Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2016 2 Juli

Bye, bye, Lake Wobegon

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Das da oben? Das ist ein fiktives amerikanisches 800-Seelen-Dorf mit Namen Lake Wobegon, „the little town that time forgot, and the decades cannot improve“.

Ich lebe ja im Land der originalen radio personalities, wie es sie in dieser Form nirgendwo sonst gibt. Und wer mehr über solche amerikanischen Radioshows wissen möchte, dem sei der Film A Prairie Home Companion ans Herz gelegt (USA 2006, Regie: Robert Altman, Drehbuch: Garrison Keillor, deutscher Titel Robert Altman’s Last Radio Show – bitte aber dann nicht die deutsche Synchronfassung auswählen, sondern den Originalton!).

Die wirkliche Radioshow dieses Namens gibt es seit 1974, geschrieben und präsentiert von Garrison Keillor, einem amerikanischen Unterhaltungsautor, dessen Markenzeichen rote Chucks und der Anzug mit einem roten, zu langen Schlips sind. Dazu hat der Mann einen merkwürdigen Kinderhaarschnitt. Macht aber nichts, seine Stimme wiegt das auf. A Prairie Home Companion wird jeden Sonnabend zwei Stunden lang live aus dem immer ausverkauften Fitzgerald Theater in Saint Paul, Minnesota, im Radio übertragen.

Die Show ist über die Jahre zur freundlich-nostalgischen Persiflage klassischer amerikanischer Radioshows geworden. Es spielt eine Live-Band, es kommen Gastmusiker (Emmylou Harris, Willie Nelson und k.d. lang waren schon da), wir hören Sprecher und Geräuschemacher. Kaillor moderiert locker vom Blatt, er singt, spricht live die (Fake-) Werbung und präsentiert immer eine neue Folge der „News from Lake Wobegon“, mit dessen Einwohnern er alle Probleme der Welt in verkleinertem Maßstab durchspielt wie seinerzeit der NDR-Schulfunk in „Neues aus Waldhagen“. Und das alles ist nicht nur liebenswert, sondern vermittelt sehr anschaulich das Gefühl, was das ist oder war oder sein könnte: amerikanisches Radio.

 
 
 

 
 
 

Und nun ist Schluss. Am 2. Juli nimmt Garrison Keillor live aus der Hollywood Bowl seinen Abschied — nicht zum ersten Mal, aber diesmal meint er es anscheinend ernst.

 
Livestream und Podcast hier.

 
Ach ja, und vergessen Sie dann bitte nicht, Ihre Antenne zu erden.

Meine Mutter hat mir die meisten Lieder überliefert. Ich nehme an, dass sie ihren Liedbesitz von ihrer Pfadfinderschaft erhielt. Sie pflegte in der Kueche und auf unseren vielen Wanderungen zu singen. Merkwürdigerweise verstummten diese Lieder bei mir mit dem Aufkommen der Popmusik, die sich plötzlich sehr breit machte. Es gibt allerdings ein Volkslied, das mich durchgängig bis heute in den unterschiedlichsten Lebenssituationen immer bestärkt hat: DIE GEDANKEN SIND FREI, wer kann sie erraten, … . Ich habe dieses Lied noch nie laut gesungen, aber oft klang es in mir an, wenn ich akute Situationen zu bewältigen hatte. Ich erinnere mich daran, dass ich als junge Schülerin gerne das Lied über die 5 SCHWÄNE gesungen habe und später immer an das Lied dachte, wenn ich den ergreifenden Film Wenn die Kraniche ziehen von Michail Kalatosow sah. Zu diesem Bilderlebnis gehört auch das Gedicht von Walter Flex: WILDGAENSE RAUSCHEN DURCH DIE NACHT, vertont hat es Robert Goetz 1916. Auf meinen Auslandsaufenthalten bin ich manchmal darum gebeten worden, einmal ein deutsches Lied zu singen. Zu meinem textsicheren Repertoire gehören folgende Lieder:

 

– Ännchen von Tharau (17.Jh.)
– Kein schöner Land (alte Melodie)
– Es geht eine helle Flöte ( Text und Melodie von Hans Baumann)
– Die Forelle ( Franz Schubert)

 

Oft haben die ausländischen Deutschlerner beklagt, dass wir Deutschen so wenig singen würden. Oft war es eine reine Freude, mit ihnen aufgrund ihrer unterschiedlichen Mentalitäten und Rhythmen Lieder einzuüben. Ich erinnere mich an das erotische Lied: IN DES WALDES TIEFSTEN GRÜNDEN (Rinaldo Rinaldini). Man singt es nach der Melodie von den „Drei Chinesen mit dem Kontrabass.“ Wir haben beim Singen Tränen gelacht; dabei weiss ich gar nicht, ob ihnen der doppeldeutige Text so klar war:

 

In des Waldes tiefsten Gründen – von vorn,
In den Höhlen tief versteckt – von hinten,
Schläft der Räuber aller kühnster – zum Zeitvertreib,
Bis ihn seine Rosa weckt – am Unterleib.

