Manafonistas

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Archives: August 2021

2021 25 Aug.

Of these, hope

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Eine ganze CD unbegleiteten Bass-Soli zu widmen, scheint ein großes Wagnis zu sein, aber einigen wenigen Virtuosen mit Vorstellungskraft und immensem Können ist dies gelungen. Ich nehme an, fast alle Leser*innen&außen finden wenigstens ein Piano Solo Album in ihrer Audiothek. Aber wer kann ein Double Bass Solo Album aus dem Plattenschrank ziehen? Gregor schaut hier nicht mehr vorbei, ihm würde ich das zutrauen. Die Tür zu den comments ist offen. Dort kann man Geständnisse – oder Bekenntnisse, wenn einem das lieber ist – ablegen.

Ich fange gleich mal selbst an: ich besitze ein Double Bass Solo Album – ein einziges. Nicht weil ich Kontrabass spiele ist es in meiner Sammlung, sondern weil mir der Bass Player dieser CD ans Herz gewachsen ist. Er hat für mich – und das ist objektiv nicht maßgeblich – den wunderschönsten Ton aller Jazzbassisten. Schließlich spielt er auf einem edlen Instrument, das um 1715 gefertigt wurde. Außerdem hat er ein Stück komponiert, das den Titel Kronach Waltz trägt. Dragonetti’s Dream heißt das Album. Das einzige nicht von ihm erfundene Stück ist die eindringliche Interpretation von Jade Visions, einem herrlichen Stück des tragisch früh verstorbenen Bassisten Scott LaFaro.

Nunmehr sind drei Bassisten eingeführt, darunter Scott LaFaro, der nie ein Double Bass Solo Album eingespielt hat, dessen überragende Bedeutung im Jazz zu würdigen ich lieber Dave Holland überlasse.

 

The bass has become something like the fourth melody voice in the quartet. Wasn’t Scott LaFaro the major reason for that?

Wer war es nun, der die ersten Kompositionen für Basso Solo geschrieben hat und als Solist mit seinem Instrument für Furore sorgte?

Es war Domenico Carlo Maria Dragonetti (1763 – 1846), genannt ‚Il Drago‘

 
 

 
 

Domenico Dragonetti war der Scott LaFaro des 18. und 19. Jahrhunderts, gut Freund mit großen Zeitgenossen, darunter Ludwig van Beethoven, den er persönlich getroffen hat. Ich nehme an, dass ohne Dragonettis Besessenheit die wilde Kontrabass-Partie im Trio des Scherzos von Beethovens Fünfter Sinfonie nicht in die Welt gekommen wäre.

 

 

Irgendwann muss jemand das erste Kontrabass Solo Album des Jazz gewagt haben. Ich weiß es leider nicht genau, lege mich aber fest auf Dave Hollands Emerald Tears. Sechs Jahre vorher hat er zusammen mit Barre Phillips diese eigenartigen tiefgründigen Klanglandschaften erkundet mit Music from Two Basses.

 
 

 
 

Nun ist mit Marc Johnson der Fünfte in den Kreis der Bass Soloists of September eingetreten. Und er bekennt, dass Dave Hollands legendäres Album nicht ganz schuldlos ist. Ich kenne seine Kunst vor allem von den beiden Bass Desires Alben und den späten Auftritten des Bill Evans Trios. Mit OverpassThe Album of September – ist Marc Johnson am Ziel seiner Sehnsüchte angekommen. Meine Favoriten des Albums findet man in den Klanghorizonten des August 2021.

 
 
 

 
 

Wer den Click raus hat, findet in diesem Beitrag zwei hochinteressante Hörbeipiele.

2021 24 Aug.

The Nightfly

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Nicht wirklich neu, nun aber live: Donald Fagens The Nightfly von 1982 erscheint Ende September als Konzertmitschnitt. Es spielt die Steely Dan Band mit dem Meister selbst. Man darf gespannt sein.

 

Hier „I.G.Y.“ als Kostprobe.

 

2021 24 Aug.

