Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2023 14 Sep.

Die Kunst zu fliegen

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Es gab da diesen Moment einer Koinzidenz, als in dem Porträt Zero Gravity über das Leben des Saxofonisten Wayne Shorter ein Konzertausschnitt von Weather Report mit den Worten kommentiert wurde, da habe eine Jazz-Formation den Kult-Status einer Rockband erhalten, die Massen seien zu den Konzerten gepilgert und so mancher Musiker hätte es kaum erwarten können, zu Hause dann das, was er hörte, selber auszuprobieren. So ging’s mir auch. Ich hielt es nicht mehr aus, drückte auf die Pause-Taste der Fernbedienung und gab dem starken Drang nach, diese flirrend-elektrisierende Klang-Botschaft am heimischen Verstärker nun augenblicklich auch höchstselbst zu verkörpern: to sing the body electric. Auf dem Fusse folgte die vertraute Ernüchterung von der blossen Einbildung hin zum Fakten-Check: denn zu den Phänomenen des Heimwerker-Musizierens gehört ja oft die Erkenntnis, dass dem Wunsch Grenzen gesetzt sind mangels Technik, Disziplin, Geschwindigkeit. Pat Metheny sprach davon, als Profi habe man in jahrelanger Arbeit seine Hausaufgaben gemacht, erst dann ginge die Post ab. Wayne Shorter, das zeigen solche Porträts ja immer wieder eindrucksvoll, hatte schon lange vor dieser sagenhaften Kultband seine Ausbildung und Übungsstrecke. Er hatte Glück mit dem Elternhaus, konnte gut zeichnen und liess seiner Phantasie freien Lauf. Dann die Verbindung zu Miles Davis, einem Wegbegleiter, der ihn früh aufs grosse Podium hievte, dort wo Jazz-Historie geschrieben wurde, in den angesagten Clubs der damaligen Zeit. Überhaupt kommt es einem so vor, dass gerade die Siebziger Jahre eine Zeit der Pionierarbeit gewesen sei, so wie es die Malerei ja schon vorher war. Kürzlich bestellte ich ein Buch aus dem Antiquariat, dass mich einst stark prägte, nach langem Zögern, denn man will Vergangenheit schlussendlich auch auf sich beruhen lassen: Der Sprung ins Leere – Objet trouvé, Surrealismus, Zen von Christian Kellerer. Das Buch beschreibt die Mechanismen von Veränderung, wann und warum Zeit und Epochen reif für einen Wechsel waren. Lernt man denn nicht fliegen, indem man mutig ins Leere springt? Wayne Shorter, der im Laufe seines Lebens auch zum Buddhismus fand, konnte fliegen wie kein Zweiter.

 

2023 11 Sep.

acoustic mikados

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„mikado 11/9/23“

 

[„… neulich entwarf ich ein stück und nannte es „acoustic mikado“. eine spur aufnehmen, spontan eine zweite oder dritte hinzu – auf das vorangehende jeweils direkt und ohne korrektur reagierend. es könnte der beginn einer serie werden. mikado spielten wir ja als kinder schon gerne. es ging nicht allein um geschicklichkeit, sondern auch um das spiel mit dem zufall. hinzu kommt der ewige reiz des recordings, die anschliessende konfrontation mit dem ergebnis, folglich die möglichkeit reflexiver abstandnahme und einsicht …“]

 

2023 9 Sep.

Mister Teflon

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Man soll die Früchte ernten, bevor sie fallen – das gilt auch für alles, was so unter den Nägeln brennt, bevor dem dann der innere Zensor mittels Schreibhemmung den Garaus macht. Gestern also kurz vorm Zubettgehen noch in eine Talkshow getappt: da sitzt ein junger Mann, über dessen Testosteronspiegel man sich keine Sorgen machen muss, in Papageien-buntem Anzug in seinen besten Jahren und gibt redundant zum Besten, was er meint: dass Wissen wichtig sei für Bildung und man deshalb Fakten gründlich recherchieren müsse. Die ehrenwerte Elke Heidenreich auf dem Platz neben ihm wirft ein, Bildung sei nicht identisch mit Fakten-Wissen, es gehe auch um das eigenständige Verknüpfen von Zusammenhängen. Unsere schillernde, mit Teflon bespickte Testosteronfigur versteht nicht, redet unbehelligt weiter. So geht kein Dialog, denke ich, sondern rabiate Selbstdarstellung. Frau Heidenreich schaut schweigend-pikiert ins Leere und ich schaue mit ihr. Die ebenso anwesende Milliardärsgattin und Schauspielerin Veronica Ferres legt bekräftigend nach und wirft das Stichwort „Herzensbildung“ in die illustre Runde. Mister Teflon scheint jeden ergänzenden Einwand als Angriff zu sehen (Pawlowscher Reflex), hat wohl auch kein Gespür für die Lebenserfahrung älterer Generationen und unsereins schaltet fluchtartig das Gerät ab. Ein kurzer Moment nur, in dem viel passiert ist und etwas unangenehm aufflackerte: mittlerweile darin geschult, sich blutspritzende Tarantino-Filme oder Not-Operationen von Dr. House serienweise anzuschauen (hier wirkt mein Teflon), so wirken doch solche Peinlichkeiten auf mich unverdaulich, fast wie Gewalt.

