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Archives: Texas

magnificent understanding and presentation of the musical structure
wonderful rhythmic precision and intuition for timing
crystal clear transparency in voice leading
unpretentious, though ardent playing

 

I would not understand the world if this incredible talent did NOT graduate into the class of the very best pianists of all time.

 

 

 

 

Listening to Lim’s performances is a festival for the many aficionados of the music of Couperin, Bach, Mozart, Beethoven, Liszt, Chopin, Scriabin and Rachmaninov who write for this blog and stop in as readers and, of course, for lovers of heavenly piano playing. I welcome the fact that Russian (and Belarusian) artists are NOT excluded from participation in the Van Cliburn Competition 2022.

 

Consider the history of the Cliburn Competition. In 1958 Van Cliburn was the winner of the First International Tchaikovsky Competition, Moscow. At the height of the Cold War this was a sensation and there were those who saw it as a factor in easing tensions between the West and the Soviet Union. Since 1962 the Van Cliburn International Piano Competition has been held every four years in Fort Worth, Texas in his honour. A friend of mine (Benedikt Koehlen) was a participant in the Second Van Cliburn Competition in 1966. He got the 6th prize. The 1966 Gold Medal winner was Radu Lupu, who passed away in April this year. The 5th prize was dedicated to Rudolf Buchbinder at that time. I find it strange that the Cliburn Competition has dismissed extremely few Award Winners of world fame. Lupu & Buchbinder are almost the only ones.

„Daß das, was die Menschen vereint, wesenhafter ist als die von den engherzig machtgierigen, ein Blutbad nicht scheuenden Politikern aufgebauten Trennungsmauern, hatte der junge Amerikaner aus Texas schon in Moskau bei der Wiedergabe von Tschaikowskis b-moll-Konzert, der russischsten aller russischen Musik, bewiesen. […] In Riga stand man von 2 Uhr nachts an Schlange, um eine Konzertkarte zu erobern. ‚Dieser Künstler enthebt uns des Elends, bringt uns Licht und Freiheit‘, meldete ein Brief aus meiner Heimatstadt.“

(aus Zenta Mauriņa, Ein Botschafter guten Willens – Van Cliburn)

 

On 19 April 2022, World Federation of International Music Competitions decided with an overwhelming majority of member votes to exclude the International Tchaikovsky Competition from its membership with immediate effect due to „Russia´s brutal war and humanitarian atrocities in Ukraine“.

Until now a sentence like the following (to reduce contradictions in world history) was not to be found for me in the WWW:

On 19 April 2003, World Federation of International Music Competitions decided with an overwhelming majority of member votes, to exclude the International Cliburn Competition from its membership with immediate effect due to „US America’s brutal war in Iraq launched without an explicit mandate from the UN Security Council“.

One should not repay similar with similar.

 

 

DLF
Der Van Cliburn Klavierwettbewerb – Ein Ultramarathon des Virtuosen

In der Süddeutschen Zeitung wurde bis dato nicht vom International Van Cliburn Piano Competition 2022 berichtet. Naja, die Süddeutsche ist schließlich nur ein oberbayrisches Regionalblatt (meinte einst Obama).

 


GOLD MEDAL
Yunchan Lim – South Korea

SILVER MEDAL
Anna Geniushene – Russia

BRONZE MEDAL
Dmytro Choni – Ukraine

 
Where the 6 finalists came from:
2 Russia / 1 Ukraine / 1 Belarus / 1 USA / 1 South Korea

 

Filme spiegeln gesellschaftliche und politische Gegebenheiten der Nation wider, das ist eine spannende Sache. 1981 war das Jahr, in dem sich die Gesellschaft spaltete in DALLAS-Fans und hoffnungslos geschmacksverirrte Anhänger von DENVER – CLAN. Deutschland war begeisterter Konsument.

