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Archiv: Jazzthetik

Unter welchem Namen ich vorgestellt werden möchte? La Loca. The only one. Ewiger Nomade. Sometimes, Los Angeles. Ein Flügel, aufgelöst im Licht. I just want to play with you. Theoretisierend einen Rausch zu entfesseln. An deine Sprache zu glauben. Das Gleichgewicht kippt. Und dann: Die Geschichte einer Pause. Reflecion in how we speak to each other. Verwundbar, Phantome der Freiheit. Als sollte das Lied herausplatzen aus mir, ohne Rücksicht darauf, ob es das Lied eines anderen / dahin. schwenkten dann und kreuzten sie, als wären sie ein in tausend Schnipsel zerschnittener Körper. Real audio: Und die Formen des Regens [et al.] de la nuit. Der Raum der Trommel. Ich lese nur noch wenig Romane. You lost your little boats. Boxkampfsplitter, wilde Kalligraphie. Vor langer Zeit, und im Süden ein Teil davon sein, eine sanfte Entgegnung. Dein Leben kann das Niveau deiner Arbeit verändern.

Ich mag keine Erinnerungsgegenstände. Es ist auch kein Erinnerungsgegenstand. Ich kann mich an kein Gespräch mit V erinnern. Vielleicht habe ich ihn einmal darum gebeten, mir die Teedose vom obersten Regal zu reichen, denn alle in dieser WG waren größer als einsfünfundachtzig. S hatte zwei kleine Zimmer, die miteinander verbunden waren, ein düsteres nur mit einer winzigen Luke an der Decke, durch die wir nicht hinausschauen konnten, und eins mit Blick auf eine stark befahrene Straße. J war der Linguist, er fing beim Frühstück damit an, über seine aktuellen Forschungen zu reden und fragte uns, wie wir dies oder jenes grammatikalisch korrekt ausdrücken würden. V stand frühestens gegen Mittag auf. Er studierte etwas Unverbindliches, wahrscheinlich Soziologie, aber eigentlich saß er mit seiner Freundin in seinem Zimmer, rauchte dope und sie hörten die ganze Zeit Musik. Er hatte dunkelgrün gestrichene IVAR-Regale, mit vielen Schallplatten und wenigen Büchern, und die Blätter, die gelb von seinem Ficus Benjamini fielen, hob er nie auf, so dass sich um den Baum ein Kreis herabgefallener Blätter bildete. V hatte immer körperlich anstrengende Jobs, er war sich für nichts zu schade und schien vor nichts Angst zu haben, nicht einmal vor der Zukunft. S und ich hörten Pink Floyd und Velvet Underground, während V eine Richtung einschlug, die ich schwieriger, interessanter fand. Ich bat S darum, mir etwas zu überspielen, was charakteristisch für V´s Musikgeschmack war. So kam ich an diese 90er Audiokassette. A-Seite: Us3 – Hand on the Torch, B-Seite: Sonic Youth – Go. Ich brauche eine bestimmte Stimmung, das zu hören, eine bestimmte Kraft, denn es ist anstrengender als beispielsweise Only Sky, für mich jedenfalls. Und natürlich verändert es, immer, uns. Wolf Kampmann schreibt in der Jazzthetik 1994 über die Magie der Kunst (und das gilt nicht nur für die Musik), die Gesetze, denen man folgen will, selbst aufzustellen, und er zitiert Thurston Moore, der Tape-Aufnahmen mag und sagt: „Je zufälliger ein Album klingt, desto besser.“ Das letzte Stück aus dem Album Washing Machine heißt „Diamond Sea“, ich habe es eben zum ersten Mal gehört, leider nur sehr leise. Zwanzig Minuten lang nicht fassbare Rätsel und Verbindungen. Time takes ist crazy toll.

Es kommt selten vor, dass journalistische Beiträge so hintergründig daherkommen, dass man es erst beim zweiten Lesen entdeckt. Ich mag die Kurzrezensionen in der Jazzthetik und wunderte mich über eine Besprechung, die zur Hälfte aus einer Bewertung der Platte und zur anderen Hälfte aus einem P.S. bestand. Bis ich den Zusammenhang sah. Da hatte jemand tatsächlich die Jukebox entdeckt, über die Peter Handke damals (wir befinden uns im Jahr 1990) vielleicht sein nächstes Buch schreiben wollte. Handke hatte die Jukebox in Linares, Spanien, verortet. Im Altas fand ich den Ort ungefähr 200 Kilometer südlich von Madrid, im spanischen Mittelgebirge. Dort steht die Jukebox, in Marmor gefasst, im Musikzimmer eines Pflegeheims. Sie enthält Arbeiten von Robert Wyatt, Markus Stockhausen, John Zorn, John Cale und ein Frühwerk von Jan Garbarek: “Sart”. Über die Sammlung der Videoaufzeichnungen konnte ermittelt werden, dass immer vor Mitternacht ein alter Mann in gestreiftem Pyjama und mit zurückgekämmtem (um diese Uhrzeit aber ungekämmtem) Haar das Musikzimmer betrat und immer dieselbe Taste drückte. M 15X2. Das heißt: Julee Cruise: „I Remember“, aus dem Album „Floating into the Night“, produziert von David Lynch.

 

– „I Remember“, der Titel klingt schon ein bisschen sentimental.

– Unterschätzen Sie den Musikgeschmack alter Männer nicht.

– Ich höre gleich am Anfang die Zeile „I remember the sign and the way you sent it to me“. So ein hübscher kleiner Anknüpfungspunkt für jeden, der ein bisschen erinnerungsselig veranlagt ist. Das dürften so ziemlich alle Bewohner eines Pflegeheims sein.

