Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

You are currently browsing the blog archives for the month September 2015.

Archives: September 2015

2015 7 Sep.

Ticket To Ride

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 1 Comment

Jahrzehnte später, ich hatte halt den Deal mit den Kinks und den Beatles, aber jetzt, so und so viele Leonard Cohen-Platten später, werden die Löcher, die blinden Flecken richtig spannend, denn wohl zum ersten Mal in meinem Leben hörte ich STICKY FINGERS von den Rolling Stones von Anfang bis Ende, nicht nur die Hits, die fast jedem begegnet sind, auch die unfassbaren Momente, wo Jagger und Co. dermassen vertieft waren in ihre amerikanischen Träume, dass sie fast wie die Allman Brothers klangen. Das ganze Album ist ein Kracher. Aber wem erzähl ich das? Vielleicht Martina, die mir sagte, sie habe einunddreissig Jahre später dieses unfassliche Album der Go-Betweens für sich entdeckt, SPRING HILL FAIR. Die perfekte Zeitreise: ein Sprung über Jahrzehnte, man wird eiskalt erwischt, und hat keine Chance, nostalgisch zu werden. „Never believe in smart guys who seem to know everything carrying their knowledge around like a hawker’s tray. Not knowing can be a fuckin‘ great ticket to ride.“  

2015 7 Sep.

the brilliance of „songs you make at night“

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off

2015 6 Sep.

The Prince Of Denmark Rides A Daytona Harley

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags:  | Comments off

If you totally dig „Sons Of Anarchy“ then you are now prepared to read or watch Hamlet because you know the story. Young, reflective prince unsure of the foundations of his life’s order. Gets a visit by his father’s ghost, Hamlet Senior, who helpfully tells him he was murdered by his brother Claudius (probably). The Queen cares more for status and power than doing what’s right, so she stands by her (current) man. She worries about her unhappy son: „It’s like his father is speaking to him from beyond the grave.“ Then of course there’s the title of the manuscript: „How SAMCRO Lost Its Way.“ Truly something is rotten in the state of Denmark.

(Coug Dig)

2015 5 Sep.

Sonnet

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 1 Comment

She might have had months left of her dog-years,
but to be who? She’d grown light as a nest
and spent the whole day under her long ears
listening to the bad radio in her breast.
On the steel bench, knowing what was taking shape
she tried and tried to stand, as if to sign
that she was still of use, and should escape
our selection. So I turned her face to mine,
and seeing only love there – which, for all
the wolf in her, she knew as well as we did –
she lay back down and let the needle enter.
And love was surely what her eyes conceded
as her stare grew hard, and one bright aerial
quit making its report back to the centre.

 

 
 
 

Spannend war es: ein Seminar über luzide Träume, mit mir zusammen drei Psychologen (als Leiter), und vier von zwölf Teilnehmern erlebten ihren ersten luziden Traum. Im nächsten Sommer können wir die Räume eines hiesigen Schlaflabors nutzen. Will man die erstaunliche Erfahrung machen, im Traum zu erkennen, dass man träumt, und dann bei vollem kritischen Bewusstsein das Traumgeschehen zu lenken, ist die Kernübung die Frage: „Träum ich oder wach ich?“ Stellt man sich diese Frage ca. 10 mal am Tag und prüft die konkrete Umgebung darauf, ob man träumt oder wach ist, überträgt sich diese Fragestellung (der gute alte Freud’sche Tagesrest) auf die Traumphasen in der Nacht, und dann macht es leicht „klick“, und man erkennt voller Verblüffung, dass man mitten in einem Traum ist. Das ist eine von vielen Techniken.

Menschen, die häufig im Traum Musik hören, stellen sich tagsüber dann sinnigerweise auch beim „normalen“ Musikhören die Frage, ob sie träumen oder wach sind, und forschen ca. 1 Minute nach der Antwort, immer leicht dahin tendierend, dass irgendetwas nicht stimmt, dass doch das, was man sieht, hört oder fühlt, auf einen Traumzustand hinweist, oder doch nicht? Ich hatte zu Übungszwecken THE SHUTOV ASSEMBLY von Brian Eno dabei, und STAIRCASE von Keith Jarrett.

Mein Vortragsthema hiess: „Das Irreale im Alltag als Schlüssel für luzides Träumen“. Das wurde schon bei Castaneda thematisiert, aber auch in kalifornischen Universitäten seit den 70ern wissenschaftlich untersucht. Wenn ich also am Freitag, dem 18. September (leider kein Dreizehnter), im Deutschlandfunk zwischen 22.05 und 22.50 Uhr, live,  in der Reihe „Milestones“ Keith Jarretts Soloauftritte „BREGENZ MÜNCHEN“ vorstelle, eine wahrlich unerhörte, grossartige Arbeit, dann könnten Sie sich durchaus mal die Frage nach Ihrem aktuellen Bewusstseinszustand stellen.

