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2022 1 März

Wes Geistes Kind?

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Es war die Zeit des Kalten Krieges und der sonntäglichen Herrenrunden des Internationalen Frühschoppens mit Werner Höfer. Man sah dort, obwohl zu jung für fundierte eigene politische Meinungsbildung, eine geistige Gegnerschaft repräsentiert. Dagegen halfen Jimi Hendrix, Led Zeppelin und manch andere Gegendroge. Ein Deja-Vu-Erlebnis hatte ich bei einem Video, das Peter Sloterdijk zeigt, der entrüstet eine Talkrunde verlässt, die von Gertrud Höhler moderiert wurde. Ein Kritiker der zynischen Vernunft inmitten elitär raunender, konservativer Zyniker, so will es scheinen. Meine Empathie gilt deshalb dem Philosophen, denn er reagiert hier gegen eine vorgebliche Realpolitik-Phalanx, die Gegenmeinungen wie unmündige Kinder an den Katzentisch verbannt. Mit Hartmut Rosa gesprochen: er verliess einen Resonanz-toten Raum. Ein anderes Bild aus Kindertagen: wenn man in die üppig schäumende Badewanne stieg, beobachtete man, dass beispielsweise nur ein winziger Tropfen Milch ausreichte, um den Schaum im Nu aufzulösen. All die wunderbaren Exkursionen des Geistes in liberal-utopisches Neuland, nun auch erloschen aufgrund globalen Kriegsgeschehens?

 

2022 1 März

American Dreamer

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In wenigen Stunden erscheint diese autorisierte Biografie von Bill Frisell. Ich habe sie dann als e-book vorliegen, und Michael Rüsenberg wird sie in meiner nächsten Ausgabe der JazzFacts am 5. Mai besprechen. Ich kenne Michael R. bislang nur von seiner alten Radiosendung „In Between“ aus den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Anders als heute, waren bestimmte Radiosendungen damals die beste Chance, etwas aus anstehenden Neuveröffentlichungen zu hören, und so sind mir einige radio memories seltsam präsent, wenn eine Musik, auf die ich gespannt war, von den Gedanken und Worten eines Jazzjournalisten ihren ersten Rahmen erhielten, den Kontext des ersten Hörens. Unvergesslich, wie er sich für das allerfeinste Album „Lookout For Hope“ (produced by Lee Townsend) begeisterte – das Quartett erlebte ich live Jahre später im alten Domicil in Dortmund. Und später, als  er sein gesammeltes Pastell der Jan Garbarek Band zur Verfügung stellte. Ein Rumtreiber mit vollem Terminkalender!

Einige Male traf ich Bill Frisell, einmal in einem Hotel, im munteren Gespräch mit dem Trio Paul Motian – Joe Lovano – Bill Frisell, dann bei einem Abendessen mit den „wilden Kerlen“ von „Naked City“ in Darmstadt, ein anderes Mal, als ich ihn mit Fragen löcherte zu einem meiner Top-5-Frisell-Werke, „Unspeakable“, das einen gewissen Hal Wilner in grosser Experimentierlaube als Produzenten auswies.

Ein ruhiger sympathischer Geselle, kein grosser Geschichtenerzähler – und ich bin fast erstaunt, dass diese Biografie mit weit über 500 Seiten die Länge eines „ausgewachsenen Schmökers“ besitzt. Aber klar, auf unendlich vielen Alben ist er zu hören. Ohne bislang eine Zeile gelesen zu haben, bin ich sicher, dass es ein spannendes Buch ist, lohnend allemal für die, welche Frisell aus bestimmten Winkeln und Phasen seines umfangreichen Werkes schätzen. Ein kurzes Huschen über eine review im Mojo Magazine – und ich ahne, das Buch ist vielstimmig angelegt.

Nur beim Untertitel rolle ich etwas mit den Augen – da ist er wieder, der Schachzug des Marketing – (man kennt das von der Musikdokumentarserie über das Jahr 1971, von Michael Pollans Buch über den Kaffee, und sonstwo her) – „The Guitarist That Changed The Sound Of American Music“. Ohne, dass irgendwas die Welt verändert, geht es kaum noch, und das ist dann doch übertrieben, ein Hauch von Marktplatz. Solche Sockelsetzerei braucht es nicht, „he‘s just a normal guy with a gift“.

