Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Top Ten ECM
 

  • Andy Sheppard Quartet – Surrounded by Sea (Album of the Year)
  • Gary Peacock Trio – Now This
  • Keith Jarrett – Creation
  • David Torn – Only Sky
  • Mette Henriette – Mette Henriette
  • Tim Berne´s Snakeoil – You´ve Been Watching Me
  • Chris Potter & Underground Orchestra – Imaginary Cities
  • Jakob Bro – Gefion
  • Tigran Hamasyan – Luys i Luso
  • Mathias Eick – Midwest

 
 
also inspiring were/are:
 

  • Joanna Newsom – Divers (Drag City)
  • Achim Kaufmann – Later (Pirouet Records)
  • Silje Nergaard – Chain of Days (Okeh Records)
  • Steve Coleman and the Council of Balance – Synovial Joints (Pi Recordi)
  • Enrico Rava Quartet – Wild Dance (ECM)
  • Steven Wilson – Hand. Cannot. Erase. (Kscope Music)
  • Vijay Iyer Trio – Break Stuff (ECM)

 

The emptiness that we confess
in the dimmest hour of day
in Automatown they make a sound
like the low sad moan of prey
 
The bitter taste the hidden face
of the lost forgotten child
the darkest need the slowest speed
the debt unreconciled
 
These photographs mean nothing
to the poison that they take
before a moment´s glory
the light begins to fade …
 
(T Bone Burnett, „The Angry River“)

 
 

True Detective wirkt nach: Darsteller, Drehbuch, Bildkompositionen, Filmmusik – alles vom Feinsten. Seit Twin Peaks damals in den Neunzigern ist dies die erste amerikanische Serie, die ich mit Genuss, Hingabe und Inspiration geschaut habe. Auch Mad Men´s First Season war kürzlich ein grosses Vergnügen, nach anfänglich irrtümlichem Misstrauen, dies sei nur eine Art Stromberg-Bürowelt ins New York der Sechziger Jahre verlegt. Weit gefehlt, auch hier optischer Hochgenuss, erstklassige Schauspieler, Erzählung auf diversen zeitlichen Ebenen, originelle Filmmusik (im Abspann erklingt Bob Dylans „Don´t Think Twice“, ein anderes Mal ein netter Jazzstandard oder ein Bossa Nova). Weitere Serien werden folgen, das sei hier feierlich verkündet, denn eine neue Ära hat begonnen: mit dem Videoplayer als Festinstallation („Fest“ im doppelten Sinne). Qualitätsfilme statt Biedermannskost, Ende der televisionären Deutschtümelei: Originalversionen nun – ggf mit deutschen Untertiteln als Netz und doppeltem Boden (mit „dem Zweiten“ sieht man lange nicht so gut). Dabei nebenher Englischkenntnisse verbessern, das ist der Mehrwert oder, wie Lacan und Zizek sagen würden: das Mehr-Geniessen.

 

 
TD Season 1 – „The Angry River“ by The Hat ft. Father John Misty & S.I. Istwa (HBO)
 
„The Angry River“ (short snapshot cover, rhythm guitar track with 2 overdubs)
 
 

2015 27 Okt.

