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on life, music etc beyond mainstream

2023 25 Okt

Always look at the bright side …

von: Ursula Mayr Filed under: Blog | TB | 28 Comments

 
 

Barbie ist bereits streambar – also gestern pflichtschuldigst reingeguckt, während der Rest der Familie bei Erwähnung des Titels vorsorglich in alle Richtungen der Windrose auseinanderstob.

Man kann dem Film viel vorwerfen – das eine ist die schlechte Aussteuerung zwischen Ton und pushender Filmmusik – aber blöd ist er nicht. Er ist allerdings auch nicht überbordend intelligent; was besticht, ist seine spielerische Leichtigkeit, mit der er fröhlich die Genres und ihre Versatzstücke durcheinanderquirlt: Ein bisschen Teletubbies, ein bisschen Hollywood-Sentiment, ein bisschen Disney-Pädagogikschwurbel, etwas Schöne Neue Welt, ein Schuss Thelma und Louise sowie eine Prise BRIGITTE-Beratungstante, die mittels oft gehörter Platitüden erklärt, wie man ein geglücktes Frauenleben hinbekommt und dass es im Leben nicht nur um Schönheit geht. Meistens bekommt man dergleichen von Leuten gepredigt, die selbst auch nach einer durchzechten Nacht noch hinreissend aussehen und als einzige Schönheitspflege klares Wasser und viel Schlaf brauchen oder das zumindest behaupten. Wieviele Chirurgen sich an ihnen die Skalpelle stumpfgesäbelt haben, erfährt man ja nicht.

So auch hier.

Diese Mixtur verhindert schon Langeweile, wobei sich einige Szenerien und Musiknummern schon in die Länge ziehen in der Hoffnung, dass jetzt auch der Letzte die message kapiert hat.

Es beginnt recht vielversprechend mit einem Zitat aus 2001 – Odyssee im Weltraum, unter den Klängen der Zarathustra-Fanfare, die auch später noch oft bemüht wird, entsteigt Barbie schaumgeboren dem Nirgendwo, während kleine Mädchen ihre langweiligen Babypuppen an Felsen zerschmettern wie weiland die Affen die in Kubricks Epos mit Knochen herumhauen. Das hat was; hier ist zumindest eine Cineastin am Werk die ihre Hausaufgaben gemacht hat. Leider hält der Film diese erfreuliche Ebene nicht lange durch.

Barbie lebt also mit anderen Barbies in einer Art rosafarbenem Legoland, in dem das Matriarchat herrscht und alle permanent Spass haben, auch die Kens, auf eine Buddy-Funktion reduziert und von führenden Ämtern natürlich ausgeschlossen wie sich das im Matriarchat so gehört.

Barbieland ist infantil-narzisstisch strukturiert und frei von oralen, analen und sexuellen Trieben, Püppchen brauchen nichts zu essen und haben keine Genitalien, da fallen schon Konfliktpotentiale weg. Wozu dann ein „Oberster Gerichtshof “ benötigt wird, erschliesst sich nicht so ganz, schliesslich passiert ja nie was.

Der Rest ist rasch erzählt: Die Realität des Menschseins erreicht Barbieland so, wie das Nichts in der unendlichen Geschichte das Land Phantasien bedroht, und Barbie sieht sich gezwungen in die Welt der Menschen zu reisen und ihre frühere Besitzerin zu finden – hier ist es besser sich nicht mit logischen Erwägungen aufzuhalten; das ist genauso müssig wie nachvollziehen zu wollen, warum der Terminator in die Vergangenheit reisen muss, um jemand umzubringen – um zu verhindern, dass dieser bzw diese nachher einen anderen Jemand zeugt oder zur Welt bringt, der sodann in der Zukunft … äh … dings … wurscht! Jedenfalls ist diese Reise halt bitter notwendig. Permanente Hinterfragerei stört den Filmgenuss, hab ich mir schon lang abgewöhnt …!

