Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Manchmal sehe ich mir am Montagabend – und hierzu bitte keine Kommentare – einen der tatortalternativen Krimis im ZDF an. Sie heißen meist nach den Landschaften, in denen sie spielen, oder nach den Kommissaren, die in ihnen spielen, und manchmal ordnen sie sich dem Genre „Thrillerdrama“ zu, warum auch immer.

Der Film, den ich meine, war einer der der Landschaft gewidmeten und hieß Tod am Engelsberg, wenn ich mich richtig erinnere. Die Rollen waren mit Schauspielern gut besetzt, die Handlung war etwas durchsichtig. Immerhin wurde in letzter Minute noch ein letzter Verdächtiger als letzte falsche Fährte eingesetzt: der Dorfkneipenwirt, von Michael Fitz authentisch dargestellt, so dass man sich ganz automatisch noch ein Woiza vor den Fernseher holt.

Auffallend waren die 4 Buttons an der Jacke des Wirts, die ich nicht erkennen und deren Botschaft ich somit nicht verstehen konnte. Da aber das T-SHirt vermutlich nicht einfach zufällig am Set rumlag, darf man ihm wohl Bekenntnischarakter zuschreiben – der Wirt ist Jimi-Hendrix-Fan, der Schauspieler ist auch Gitarrist und Sänger, weit entfernt von Hendrix freilich, akustisch und bayrisch (wie musikalisch das Bayrische klingt!), solo oder mit sehr einfühlsamer und unaufdringlicher Begleitung. Ich habe mich erstmal im Netz umgeschaut – alle Lieder mag man gleich mehrmals hören, was zum Verstehen der Texte auch notwendig ist; „Des isch des“ und „Hoam“ ist was vom Leichteren.

Der Tourkalender von Michael Fitz reicht bis ins Jahr 2020; er liest sich wie das Adressbuch der mehr oder weniger unabhängigen Kultur-Häuser-Fabriken-Wassertürme-Keller-und-Zentren. Wer hätte sich das vor 40 Jahren in den Jugendzentrum-Inis träumen lassen! Auch wenn sich viele wegen der aktuellen politischen Entwicklungen Sorgen machen, stimmen mich all diese kreativen Orte zuversichtlich.
 
Hier eine kleine Auswahl (alle Termine im Internet):

 

Uslar, Kulturbahnhof
Bönnigheim, Kulturkeller
Berlin, Ufa-Fabrik
Wetzlar, Kulturstation
Hockenheim, Pumpwerk
Würzburg, Bockshorn
Meerbusch, Wasserturm
Leipzig, Anker
Gilching, Kulturmoni
Bochum, Schauspielhaus
Sylt, Kursaal 3
Stuttgart, Rosenau

 

Ich komme am 5.9.2018 zum Konzert auf Juist.
Versprochen.

2017 15 Sep.

Das Weite Land

von | Kategorie: BlogGute Musik | | 5 Comments

Im Rahmen meiner „50 States Tour“ bin ich nun in Oklahoma angelangt, einem der wenigen Staaten, die ich zuvor noch nicht besucht hatte. Und dabei fiel mir besonders auf, wie wenig ich tatsächlich bislang über dieses Land wusste. (Womit ich in Deutschland bzw. Europa sicherlich keinen Einzelfall darstelle.) Klar, anhand des markanten Umrisses könnte ich Oklahoma stets problemlos erkennen, und auch die Hauptstadt kann wohl jeder auch ohne Vorwissen benennen. Doch darüber hinaus war mir Oklahoma bislang eigentlich fast ausschließlich als Heimat der Flaming Lips ein Begriff. In der deutschen Wikipedia-Ausgabe werden erstaunlicherweise weder die Flaming Lips noch Wayne Coyne in der „Liste von Persönlichkeiten des US-Bundesstaates Oklahoma“ geführt. Dafür immerhin Chet Baker, J.J.Cale, Woody Guthrie, Lee Hazelwood, Chuck Norris und ja, auch William Bradley „Brad“ Pitt. Als Band werden immerhin Hanson genannt. Haha! Der Regisseur Ron Howard wurde übrigens in der Kleinstadt Duncan geboren, wo ich im Moment diese Zeilen verfasse. 