 

Es gibt herrliche Chansons von Ringelnatz, Kästner, Mehring, Klabund, die ich den Deutschlehrern im Ausland vorstellte. Darunter von Erich Kästner: ANKÜNDIGUNG EINER CHANSONETTE, in der die Zeile: „Kennst du das Land, wo die Kanonen blühen“, vorkommt, in spöttischer Anlehnung an Goethe. Oder von Klabund, den ich immer B. B. vorgezogen habe: „DIE HARFENJULE“ (Emsig dreht sich meine Spule / Immer zur Musik bereit …). Songs, Moritaten, Balladen von Fritz Grasshoff findet man im Deutschen Taschenbuch Verlag. Er hat mehrere Bücher dazu herausgegeben. Sehr schön DIE BALLADE VOM PARISER METRO MALER CESAR PATTE. Ich weiss nicht, ob sie vertont wurde.

 

Cesar Patte, Schnurrbartmaler,
und verblichen in Paris,
war als Mensch ein schwacher Zahler
und ein Trinker überdies,
doch als Künstler ein Immenser,
ein Genie wie Chassepot und bedeutender als Ensor
oder Michelangelo …

 

Wer mal in durchsoffener Nacht oder in Rauchschwaden schweren Kneipen in Schottland oder Irland versucht hat, die gelallten Texte der Lieder zu verstehen, der fühlt sich in den Pennergesängen von dem unvergleichlichen Günter Bruno Fuchs zu Hause.

 

LEIERKASTENLIED vom Pferdchen Krause:

 

Ich stahl ein Pferd vom Platz für dich
und führte es zu dir. Dort sprach ich fromm und feierlich:
Ich schenke dir ein Tier …

(Für Nietzsche wäre dieses Lied die Rettung gewesen :))

 

Natürlich hat Wolf Biermann „MIT MARX- UND ENGELSZUNGEN“ damals noch in der DDR gesungen. Ich habe Biermann mehrmals live gesehen. Man durfte sich meist ein Lied wünschen. Ich habe mir immer; ENFANT PERDU gewünscht und er hat es immer sehr pathetisch vorgetragen. Es ist fuer mich das schönste Wendelied:

 

Der kleine Flori Have –
Zwei-Meter-Mann, das brave
das uralt kluge Kind
Ist abgehaun nach Westen …

 

Landeskundliche Paradebeispiele sind vor allem die Lieder von Reinhard Mey. HAMM, HAUPTBAHNHOF singt er einmal quer durch die Republik. Das Lied ist zeitlos, hochaktuell. Als Düsseldorferin – mit der längsten Theke der Welt – will ich mit einem Gassenhauer schliessen, der eigentlich aus der Operette Gasparone von Milloeker entlehnt ist und es bis in die Technocharts geschafft hat:

 

MUTTER, DER MANN MIT DEM KOKS IST DA.
Mutter, der Mann mit dem Koks ist da.
Junge, halt’s Maul, ich weiss es ja.
Hast du denn Jeld?
Ich hab‘ keen Jeld.
Wer hat denn den Mann mit dem Koks bestellt?

2016 1 Juli

The title of my Punkt lecture

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Desire Lines and The Disturbance of Memory – Time Travel with Sound

Fucking Brexit. Cameron and Corbyn are selfrighteous idiots as far as it concerns their personal EU approaches and ambivalences over the last months (resp. years). They should do social work in local cemeteries. Wouldn’t be surprising if Mr. Cameron would reinstall fox hunting in his country and follow some regressive landlord desires. People are embarrased and angry at what has happened. The vote was, at parts, too, won by the tabloid press lying to people and also by far right racists. This is the most serious situation in UK politics in many, many years. There may not even be a UK in a few years‘ time. The people of Scotland want back into Europe as soon as possible. London and Scotland voted to stay in Europe – and both should. But how? Apart from that, no reason to not being enthralled by the hinterland Britannia, by old ways, ancient landscapes – and people who didn’t lose their fucking minds.