Zudem hat Bill Frisell, der in frühen Jahren exzessiv zu hören ist mit seinen fliessenden Sphärensounds (legato), als stimmungsvoller background bei Marianne Faithfull und anderen Sänger*innen – in Reinkultur zu hören auf seinem ECM-Debut „In Line“ (zu der Story dieses Albums hat Ingo ein sehenswertes Interview gedreht) – sich schon in jeder Nische zwischen Stille und Noise herumgetrieben, zwischen altem Jazz und wildem Rock (toll, wie er sich in die Songs von Lucinda Williams einmischt), sein Markenzeichen der frühen Jahre in alle Richtungen aufgelöst, verwandelt und vervielfältigt.

Manches schüttelte er dabei aus dem Ärmel, manches war wagemutig, dann wieder easy going (seine Country-Obsessionen), das eine virtuose Hausmusik, das aufregend altmodisch (wie sein Spiel auf Lee Konitzs Schwanengesang), manches wiederum einfach nur endlos fesselnde, wendige Textur (wie auf betörenden Alben von Altmeister Andrew Cyrille).

Ein Allrounder, ein Chamäleon, mit einer Handschrift, die ihre besonderen Noten variantenreich hervorzaubert. Gavin Bryars ist auch ein Fan. Und auf diesem einen Bryars-Album, das ich einst zusammen mit Markus Mueller in der Jazzthetik abfeierte („After The Requiem“, produced by Manfred Eicher) in einer Doppelrezension, da klang er in Momenten fast wie Terje Rypdal.

 

2022 1 März

Abwesenheitsnotiz

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Im kompletten April, und das ist kein vorgezogener Aprilscherz, bin ich unterwegs, und nicht auf dem Blog anzutreffen. Die Reisen führen mich hierhin und dorthin, und Anfang Mai melde ich mich zurück mit guter Musik, fröhlichen Diskursen, und anderen Geschichten. Zwischendurch keine Mails, keine Telefonate. Bis bald, mit herzlichem Gruss! P.S. Meine nächste Ausgabe der JazzFacts ist im Deutschlandfunk zu hören, am 5. Mai um 21.05 Uhr.

During the whole month of April, and this is not an early April Fool’s joke, I will be on the road and not on the blog. My travels take me here and there, and at the beginning of May I’ll be back with good music, happy discourse and other stories. No mails or phone calls in between. Meanwhile, don’t miss Horace, Alabaster, Roger and Toechter.  See you soon! 

 

Ich vermeide das modische Wort Resilienz, und notiere es hiermit nur einmal. Das sind dezente Schockwellen, die die Nachrichten der letzten Tage auslösen, in einem coronamüden Land. Ein trauriges „Zahlenspiel“ verdeutlicht das: 5, 20, 25, 3, 5, 10, 17, 12, 30, 5, 10, 7. Diese Zahlen nannten mir Bekannte in meiner Umgebung, als ich sie bat, in den letzten Tagen, nach Putins „Alarmbereitschaftserklärung“, ihre Einschätzung der Wahrscheinlichkeit eines Atomkrieges in Prozentzahlen auszudrücken. Statistisch ist dieses Dutzend Einschätzungen nicht relevant, doch glaube ich nicht, dass seit der Kubakrise eine grössere Angst vor einer Katastrophe herrschte, und das war, die Älteren werden sich erinnern, sehr früh in den Sechziger Jahren. Diese Furcht möge nicht lähmen. Es gibt die Möglichkeit von Demonstrationen, Spenden, etc. – Solidarität hat viele Gesichter. Vor allem aber ist diese Gemengelage des Unglücks kein Grund, das Leben nicht auch fortan hellwach und intensiv zu leben, weiterzumachen, unsere Vorlieben und Leidenschaften zu hegen, oder, um es lyrisch zu sagen, „den Brunnen auszuschöpfen“. Lassen wir uns nicht lähmen von subdepressiven Schwingungen und Panikattacken. Kein Grund, sich einem Glück, insofern es einzelnen zugewandt ist, zu verweigern. Ein Schatten, ein Blues, eine Farbe der Melancholie, all das mag sich über die Dinge des Alltags legen, aber es ist kein Zeichen von Ignoranz und Verdrängung, dem élan vital eben nicht die Flügel zu schneiden, und sich trotz allem weiterhin konkret in Klänge und Bilder und Räume zu versenken, und allgemein in die Lebendigkeit, die das Leben so lebenswert macht. So einfach ist das nicht, so elementar ist es eben doch.

 

„You play with my world.“

(Masters of War / Bob Dylan)

 

Wer sich tiefer mit dem Thema „Russland und der Westen“ beschäftigen möchte, dem empfehle ich das Buch Die Erfindung Russlands von Boris Groys, erschienen im Hanser Literaturverlag. Groys ist ein russisch-deutscher Philosoph, der lange mit Sloterdijk am ZKM gelehrt hat.