Also sie reist halt in die Menschenwelt mit Ken, der sich noch in ihren Kofferraum geschmuggelt hat. Dort herrscht natürlich das entfesselte Patriarchat, was wiederum Ken gut gefällt, der sofort zurück nach Barbieland reist, um mit den anderen Kens dort ein solches zu etablieren. Mann entwickelt also Testosteron und die Barbielandbarbies werden einer Gehirnwäsche unterzogen – dieses Motiv wurde wiederum aus The Stepford Wives geklaut – und ertragen das brav. Zum Ende wird Barbie zurückkehren und die alten Verhältnisse wieder herstellen, selbst aber lieber in der Welt der Menschen leben wollen, wo es so etwas wie Gefühle, Beziehungen und einen Körper gibt und die Kens begeben sich auf die Suche nach ihrer eigentlichen Identität und Aufgabe und wollen nicht länger ausschliesslich in Konjunktion mit Barbie ihre Existenzberechtigung finden. Emannzipation.

Greta Gerwig war bisher bekannt für Coming-of-age-Filme, hier hätte sie noch ein Betätigungsfeld gehabt, leider erfährt man nichts mehr darüber wie sich die Kerle entwickelt haben.Und leider kann sich der Film nicht so ganz entschliessen, was er sein möchte:

Natürlich erstmal die Cashcow von Mattel – der Konzern ist Coproduzent, karikiert sich selbst und seine CEOs recht witzig im plot (entlang der Darstellungsweise der modern world in Tati’s Playtime ); der Aktienkurs ist zumindest seit dem Rollout des Films und des ganzen Merchandisings um ca 20% angestiegen. Es gibt übrigens jetzt auch Quoten-Barbies zu erwerben: Eine Schwarze, eine im Rollstuhl und eine Curvy-Barbie mit Konfektionsgrösse 36 anstatt wie sonst 34. Wenn das mal kein Fortschritt ist …

Im Film gibts noch ne ganz Dicke und die „komische Barbie“, eine Art Schamanin, die in einer Örtlichkeit wohn, die Böcklins Toteninsel ähnelt, auch ein netter sidekick. Selbst die sehen auch noch im Rahmen ihrer Möglichkeiten gut aus, by the way.

Sentimentale Filme haben oft wohltuende ironische Brechungen. Barbie ist ein ironischer Film mit sentimentalen Brechungen, die man sich hätte ersparen können, dann wäre der Film um einiges pfiffiger:

 

Barbie zu einer alten Dame auf der Parkbank: Sie sind wunderschön!

Die alte Dame entgegnet gerührt: Ich weiss!  Man entdeckt wahre menschliche Schönheit.

(Schluchz!)

 

Oft gestellte Frage: Ist Barbie feministisch?

Einfache Antwort: Ein Film in dem alle Frauen auch nach dem Abschminken immer noch phantastisch aussehen, ist schon per se nicht feministisch. Ein Film, in dem auf Teufelin komm raus ständig über Schönheit gequatscht werden muss, auch nicht.

Der im Film dargestellte Feminismus ist ein Barbiefeminismus: „Du kannst werden was Du willst!“, als neuer Schlachtruf, als gäbe es keine äusseren und inneren Begrenzungen in der Realität. Das glitzert auch bei wohlwollendster Betrachtung doch etwas arg rosa.

Am Ende folgt Barbie den Spuren des Wilden aus Brave New World, der in einer permanent narkotisierten Umwelt ein menschliches Leben mit echten Gefühlen und einem echten Körper anstrebt. Mit dem Unterschied dass der Wilde sich erhängt und Barbie zum Gynäkologen will. Was immer der dann auch tun soll …

Der Film lebt vom Wortwitz, Situationskomik und einer Hauptdarstellerin mit hinreichend Talent zum Komischen, über weite Strecken trägt sie den Film allein neben einem etwas schaumgebremst wirkenden Ryan Gosling, für den Komödien ab einem gewissen Winkel an Schrägheit nicht mehr das richtige Metier sind. Da wirkt er mehr wie Hans Pfeiffer mit 3 „f “ !

Also 2 Std. recht gut unterhalten und viel gekichert.