Our record of the month July is digging deep in rural British life. I’m totally sure that Robert Wyatt quite loves the ways Darren Hayman revisits desolate churches, deserted swimming pools, on his buried treasure „Lido“ (no chance for David Hockney’s touch of kitsch with popish blue and nice bodies) – and the witch trials of long-gone centuries. He has some vibes in common with the ways Robert Wyatt and Ray Davies observe traditions vanishing from earth, from unions to railways, from hospitality to old tunes. Sam Lee is another great spirit, singer and detective of lost songs – they could join a club of gentlemen. Hayman now turns his attention to a disparate group of locations tied together by their wartime fortunes a century earlier. „Thankful Villages, Vol. 1“ is sincere and intimate, the tracks range from instrumental field recordings incl. ambient weather and dialogue to full-fledged folk-pop songs. Wonderful.

Full of wonders and magic, too, the concert tour of Van Morrison with t h e orchestra of his lifetime in 1973. The return of the classic double album and the new edition of unreleased concerts of Van Morrison with the Caledonia Soul Orchestra surprise me in many ways. Listening to these performances of exuberant elan vital and uninhibited joie de vivre, I’M THERE! And sitting on my petrol green sofa, slightly deprived of sleep, with a glass of red wine, I’m joining the crowd of another era – pure joy floating through my body – I would call it „solitary, collective joy“!

Brad Nelson has written the following lines in „Pitchfork“, and you can carve them in stone: „History and myth are two forms of context Morrison is determined to combine in his music. His sets juxtaposed original material from throughout his career with established soul and blues songs by Ray Charles and Sam Cooke, Willie Dixon and Sonny Boy Williamson. His own songs are composites themselves: blues, jazz, folk, and rock forms all appear in his music, sometimes at once, collapsing into a slipstream of associations. This feeling of endlessness, of the language of a genre losing its sharpness and blending with others, gives even his straightest R&B numbers the shape of a whirlpool.“

One of Van’s classic albums is called „Common One“ – a richly textured journey through the English landscapes of his mind. Recorded in Switzerland (I think), it transports every listener to the wilderness of Morrison’s pastime power spots. In, too, come the spirits of old English poets. „Summertime in England“ is a cracker. Highly recommended, too, and hard to imagine, the Irishman has not yet read one of the books of Robert Macfarlane.

In England the book is called „The Old Ways – A Journey on Foot“. And though there are some excursions through far away places, his walks are centered on two heartlands, Southern England’s soft chalk downs, and the unyielding Scottish north. (I’ve been there, with a Land Rover and eight loudspeakers, I have to confess:))

Robert Macfarlane is a storyteller of the sublime – far away from looking for linearity, He is  a clear mind open for the apparition of ghosts. A philosopher who thinks better when being in the walking mode? „To describe Macfarlane as a philosopher of walking is to undersell the achievement of “The Old Ways”: his prose feels so firmly grounded, resistant to abstraction. He wears his polymath intelligence lightly as his mind roams across geology, archaeology, fauna, flora, architecture, art, literature and urban design, retrieving small surprises everywhere he walks.“ (The Guardian)

Strolling old ways, lights in the dark, an immersive, life-affirming loneliness, that’s part of the deal reading this book, slowly, slowly. Zigzagging through a life’s story is somehow similar. A bit, for instance. No matter if you’re a returning guest to the Matthew Scudder novels (I’ve read Lawrence Block’s excellent „Eight Million Ways To Die“), or a novice – we have now finally crossed the Atlantic and left English soil – you might find it very interesting to read about this modern anti-hero at different points of his life, at different stages of fighting his demons. It’s like an invented biography in fragments where single moments suggest rather different coping strategies for the „noirish“ elements of life. This might be a good entry for starting with the first novel of the series that has recently been published in Germany, with a new translation, titled „Die Sünden der Väter“. Good day, and good riddance!

(Written between hours, at Bagles and Beans, some words stolen from Ian, finished yesterday) 

2016 1 Juli

More good movies

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No doubt, a lot of films are spriraling down after catching you at first with clever trickery. Even so called „art films“ often give away their secrets all too quickly. I’ve not seen a lot of movies in 2015 that stayed in my mind, but these films still make a difference. Some of them I saw again and again. 