Mittendrin

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Gute Serien und Filme zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen mitnehmen auf eine virtuelle Reise. Sie enthalten bestenfalls Essenzen und Aspekte, die auch das eigene Leben betreffen: Identifikationspunkte, Anregungen. Gleich drei cinematografische Ereignisse, die das Niveau hausbackener Fernsehproduktionen bei weitem übersteigen, galt es jüngst zu verköstigen: den grossartigen Mr. Turner, das atemberaubende Salz der Erde von Wim Wenders, und nun endlich True Detective. Sofort stellt sich der Suchtfaktor ein und man fragt sich schon beim Schauen: „Was soll da noch kommen, wenn dieser visuelle Staffellauf beendet ist?“ Parallen zu Twin Peaks sind deutlich, aber diese Serie setzt in mancher Hinsicht noch eins drauf, als verschachtelte Erzählung zweier Cops, die den crime plot, wie so oft bei guten Thrillern, nur als Aufhänger nimmt für Tiefergründiges. Sansibar oder der letzte Abgrund. Das ist auch ein Männerfilm, der zwei Archetypen charakterisiert und von deren Spannungsgefüge lebt: zum einen der konforme Ehemann und Familienvater, zum anderen der Steppenwolf, das triebhafte (Un-)Tier, der mysanthropische Philosoph, der ewige Eigenbrödler. Allein die Szene, in der er mit seiner ihm angeheirateten Ärztin vor dem Fernseher sitzt, sie die Fernbedienung in der Hand, er mit oskarwürdigem Blick ins Leere: The Story is over, Baby. Heute abend erstmal Entzug, Methadonprogramm DFB-Pokal: Bayern gegen Wolfsburg. Den Stoff strecken, damit man länger etwas davon hat. Denn ob die zweite Staffel gut ist wie die erste, das steht noch dahin. Wusste ich es doch: das Suchtpotential von Serien ist nicht ohne – und unsereins jetzt mittendrin, im Südstaatensumpf.

Zwei rote Fäden zogen sich durch Jonathans Leben, an denen sich die Perlen aufreihten wie in Indras Kette: Entdeckerfreude und Spätzündung.

Er dachte an den Sportuntericht in der Schulzeit, das Greuel der Bundesjugendspiele, an das Reckturnen, an den sadistischen Sportlehrer, der mit seinen Handballerarmen Marke Umfang Oberschenkel gerne Schuljungen mit dem Medizinball gezielt „abwarf“, als seien diese Dosen in der Bude auf dem Jahrmarkt. Dann aber kam die Kehre, an der selbst Heidegger, den er zwar las, jedoch bei weitem nicht verstand, seine Freude gehabt hätte: die späte Entdeckung der Freude am Schulsport.

Ein Highlight in der Fußballjugendmannschaft war es ja vormals schon gewesen, als er den Spielmacher der gegnerischen Mannschaft buchstäblich vom Platz gefegt hatte – nicht auf die feine Beckenbauerart, eher angelehnt an Katsches Grätsche und an Bertis Biß. Der Trainer hatte ihn heissgemacht: den lässt du gar nicht an den Ball kommen! So kam es: der Spielmacher des Gegners verliess noch vor der Halbzeit frustriert den Platz und man gewann das Spiel als Tabellenletzter gegen den Tabellenersten mit Elf zu Eins.

Dann brachte Langlauf frischen Wind, gerne nach der Schule, vor dem Fünfuhrtee mit den Hunden, die, ihn begleitend, über die Äcker jagten. Abermals die Jugendspiele, jetzt unter anderem Vorzeichen – und als Lateiner wusste er, dass Herumirren menschlich ist und Joggen glückbringend, vor allem aber: Alea iacta est.

Die Tausendmeterstrecke, zwei Leichtathleten liefen provokativ langsam: Langlauf zählt doch gar nicht. Jonathan aber liess sich nicht irritieren, war nicht zu schüchtern, die anderen frech zu überrunden. An der Ziellinie winkte die Sportlehrerin mit der Stoppuhr und der strahlenden Verheissung, dem Ersten sei die Urkunde sicher. Veni, vidi, vici.

Bemerkenswert, so dachte Jonathan rückblickend, war dabei der innerliche Shift: etwas hatte sich gewandelt, eine Blockade sich gelöst, eine Haltung sich geändert. Motivation wurde nicht als äusserer Zuspruch erlebt, sondern als eigene, innere Entdeckung gefeiert.

Jahre danach dann Ähnliches in einem anderen Bereich: sehr spät und unabhängig von schulischer Vorbildung, entdeckte er die Literatur und die Philosophie für sich – so wie er schon Gitarrespielen sich angeeignet hatte: als Autodidakt und geniessender Dilletant.

