Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2023 30 Apr.

Let’s talk about love

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Vorab: ich bin kein Brecht-Fan, menschlich gesehen finde ich den Typen nicht den Brüller, schätze aber durchaus seine Lyrik und viele seiner Machwerke. Eines der weniger bekannten – durch Michas Ratequiz habe ich mich daran erinnert – ist die Piratengeschichte Bargan lässt es sein – ein absolut schräger Titel, der im Endeffekt nichts aussagt. Oder alles … Platz für Phantasien; wie immer wenn nichts ausgesagt wird, entsteht ein füllbarer Raum.

Germanisten haben sich übrigens interessiert dieser Geschichte angenommen, im Netz geistern reichlich Seminararbeiten dazu durch das Virtuelle auf der Suche nach einem Leser. Eine Geschichte über die Liebe, wie sie oft sein kann – keine weisse Wolke unter einem Pflaumenbaum, nicht süss und romantisch, mit zarten Schmetterlingsflügeln gegen die Bauchwand pochend wie ein werdendes Kind oder am Kiel der Titanic entflammend, sondern wild, böse, unbezwingbar, und nicht selten tödlich – und sie lässt einem keine Wahl.

 
 

 
 

Bargan lässt nicht sein, was er besser sein lassen sollte, ein Mann „eine Anstrengung Gottes, geboren den Himmel zu erobern“ – er lässt sich von der Liebe zu einem asshole ruinieren. Das ist fesselnd zu lesen und zu hören – es existiert eine geniale Hörspielfassung, gelesen von Ulrich Wildgruber, begleitet von Sturmgebraus auf hoher See als Synonym für tosendes Gefühlsleben.

Und die Gedanken wandern zurück zu den Lebensfragen, die in der Jugend an uns nagten und immer noch nicht gelöst sind, weil nicht lösbar: warum verliebt man sich nicht in den netten Kerl, bei dem alles passt und mit dem man ein wundervolles Leben im Gleichklang der Interessen führen könnte? Warum macht es einfach nicht zoom, und alles ist gut? Warum bleibt es beim besten lebenslangen Kumpel? Stattdessen zoomt es dann zuverlässig beim grössten Vollpfosten der ganzen Uni, mit dem man nicht einmal ein speed-date bis zum Glockenton überstehen könnte, ohne ihm eine zu semmeln, wenn – ja wenn – einem nicht Amors Pfeil die Pelle penetriert hätte?

Sind wir ein Opfer von Triggern früherer Bindungen? Ein Spiel von jedem Druck der Luft? Streiche, die uns die Neuropsychologie spielt? Einem Hereinbrechen von etwas Transzendentem in unsere Rationalität? War man in einem früheren Leben in Leidenschaft verbunden? Sonstige Atavismen …? Und ist das Ganze gut so wie es eben ist oder wärs sonst langweilig – ohne ein Mysterium, das bleibt wenn alle anderen sich zusehends in den Zeitläuften und ihrem wissenschaftlichen Fortschritt auflösen? Weiss  jemand was!?

 

 
 

Das Schweigen der Lämmer

 

Ein Film der ständigen Grenzüberschreitungen und wechselseitigen Durchdringungen.
Auch die Kamera penetriert – Gesichter, Augen, in langen intensiven Einstellungen. Sie focussiert Grenzen, Gitterstäbe, Trennwände, die nichts zu trennen scheinen. Die Personen scheinen getrieben, die Grenzen ihrer Gefängnisse und die des eigenen Körpers zu überwinden, den anderen mit Worten zu durchbohren oder durch Gitterstäbe zu verletzen, sich in seinen Kopf zu begeben, sich den anderen im Wortsinne einzuverleiben oder in seine Haut zu schlüpfen.