 

THE DUKE OF BURGUNDY shows that Erotic Cinema still has something to offer, and here we are, in the territory of seduction, devotion and surrender. There is a lot of darkness to dwell in, literally, dimly lit spaces that add to the spell of desire. Immersive. A MOST VIOLENT YEAR is another example for a „genre movie“ that transcends its rules and history. Far away from being a rip-off of film noir classics from the 70’s, it’s a masterpiece in reduction. You have to think a lot to nail down a „gangster drama“ with a similar amount of non-action. But it never leaves me off the hook, and, en passant, contains – surprise! – one of the most captivating „hunting scenes“ in modern film stories. EX MACHINA is Science Fiction of highest order, a chamber piece placed in a high-tech laboratory surrounded by wild nature. Here, too, „action“ is a foreign word; everything relies on camera, dialogue, soundtrack and sudden twists of perception. In one of its (instant) classic moments, you get a perfect example of how to transport a 70’s disco song into a scenario of controlled madness. Apart from that, Geoff Barrow and Ben Salisbury composed a soundtrack with sending-shivers-down-the-spine qualities. Another kind of creepiness: IT FOLLOWS can be labelled „horror movie“, but that is misleading, too. Situated in the decaying outskirts of Detroit, this film only uses some of the genre’s old motives to explore teenage angst, friendship and love in a world that mixes time zones in the most peculiar ways. A richly textured „edge-of-the-seat-experience“ with Dostojevski’s „The Idiot“ revealing a striking sub-text at the end … (all films on BLU RAY and DVD).

2016 30 Juni

Après les arbres, la mer

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Lieber Greg,

Jetzt hat sich der Himmel zugezogen. Und es grollt. Kräftige Winde ziehen auf, und die stickige Luft lässt sich aus dem Schlafzimmer vertreiben. In diesen Wochen gibt es kaum höhere Wellen an der französischen Atlantikküste, dazu, erfuhr ich heute, muss man auf auf ein kräftiges Islandtief zu warten, das zwei Tage später die Brecher an die Biscaya transportiert. 

Ein Musiker meines Vertrauens hatte zudem geschwärmt von einer Platte, sie ich nie oder nur flüchtig gehört habe, zu Tangerine Dream hatte ich keinen Draht, aber Stuart entzündete meine Neugier auf „Rubycon“, und ich lauschte der ersten Plattenseite. Viel näher (parallelweltmässig) an Pink Floyd (ohne Rock) als an Eno. 

Ja, da waren sie, die Teutonischen Elektroniker mit ihren sanften unheimlichen Wallungen, aber ich konnte mich lustvoll auf diese durchaus fein gewobene  Musik einlassen, aus einer kleinen Monorundbox, die wir die „Zigarrenkiste“ nennen, das erste Stück von Tangerine Dream, das ich zuende (und überhaupt) hörte seit ca. 1977, jenem denkwürdigen Jahr, das jüngst so spannend querfunkte in den Lebenslauf.

Mach dir einen schönen Abend,

es grüsst Michael!

2016 28 Juni

Stolpern über CDs

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Es ist jedes Jahr dasselbe: soeben habe ich Version 8.5 meiner Lieblings-Musik-Software heruntergeladen, trotz aller guten Vorsätze, bis zur nächsten Musikmesse in Frankfurt auf Version 9.0 zu warten. Es ist noch lange bis Weihnachten oder Februar, und weil es sogar bis November so lang ist, erscheinen regelmäßig im Sommer die Manafonistas-CD-Halbjahres-Überblick-Listen – eine nie versiegende Quelle zuverlässiger Musiktips. Nun sortiert sich wahrscheinlich bei Michael alles bereits auf die nächsten Klanghorizonte hin; und bei einem verantwortungsbewußten Musikboxen-Vertreter wie Gregor erwartet man ohnehin eine von 1-100 durchnummerierte Ordnung im Basislager. Meine Liste dagegen entsteht beim Gang durch die Wohnung: von Küche bis Badezimmer suche ich aus Discmen, Computerschubladen, Wohnzimmeranlagen, Radioweckern und Ghettoblastern meine aktuellen CDs zusammen. Ich bin erstaunt, was ich alles gehört habe in den vergangenen Wochen. Bereits jetzt fest zu legen, welche CD Ende des Jahres auf welchen Platz kommen wird, erscheint mir schwierig. Deshalb bleibt meine sommerliche „toptwentyfive“-Liste unnummeriert:

CHARLES MINGUS: LIVE AT MONTREUX 1975, DVD (!): Sollte man mal vergessen, was Jazz ist, dann reicht es, dieses energiereiche Video einzulegen. (Es singt im Stil eines isländischen Fußballreporters: Saxophonist George Adams.)

