Manafonistas

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Straight connection, T.E.E.

Trans Europa Express
Trans Europa Express
Trans Europa Express
Trans Europa Express

 

These lines were intoned by Ralf Hütter on Kraftwerk‘s 1977 masterpiece „Trans Europa Express“. In doing so, he sparked the imaginations of thousands  kids stuck in grim, gray 1970s Britain and Germany. Bar none, all imagined riding the luxurious train towards a late-night rendezvous with Iggy or Bowie (or another soulmate of their choice).

 

TEE Trains chuffed their last 1995, but thanks to Suiss Train archivists at the Heritage Foundation SBB, the romance lives on. They own and maintain 200 (!) retired trains, including the RAe TEE II 1053, built in 1961. To celebrate the 60th birthday of their TEE model, the Heritage Foundation SBB has now  produced a limited run of the iconic TEE cup and saucer sets, available for purchase from their website. What‘s more, a recent EU report recommends the resurrection of the TEE concept as part of their drive to achieve carbon neutrality by 2050, so we may yet get our „straightconnection, TEE“. Bring your own cups!

 

Meanwhile armchair travelers may go for the cups and saucers, celebrate their favourite tea or coffee, have a nice time vanishing behind the pages of Jan Reetze‘s „Times & Sounds“, and enter the TEE via old Kraftwerk vinyl. At night. All candles on!

2021 1 Okt.

Eine Einladung, Georgette Heyer zu lesen!

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Es war in der Studentenzeit, als auch ich in die Falle tappte, mir manch subdepressiven (zugleich widerlich elitären) Erzähler zu Gemüte zu führen, die auch heute noch so viel seltsamen Anklang finden, dass erwachsene  Männer / Frauen (wie einst die Kids bei Michael Jackson) eine tiefe Sehnsucht verspüren könnten, ihre Geburtshäuser und erste Heimat zu besichtigen. Botho Strauß, ogottogott! Es war relativ klar reguliert, dass man, wenn man dann Romane einer anderen Welt in bestimmten Runden kundtat, Augenrollen und Kitschkritik (wie aus der Pistole geschossen) auf einen einhagelten. Mir erging es so, als ich mal die eine und andere Woche verschwunden war in den Welten von „Tess“ („oller Schmöker!“) Krimis von Chester Himes („Schund!“), vor allem aber bei der wunderbaren Georgette Heyer. Zum Glück liess mich all diese Kritik kalt, es sei denn, sie stammte von Frauen, mit denen ich das Kopfkissen teilen wollte (die waren allerdings meist wesentlich lockerer, lasen eher „Und Jimmy ging zum Regenbogen!“ von Simmel, und vögelten mich ganz und gar unliterarisch durch die Nacht).

 

 

Wenn man sich die absolut entsetzlichen Cover ansieht, die die Bücher der grandiosen Georgette Heyer seit ihren Erstveröffentlichungen verunstalten, könnte man tatsächlich meinen, sie sei die schnulzigste, grässlichste, niedlichste, sentimentalste und trashigste Autorin, die es je gewagt hat, einen Stift zu Papier zu bringen. Die Überraschung, die einen erwartet, wenn man ihr noch nicht begegnet sind, ist, dass man, sobald man diese echt doofen Cover ignoriert, entdecken wird, dass sie eine der witzigsten, einfühlsamsten und lohnendsten Prosaautorinnen ist, die man sich vorstellen kann. Ihre Geschichten erfüllen alle Anforderungen des romantischen Romans, aber die Sprache, die sie verwendet, die Dialoge, das ironische Bewusstsein, die Satire und die Einsicht – all das ragt weit über das Genre hinaus. Einmal, und hier kommen Kunst und Leben nah zueinander, schulterte ich tatsächlich eine Frau genauso, wie es auf dem Cover von „Eskapaden“ abgebildet ist, und legte sie, die schöne Volltrunkene, in ihrem Würzburger Hotelzimmer ab. Ich widerstand der Gunst des Augenblicks, gab ihr nur einen sanften Wangenkuss, und zog mich in mein eigenes kleines Zimmer mit Blick auf die Alte Mainbrücke zurück. Die hinreissende Lady war verheiratet, und hatte mir am Vorabend ihren ehelichen Kummer in der Hotelbar ausgebreitet. Nach einem hässlichen Auftritt ihres cholerischen Gatten am Folgetag, bat sie mich, sie in das alte alleinstehende Haus ihrer früh verstorbenen Eltern am Vierwaldstättersee, nahe Küssnacht, zu begleiten. Ich würde diese Reise, und die sechs Wochen dort, nie vergessen. Es war eine berauschende und zugleich besinnliche Zeit, angereichert von einem Ausmass an Glückseligkeit, dessen Tage von Anfang an gezählt waren. Seltsam paradiesisches Herbstlaub überall.

