Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Just all the right (and leftfield) notes in a very silent way. Deep listening is rewarded in regards to some new and forthcoming albums that reach from soft drone to neo classical, from radical chamber jazz to wind-swept, sun-parched guitars. No time for easy listening even if listening seems easy (and who says so). Moving along the point of vanishing seems to be the ethos on Mark Nelson’s Pan American opus (Martina‘s secret favourite) – „12 songs are given just enough space to develop a clutch of themes, mostly on guitar, which are then wrapped in textural detail via effects and subtle electronics“. Or the lovely music from Korean drone queen Park Jiha: slow music gradually moving from morning reveille “At Dawn”, with the especially lovely “Nightfall Dancer” soothing at the day’s end. Roger Eno is mixing colours again, on „The Turning Year“ (to be released in April, along with Joep Beving’s piano meditations) – masterly executed with blurred horizons (the piece „Intimate Distance“ made me think of switching a tiny light on in one of my favourite, almost pitch-black, Rothko paintings). Did you ever follow a tensely plotted dulcimer through a fog of scraped strings? Abd then, Trumpet player Avishai Cohen‘s take on naked music (let us avoid the word „awesome“, but how do so?) – listen to the words of drum master Ziv Ravitz below! „Naked Truth“ is, in the words of John Fordham  „a barely-40-minute miniature of an album, beautifully executed and steered by the idea that improvising musicians good enough to play any headlong stream of consciousness can reveal a lot more if they sometimes play only a fraction of what they know.“ All has been said (and not enough) on Group Thinking‘s „Wohnzimmermusik“. When asked for a recording anecdote Stephen Black said: „
Nothing particularly exciting, just your usual next door’s dog barking, or the sound of a pigeon in the chimney breast. It was fuelled by coffee and cheap bread.“ And then Joep Beving‘s courageously hypermelodic attempt on letting notes hang in the air – a little bit longer (it impressively worked as part of a trance work with a client of mine). And Richard Williams is diving deep into the blue moments of 21st century Frippertronics: „Miraculously, at least to my ears, the risk of passivity is avoided. Some tracks, like “Strong Quiet I and II” from Brussels in 2009, feature an improvised solo guitar line over the drifting clouds of sound: recognisably Fripp, completely lacking in ego-play, always worth following where they lead.“ A garden of treasures indeed. If earthly or unearthly, you may decide for yourself. A solitary evolution in sound anyway: so close to, and so far away from, the heartbreaking spaciousness of side one of the Eno/Fripp ancient ambient expedition „Evening Star“. One instant ECM classic, and some other „most beautiful sounds next to silence“. Be prepared.

 

 

 


Park Jiha: The Gleam 

Group L i s t e n i n g : Clarinet & Piano: Selected Works, Vol. 2 
Roger Eno: The Turning Year 
Pan American: The Patience Fader 
Avishai Cohen Quartet: Naked Truth    
Joep Beving: Hermetism
Robert Fripp: Music for Quiet Moments

2022 20 Feb.

Gespenster

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Die Kindheit ist voller Gespenster, wer erinnert sich nicht?! Gute Geister waren auch dabei. Ich hatte ein paar Heldinnen und Helden, die mich durch die frühen Jahre begleiteten: da war Robert Fuller von „Am Fuss der blauen Berge“, da war „Okko“, der verlässliche Freund aus hunderten von Träumen, in denen ich die aufregendsten Abenteuer zu bestehen hatte. Wenn die Gefahr am grössten wahr, brauchte ich ihn nur zu rufen, und er eilte herbei. Es waren gefährliche Situationen, in denen ich mich wiederfand, in der weiten Prairie, in exotischen Landschaften. Überall konnte, wie bei Karl May, das Finstere lauern. Meine Geschichten  mit Okko, und der Umstand meiner ersten  Initiation in 1001 erotische Nacht, in Serienträumen, in denen eine ranke Schönheit von braunem Teint – ich nannte sie die „Farbenfrau“ – mich von hinten sanft umschlang mit ihren Armen, während ich wieder und wieder und wieder am Rande eines Swimmingpools sass. Eine moderne warme Höhle. Ein seltsames Glücksgefühl durchströmte mich in ihrer Gegenwart (ich war keine sieben Jahre alt), und da prägte sich mir sicherlich mein „Urtyp“ ein, eine androgyne Erscheinung, eine Macht, der ich nicht widerstehen konnte noch wollte. Aber reiner Schrecken war natürlich auch eine Option, immer, überall, zum Beispiel hier: England im späten 19. Jahrhundert. Die Gouvernante Miss Giddens wird in einem entlegenen Landhaus mit der Erziehung der wohlerzogenen Waisenkinder Flora und Miles beauftragt. Voller Eifer widmet sich Miss Giddens der Arbeit. Aber dann. Dieser Gruselschocker entging mir in meinen Babyboomerjahren: „The Turning of The Screw“ (1961) wurde zu „Das Schloss des Schreckens“. Er kam in die Kinos, als ich nachts noch ausritt mit Okko und die Farbenfrau mir Lektionen völliger Hingabe erteilte. Sweet surrender! Und morgen also Deborah Kerr in meinem „electric cinema“. Reisen in die Kindheit ohne Flipper und Fury, und ohne die Monkees! Das Unheimliche kennt keine Dunkelziffer.