Ebenso oft gestellte Frage: Ist Barbie ein Spiegel unserer schönheitstrunkenen Spassgesellschaft?

Man hats versucht – und wenn man sich die moralisierenden Tendenzen erspart hätte, wäre es eine leicht-lockere Persiflage auf selbige geworden, gerade in ihrem Auf-die-Spitze treiben. Natürlich erzählt er etwas über Geschlechterspezifität – unabhängig von der Erziehung: Ich kenne kein Mädchen, das Barbie nicht mag und keinen Jungen, der Barbie mag. Nicht mal Ken. Unabhängig vom Erziehungsstil.

Er erzählt etwas über Schönheitswahn – und wer glaubt, dass dies ein Phänomen unserer Zeit ist, irrt sich. In meiner Sammlung von Mädchenbüchern ab 1900 tummeln sich auf dem Cover die gleichen elfenhaften Geschöpfe mit wallendem Haar. Damals gabs Korsetts, später hat frau die Magersucht erfunden und die Medizin die Schönheitsoperationen, das ist das einzig Neue dran. Und wie sahen sie Königstöchter in den Märchen unserer Kindheit aus? Etwa stämmig, mit Sommersprossen und brauner Stoppelfrisur??

 
 

 
 

Die im Film dargestellten Gesellschaftsformen erzählen auch von der Infantilisierung der Welt (oder war sie schon immer infantil?), den politischen Auseinandersetzungen, die den Spuren von Sandkastenkriegen folgen und den Racheaktionen von kränkbaren Personen, denen man das Sandeimerchen weggenommen hat oder die zumindest meinen, es wäre ihres gewesen, das sich ein anderer angeeignet hat und es um jeden Preis wieder zurückhaben wollen. Und Jahre damit verbringen, am gleichen Eimerchen zu zerren. In der Realität siehts halt leider ganz anders aus als auf dem Spielplatz – die ausagierten Affekte dürften die gleichen sein.

Somit hat Barbie durchaus einen Wiedererkennungswert.

Wünschen wir ihr das Beste beim Leben auf diesem durchgeknallten Planeten. Ansonsten kann sie – im Gegensatz zu uns – ja wieder zurück.

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28 Comments

  1. Karsten:

    Danke, damit ist alles gesagt und man kann sich noch unbeschwerter 2 Stunden lang amüsieren ;) (ja, 1 3/4 h hätten auch gereicht)

  2. Anonymous:

    🤣

  3. Martina Weber:

    🤣, too. Deinen Text zu lesen, Uschi, ist definitiv amüsanter als sich den Film anzuschauen.

  4. Jochen:

    Sag ich doch: tolle Texte über Filme, die man nicht gesehen haben muss ;)

  5. Lajla:

    Der Film hat mir zwei Stunden Vollhumorprogramm beschert. Er hat wundervolle Ideen, wie zB Ken‘s Antwort auf die leistungsorientierte Frage in der kapitalistischen Gesellschaft: Was kannst du? I CAN BEACH. Herrlich.

    Auf den aktuellen Halloween Partys ist Ken das Rennerkostüm. Die Inszenierung der Eifersucht und Konkurrenzsucht unter Männern ist grandios dargestellt. Und ich zumindest gestand mir ein, dass mich jeder Mann an der Gitarre früher anzog und beeindrucken konnte. Die Filmregisseurin hat ein feines Talent für das Erzählerische und setzt es episodenreich um.

    Ich war sehr gespannt, wie meine Tochter den Film aufnehmen würde. Sie ging erst gar nicht rein. Sie hatte als Achtjährige von ihrer amerikanischen Oma ein Paket mit Barbies geschenkt bekommen. Sie stellte es damals zum Verschenken auf die Straße. Nachdem sie jetzt auf einer Party 6 Kens kennengelernt hat, will sie den Film sehen. Sie wird auch zwei Stunden Spaß haben.

  6. Jörg R.:

    Ich stelle mir gerade Putin und Selenskyj mit dem Sandeimerchen vor. Kann jemand Karikaturen zeichnen?