 

 

Also wollte ich endlich mal einen Ausflug in den Big Bend National Park einbauen und fuhr die vier Stunden von El Paso, der nächsten größeren Stadt, über Alpine, der letzten Ortschaft vor einer knapp 200km-Strecke zum Visitor Center des Nationalparks. Nach den Sommerferien sind dort mittlerweile nur noch sehr wenige Besucher unterwegs (auf der Rückfahrt kamen mir über knapp zwei Stunden Fahrt gerade mal zwei Autos entgegen — aber umso mehr Tiere, die die Straße überquerten), so dass man wirklich noch in die großen Weiten der amerikanischen Landschaft fährt. Ein außergewöhnlich schöner Ort ist dieser Nationalpark. Und wie schön, dass man auch heute, in Zeiten von Überall-Internet und stetiger Erreichbarkeit noch so weit hinaus fahren kann. Eine Autopanne möchte man da auch nicht haben.

 

 

In Texas findet man irgendwie alle Klischees wieder – aber auch einiges mehr. Faszinierend sind die Steinadler (Golden Eagles), die überall im Land umherkreisen. Kein Wunder ist er so etwas wie der Nationalvogel und prangt auf dem Great Seal of the United States. Auch durfte ich in Texas die Bekanntschaft mit den ernst dreinblickenden State Troopers auf dem Highway machen, die, als sie mich dabei erblickten, wie ich nach einer Ausfahrt kurz anhielt, um mein Fotostativ aus dem Kofferraum nach vorne zu holen, mit Fragen konfrontierten und letztlich eine Verwarnung ausstellten. Das war offenkundig ein Akt der Willkür, denn während sie die Begründung lieferten, ich hätte am Stop-Schild nicht haargenau am Schild, sondern erst zehn Zentimeter dahinter angehalten, taten zahlreiche andere Autofahrer quasi direkt neben uns genau dasselbe, eben weil man am Schild nicht um die Ecke sehen konnte.

Wie dem auch sei, sie befragten mich dazu, welche Art von Filme ich in Deutschland mache, wozu ich das Stativ auf dem Beifahrersitz installierte (Erläuterung: Ich mache z.B. Zeitrafferaufnahmen von meinen Fahrten auf den Straßen, die ich den beiden Polizisten natürlich direkt unter die Nase hielt. Antwort: „I get dizzy only from watching this. … How did you call this? … Time lapse, never heard that.“), warum ich die Autobahn überhaupt verlassen hätte, wo ich herkäme, wo ich hinwolle und ob ich irgendwas im Auto hätte, das ich dort nicht haben dürfe („Do you have anything in your vehicle which you shouldn’t have in there?“). Ich frage mich tatsächlich noch immer, welche Antwort er eigentlich zu hören hoffte.

Später erklärte mir jemand (a real Texan), dass höchstwahrscheinlich mein kalifornisches Kennzeichen die beiden Texaner dazu veranlasst hatte, mich unter die Lupe zu nehmen, „because Texans hate Californians“. Leider habe ich versäumt, die beiden um ein Erinnerungsfoto zu bitten. Immerhin betonte der größere der beiden, die wie aus einem Film entsprungen schienen, zum Abschluss noch einmal, wie man am Stop-Schild zu halten habe. „That’s how it is done here in Texas.“

 

 

Apropos Film: Wunderbare Musik zum Fahren hier ist die Soundtrack-CD Hell or High Water, dem starken Film von Taylor Sheridan, der schon das Sicario-Drehbuch geschrieben hat (das ja ebenfalls weitgehend in West-Texas, sowie in El Paso und Juarez spielt). Auch ohne Kenntnis des Films ein sehr empfehlenswertes Album! Taylor Sheridans Regiedebüt (spielt diesmal in Wyoming), für das er in Cannes den Regiepreis bekam, muss ich nachdrücklich empfehlen, Wind River, mit einer großartigen Musik von Nick Cave und Warren Ellis, kommt demnächst in Deutschland ins Kino. Mein „Lieblingsfilm“ in Cannes in diesem Jahr. Sehr bewegend.

Auch hörte ich bei Fahrten durch die Sonora-Wüste viele Aufzeichnungen der „Klanghorizonte“ (einige habe ich schon häufiger auf Autofahrten gehört), sehr passend etwa die Stunden vom 19. August, mit Joseph Shabason usw. Nicht zuletzt deshalb erwarb ich vor wenigen Tagen auch Father John Mistys Pure Comedy, da es in einer Special Edition für unschlagbare $7,99 bei CVS in Dallas stand. Noch besser ist, meiner Meinung nach, allerdings das neue, fantastische Album von The War On Drugs, A Deeper Understanding. Die perfekte Musik für Autofahrten durch Das Weite Land.