 

2022 19 Feb.

Electronic Vibrations

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Derzeit in der arte-Mediathek, wundersamerweise nicht mal geogeblockt: Thomas Steinaeckers 50-minütiger Film Electronic Vibrations, Untertitel: Ein Sound verändert die Welt.

Drunter tun wir’s nicht. Schon der Einstieg zeigt, wie sehr sich die Wahrnehmung elektronischer Musik in den letzten Jahren in ein ganz anderes Genre verschoben hat. Wer heute mit 20-Jährigen über elektronische Musik spricht, muss darauf gefasst sein, dass die darunter völlig selbstverständlich Tanzmusik verstehen. Da ist ein Blick zurück sicher sinnvoll.

Der Film ist arte-typisch Frankreich-orientiert und beginnt gleich mit einem Missverständnis. Die Anfänge der elektronischen Musik werden vor allem in Frankreich verortet, insbesondere bei Pierre Schaeffer. Dessen Musique concrète war in der Tat hochinteressant und ist auch heute noch hörenswert, aber sie hatte (1.) nichts mit elektronischer Musik zu tun, sondern mit Schallplatten, später Tonbändern und aufgezeichneten Originalklängen, und (2.) war Schaeffer keineswegs der erste, der sich an solchen Werken versucht hat. Der erste, dabei würde ich immer bleiben, war Walter Ruttmann mit seiner Klangmontage Weekend von 1930. Da es noch keine Tonbänder gab, kam Ruttmann auf die Idee, Lichttonfilm zu verwenden. Den konnte man schneiden und beliebig montieren. Selbst die große Lotte H. Eisner war begeistert von dem Resultat. Aber wie gesagt: Mit elektronischer Musik haben solche Montagewerke nichts zu tun, ebensowenig wie die im Film erwähnte „Revolution No. 9“ vom Weißen Album der Beatles (das eigentlich ohnehin nur zeigt, dass sie Stockhausen nicht so ganz verstanden hatten).

Bis zum nächsten Missverständnis dauert es nicht lange. Natürlich kommt man an der Pionierrolle Karlheinz Stockhausens nicht vorbei, und was sein Sohn Simon zu dessen Werk zu sagen hat, ist allemal spannend. Da bewegen wir uns in der Mitte der 1950er Jahre, das legendäre Studio für Elektronische Musik wurde im tiefen Keller des WDR-Funkhauses gegründet und „Elektronische Musik“ groß geschrieben, weil man das, was dort produziert wurde, als eigenständiges Genre wie Jazz oder Streichquartett ansah. Dass Stockhausens erste vollelektronische Studien einiges von den Hörern verlangt haben, ist sicher; mehr noch der legendäre Gesang der Jünglinge, der, weil leicht auf YouTube auffindbar, wahrscheinlich in vielen Fällen das einzige ist, was man von Stockhausen überhaupt kennt. Dass es allerdings, wie der Film behauptet, bei der Aufführung vor Publikum im Sendesaal zu Schlägereien gekommen sei, ist ebenso ein Märchen wie die angebliche Massenpanik bei der Ausstrahlung von Orson Welles‘ Hörspiel War Of The Worlds oder der Aufruhr bei den Uraufführungen von Stravinskys Sacre du Printemps oder Ravels Bolero. (Aber jeder Komponist hätte sich solches natürlich gewünscht.) — Das Missverständnis liegt hier darin, dass der Film mit Ausschnitten zu zeigen versucht, Stockhausen habe die Erfahrungen mit seinen elektronischen Werken auf das Orchester übertragen. Nein, hat er nicht! Werke wie Carré für vier Orchester und vier Chöre oder Gruppen für drei Orchester spielen vor allem Stockhausens Idee durch, instrumentale Klangfarben und Klangmischungen und ihre räumliche Positionierung in den kompositorischen Prozess einzubeziehen, und er tat das, etwa in Punkte für Orchester, lange vor den elektronischen Kompositionen. Diese Erfahrungen hat er dann auf seine elektronischen Werke übertragen. Es mag gewisse Gleichzeitigkeiten gegeben haben — aber wer seine Werke kennt, weiß, dass das ein Lebensthema für ihn blieb.