Ein Krimitipp am Dienstag

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Auf meiner Reise in den Norden nach Nordenham habe ich nur einen kleinen Roman dabei, manche würden es einen Krimi nennen, andere einen historischen Roman, oder eine „coming of age“-Geschichte. Ich bin auf Seite 92, und völlig angetan von der Erzählkonstruktion, und der Story. Die superknappe Beschreibung auf der Rückseite dieses Buches aus der Reihe „Rowohlt – Hundert Augen“ trifft es schon gut: „Ein Bankraub. Ein Toter. Terroristenpanik. Die Polizei hat keinen Durchblick. Aber Sanne und Ulrike.“ Nur sind diese beiden Mädels gerade mal 11 Jahre alt. Es ist die Osterzeit 1978, in der Eifel. Mehr wird nicht verraten. Mein erstes Buch von Max Annas. Nicht mein letztes.

 

2021 23 Aug.

Chicken Run

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Leider mussten wir am Samstagabend nach dem 6. Kapitel von Lupin – der Meisterdieb wurde verhaftet, ein Auto ging in Flammen auf – eine Zwangspause einlegen: wir waren um 21:00 verabredet, zwei geschenkte Hühner abzuholen. Diese Tiere sind nach Einbruch der Dunkelheit in einer Art Starre und leicht einzufangen. Ich ahnte noch nicht, wie sehr ich mir in den nächsten 24 Stunden diese Trägheit herbeiwünschen würde. Wir sind also zum Teilauto, fuhren durch leere, dunkle Straßen ins Nachbardorf, nahmen bei nettem Smalltalk ein kleines, zwitscherndes Paket entgegen, stellten zu Hause den geöffneten Karton zu den anderen Federviechern in den Stall und schauten endlich Lupin zu Ende.

Am nächsten Morgen wackelten die zwei weißen Neulinge weit entfernt von den drei alteingesessen Viechern herum, fremd in der neuen Umgebung. Wir freuten uns wie einfach es ist, Hühner zu halten… nur ein bisschen zu früh: insgesamt klingelte es am Sonntag viermal an unserer Tür. Immer wurde gefragt, ob unsere Hühner da auf der Straße rumlaufen. Die drei Zwerghühner können nicht über den Gartenzaun flattern, die beiden neuen Hühner schon. Und sie waren tagsüber nicht mehr starr und träge, sondern flink, wendig und schwer zu fangen. Nachdem wir also am Sonntag sicher drei Stunden damit verbrachten, zwei Hühner über Kopfsteinpflaster und durch Vorgärten zu jagen, stutzte meine patente Frau ihnen abends die Flügel und heute sind die beiden zum Glück im Garten geblieben.

2021 23 Aug.

Don’t listen to this video – it’s toxic!

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v i d e o

 
 

2021 23 Aug.

The Well Of Forgiveness

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2021 23 Aug.

Die Bucht von Navarino

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Wer erinnnert sich an die fünf Freunde, die Reihe von Enid Blyton? Anne, Georg (die eigentlich Georgina heißt), Richard, Julius und Tim, der Hund. Ihr erstes Abenteuer, bei dem sie sich kennenlernen, hat es in sich. Es geht um die verfallene Burg auf der Felseninsel, um ein versunkenes Wrack und vergrabene Schätze. Finstere Gestalten tauchen auf, es kommt zu einer Entführung, und schließlich ist es Tim, der Hund, der alles zu einem guten Ende bringt. Wollte man das Buch neu verfilmen, man könnte es hier, rund um die Bucht von Navarino, in der Region Nestoros im Bezirk Messenien auf der Peloponnes. Im Abspann liefe dann „Golden Hours“ von Brian Eno. (m.e.)