 

2021 1 Okt.

Mixed Genres – Literaturszene Hessen

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Kurzlesungen im Rahmen der Seligenstädter Literaturtage. Es lesen: Martin Piekar, Martina Weber, Susanne Konrad, Ingrid Walter, Dirk Hülstrunk, Eward Reder, Klaus Hensel.
Samstag, 9. Oktober 2021, 19 Uhr
St. Josephshaus, Jakobstraße 7, 63500 Seligenstadt
Eintritt frei.

 

2021 29 Sep.

simsalabim bambasala dusaladim

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Eine Zeile aus einem Kinderlied, der Refrain. Es ist eine Zauberformel aus dem Lied „Auf einem Baum ein Kuckuck“, das, wie Wikipedia weiß, zuerst 1838 in einer Sammlung von Volksliedern erschien. Ich schlug das Buch auf, las den Liedtext, und versuchte, die Melodie, wie ich sie kenne, singend hinzubekommen, bin aber aus der Übung. Der erschossene Kuckuck, der nach einem Jahr wieder da ist. Ein Fall von Magie, auch von Symbolkraft, aber in der dritten oder vierten Klasse haben wir darüber bestimmt nicht gesprochen. Der zweite, der wieder aufgetauchte Kuckuck wirft Fragen auf, auch die nach der Identität. Martina Bilke hat ihren dritten Roman nach diesem Lied betitelt: „Auf einem Baum der Kuckuck“. Die Frage nach der Identität steht hier im Zentrum. Inwieweit wird die Persönlichkeit eines Menschen durch Gene, Erfahrungen in der Familie, durch Erziehung geprägt und inwieweit durch das eigene Umfeld und den eigenen Willen? Die traditionsreiche nature-nurture-Debatte. Können wir ausbrechen, uns lösen? Martina Bilke konzentriert sich auf die Frage, wie es sich auf ihre Hauptfigur auswirkt, wenn sie etwas über eine Verwandte erfährt, was nicht nur ihr Bild von der nahe stehenden Person radikal verändert, sondern auch ihre eigene Selbsteinschätzung.

 

 

Ánaca ist 23 Jahre alt und dabei, ihr Studium abzuschließen. Sie lebt seit ihrem dritten Lebensjahr in Venezuela, sie ist Deutsche, zweisprachig bei der Großmutter aufgewachsen, glücklich verliebt. Der Plot wird nicht verraten. Der Roman ist atmosphärisch dicht, aus der Perspektive von Ánaca geschildert und doch mit diskreter Distanz, fein und klug komponiert, und schafft es bei mir nach ein paar Seiten, bis ich mich in die Perspektive eingefunden habe, einen Lesesog zu erzeugen.

 

In dem Roman steckt Sprengstoff. Es mag wichtige Gründe dafür geben, warum das Buch erst 24 Jahre nach der Handlung, die sich im Buch über einige Monate des Jahres 1996 erstreckt und in der Reflexion einen großen Sprung rückwärts macht, erscheint. Es werden Namen eingestreut, Orte, Titel wissenschaftlicher Bücher, die existieren. Eines der Bücher, die im Roman genannt werden, erschien im Jahr 1996, und könnte es wegen seiner eminenten Bedeutung für die Aufarbeitung eines Kapitels der Medizingeschichte auch in die kleine Bücherei eines Ortes namens „Himmelsteig“ geschafft haben. „Himmelsteig“ – eine kleine Gemeinde, die ich ohne zu zögern ins Baden-Württembergische Mittelgebirge verorten würde. Einen Bahnhof Himmelsteig, an dem Ánaca ausgestiegen hätte sein können, kennt das Internet jedoch nicht. „Himmelssteig“ mit zwei „s“ dagegen gibt es. Eine winzige Schraube, an der hier gedreht wird, vielleicht um Distanz zu schaffen. Letztlich spielen meine kleinen detektivischen Recherchen keine Rolle. Es hätte geschehen sein können, so oder ähnlich, hier oder da, mit diesem oder anderem Personal. „Auf einem Baum der Kuckuck“ ist Fiktion. Simsalabim. Oder, wie ein alter Indio im Roman in Kolumbien sagt: „Es gibt keine Zeit, Zeit ist nur im Kopf.“