Bis heute blieb jene Freude an der Sprache selbst, ohne dass diese eine Botschaft mit sich bringen musste – ja gerade belehrungsfreie Äusserungen hatten es ja in sich. Hier war die Kehre auch eine Abkehr von abgedrehter Esoterik jeglicher Coleur gewesen und vom Halbwissen aller Parapsychologien hin zur Liebe am Text an sich.

Weil aller guten Dinge aber drei sind, nicht nur im Bremer Recht oder im Dreisprung, so resümierte Jonathan, kam in jüngster Zeit, neben der Lust am Schreiben noch eine neue Leidenschaft hinzu, verbunden mit Musik und dem Spielen seines Instruments: die Lust, schrittweise („step by step and on we go …“) das Feld neu aufzurollen in der Wunderwelt der guten Songs.

Es verwunderte ihn, warum er dies erst so spät für sich entdeckte: das entziffernde, analytische Hinhören und dann das Nachspielen, Antizipieren … – Ahmung als Antrieb. Würde er vielleicht einmal eine gediegene Auswahl von Coversongs als Programm zum Vortrag bringen, als wär´s erlesenes Porzellan aus der Geschichtsvitrine für die Gäste?

2015 5 Sep.

In den Songwehen

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Es gab da eine Art Schlafstörung während der Schulzeit: wenn man des Abends etwas komponierte hatte, vorzugsweise auf der sechsseitigen Westerngitarre – mit Leo Kottke, Ralph Towner, Alex de Grassi, Klaus Weiland und John Martyn als Inspiratoren und gespielt wurde überwiegend im open tuning – dann feilte man so lange an dem Stück herum, bis es perfekt war, also bis zu 5 oder 6 Stunden. Wenn es dann sass, mit dem erhebenden Gefühl, etwas Neues in die Welt gesetzt zu haben, nicht ohne jene Genialität, die eine quasi astrale Verbindung zu genannten Impulsgebern mit sich brachte, hiess es langsam wieder runterzukommen, wie ein Boxer, der aus dem Ring steigt, leicht torkelnd nach gewonnenem Kampf, zwecks notwendiger Nachtruhe, endlich. Denn es drohte nachts um Zwei ja schon der nächste Schultag, schlimmstenfalls mit einer wichtigen Klausur im Anmarsch. Problem nur: an Schlaf war gar nicht zu denken und auch die flashbacks von gerauchtem Gras würden Konzentrationsmangel und Übermüdung nur dürftig kompensieren. Noch kurz vor Morgengrauen: wiederaufstehen, der erneute Griff zur Gitarre, um die Himmelfahrt mittels des neuerschaffenen Fingerpickingparcours erneut zu erleben. Diese Mischung aus Adrenalindosis und addiktiver Bindung an die Sphäre der Musik betraf damals nicht nur das Spielen, sondern auch das Hören, etwa wenn man eine heissersehnte neue Scheibe frisch erworben hatte, die dann mehrmals aufgelegt werden musste, during the nighttime. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass wegen dieser Nachtsitzungen jemals tagsdrauf ein Schulausfall die Folge war. Okay, die ersten ein, zwei Stunden schwänzen, das kam vor. Kameradschaftliche Leidensgenossen in dieser Sache hatte man: der witzige und frühbegabte Freejazzdrummer Andreas („Anna“) F. beispielsweise, kam mitten im Sommer erst zur dritten Stunde. Seine Entschuldigung: er sei in eine Schneewehe geraten. War nicht unsereins damals auch ständig in diesen Song-Wehen verfangen gewesen und ist es heute noch bisweilen?

2015 21 Aug.

What would you play?

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Imagine you were a musician being invited to work out and compile a program of – let´s say – fourteen cover titles, mainstream or far beyond that, corresponding to your personal biography. It´s more than just performing them, in addition giving a short presentation of each song: artist, composer, historical context, theoretical structure of that piece of music, … You are free to play the entire song or just a fragment of it – those „Fine Lines“ (John Martyn). Guitar professor Kurt Rosenwinkels recommendation to play standards – because each one has an aspect that one can learn and earn from – could also apply to many modern pop- and folksongs and their manifold hybrid crossings. You may tell a little story of your relationship to the song you´re going to play. You may sing, play your instrument like guitar or piano, you may dance, for a very few songs you may choose your favorite company like (haha!) Thomas Morgan on Bass, Brian Eno playing additional keyboards and Sebastian Rochford on drums.