Und so geht es weiter. Die alte Mär von der musikalischen Wüste im Deutschland der 1960er Jahre, in denen es angeblich nur schreckliche Schlager und sonst nichts gab, darf nicht fehlen, und die selige ach so wilde 68er Zeit desgleichen. Dass Autobahn 1974 ein Geniestreich war, ist unbestritten, dass damit ein neues Musikgenre erfunden wurde, darf man aber anzweifeln — elektronische Popmusik gab es schon vorher. Ralf Hütters Spruch „Wir können nicht so gut reden, deshalb machen wir Musik“ wird ebenso unvermeidlich hervorgekramt wie die falsche Feststellung, der DJ Afrika Bambaataa habe in seinem „Planet Rock“ Samples aus Kraftwerks „Trans Europa Express“ verwendet. Nein, hat er nicht! Er zitiert kurz das Stück, und das auch noch falsch. Das ist alles. Und natürlich darf nicht fehlen, dass daraus Hip-Hop, Acid House und sonstnochwas hervorgegangen ist. Als ob Musiker wie Quincy Jones oder Herbie Hancock wirklich auf Kraftwerk angewiesen gewesen wären, um groovende Rhythmen zu zaubern — ich denke ja, Miles Davis‘ On the Corner war da sehr viel wichtiger, auch wenn die heutigen Musiker das vielleicht gar nicht mehr wissen. Und plötzlich ist man dann holterdipolter in der Love Parade. Aber geschenkt, 50 Minuten sind halt nicht länger.

Trotzdem ist Electronic Vibrations sehenswert. Jean-Michel Jarre, Jan Werner, Peter Baumann und einige andere vermitteln durchaus nachdenkenswerte Einblicke, auch werden einige Künstlerinnen und Künstler vorgestellt, die sich mit der Elektronik befasst haben und von denen ich nie gehört habe. Dass dabei ein Name wie Oskar Sala fehlt, ist bedauerlich. Die unterschiedliche Herangehensweise deutscher und amerikanischer Musiker an den Synthesizer und die resultierende unterschiedliche Musik wird immerhin angedeutet, wenn auch nicht ausgeführt. Aber siehe oben: Man kann in 50 Minuten ein so umfangreiches Feld wie die Geschichte der elektronischen Musik nicht komplett beackern. Der Film gibt eine Menge Anregungen, mal wieder in die Plattenkiste zu greifen.

 