 

Die Serie – Mutter aller amerikanischen Seifenopern – beschwor Gründerzeit-Mythen und amerikanischen Pioniergeist herauf, eine Orgie an Anachronismus. Im Zentrum stand der Ölmulti und texanische Haudegen Jock Ewing, ein John-Wayne-Klon wie frisch vom Planwagen heruntergestiegen, der seine Probleme auch gelegentlich mit einem Faustschlag löste und sich auch nicht scheute, seinen beiden erwachsenen Söhnen – in das Good Cop-Bad-Cop-Schema gut einzuordnen – im Krisenfall eine zu semmeln. Der alte Westmann stirbt nicht.

 

Seine etwas geistesschlichte aber gutherzige Frau – hier mit abgeschnittenem Unterleib – hielt ihm den Rücken frei. Die Familie – mit dem Zusammenhalt eines arabischen Clans – ist hier ein unentrinnbarer Fetisch, ihre Kohäsionskräfte sind gewaltig. Man wohnt zusammen auf der Southfork-Ranch, gut zugänglich und ohne Bodyguards – Amerikaner tun Amerikanern nichts, wer wird denn da an Kidnapping denken? Man trifft sich täglich zu den Mahlzeiten. Die Schwiegertöchter ziehen problemlos mit dazu.

 

Die Herren konsumieren dabei Whisky, tragen ständig Stetsons, als müssten sie der sengenden Präriesonne und dem Staub von Pferdehufen trotzen – das Ganze auch in ihren vollklimatisierten Büros, wobei vom intriganten JR dort auch reichlich Staub aufgewirbelt wird. Die Damen sind ehrenamtlich tätig oder arbeiten in der Modebranche, wenn sie überhaupt irgend etwas tun. Es werden ausschliesslich Söhne geboren, adoptiert oder untergeschoben, Töchter können keine Ölkonzerne leiten, sieht man ein. Und andere Versatzstücke des Western-Genres feiern fröhliche Urständ, es werden dauernd Rinder eingefangen, Barbecues veranstaltet, Squaredance getanzt …

 

So kleben die Familienmitglieder am Familienmagneten wie Eisenfeilspäne, können sich nur in der 2. Dimension verschieben, aber nicht in den dreidimensionalen Raum flüchten. Wie sieht das aus?

 
 

 
 

Su Ellen betrinkt sich aus Kummer wegen ihres ständig fremdgehenden Mannes, geht selbst ständig fremd, trennt sich und versöhnt sich und ist nach der Scheidung dauerhaft damit beschäftigt sich zu rächen und einen Film über Ihre Ehe zu drehen – etwa das Gegenteil einer sauberen Trennung. Dann verliebt sie sich in den Mann der später Jocks Witwe heiraten wird, ist aber dann doch mit dessen Sohn zusammen. Su Ellens Schwester macht sich einstweilen an JR heran. JR spannt seinem Erzrivalen Cliff Barnes die Freundin aus, später dann umgekehrt. Pams Schwester ist in deren Mann Bobby den Biederen verliebt und fährt ihn letal über den Haufen. Pam verlobt sich mit einem Mann, mit einem Kinn wie ein Vorschlaghammer, plötzlich steht aber Bobby unter der Dusche und alles war nur ein Traum; ein Twist, der das Publikum seinerzeit zutiefst aufrührte. Die zwischenzeitliche Liebe Bobbys heiratet dann seinen Halbbruder, mit dem Miss Ellies Enkelin aber vorher im Heu war. JRs zweite Frau Cally bekommt einen Sohn, der aber vermutlich von JRs inzwischen erwachsenem Sohn aus der Ehe mit Suellen stammt, wobei die Vaterschaft auch hier nicht gewiss ist. Usw …

 

Blickt jemand durch? Macht nichts, ich hab auch lange gebraucht … Das Ganze ähnelt jedenfalls eher einer Reise nach Jerusalem, mit einem paar Stühlen zuviel. Eine Nation versammelte sich am Lagerfeuer, rückte eng zusammen und erzählte sich die alten Geschichten.