2021 28 Sep.

Wordless Wordsmith

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I love you / I hate you Orchester Kinderchöre Basslines Beats Fuck your blunts man I want my spliffs War „Grey Area“ vor zwei Jahren noch ein Hip-Hop-Album auf dem die Liebe zu dem Sound siebziger Jahre Soul und Funk Alben durchschimmerte ist dieses goldene Klangbild auf Little Simz neuen Album „Sometimes I Might Be Introvert“ tragendes Stilelement I bottle up and then spill it in verses/One day I’m wordless next day I’m a wordsmith Opulenz Wärme Harfen Diamonds Are Forever I was always the illest, there’s never been no cure (no medication) Bei den ersten beiden Hören war ich ein wenig enttäuscht I’ve been in my zone, movin’ lowkey in Berlin/ You can get the smoke nigga das ist kein Problem Das vorherige Album höre ich immer wieder gerne (seitdem ich es vor knapp zwei Jahren gekauft hatte, nach einem Hinweis von Ingo hier) die Erwartungen waren hoch, ich war vielleicht auch in Mäkelstimmung meine Ohren brauchten ein wenig um sich auf das Album einzustimmen I write words for a living and still can’t communicate Die pathetischen Interludes überzeugen mich immer noch nicht doch wabern immer wieder einzelne Textzeilen oder Melodien durch mein Bewusstsein und veranlassen mich das Album aufzulegen Is you a sperm donor or a dad to me Die erste und die letzte Plattenseite haben es mir jeweils besonders angetan all killers no fillers There ain’t no easy way out drownin’ internally/When you’re stuck in a ocean of doubt with all this uncertainity/Lived bein’ angry my whole life like it’s part of my DNA/I couldn‘t tell you why it became something that we embraced/Then we take the same anger and turn it into someone else’s pain/nothing’s changed here, the cycle still remains

2021 27 Sep.

Double Feature

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Is it really seven years ago already that I had the pleasure to see Steely Dan on stage? My review says so.

Now they released a live album. Northeast Corridor.

 
 

 
 
The line-up is more or less the same as seven years ago — only Walter Becker is missing, of course. The album is dedicated to his memory.

Recorded at four different venues, probably in 2019, the Steely Dan Band, as it’s called now, played a sort of Greatest Hits set, from „Black Cow“ to „Reelin‘ In The Years“, even „Rikki Don’t Loose That Number“ is on the setlist, a track they didn’t want to play formerly. One song from the Everything Must Go album is presented live for the first time, „Things I Miss The Most“, „A Man Ain’t Supposed To Cry“, an old Frankie Laine number, which appears as track 12 here, was the last encore.

The musicians and singers, without exception, are superb. Even when Donald Fagen gets a bit into fights with the higher notes (he’s 73 now, so I think he’s allowed to), the four back-up singers stand in perfectly, you hardly notice how well they do it.

As you would expect from Steely Dan, the sound is absolutely first-class, the audience is audible but not mixed into the foreground, you can follow the overall sound as well as every single instrument, especially when using headphones. What else could you wish for!

But there’s more!

There’s also this:
 
 

 
 
The Steely Dan Band plays Donald’s full solo album The Nightfly from 1982. The sleeves don’t tell the recording dates, but it’s same band and same venues, and the sound tells me that it’s probably been a part of some of their 2019 shows. The vocals in „Maxine“ are left completely to the back-up singers which works beautifully.

These two albums — I think they belong together — could easily be my records of the year. Just fantastic!

2021 27 Sep.