  7. Martina Weber:

    Ich habe mir den Trailer angesehen, voilá:
    https://www.youtube.com/watch?v=0BxBCVmo8YQ

    Im Trailer gibt es eine Anleihe einer Szene aus MATRIX: rote oder blaue Pille entspricht Pumps (so weiterleben) oder Birkenstock-Sandalen (die Wahrheit erfahren). Habe gerade meine 70er Jahre Barbie, den Ken und die Tochter herausgeholt und betrachtet. War für mich als Spielzeug nie wichtig. Glaube trotzdem, dass der Film stellenweise sehr amüsant ist.

  8. Ursula Mayr:

    Aha, Matrix … ist mir nicht aufgefallen.

    Barbie gabs zu meiner Zeit noch nicht, aber ich hatte mit 12 zwei Prae-Barbies, denen hab ich tolle Klamotten genäht.

  9. Michael Engelbrecht:

    Eines habe ich mir mit dieser humorigen Besprechung eingebrockt: jetzt wollen meine Mädels morgen den Film sehen. Ich ahne, es ist nicht ganz mein Humor, aber die Windrose ist ja in allen Richtungen offen😂….

  10. Ursula Mayr:

    Für Geschöpfe, denen der Herr versehentlich oder aus Schlamperei ein Y- Chromosom eingesetzt hat ist das auch nix! Bitte berichten was die XXe gesagt haben.

  11. Michael Engelbrecht:

    Mache ich. A propos Stoffe der Kindheit.

    Ich dachte Filme mit Elementen der alten Tante Musical hätten ihre Strahlkraft verloren, nachdem mich als Kind noch my Fair Lady und Singin In The Rain verzaubert hatten. Aber dann sah ich irgendwann im gesetzten Alter La La Land mit einem gar nicht schaumgebremsten Ryan Gosling. Habe ich bislang dreimal gesehen: wonderful.

    Aber Barbie, egal wie tricky, nö. All good, Y!

  12. Uli Koch:

    Wunderbar pointierte Rezension, die mich auf eine Art neugierig macht, wo davor nur dezente Ignoranz gewesen wäre. Das scheint ein filmgewordener Mythos der Neuzeit zu sein…

  13. Martina Weber:

    Meine Lieblingsfilme mit Ryan Gosling:
    1) Stay (mit Bildern meiner Lieblingsfotografin Stefanie Schneider:
    https://www.manafonistas.de/2020/04/07/der-traum-im-augenblick-seiner-aufloesung/
    und
    https://www.manafonistas.de/2018/12/23/rueckkopplungseffekte/
    2) Drive:
    https://www.manafonistas.de/2018/11/19/drive-2/
    3) Song to Song: https://www.manafonistas.de/2019/01/30/to-get-through-the-fence/
    4) A Place beyond the Pines:
    https://www.manafonistas.de/2019/01/03/lebenslinien-ueber-generationen-hinweg/

  14. Ursula Mayr:

    Danke, Uli! Ein Zeitzeugnis ist es allemal. Und es ist ein Novum dass ein Zeitalter anfängt seine eigenen Mythen zu schlachten – bzw wenigstens auf die Schippe zu nehmen.
    Auch das Barbenheimer – Duell ist nun entschieden mit 70 Mio Einspielergebnis bis jetzt. Oppenheimer ist um einiges langweiliger.
    Und es gibt eine Barbie mit Beinprothese und eine mit Downsyndrom. Natürlich trotzdem hübsch. Auf die übergewichts – Barbie müssen wir noch warten.

  15. Ursula Mayr:

    Und ich werde das Wochenende damit verbringen meine Widerstände gegen Musicals zu überwinden und LaLaLand zu gucken. Zwischen Ryan Gosling und mir stimmt irgendwie die Chemie nicht! Mach was dran…
    Bollywood-Filme sind übrigens alle Musicals, die liebe ich – das ist aber auch der Prüderie Indiens geschuldet- sobald sich erotisch etwas Heisseres anbahnt brechen alle in Gesang aus und fangen an zu tanzen. Davon später ein Mehreres..