Dagegen wirkt JOSÉ JAMES so smart, dass man ihm seine Behauptung nicht glaubt: YESTERDAY I HAD THE BLUES. Das ist bei fast allen Billie Holiday Tributes so.

Es gibt Holiday-Seelenverwandte, z.B. JEANNE LEE, deren 1961 erschienenes Album seinen Titel THE NEWEST SOUND AROUND zu Recht trägt; wegweisend auch Pianist Ran Blake.

Dagegen klingt WOLFGANG DAUNER auf der CD DAUNER & DAUNER mit seinen Stop and Go Kompositionen etwas kühl; vielleicht hätte er bei Sohn FLO und Fanta 4 mitspielen sollen.

Gefühlvoll KHATIA BUNIATISHVILI, piano solo – MOTHERLAND; doch Vorsicht: es gibt auch das Mutterland des 19.Nervenzusammenbruchs.

Auch YO-YO MA zieht es mutterwärts: SING ME HOME, vom SILK ROAD ENSEMBLE unaufdringlich begleitet auf der CD zum Film „The music of strangers“.

Ein Mixtape zum Thema WATER ist HÉLÈNE GRIMAUD gelungen; 8 Klavierstücke, romantisch bis zeitgenössisch, werden ergänzt durch musikalische Meditationen von NITIN SAWHNEY.

Schlicht SAXOPHONE heißt die CD von ASYA FATEYEVA, auf der sie wenig bekannte Saxophon-Kompositionen von F. Decruck, W. Albright, J.-D. Michat und J. Ibert vorstellt.

Ebenfalls selten zu hören sind die Cembalo-Konzerte von Gorecki und Geminiani. Höhepunkt von TIME PRESENT AND TIME PAST“ ist die Steve-Reich-Interpretation von MAHAN ESFAHANI: über 16 Minuten die Wiederholung einer einzigen Phrase. Das erfordert starke Nerven.

An Reich, Glass, Riley erinnert die Musik von MOONDOG, der Jahrzehnte lang in Wikinger-Kleidern an einer New Yorker Kreuzung stand und seine streng komponierten Musikstücke anbot.

Eine andere Großstadt, gleich dreimal vertreten: durch CHRISTIAN JOST mit seiner BERLINSYMPHONY, die sehr ruhig beginnt: um 4 Uhr in der Frühe…

… durch das Indie-Duo ME AND MY DRUMMER: LOVE IS A FRIDGE (zumindest ist das 1 Aspekt). Zur Musik kann man tanzen. Ich glaube, dass ich die erste CD des Duos noch mehr mag; …

… und durch WALLIS BIRD, in Berlin lebende irische Sängerin, deren CD YEAH einen Überblick über 7 Jahre Live-Dream-Pop gibt. Anspieltip: „Hardly Hardly“.

Die CD BRUTE von FATIMA AL QADIRI enthält auch tanzbare, eingängliche Musik; es bricht aber immer wieder eine gewalttätige Realität ein, etwa durch „a few troublemakers“ mit Pfefferspray und Dienstmarke.

KLANK bezeichnet sich als MusikAktionsEnsemble. Jeder der 4 Bremer Musiker spielt außer einem Instrument „Sachen“ – nicht leicht anzuhören, aber anregend und interessant.

Endlich mal wieder ein infomationshaltiges CD-Booklet. Alle Tracks von JOHANNES MOTSCHMANN’s CD ELECTRIC/FIELDS werden mit ihrem Entstehungsprozess vorgestellt

Der Grund des Erscheinens dieser CD auf der Sommerliste liegt darin, dass AKI RISSANEN sein Album AMORANDOM in Järvenpää / Finnland abgemischt hat. Es klingt nach Järvenpää – ich weiß es, denn ich war mal dort. PS: Der Flügel wurde von Juha Huotari gestimmt. Gut, dass jetzt auch die Klavierstimmer auf der Hülle auftauchen.

Bevor er so schöne elektronische Popmusik machte, war JAAKKO EINO KALEVI (dto. CD-Titel) Straßenbahnfahrer; gut vorstellbar, dass ihm die flaniertauglichen Melodien auf den Tramschienen Helsinkis eingefallen sind.

Meine Piano-CD des Jahres: BEAUTY & TRUTH, JOACHIM KÜHN NEW TRIO. Besonders überraschend Tracks 2 und 8 mit den Doors-Titeln „The End“ und „Riders on the Storm“.