Das ist der Trieb zum Kannibalismus: Sich den anderen auch physisch und nicht nur symbolisch einzuverleiben und zu verstoffwechseln, bis schliesslich keine Grenze mehr besteht – eine grandiose Verschmelzung bei Menschen, die keine Symbolisierungsfähigkeit entwickelt haben und im Konkretismus leben. In vielen Völkern isst man Tierhoden für die Potenz, oder zermahlene Tigerknochen und anderes magisch-phantasmatisch Aufgeladenes. So ist der Film ein Pandämonium an Grenzüberschreitungen in dem Wunsch, sich mit dem anderen zu vereinigen und in ihm eine unvergängliche Spur zu hinterlassen, zum Guten wie zum Bösen. Eine Pervertierung des urmenschlichen Wunsches, im anderen als Bild vorhanden zu sein und den anderen als inneres Objekt mit sich zu tragen.

Ein Patient in einer Therapiegruppe erzählte einen Traum, in dem er den Körper seiner Mutter, die ihn nie wirklich wahrgenommen hatte, aufschnitt und hineinkroch wie der Revenant in das tote Pferd mit den wiederholten Ausrufen „Ich will endlich rein“! Aber nicht zum Schutz oder als regressive Rückkehr in den Uterus, nicht um die Mutter zu zerstören (Küchenpsychologie), sondern aus dem Wunsch heraus, endlich wahrgenommen und als überdauerndes Bild in der Seele und den Gedanken der Mutter vorhanden zu sein. Von diesem Wunsch und seinen Aberrationen handelt dieser Film.

Was stört ist die Deutung von Hannibal Lecter, Clarice Starling sei nur darauf erpicht, Opfern zu helfen, weil sie die Lämmer ihrer Pflegeeltern nicht vor der Schlachtung hatte bewahren können. Eindimensionale Küchenpsychologie, ärgerlich in einem Film von beachtlichem Niveau. Oder nicht? Vor 30 Jahren wurde hier im Landkreis ein bekannter und beliebter Psychiater und Psychotherapeut von seinen beiden Söhnen (19 und 20 J.) brutal erschlagen. Der dritte Sohn, damals 12, war zugegen, aber nicht an der Tötung beteiligt. Der Fall schlug hohe Wellen und wurde sogar im SPIEGEL kommentiert.

Vor einigen Jahren brachte mir eine Patientin einen Brief ihres eigenen Anwalts, mit dem sie sich wegen des Honorars verstritten hatte und der ihr nun Sorgen bereitete. Der Anwalt forderte sie in sehr aggressivem Ton zur Begleichung auf, er betonte, er sei überall gefürchtet und auch höhere Kreise wüssten, wie „gefährlich“ er sei, alle würden sich vor ihm in Acht nehmen. Er würde sie schützen, wenn er das nicht mehr tue, würde sie von der Streitpartei dann ohnehin gelyncht werden.

Das Fazit war: Wenn ich meine schützende Hand von dir abziehe, wirst du erschlagen. Der Anwalt war der damals Zwölfjährige, der seinen Vater nicht vor dem Totschlag hatte schützen können und dies jetzt kompensatorisch wahnhaft-megaloman verarbeitete. Einige Zeit später wurde ihm der Anwaltstitel wegen seiner Ausfälle entzogen. Küchenpsychologie hat also auch manchmal ihre Berechtigung. Man verachte nicht die einfachen Erklärungen – die Lösungen sind dann freilich weniger simpel.

 

 

 

Mit Debutfilmen bekannter Regieschaffender ist das so eine Sache – man sucht reflexartig nach Vertrautem, in diesem Fall der Handschrift des Regisseurs, die dieser selbst aber noch gar nicht entwickelt hat. Das kann zu Enttäuschungen führen, gibt aber andererseits die Möglichkeit zu beobachten, aus welchen Quellen dieser sich gespeist und wie er sich weiterentwickelt hat und zusehends der eigene Stil entsteht. Detektivarbeit also, irgendwie.