 

2023 5 Sep.

Zwei Maler

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In der frühherbstlichen Stimmung der letzten Woche gemütlich eingelümmelt vor dem Bildschirm folgte ich spätabends mal wieder den Spuren der Kunst (Prägung, Interesse und permanente Witterungsaufnahme sind hier irreversibel). Zwei Maler waren es, die unterschiedlicher nicht sein könnten und anhand derer man einen Zwiespalt ausmachen kann: Markus Lüpertz und Wolfgang Beltracchi. Wenn nämlich Letzterer sagt, man müsse für das, was sich heute Kunst nenne und sich weder auf Tradition noch auf handwerkliches Können („Vermögen“) stütze, sondern Betätigung sei im Sinne von kreativer Entfaltung und Ego-Performance, einen neuen Namen finden. Beltracchi, der Kopist und Maler ohne Eigenschaften: es sei ein genetischer Defekt, dass er in der Lage sei, sich in die Haut und in die Zeit eines jeden Künstlers hineinzuversetzen. Er berichtet von Zeitreisen in die Historie und ich bekomme eine Gänsehaut. In gelenkten Träumen nachts gehe er auf Wanderschaft, aber lustig sei das nicht: sehr laut und überall üble Gerüche. Ich freue mich jetzt schon auf die geplante Netflix-Serie dieses spannenden Lebensweges. Was der Kunst-Kopist aber nicht abdeckt, hat Kollege Lüpertz um so mehr drauf: sich abrackern in einem schöpferischen, mühevollen und authentischen Findungsprozess, mittlerweile am Stock humpelnd, weil keine Zeit und Lust für eine Knie-OP. Die Kraft des Kunst-Schaffens scheint so gross, dass selbst ein kaputtes Knie zur Nebensache wird. Insofern könnte man jede Hypochondrie auch als Mangel an Lebenssinn interpretieren. Eindrucksvoll auch der Einblick in Lüpertz‘ Malklasse, wo der Meister die Versuche seiner SchülerInnen unter die Lupe nimmt. Ein Deja-Vu, weil: habe ich selbst erlebt als Student. Diese Sicherheit, zu erkennen, was nicht stimmt, wo der Holzweg ist, wo man sich was vormacht. Wie sagte mal ein Prof zu mir: „Wie’s kömmt, so’s frömmt.“ Aus Narzissmus und Idealismus heraus ist noch nie ein gutes Bild entstanden. Ohne eine gewaltige Passage von Frustrationen wird niemand jemals Bildender Künstler. Wenn ich Lüpertz sehe, kriege ich aber wieder Bock zu malen: Wucht, Farbklang, Formkraft. Wen wundert’s: der Mann ist auch gut in Schrift und Wort, zudem musiziert er am Flügel öffentlich mit professionellen Jazzern wie Manfred Schoof („Der direkteste Weg zum Glück“). Und Belzebub Beltracchi, Kunstfälscher im Ruhestand, signiert nun mit eigenem Namen, nach reumütiger Knast-Erfahrung. Gefragt, was er verdiene: er mache ja nicht mehr viel, höchstens fünfzehn Bilder im Jahr. Und? Hunderttausend bis eine Million. Pro Jahr? Nee, schon pro Werk.

 

2023 27 Aug.