 

Das Jahr 1979 – Serienbeginn – war ein Jahr der Umbrüche für die Staaten. Der schmählich verlorene Vietnamkrieg. Der Sturz des Schahs und die Inthronisierung Chomeinis und seines Antiamerikanismus. Revolution in Nicaragua. Der Einmarsch der Sowjets nach Afghanistan. Der GAU in Harrisburg. Die Hippie-Zeit und die sexuelle Libertinage – die Jugend begann Fliehkräfte zu entwickeln. Abtreibungsdiskussionen, Frauenbewegung, Friedensbewegung. Deutsche Ostpolitik. Der nicht enden wollende kalte Krieg

 

Da tut es gut, auf schamanistische Weise die Ahnen zu beschwören und deren Heilkraft anzurufen – ein amerikanisches Ritual, das sich heute noch in vielen dort entwickelten Therapiemethoden findet, die auf die Wirkung möglichst intensiver Gefühlswallungen setzen, als wäre die Neurose ein Teufel der nur mit Geschrei ausgetrieben werden muss.

 

Und was mochten WIR daran?

 

Als erstes den Fiesling JR, wenn er seine Intrigen spann und seine Meckerlache ausstiess, oder bei einem Misslingen so bedröppelt dreinschaute, dass er einem gleich wieder leid tat. Wir beäugten ihn wie einen Lausbuben mit etwas grenzwertigen Streichen, er machte die reale Welt der Ölkonzerne und ihrer realen Schweinereinen so nett und überschaubar, wenn man alles auf seine Ränkespiele mit Cliff Barnes eindampfte. So schlimm ists denn doch nicht auf der Welt …

 

Und da wären wir wieder bei den deutschen Feuerzangenbowlenlausebengeln und den Drei-von-der-Tankstelle-Kaspereien. Die Regression des Mannes auf den Pennälerstatus ist ein guter Tranquilizer gegen Schuldgefühle und vollbrachte Grausamkeit. Das funktionierte im deutschen Nachkriegskino ebenso gut wie bei American-Angst-Filmen wie diesem. Und diesem texanischen Hans Pfeiffer mit drei F, eins vorm Ei, zwei hinterm Ei.

 

 

Der erste Entwurf für den Film Paris, Texas basierte auf einer Sammlung unzusammenhängender Prosatexte von Sam Shepard, Motel Chronicles, 1982 erschienen. Die Storys, manchmal nur Skizzen, sind in einem Westen der USA angesiedelt, der nach schrankenloser Selbstbestimmung schreit. Was sich beim Lesen überträgt, ist das, was die Protagonisten am dringendsten zum Überleben brauchen: Instinkt und ein Gespür für Magie. Der erste Text wirkt wie eine autobiographische Erinnerung. Der Icherzähler ist als Kind in einer Winternacht in South Dakota mit seinen Eltern in deren Plymouth unterwegs. Sie halten an einer Stelle in der Prärie, in der es nichts andere gibt als ein paar riesige Dinosaurier aus Gips, die von unten angestrahlt werden. Die Mutter summt eine Melodie, die Augen der Dinosaurier bestehen aus kleinen blauen Lämpchen. Seine Umarbeitung des Shephard-Buches zu einem Drehbuch hat Wim Wenders verworfen. Ein Element des ersten Textes aus der Motel Chronicles-Sammlung taucht jedoch in Paris, Texas auf, in Minute 119. Der siebenjährige Hunter hat in einer Telefonzelle eine wichtige Lektion von seinem Vater gelernt. Wenn man nicht mehr weiß, was man sagen soll, und wenn´s brenzlig wird, hängt man den Hörer auf. Eben noch befanden wir uns in der Abenddämmerung an einer Raststätte, alle Parkplätze waren besetzt. Nach dem kurzen Telefonat ist der Himmel tiefschwarz. Alle Autos sind verschwunden. Am Horizont steht neben einem roten Totempfahl (Rot ist die Leitfarbe des Films) ein Dinosaurier, der ein bisschen blass geraten ist. Wir betreten jetzt eine Welt, in der ein Kontakt zur Urzeit möglich ist.

 


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