Die tödliche Maria (D, 1993) ist Tom Tykwers erster langer Spielfilm. Diese Maria, eine noch junge Frau, führt ein Aschenputteldasein. Ihr Leben wird getaktet vom Wecker, dem Pfeifen des Wasserkessels, mit dem sie ihrem Macho- Ehemann den Kaffee bereitet und den hochfrequent erfolgenden Maria-Rufen ihres pflegebedürftigen Vaters, wenn der mal wieder zur Toilette muss, eine Paraderolle für Josef Bierbichler. Das Ende ist natürlich ahnbar. Joachim Król als scheuer Nachbar-Märchenprinz, der in der Welt der Worte lebt – als Kontrapunkt zu Marias Welt der Spracharmut – und vor entfesselter Weiblichkeit zurückschreckt bzw zum Ende im Wortsinne von ihr erschlagen wird. Eine fiktive dystopische und wie aus der Zeit gefallene Welt mit märchenhaften Anmutungen.

Und eine im Grunde platte Handlung, die für einen Mittelklassekrimi zwar gereicht hätte, mit einer bestenfalls reaktionären Botschaft; aber entscheidend ist was man daraus macht. Lola rennt ist vom Plot her auch nicht der Brüller – aber wieviel raffinierte Verwerfungen verstand der Tom da einzubauen.

Aus dem verzopften Nachkriegs-Outfit von Maria, mit fast beängstigender Intensität gespielt von Nina Petri, und der Resopal-Kleinbürgerküche dampft der deutsche Fassbinder-Mief. Dazu das Abgründige eines Cronenberg und der quietschvergnügt und so unbekümmert wie reichlich eingestreute Surrealismus eines Bunuel, die Insektensymbolik mit den sumselnden Fliegen eines Polanski, bei denen man sofort das vergammelnde Fleisch aus Ekel vor Augen hat – einziges Zeichen von Vergänglichkeit in einer Situation von beklemmender Statik und Erstarrtheit. Ein Berg unabgesandter Briefe quillt aus einer Kommode als Bild für eine Sehnsucht, die ihr Ziel nicht finden konnte. Anleihen bei den ganz Grossen, nichts Tykwer-Spezifisches, noch nicht die Eleganz der späteren Filme, das leichthändige Verdrehen von Handlungssträngen, noch keine eigene Duftspur – ein Debut eben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …

 

 

 

 

Zufällig entdeckt letzten Montag im ZDF. Ist sicher noch in der Mediathek.

 
 

Promising Young Woman

(GB, USA 2020) von Emerald Fennell, auf Amazon prime,
eine Empfehlung von Micha hier vor einiger Zeit.
5 Oscarnominierungen, einer verliehen für das beste Drehbuch.

 

Warum fühle ich mich, als hätte mich jemand in den Solarplexus geboxt? Bekanntlich bleibt einem da die Luft weg – wie man aus den Zeiten von Schulhofraufereien weiss. Und kommt erst ein bisschen später wieder … die Luft.

Der Film mit einer furios und facettenreich aufspielenden Carey Mulligan (hier Carrie), die auch die verborgensten Seiten ihrer Figur, einer Frau mit einem Vergewaltigungstrauma, auszuloten versteht, erzählt zweifellos nichts von Realität: zu gut funktionieren ihre Rachefeldzüge, zu verängstigt sind die Männer, die nächtens von ihr in die Mangel genommen werden – in der Realität wäre sie vermutlich schon viel früher um die Ecke gebracht bzw zumindest gnadenlos verprügelt und sicher noch einige Male vergewaltigt worden. Das geht alles zu easy und zu nahtlos, und die Zuschauerin geniesst das Triumphgefühl der Protagonistin und ihren Sieg über schwanzgesteuerte Machos identifikatorisch mit. Das hat den Charakter einer bitteren Komödie. Das kindlich-süsse Dekor, in dem sich Carrie vor allem in ihrem Elternhaus bewegt – die Farben Rosa und Hellblau dominieren – ist kontrapunktisch eingesetzt zu den Düsterwelten testosteronmarinierter Männlichkeit, zynischer und zusammengeschweisster Machobündelei.