Outdoor Artists (2)

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Ich schaute durch die Schießscharte auf die Linden, auf Birken, Robinien, in das trübe Wasser des Burggrabens oder auf sich nähernde Attrappen von Menschen in Ritterrüstung. Ich erinnerte mich. Ich habe viele Sonntage meiner Kindheit auf Burgen im Odenwald oder im Pfälzer Wald verbracht, es waren Ausflüge, die meine Eltern mit Freunden meines Vaters und dessen Familien geplant hatte, Wanderungen durch herbstlich verfärbte Wälder mit Kindern, die ich nicht ausgesucht hatte, mit denen ich mich arrangieren musste. Es endete meist, etwas erschöpft, mit der Einkehr in ein Gasthaus, dann Rückreise, der Neckar zieht sich wie ein gerades Band dunkel neben der Straße entlang. Und ganz sicher war ich auch schon hier, sagte ich. Schandkorb, Eiserne Jungfrau, Streckbank, im Gewölbe des Kriminalmuseums, in dem man immer fror. Erinnerung an das Schaudern, das Gruseln, der leichte Druck im Bauchbereich, die Vision unabwendbarer staatlicher Gewalt, die die Atmosphäre evoziert, auch ohne die Geräte nochmal zu sehen. Die Sonne schien, wir  gingen den Hochpfad an der Stadtmauer entlang, es war eine Einbahnstraße, ein Einbahnweg genauer gesagt, pandemiebedingt, aber andere hatten das Schild nicht wahrgenommen und so ging es dann doch in beide Richtungen. Es gab eine Unterbrechung des Hochwegs und eine Treppe hinunter. Und dort, zwischen Klingentor und Strafturm, erwartete uns, unter freiem Himmel, etwas überraschendes: eine Kunstausstellung.

 
 

 
 

Um die Kunst zu den Menschen zu bringen, hatten die „aktiven Mitglieder“ des Kunstkreises sich entschieden, ihre Arbeiten einen Sommer lang der Witterung auszusetzen und sie als Ausstellung an der Stadtmauer zu präsentieren. Das war das kulturelle Highlight meines Ausflugs nach Rothenburg ob der Tauber. Bedenkt man die Einwohnerzahl von 11273 (Stand 31.12.2020), ist die Dichte an bildnerisch künstlerisch Tätigen vermutlich sogar deutlich höher als die Dichte von Romanautoren in Berlin. Die Gemälde lassen den Rückschluss zu, dass im Kunstkreis viel über Theorie gesprochen wird. Alle Richtungen der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts sind vertreten: Collagen, ungegenständliche Farbflächen, in wilden schwarzroten Ornamenten verborgene halb illegale Anbandlungsgespräche, Landschaften, Stillleben, Reales, Irreales, Hilfloses, ein Triptychon, die Brooklyn Bridge, Malen nach Zahlen sogar vielleicht. Dies sind die zwei Bilder, deren Atmosphären mich am meisten berührt haben. (Zur Vergrößerung einfach anklicken.)

 
 

 

Some months ago, Floating Points‘ album „Promises“ saw the light of day, and turned into one of my favourite albums of the year (after a solitary performance on Sylt’s Uwe Düne in lockdown). It got a lot of great reviews (which, per se, doesn‘t mean a thing, but some of them seemed to have a very fine look into the music). „Throughout its emotional 46 minutes, Promises stirs feelings that can be hard to name“, thus starts Mark Richardson’s 9.0 pitchfork review. On his blog, Richard Williams had a more ambivalent opinion, and every comment there was more on the sceptical side. New age, old-fashioned, losing the bite etc. I thought, well, there should be at least one who sings the praise when reading Richard’s thoughtful mini-essay and its echoes.

 

„Now a bit late, to be a vital part of the discussion but anyway: I belong to those who love this album from start to end. In the beginning, I didn‘t even want to listen to it: it seemed just a good marketing idea to bring together a legendary saxophone player, a rising star of electronica, and some elements of new classical music. But finally I listened to it. And was thrilled.