Und was finde ich just in der Post: ein brandneues Album von Eivind Aarset. Träum ich oder wach ich? Produced by Eivind Aarset in co-operation with Jan Bang. Ein Hauch von Punkt. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen. Im Gegensatz zu dem minimalistischen Duo-Album auf ECM, „DREAM LOGIC“, setzt Eivind hier auf grosses Personal.

2015 5 Sep.

In den Songwehen

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 1 Comment

Es gab da eine Art Schlafstörung während der Schulzeit: wenn man des Abends etwas komponierte hatte, vorzugsweise auf der sechsseitigen Westerngitarre – mit Leo Kottke, Ralph Towner, Alex de Grassi, Klaus Weiland und John Martyn als Inspiratoren und gespielt wurde überwiegend im open tuning – dann feilte man so lange an dem Stück herum, bis es perfekt war, also bis zu 5 oder 6 Stunden. Wenn es dann sass, mit dem erhebenden Gefühl, etwas Neues in die Welt gesetzt zu haben, nicht ohne jene Genialität, die eine quasi astrale Verbindung zu genannten Impulsgebern mit sich brachte, hiess es langsam wieder runterzukommen, wie ein Boxer, der aus dem Ring steigt, leicht torkelnd nach gewonnenem Kampf, zwecks notwendiger Nachtruhe, endlich. Denn es drohte nachts um Zwei ja schon der nächste Schultag, schlimmstenfalls mit einer wichtigen Klausur im Anmarsch. Problem nur: an Schlaf war gar nicht zu denken und auch die flashbacks von gerauchtem Gras würden Konzentrationsmangel und Übermüdung nur dürftig kompensieren. Noch kurz vor Morgengrauen: wiederaufstehen, der erneute Griff zur Gitarre, um die Himmelfahrt mittels des neuerschaffenen Fingerpickingparcours erneut zu erleben. Diese Mischung aus Adrenalindosis und addiktiver Bindung an die Sphäre der Musik betraf damals nicht nur das Spielen, sondern auch das Hören, etwa wenn man eine heissersehnte neue Scheibe frisch erworben hatte, die dann mehrmals aufgelegt werden musste, during the nighttime. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass wegen dieser Nachtsitzungen jemals tagsdrauf ein Schulausfall die Folge war. Okay, die ersten ein, zwei Stunden schwänzen, das kam vor. Kameradschaftliche Leidensgenossen in dieser Sache hatte man: der witzige und frühbegabte Freejazzdrummer Andreas („Anna“) F. beispielsweise, kam mitten im Sommer erst zur dritten Stunde. Seine Entschuldigung: er sei in eine Schneewehe geraten. War nicht unsereins damals auch ständig in diesen Song-Wehen verfangen gewesen und ist es heute noch bisweilen?

In dem Roman von Lutz Seiler `KRUSO´ (Frankfurt 2014) spielt nicht nur ein altes Röhrenradio eine wichtige Rolle, sondern auch der Deutschlandfunk. Der Protagonist des Romans, Ed, der im Sommer 1989 auf Hiddensee in einem Hotel/Restaurant an den Spültischen arbeitet, erzählt, dass es in der Küche ein altes Röhrenradio der Marke Viola gegeben hätte, sein Besitzer wäre im Sommer 1985 beim Nachtbaden ertrunken. Das Radio läuft noch immer Tag für Tag, immerhin, inzwischen schreiben wir den Sommer 1989.

 

„Die Drehregler fehlten, und die elfenbeinfarbenen Tasten, die an eine Art Überbiss erinnerten, waren zertrümmert. Derart verstümmelt, empfing Viola nur noch Deutschlandfunk, diesen aber mit einer Unnachgiebigkeit, wie sie Kriegsversehrten nachgesagt wird, die trotz schwerer Verletzung weiter und weiter kämpfen. Was Viola dabei aus den Sendungen machte mit ihrem schwankenden Empfang, ihrem schlagartigem Verstummen oder störrischen Brummton, ihrem Kratzen, Gurgeln und Husten, gerann zu einem Grundton (in der Spülküche).“

 
 
 

 
 
 

„Ed beschäftigte der Gedanke, dass das Radio seinen Besitzer überlebt hatte – ohne zu verstummen.“

