Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Schade, dass du so lange keine Links mehr auf Kurzfilme gepostet hast, sagte mir jemand auf dem letzten Manafonistentreffen. Einige Jahre lang nahm ich jede Woche die Sendung Kurzschluss auf ARTE auf und brachte zu der Film-AG, deren Mitglied ich war, Kurzfilme als Vorfilm mit. Dann aber schien sich etwas zu ändern. Immer öfter fand ich Kurzfilme belehrend, die Botschaft plakativ. Die Filme wirkten, als seien sie dafür gemacht, sie im Ethikunterricht einer zehnten Klasse einzusetzen. Eine Filmemacherin, mit der ich darüber spach, sagte mir, die Filmförderung mit ihren Vorgaben hätte den Kurzfilm ruiniert. Good news, es geht auch noch anders. Court circuit, das Kurzfilmmagazin auf ARTE, läuft wöchentlich in der Nacht von Freitag auf Samstag. Neulich lief Der Taucher / the diver von Michael Leonard und Jamie Helmer, ein australischer Kurzfilm (13 Minuten, über diesen Link verfügbar bis 13.10.2020). Ein junger Mann lebt mit seinen Eltern abgelegen am Wald und an einem See. Irgendetwas an ihm ist seltsam, aber ist es wirklich seltsam? Wie Leonard und Helmer im Zoom erklärten, war Ausgangspunkt des Filmes ein Bericht über einen verhaltensauffälligen jungen Mann, der in Australien großes Aufsehen erregt hat. Sie recherchierten dessen persönliches Umfeld. Das Spektrum psychischer Erkrankungen sei weit. Es gebe kein Entweder – Oder. She piruettes this way and that way and then she falls.

 
 

Im Original ist das, was hier auf dem Coverfoto silbriggrau erscheint, ein glänzendes tiefes Schwarz. Das wirkt viel dezenter und weniger plakativ. Sven Lattemann schreibt über das Album:

 

Was BOHREN UND DER CLUB OF GORE besonders gut können, was sie auf „Black Earth“ in Perfektion ausspielen, das ist die Fähigkeit, der Trostlosigkeit und der Schwermut unerschrocken ins Gesicht zu blicken. Es wird kein Satan beschworen, keiner verlorenen Romanze schluchzend nachgeweint, nicht drogengeschwängerten Fantasien nachgehangen. Hier wird in poetischer Manier nachts um halb Drei das letzte Bier an der geschlossenen Bude getrunken, das Weihnachtsfest allein gefeiert und die verflossene Beziehung leidenschaftslos per SMS abgeschlossen. Alles mit einem Achselzucken, aber dafür wirkungsvoll eingefangen im Stile eines Schwarz-weiß-Horrorfilms.

 

Musik, die in aller Stille unter die Haut geht und dort ihre beruhigende Wirkung sicher entfaltet. Wenn sich seltsame Störgeräusche einschleichen und Sie nicht sicher sind, ob das gewollt ist (es ist nicht gewollt), wechseln Sie das Abspielgerät.

 
 

Cloud Atlas: Empfehlung von Uli auf der gemeinsamen Rückfahrt vom letzten Manafonistentreffen. Was mich sofort überzeugt hatte, war seine Beschreibung, es gehe um verschiedene Personen, die in Handlungszusammenhängen völlig unterschiedlicher Epochen (von einer Urzeit bis in die ferne Zukunft) gezeigt werden, wobei bestimmte Charaktere immer wieder vorkommen bzw. von den gleichen Schauspielern gespielt werden. Hollywood-Bombast, aber gigantisch.

 

Gang of Four (Viererbande, La bande de quatre), von Jacques Rivette, dessen Filme ich am liebsten auf französisch mit englischen Untertiteln sehe. Es ist nicht wirklich eine Viererbande, es sind vier Schauspielschülerinnen, die den gleichen Kurs einer undurchschaubaren, strengen Dozentin besuchen und gemeinsam in einem Haus am Rand von Paris leben. Viele Theaterproben. Und das Verschwörungstheorieelement, das Rivette gern in seine Filme einbaut. Und dann ist es doch eine Viererbande, auf bestimmte Art.