Ich ahnte es, als ich erste Beschreibungen des Albums las, und ich wusste es, als ich die Schallplatte zum ersten Mal hörte. Und mich wunderte auch nicht mehr, dass ich beim Zusammentragen einiger Hintergründe bemerkte, dass Robert Wyatts „Maryan“ und Brian Enos „Julie with …“ auf der Playlist ihrer ersten Sammlung von Coverversionen für Piano und Klarinette  auftauchen. Genauso wie Arthur Russell und Roedelius. Ich habe das Teil leider nie gehört. „Volume 2“ ist jedenfalls ein dermassen bezauberndes Werk dieses walisischen Duos namens „Group Listening“, dass ich schon nach dem ersten Hören zwanzigtausend Zeichen dazu aus den Gedanken schütteln könnte. Es tauchen auf „Volume 2“ auch mehr Klangquellen auf als die beiden einmal mehr so spröde angeführten (p, cl). Und wieder sind es alles Coverversionen – obwohl die Ursprünge wesentlich weiter voneinander entfernt sind als bei „Volume 1“, realisiert das Duo einen entspannten wie zwingenden „erzählerischen“ Bogen, und ich bin schlicht beglückt von dieser Platte, in der auch mal Teile eines Telefongesprächs vorkommen, eine rhythm box, die wie von den Young Marble Giants geborgt klingt, und am Schluss scheinen die Zwei durch abenteuerlich matschiges Marschland zu stiefeln (so endet ihre Version von „Seeland“ von „Neu!“ – wie schreibt ein Hörer auf youtube zum Original: „The rain wakes you up at the end“). Aber das ist vielleicht nur eine Halluzination meinerseits. Durch diese zehn Aneignungen und Entdeckungen, die mehr Wert auf natürliche Wohnzimmeratmosphäre legen als auf gestochen scharfe Klangaufzeichnung (auch, weil sie nun mal in einem Wohnzimmer entstanden), taumeln so viele hinreissende Eingebungen des Augenblicks, dass ich aus dem Staunen kaum rauskomme. Das erste Stück heisst „Sunset Village“ und ist ihre Deutung der Komposition aus Beverly Glenn-Copelands „Keyboard Fantasies“. Ich wünsche eine gute Reise.

 

2022 19 Feb.

song of the day

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David Crosby – „For Free“ (feat. Sarah Jarosz)

 

Konzentriertes und entspanntes Hören, das ist eine nie zu unterschätzende Ressource. Manchmal entdeckt man das Besondere eines Albums erst mit der Zeit, mir ging es so mit „Ignorance“. Tamara Lindeman ist die Bandleaderin von The Weather Station, und ihre beiden letzten Werke haben spätestens ihre Extraklasse bewiesen. Es sind raffinierte Songs, deren doppelte Böden nie gekünstelt wirken. „The result is a collection of songs that feels like a classic; a record that, sonically, might have been written at any point over the past 50 years. In part this is a trick of the ear – counter to the complex rhythms of its predecessor, How Is It That I Should Look At The Stars has a notable absence of percussion, which allows the songs to float free.“  In TheQuietus erzählt sie von Alben, die beträchtlichen Einfluss auf sie hatten. Mit dabei The Books, Talk Talk, Joni Mitchell, und eben Bill Callahan, einen Songpoeten, der auf diesem Blog von Anfang an und mit jedem Album vorkam.   „Sometimes i wish we were an eagle“ ist ein unfassbar gutes Album! (m.e.)


„Als ich meine lyrische Stimme fand, wurde ich von einer Reihe ganz bestimmter Arten des Schreibens beeinflusst, die nicht viele Leute machen. Diese Platte von Bill Callahan, Sometimes I Wish We Were An Eagle, und Bill Callahan im Allgemeinen, ist durch und durch philosophisch. Es ist Musik zum Nachdenken. Ich weiß noch, als ich dieses Album zum ersten Mal hörte, wurde mir klar, wozu Texte gut sind. Seine Texte auf diesem Album hatten einen sehr prägenden Einfluss auf mich, was die Art und Weise angeht, wie ich über den Zweck von Texten denke, und welche Art von Geschichten Texte erzählen können. Er ist ein außergewöhnlich ernsthafter Texter, der aber auch in der Lage ist, extrem witzige und fast schon skurrile Zeilen in seine Songs einzubauen, die einen aus dem Konzept bringen. Außerdem ist seine Schreibe nicht verschnörkelt. Er verwendet nicht wirklich schöne Worte. Wenn er es tut, ist es ein Schock! Für mich ist es wichtig, das von anderen Künstlern zu hören, denn ich halte mich selbst nicht für einen sehr poetischen Autor. Ich gehe an Texte aus einem pragmatischen Blickwinkel heran. Meine Absicht ist jedoch Poesie, und das ist etwas, das ich auch in Callahans Texten höre. Ich war einfach so dankbar, dass „Sometimes I Wish We Were An Eagle“ existierte. Ich verstehe diese Musik, und das hat mich beruhigt.“

2022 16 Feb.