 
 

 
 

Ein geschichtsträchtiger Ort mit Magie. Helmut Mueller, Besucher des Eno-Konzerts im Theater des Herodes, hat das Foto gemacht, so sieht es aus, wenn er aus dem Fenster seines Studios schaut. In seinen Worten: König Nestor war vor 3500 Jahren Mitglied der Argonauten (Odyssee) und hatte einen ähnlichen Blick. In dieser Bucht hat sich vor 2500 Jahren der Peloponnesische Krieg entscheiden (Sparta vs Athen). in dieser Bucht fand 1827 die Seeschlacht von Navarino statt. Lt. Wikipedia die Geburtsstunde des modernen Europa. Aus den Kanonen der versenkten osmanischen Seeflotte hat König Otto in München die Bavaria gießen lassen (Trivia). Und die Gegend ist praktisch der südlichste Zipfel des europäischen Festlands – nur Kreta ist noch weiter im Süden. Die Lagune rechts im Bild ist die letzte Raststätte für die Zugvögel nach Afrika resp. Ägypten. Hier gehts rund im Herbst. Flamingos und 250 andere Vogelarten, hier leben auch noch Chamäleons und die Meerschildkröten kommen grad vorbei zum Eier legen (Caretta Caretta). Eine herrliche optische Begleitung (und Inspiration) für schöne Klänge aller Art – Sonnenuntergänge wie diese sind Standard im Sommer. Es geht auch anders, und im Winter ist es auch gerne mal richtig wild.  Ich hab hier meine musikalische Retrospektive ge-remastered (hel.de, Kontakt Pure). Und hier entstand auch unser neues Doppelalbum (The Teleport Project).“

 


(Aus der Echokammer, nach Jans Artikel über alte Kinos)

 

 

Ich kann mich an dieses Plakat gut erinnern. Damals schrieb sehr oft Peter Buchka in der SZ über neue Filme unseres Stars. Ich ging mit Edwin schon früh zum „City Kino“, unserem studentischen Programmkino in Würzburg, um die Ankündigungen genau zu lesen, die in den liebevoll gestalteten Fenstern aushingen. In Wenders-Filmen passierte an der Oberfläche sowieso nie viel, es sei denn, er erlag der Lust des Wildrumerzählens wie in dem Film, auf den ich heiss war wir kaum auf einen anderen, und der mich mehr enttäuschte als ich für möglich hielt, „Bis ans Ende der Welt“. Drum verschlang ich jede Zeile von Buchkas überschwänglicher Filmkritik hinter dem Schaukasten. Und damals versanken wir in diesem „Roadmovie entlang der ehemaligen Zonengrenze“, endlos fasziniert, obwohl der Kinofilm sein „Actionfeuer“ mit der Landung des Bullis im Wasser verschossen hatte. Aber natürlich war ich bereit für den meditativen flow, die Gemächlichkeit des Erzähltempos, die unverschämte Ruhe der Kameraführung. Später konnte ich mich nicht mehr auf den Film einlassen, und ganz sicher nicht, weil meine Aufmerksamkeitsspanne sich drastisch verkürzt hätte. Es war, als hätte der Film für die Siebziger Jahre seinen Job gemacht, und wäre dann direkt ins Museum gewandert, wo er  seinen Platz in der Zeit- und Kulturgeschichte sicher hat. Das Schönste, was ich über den Film sagen kann, war alles um das erste Mal herum angesiedelt, als ich ihn sah. The first cut is the deepest.  Höre ich da Rod Stewart im Ohr? Ich erlebe es jedenfalls so, dass einst geschätzte Filme oft in ihrer Zeit hängen bleiben, während die Platten von damals, von ECM, von Brian Eno, von Impulse!, und viele andere, heute die gleiche seltsame Verführungskraft besitzen. Ich glaube, damals bin ich mit Ed zurück ins Studentenwohnheim gegangen, ich habe den Glühwein angerichtet, und wir haben die ganze Vinylseite von Terje Rypdals „Rolling Stone“ gehört.

2021 22 Aug.

Into the Rabbit Hole

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Wie schnell so etwas geht. Da wollte ich einfach nur herausfinden, von wem eigentlich Manfred Weissleder das Kino kaufte, aus dem er dann den Star-Club machte. Und plötzlich war ich mitten in der Hamburger Kinogeschichte.
 