Der Blues-Operator

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„John Guerin on drums, Max Bennett on Bass, Robben Ford on guitar …“ – deutlich vernehme ich die Stimme Joni Mitchells und sehe ihre red painted toenails auf der Plattenhülle vor mir, als wenn es Gestern wäre: tatsächlich zählte das Livealbum Miles of Aisles damals Mitte der Siebziger Jahre zum Meistgehörten. L.A. Express nannte sich die bereits bestehende Band, und sie blies frischen Rock-Wind in die Folk-Segel der melancholischen Lady, in Songs wie „Woodstock“ und „Free Man in Paris“. Sollte ich heute einen persönlichen Gitarren-Helden nennen (ein Spiel, das wir ja früher gerne spielten), wäre es wohl jener Mister Ford, Jahre später wiederentdeckt: zunächst Akustikgitarre spielend auf Rickie Lee Jones‘ wunderbarem Album Pop Pop. Irgendwann dann in einem hannoverschen Plattenladen kaufte ich die CD A Handful of Blues. Dem Trio The Blue Line gelang eine fantastische, so noch nie gehörte Präsentation von Stücken im Bereich von Jazz, Funk, Soul und Blues. Natürlich fuhr ich damals nach Hildesheim, um es vor Ort zu geniessen, dort in Twin-Peaks-Atmosphäre umgeben von lauter Motorradrockern in Holzfällerhemden samt Bräuten. Aus meinem Bekanntenkreis kannte niemand diesen Gitarristen. Weil aber wahre Freude stets geteilte ist, war ein gewisser Konrad Heidkamp in seiner Radiosendung voll des Lobes für das Album und E.T. (so das Kennzeichen meines damaligen weissen Polos) telefonierte daraufhin glücklich nach Hause. Das Gitarrenspiel des Robben Ford ist ja in geradezu manischer Weise hauptsächlich auf den Blues fixiert. In ihr liegt aber ein sophisticated element, wie man es bei keinem anderen hört: lockeres Westcoast-Feeling (das Bild vom Surfen passt sehr gut zu mäandernden Riffs, die über wechselnde Akkorde fliegen), hinzu kommt handwerkliche Akkuratheit. Das Wichtigste aber auch hier: die Verbindung von Tradition und Moderne. Wobei mit Letzterem dieses gewisse Etwas gemeint ist, dass der Kultautor Robert M. Pirsig in einer philosophischen Roadstorie als hip bezeichnete, im Gegensatz zu square: es blitzt etwas auf, das Licht wird reflektiert und ein transzendentaler Raum entsteht im „Darüber-Hinaus“. Ein Video-Talk brachte just Klarheit: da ist auch einer, der sich als Autodidakt die Grundlagen schrittweise erarbeitete, fast wie ein Nachzügler. Von anfänglichen „Cowboy-Akkorden“ hin zur Jazzharmonik und dann zum Skalen-Spiel. Hinzu kommt das Lernen rein durch das Gehör. Ich möchte nicht wissen, wie viele gute Musiker gar keine Noten können und trotzdem alles hören. Es ist wie eine Landschaft, in der man sich auskennt und sich intuitiv bewegt, alle Fühler ausgestreckt. Und so kommt es, dass ich ein gutes Dutzend brillianter Songs von Robben Ford in einem Schatzkästchen aufbewahre, hin und wieder daraus einen Zauberring entnehme, den ich mir anstecke – im Nu gepolt und eingenordet: „Here we are again, the Blues has always run the game“. Ein Holzfällerhemd trägt unsereins aber eher selten, eine Harley seht nicht vor dem Haus und auch die Mitgliedschaft in einem Fanclub wird bis auf Weiteres fehlen.

 

2023 25 Aug.

Kant avec de Sade

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Die Lehr- und Zuchtanstalt des öffentlich rechtlichen Fernsehens hat nun hierzulande die Komik Ottos als despektierlich angesehen. Wahrscheinlich würde auch eine Serie wie Mad Men aus ähnlich pädagogischen Gründen niemals im Programm auftauchen – wenigstens aber mit den Untertiteln „Rauchen schädigt die Gesundheit“ und „Whiskey trinken zur Mittagszeit ist strafbar“ versehen. Vor gut vierzig Jahren erschien ein Buch der Psychoanalytikerin Alice Miller, in dem die Wortschöpfungen eines Neurotikers als Heilerfolg gewertet und aufgelistet wurden: eine auflockernde Kaskade phantasievoller Beschimpfungen, wie sie Peter Sloterdjk hätte erfinden können, wäre er versehentlich in die Badlands geraten. Eine kleine Perle ist die Komödie „Ein Tick anders“ mit Jasna Fritzi Bauer als Teenager mit Tourette-Syndrom. Sie landet sogar einen Schlager-Hit mit dem Titel „Warum Licht aus deinem Arsch kommt“ (steht schon auf der schwarzen Liste der massgeblichen Sender). Auch die genial-obszöne Wortkunst des Sprösslings Roman Roy in der Serie Succession, die als zynische Familienaufstellung neo-bourgeoiser Provenienz gelten könnte, würde es niemals in das deutsche Fernsehen schaffen. Muss sie auch nicht, denn bis die Damen und Herren dort geschnallt haben, dass Synchronisationen es nicht bringen, wird auf diesem Planeten eh kein Mensch mehr zu finden sein. Generell sei zu meinen Serien-Vergnügungen gesagt: wenn bei Slavoj Zizek Kant nur mit de Sade durchgeht und bei Cioran das Nirvana nur mit Kaffee zu ertragen ist, füge ich hinzu: Ted Lasso immer gerne, aber nur mit Breaking Bad.

 

2023 21 Aug.

„impro on a loop bug“

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2023 20 Aug.