 
Here is a possible list of mine (work in progress for a project …):
 

  1. James Taylor: „Let It All Fall Down“
  2. David Sylvian: „The Boy With The Gun“
  3. Milton Nascimento: „Don Quixote“
  4. Talking Heads/Peter Gabriel: „Listening Wind“
  5. The Eagles: „Hotel California“
  6. Joni Mitchell: „A Strange Boy“
  7. Steely Dan: „Peg“
  8. Walter Becker: „Upside Looking Down“
  9. Rebekka Bakken: „Everything Can Change“
  10. Robben Ford: „Peace Of Mind“
  11. Eric Clapton: „Layla“
  12. Pat Metheny: „So May It Secretly Begin“
  13. Rikkie Lee Jones: „Ugly Man“
  14. Bob Dylan/Sarah Jarosz: „Ring Them Bells“

 

2015 10 Juli

Siesta

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„The heat was hot and the ground was dry …“ (Amerika)

Erschöpft von der Hitze liess er sich auf die Matraze fallen und fischte wahllos ein Buch aus dem Stapel, das rechts neben dem Bett aufgetürmt war. Das Bücherregal hatte er leergeräumt, um es zu säubern, zu entstauben und an ihm jenen Ritus zu vollziehen, der seit ehedem das Sahnehäubchen der Veredelung von Möbelstücken war und gewisse Heilkraft besass: dem Überziehen von unbehandeltem Naturholz mit einer Leinölfirnis.

Der Duft dieses Öles glich jenem Duft der Zeit, den Philosoph Byung-Chul Han beschrieb in einem Buch, das zu dessen schönsten gehörte. Jener Geruch auch, den er wahrnahm, wenn er zu Studienzeiten die Arbeitsräume der Kunsthochschule betrat oder heute noch zuweilen beim Besuch von befreundeten Künstlern in ihren Ateliers.

Es war nicht der Akt des Malens – er selbst sah sein Scheitern als bildender Künstler auch darin begründet, dass er beim Fertigen einer Zeichnung oder eines Bildes nie zu einem befriedigenden Abschluss gekommen war, ganz anders als etwa beim Schreiben, Musizieren, Handwerken oder Wandern – sondern eben diese von Dammarharz und Leinöl getränkte Atmosphäre, die ihn selbst stets faszinierte und ihm ein Gefühl von Heimat gab.

Jetzt also plötzlich diese Temperaturen. Der Vorsatz, das Regal wieder einzuräumen, verflüchtigte sich wie eine Fata Morgana in der Wüste, verschwand vollends am Horizont. „Eigentlich sogar zu heiss, um zu lesen!“ ächzten seine Restgedanken bei vierzig Grad im Schatten. Es war dann ein Taschenbuch neueren Datums, das er aus dem Stapel fischte wie ein Mikadostäbchen.

Ein senkrecht, fast phallisch aufragender Kreuzschraubenzieher mit limettengrünem Griff („Erfrischung jetzt! Kühles Wasser mit Zitrone!“) auf schwarzem Grund zierte das Cover, kursiv darüber der Titel in den Farben hellblau, rot, gelb, orange und pink. Er erinnerte sich an dieses Gespräch mit S beim Morgenkaffee kurz vor Beginn des Seminartages und musste schmunzeln: S war als überzeugte Zeugin Jehovas zwar nicht frei von nervtötendem missionarischem Eifer gewesen, dafür aber erstaunlich sympathisch und witzig.

Hinzu kam, sie hörte Lieder von Peter Gabriel und von einer Band, die namenlose Pferde besang und sich nach einem Kontinent benannt hatte. „Haha, also nicht ich glaube, sondern ich schraube …?“, lachte sie. Ja, genau das war der Titels jenes Buches, von dem er damals schwärmte und das er jetzt in seinen Händen hielt.