 

A Single Man spielt im Jahr 1962 in Los Angeles. Ein britischer Collegelehrer verbirgt einen Teil seiner Vergangenheit und weiß nicht, wie er weiterleben kann. Der Film ist nicht so düster, wie es klingt.

 

Der letzte Tango in Paris ist der Grund dafür, warum Maria Schneider in dem nächsten Film, in dem sie eine Hauptrolle spielte, nämlich Antonionis „The Reporter“, keine Nacktaufnahmen machen wollte.  Um einen Tango geht es nicht wirklich. Und der Schluss hätte von Jacques Rivette sein können.

 

2019 28 Okt.

Dann war Stille und

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Auf Fixpoetry.com gibt es jeden Tag einen „Text des Tages“, meist ein Gedicht. Heute war es eine Arbeit von Sudabeh Mohafez, die auch die Autorin des wunderbaren Poetryletters # 316 ist, hier anzusehen.

 

2019 24 Okt.

Im Sog der Familienstruktur

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Mit Secret Defense (1998) griff Jacque Rivette das Genre des Thrillers auf und interpretiert es auf faszinierende Weise auf seine eigene Art. Der Motor der Geschichte ist eine Variation der altgriechischen Orestie. In der klassischen Orestie rächen die Geschwister Orest und Elektra den Tod ihres Vaters Agamemnon. Im Jahr 1937 veröffentlichte Giraudoux eine wenig bekannte Version der Orestie, von der Rivette sich inspirieren ließ. An sich waren die Akten über den Tod des Vaters, der aus einem fahrenden Zug stürzte, seit fünf Jahren geschlossen. Eine Fotografie, die der Sohn Paul von einem Bekannten erhalten hat, bringt neue Umstände ans Licht. Pauls ältere Schwester Sylvie, erfolgreiche Biologin in der Krebsforschung, will ihren Bruder davon abhalten, unüberlegt zu reagieren. Sylvie, brillant gespielt von Sandrine Bonnaire, ist die zentrale Figur des Films. Sie bestimmt die Erzählstruktur, die sich nach einem entscheidenden Ereignis komplett verändert, vom zielgerichteten Handeln zur Erstarrung, einem Geschehenlassen, einer Wahrnehmung nur noch im ungefähren und vagen. Frühstück mit Kaffee, Rührei und Rotwein. Wie unscharf und überbelichtet nun die Kinder der Hausangestellten im Garten herumtollen. Wie bei Merry-Go-Round spielt das Vaterhaus eine große, symbolische Rolle: Hier ist es ein traditionsreiches Gebäude aus dem 17. oder 18. Jahrhundert mit einer großen Bibliothek, echten Gemälden, repräsentativen riesigen Räumen und einer großzügigen gewundenen Treppe. Das Anwesen liegt abgelegen in Chagny, südlich von Dijon, und es gehört der Familie nicht mehr. Wie Sylvie mit dem Zug von Paris zum Landhaus in Chagny gelangt, zeigt der Film sehr genau, in einer legendären Sequenz, die ungefähr 20 Minuten dauert und in der fast kein Wort gesprochen wird. Die Reise als Persönlichkeitsverwandlung. Sylvie ist nicht geschickt darin, sich unauffällig zu verhalten. In Paris hat sie noch schnell zwei billige Sonnenbrillen gekauft, die sie erst auf der Toilette des TGV anprobiert. Sie blafft einen Fahrgast im Bistro an, der sie anschaut, wie sie Wodka auf Eis aus einem Plastikbecher trinkt. Am Bahnhof von Chagny – es ist inzwischen dunkel – vermeidet sie es, mit dem Bus zu fahren, dreht sich aber ins Scheinwerferlicht, als der Bus sie überholt. Den Vater haben wir nur auf dem Foto gesehen, die Schwester auch. Die Mutter lebt in der Nähe des Landhauses und fertigt Skulpturen weiblicher Körper an. Immer wieder werden in Secret Defense Pistolen verlagert: aus einer Schublade, in eine Reisetasche, aus einer Reisetasche, in eine andere Schublade. Und es gibt das Motiv der Doppelgängerin und des Wiederholungszwangs, ähnlich wie in Hitchcocks Vertigo. Jacque Rivette versteht es, durch diskrete, aber entscheidende Andeutungen eindringliche Bilder und Szenerien im Zuschauer zu erzeugen, die umso stärker wirken, weil sie nicht gezeigt wurden. Da genügt nur ein Satz oder ein paar benutzte Gummistiefel auf der Treppe. Secret Defense (Geheimsache / Top Secret) ist ein ruhiger Film und aus meiner Sicht einer der besten von Rivette. Am Ende sitzen wir sprachlos da und können nachdenken über Gerechtigkeit, Familie und Freiheit, Widersprüche und offene Fragen.

