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2015 4 Sep.
Von Leopard zu Leopard zu Leopard
Jan Reetze | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 1 Comment
2015 20 Aug.
Elektronik 1966
Jan Reetze | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Gershon Kingsley, Harald Zuschrader, Hubert Bognermayr, Jean-Jacques Perrey, Ondioline | 2 Comments
In diesem Video (ich hoffe, es ist nicht geblockt) führen Jean-Jacques Perrey und Gershon Kingsley in der U.S.-Gameshow „I’ve Got A Secret“ von 1966 ein Ondioline vor. Es wird gezeigt, wie wunderschön das Instrument andere Instrumente imitieren kann – als ob das jemals der Sinn elektronischer Musikinstrumente gewesen wäre. Aber anscheinend war es nicht möglich, solche Instrumente zu popularisieren, ohne sie als eine Art Jahrmarktssensation darzustellen.
Das erinnert mich an eine Ausgabe von Joachim Fuchsbergers TV-Spielshow „Auf Los geht’s los“, wohl um 1982, in der Hubert Bognermayr und Harald Zuschrader ihren Fairlight CMI-Sampler vorführen mussten. Das lief auf derselben Schiene: Dem Publikum wurde erzählt, dieses Gerät könne mit allen Klängen der Welt Musik machen, und die Leute sollten entscheiden, ob das wahr oder gelogen sei. Irgendein Zuschauer klapperte dann mit seinem Schlüsselbund ins hingehaltene Mikrofon, und der Fairlight spielte ein Weihnachtslied mit dem Klang. Sensation, Sensation!
2015 31 Juli
Hello, I am Erik
Jan Reetze | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Biografien, Erik Spiekermann, Typographie | 3 Comments

Das tageslichtleuchtende Brüllorange, in dem dieses Werk daherkommt, wird auf dem Foto nur unvollständig deutlich. Und diese Farbe setzt sich drinnen fort, nicht nur als gelegentlicher Seitenhintergrund, sondern manchmal sogar als Textfarbe. Die in den Buchdeckel eingestanzten Löcher geben drei der insgesamt 35 Portraitfotos auf dem Schmutztitel frei.
Na gut, kann man so machen. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das Resultat nun eine besonders originelle Buchgestaltung ist oder eine echte Designkatastrophe. Tut mir leid, das muss jeder für sich entscheiden. Aber mit so etwas muss man wohl rechnen, wenn man es mit Erik Spiekermann zu tun hat.
Er wird es nicht besonders originell finden, als Designguru bezeichnet zu werden, aber dass Erik Spiekermann einer der wichtigsten Schriftgestalter und Designer der Gegenwart ist, wird man nicht bestreiten können. Mit seinem Werk ist jeder, der mit halbwegs offenen Augen durch die Gegend läuft, schon in Berührung gekommen. Er hat etliche Bücher des Rotbuch-Verlages grafisch und typografisch gestaltet, er hat Schriftdesigns für die Deutsche Bahn entworfen, für die Telekom, für das Informationssystem der Berliner Verkehrsbetriebe nach der Wiedervereinigung, für den WDR, für Bosch, für Audi, für VW und für den Düsseldorfer Flughafen, von ihm stammt das Corporate Design der City of Glasgow — und hunderte kleinerer Arbeiten, denen jeder mal begegnet ist. Mit ein bisschen Übung kann man seinen Stil sogar erkennen.
Oft wird die Typographie eines Buches, einer Zeitung oder einer Website gar nicht wahrgenommen. Wie anders ist es zu erklären, dass wir permanent mit der Helvetica (oder ihrem Microsoft-Klon Arial) oder der Times New Roman zugetextet werden, als gäbe es keine anderen Schriften auf der Welt. Wobei ich gegen diese gar nichts habe, sie sind nur schon längst so abgenudelt, dass keine Überlegung mehr hinter ihrer Nutzung zu stecken scheint. In den USA werden inzwischen selbst die Namen auf Grabsteinen in der Times New Roman eingraviert; wahrscheinlich einfach deshalb, weil sie standardmäßig auf jedem Computer vorhanden ist.
Ich habe seltsamerweise schon als Kind einen Blick für Schriften gehabt, ohne dass mir das damals bewusst war. Eines meiner frühen Lieblingsbücher, Michael Endes „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ von 1960 war für mich nicht nur die Geschichte selbst, es war (und ist bis heute) auch die Palatino, aus der es gesetzt ist. Auch die grüne Ausgabe des „Herrn der Ringe“ ist für mich untrennbar mit dieser Schrift verbunden; die andere Schrifttype der englischen Ausgabe (irgendeine etwas schmal geratene Times-Variante) verändert für mich die inhaltliche Färbung der Geschichte mindestens so stark wie die Sprache selbst. Die Musik der Gruppe Kraftwerk wird für mich immer gekoppelt bleiben mit der guten alten Futura — sie hätten für ihre „Mensch-Maschine“- und „TEE“-Covers keine bessere finden können. Typographie bestimmt den Sound eines Buches oder überhaupt aller beschrifteten Objekte und beeinflusst dadurch auch den Inhalt selbst. Mein erster Blick gilt meist den Buchstaben W, R, a und g, dazu auch den Ziffern 1, 2 und 5. Sie tragen die Substanz einer Schrift in sich. Immer fand ich, dass das „g“ im Logo der Süddeutschen Zeitung irgendwie verkümmert wirkt. Ein Roman, gesetzt aus der Bodoni, ist für mich eine Geschichte; derselbe Roman, gesetzt aus der Garamond, klingt für mich anders, er ist nicht dieselbe Geschichte. Es war und ist für mich ein Rätsel, weshalb so viele Autoren und Verlage offenkundig überhaupt keinen Gedanken daran verschwenden, für den Text, den sie veröffentlichen wollen, die richtige Schrifttype zu finden.
Klar, dass mich jemand wie Erik Spiekermann interessiert. Gerade auch, weil er nicht nur sein Handwerk versteht, sondern auch ein recht meinungsstarker Typ ist. Johannes Erler, der diese Biographie verfasst hat, lässt Spiekermann selbst, aber auch viele seiner Wegbegleiter und Mitarbeiter zu Wort kommen, darunter Neville Brody, Christoph Niemann oder Stefan Sagmeister. Das Buch ist eine Collage aus Interviews, kurzen Essays, Fotos — und natürlich jeder Menge Schriften und dem Prozess ihrer Gestaltung. Manchmal geht es um Millimeterbruchteile, die den Charakter einer Schrift verändern können, und das sieht man hier.
„Hello, I am Erik“ verwendet übrigens nur eine einzige Schrifttype, „Real“ genannt. Diese allerdings in etlichen Varianten. Das Buch ist deutsch und englisch in identischer Aufmachung zu bekommen; am Ende findet sich ein Code, mit dem man einen kompletten Fontsatz von Erik Spiekermann downloaden kann.
Johannes Erler:
Hello, I am Erik — Erik Spiekermann: Typographer, Designer, Entrepreneur
Verlag die gestalten, Berlin 2014
ISBN 978-3-89955-519-6
2015 21 Juli
A Girl walks home alone at Night
Jan Reetze | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 1 Comment