 
 

 
 

Der Ton des Films ist leicht, ironisch, am besten finde ich hier das Wort lakonisch – da tut auch der Soundtrack ein übriges – Hits aus den 70ern. Die Sympathielenkung ist eindeutig, der Film spiegelt in seiner Stimmung die coole Fassade, die zutiefst verletzte Menschen manchmal zeigen, Carrie ist aber nie eine rächende Nemesis. Darunter ein tiefer beängstigender Misston.

Alles klappt bei ihr mit einer fugenlosen Eleganz und der Cleverness, mit der sie ihre Fallen stellt – trotzdem zielt der Film in die Magengrube, irgendetwas geht ungefiltert gleich ins Innere. Er vermittelt die Angst vor den Männern, das Misstrauen vor ihrer Fürsorglichkeit, mit der sie letztlich doch ihre immergleichen Ziele erreichen, man ist schnell so paranoid eingestimmt, dass man auch in dem patenten Jungchirurgen, der den Archetyp „Neue-Begegnung-die-alles-zum-Guten-wendet“ verkörpert, den Mittäter wittert. Männer sind beklemmend in diesem Film, das unterläuft seine Leichtigkeit, das zielt ins Ungeschützte und lehrt einen das Fürchten vor diesen smarten lustschwitzenden Boys und ihren gnadenlosen Festivitäten, Ritualen, scheinheiligen Junggesellenabenden und Upper-Class-Vertuschungsmöglichkeiten.

Auch Carries Geniestreich zum Ende hin ist ein grosser Triumph, auch wenn sie ihr Lebensende dabei billigend in Kauf nimmt, die Jungs werden summa summarum von einem Hochzeitsfest weg verhaftet und der smarte Jungchirurg bekommt noch post mortem sein Fett ab.

Hier müsste eigentlich das Erwachen von Carrie erfolgen, denn das Ganze mutet an wie der Traum oder Tagtraum eines Gewaltopfers, in dem alle Täter in wunscherfüllender Form ihrer gerechten Strafe zugeführt werden und die Ohnmacht eines Opfers in Macht und Stärke verwandelt wird. Mit traumwandlerischer Sicherheit: ein Stück Innenwelt eines Opfers, das zumindest in seinen Phantasien Gerechtigkeit schafft mit dem Tod als letztem grandiosen Triumph. Und im Abspann wird das von mir phantasierte Erwachen Carries mit dem Song „Angel of the Morning“ begleitet, ein Song über das Erwachen hinein in einen trüben und wehmütigen Tag, in welchem man verlassen wird.

 

2023 23 März

Eine un-denkbare Beziehung

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Der Nachtportier (I, 1974) von Liliana Cavani
 

Cavani ist eine Frau, die sich nicht scheut, in Abgründe zu blicken und andere hineinblicken zu lassen; in ihrem Film „Der Nachtportier“ tut sie es weidlich, also wieder ein Film für das Team Brühwurst. Er lief nur kurz in den Kinos, wurde in Italien verboten, von der Kritik zerrissen und mit Begriffen wie „verabscheuungswürdig, schmierig und anstössig“ bedacht. Aufgrund des Verbots organisierte die italienische Filmindustrie mit Visconti an der Spitze einen eintägigen Streik – wie immer dieser auch ausgesehen haben mag – von der deutschen Staatsanwalt wurde er schliesslich als Kunstwerk anerkannt, rehabilitiert und in ungeschnittener Fassung gezeigt.

Später wurde er in die Sadiconazista-Abteilung subsumiert (oder Naziploitation), ein Filmgenre, das eigentlich erst in der Nachfolge italienischer Machwerke namhafter Regisseure wie Visconti ( Die Verdammten ), Bertolucci (Der grosse Irrtum) und Pasolini (Die 120 Tage von Sodom) zu florieren begann, die sich bemühten, die Thementrias Politik, Sex und Sadismus abzuhandeln – heute besehen würden sie einen zwar künstlerisch durchaus, hinsichtlich Sex und dargestellter Grausamkeit, aber keineswegs mehr vom Hocker reissen. Die 120 Tage von Sodom werden bis heute nur an nachweislich volljährige Besteller geliefert, da wollte der Briefträger den Personalausweis bzw die Ausweisnummer von mir.

