Manafonistas

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Archives: Food

 

 
 
 
Slow food, Fast food, listen to „Food“.

Or read a book and then cook:
 
SUPPE JULIE ELIAS
 
Eine gebundene braune Wildsuppe, kräftig gehalten, wird beim Passieren durch das Sieb, mit abgeriebene Orangenschalen, etwas Colmans Senf, Orangensaft und Johannisbeergelee gewürzt. Vor dem Servieren wird die Suppe mit etwas Moselwein und Curacao abgeschmeckt und im Teller mit rohen Orangenfilets heiß angerichtet. Die Suppe soll nicht zu süß und nicht zu scharf sein, sondern angenehm pikant schmecken.

Julie Elias schrieb dieses Rezept in ihr Kochbuch, das sie dem Maler Max Lieberman widmete. Julie war Kulturjournalistin und Salonière in den 20 er Jahren in Berlin und eine enge Freundin von Max Liebermann. Er bedankte sich brieflich bei ihr für das ihm gewidmete Buch: “ … an einer guten Mahlzeit habe ich große Freude. Kunst und Natur sei auch im Essen eines nur: die matiére première muss gut sein, aber nur die Kunst kann aus ihr das Meisterwerk für unsren Gaumen machen.“

Wer mal draußen in Wannsee in der Max Liebermann Villa war, weiss, dass der Maler einen großen Gemüsegarten hatte, in dem er hauptsächlich Kartoffeln und Kohl anpflanzte. Nun, es waren Kriegszeiten.

In diesem ästhetisch schön gestalteten Buch stehen raffiniert einfache Rezepte, die durch Einfallsreichtum und Fantasie zu kulinarischen Geschmacksschätzchen werden.

Ich werde eine Nachspeise daraus bereiten, von der es heißt, sie sei „Musik für den Gaumen.“
 
Herausgegeben hat dieses Buch Meisterwerke für uns’ren Gaumen – Max Liebermanns Geselligkeit und feine Küche: Ursula Hudson-Wiedenmann, im vacat Verlag.
 

2015 3 Nov

Food for Sound

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This is not a Miracle – ECM, 6. November 2015

Mercurial Balm – ECM, 2012

Quiet Inlet – ECM, 2010

Molecular Gastronomy – Rune Grammofon, 2007

Last Supper – Rune Grammofon, 2004

Veggie – Rune Grammofon 2002

Organic and GM Food – Feral Records, 2001

Food – Feral Records, 1999

 

„Food“ is a rare example of a group or an idea of a group that kept surprising me all over the years and never did a record that was less than very good. (m.e.) 

Once founded by saxophone player Iain Bellamy, and following quite an amount of incarnations and stylistic changes, „Food“ never did a wrong move, never stopped to surprise, never put out anything but, good, very good, or excellent albums. In recent years, Iain Bellamy’s knack for sophistication and sparseness has been the perfect match for Thomas Stronen’s hitting on things, and his way of, well, sophistication and sparseness. Soulmates are always welcome.

Austrian guitar and sound manipulator Christian Fennesz takes care of unexpected ambiences and noisy undercurrents; he’s a hunter of discreet wilderness proving the rewards of letting all power fall. Normally starting with nothing more than a vibe, an impulse, „Food“ decided a new modus operandi and made use of „real themes“ – banning away the beloved raw skeletons. But why making it simple when complication is so much fun?

After recording a heavy load of material, Thomas Stronen was left alone with it for months, mixing, doubling, cutting, layering, chaneling, canceling. The basics were radically reshaped without letting go some of the key elements and original ideas. „This Is Not A Miracle“ (ECM Records) may not be a miracle, but it is an adventurous perpetuum mobile of shifting moods and awesome polarities. Call it electronic, call it organic!

Stronen and Bellamy know about showdowns, too: the last four tracks are brutally ascetic and perfectly executed: it’s the magician’s trick of „Food“ to be able to even make the tiniest details unforgettable, at least endlessly enjoyable. This time they added (en passant) some grand gestures that hit you right in the face. No one could have expected that!