Er schlug, wiederum nach dem Mikadoprinzip, wahllos eine Seite auf, begann zu lesen und war sofort drin. „Das ist es!“ dachten Rest- und Randgedanken zu dem Phänomen, dass etwas plötzlich interessant wird. Man liest, hört oder sieht etwas und weiss sofort, dass es gut ist (bei Filmen etwa reichte ihm eine kurze Anfangssequenz). Der Autor Matthew Crawford machte glaubhaft, zu wissen, wovon er schrieb: vom Zusammenhang geistiger Höhenkletterei mit der Notwendigkeit handwerklichen Verständnisses und Geschickes.

Wohlig liess er sich in die Lektüre fallen. „Ist nicht ein leinölbehandeltes, selbst gebautes Buchregal, wenn es denn erst wieder bestückt ist, das perfekte Bild für die Einheit von Bildung und Handwerk?“ Wieder so ein Randgedanke, der in der Mittagshitze schwirrte.
 
 
 

 

2015 26 Mai

Das Jazzgeheimnis

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Was ist der Sinn des Lebens? Wo sind meine Haustürschlüssel? Was heißt Denken? … Zu den relevanten Fragen jenseits des höheren Blödsinns und diesseits intakter Synapsen könnte sich auch folgende gesellen: „Warum höre ich überhaupt Jazz?“ Oft versteht man nämlich nicht, was genau dort vor sich geht und gespielt wird – zumindest die experimentellen Formen betreffend, bleibt es stellenweise undurchsichtig. Man würde gerne so manchen Jazzer fragen: Was sind die Tricks? Wo ist der letzte Grund in diesem sonderbaren Sansibar? Ist das jetzt noch notiert oder schon improvisiert? Hierzu ein Rückblick: An jenem Tag, als Abbey Road erscheint, wird irgendwo in Norddeutschland ein Elfjähriger nach zweimonatigem Krankenhausaufenthalt (geschienter Schiffbruch) aus der Klinik entlassen. Auf dem Rückweg in familiäre Gefilde kauft er diese heissbegehrte Scheibe. Sie euphorisiert ihn völlig und er betrachtet fortan vier Pilzköpfe, die einen Zebrastreifen überqueren, als sein Alter Ego, wenn nicht gar Höheres Selbst. Ein Nachbar tritt tagsdrauf an den Gartenzaun heran, Pfeife rauchend und vollbärtig: „Was hörst du so für Musik?“ „Die Beatles!“ ist die aus stolzer Brust tönende Antwort. „Charlie Parker musst du hören!“ Das holt den Kleinen wieder auf den Teppich. Der Name sagt dem Jungen nichts, dennoch: er merkt ihn sich. Drei Jahre später bekommt er, inzwischen Mitglied einer Rockband, vom Schlagzeuger zum Geburtstag ein Album geschenkt: „Hier haste mal was Ordentliches!“ Die Rückseite des Covers zeigt einen auf dem Hotelbettrand sitzenden schwarzen Musiker, der rehäugig schüchtern an der Kamera vorbei ins Leere blickt, auch dies ein Alter Ego. Nefertiti von Miles Davis ist fortan Kult in seiner schmalen Sammlung – allein: die Musik bleibt fremd und unzugänglich. Jetzt, Jahrzehnte später, lichtet sich das Dickicht, vieles ist vertraut und lässt sich kategorisieren. Insbesondere eine Antwort wurde gefunden auf die Frage, warum der „Jazz“ bevorzugt wird, besonders in seiner explorativen, weniger traditionellen Form: es ist auch eine Befreiungskur; ein Gegenpol zu jenen Songwelten, die mehr das einfache Gefühl, den niederen Instinkt ansprechen. Man gönnt sich gerne auch mal Grönemeyer, denn im Verbund mit Coleman, Berne und Artgenossen lässt sogar „Bochum“ sich ertragen.