– Nicht so voreilig. Das Stück hat es in sich. Nach ein paar Takten, noch bevor man es sich bequem gemacht hat in einem Erinnerungsbild, wird die Melodie gebrochen, die Tonleitern wechseln, alles wird schräg, es ist wie im Leben. Hören Sie auf die Wandlungen, die Verwandlungen. Is it a dream?

Dass etwas im Argen mit der dt. Radiolandschaft ist, haben die aufmerksamen Leser meines Blogs schon oft gelesen. Vor kurzem hatten wir hier erfahren was in Frankreich passiert ist und wo der neue Hörfunkdirektor von Radio France, Mathieu Gallet, mit dem Slogan antrat: „Mehr Musik, weniger Musikwissenschaft“ – ihr erinnert euch.

Dieses Statement hat Hans-Jürgen Linke zum Anlass für seine Kolumne, in der neusten Ausgabe der Jazzthetik genommen. Dort beschreibt er anschaulich was in der jetzigen dt. Radiolandschaft los ist und vor allem, was uns noch erwartet!

Alan Bangs hat das besonders tragisch zu spüren bekommen, wohin die neue Richtung im Radio geht. Erst wurde er von DRadiowissen geholt und gefeiert (für viele seiner Fans war es ein Fest) um dann später gehen zu müssen. Sein kritischer Geist, seine unkonventionelle Art Musik zu spielen, die ihn interessiert – das darf nicht mehr sein. Heute nicht mehr … (Seine letzten Nightflights gehören zum Besten was ich je im Radio gehört habe!)

Leider fehlt bei H.-J.Linke diese Geschichte von Alan, obwohl sie doch ein Paradebeispiel für das Thema seiner Kolumne wäre … Langsam aber sicher werden die Programmdirektoren und Intendanten die Kostenfalle zu schnappen lassen. Es zählt die Quote, das Geld.

Jetzt, wo wir alle zahlen müssen, fängt das große Zählen an, wird Qualität durch Austauschbarkeit und Quote ersetzt. Das alles hat H.J.Linke in seiner ganzen Perfidität beschrieben. Die Chefredakteurin der Jazzthetik hat mir den kompletten Text (Vielen Dank!) der Kolumne zur Verfügung gestellt, welcher in der aktuellen Ausgabe vom Sept./Okt. zu finden ist. Also lest selbst und bildet euch eine Meinung dazu …

hierzu auch: „Ohne Mozart?“ von Christine Lemke-Matwey

Manchmal sind Missverständnisse, Versprecher oder Hörfallen auch produktivitäts- oder gedächtnisfördernd, zum Beispiel wenn Wörter kombiniert werden, die in gewöhnlichen Dankbahnen so nicht zu finden sind. Wie kann der Titel einer CD „Filtered Through France“ heißen, fragte ich mich viele Jahre. Gianni Rodari hat daraus eine Methode zum Erzählen von Geschichten gemacht, nachzulesen in seinem Buch „Grammatik der Phantasie“. Ein altes Spiel. Schreiben Sie auf eine Seite eines Papiers ein Wort, drehen Sie das Papier um, reichen Sie es weiter, der nächste schreibt wieder ein Wort. Die Kombination von „Hund“ und „Katze“ ist langweilig. Wie wäre es aber mit „Hund“ und „Schrank“? Verbinden Sie die Wörter durch verschiedene Präpositionen. Machen Sie eine Liste (ich liebe Listen): Der Hund auf dem Schrank, der Hund im Schrank, der Schrank im Hund (hups, jetzt wird es interessant) etc. Dies wäre dann die Aufgabe von Person No. 3, wahlweise auch dem dritten Anteil des eigenen Ich. So beginnen Geschichten. Beim Blättern in alten Jazzthetikausgaben in der Bibliothek meines Vertrauens fiel mir dann die Anzeige auf, die auf ein Werk von Spunk hinwies: Filtered Through Friends. Es ist ungefähr 13 Jahre her, dass Michael den Track Nr. 5 (phonophani) in seiner Sendung gespielt hat. Das Stück befindet sich praktischerweise am Anfang einer meiner Audiokassetten und ich habe sie auf verschiedenen Autofahrten immer wieder zurückgespult. Die Anzeige in der Jazzthetik gab mir den nötigen Ruck. Ich wurde nicht enttäuscht. Rune Kristoffersen lotet verschiedene Felder von Elektronik und Noise mit wunderbarer Leichtigkeit und Experimentierfreude aus. Glücklicherweise wird dabei nur das Nötigste gesprochen. Meist geht es auf dem Album ruhig und entspannt zu. Manchmal dann doch eher Noise als Elektronik, aber es nervt nie. Am Ende, im letzten Stück, löst sich alles auf. Das Cover trifft die Stimmung ziemlich gut. Und auf die Idee der minimalistischen CD-Gestaltung muss man auch erstmal kommen.

 
 
 

 
 
 

 

Hätten Sie gedacht, dass die Improvisation eines Jazztrompeters von dem beeinflusst ist, was dieser an dem Tag im Fernsehen gesehen hat? Eigentlich logisch. „Zuhören, einander vertrauen und sich selbst vertrauen“. Das ist die Basis. In seiner Platte „Come Play With Me“ tritt Cuong Vu nur mit einem Bassisten und einem Drummer auf. Diese Musik ist so spirituell, von einer solchen Dynamik, Energie und Vielschichtigkeit. „Ich will in meiner Musik aufgefangen werden“, sagt Cuong Vu im Interview mit Wolf Kampmann (Jazzthetik 02/02). Dieses Gefühl transportiert er.

Link mit dem Sound, der mich am meisten gepackt hat, siehe Kommentar.


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