 

Mitte der 70er Jahre funktionierte das: Einfach das Passfoto mit einer Rasierklinge entfernen und ein anderes einzukleben. Zwei Passfotos, zwei Pässe, schon sind zwei Identitäten vertauscht. In einem kleinen Hotel in der zentralafrikanischen Wüste, wo gerade nur zwei Gäste sind, die einander ähnlich sehen und die das Personal sowieso nur flüchtig wahrgenommen hat, fällt das nicht auf. So wird der britische Kriegsjournalist David Locke in Michelangelo Antonionis The Reporter (Beruf: Reporter) zu David Robertson. Doch was macht seine neue Identität aus? Große Lücke jetzt, erwähnen möchte ich nur die junge Architekturstudentin, gespielt von Maria Schneider. Und, what a serendipity, ein pinkfarbenes Flugzeug am Münchner Flughafen, das einmal kurz im Hintergrund zu sehen ist. Um dem Vorwurf zu entgehen, er selbst hätte es bemalen lassen, hatte Antonioni einige Tage abgewartet. Schließlich, das kleine, weiß getünchte Hotel de la Gloria im südlichen Spanien. Zwischenstation auf dem Weg nach Tanger. Flucht in eine andere Lebensform. Robertson erzählt der Frau von einem blinden Mann, der, als er schließlich doch sehen konnte, die Welt nicht ertrug. Robertson ist müde geworden, er legt sich rücklings aufs Bett. Das Fenster, das hier zu sehen ist, entspricht im Bild oben dem Fenster ganz rechts.

 

 

„What can you see?“ fragt er die Frau. Da ist eine freie, unasphaltierte Fläche. Ein Junge wirft einen Ball. Ein alter Mann lehnt sich an die Mauer. Und Staub, viel Staub. Die Frau nimmt ihre Jacke vom Garderobenhaken, steckt sie in ihre Reisetasche und geht. Robertson steckt sich eine Zigarette an und schaut selbst aus dem vergitterten Fenster. Jetzt beginnt die siebenminütige, irreale Kamerafahrt. Sehr langsam focussiert sich der Blick, immer näher ans Gitter und – wie das?, es gab keinen Schnitt! – durch zwei Gitterstäbe hindurch, hinaus auf den Platz, den Blick nach links, ankommende, wegfahrende Autos, den Blick nach rechts, Menschen steigen aus einem Wagen, sie betreten das Hotel durch den Haupteingang, die Kamera (alles ein Shot) hat einen 180 Grad Winkel aus einem vergitterten Fenster heraus gemacht und schließlich schauen wir mit der Kamera durch das Fenster, von dem die Kamerafahrt ihren Ausgangspunkt nahm. Schnitt, Abenddämmerung in Andalusien. Die Wolkendecke eine grau marmorierte Wand. Ein pinkfarbener Horizont leuchtet. Der alte Mann, der vorher an der Mauer lehnte, geht die Straße entlang, ins Licht. In der Eingangshalle des Hotels wird die Lampe eingeschaltet. Ein Mann tritt aus dem Hotel, er zündet sich eine Zigarette an. Eine Frau kommt dazu, sie reden laut, der Mann geht Richtung Dämmerung. Die Frau schaut ihm kurz nach und setzt sich auf die Treppe vor dem Eingang des Hotels. Der Zauber der Schönheit, die Unbarmherzigkeit der Natur und der Menschen, und eine kleine Bemerkung, die eine Verbindung verrät, ganz nebenbei.