 
 
 
Morgens (durch)kämmen
 
Morgens ein paar Webmagazine checken. Ein Artikel über eine Aufführung des Roaratorio von John Cage in einer Höhle in Irland als Teil eines Beckett-Festivals. Das Roaratorio ist in der Tat ein grossartiges Stück, das man sehen sollte. Im Bericht darüber werden die üblichen Ketten genannt oder heruntergebetet: James Joyce, Samuel Beckett, Finnegans Wake, John Cage. Aha! So wird Grösse indiziert und werden Kulturbestände für die Erinnerung aufbereitet. Damit was haften bleibt, muss es möglichst oft möglichst formelhaft wiederholt werden. Es ist eine viel (aus)geübte Kolportagepraxis. Ich habe gerade in diesem Zusammenhang noch nie das Gefühl gehabt, dass die Schreibenden auch nur eine Zeile von Finnegans Wake gelesen oder – von Joyce selbst vorgelesen – gehört haben (leicht auf Internet zu finden). Idem dito in bezug auf Beckett.

Das deutsche Jazzinstitut in Darmstadt forstet alle wichtigen Tageszeitungen etc. der westlichen Hemisphäre durch und siebt dann alle jazzbezogenen Sachen heraus. Ist schon ein bunter Reigen jedesmal. Diesmal blieb natürlich das satirisch gemeinte Stück im New Yorker im Netz hängen, in dem so getan wird als ob Sonny Rollins sich zum mieserigsten Jazzbasher gewandelt hat. Das Ding hat ja einen Sturm ausgelöst, in dem der Meister einen Redestrom produziert, der ebenso ausdauernd wie seine Instrumental- improvisationen ist (auf Internet leicht zu finden). Einiges von dem Jazzbash blitzte auch kurz auf Manafonistas im Zusammenhang mit Robert Crumb auf. Sommerloch, wo eine Menge Unterschwelliges Raum gewinnt?
 
 
Krautschuss
 
Beim Lesen stösst man natürlich auch auf die Blüten, Unarten und den Krautschuss der Zunft. Man möchte dann so einiges archivieren, um es weiter aufzubereiten, kann oder will sich dann aber für solche Metapraxis nicht die Zeit nehmen.

Hier nur eine Probe des Tages aus der Frankfurter Rundschau:

“Nichts wirkt formelhaft, obgleich sie sich nicht einen Millimeter über ein schon um das Jahr 1970 herum jazzhistorisch ausformuliertes Koordinatensystem hinaus bewegt, mit Miles Davis als stilbildendem Übervater und einem steten musikalischen Fluss als strukturellem Prinzip.”

Wieder die Ketten. Und die Selbstdementierung in Sachen Formelhaftigkeit. Und wenn man über Jazz schreibt, ist offensichtlich die Hauptfrage, wie man Miles Davis erwähnt kriegt. So wie hier z.B.. Eine verblüffende starke Figur ist aber zweifellos der stete musikalische Fluss als strukturelles Prinzip. Ein markantes Merkmal, in der Tat!

Ja, und so arbeitet man sich dann weiter durch noch andere Gehölzer. Jetzt keine Aufzählung oder Nennung der Magazine.
 
 
Kochen, Essen
 

Musikschreiberei hat ja gewisse Ähnlichkeiten mit Kochen. Man muss vieles ausprobieren, wissen wo man gute Ingredienten bekommen kann, man muss einkaufen gehen, Zutaten gut bewahren und dann alles vor- und zubereiten, bevor es in die Pfannen geht. Die Zeit und Energie, die da hinein geht, ist eine ganz andere als die beim Aufessen. Wenn’s schmeckt merkt’s der Esser und machmal bringt er/sie’s auch zum Ausdruck. Beim Essen ist es so, dass man’s auch sehen kann. Nun, eine Menge Parallelitäten mit Musikschreiberei und Musikleserei. Von der es inzwischen so viel gibt, dass niemand mehr erfahren kann, was es heisst, wenn’s fehlt oder Schmalhans der Koch ist. Fastfood und Fuzzyküche und Schladderamm regieren. Nun, in andere Zeiten gab es weniger Kritiker. Einige schrieben durchgängig Scheiss, andere wurden mit voll Spannung und tiefem Ernst gelesen.
 
 
Und sonst?
 