Nothing here is underwhelming in my ears. And I‘m a huge fan of Pharoah Sanders‘ TAUHID, and other Impulse stuff with his name. In the 70‘s John Coltrane‘s Live In Japan was a regular companion, with Pharoah, Alice, Rashied… that said, what these albums from the past and PROMISES have in common: I only want to listen to them as a whole, no bits and pieces, and they send me places. A record for special moods and occasions, for sure. Absolutely sublime, even on a Saturday night.“


 
 

Was würdest du von einer Insel mitnehmen? Das Tolle an der deutschen Sprache ist, dass kleine Präpositionen eine ganze Meinung verwerfen können. Hier geht es nun um Naturveränderungen durch größtmöglichen Gewalteinfluss. Ich war aktuell zwei Tage auf La Palma. Als ich hinkam, gab es 8 „Münder“, heute sind es 11. Weitere werden folgen. Der Cumbre Vieja hat viel Gas angesammelt, die Magma findet keine Kammern, in die sie fließen kann, sie sucht ihren Weg nach draußen – die Folge sind diese Vulkanausbrüche mit den verheerenden Zerstörungen. Es ist einmalig, Zeuge dieses atemberaubenden Schauspiels zu sein, aber ich habe auch den naiven Wunsch, dass diese Bilder alles nur Aufnahmen aus Robert Emmerich‘s Katastrophenfilme sind. In veridad sind es rotglühende Lavamassen, die sich Wege suchen und alles niederwälzen. Zum Glück sind noch keine Menschen darunter.

Das Knallen der Gasexplosionen, der kilometerhohe Feuerschweif lösen bei den Bewohnern Ängste und Nervosität aus. In El Paso, dem noch nicht evakuierten Ort, wo ich zwei Tage verbringe, läuft das Leben nur vordergründig normal ab. Achtet man auf die Leuchttafeln, die mitten im Ort funkeln, weiß man, dass hier Alarm angezeigt ist. Es gibt Anleitungen zum Verhalten der Einwohner, sollte das Lavamonster auch dieses „Pueblo“ erreichen. Von einer Bar aus kann ich beobachten, wie übervoll beladene Pickups schwankend vorbeifahren, kleine Busse mit Evakuierten, die nur zwei Stunden hatten, sich von ihrem Hab und Gut zu trennen und jetzt zum Fußballstadion gebracht werden, zur ersten Verteilung. Ich sehe uniformierte Guardia civil, die Tiere schultern, sie versuchen, einfach alles zu retten. Die sehr Alten und Behinderten waren schon vor dem Vulkanausbruch in Sicherheit gebracht worden.

Ich stehe in sicherer 2 km Entfernung von der lodernden Feuerfontäne, filme und knipse. Ich weiß, dass der jüngste Vulkan auf El Hierro 100000 Jahre alt ist. Hier bin ich nun Taufpate eines neuen Vulkans, der Millionen Jahre alt werden wird. Was für ein grandioses, einmaliges Lebensereignis für mich. Wie jung ich bin 😀 Ich denke aber auch an Adorno‘ s Satz: die Natur ist feindlich und an Paul Virilio, der in „Fahrn, Fahrn, Fahrn“ so schön den Urkontakt von Fuß zu Boden beschreibt. Das ist hier, wo sich eine scheußliche rotgetränkte Feuermasse vorwärts wälzt, unvorstellbar geworden.

Ich gehe mit Asche bedeckt zurück in die einzige Bar, trinke ein Dorada Bier und denke an Deutschland, das ein Jahr in der Pandemie gebraucht hat, die Schulen wieder zu öffnen. Hier nahebei wurde eine Schule zerstört, Tags drauf waren Schulspots für die Schüler eingerichtet. Ich höre von Juristen, die Vorort gekommen sind, um den Evakuierten bei den ersten Versicherungs- und Hilfsanträgen beizustehen. Und im Ahrtal?

Es gibt viele Ferienhausbesitzer aus dem In- und Ausland, die selbstverständlich ihre Domizile den Evakuierten zur Verfügung stellen. Ich bewundere die hervorragende Organisation, die unmittelbare Hilfe und Solidarität. Ich konnte noch aufgrund von viel Geschick, Freundlichkeit und unbürokratischer Erfindungslogistik der Airlineangestellten mit einem kleinen Flugzeug rüber nach Teneriffa fliegen. Auf meinem Balkon auf El Hierro war die Asche schon vor mir angekommen.

 


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