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2022 22 Feb

Zur Russland-Krise

von: Jochen Siemer Filed under: Blog | TB | 60 Comments

 

Wenn Gregor Gysi und Sahra Wagenknecht reden, schwingt subtil der alte Kader-Muff längst vergangener kommunistisch-totalitärer Regime mit. Die Wagenknecht leiert in sturer Weise ihren immergleichen Sermon ab, auch wenn sie in Teilen Recht haben mag und ihre Klugheit unbestritten ist: wer bockig ist, dem glaubt man nicht. Philosoph Richard David Precht brachte es einmal im Gespräch mit der Vorzeige-Linken auf den Punkt: „Mir fehlt in Ihrer Weltanschauung das positive Bild, die motivierende Utopie!“ Ja, alles Grau-in-Grau und strikt antiamerikanisch, wenn so jemand Königin von Deutschland wäre. Man versucht ja immer, Argumenten gegenüber offen zu bleiben, aber als sie sich neulich bei Anne Will wie gewohnt und ohne das geringste sotto voce in monoton sägendem Sprachfluss ergoss, schaltete man entnervt ab.

 

„Die Anerkennung der sogenannten Volksrepubliken im Osten der Ukraine durch die russische Regierung unter Wladimir Putin ist ein Schurkenstreich erster Güte, ein eklatanter Bruch des Völkerrechts, eine widerrechtliche Annexion fremden Territoriums.“

(Telepolis)

 

Das ist die Lage, aus dem Mund von Kader-Linken hört man Solcherlei vergebens. Auch wenn Amerika Europa gegenüber in fast dummdreister Arroganz eigene Interessen vertreten mag, auf russische Öllieferungen in gigantischem Ausmass nicht verzichten, den Deutschen aber Nord Stream Zwei verbietet will: mit Putin kann man nicht gemeinsame Sache machen. Der sogenannten „Nato-Osterweiterung“ liegt ja das Selbstbestimmungsrecht der Völker zugrunde. Das soll nun von den Machtphantasien penetrant beleidigter Irrer rückgängig gemacht werden? Wer jetzt noch so blöd ist, mit dieser kriminellen Kreml-Mischpoke verhandeln zu wollen, dem ist wirklich nicht zu helfen. Scholz und Macron hätten sich ihre Bemühungen sparen können. Sie wurden von einem komplexbeladenen Schmierenkomödianten gründlichst verarscht.

 

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60 Comments

  1. Michael Engelbrecht:

    Eine Frage: wie verhält sich die NATO bei einem gross angelegten Angriff auf die Ukraine? Die Lage ist eine harte. Was waren unsere grossen Krisen (was die Älteren betrifft, zumindest): die Kubakrise, 1983, und jetzt.

    Putin ist kein nüchterner Analyst, nicht mal ein nüchterner Machtpolitiker. Er ist ein gefährlicher Irrer wie Trump, nur derzeit mit einem ganzen Machtapparat hinter sich. Worauf kann man jetzt eigentlich hoffen? Dass die Chinesen auf Putin einwirken!?

  2. Uwe Meilchen:

    Und man stelle sich vor, Trump wäre immer noch Präsident … 🙄

  3. Jochen:

    @Michael

    Meines Wissen tritt der Bündnisfall nicht ein, die Nato würde nicht eingreifen. Die chinesische Führung äusserte sich ja schon leicht kritisch, hat wohl kein Interesse an einem Krieg in der Ukraine und schon gar nicht an der Destruktion Europas.

    Das russische Volk ist Putin egal, ihm geht es um Macht.

    Hochzynisch und menschenverachtend, sein Spiel.

  4. Michael Engelbrecht:

    So sieht es aus, dass der Bündnisfall nicht eintritt. Aber durch die Sanktionen, die natürlich alle Seiten treffen, aber Russland ganz besonders, entstehen enorme Spannungssituationen, die ein durchaus destruktives Potential haben, obwohl sie „Vernunft erzwingen“ wollen. Ein Stop, und So-Nicht-Weiter!

  5. Chrissie:

    Trump war ein impulsgestörter Borderliner und zudem von geringer Intelligenz mit infantilen Zügen und oft an der Grenze zum Wahnhaften.

    Putin ist ein kalter Narzisst ohne Empathie und mit enormem Kalkül und Machtstreben und Fähigkeit zu Täuschung und Manipulation, ein Taktierer und Stratege, sehr kränkbar aber steuerungsfähig genug dies nicht zu zeigen und die Fassade zu wahren.

    Quizfrage: Wer ist gefährlicher?

  6. Michael Engelbrecht:

    Trump hält Putins Vorgehen für „genial“.

    Wie gerade zu lesen ist, beide geben gute Lehrbeispiele für „Studien von Sozio / Psychopathie“ ab. Die Frage, Chrissie, mag in eine bestimmer Richtung locken, ich nehme aber Antwort c) beide ungefähr gleich. (Auch Putins einstündige Rede hatte wahnhafte Elemente, die sich nicht auf Propaganda runterbrechen lassen.)