 

 
 
 

Diese beiden Beistelltische habe ich auf einer Messe gesehen. Die Designerin heisst Paula Ellert. Ich möchte sie nachbauen, weiss aber nicht, welche meiner Singles und LPs „geopfert“ werden sollen.

Was meint Ihr?

 
Singles:
 

Christopher Cross: „Words of Wisdom“

Rod Stewart: „Ready Now“

The Regente Stars: „Lugano“

Frank Zappa: „Stick It Out“

 
 
LPs:

Audience: Nostalgie

The Dogs: Dogs‘ Life

Erich Ponto liest Wilhelm Busch

Tom Waits: Bounced Checks

 

2017 13 Sep.

Die Reise nach Mellrichstadt

von | Kategorie: Blog | | Comments off

Dass die Rhön eine besondere Landschaft ist, konnte ich bei manchen Ausblicken mit Bodennebel und wie gemalten Hügelkämmen kaum übersehen. Aber ich war heute nicht auf Seitwärtstreiben und kleine Abstecher in herbstliches Niemandsland gepolt – mit der nötigen Ruhe hätte ich mich einer kleine Gruppe von Pilzsammlern anschliessen können, die ich an einem Waldrand traf, einer sah aus wie Peter Handke mit Tiroler Hut. Aber ich liess all die Dörfer und Wetterumschwünge durch mich hindurch rauschen und praktizierte zwischendurch eine kleine Pranayama Übung. Daniela Manger führte mich durch die Werkräume ihrer Lautsprechermanufaktur, und die beiden „magic boxes“ wurden hinten im Toyota verstaut. Durch einen selten dummen Bedienfehler meinerseits war eine kleine Reparatur an diesen faszinierenden Schätzchen nötig, über deren Historie und „Wirkungsgeschichten“ man sich auf der Homepage von „Manger Audio“ bestens kundig machen kann. Während dieser 856 Kilometer ging mir allerdings immer wieder ein kleines Problem durch den Kopf. Auf dem Rückweg, hinter einem Dorf mit einem Bilderbuchnamen, fuhr ich an einen weiteren Waldrand, pflanzte mich auf einen Baumstamm, und setzte das heilige Mantra des Tages ab, zwischen eine Reihe unbeirrt schweigender Buchen: „Fuck! Fuck! Fuck!“. So ragt eine Geschichte (die einer Reise) in eine ganz andere hinein, und man ahnt nicht, mit welch durchtriebener „Ironie des Zufalls“ sie zusammenhängen, Schicksalsgläubige könnten von einem „cosmic joke“ sprechen. Ich ziehe meine erste Trumpfkarte: guter Humor! Ich lege, während eines „Boxenstops“, meine zweite Trumpfkarte in den CD-Player meines Toyoten: „The Best of The Troggs“.

h

k

 

2017 13 Sep.

Pocahontas on the Shetlands

von | Kategorie: Blog | | Comments off

 

It’s interesting in retrospect that in his long career (if you don’t get me on the wrong track) Neil Young only released three pure solo albums, and not one of them before decades and decades have passed. Live at Massey Hall, Live at The Cellar Door, and Hitchhiker. All from the ’70s. Absolutely moving, raw works of intimacy, vision, and some weed in the mix. Oh, yes, I forgot the one he recorded, years ago, in an old time-travel booth (but even there, a distance of decades between the hour of recording and the time in mind). And, ahem, it may seem far-fetched and contrived, too clever to really get you hooked, but when I just listened to the stunning new album from the Danish String Quartet, Last Leaf (ECM New Series), full of ancient „Nordic Folk“ in a broad sense, reaching out to the Shetlands, I was suddenly dreaming of a magic radio hour where, in a constant give-and-take, the Danish Quartet and young Neil change places with each song. Second guess, it would work fine, suprise! Ah, we leave out the time-travel booth album in that strangely perfect sequence that would, soundwise, interrupt the flow.

 

2017 13 Sep.