  16. Michael Engelbrecht:

    EIN PAAR GEGENWELTEN ZU BARBIE. Eine kleine Abschweifung also, obwohl es nun schon drei Mädels sind, die Barbie schauen werden. Heute Abend mit Weisswein und Salzstangen Ich bin sicher, das wird big fun.

    Ich habe in den letzten Monaten „big thrill“ bevorzugt und weise auf die folgenden Crime-Serien hin, die zumeist auf den gängigen Streamingplattformen zu finden sind.

    1) Justified city primeval. Ich liebe alle alte Staffeln dieser etwas älteren Serie um Elmore Leonards Raylen Givens. Doppelbödig, brilliante Drehbücher, Kentucky Noir, hochspannend. Ich hatte nicht damit gerechnet, diese neue Serie mit meinem Lieblingsermittler auf Disney Plus zu finden.

    2) The Gold: gab es in letzter Zeit eine bessere Serie, die auf einem wahren Fall beruht? nein! British and brilliant. Masterclass acting. Mit Emily Blunt in der Hauptrolle. Würde sogar Uschi zu einer Besprechung animieren können…

    3) Fast so gut wie die erste Staffel, ein neuer Fall nun, und null Humor: Manhunt 2 (nur auf Daily Motion zu sehen)

    4) Bosch: Legacy 2 (bislang vier Folgen. Hält die Klasse der Vorgänger. Die ersten zwei Folgen sind fast ein Standalone Thriller. Jede Woche eine neue Folge auf freevee / prime. Coltrane (der Hund) ist immer noch dabei. Alter Jazz auch.

    5) The English (neben The Gold ein weiterer Knaller der Engländer (BBC), ein Anglo-Western in sechs oder sieben Folgen, der vom Italo-Western a la Sergio Leone gelernt hat und doch einen ganz eigenen „vibe“ verströmt. Dunkelschwarz.

    Und zum Schluss mal was fernab von Thrill and Crime, EINE FRAGE DER CHEMIE. Eine Wissenschaftlerin in den USA der 50er Jahre. Mir der actress in der Hauotrolle, die wir seit Mad Men und Glow lieben, Insider wissen sofort Bescheid. Von mir bekäme der Hund einen Emmy für die beste Nebenrolle.

  17. Martina Weber:

    Falls du noch keinen Film mit Ryan Gosling gesehen hast, Uschi, ist der Barbiefilm schätzungsweise kein guter Einstieg. Ich finde Ryan Gosling als Schauspieler wunderbar. Auch La La Land habe ich gesehen und finde den Film großartig, vor allem den Schluss

  18. Michael Engelbrecht:

    Wie das so ist mit bekannten SchauspielerInnen: die Chemie muss stimmen. Zwischen dem, der guckt, und dem, der angeguckt wird. Aber wie verbessert man die Chemie?

    Ein Schauspieler, der mir von Anfang an nie lag, war der, der die Hauptrolle in der TITANIC gespielt hat. Wahrscheinlich mich ein Grund, dass mich der Film nicht fesselte.

    Ryan Goslings knuffiges Jungsgesicht war mir von Anfang an sympathisch, aber letztlich überzeugte mich ziemlich oft seine Performance. Und in superguten Filmen kann man ja leicht die fehlende Wellenlänge zu einem Akteur ausblenden. Wie es mir bei Leonarde di Caprcioso gelang in dem Film (den du nicht so magst, den mit dem Bären und dem Soundtrack von Sakamoto / Noto)…

    Jetzt kommts: seit knapp zehn Jahren zähle ich zu meinen neuen Lieblingsregisseuren einen gewisser D. Chazelle. Wegen dieser drei tollen Filmerelebnisse:

    2014: Whiplash
    2016: La La Land
    2018: Aufbruch zum Mond (First Man)

    Bei FIRST MAN spielt nun Ryan Gosling genauso mit (nämlich einen gewissen Neil Armstrong) wie auf LA LA LAND.