Idiot und Antidot

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Lange vor Corona schon und der schleichenden Invasion durch Aluhüte, Querdenker und Verschwörungstheoretiker jeglicher Coleur, tauchte in der Bevölkerung ein allgemeines Unbehagen angesichts der Bevormundung durch öffentliche Medien auf, von dem auch unsereins sich affiziert sah. Es ging schlichtweg um die Erkenntnis, dass Berichterstattung selten objektiv ist, hingegen meist an Einflussnahme gross. Auch stellte man eine Anpassung persönlicher Äusserungen an die sogenannte political correctness oder social correctness fest. Man konnte allerdings einem Claus Kleber vom Heute-Jounal, Stefan Aust von der Welt oder einer Grünen-freundlichen Taz-Literatur sowenig vorwerfen, dass sie beeinflussen, wie einem Lebewesen, dass es atmet oder anderweitig oszilliert. Hier waltet immer noch das selbstregulative Kritik- und Konterwesen, in Anlehnung an Kants Kritik der eigenen Urteilskraft. Auch Skeptiker erheben hier das Wort: „Ich glaube erstmal gar nichts!“ Ganz ähnlich fand sich auch in der deutschen Tatort-Landschaft zuweilen dieses Unbehagen, kam man sich als Fernsehzuschauer oft vor wie im Sozialkundeunterricht. Was auch öffentlich-rechtliche Drehbuchautoren mühsam lernen mussten: der Zuschauer ist kein unmündiges Kind oder Sektenmitglied, dem man Botschaften einimpft. Amerikanische Serien waren für unsereins ein stark wirksames, pädagogikfreies Antidot gegen diese Art der Idiotie, denn sie vermittelten Traum- und Realitätsstoff frei von Belehrung. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann wirken sie bis heute: in tausend und einer Bingewatch-Nacht.

 

Wenn es um wiederkehrende Orte geht in den Geschichten der Manafonisten, tauchen manche mit schöner Regelmässigkeit auf: London, Düsseldorf, Pittsburgh, Dortmund, Würzburg, Kronach, Berlin, einzelne Inseln der Kanaren, Kristiansand, Hannover, Sylt, Northern California – die kleinste aller wiederkehrenden Ortschaften ist aber fraglos Bergeinöden nahe Arnschwang in der Oberpfalz, unweit der tschechischen Grenze.

Dort, in Furth i. W., finden sich nun etliche Sozial- und Psychotherapeuten zu einem Wiedersehen ein, die dort in den Jahren 1980 bis 1982 und mitunter auch sehr viel länger in der Fachklinik für Alkohol- und Medikamentenabhängige wirkten. 40 years later…  Nach der Produktion meiner Ausgabe der JazzFacts mit Neuem von der improvisierten Musik am Vormittag des 5. Mai (eine besondere Rolle werden Bill Frisell und John Scofield spielen), düse ich erstmal nach Würzburg, um in meiner alten Stadt aus Studentenjahren eine Nacht zu verbringen. Dann geht es weiter, und vom 6. bis 9. Mai schlage ich mein Zelt nahe dem Steinbruchsee auf. Wer über diese Zeilen stolpert und mich noch in hoffentlich bester oder zweitbester Erinnerung hat, kann mich gerne nach Würzburg für einen Abend und eine Nacht einladen. 

Wenn ich an Bergeinöden denke, erinnere ich mich an Lesenächte mit dem Klassiker „Walden“ von Henry David Thoreau. Ich hatte dort, blutjung, meine erste Stelle als Psychologe angetreten und eine Souterrainwohnung am Ausläufer des Hohen Bogens gemietet, „mein Dorf“ bestand aus einer Handvoll Häusern.

Ich fremdelte ein wenig nahe der tschechischen Grenze, meine Studienstadt Würzburg war drei Autostunden entfernt, Dortmund in schier unerreichbarer Ferne. Und meine zwei ersten Bücher waren „Ripley Underground“ von Patricia Highsmith, und eben Mr. Thoreau. Aber nach ca. 150 Seiten verlor ich, warum auch immer, die Lust an der Lektüre. ich weiss aber noch (ungefähr) zwei Dinge aus dem Buch. Thoreau beschreibt, wie man trainieren kann, in ungewohnt kühler Umgebung gut zu schlafen, und er macht sich über das ständige Geschrei über Neuigkeiten lustig. Schon damals waren Übertreibungen, speziell in der Kultur, weit verbreitet.