Orgelstücke von Bach als Electronic-CD of the year; das weckt Erinnerungen an Wendy/Walter Carlos‘. 50 Jahre später hat sich der amerikanische Organist CAMERON CARPENTER eine Orgel mit allen ihm wichtigen weltweit gesampelten Sounds bauen lassen; erstmals zu hören auf ALL YOU NEED IS BACH. Natürlich ist es für den Musiker so bequem; aber ist es für den Hörer ein Gewinn, wenn die Originalinstrumente nicht mehr gespielt werden?

Beste Meditationsmusik: WHAT WAS SAID von TORD GUSTAVSEN, JARLE VESPESTAD und der deutsch-afghanischen Sängerin SIMIN TANDER, die Jazz mit Orientalischer Musik und etwas Meredith Monk verbindet.

Die Sparte „TomWaitsiana 2016“ bleibt noch unbesetzt. Es liegt mir einzig und allein die THEATERMUSIK von KANTE IN DER ZUCKERFABRIK vor; darin: The Black Rider.

Immerhin hat mich die Suche nach Tom Waits covers zu ANGELA MCCLUSKEY (CURIO) geführt; sie steht schon lange im Plattenschrank (1994). In ihrer Stimme ist etwas Billie Holiday dabei.

Ich muss auf ältere Aufnahmen ausweichen – die Plattenfirmen schicken immer noch keine Probe-Päckchen. Mein Sommerhit stammt aus dem Jahr 1998: 1,2,3 SOLEILS von TAHA, KHALED & FAUDEL. Seitenscheiben runter, Lautstärke voll auf, mit überwachten 30 km/h die Theo-Heuss (Stuttgarter „Party-Meile“) rauf und runter cruisen, wenn nicht gerade EM-Autocorso-Zeit ist (das wäre dann der Test für Katar).

Meine aktuelle No.1, erstmals mit einer Sopranistin: SIMONE KERMES – LOVE. Skurille Texte, eine unaufdringliche Stimme, Musik aus dem 16./17. Jahrhundert – einfach hinreissend schön. Wie wäre es damit mal auf der Theo-Heuss?

2016 28 Juni

Elegy For The Arctic

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Und jetzt: Unbedingt anschauen, tolle Greenpeace-Aktion gegen die Zerstörung der Arktis. Der 60jährige Pianist Ludovico Einaudi spielt vor der Wahlenbergbreen-Gletscher-Kulisse vor der Küste Spitzbergens: begeisternd, aber auch traurig, ganz wunderbar.

 

2016 28 Juni

Ég elska Ísland

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Maístjarnan
 
 


 
 

It’s a song, with lyrics by Iceland’s nobel laureate Halldór Laxness. Essentially it is a person speaking to a beloved one, but it’s also an anthem for the 1st of May.

 

Hardworking fervent Icelanders kick England out today.

 

www.punktfestival.no

 

„Punkt 2016 continues the festival’s genre-blind quality focus: From British Three Trapped Tigers‘ high energy progressive rock, to the melodic, seventies-inspired wonders of last year’s Norwegian pop sensation Band of Gold. From well-known names for the Punkt audience like Stian Westerhus and Bugge Wesseltoft’s New Conception of Jazz, who celebrate their 20th anniversary this year, to new acquaintances Erlend Apneseth Trio and pianist Ingfrid Breie Nyhus.

There will also be a focus on the legendary German label ECM: Founder and producer Manfred Eicher visits us to talk about the label, and Punkt features the release concert for one of ECM’s main releases this year: the album „Atmosphères“ by the new constellation Tigran Hamasyan / Arve Henriksen / Eivind Aarset / Jan Bang.

The audiovisual aspect has always been important at Punkt. This year’s co-operation with Kristiansand Kunsthall is an exhibition by the profiled light and video artist HC Gilje.

As always, all concerts will be remixed live. Remixers and seminar holders will be announced later.“

 
 
 

 
 
 

P.S. Last decisons made. I will be one of the seminar holders, doing my second „Electronic Griot“-lecture at Punkt. Though I have no idea of the storylines yet, I can suggest offering the one and other ECM story, and will definitely try not to mention the name „Brian Eno“ a single time during my 40, 45 minutes. The starting ideas are to include some sounds of (and thoughts about) „The Duke of Burgundy“, one of the most inventive erotic films of recent years, and Robert Macfarlane’s book „Old Ways“. The photo has been shot in my Lugano days during the recordings of Tigran Hamasyan’s „Atmospheres“. (m.e.) 


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