 

 
 
Auf St. Pauli, Große Freiheit 39, gab es ein Ballhaus namens „Sternsaal“. 1949 erschien eine gelernte Filmvorführerin mit dem wunderbaren Namen Jeltheda Fraukina Lümmy Iderhoff aus Ostfriesland auf der Bildfläche, kaufte den bereits recht angejahrten Laden und machte daraus die Stern-Lichtspiele, ein Kino mit immerhin 750 Plätzen. Erfahrungen mit der Kinogeschäftsführung hatte sie bereits in Berlin gemacht, vorsichtshalber nahm sie als Geschäftspartner aber noch Walter Cartun dazu, der bereits einige andere St.-Pauli-Kinos betrieb. Frau Iderhoff stieg bereits 1951 wieder aus. Cartun führte die Stern-Lichtspiele allein weiter. 1962 brach ein Brand aus und das Kino hätte renoviert werden müssen. Da das Geschäft zu der Zeit nicht mehr gut lief, kam es Cartun mit Sicherheit sehr gelegen, dass Manfred Weissleder, seines Zeichens König von St. Pauli, dem schon weitgehend die linke Seite der Großen Freiheit gehörte, einen Notausgang für seine Erotic Bar im 1. Stock des Nebenhauses benötigte. Die einzige Möglichkeit, die er dafür hatte, war ein Wanddurchbruch zum Kino, und Cartun nutzte die Gelegenheit, das Gebäude loszuwerden, indem er es Weissleder verkaufte. Der hatte nun den Notausgang, den er brauchte, und ein renovierungsbedürftiges Kino, das er nicht brauchte. Als dann Horst Fascher, Rausschmeißer im Indra, ihm vorschlug, einen Musikclub zu starten, wusste er, wozu das Kino zu gebrauchen war, und so wurde wieder eine Art Ballhaus daraus. Star-Club hieß der Laden dann deshalb, weil Weissleder, praktisch denkend, wie er war, auf diese Weise den Neonstern an der Fassade weiter verwenden konnte. Der ist heute ein Ausstellungsstück im Museum für Hamburgische Geschichte.

Dann stieß ich im Web auf ein Foto der Frau Iderhoff, und es dämmerte mir, dass ich sie kannte. Da war ich wohl 11 oder 12 Jahre alt. Sie hatte nämlich 1951 eine kleine Kinokette gegründet: vier Stadtteilkinos namens „Roxy“, und eines davon lag in der Osterstraße in Eimsbüttel, fünf Minuten von unserer Wohnung entfernt, und kinoverrückt, wie ich als Kind schon war, habe ich ungezählte Jugendvorstellungen dort zugebracht. Die liefen immer Sonntags um 11 Uhr; ich erinnere mich unter anderem an die Fantomas-Trilogie, an U-2000, viele Donald-Duck-Filme und vieles mehr.
 
 

 
 
An Kinos faszinierte mich wirklich alles, und ich habe dem Personal Löcher in den Bauch gefragt — wo die Lautsprecher sind, was das für eine Folie in den Schaukästen ist, ob sie die „Heute“- und „In Kürze“-Schilder selber gemalt hätten, wie man das Licht dunkler werden lassen konnte (von Dimmern wusste ich noch nichts), wie man die Fotos in den Schaukästen nennt („Lobbycards“, mir unvergesslich), ob man diese Klappsitze eigentlich fertig kaufen könnte, und, und, und. Ich hatte da keinerlei Skrupel. Und — das habe ich erst jetzt auf dem Foto wiedererkannt — eines meiner Opfer war jene Frau Iderhoff. Sie war nicht immer da, ich wusste nicht, wie sie heißt, und schon gar nicht, dass sie die Besitzerin war. Aber sie war sehr geduldig mit mir. Beiläufig habe ich ihr erzählt, dass meine Tante Else (genau gesagt: meine Großtante) in den Eidelstedter Lichtspielen an der Kasse gesessen hatte und jetzt im Esplanade war. Das Esplanade war Hamburgs prachtvollstes Uraufführungskino, ein ehemaliger Ballsaal in einem Hotel.
 
 

 
 
Tatsächlich, Frau Iderhoff kannte meine Tante. Sie gab mir schöne Grüße mit auf den Weg. Damit war ich für sie dann wohl irgendwie in der Kinofamilie, und plötzlich durfte ich sogar einen Blick in den Vorführraum werfen.

