Herzen liegt (bei mir Siri Hustvedts What I loved oder der Katalog zur großen Steve-McQueen-Retrospektive in Basel). Oder man einfach gerne alles parat hat, um gegebenenfalls mal reinzuschauen, für ein Zitat oder ein Gedicht. Aber wenn ich ehrlich bin, sind Bücher für mich eher Gebrauchsgegenstände. Ich hatte nie eine so leidenschaftliche Verbindung zu meiner Hausbibliothek wie meine literarisch bewanderten Freunde. Man häuft schon so vieles an, und wie oft kommt es vor, dass ich in ein bestimmtes Buch unbedingt reinschauen will? Also stehen und liegen hier (fast) ausschließlich Bücher, die ich noch nicht gelesen habe oder von denen ich annehme, dass ich zur Fortbildung oder für ein konkretes Filmprojekt etwas nachschauen oder nachlesen will. Und das sind immer noch zu viele.

 
 


 
 

Ich hingegen pflege lieber eine Musiksammlung, auch wenn man heutzutage vieles online oder ebenfalls in der Bücherei bekommen kann. Aber da kommt es tatsächlich oft vor, dass ich gerade dieses bestimmte Album im Sinn habe und es zum alltäglichen Glück gehört, das dann umgehend aus dem CD-Regal ziehen und in die Hand nehmen zu können. Oder dass ich einfach den Reichtum schätze, aus hunderten von Alben wählen zu können. Und online bzw. über MP3 höre ich sowieso nie Musik, allenfalls wenn ich einen Mietwagen habe, in dem sich – wie in letzter Zeit immer häufiger – kein CD-Spieler befindet. Ohne Cover fehlt mir was bei Musik.

Was aber tun, wenn man weiß, dass man so manche Platte seit Jahren nicht gehört hat und auch nicht davon ausgeht, dass man sie in nächster Zeit wieder hören wird? Marilyn Mansons Mechanical Animals, das Spaghetti-Album von Guns N’Roses oder David Lynchs Eraserhead will ich eigentlich nicht abgeben, auch wenn ich sie nur selten höre. Es sind einfach starke Alben. Am Freitag hörte ich seit langem mal wieder Meds von Placebo – und freute mich, dass ich sie behalten habe. Aber wenn man mit einer Platte nie richtig warm wurde? Bei einigen Alben gehe ich davon aus, dass ich sie noch nicht gut genug kennengelernt habe und womöglich irgendwann mal eher auf ihrer Wellenlänge sein werde (Pat Metheny, Paul’s Boutique, Abercrombie …), und häufig traf das auch zu. Gelegentlich stehen Platten aber auch lange im Regal, immer wieder sehe ich sie, halte sie in der Hand, überlege, höre rein, lege sie womöglich wieder zurück. Manche verkaufe ich irgendwann.

Von ECM gab es immerhin schon drei oder vier Alben, die ich bislang wieder verkauft habe, weil sie mir überhaupt nicht zusagten. (OM und Judith Berkson fallen mir da gerade ein). Doch bei ECM weiß ich eigentlich, dass der Zeitpunkt irgendwann kommt, wenn ich nicht gleich damit warm werde. Aber sonst: Manche Musik versucht man immer mal wieder, ohne dass sich was tut. Eigentlich verabschiede ich mich fast laufend von Platten und CDs, schon allein, weil ich nie all das anhören kann, was ich besitze. Und eben, es gibt ja auch nicht endlos Platz. Bei vielem fällt es mir aber schwer, weil ich denke, vielleicht kommt der Zeitpunkt doch noch …

In den letzten Wochen habe ich gerade wieder einige Platten bei Discogs eingestellt. Dann kaufe ich von dem Geld gleich neue Sachen. Manche CD habe ich tatsächlich irgendwann mal bei Ebay verscherbelt oder verschenkt oder zu Oxfam gebracht… und es dann Jahre später doch mal wieder hören wollen. Da hab ich mir dann Stings Ten Summoner’s Tales oder Notwists rotes Album oder Graffiti Bridge von Prince dann bei Ebay für ein oder zwei Euro wieder besorgt und sie wieder schätzen gelernt.

Und dann entdecke ich oftmals CDs in irgendeinem Laden oder so und denke, ach, die hatte ich ja auch mal, gute Platte. Aber gar nicht vermisst.


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