Der Begriff Sadiconazista entstammt einem Zweig der italienischen Pulp – Literatur der Sechzigerjahre, die zunehmend auch in Filmproduktionen Eingang fand und diese Trias im Gewand von Softpornos mit SM-Einschlag massenhaft auf die Leinwand klatschte und in entsprechenden Kinos präsentierte. In München liefen sie im AKI – Kino im Hauptbahnhof, um dessen Schaukästen frau einen geflissentlich grossen Bogen machen musste, andernfalls wurde man sofort von einem freundlichen Herrn eingeladen zusammen die Vorstellung zu besuchen und danach das Gesehene an einem ruhigen Ort noch einmal wissenschaftlich zu vertiefen.

Das übergeordnete Genre dazu trägt die Bezeichnung Exploitationsfilm, die Ausbeutung einer Szenerie zur Darstellung sexuell getönter Grausamkeiten (dann auch Sexploitation genannt) an Örtlichkeiten wie Frauengefängnissen, Konzentrationslager, Kannibalismus, Sklaverei, Inquisition, Klöster (Nuns-ploitation) und anderer Topoi und Subkulturen. Allen Schauplätzen gemeinsam war also ein hierarchisches Gefälle mit der Möglichkeit zur unbegrenzten und unbestraften Machtausübung über die Opfer, eine im Grunde belanglose Alibihandlung locker drumherum gestrickt.

 
 

 
 

Der Nachtportier wurde zu Unrecht in diese Kategorie eingeordnet; der Unterschied besteht darin, dass der Sexploitation- oder Hardcorefilm nicht über eine besondere Figurenzeichnung verfügt, sondern die Protagonisten ihrer Persönlichkeit entkleidet und sie als blosse Projektionsflächen für die voyeuristischen Bedürfnisse des spezifischen Publikums funktionalisiert. Also im Grunde leicht zu unterscheiden. 1974 sah ich den Nachtportier gemeinsam mit einem Freund – der Geschlechtsproporz ist in diesem Fall wichtig – und fand ihn grandios; mein Freund war empört.

Ohne allzuviel vom plot zu verraten, sei erwähnt, dass eine verheiratete Frau – Lucia – in einem Hotel in Wien in der Nachkriegszeit ihren ehemaligen Peiniger – Max, den Nachtportier – aus ihrer Zeit im KZ wiedertrifft mit dem sie eine heftige sadomasochistische Liebesbeziehung verband. Sie verlässt ihren Mann und die beiden nehmen ihre leidenschaftliche und wechselseitig gewalttätige Beziehung wieder auf.

Damit setzt Cavani eine problematische Konstellation in einen noch problematischeren Rahmenkontext und bricht gleich mit 2 Tabus: Gewalt darf für das Opfer niemals lustvoll sein und ein Holocaustopfer verliebt sich nicht in einen KZ-Schergen, das verletzt unseren moralischen Kompass, ist eigentlich kaum nachfühlbar und schon gar nicht aushaltbar, es könnte unsere Loyalität mit dem Opfer schwächen oder zerstören wenn wir nicht fähig sind, diese Ambivalenzspannung zu halten.

Nun war Sexualität in KZs ubiquitär und dies nicht nur in Form von Vergewaltigungen, wir wissen auch, dass sich Frauen in KZs ihren Peinigern angeboten haben, um ihr Leben und das ihrer Angehörigen zu retten; es ist schwer vorstellbar, dass sie dabei Lust empfunden haben.

Ich hatte eine Patientin, die auf einem Waldspaziergang von zwei Männern vergewaltigt wurde und es als positives und erregendes Erlebnis empfand. Auch darüber spricht man nicht – aus Angst vor dem Beifall von der falschen Seite – nämlich denjenigen, die sich gerne vorstellen dass Frauen bei dergleichen eben DOCH Lust empfinden und es vielleicht durch verführerisches Verhalten selbst provozieren – dies wird von manchen Tätern sogar kleinen Mädchen unterstellt. Ganz dünnes Eis also – Täter und Opfer sind getrennt zu halten, selbst wenn wir wissen, dass viele Opfer später zu Tätern werden, auf vielfältige und oft auch sehr subtile Weisen.