2015 25 März

Aladins Wunderamp

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Es war die Zeit vor dem Internet. Aladin pilgerte stets zu den Informationsquellen hin, denn sie kamen in der Regel nicht zu ihm ins Haus. Gerne hörte er auch Radio, da war die Welt am Draht, im Äther. Oftmals freute er sich schon auf einen vielversprechenden Sendetermin, lange im Vorraus. Er entwickelte Rituale, die gaben dem Tag Struktur, denn oftmals herrschte Langeweile. Es begann mit ausgedehntem Frühstück, hernach auf der Konzertgitarre einen Rhythmus finden, etwas Magisches, das weitertrug: zur Arbeit hin, in die Bibliothek, zu Freunden auch, in die Natur und in die Stadt. Anstatt zu gehen, pflügte man den Asphalt durch und flog. Am Bahnhof lockten Zeitschriften mit visuellen und geistigen Sinnesfreuden. Aladin kaufte die Lettre International, stöberte in Feuilletons herum – besonders aber interessierten ihn die Hifi-Zeitschriften, genau gesagt: die Plattenkritiken und Neuerscheinungen. Eines dieser Journale brachte es auf den Punkt, bewertete jeweils nach Musik und Klang.

Daran muss Aladin jetzt denken, wenn er seinen neuen Kopfhörerverstärker geniesst. Eine neue Lust am Klangbild. Der Mensch lebt vom Kontrast. Man kennt das noch aus früheren Tagen: jedes neue Hifiteil ein Schritt nach vorne – jede Revolution in der Kette fortschreitender Hörerfahrungen setzt im Nu den Wunsch frei, die ganze Plattensammlung durchzuforsten, denn alles klingt jetzt so viel besser. Das war auch so beim ersten Mofa, ersten Auto, ersten Crossbike: ein paar Extrarunden drehen, wie im Rausch. Den Headfone-Amp, den nennt er Epikur. Das steht für Lustgewinn und für Genuss. Im Manipura-Chakra knistert Feuer, im Muladhara-Chakra brummt der Bass. Intensiv das Beste hören, konzentriert, besonnen. An die Musik Fragen richtend. Und richtig: Sphinx, der zweite Name dieses Wunderamps. Das Rätselhafte. Und wie heissen die Wunderteile, die er hört? Sie heissen Gefion, Bird Calls, Lathe of Heaven; sie heissen Double Windsor, Break Stuff und Imaginary Cities.

2015 14 März

personal songbook (14.3.16)

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POP CLASSICS

  • „Little Wing“ – The Corrs
  • „Layla“ – Eric Clapton (Unplugged)
  • „Stairway To Heaven“ – Led Zeppelin
  • „Hotel California“ – The Eagles

LATIN

  • „Roma“ – Vicente Amigo
  • „La Concha (Decimas del Folklore Venezolano)“ – trad. / Violetta Para
  • „De Cara A La Pared“ – Lhasa de Sela
  • „Don Quixote“ – Milton Nascimento

SERIAL SOUNDTRACKS

JOHN MARTYN

  • „The Man in the Station“

JONI MITCHELL

  • „Cherokee Louise“
  • „A Strange Boy“

JAMES TAYLOR

LADIES OF THE CANCION

  • „Taxi Ride“ – Tori Amos
  • „Sunrise, Sunrise“ – Norah Jones
  • „Luka“ – Suzanne Vega

THE DISCO TIMES

  • „Ain´t Nobody“ – Chaka Khan
  • „Boys of Summer“ – Don Henley
  • „Sexual Healing“ – Marvin Gaye
  • „Sign o the Times“ – Prince

STEELY DAN

  • „Upside Looking Down“ (Walter Becker)
  • „Peg“
  • „Haitian Divorce“

THE BEATLES

  • „Penny Lane“
  • „She Came In Throuht The Bathroom Window“
  • „Come Together“
  • „A Day In Life“

ALANIS MORISETTE

BRILLIANT COVERVERSIONS

STANDARDS

  • „Fly Me To The Moon“
  • „You Don´t Know What Love Is“

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