  7. Jochen:

    Das Thema Sozio- bzw Psychopathie spielt ja auch in Fernsehserien immer wieder eine Rolle, weil dieser Typus wie geschaffen ist als bad guy, als Gegenspieler aus dem Reich des Bösen. Es heisst ja, Putin habe das Gegenteil seiner Ziele erreicht, der Westen stehe jetzt umso näher zusammen (auch Finnland und Schweden erwägen einen Nato-Beitritt).

  8. Michael Engelbrecht:

    Interessant: obwohl Trump der grössere Dummkopf ist, hat er gegenüber Putins Charisma einer Mülltonne die grössere Strahlkraft für seine Anhänger. Und an destruktiven Resultaten ihrer Politik stehen sich beide auch in nichts nach.

    Donald aktuell:

    In einem von vielen konfusen Einschüben ergänzte Trump, offenbar in Bezug auf die von Russland als »Friedenstruppen« bezeichneten, in die Ostukraine entsandten Armeeverbände, dies könne man auch an der Südgrenze der USA gut gebrauchen.

  9. Chrissie:

    Da beide in etwa der gleichen Position sitzen, sind beide gleich brisant – denke ich, das ist nicht zu trennen. Assoziativ fällt mir bei Putin schnell Andreas Brejvik ein, bei Trump nicht.

    Quizfrage: Wen hätte man lieber als Nachbarn?

    Für mich keine Frage – ich kann mit Borderlinern, deren Unberechenbarkeit ist berechenbar wenn man ihre Innereien versteht, die sind gefühlsmässig zu „kriegen“. Bin von einer Borderlinerin grossgezogen worden, wusste ich dann zu handeln ( mit ä ) – was das dann allerdings an Selbstverleugnung kostet …! Gefühlsferne Narzissten kriegt man nicht, selbst wenn man versteht worauf sie abfahren. Die Genozid – Rede habe ich nicht gehört, wahnhaft klingts für mich eher nicht, eher ungeschicktes Kalkül.

  10. Jochen:

    Bei diesem Typus Putin habe ich immer das Gefühl, man kommuniziere mit einem Reptil, das Kommunikation lediglich vortäuscht, um bei bester Gelegenheit zuzuschnappen.

    Trump ist „menschlicher“, man „kriegt“ ihn, indem man vorgibt, er sei der Grösste.

  11. Chrissie:

    Doch was dran an der Reptiloidentheorie …

  12. Lajla:

    Was besagt die ReptiloidenTheorie?

  13. Michael Engelbrecht:

    Das ist hier augenzwinkernd gemeint.

    Wiki: Reptiloide (aus dem englischen reptiloid entlehnt und dort zuvor aus reptil und -oid gebildet; übersetzt Echsenartige) sind fiktionale Wesen, die in der Science-Fiction- und Fantasy-Literatur, in Pseudowissenschaften und Verschwörungstheorien eine Rolle spielen.

    Sie werden als menschenähnliche intelligente Lebensformen beschrieben, die von Reptilien oder reptilienartigen Außerirdischen abstammen oder auf andere Weise reptilienähnlich sind. Manche Menschen glauben, dass Reptiloide die Politik vieler Länder kontrollieren.

  14. Lajla:

    Auch die Verschwörungstheoretiker stammen nur vom Spindelwurm ab 😅

  15. Lajla:

    Ich finde Eure Diskussion einseitig. Ihr habt die Menschen vergessen. Fast die Hälfte der Ukrainer will zu Russland gehören. Und die EU ist längst nicht soweit, die Ukraine aufzunehmen. Ebenso bekanntermaßen wie die NATO.

  16. Michael Engelbrecht:

    Ich fand die Diskussion nicht einseitig.

    Und jetzt beginnt das Drama.
    Es gab keinen Genozid im Osten der Ukraine.
    Jetzt beginnt das russische Morden.

    Die Zahl der Menschen in der Ukraine, die zur Ukraine gehören wollen, ist die einer überwältigenden Mehrheit.

  17. Jochen:

    Ich warte immer auf ein momentum, einen Impuls, um etwas zu schreiben. Was den obigen Text betrifft, war das die Angst und Wut gegenüber Putins Vorgehen. Und ein Genervtsein von der teilweise relativierenden Argumentation der „Putinversteher“.

    In dem Buch Zahlen sind Waffen (thx Lajla!) spricht Dietmar Dath darüber, dass er versucht, permanent zu schreiben, um das ganze am Laufen zu halten, um nicht in eine Schreibblockade, einen Stillstand zu verfallen. Ein unausgewogener, affektiver Text ist mir lieber, als gar nicht zu schreiben, weil die inneren Bedenken stets alles blockieren.

  18. Chrissie:

    Wer zu Russland gehören will, möge dorthin auswandern. Die Österreicher wollten auch mal heim ins Reich, aus recht irrationalen Gründen. Das rechtfertigt keine Einmärsche.

  19. Lajla:

    Ich habe meine Informationen von meinem Sohn, der drei Monate mit einer Gruppe von internationalen Künstlern am Donetskgraben gemalt hat. Zum Glück ist das Projekt vorbei.

  20. Chrissie:

    In dieser Zeit am Donezkgraben zu malen ist recht – mutig. Gabs da politische Motive?

    Was heimatliebende und sich im Exil wähnende Bürger bedenken sollten – mit solchen Äusserungen befeuern sie das Angriffsverhalten der Invasoren und liefern ihnen ihre windigen Genozidargumente.

    Ich habe – sorry im vorab – Politik immer als eine Form von Infantiläusserungen und Infantilkommunikationen, versteckt unter hochgestochenen Formulierungen, gehalten.

    Und dieses unreflektierte „Papa, hol mich ab, bei der Mama ist’s doof“ hat schon oft Unheil angerichtet.

  21. Chrissie:

    Rosato: Dieses Argument habe ich auf der Strasse bei Demos genauso oft gehört – gemeint war es als Racheimpuls und Wunsch, uns loszuwerden.

    Wenn es als guter Rat gemeint gewesen wäre, hätte ich es akzeptiert, es hätte den Realitätsbezug von uns Studentleins durchaus verstärkt, die wir vom real existierenden Realismus null Ahnung hatten und uns einbildeten mit 3 Semestern Germanistik die Regierung in Berlin stürzen und selber weiter regieren zu können. Das schon was sehr Megalomanes. Wären wir doch mal rübergegangen.

  22. Michael Engelbrecht:

    Wie recht du hast, Chrissie!

    Was hier und jetzt geschieht ist ein barbarischer Angriff auf die Ukraine. Dass Putin wahnsinnig ist, erkennt man schon daran, dass er die „Entnazifizierung“ der Ukraine vorantreiben will.

    Die überwältigende [!!!!] Mehrheit der Ukraine will unabhängig sein, und kein Teil von Russland. Fakt. Ich glaube nicht, dass diese Faktenlage von subjektiven Eindrücken im Rahmen eines Kunstprojekts ausgehebelt werden kann.

  23. Lajla:

    54% wollen das.

  24. Jochen:

    Lajla, legitimierst du Putins Vorgehen?

    [Ich plädiere hier auf diesem Blog für eine weitere sachlich formulierte, friedliche Diskussionskultur, die auch berechtigte Kritik am Westen nicht verbietet. Ich selbst jedenfalls möchte mich allen (fundierten) Argumenten gegenüber offen halten.]

  25. Chrissie:

    54 % der Bevölkerung?

  26. Lajla:

    Jochen. Natürlich nicht. Putin ist ein Diktator, der für Russland kleine demokratische Nischen geschaffen hat. Er ist strategischer Geheimdienstler umgeben von ihn beratenden Falken.

    Aber auch zur Erinnerung: Biden wollte nicht Northstream 2. Ich bin immer gegen die Abhängigkeit von den USA gewesen.

  27. Hans-Dieter Klinger:

    Eigentlich wollte ich mich in die traute Dreisamkeit nicht einmischen. Anlass, es doch zu tun, ist Lajlas Anmutung „Ich finde Eure Diskussion einseitig.“ Um dies zu unterstützen, scheint mir der Hinweis auf den Kommentar von Peter Kuznick geeignet. Kuznick ist US-Amerikaner, Historiker, Co-Autor bei Oliver Stones Doku-Serie „The Untold History of the United States“.

    Oliver Stone and historian Peter Kuznick (director of American University’s Nuclear Studies Institute) began working on the project in 2008. Stone, Kuznick and British screenwriter Matt Graham co-wrote the script.

    Den sog. „Putinverstehern“ rechne ich Kuznick nicht zu. In seiner Analyse äußert er:

    Ich war von den gestrigen Äußerungen Putins sehr enttäuscht. Es handelt sich um einen schrecklichen Fehler, der meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt ist. Gerade da er endlich die Aufmerksamkeit und das Interesse des Westens erlangt hatte … (ab 2:25)

    Dass Lajlas Einwand Gegenrede provoziert, ist manafonistisches Grundgesetz; keine Überraschung auch, wer der Gegenredner ist.

    Ich möchte meinen folgenden Worten diesen Hinweis voranstellen: es ist die Perspektive eines selbstkritischen Konstruktivisten. Michael fand die Diskussion nicht einseitig. Ich frage mich, was „einseitig“ eigentlich bedeutet. Vielleicht reicht eine Abweichung vom ganz persönlichen „Mainstream“ aus, um das Attribut „einseitig“ zu vergeben. Unbestritten ist, dass Argumente, die Kuznick vorbringt, Michael nicht präsentiert. Ich bin sicher, er hält sie für Unsinn. Nun gut, das ist eine Unterstellung, so, wie
    es Unterstellungen sind, Gregor Gysi und Sahra Wagenknecht „alten Kader-Muff“ anzuhängen. Bei Wikipedia finde ich:

    über Gysi
    Ab 1971 war Gysi einer der wenigen freien Rechtsanwälte in der DDR. In dieser Funktion verteidigte er auch Systemkritiker und Ausreisewillige wie Robert Havemann, Rudolf Bahro, Jürgen Fuchs, Bärbel Bohley und Ulrike Poppe.
    naja, wenn man schon Gregor heißt …

    über Wagenknecht
    Die in der DDR übliche vormilitärische Ausbildung für Schüler empfand sie als extrem belastend: Sie konnte nichts mehr essen, was ihr von den Behörden als politischer Hungerstreik ausgelegt wurde.[8] Als repressive Reaktion darauf durfte sie in der DDR nicht studieren. Als Begründung wurde genannt, sie sei „nicht genügend aufgeschlossen […] fürs Kollektiv“

    It doesn’t smell like Kader-Muff
     

    Was sich zur Zeit abspielt, ist nichts Neues und geradezu ein Beweis dafür, dass aus „Geschichte“ nicht gelernt wird. Es ist ein geopolitisches Machtspiel, an dem 2 von den 3 Tabellenführern der irdischen Machtliga teilnehmen. An solchen Spielen sind Moral und Rücksicht auf das Volk nicht zugelassen. Ich denke an Frank Urbanioks Dichotomie „Biologisches Prinzip der Selbstbehauptung“ (Wille zur Macht) vs. „Kooperationspotenzial“, welche eigentlich keine Dichotomie ist, denn zwischen den Extrempolen ist Platz für unzählige Abstufungen. Mir scheint, dass die „Ost-Politik“ der USA nie auf Kooperation mit Russland angelegt war, sondern auf Konfrontation. Siehe:
    Vor 25 Jahren beschrieb der US-Politikberater Zbigniew Brzezinski die Bedeutung der Ukraine für Russland. (Tagesspiegel 2022)

    Wer von Gysi und Krone-Schmalz sich angekotzt fühlt, wird folgende YT-Videos ignorieren:

    Russlandexpertin Gabriele Krone-Schmalz | alpha-Forum | ARD-alpha (2015)

    „Putin war in seiner ersten Amtszeit eine Chance für Europa“ | artour | MDR (2015)

    Gysi: „China und Russland – da entsteht vielleicht ein Machtfaktor, dem wir nicht gewachsen sind“ (21.Feb.2022)
     

    Alle können irren, übrigens:
    Was ich auf dieser Bühne vorgetrage, ist sowieso nicht weltbewegend
    Kräht der Hahn auf dem Mist,
    ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist

     

  28. ijb:

    Wo kommen diese 54% her?

    Die letzten Umfragen, die ich gelesen habe, zeigte eher, dass 2-4% der Bevölkerung zu Russland wollten und allgemein eine deutlich distanzierte Haltung zu Russland besteht:
    https://www.iri.org/wp-content/uploads/legacy/iri.org/2017-may-survey-of-residents-of-ukraine_en.pdf

    In Donbass/Luhansk gibt es wohl eine etwas russland-freundlichere Stimmung als im Rest des (großen) Landes, aber auch dort wäre mir die Info eines so überwältigenden Mehrheit für eine Vereinigung mit Russland neu. Viele wollen dort ja unabhängig auch von der Ukraine sein.

    Viele sind eher unentschieden – manche sind für Russland, manche für den Westen – die Ukraine ist aufgrund von Korruption etc zwar ein eher schwieriger Ort zum (Über-)Leben derzeit – aber es gibt im Land auch sehr viel Propaganda aus und über Russland. Ich habe erst in den letzter Wochen wieder ein paar Artikel von Menschen, die in der Ukraine leben und sich in Medien oder/und in Sachen Menschenrechten aktiv sind, einsetzen.
    Die meisten wollen einfach ein besseres Leben. Historisch gesehen ist in der Ukraine wohl eine gewisse pro-russische Grundstimmung vorhanden (brüderliche Völker und gemeinsame Geschichte), und die ständigen Enttäuschungen in im Land könnten natürlich dazu führen, dass die pro-russische Seite nach drei Jahrzehnten pro-westlicher Misswirtschaft des Landes die Macht erlangt.

    Das Volk sollte wohl selbst mehr entscheiden dürfen. Aber wie man in Polen und in Ungarn sieht, sollte man die Propaganda nicht mit der Meinung der Menschen gleichsetzen. Ich zumindest habe, von allen Ukrainer/innen, die ich bislang kennenlernen konnte, noch keine Stimme gehört, die sich eine Vereinigung mit Russland wünscht (im Gegenteil), wenngleich mir gesagt wurde, dass es im Land selbst auch Menschen mit dieser Hoffnung gibt.

  29. Michael Engelbrecht:

    „Dass Lajlas Einwand Gegenrede provoziert, ist manafonistisches Grundgesetz; keine Überraschung auch, wer der Gegenredner ist.“

    @ Lajla: Das stimmt nicht mit den 54 Prozent, Lajla. Eine schlicht überwältigende Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung will ein selbständiges Land sein und nicht Teil Russlands.

    @ Rosato: wie bitte?! – „keine Überraschnung auch, wer der Gegenredner ist“ – was soll denn bitteschön diese Aussage?! Wenn ich mit Lajla an einem Tisch in einem Düsseldorfer Restaurant sitze, können wir gut und gelassen Gemeinsamkeiten und Differenzen austauschen.

    Und das wird hoffentlich auch so bleiben. Und so habe ich sie nur auf einen ((aus meiner Sicht der Fakten)) Irrtum hingewiesen. Einen ((aus meiner Sicht)) krassen Irrtum. Also mir bitte kein stereotypes Verhalten unterstellen, als würde ich hier nur ein altes Konfliktmuster bedienen. Das, mein lieber Freund und Kupferstecher, ist deplatziert.

  30. Lajla:

    Stimmt. Michael und ich können gut zusammen diskutieren.
    54% der Wechselmutwilligen habe ich von Sahra Wagenknecht.
    Danke Rosato für die sehr! wichtigen Links.

  31. Jochen:

    Ich wollte Gysi und Wagenknecht nichts anhängen, ich höre ihnen gelegentlich interessiert zu, respektiere sie. Hätte ich den Impuls einer subtilen subjektiven Wahrnehmung jedoch unterdrückt bzw gestrichen, wäre mein Text nicht entstanden.

    Ich kann meinen Text der Correctness wegen auch gerne wieder rausnehmen und wir feiern weiterhin das Schweigen im Walde. Gerade Lajla müsste wissen, dass auf dem Feld der Kunst nicht alles lieb und ausgewogen ist, was entsteht.

  32. Jochen:

    Und dieses Bombardieren mit Fakten und Links finde ich auch nicht gut, Hans Dieter.

    Persönlich formulierte, prägnante Äusserungen immer gerne, aber heutzutage flattern einem eh schon jede Menge Informationsquellen ins Haus. In der Kürze liegt die Würze.

  33. Lajla:

    Ja, lasst uns auf unsere „Leisten“ besinnen. Ich versuche, Kulturkonstanten (Musik) aus der Ukraine und Russland zu bekommen und sie dann hier ggfs vorstellen.

  34. Michael Engelbrecht:

    Sahras 54 % sind komplett aus der Luft gegriffen. Eklatant im Widerspruch zu allen vorliegenden Zahlen, Umfragen, Statistiken, Etc. Weil, ähem… sonst wäre das ja ein Befreiungskrieg des lieben Onkels Putin, und über die Hälfte der Ukrainer würden die Vereinigung herbeisehnen. Das ist so abstrus wie die Absicht Putins, die Ukraine zu e n t n a z i f i z i e r e n.

    Da die Ukraine nicht den Hauch einer Chance hat, sollte die Regierung kapitulieren, bzw. einen Kapitulationsrahmen verhandeln, um den Verlust an Menschenleben so gering wie möglich zu halten.

    Die Vernunft des Westens kann m.E. allein darin liegen, im Verbund mit wirtschaftlichen Sanktionen und „Schattendiplomatie“ (das geschickte Nutzen letzter noch bestehender Kommunikationskanäle), eine Ausweitung der russischen Aggression auf potentiell gefährderte Nachbarstaaten, und somit WW3 zu verhindern. Den Wahnsinn befrieden, eine extrem schwierige Situation.

  35. Jochen:

    Wer hätte gedacht, dass ich mal Norbert Röttgen und Alexander Graf Lambsdorff als wohltuend klare Stimmen der Vernunft wahrnehme, frei von jedwedem Geraune.

  36. Michael Engelbrecht:

    Die „Stimme der Vernunft“, zeitweise leider nur. Wenn mir meine Ohren bei den flutenden Informationen keinen Streich gespielt haben, hat sich Herr Röttgen nun vor wenigen Stunden für Waffenliederungen an die Ukraine ausgesprochen.

    Und, das ist m. E. maximal unvernünftig, denn es würde einen grausamen Krieg in die Länge ziehen, den die Ukraine nicht gewinnen kann – eine Mehr an Waffen würde die Zahl von Toten und Traumatisierten drastisch erhöhen, ohne jedwede Aussichten, die Not wenden zu können. Und auch ein Grüner hat sich heute für Waffenlieferungen ausgesprochen, Bütikofer, oder wie der heisst. Echt jetzt?!

    Was „die Stimme der Vernunft“ betrifft, tritt sie zu selten als Konstante auf. Laut und gut vernehmlich bemerke ich sie derzeit, wenn ich Frau Baerbock zuhöre. Chapeau, Madame, enttäuschen Sie mich nicht. Starke Nerven hat sie.

  37. Jochen:

    Sehe ich alles genauso. Kein unnötiges Blutvergiessen bitte! Kapitulieren und gut ist.

    Frau Baerbock ist bewundernswert präsent.

  38. Chrissie:

    Vor allem brauchts jetzt Politiker/innen mit einem ausgewiesenen Mangel an Testosteron. Nachdem Scholz bisher nicht allzuviel geöltes Muskelspiel bewiesen hat, sind wir vielleicht gerade nicht allzu schlecht aufgestellt.

  39. ijb:

    Die Destabilisierung des Landes wurde schon lange davor durch einen Informationskrieg vorangetrieben – Putin wird die Ukraine und auch Europa mit immer neuen unberechenbaren Militäraktionen, der zielgerichteten Instrumentalisierung sozialer Medien und dem Ausbau seines propagandistischen Netzwerks herausfordern. Russland sollte als ein staatlicher Förderer des Terrorismus eingestuft werden, um Solidarität mit der ukrainischen Klage gegen Russland vor dem Internationalen Gerichtshof zu zeigen. Insbesondere sollte die „Gruppe Wagner“, ein mit dem Kreml vernetztes russisches Söldnerunternehmen, das in mehreren Ländern, einschließlich der Ukraine, verdeckt im Einsatz sein soll, als terroristische Organisation eingestuft werden.

    Hanna Hopko

  40. Jochen:

    Stichworte Informationskrieg bzw Terrorismus:

    Ja, Putin hat ja sein eigenes Volk gründlichst „informiert“ (also mental deformiert), wie es die perfideste Sekte nicht besser hingekriegt hätte. Mein Gedanke war: „Könnte man Putin nicht einfach liquidieren, genau so wie man es mit Bin Laden tat?“

  41. Michael Engelbrecht:

    Ganz und gar meine Einschätzung.

    Und Sarah Wagenknecht solle bitteschön, wenn sie Zahlen benutzt, keine dreisten Propaganda-Daten Russlands als Fakt anführen. Daher rührt nämlich dieser kranke Scheiss mit den 54 Prozent.

    Und ich bin sehr froh, dass Biden Präsident der USA ist und nicht mehr Trump – letzteres wäre für Europa eine sichere Katastrophe.

  42. Jochen:

    Sahra Wagenknecht habe ich gefressen. Sie ist selbst ihren eigenen Genoss:innen von der Linken peinlich („Zum Fremdschämen!“).

    Sie meinte noch am Sonntag bei Anne Will in gewohnt selbstgewisser Sturheit, die Gefahr eines Einmarsches in die Ukraine „werde herbeigeredet“.

  43. ijb:

    Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte die Regierung der Ukraine zuletzt als undemokratisch bezeichnet. »Wir sehen nicht die Möglichkeit, eine Regierung als demokratisch anzuerkennen, die ihr eigenes Volk unterdrückt und völkermörderische Methoden anwendet«, sagte er.

    (spiegel.de)

    Aha. Messen die in ihrem eigenen Land wohl auch mit diesen Maßstäben??!?

  44. Chrissie:

    Ein hier vermutlich nicht allzu geliebter Sänger weigerte sich dermaleinst einen Globus zu kaufen:

    Denn wozu brauch ich die Grenzen und wozu die Kolonien,
    wenn die Mächtigen der Welt die Grenzen wöchentlich neu ziehn.
    Ebenso ist’s mit den Städten, weil mir niemand garantiert,
    dass nicht morgen ein Verrückter ganze Städte ausradiert.

  45. Jochen:

    Gestern schaute ich ein Video über die Wirkkraft von Atombomben, die den Globus ausradieren können (gemeint ist nicht der kleine auf dem Schreibtisch). Sie fliegen raketenbetrieben ins All und kehren dann „mit Anlauf“ zurück.

    Vom Sänger Sting (hier auch kritisch betrachtet) gab es den Song „History Will Teach Us Nothing“, aus einer Zeit, als noch blaue Schildkröten zurückkehrten. Ob nun Amerika oder die Nato Russland „in die Enge getrieben hat“, scheint mir jetzt relativ irrelevant.

    In Orwells 1984 heisst es: Krieg ist Frieden, Schwarz ist Weiss. Verballhornung der Vernunft, Leitspruch der Verschwörungstheorien. Fuck, dass der Irre kein Fake ist.

  46. Jochen:

    Ebenfalls gestern herrschte Jubelstimmung im Bundestag. Mein Tipp heute: Rüstungs-Aktien ins Portfolio für die Alterssicherung, so bleibt man rüstig. Dunkle Ahnung aber: Politik ist kein Champions League Spiel, in dem deine Lieblingsmannschaft gewinnt.

    „Es gibt nur ein Problem: Die Tollpatschigkeit, mit der manche bürokratischen Apparate bisweilen das Geld anderer Leute ausgeben, lässt für diese Aufrüstungs-Bonanza nichts Gutes erahnen. Das gilt besonders für die Bundeswehr, die in dieser Hinsicht eine lange und unrühmliche Tradition hat. Die Unerfahrenheit der neuen Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (die mit den Helmen) macht die Sache nicht besser.

    Zu befürchten ist, dass als Kollateralschaden nun auch etliche Steuermillionen in nutzlosen militärischen Unfug versenkt werden. Das heißt, es werden Sachen gekauft, die nicht gerade schießen oder nicht richtig fliegen. Daran verdienen werden vor allem die Rüstungskonzerne und einige Lobbyisten, Typ Coronamasken-Vermittler. Wo viel Geld zu holen ist, sind die bekanntlich nie weit.“

    (spiegelonline)

  47. Michael Engelbrecht:

    Dass eine Kehrtwende im Denken und Handeln gegenüber Putins Russland eintritt, halte ich für richtig, dass ein neuer Rüstungsboom hierbei zweckdienlich ist, für mindestens zweifelhaft.

    Ich will auch hier nicht auf andere Artikel und Ausführungen gelenkt werden (da gab es es schon bei Corona jede Menge Kluges und Nicht-so-Kluges im Angebot hier) – mir würde ein paar einfache Sätze reichen, mit denen mir jemand erklärt, wieso ich im folgendem vielleicht falsch liege, oder auch nicht:

    Warum, um Himmels willen, wollen jetzt auch Van der Leyen und Co., dass die Ukraine Teil der EU wird??!! Es gilt doch wohl jetzt alles dafür zu tun, Putins Wahnsinn mit Restvernunft auszustatten – und wie soll da ein beschleunigtes Beitreten eines übrigens alles andere als Korruption-armen Staates zur EU hilfreich sein??! Wie soll das den Menschen dort, die nun so grosses Leid erfahren, helfen??! DAS IST MEINE FRAGE.

    Dringend nötig wären, auf der Ebene von EU, Nato, und Bundesregierung, und jenseits eines Wettstreits der Schulen, ausgewiesene Kommunikationstherapeuten / Deeskalationsspezialisten / Tiefenpsychologen (von der Schule Bateson-Watzlawick bis zur Psychoanalyse und Kognitiven Verhaltenstherapie)! In diesem sind jetzt Experten gefordert, an der Seite westlicher Staatsführer.

    Soziopathen resp. Verbrecher vom Schlag eines Putins sind fraglos therapieresistent, aber sie nicht hundertprozentig beratungsresistent – und da müssen Hebel angesetzt werden, dosiert, klug, effektiv.

  48. Jochen:

    Von der Leyens Äusserung hat mich ebenfalls irritiert.

    Chrissie nannte obenstehend die treffende Assoziation Putins mit Andreas Brevik, dem soziopathischen Massenmörder. Man muss auf Putins Forderungen der Geiselnahme (auch seines eigenen Volkes) eingehen, mit dem Ziel, ihn letztendlich zu kaltzustellen.

  49. Michael Engelbrecht:

    Zitate und Samples schätze ich ja auch hier, haha.

    Van der Leyen steht da nicht allein. Das läuft für mich unter: Öl ins Feuer giessen.

    Ich würde mich hier gerne irren.

    A propos Irre: die russisch orthodoxe Kirche stellt sich auf Seiten des Oberirren und spricht von „bösen ukrainischen Elementen“. Die haben offenbar einen ähnlich Schuss wie orthodoxe Juden mit ihre reaktiönären Haltungen (unlängst eindrücklich bewiesen in Coronatimes). Achtung: kein Antisemitismus.

  50. Jochen:

    Die konservativen, anti-liberalen Kräfte haben viele Schattierungen. Die orthodoxen Juden gehören imo dazu. Nimm Polen, in weiten Teilen auch anti-liberal, schwarz wie die Nacht. Slavoj Zizek nennt Putin einen „konservativen Nationalen“.

    Die Taz spricht im Artikel „Putins Pest“ von einem völkischen Rassisten, der seine Rasse über andere erhebt. Aha, daher vielleicht die Nähe zur AfD im deutschen Bundestag! Warum sich Wagenknecht und Gysi trotz dieser Gründe solange mit Putin solidarisch erklärten, bleibt mir sowieso schleierhaft. AfD und Linke sind da nah beeinander.

    Der Balance wegen sei vermerkt: auch in Amiland gibt’s ja massiv Rassismus, seit Jahr und Tag. Sozusagen im Gründungsstatus festgelegt, in den Wurzeln. Und das Sendungsbewusstsein bei den Amis ist ja auch nicht ohne.

  51. Chrissie:

    Psychoanalytiker wissen nicht mal, wie man Politik schreibt …

  52. Michael Engelbrecht:

    Da nehme ich euch schon mal mit ins Boot – ein paar helle Geister gibts aber schon in der Melange von Psychoanalyse und Politik. Der Irre liefert ja auch genug Material: wie er etwa kurz vor der Invasion von der Ukraine als abtrünniger Geliebte sprach, die es zu bestrafen gelte …

    Meine Frage ist allerdings nicht beantwortet, mit der EU, Von der Leyen und Co. und der Ukraine.

    Es geht doch eher darum, dem Affen Zucker zu geben, ohne sich über den Tisch ziehen zu lassen. Aber zur Weissglut treiben ist bei Psychos auch nicht hilfreich.

  53. Michael Engelbrecht:

    Josef Kelnberger teilt meine Skepsis in bezug auf eine alsbaldige EU-Aufnahme der Ukraine in die EU, in einem Kommentar der SZ von heute, Zitat:

    „Wer Aufnahme in der EU finden will, muss ein jahrelanges Prüfverfahren in 35 Kapiteln durchlaufen. Das Land muss sich als stabile, rechtsstaatliche Demokratie erweisen. Es muss über eine wettbewerbsfähige Marktwirtschaft verfügen. Und es muss fähig sein, das gemeinschaftliche Recht umzusetzen. Davon war die Ukraine, ein „strategischer Partner“ der EU, nach jüngsten Berichten weit entfernt. Noch vor einem halben Jahr beklagten EU-Prüfer massive Korruption.

    Die Ukraine hat jegliche Solidarität verdient. Aber mit einer EU-Mitgliedschaft, die alle Regeln der Europäischen Union bricht, ist niemandem gedient.“

    Van der Leyen will die Ukraine drin haben, aber sie spricht übrigens nicht davon, dass es ganz schnell vonstatten gehen soll. Dennoch scheint mir auch diese Rhetorik derzeit nicht hilfreich.

  54. Jochen:

    Man spricht von China als third player. Zumindest das gibt Hoffnung …

  55. Jochen:

    Nimm Orban-Ungarn, auch grenzwertig. Was, wenn ein EU-Land aufrüstet und dann langfristig von rechtsnationalen Kräften übernommen / unterwandert wird? Auch hinsichtlich Nawalny herrscht ja eine gewisse Romantik. Der ist nämlich eher AfD.

  56. ijb:

    „Ich bin insgesamt über eure Erklärung entsetzt und wollte euch das wissen lassen“, schrieb Gysi an Wagenknecht und die weiteren Abgeordneten. „Ihr seid nur daran interessiert, eure alte Ideologie in jeder Hinsicht zu retten. Die Nato ist böse, die USA sind böse, die Bundesregierung ist böse und damit Schluss für euch.“ Dem Spiegel-Bericht zufolge wurde das Schreiben an die gesamte Fraktion verschickt.

    Zeit Online

  57. Chrissie:

    Sozialmärtyrer a la Nawalny haben immer eine gewisse Narrenfreiheit. Und langsam sollte man sich dazu durchringen, Leute auf ihren Geisteszustand zu untersuchen, bevor sie ein Volk führen. Um Verschiedenem vorzugreifen erzähle ich den Couchwitz gleich selber:

    Patient träumt von einem Tier mit buschigem roten Schwanz, der Analytiker fragt nach seiner Assoziation. Der Patient meint, ihm falle eher ein Eichhörnchen ein, aber wie er den Laden hier kenne, würde es wahrscheinlich doch wieder seine Mutter sein. Es gibt dazu eine charmante Version von Priester, Klosterschüler, Eichhörnchen und dem lieben Jesulein.

    Ohne in die Standardisierung von Hypothesen und Symbolen zu verfallen, die man der Psychoanalyse gemeinhin vorwirft: Putins Mutter hatte vor seiner Geburt zwei Söhne im Kleinkindalter durch Krankheit verloren, der kleine Wladimir sollte ihr alles ersetzen und wurde (his own words) wohl gnadenlos verwöhnt und bekam den Zucker in alle Körperöffnungen geblasen und den Hintern hinterhergetragen.

    Der Vater als begrenzender Dritter und Gegenpart schien als solcher nicht zu funktionieren, die Mutter liess den Kleinen wohl hinter seinem Rücken taufen, überantwortete ihn also gleich einem „höheren“ Vater, der ihn ihr nicht streitig machen konnte.

    Wer Eltern als willfährige Wunscherfüllungsautomaten erlebt, behandelt Menschen sein Leben lang als solche, entwickelt keine Empathie – und Mentalisierungsfähigkeit, keine Theory of mind – bezogen auf den mind des jeweils anderen. Schon als Kind hatte er diesen Reptilienblick. Lachen kannte und kennt er nicht. Das Zurückholen von etwas Verlorenem als vielleicht lebenslanger Wunsch einer ihrer Kinder beraubten Mutter springt dann als Retterphantasie auf den Sohn über der sich damit narzisstisch aufbläst.

    Auch Hitlers Mutter – die trotz oder wegen der Bemühungen eines jüdischen Arztes verstarb – mag der Grund gewesen sein für seinen übermächtigen Wunsch den Volkskörper des deutschen Mutterlandes von Krankhaftem zu befreien und Fremdes auszumerzen.In Deutschland sprach man dabei mehr vom Vaterland, östlich davon von „Mütterchen“ Russland.

    Als an Nine-eleven die beiden Türme fielen empfanden einige meiner Patienten „klammheimliche Schadenfreude“ gegenüber Amerika, seinem Grössenwahn und seinem Drang die Weltpolizei zu spielen, und sie schämten sich sehr dafür – angesichts der vielen Todesopfer. Auf die Frage, ob sie eine Person benennen könnten, die diese Eigenschaften auf sich vereinte, antworteten sie ausnahmslos: Meine Mutter! So banal, so wahr! Und so deutlich, von welchen Kräften Weltpolitik manchmal gesteuert wird.

    Empfehlung: „Muttersöhne“ von Volker Elis Pilgrim. Man erfährt eine Menge über zerstörerisch wirkende Männer und gute Bekannte.

  58. Michael Engelbrecht:

    Es scheinen sich immer mehr die Anzeichen zu verdichten, dass Putin lang nicht mehr der kühle Analyst früherer Jahre ist, sondern zunehmend an Zurechnungsfähigkeit und Berechenbarkeit einbüsst. Da stehen deine Betrachtungen, Chrissie, in traurigem Einklang mit aktuellen Interviews mit Experten der Biden-Regierung und anderer Beobachter der Lage. Das macht die Situation a) noch schrecklicher für die Ukraine (denn das Putin nicht vor brutalen Mörderkommandos und zivilen Opfern zurückschreckt, hat er in Syrien und andernorts bewiesen) und b) für die westliche Welt.

  59. Chrissie:

    Wenn ein Vierjähriger nicht bekommt, was er will, dreht er eben durch – egal wie alt sein Körper sein mag.

  60. Jochen:

    Der Spiegel schreibt nun: „So wurde Putin, wie er ist.“ Eine Kehrtwende, wie manche im Westen es sehen, habe es nie gegeben.

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