Im Winter ist es ein alter russischer Brauch, ein Eisbad zu nehmen, um gereinigt das neue Jahr zu beginnen. Mir hat eine Georgierin erzählt, dass eine junge russische Mutter bei Petersburg in ein Eisloch gesprungen sei und den Weg zurück nicht mehr gefunden hätte. Man fand sie tot – 1 km entfernt vom Einstieg. Auch Putin nimmt jährlich ein Eisbad. Er hat bisher überlebt. Die russische Band AIGEL hat zu diesem Thema einen Clip gemacht, der mehrfach ausgezeichnet wurde. Der Song darin  heißt sinnigerweise „You‘re Born“. Bitte schaut das beeindruckende Video an.

Musik aus einer völlig anderen Gegend, und es ist doch die Nachbarwelt, bringt die ukrainische Gruppe DakhaBrakha, sie verknüpft Tradition und Gegenwart. Die jüngsten Ereignisse bezeugen die großen kulturellen Unterschiede in der Ukraine, einem Land, in dem sehr unterschiedliche Traditionen aufeinander treffen. Die Band DAKHABRAKHA verschmilzt traditionelle Klänge mit neuer Musik in einen hypnotisierenden Mix. Mit einer bilderreichen und hypnotisierenden Musik erweckt das Quartett ein Echo der traditionellen Volksmusik ihrer Heimat, transponiert ins Hier und Jetzt.

 

 

DakhaBrakha sind ein unbeschreibliches Quartett aus Kiew, das seine Musik als Ethno-Chaos bezeichnet. Ihr Konzept: ukrainische und andere Volksmusik vor Ort aufnehmen, verarbeiten, mit anderen musikalischen Einflüssen verbinden und das Produkt dann den Menschen vor Ort wieder zurück geben: “Geben und Nehmen” nennen sie das und das ist auch die Übersetzung ihres Band-Namens: DakhaBrakha. In diesem Video sind sie – während ihrer Tournee durch die USA – auf einem der wunderbaren Tiny Desk Konzerte zu hören.

Zum Schluss möchte ich „You Can Close Your Eyes“ von James Taylor empfehlen, in der Studioversion oder live at BBC. Es ist eins der trostvollsten Songs in der Popgeschichte.

 

2022 28 Feb.

Mit einem „Wolkentanz“ durch Dortmund

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Das erste Mal hörte ich dieses Album 1976, im fünften Stock meines Würzburger Studentenheims, und ich glaube, dass ich von den ersten 250 ECM-Alben ungefähr 200 besass. Kurz und gut: Musik war mir ziemlich wichtig. In meinem fabelhaften Toyata Yaris, Baujahr 2012, gibt es noch einen dieser wunderbaren CD-Player, die damals serienmässig installiert wurden, und so konnte ich nunmehr endlich an eine gute Tradition anknüpfen, mich mit Seelennahrung durch die Lande zu bewegen. Den Vogel schoss heute eine CD ab, der ich nur Aussenseiterchancen einräumte, weil ich Alben aus dem Hause ECM vorzugsweise in heimischer Höhle laufen lasse – aber die Scheibe von Colin Walcott, aufgenommen zwei Monate nach dem legendären Auftritt von Keith Jarrett in Köln, im März 1975 im Tonstudio Bauer, Ludwigsburg, war das heutige Highlight: druckvoll, plastisch, wild, sphärisch, fusion ohne Nabelschau. Neben dem tragisch früh verstorbenen Sitar- und Tablaspieler agiert das „Gateway“-Trio (das ich, wie Oregon und das Jan Garbarek-Bobo Stenson-Quartet, damals live erlebte, in Münster, kurz vor meinem Umzug ins Frankenland) mit John Abercombie, Dave Holland und Jack DeJohnette. Perfektes sequencing, kluge Spannungswechsel, die Freude an der Musik ist allen Beteiligten anzuhören. Die Siebziger Jahre, the golden years, Manfred Eicher in seinem Element. Bei der Fahrt von Marten nach Hörde alles sonnendurchflutet, gestochen scharf, die Wolken, die alten Orte, die eine und andere Abfahrt hätte en passant in die Kindheit entführt. Call the music of „Cloud Dance“ powerful! In the words of Tyran Grillo: „The telephone wires on the cover are like the strings of some large instrument, with the sky as its sound box. Its clouds don’t so much dance as perform, caressing endless waves of voices careening through the ether. The joy of Cloud Dance is that it makes those voices intelligible. Fans of Oregon, of which Walcott was of course
an integral part, need look no further for likeminded contemplation.

 

2022 26 Feb.