Das dialogische Prinzip

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Vor Jahren, als ich mich nach der brutal guten Fernsehserie Sons of Anarchy fragte, warum wohl trotz des für Heinz und Heide Jedermann nicht gerade alltäglichen Ambientes im kalifornischen Rocker- und Drogenbandenmilieu alles so gefühlsecht rüberkam, recherchierte ich über den Macher und Regisseur Karl Sutter. Der war von dem Theater-Pionier Sanford („Sandy“) Meisner stark beeinflusst, der die Schauspieler einst dazu angeleitet hatte, unmittelbar und natürlich auf das Gegenüber zu reagieren und alles Gekünstelte in der Darstellung zu vermeiden. Diese Direktheit zeigte sich eben auch in einer Serie wie Sons of Anarchy, in der nicht nur die Charaktere ein tiefes, beim Betrachter Empathie erzeugendes Profil zeigten („more real than life“), sondern auch die Dialoge nah waren wie ein Boxkampf im Ring. Als mir später dann ein Video der Ärztin, Therapeutin und Buchautorin Mirriam Priess empfohlen wurde, dämmerte es bald: connective link muss das Stichwort „Dialog“ gewesen sein. Wie sehr doch Algorithmen mittlerweile unser Leben lenken! Nachdem ich nun ein Buch von ihr gelesen hatte, reflektierte ich ein wenig über das „dialogische Prinzip“, das sich ja nicht nur im alltäglichen Miteinander zeigt, sondern auch in inneren Dialogen. Humorvoll könnte man dann Szenen herausarbeiten, in denen beispielsweise ein internalisiertes und rigides Über-Ich die Restbestände kindlicher Unbescholtenheit regelrecht „fertig macht“. Eine persönlich beeindruckende Erfahrung in den Achzigern war ein Workshop des vom brasilianischen Theater-Theoretiker Augusto Boal konzipierten Theater der Unterdrückten. Man konnte eine vertraute Alltagsszene spielen, in dem dann Muster gegenwärtig wurden: eine Putzfrau etwa oder ein Handwerker bei der Arbeit. Dann tritt der cholerische Chef hinzu und fordert, man müsse aber schneller sein. Man achte auf die Körperhaltung! Heute hätte unsereins ja ein beherztes „Fuck you!“ parat, doch damals waren viele von uns Kinder einer Schwarzen Pädagogik. Wer mit sich selbst hingegen in den Dialog tritt, wie es die Therapeutin Mirriam Priess proklamiert, der wird vielleicht zunächst die Erfahrung tiefer Langeweile machen, in der erst einmal gar nichts passiert, bevor dann wesensgemässe innere Anmutungen frei werden. Auch hier geht’s zu wie beim Intervall-Fasten: ohne Abstandnahme bliebe der ganze Müll liegen.

 

2023 15 Aug.

„a scent of blues“

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2023 13 Aug.

Asbach Uralt

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Endlich einmal wieder sortierte ich den alten Papierkram aus, auch obsolet gewordene Bücher waren dabei, begleitet von der Frage „Was kann weg?“. Ist doch das Entmüllen immer auch ein Enthüllen dessen, woran man festhält und andererseits der Gegenpol zu überflüssigem Konsum: nicht, was man kauft, ist hier die Frage, sondern was loszulassen man bereit ist. Ich fand also im alten Kram ein handgeschriebenes Blatt, hatte ja des öfteren mal gute Textstellen auf diese Weise festgehalten, verinnerlicht und bekräftigt. Ich rätselte herum, von wem denn dieser Text, gut geschrieben und mir aus der Seele sprechend nun eigentlich war, musste die Quelle aufspüren. Sie ahnen es bereits, verehrte Leserin: der Text war von mir selbst. Wenn einem solches widerfährt, dann ist das mehr als einen Asbach Uralt wert: man sollte sich schleunigst von überzogener Selbstkritik befreien, nach dem Motto „Gut sind immer nur die Anderen“. Hierzu gab es kürzlich in dem lockeren Bühnengespräch zwischen dem Kabarettisten Florian Schroeder und dem Philosophen Peter Sloterdijk ein Analogum: der nordische Protestantismus sei ja immer auch mit dem mahnenden Fingerzeig verbunden, sich selbst nicht gut finden zu dürfen, Richtung Süden lockere sich das dann („Mir san mir!“). Bei selbiger Plauderei fand sich auch ein wunderbarer Hinweis zum Gebrauch der Sprache: senkrecht zum Sachverhalt wäre das Gesagte mit dem Ding identisch. Wenn Millionen ein schlechtes Länderspiel sahen, dann sagte der Tautologe Günther Netzer dazu: „Wir haben ein schlechtes Spiel gesehen!“ Wir anderen aber geben uns genüsslich dem schrägen und verspielten Sprachspiel hin, finden auch darin einen Sinn.

 


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