In der Werkstatt wird ja immer an verschiedenen Sachen gebaut. Einem Artikel über Dorothy Darrs wunderbarem Portrait von Charles Lloyd, Arrows Into Infinity, Liner Notes zu einem neuen Album von Lucian Ban, Mat Maneri und Albrecht Maurer, einem Artikel über den norwegischen Schlagzeuger Gard Nilssen. Eine ganz Menge Fertiges ist die letzten zehn Tage rausgegangen, hat das Licht der Leserwelt gesehen oder wird es im Laufe der nächsten zwei Monate sehen. Auch in den Nebenräumen tut sich eine Menge. Ja, und viel Zeit verbringt man im Magazin auf der Suche nach abgelegtem Material. Interviewaufnahmen, alte Artikel, Notizen, Photos. Manchmal weitet sich die Suchaktion zu einer Aufräumaktion aus, was dann immer mehr Zeit erfordert. Dabei träumt man dann von einem Supersystem, in dem alles im Handumdrehen gefunden und verbunden werden kann. Wenn man das bauen würde, hätte man allerdings keine Zeit mehr übrig für dasjenige, dem es dienen soll. Charles Lloyd erstmal dann. Aus der Erinnerung an etliche Treffen und Gespräche schöpfen. Treffen, die man auch einfach nicht vergisst.
 
 
Besprochenes
 

Vor der Besprechungsauswahl ist ordnen, checken und anhören angesagt. Und hier das Besprochene. Einiges zu einigen später vielleicht auch noch auf Manafonistas! Ein ganz besonders Album ist Jamie Baums In This Life. HIER ist bereits einiges von mir dazu zu finden. Ihre Musik ist auch als RADIO ON DEMAND jederzeit mit einem MausKLICK zum Anhören verfügbar.
 
 
Angles 9Injuries. Clean Feed

Antoine Berjeaut Wasteland feat. Mike Ladd. Fresh Sound New Talent.

Henry Butler/Steven Bernstein And The Hot 9 Viper’s Drag. Impulse

Jamie BaumIn This Life. Sunnyside

Sylvie Courvoisier TrioDouble Windsor. Tzadik

Andy Emler/Claude Tchamitchian/Eric EchampardSad And Beautiful
La Buisonne

Hess/AC/HessSpacelab. Gateway

KUU!Sex gegen Essen. Shoebill

Hans Lüdemann Trio IvoireTimbuktu. Intuition

Håkon Thelin/Stefano Scodanibbio a Stefano Scodanibbio. Atterklang

 

[Abbildung: Giorgio Manganelli von T. Pericoli ]

2012 26 Nov

Food: Mercurial Balm (John Bungey, The Times)

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Miles Davis once urged his band to “play music that doesn’t sound like music”. The dark and intricate soundscapes of Iain Ballamy (saxophone and electronica) and Thomas Strønen (drums and more electronica) surely qualify. They are full of drama, shifting textures and colours but you’d be pushed to find a hook, a chorus or a middle eight. As saxophone soars over shifting rhythms, guests including guitarist Eivind Aarset and Nils Petter Molvaer on trumpet add to the mood of mystery. What do you call this music: ambient thrash, space-jazz, elevator music for aliens? Whatever, its murky beauties will reward.

2012 20 Nov

Food: Mercurial Balm (ECM)

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The core duo of „Food“ (formed as a quartet in 1998, but reborn in 2006) is UK saxophonist Iain Ballamy and drummer/electronics artist Thomas Strønen, but they are joined, for live performances (and on this, their second ECM album), by various guests, so that their sound palette can be precisely formulated to meet the requirements of specific pieces.

Here, Ballamy’s sweet-toned, pure soprano and keening tenor, rising above the extraordinary textures and rhythms provided by Strønen’s drums and electronica, are joined variously by the guitars and electronics of Christian Fennesz and Eivind Aarset, the vocals and slide guitar of Prakash Sontakke and the piercing trumpet of Nils Petter Molvær. The resulting album is simply ravishing: subtle, delicate, but always intense, even passionate, each track both instantly recognisable as a „Food“ product, but also crucially influenced by the musical sensibility of each individual guest.

Strønen himself laid out the band´s core musical philosophy perfectly (in a recent interview with radio presenter Fiona Talkington): „[To] pare things down to what’s absolutely necessary. To express what you’re really trying to say without overplaying […] to just give a clue, small hints. Keeping everything open, but strong …“ Soundscapes and sound sculpture are perhaps overused terms, especially in an ECM context, but both descriptions are entirely apt when applied to these ten pieces, recorded at the Cheltenham Jazz Festival, the Victoria National Jazz Scene club in Oslo, and at the famous Rainbow Studio.

The band´s next ECM project is to feature the great English folk singer June Tabor and her regular pianist collaborator, Huw Warren, and they are due to embark on a tour early in 2013; both, on the evidence of this stirring, hypnotic album, are mouth-watering prospects. (written by Chris Parker)


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