Die Sache mit dem Kunstfehler

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Sehr geehrter Prof. Dr. Brümmendorf!

Ich möchte Sie darüber informieren, dass der Qualitätsmanager der Klinik, Dr. Reis, es vorzieht, die Sicht der Schmerzambulanz 1:1 zu übernehmen, und mich zudem als Patient mit fragwürdiger Motivation und geringer Compliance darzustellen. Nicht nur aus meiner Sicht wurde ich Opfer eines Kunstfehlers, in der Behandlung der Schmerzambulanz, die meine über Jahre unerträglichen Schmerzen fälschlicherweise als Spannungskopfschmerz diagnostizierte und nicht als trigemino-autonome Migräne. Erst ein anderer Arzt in Aachen deckte diesen Fehler auf und befreite mich nach zwei verheerenden Jahren voller unzähliger vierstündiger Schmerzattacken von dem Elend mit dem Einsatz von Triptanen. Ich prüfe eine Rechtsweg wegen Schmerzensgeld – ein offenes Gespräch in Anwesenheit der zuständigen Schmerztherapeuten*innen wurde abschlägig beschieden.

Mit besten Grüssen,
Michael Engelbrecht

 

Hier das Antwortschreiben an Dr. Reis …

Sehr geehrte Damen und Herren!

Da Sie es offensichtlich vorziehen, den Dialog zu beenden  werde ich ihn hiermit fortführen, mit der aktuellen Faktenlage.

Ich wurde von der Schmerzambulanz Aachen über einen langen Zeitraum (2019-2021) krass falsch behandelt. Ich litt nie unter einem Spannungskopfschmerz, sondern unter einer trigemino-autonomen Migräne. Es wurde nicht einmal ein Versuch mit Triptanen unternommen, die mir mittlerweile ein schmerzfreies Leben sichern hinsichtlich meiner Migräne, und unter Berücksichtigung der bei einer Triptan-Therapie geltenden Rahmenbedingungen.

Die Antwort, die mir Dr. Reis als Qualitätsmanager zukommen liess, war nichts anderes als das Bestehen auf einer objektiv falschen Diagnose, das Anzweifeln meiner Motive hinsichtlich einer Behandlung mit Opioiden – und es gipfelte in der Dreistigkeit, meine Behandlung mit Triptanen als äusserst fragwürdig darzustellen.

Die Faktenlage ist anders. Unnötigerweise litt ich in der Zeit der Behandlung auch weiterhin unter unerträglichen chronischen Schmerzattacken, denen man mit einem Triptan-Versuch SOFORT ein Ende hätte bereiten können.

Ich verlange ein klärendes Gespräch mit einigen Beteiligten, auch deshalb, damit in Zukunft Patienten mit einer ähnlichen Symptomatik ein ähnlich unnötiger Leidensweg erspart bleibt. Juristisch wird das nicht easy going, aber dass ich einen gerechtfertigten  Anspruch auf ein Schmerzensgeld habe,  steht für mich ausser Frage. Wir reden hier von einem „Kunstfehler“.

Und Ihnen, Herr Dr. Reis, möchte ich sagen, dass Ihr Antwortschreiben an mich herzlich wenig mit Qualitätsamanagement zu tun hatte, und sehr viel mit Beschwichtigung, Anzweifelung, Beharren auf einer falschen Diagnose, und Diskretierung meiner Person (letzteres habe ich so wahrgenommen, genauso wie eine Juristin, der ich dieses Schreiben vorlegte).

Sie, Dr. Reis,  haben doch sicher noch eine Person in leitender Funktion über sich, bei der ich mich, sollte sich wiederum nichts von Ihnen hören, melden werde. Denn dieser krasse Fall einer falschen Therapie mit verheerenden Konsequenzen für meine Lebensqualität über einen langen Zeitraum hinweg wird nicht „ausgesessen“.  Das wird weiterhin thematisiert, mit jeder mir zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeit.

Hochachtungsvoll, usw.

2022 26 Feb.

My musical archetype

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It was in the early 90s, when I sat together with two other students in one of the guy’s room. We had met to discuss some kind of stuff, no private things. The guys were befriended and shared their position, so I felt a bit lost in my orange plastic armchair. It was a tiny room in a Student Residence, with beautiful wooden furniture. The first thing I noticed when I entered the room was an impressive record collection, about 80 cm, I guess, and we were still young. I don’t remember the name of the student whose room we were in, I just remember that he kept taking the few steps to the record player and putting on another record or turning the record over. He did it as a matter of habit, a ritual. The music played quietly, you could listen to it or not. As for me, the music transported me far away, somewhere I had never been. I asked him about the music, but he didn’t seem like he wanted to make that an issue. I didn’t understand the band’s name and I didn’t dare to ask once more. I would have loved to browse the record collection or – even more tough – to stay in this room for a few days, just for my own. I remember the music, but I remember it in a subconscious way. In fact I don’t remember it at all, but I’ve been searching it since then.