Nach knapp einem halben Jahrhundert sah ich den Film letzten Sonntag ein zweitesmal mit meiner Filmgruppe: Sieben erfahrene Psychotherapeut/innen, zwei davon männlich, zwei Ausbildungskandidatinnen, ein weiterer Herr, fachfremd. Die männlichen Gruppenteilnehmer zeigten starke Manifestationen von Abwehr – konnten mit dem Film „nichts anfangen“, er mache keinen Sinn, „eine Persiflage“ bzw beschäftigten sie sich mit den politischen Hintergründen, etwa dem noch lange nicht überwundenen Nazitum in den Siebzigern, es wurde also reichlich rationalisiert.

Die Frauen waren stark emotional berührt bis hin zu somatischen Reaktionen (Übelkeit bei 3 Teilnehmerinnen bei einer Szene der Vergewaltigung eines KZ-Bewohners).

Die gesamte Gruppe – mit Ausnahme der beiden Leiterinnen – hatte grosse Schwierigkeiten sich in diesem Kontext eine einvernehmliche und lustvoll – erotische Beziehung vorzustellen, es war die Rede vom Stockholm-Syndrom, einer Frau die im Banne ihrer Traumatisierung sich Trauma wiederholend und in einer Art hypnotischem Zustand auf eine SM-Situation einlässt, sie phantasierten eine Beziehung, die nach dem Gewaltakt entleert und unbezogen wird, also nur in Form eines One-Night-Stands verwirklicht wird und nicht in einer stabilen Paarbeziehung möglich ist. Manche hatten schon Schwierigkeiten, sich dergleichen Praktiken als integrativen Bestandteil einer festen Beziehung vorzustellen. Es war von „unreifer Lust“ die Rede – Freud hatte ja noch das Phantasma der „reifen Sexualität“ in die Fachwelt getragen, da gehörte schon der klitorale Orgasmus nicht mehr dazu oder andere Techniken, die nicht in der Penis-in-Vagina-Variante gipfeln.

Nun geben sich die beiden Schauspieler jede Mühe, die Erotik ihrer Beziehung ins Publikum überspringen zu lassen, stossen aber bei den Rezipienten auf Schwierigkeiten, die eine eindeutige Einordnung in die bekannten Schemata als beruhigender empfinden.

Lucia, die im KZ, bekleidet mit den Insignien der Macht, einer SS-Mütze und Uniformhose ein Lied von Marlene Dietrich singt, wirkt in dieser morbid – lasziven Einlage nicht wie eine von Todesangst besessene Frau, nur ihre entblössten Brüste signalisieren ihre Verletzlichkeit. Sie reagiert auch mit schlecht verhehlter Genugtuung, als ihr Max den Kopf eines ihrer Quäler unter den Wärtern in einem Karton überreicht, damit ein Motiv aus der Bibel zitiert; Lucias Gesangseinlage wird somit zum Tanz der Salome vor Herodes. Diese Szene wurde von der ganzen Gruppe in toto verdrängt, wir erinnerten uns erst später wieder daran.

Der Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger warf den Sadiconanazismus-Regisseuren vor, den Stoff ihrer berühmten Vorbilder auf Szenerien herunterzubrechen, die ständig den patriarchalen Todestrieb zelebrieren. Vielleicht kam es aus diesem Grund zu den Abwehrreaktionen der männlichen Betrachter, die nicht ständig den Sadismus als nur in ihrem Geschlecht verortet sehen wollten. Das alles muss verdaut werden bzw eben nicht, wie die gastrointestinalen Manifestationen der Frauen zeigten.