Knapp zwei Jahre hielt ich es am Arsch der Welt aus, als Stadtkind war das eine harte Nummer, und Ausflüge nach München reine Selbsttherapie. In München kaufte ich damals Egberto Gismontis zauberhaftes Album „Solo“. Und stromerte durch Schwabing. Wenn ich an die Schallplatten denke, die in meiner Zeit in Bergeinöden das Licht des Marktes erblickten, fallen mir, neben Gismonti, aus dem Stegreif zwei ein, die unentwegt liefen, und reine Seelennahrung waren: „Remain In Light“ von den Talking Heads (einmal drehte die alte Wirtin, weil ich allein war mit meinem Wiener Schnitzel, den „Zündfunk“ laut auf, und es liefen „Listening Wind“ und „London Calling“) – und „On Land“ von Brian Eno: eine Platte für die Ewigkeit, sie hatte dort in Bergeinöden, wo ich umgeben war von dem Dialekt der Oberpfälzer, von einem an der Kette schlagenden, verbitterten Hund, und später auch, hinreissend berauscht, von einer Indianerin aus meinen Kindheitsträumen, ihren perfekten Ort gefunden. An dem Abend, an dem ich ein Party gab, und kurz vor Mitternacht der Western „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ lief, veränderte alles, für eine gewisse Zeit!

Ich freue mich auf Würzburg und Bergeinöden – zwei „Geisterorte“ am Stück, denn wie anders erlebt man Ansiedlungen, in denen alle einem einst vertrauten Menschen schon ewig und drei Tage lang das Weite gesucht haben?! Ich liebe Gepenstergeschichten.

2022 14 Feb.

Surprise, surprise.

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Kit Downes’ new trio album is a pure joy to listen to. Downes has a beautiful touch on piano and demonstrates he is quite capable of fresh invention, both compositionally and improvisationally. His playing here is lyrical and poetic, yet he’s not afraid to occasionally venture into darker tonalities, suddenly juxtaposing angular phrases to more conventionally melodic motifs. For the most part, these tunes are rather unpredictable –  not many melodies here one might find oneself singing in the shower, yet paradoxically, these evanescent pieces, even at their most abstract, are approachable, inviting the listener to revisit them for a deeper dive.

There is a sense of a keen, disciplined intellect at work here, imbued with purposeful passion, resulting in a high wire balancing act of head and heart. Downes has obviously studied Bach. He employs precise contrapuntal lines in his left hand, that when deployed, add extra layers of texture and musical depth.  

Although largely a dreamy affair, tunes like the upbeat Sandilands, or Waders, a medium tempo composition, evince plenty of muscular playing and show off the fine level of interaction that only a long standing trio can muster. Sister Sister is perhaps the most tender offering while Class Fails, a gospel tinged short ruminative piece, reveals the elegiac,  contemplative side of the trio. 

Special mention must be made of the brilliant cover of Jimi Hendrix tune, Castles Made of Sand. It’s an abstract version which barely references the original melody. This is the kind of cover I love – as opposed to the Wasilewski trio’s recent tepid and overly literal cover of The Doors Riders of the Storm, the trio here uses it as a jumping off point to explore nooks and crannies I believe Jimi would’ve been happily surpised to hear.

The writing chores were evenly split between Downes and bassist Petter Eldh. Eldh’s pieces tend to be the more energetic contributions, while Downes writing tends towards the introspective. James Maddren, drums, gives tasteful support throughout. He seems to know just what is required and leaves out the extraneous. Eldh’s playing is interactive and always in service to the whole sound – he has flawless intonation,  a deep round tone, and his melodic approach reminds me at times of a young Marc Johnson. 

There are many fine new trios popping up these days. Besides their superb musicianship, what distinguishes this trio from the others is their subtle (and sometimes extreme) use of dynamics, something one rarely hears used in such a startlingly effective, musical manner. The trio seems to know this material well – it sounds already lived in and comfortable, enabling the unit to explore and interact at a deep level; the music really breathes here. With his refined, classical touch and technical precision, married to a strong rhythmic and innate melodic sensibility, at times Downes reminds me of the late John Taylor, which is meant as the highest compliment. My favorite ECM release so far this year. 

 


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