    Und auf dem Film rund um jene legendäre Mondreise, die wir (die Älteren unter uns:)) als Kids am TV mitverfolgten, spielt er mit exzellentem Understatement.

    Dem Film fehlt alles Falsch-Grandiose, Patriotische, Verherrlichende. Gosling gibt den Armstrong soooo zurückhaltend, aber du siehst, spürst, wie es in ihm arbeitet. Da gibt es kein staunendes Jungsgesicht a la Peterchens Mondfahrt, keine Kinderbuchregression.

    An LALALAND liebe ich, zum Beispiel, wie D. Chazelle so alte Motive / Themen aus Musicals gegen den Strich bürstet. Dem Ur-Romantischen kann jederzeit die Illusion genommen werden. Das ist REINES Kino, was da abgeliefert wird, in einem Film, dem im wörtlichen Sinne die Schwerkraft zuweilen abhanden kommt … und doch überall Schatten lauern.

    Und ich liebe an dem Film, dass ich beim Schauen mir nicht das eigene Denken in die Quere kommt. Ich kann mich in LALALAND von Anfang bis Ende fallen lassen, mich darin verlieren und wiederfinden (wo sonst käme die eine Träne aus dem Augenwinkel her, am Ende?)

    Nun gut. Erst als ich vorhin Wikipedia aufrief, fiel mir auf, dass mir der letzte Film von Chazelle entgangen ist (nicht zu verwechseln mit der Serie Babylon), ein Film, der sehr gemischte Kritiken bekommt und in der Hollywoodära am Ende der Stummfilmzeit angesiedelt ist.

    2022: Babylon – Rausch der Ekstase

    Bei Paramount / Prime anzuschauen. Das steht nun an. Demnächst, wenn die Mädels Barbie und Ken geguckt haben. Wenn der Film mich nun auch noch packt, dann würde Chazelle wirklich mein favourite director unter den jüngeren Regiekünstlern werden…

  19. Michael Engelbrecht:

    Quatsch, ein Irrtum bei der actress von EINE FRAGE DER CHEMIE… Brie Larson wirbelt da, nicht Alison Brie. Hätte ich wirklich sehen müssen!!😉

  20. Michael Engelbrecht:

    Wie erwartet, haben die Mädels viel mehr Spass als ich. Anfangs liess ich mich von der Animation anstecken, aber BARBIE ist nichts für mich. Ich kann mit Filmen, die voller zu Schau gestellter „Artifizialität“ stecken und mich dabei in keiner Weise hinter die Leinwand ziehen, nichts anfangen.

    Es ist wie bei Wes Anderson Filmen: eigentlich will ich sie mögen, weil sie supersophistocated sind, ich zudem Interviews mit Wes Anderson total gerne lese – seine movies sind voller Bilderreichtum undundund, aber sie langweilen mich letztlich zu Tode. (Analog hatte ich an Uschis Besprechung viel mehr Freude als an den ersten dreissig Minuten den Films.)

    Eine Ausnahme: ISLE OF DOGS. Warum? Weil Hunde im Film mich einfach unmittelbar rühren. Es hat mit Lassie angefangen und mit meinem Sancho nicht wirklich aufgehört… The beautifully stop-motion animated Isle of Dogs finds Wes Anderson at his detail-oriented best while telling one of the director’s most winsomely charming stories. Genau.

    Und, tja, ich habe eben eine Story mit einem Hund, aber ich habe keine Geschichte mit Barbie. Die ich ungefähr so sexy finde wie eine Alpenkuh aus der Milka-Werbung.

    Jetzt habe ich mich zurückgezogen, in meine elektrische Höhle, diese Zeilen geschrieben & seit langem mal wieder einen viertel Liter Rotwein getrunken, mein Weinhändler hatte einmal mehr ein gutes Händchen, als er mir einen Cabernet Sauvignon von S. Delafont aus dem Languedoc empfahl. Ein kleinen im Tee habe ich nun schon, nice, aber ich weiss genau, was ich jetzt tue.