Eine berührende Stelle in dem Roman. Natürlich habe ich mir die Sendungen von Michael in diesem Zusammenhang vorgestellt, keine Frage – kommt doch auch das Deutschlandfunk-Nachtradio, z.B. die Rockzeit, in diesem Roman vor, freilich weiß ich, Michael moderierte damals noch nicht die Klanghorizonte (oder doch schon?) – aber mich erinnert diese kurze Anmerkung auch an meine Zeit als jugendliche Spülkraft in der elterlichen Pension im Harz. Jeden Abend war ich für das Geschirrspülen zuständig. Zwei Profi-Spülmaschinen standen mir zur Verfügung. Ich versuchte immer bis spätestens 19:30Uhr mit dem Abwasch von manchmal bis zu fünfzig Gedecken fertig zu werden. Ende des Abendessens war etwa 19:00 Uhr. Ab 19:30 Uhr liefen die tollen Sendungen auf dem Hessischen Rundfunk und da wollte ich schon mit meinem Grundig TK 14 aufnahmebereit sein. Manche Sendungen liefen aber schon ab 19:05 Uhr, da musste dann mein Kofferradio (Küchenradio) Schaub Lorenz Modell: Weekend 70 Automatik eingeschaltet werden, und zwar auf kräftige Lautstärke, denn die fliegenden Teller, das klirrende Geschirr, das klappernde Besteck, die surrenden Maschinen verursachten ja selbst einen Höllenlärm. Dennoch, mein Küchenradio war mein Rettung, auch, wenn ich mich natürlich schrecklich ärgern musste, wenn gerade Titel gespielt wurden, die ich gerne aufgenommen hätte. Allerdings: Katastrophe war natürlich angesagt, wenn der gestrenge Herr Vater die Küchenräume betrat: „Wie oft soll ich dir noch sagen, dass dieser Krach hier nicht gehört wird!?“, sprachs und drehte das Radio ab.
Und dabei lief zum Beispiel gerade die englische Hitparade über BFBS, nein, die wurde am Sonntagnachmittag ausgestrahlt, aber vielleicht wurde sie gerade auf Radio Nordsee oder Radio Caroline gesendet, etwa die vom 18.09.1968 …

 
 

1. The Beatles: HEY JUDE
2. Mary Hopkin: THOSE WERE THE DAYS
3. The Bee Gees: I’VE GOTTA GET A MESSAGE TO YOU
4. Aretha Franklin: I SAY A LITTLE PRAYER
5. Beach Boys: DO IT AGAIN
6. Casuals: JESAMINE
7. Johnny Cash: HOLD ME TIGHT
8. Canned Heat: ON THE ROAD AGAIN
9. Union Gap: LADY WILLPOWER
10. Herb Alpert: THIS GUY’S IN LOVE WITH YOU
11. Amen Corner: HIGH IN THE SKY
12. Mama Cass: DREAM A LITTLE DREAM OF ME
13. Leapy Lee: LITTLE ARROWS
14. Tom Jones: HELP YOURSELF
15. Otis Redding: HARD TO HANDLE
16. Mason Williams: CLASSICAL GAS
17. Status Quo: ICE IN THE SUN
18. Des O´Connor: I PRETEND
19. The Doors: HELLO I LOVE YOU
20. Herman´s Hermits: SUNSHINE GIRL

 

 
 

 
 

2015 4 Sep.

Vier Neun Fuenfzehn

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off

Am Sonntag weckte dich in aller Fruehe das Quadrat, das gelb aufleuchtete. Man hatte Dir einen Brief geschrieben, Du solltest Dich kuemmern: um Dir Ueberlassenes, den bemaengelten Zustand verbessern.

Eine gute Stunde hattest Du zu tun: dann war wieder alles hergerichtet. – Auf dem Fussweg nach Hause sahst Du dann, dass es der Absender selbst offenbar nicht ganz so genau nimmt mit seinen Regeln, die er fuer andere aufstellt: „nachlaessig“ war ein Wort, dass Dir einfiel. Aber Du hattest nichts anderes erwartet. Mittlerweile nicht mehr. Und Du nahmst Dir fuer das eine, noch verbleibende Jahr etwas vor. Aber Du erzaehltest es im Stillen nur Dir selbst.

Zu Hause angekommen, nach dem Fruehstueck — nicht gerade zur Affenstunde — fluechtetest Du fuer mehrere Stunden in die Gaerten des Pharao; Du dachtest an Anuschka und auch daran, dass Menschen sich wiedersehen, solange noch Zuege gehen.

Am naechsten Tag, der Wetterbericht hatte es angekuendigt, ging der lang ersehnte Regen nieder. Eine neue Woche begann.


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz