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2022 1 Mrz

Wes Geistes Kind?

von: Jochen Siemer Filed under: Blog | TB | 5 Comments

 

Es war die Zeit des Kalten Krieges und der sonntäglichen Herrenrunden des Internationalen Frühschoppens mit Werner Höfer. Man sah dort, obwohl zu jung für fundierte eigene politische Meinungsbildung, eine geistige Gegnerschaft repräsentiert. Dagegen halfen Jimi Hendrix, Led Zeppelin und manch andere Gegendroge. Ein Deja-Vu-Erlebnis hatte ich bei einem Video, das Peter Sloterdijk zeigt, der entrüstet eine Talkrunde verlässt, die von Gertrud Höhler moderiert wurde. Ein Kritiker der zynischen Vernunft inmitten elitär raunender, konservativer Zyniker, so will es scheinen. Meine Empathie gilt deshalb dem Philosophen, denn er reagiert hier gegen eine vorgebliche Realpolitik-Phalanx, die Gegenmeinungen wie unmündige Kinder an den Katzentisch verbannt. Mit Hartmut Rosa gesprochen: er verliess einen Resonanz-toten Raum. Ein anderes Bild aus Kindertagen: wenn man in die üppig schäumende Badewanne stieg, beobachtete man, dass beispielsweise nur ein winziger Tropfen Milch ausreichte, um den Schaum im Nu aufzulösen. All die wunderbaren Exkursionen des Geistes in liberal-utopisches Neuland, nun auch erloschen aufgrund globalen Kriegsgeschehens?

 

This entry was posted on Dienstag, 1. März 2022 and is filed under "Blog". You can follow any responses to this entry with RSS 2.0. You can leave a response here. Pinging is currently not allowed.

5 Comments

  1. Michael Engelbrecht:

    Der Philosoph hätte die Diskussion auch sitzend und subversiv wie ironisch anheizen können. Was mich aber mehr interessierte als das steife Gelaber der Konservativen, war die Frau in der Runde, die eine steile Karriere hinlegte von frühem freigeistigen Umfeld zu stockkonservativer Gesinnung.

    P.S. hatte nun niemanden in der Runde, mit dem er sich die Bälle zuspielen konnte, er muss sich, wie ich beim Angucken, unheimlich gelangweilt haben. Erinnerung: immer ein Augenrollen meinerseits, wenn damals in Gesprächen „Pater Basilius“ auflief.

    Auch ein Gesicht aus der weiten Werner Höfer-Welt. Der übrigens einst in Kampen, lang vor meiner Zeit, im Go-Gärtchen, Hof hielt, bis er als Altnazi aufgeflogen, den Rückzug aus der sonntäglichen Welterklärung antrat.

    Haben die eigentlich beim Frühschoppen richtiges Bier gertrunken, oder bewusst Mineralwasser? Schwer zu sagen in der Erinnerung, denn das war „Die Erfindung der Langeweile im Ersten Deutschen Fernsehen“.

    Hans Joachim Kulenkampff war das Heilmittel aus der älteren Generation!

  2. Jan Reetze:

    Beim Internationalen Frühschoppen gab es, wie der Name schon sagt, Wein. Und der war echt. Es kam mehr als einmal vor, dass jemand ein wenig zu tief ins Glas schaute. Und wir wollen dem Höfer mal zugute halten, dass ohne ihn es nie den Rockpalast gegeben hätte.

    An diese Höhler-Runde kann ich mich noch erinnern. Die war natürlich mit voller Absicht auf Kontroverse gebürstet, und das musste dem werten PS auch klar sein, der war ja immer dabei. PS und Grosser waren immer da, die beiden anderen waren jeweils themenabhängige Gäste. Und so galt dann auch hier, was schon Herbert Wehner sagte: Wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen. So war es dann auch; in der nächsten Folge war PS wieder da.

  3. Michael Engelbrecht:

    Frühschoppen: Wein, eigentlich klar. Bei uns im Ruhrgebiet hiess es aber bei den Älteren auch „zum Frühschoppen gehen“, und das war dann Sonntags immer Bier.

    Ohne Werner H hätte es den Rockpalast nicht gegeben? Das ist erklärungsbedürftig 🙇🏻, Jan.

  4. Jan Reetze:

    Werner Höfer war seinerzeit der Programmdirektor Fernsehen des WDR. Die Rockpalast-Nächte waren natürlich das geistige Kind Peter Rüchels, aber es war Höfer, der sie in der ARD-Programmkonferenz durchgesetzt hat.

  5. alex:

    Als das mit der Nazivergangenheit von Höfer 1987 rauskam damals, war ich total überrascht. Im Frühschoppen war er mir eigentlich immer recht sympathisch gewesen. Seriös, diplomatisch, politisch gemäßigt. Für 25 Jahre war er das Gesicht des bundesrepublikanischen Journalismus.

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