    Ich lege die neue Cd von Modern Nature in den Player, NO FIXED POINT IN SPACE, zum zweiten Mal an diesem Tag. Gar nicht so ferne Echos von den späten Talk Talk, und, neben allem anderen, auch die Stimme von Julie Tippetts. Old true love never dies.

  21. Alex:

    wenn ich dich so lese, michael, dann denke ich oft du wärst mein doppelgänger. wes anderson filme tun auch nix für mich und hunde verstehen mich mindestens so gut wie ich sie. und modern nature höre ich jetzt auch nachdem das letzte teenage fanclub album zwar sehr solide war, aber mich nicht so richtig mitgerissen hat. immer diese suche nach dem ultimativen kick. hier ist er: https://youtu.be/F1_bYvxhBlE

  22. Michael Engelbrecht:

    @ Barbie: nun waren am Ende de Kinoanends hier die Reaktionen durchaus nicht so geschlechtsspezifisch: es kam als zu überfrachtet und überanstrengt rüber…bei den Mädels. Aber alle wollen die Rezi, Uschi!

    @ Alex: das dauerte, bis ich das Lied erkannte, obwohl ich es manchmal unter der Dusche singe. Wer erwartet schon so einej Song in den Händen eines Strassenmusikanten. Herrlich. Und eigentlich ein Ohrwurm, Here come the warm jets von Eno…

  23. Ursula Mayr:

    Dann druck sie ihnen aus.
    Die schnellen Schnitte strengen etwas an, ja und die rosa Glitzerwelt bietet nicht wirklich einen Punkt zum Verweilen – der Zuschauer kommt nicht zur Ruhe – das folgt aber der Tradition der Trickfilme für Kinder – vor allem Ice Age und die Manga – Produktionen zeichnen sich durch ein Tempo aus das den erwachsenen Zuschauer fast überfordert, man muss sich dann bei Bambi oder dem Dschungelbuch wieder erholen. Da hat man dann dafür wieder den Bierernst.

  24. Michael Engelbrecht:

    Der Film ist ja nun ein Riesenerfolg, auch kommerziell… ich mag halt Filme nicht, die in fast jeder Minute gefühlt dreissig Anspielungen / Zitate / Referenzen unterbringen.

    Von der Regisseurin Greta Gerwig habe ich Ladybird in recht guter, aber seltsam flüchtiger Erinnerung, und hier an Barbie hat ja auch ihr Gatte Noah Baumbach mitgewerkelt, dessen Filme wiederum bei mir Garanten für die ganz grosse Langeweile sind, auch hier eine Ausnahme: Frances Ha.

  25. Ursula Mayr:

    Frances – naja! Ging so! Aber das “ Weisse Rauschen“ nehme ich ihm übel – aus psychologisch – psychiatrischer Sicht ziemlich versemmelt.

  26. Michael Engelbrecht:

    Don DeLillos Roman hätte Besseres verdient. Ganz daneben. Aber auch: Meyerowitz Stories und Marriage Story (not my cup of Assam, both of them) … da war Frances Ha noch geradezu ein Feuerwerk :)

  27. Olaf Westfeld:

    „Weisses Rauschen“ – immer noch nicht gesehen. Großer Roman. Ansonsten gefielen mir die Baumbach Filme tatsächlich alle ganz gut. Und richtig toll fand ich die Neuverfilmung von „Little Women“ von Greta Gerwig, ich glaube der Vorgänger von Barbie (den hier bis jetzt niemand mit mir gucken will).

  28. Michael Engelbrecht:

    Den Film- und Serienfreunden muss ich hier eins nachreichen. Meine Vorschusslorbeeren auf JUSTIFIED – CITY PRIMEVAL waren verfrüht. Timothy Olifant spielt brilliant wie eh und je, doch leider haken Regie und Drehbuch an vielen Ecken und Enden, und somit bewirkt diese Neuauflage nur eins: man sehnt sich nach den vergangenen sechs Staffeln von Justified zurück. Und war ich nach dem Anschauen der ersten Folge noch voller Hoffnung floppte diese Serie auf nahezu ganzer Linie. Freunde von Justified mögen sich diese Rückkehr ersparen!

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