Ein schöner Film, eigentlich. Gute Grundidee – Vampirin im Tschador als eine Art Racheengel. Optisch exquisit gelöst – schwarzweiße Videoästhetik der späten siebziger Jahre mit ihren Lichtschlieren und Verwischungen. Fast alle Bewegungen in einer Art Zeitlupe, die aber inszeniert ist, die Schauspieler bewegen sich wirklich so. Die überwiegend elektronische Musik schafft eine düstere, lähmende Atmosphäre. Es passt wunderbar.
Der Film zeigt, wieviel unausgeschöpftes Potenzial in dem scheinbar so ausgelutschten Vampirfilmgenre immer noch steckt. Leider weiß der Film dann aber nach ungefähr einer Dreiviertelstunde selbst nicht mehr so recht, wohin er will und wie er seine Geschichte zu Ende bringen soll. Er verliert sich in einer gewollten Rätselhaftigkeit, die zusehends aufgesetzt wirkt.
Trotzdem sehenswert. Eigentlich.
2015 18 Juli
Janis Joplin’s original Porsche
Jan Reetze | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Janis Joplin | 2 Comments

Muzak Holdings existed since 1934. Since its crash in 2011 it’s now part of Mood Media Corporation in Austin, TX. This company delivered non-stop background music, compiled individually for the respective place. The term „Muzak“ became a sort of genre labeling itself.
I found this wonderful old volume controller two weeks ago in the rooms of a photo studio which is located on the 2nd floor of Macy’s, Downtown Pittsburgh.
Two days ago, after years of thinking, planning and rethinking how to downsize the overdimensioned building, Macy’s finally announced they will give up this location completely. The 13-floor building with all its tradition will now be used for apartments and a hotel. Next week the clearance sale will start.
This historic elevator music artifact will be lost forever then.
2015 25 Juni
Terry Riley zum Achtzigsten
Jan Reetze | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Terry Riley | 2 Comments
Das Video zeigt Riley bei einem seiner oft stundenlangen improvisierten Gratiskonzerte.
Leider habe ich ihn selbst nie kennengelernt oder ein Konzert von ihm erlebt. Meine erste Begegnung mit seiner Musik (und damit dem, was dann unter dem Begriff „Minimal Music“ zusammengefasst werden sollte, aber das wusste ich damals noch nicht), fand im Hamburger „Michel“, der St.-Michaelis-Kirche in der Innenstadt, irgendwann in den Spätsiebzigern statt. Ich weiß heute nicht mehr, was mich damals eigentlich dort hingebracht hat, aber es wurde ein Nachmittag, der mir bis heute in Erinnerung geblieben ist.
Der Michel verfügt über zwei Orgeln, eine große im rückwärtigen Hauptschiff und eine etwas kleinere links im Seitenschiff. Beide Orgeln waren im Einsatz und spielten zusammen ein Stück, das scheinbar endlos wie ein Bach vor sich hin floss. Die kleinere der beiden Orgeln lieferte einen harmonischen und rhythmischen Teppich, die größere nutzte diesen als eine Art Trampolin mit immer neuen und immer wieder variierten Einwürfen. Ich hätte stundenlang zuhören können, und so ging es wohl den anderen, leider recht wenigen, Zuhörern auch. Vielleicht war es nicht mal ein Konzert, vielleicht war es nur eine Probe.
Ich habe erst später herausgefunden, dass dies eine Improvisation über Terry Rileys A Rainbow In Curved Air gewesen ist. Ich höre die Platte nicht oft, aber irgendwie ist sie über die Jahrzehnte doch immer dagewesen. Und wenn’s nicht die ist, dann ist es Sunrise Of The Planetary Dream Collector, gespielt vom Kronos Quartet.
Auf die nächsten Achtzig!