„Naked Truth“, das mag grossspurig klingen, in einer Zeit, in der nichts so leicht zu verbiegen und deformieren ist wie schlichteste Fakten und Wahrheiten. Doch lauscht man dieser neunteiligen Suite des Avishai Cohen Quartetts vom ersten bis zum letzten Ton (und nur so macht es Sinn), wird kaum jemand eine Spur von Pathos ausfindig machen – das ist tatsächlich „nackte Musik“ fernab von Verzierungen, selbstgenügsamen Kunstgriffen, edlen Wallungen. Und jeder der vier Musiker waren sich bewusst, dass der existenzielle Kern dieses Albums das Gedicht „Departure“ von Zelda Schneurson Mishkovsky ist, dessen englische Übersetzung aus dem Hebräischen dem Album beiliegt – Avishai Cohen trägt es im Finale fast seelenruhig vorträgt – ein Gedicht, das, manch schockierenden Zeilen zum Trotz, auch Trost, Akzeptanz und Dankbarkeit bereithält – es beginnt so … 

 

„Es ist notwendig, mit dem Abschied von der Pracht des Himmels und den Farben der Erde zu beginnen, allein zu stehen und sich der Stille des Todes zu stellen, sich von der Neugierde zu trennen, sich von den Worten zu trennen, von all den Worten, die ich gelesen und gehört habe. Und vom Wasser, das ich gesehen habe und nicht gesehen habe. Zu sterben, ohne das Meer gesehen zu haben. Ich trenne mich von der Luft der Nacht und von der Luft des Morgens. Vom Unkraut, von einem Obstbaum und von einem kahlen Baum, vom schwachen Licht und von den Sternen. Verzichte auf den Anblick eines fliegenden Vogels, verzichte auf den Anblick eines Tieres oder eines Insekts, verzichte auf meine Freunde und Kameraden, verzichte auf die feuchteste Aufregung und auf die Angst vor dem undurchsichtigen Wahnsinn.“

2022 22 Feb.

Zur Russland-Krise

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Wenn Gregor Gysi und Sahra Wagenknecht reden, schwingt subtil der alte Kader-Muff längst vergangener kommunistisch-totalitärer Regime mit. Die Wagenknecht leiert in sturer Weise ihren immergleichen Sermon ab, auch wenn sie in Teilen Recht haben mag und ihre Klugheit unbestritten ist: wer bockig ist, dem glaubt man nicht. Philosoph Richard David Precht brachte es einmal im Gespräch mit der Vorzeige-Linken auf den Punkt: „Mir fehlt in Ihrer Weltanschauung das positive Bild, die motivierende Utopie!“ Ja, alles Grau-in-Grau und strikt antiamerikanisch, wenn so jemand Königin von Deutschland wäre. Man versucht ja immer, Argumenten gegenüber offen zu bleiben, aber als sie sich neulich bei Anne Will wie gewohnt und ohne das geringste sotto voce in monoton sägendem Sprachfluss ergoss, schaltete man entnervt ab.

 

„Die Anerkennung der sogenannten Volksrepubliken im Osten der Ukraine durch die russische Regierung unter Wladimir Putin ist ein Schurkenstreich erster Güte, ein eklatanter Bruch des Völkerrechts, eine widerrechtliche Annexion fremden Territoriums.“

(Telepolis)

 

Das ist die Lage, aus dem Mund von Kader-Linken hört man Solcherlei vergebens. Auch wenn Amerika Europa gegenüber in fast dummdreister Arroganz eigene Interessen vertreten mag, auf russische Öllieferungen in gigantischem Ausmass nicht verzichten, den Deutschen aber Nord Stream Zwei verbietet will: mit Putin kann man nicht gemeinsame Sache machen. Der sogenannten „Nato-Osterweiterung“ liegt ja das Selbstbestimmungsrecht der Völker zugrunde. Das soll nun von den Machtphantasien penetrant beleidigter Irrer rückgängig gemacht werden? Wer jetzt noch so blöd ist, mit dieser kriminellen Kreml-Mischpoke verhandeln zu wollen, dem ist wirklich nicht zu helfen. Scholz und Macron hätten sich ihre Bemühungen sparen können. Sie wurden von einem komplexbeladenen Schmierenkomödianten gründlichst verarscht.

 


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