Night tale with stormy weather and bass guitar

von | Kategorie: Blog | | Comments off

 

k

In der Nacht von Freitag auf Samstag, am 19. August, tobte ein heftiges Unwetter über dem Münchner Raum. Bäume fielen auf Straßen, Bäume und Äste auf Gehwege, es gab vollgelaufene Keller, Pkws steckten in überschwemmten Straßenunterführungen – das sind nur einige der Einsatzstichworte für die Kräfte der Feuerwehr. Niemand nahm körperlich Schaden. Im ganzen Stadtgebiet waren die Einsatzkräfte von Berufsfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr unterwegs. Durch die Integrierte Leitstelle München wurden zusätzlich zu den Einsätzen im Stadtgebiet noch etwa 80 Einsätze für den Landkreis München disponiert. Das Unwetter beschädigte zudem eine Engelsfigur in Haidhausen. Die Feuerwehr sicherte die Figur auf dem 45-Meter hohen Kirchturm und seilte sie ab. In seinem Auto musste auch der Produzent Manfred Eicher ausharren, die Wassermassen zwangen ihn dazu, mehr als eine Stunde auf den Rettungsdienst zu warten. Immerhin funktionierte das Autoradio noch, und so schaltete er gegen 1.15 Uhr den Deutschlandfunk ein. Und so misslich seine Lage war, er musste wohl innerlich schmunzeln, als er rasch eine vertraute Radiostimme erkannte, und nur wenige Minuten vergingen, bis er, in den „Klanghorizonten“, der kleinen Premiere eines Musikstückes aus Björn Meyers exzellenter CD „Provenance“ lauschte, aus der von ihm in Lugano produzierten Aufnahme.

 

2017 12 Sep.

Barbara 1930 – 1997

von | Kategorie: Blog | | Comments off

 

 
 

„Ihr Ungeheuer mit Namen Hans.“
 
„Ils savent mieux que nous, je pense, l’historie de nos rois de France.

Herman, Peter, Helga et Hans. À Göttingen“

 
Ganz und gar ohne „klammheimliche Freude“ für Henning und Gregor aus Göttingen.
 
Seit 20 Jahren ist sie verstummt. Die französischsprachigen Länder erinnern, sie verehrend, mit einem neuen Film und 4 Neuerscheinungen. In dem aktuellen Film von Mathieu Amalric, versucht seine Ex, Jeanne Balibar, die einzigartige französische Chansonsängerin Barbara, zu spielen – très difficile.  Ich habe den Film auf Französisch angesehen, so gut wie nichts verstanden, aber einige Zitate aus den Chansons von Jacques Brel waren erkennbar und gut in ihre Erinnerungsfotos, -auftritte, -gesten einzuordnen.

In ihrer Biografie erzählt Barbara kleine Geschichten von Begegnungen, Ereignissen, immer detailliert, sinnlich und taktvoll. In ihren sehr persönlichen Chansons erfährt man nur bedingt von schmerzlichen Beziehungen, wie zu ihrem Vater, der sie missbraucht, als sie 10 Jahre alt war, den sie deswegen hasst, aber trotzdem zu seiner Beerdigung nach Nantes fährt.
 
„Il pleut sur Nantes

Donne-moi la main

Le ciel de Nantes

Rend mon coeur chagrin“
 
Bei der eher depressiven  Lucinda Williams löst der Tod des Vaters Todessehnsucht aus. Als sie das Lied ankündigt, das sie für ihren toten Vater geschrieben hat, ist es totenstill im Konzertsaal. Sie singt es mit desolater Stimme:
 
„Open up the doors of heaven, let me in

I think I’m finally tired of living, let me in.“
 
Barbara dagegen schreibt in ihren Memoiren: „J’étais une femme heureuse.“ Ihr Wille zur Freiheit ist bewundernswert. Als ihr eifersüchtiger Partner von ihr die Aufgabe ihrer Musik verlangt, entscheidet sie sich für ihr schwarzes Klavier. Ihr Piano ist ihr lebenswichtig. Als in Göttingen das falsche auf der Bühne steht, müssen einige Studenten für ein anderes sorgen. Im Publikum saß damals Altbundeskanzler Gerhard Schröder, später zitierte er gern aus À Göttingen.
 
„Oh faites que jamais ne revienne

Le temps du sang et de la haine

Car il y a des gens que j’aime

A Göttingen,  à Göttingen“
 
Vor Kurzem hat ihr enger Freund Gérard Depardieu aus ihrer „Lily-Passion“ im Theater vorgetragen. Barbara’s Texte erscheinen zunächst einfach. Beim Singen gewinnen sie eine ungeheure Intensität. Ich kenne keine Chansonsängerin, die mich mit ihrer erzählenden Stimme, ihren mystischen Blicken, ihrem Wesen („La liberté est possible“), ihrer Zugewandtheit so erfasst wie Barbara.
 
„Dis, quand reviendras-tu?“

2017 10 Sep.

Here you get it all!

von | Kategorie: Blog | | Comments off

 
 

 
 


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