Sprechen Sie den Titel halblaut vor sich hin. Überlegen Sie vielleicht vorher kurz, oder überlegen Sie besser nicht. Diese drei Worte, jeweils anders betont, und die Bedeutung verschiebt sich. Es ist der Titel des einzigen Romans von Rolf Dieter Brinkmann, der im Jahr 1968 bei Kiepenheuer & Witsch erschien. Am 21. November 1967 las Brinkmann im Studio des Deutschlandfunks aus dem Manuskript und sprach anschließend mit dem damaligen Literaturredakteur Wolfgang Pehnt. Eine Wiederholung dieser Aufnahme habe ich heute gehört. In Brinkmanns Buch gibt es keine klassischen Handlungsstränge, dafür Beschreibungen, Erzählungen und Eindrücke des männlichen Protagonisten über das, was Brinkmann „die Schwierigkeiten zwischenmenschlicher Beziehungen“ nennt. Es ist der Beginn der Popliteratur in Deutschland. Im Gespräch sagt Brinkmann: „Ich glaube, dass ein Roman in manchen Passagen sehr grob geschrieben sein muss, um sich zu sträuben gegen eine schnelle und voreilige Aufnahme des Themas und des Dargestellten. Es muss im Leser selbst Widerstand hervorrufen.“ Brinkmann diagnostiziert ein Erstarren der Menschen in „Sachzusammenhängen und in der Fremdbedeutung von Sachen, die nicht von ihnen selbst geschaffen wurden.“ Das Jahr 1968 mit seinen Umwälzungen stand erst noch bevor. Es war ein souveränes Interview. Es ist lange her, dass ich mir das Buch gekauft habe und mich dann aber doch nicht hineinvertiefen konnte, weil es mich nicht gepackt hat. Nun, da ich Brinkmann zugehört habe, fasziniert mich der Rhythmus in seiner Sprache, die Genauigkeit der Beobachtung und die Art des sprachlichen Geflechts: intelligent, komplex und unkalkulierbar. „Keiner weiß mehr“ – so wurde der Titel eines Films von Jacques Rivette im Abspann auf der DVD übersetzt: „Va Savoir“. Es ist eine Redewendung. „Keiner weiß mehr“ ist eine poetische Übersetzung, korrekt wäre auch „Keine Ahnung“, „Was weiß ich“ oder „Weiß der Kuckuck (Teufel, Geier, etc.)“ gewesen. Der Film zählt zum Spätwerk Rivettes. Ein wichtiger Teil des Lebens spielt sich hier auf einer Bühne ab, deren Grenzen verwischen. Wie immer bei Rivette sehen wir von Paris nur ein paar Nebenstraßen, Hauseingänge, Dächer von Häusern. Wir erfahren von einem ungewöhnlichen Detail in der Organisation des französischen Bibliothekswesens und wie man die Regeln des Duells ins frühe 21. Jahrhundert übertragen kann. Am meisten erstaunt hat mich hier die Unberechenbarkeit der Charaktere. Und wie sie sich von dem, was ihnen am wichtigsten erscheint, befreien.

steht im Focus des zweiten Gedichtbandes von Judith Hennemann „all die goldenen Hunde“, erschienen im Frankfurter axel dielmann verlag. Monika Vasik hat das Buch gerade ausführlich auf dem Literaturportal Fixpoetry vorgestellt, nachzulesen hier.

 
 
 

 
 
 

In keiner der Dystropien kommen Bäume vor,

deshalb halte ich sie. Für unecht die Bäume,

nein. Die Dystropien. Deshalb halten sie mich.