Tante Else gelangte zu 15 Minutes of Fame, als im August 1970 am hellichten Tag die Esplanade-Kasse überfallen wurde. Das ging durch die Presse, und wie ich vermute, wird sie die Zeitungsartikel gerahmt haben. Der Täter wurde nie gefasst, sehr groß kann seine Beute nicht gewesen sein. Das Kino schloss 1982, stimmungsvoll mit Viscontis Tod in Venedig.

1968 wurde das Roxy geschlossen, das Kinosterben machte auch vor der Osterstraße nicht Halt. Das kleine Urania war schon lange weg, McDonald’s zog ein, das Emelka, 100 Meter vom Roxy entfernt, hielt sich auch nicht mehr lange. Immer hatte ich gerätselt, was das für ein seltsamer Name sei — „Emelka“. Die taten da allerdings immer sehr geheimnisvoll. Aber irgendwann hat es mir die Kartenabreißerin verraten: Das Kino gehörte ursprünglich zu einer Filmproduktionsfirma, der Münchner Lichtspielkunst — MLK. Da musste man erstmal drauf kommen. 1969 zog dort ein Pro-Markt ein, dem man bis heute ansieht, dass er mal ein Kino war Und das Roxy wurde abgerissen. Ich klaute aus den Trümmern ein paar Lobbycards und ein „Heute“-Schild. So lebte das Kino in meinem Kinderzimmer noch eine Weile fort.

Noch heute kann ich an keinem Kino vorbeigehen, ohne die Fassade zu fotografieren. Und noch immer habe ich einen fast untrüglichen Blick dafür, ob ein Gebäude mal ein Kino war. Und davon gibt es viele. — Der Hamburger Schriftsteller Wolfgang Borchert schrieb einmal ein Kurzgeschichte namens „Der Stiftzahn“, in der er einen Kinobesuch schildert, in dem jemand vor Lachen seinen Rahmbonbon mit Stiftzahn verliert. Ich bin als Student nach Eppendorf gezogen und wohnte dort quasi „um die Ecke“ von Borcherts Haus. Immer habe ich mich gefragt: In welchem Kino war das wohl? Es hatte ein paar Kinos in Eppendorf gegeben (auch dort war Frau Iderhoff mit einem Roxy präsent, aber natürlich viel später). Eine Stadtteilführung löste das Rätsel: Das Kino war genau gegenüber meiner Wohnung gewesen. Es hieß „Viktoria-Lichtspiele“ und war mit ungefähr 200 Sitzen das, was man in Hamburg als „Flohkiste“ zu bezeichnen pflegte.
 
 

 
 
Das Kino war 1963 geschlossen worden, aber wenn man sich den Spar-Markt, der jetzt darin war, genauer ansah, dann war der Grundriss eindeutig. Der Seitenausgang zur Straße war noch da, er diente jetzt als Lieferanteneingang, auch der Vorführraum war noch klar im Haus zu lokalisieren. Nach dem Spar-Laden zog Schlecker ein, was nach dem gekommen ist, habe ich nicht mehr mitbekommen.
 
 

 
 
Ein Buch, das seit Jahren mehr oder weniger ungelesen bei mir im Regal stand, habe ich jetzt wiederentdeckt. Eine unglaubliche Fleißarbeit. Da findet man sie alle wieder, die Kinos. Auf dem Cover sieht man das Harmonie-Kino in Wandsbek, in dem offensichtlich gerade Der Würger von Schloss Blackmoor gezeigt wurde — der einzige Film aus der Edgar-wallace-Reihe, dessen Musik nicht von Peter Thomas, sondern von Oskar Sala und seinem Mixturtrautonium stammt. Den habe ich auch mal besucht, in seinem Charlottenburger Studio. Die Welt ist klein.
 
 

 
 
Michael Töteberg, Volker Reißmann:
Mach dir ein paar schöne Stunden — Das Hamburger Kinobuch.
Edition Temmen, Bremen 2008.
 
 

 
 
So war das.


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