Für unecht die Bäume. Ich trete auf: neben

Kriegsschauplätzen, aus denen HD blutet,

ächzt und stinkt, von Modellbauvirtuosen

mit Rückenschmerzen und Glaspupillen filigran

verklebt. Das Schicksal der Vergrößerung, Los

der Vervielfältigung (durch den scheuen Kuss

einer Maus) zur Armee steht schon fest. Hier ist

nur die Schönheit der Hauptdarstellerinnen echt.

 

 

 
 
 

und das Radio an für eine entspannte Fahrt.

 

 
 

Unter den Filmemachern der Nouvelle Vague war Jacques Rivette der Beschwörer des Magischen und Mysteriösen. Es waren die Tagebücher von Jean Cocteau aus den Jahren 1945/46, die dieser während der Dreharbeiten an Beauty and the Beast geschrieben hatte, die Rivettes Begeisterung am Film entfachten. Er beschloss, Filme zu drehen, mit anderen gemeinsam an etwas zu arbeiten, nicht für sich allein. Er zog nach Paris und begann damit Filmkritiken zu schreiben. Es waren die Jahre, in denen er zwanzig Mal in der Woche ins Kino ging, manchmal in vier Vorstellungen an einem Tag, alle interessant: DeMille, Warhol, ein japanischer Film ohne Untertitel. Die Katogorien von Zeit und Raum lösten sich auf. Schnell lernte Rivette die späteren Hauptfiguren der Nouvelle Vague kennen. Merry-Go-Round (1981) entstand auf Wunsch von Maria Schneider, die Rivette vorschlug, einen Film mit ihr und Joe Dallessandro zu drehen. Als Ausgangspunkt für ein Zusammentreffen der beiden ließ Rivette sie im Film durch eine andere Person – die Schwester der einen, die Freundin des anderen -, in eine Hotelhalle nach Paris lotsen. Doch die Schwester bzw. Freundin erscheint nicht. Der Film wirkt zum Teil wie ein Experiment der Art, was passiert, wenn Maria Schneider (als Léo) und Joe Dallessandro (als Ben) gemeinsam vor der Kamera in ihren Rollen agieren. Der Dreh zog sich hin, Schneider und Dallessandro verstanden einander nicht. Neben persönlichen Spannungen gab es ernsthafte gesundheitliche Probleme der Beteiligten und zehn Mal wurde erwogen, das Projekt abzubrechen. Man merkt schnell, dass der Film seine Qualität vor allem durch die Montage erhielt und durch das, was zwischen Schneider und Dallessandro geschieht und was nicht geschieht. Die Faszination der beiden ist enorm und trägt den gesamten Film, auch wenn er sich mit seinen zweieinhalb Stunden ziemlich in die Länge zieht. In Anbetracht der Situation, in der sich die Schwester bzw. Freundin befindet und der dramatischen Hintergründe, die nach und nach enthüllt werden, wirken Léo und Ben fast surreal entspannt. Dallessandro verkörpert den Womanizer und Schneider spielt die jüngere Schwester: tough, lässig, unabhängig, intelligent und impulsiv. Merry-Go-Round öffnet einige parrallel laufende Räume, innere und äußere, zwischen Verschwörungskomplotten und suspekten Nebenfiguren, abgelegenen leerstehenden Bürgerhäusern, gefährlichen Begegnungen in den Dünen und im Laubwald, Transiträume, Pariser Vorortstraßen, einem Übungsraum, in dem Barre Phillips und John Surman musizieren. Ich mochte die Energie, die darin steckte, wenn Léo und Ben einfach nur nebeneinander saßen, sei es auf einer Gartenmauer oder auf einem alten Sofa. Gegen Ende gewinnt der Film an Tempo. Es gibt eine kleine Schlägerei, bei der es so offensichtlich ist, dass die Schläge gefakt sind, dass ich mich frage, ob es beabsichtigt war oder ob die Aufnahmen einer anderen Kamera verloren gegangen waren und es keine Kapazitäten mehr gab, um die Szene nochmal zu drehen. Der Schluss des Films lässt uns, wie Léo, sprachlos und irritiert zurück. „Jacques Rivette hat“, sagte Jonathan Rosenbaum, „das Kino mit ein paar Filmen in die Luft gesprengt.“


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