Das Abgründige im Menschen überfordert manchmal auch das Containment derer, die täglich beruflich bedingt in Abgründe schauen müssen; dennoch ist es existent. Lust bei Gewaltopfern gehört dazu, die schlimmsten Gewissenskonflikte entstehen bei manchen Missbrauchs – oder Inzestopfern, wenn sie sich eingestehen müssen beim Vollzug auch Lust empfunden zu haben.

Das bringt sie in die Nähe und Identität der Täter und deren Gewalttätigkeit und Schuld. Auch Psychotherapeuten habens gern eindeutig.

Liliana Cavani zeigt Un-Denkbares und Schwer-Erträgliches. Das ist ihr Verdienst und von ungebrochener Aktualität. Die Welt und ihr Lauf – in der auch Kinder andere Kinder töten – wird uns das Hinsehen noch lehren.

 
 

Der Film ist konfliktträchtig. Der Konflikt besteht bereits, bevor man den Vorspann gesehen hat: Es ist ein Antikriegsfilm, seine Macher gehören zu den Guten, stellen ihre Kraft in den Dienst einer humanen Botschaft. Also ist er gut, oder? Wir zeigen Euch den Krieg wie er wirklich ist, schonungslos. Also habe ich ihn gut zu finden. Oder? Und wenn er mir jetzt nicht gefällt – bin ich dann ein Kriegstreiber ? Schliesslich leben wir in einer Zeit der Vereinfachungen und bequemen Spaltungen.

Im Westen nichts Neues (ab jetzt IWNN) wurde im Ausland euphorisch gefeiert, trägt eine neunfache Oscarnominierung auf dem Rücken, 7 britische Filmpreise. In Deutschland ist die Rezeption verhalten, Netflix hat auch bisher nicht die Zuschauerzahlen preisgegeben. Der Hauptvorwurf: Der Film habe mit der Buchvorlage eigentlich nichts mehr zu tun, gebraucht aber den guten Namen Remarques als Vehikel – den die jüngeren Generationen heute ohnehin nicht mehr kennen. Der Vorwurf ist marginal.

Der Spiegel – Rezensent warf das Handtuch und schaltete nach 20 Minuten ab. Er wollte nicht sehen, wie Menschen mit Flammenwerfern verbrannt werden oder Soldaten an Senfgas ersticken. Weichei, oder? Grausamkeit erzeugt bei empfindsameren Menschen Abwehr, das kann sich durchaus einmal als Müdigkeit, Langeweile oder Desinteresse maskieren, anderseits werden wir täglich mit Gewaltdarstellungen überspült, das brüht schon ziemlich ab, das kann’s also irgendwie nicht sein; verbrannte Leichen gibt’s in jedem Tatort zum Abendessen. Ein Gemetzel mehr …

Zur Vorgeschichte: Das 1928 erschienene Buch von Remarque las ich als 14jähriges Mädchen, es hat mich sehr aufgewühlt; von da an las ich Kriegsliteratur, sah auch die beiden amerikanischen Verfilmungen des Romans – ich war und bin kein Weichei. Eher eine vom Team Brühwurst. Die Antikriegsfilme aus den Staaten habe ich verschlungen: Platoon, Full Metal Jacket, Apocalypse Now, die geniale Satire MASH und zahllose über die Kriege in nahen Osten. In Gottesnamen auch noch Schindlers Liste – ich komme mit dergleichen ohne Alpträume zurecht.

Erster Versuch jetzt im Januar: IWNN her gestreamt und mit Ehemann geguckt … – versucht zu gucken! Abschalten nach circa 30 Minuten aufgrund eines Gefühls von Gleichgültigkeit oder Seelenverhärtung angesichts einer zusammenhanglosen Aneinander-Reihung von Schrecken und Grausamkeiten, die nicht enden wollten.

Zweiter Versuch eine Woche später – tapfer durchgestanden, aber ohne wesentliche emotionale Beteiligung, der Film schafft es nicht, „mich hineinzuziehen“, das Hauptkriterium, wenn mir ein cineastisches Werk gefallen soll. Einer Freundin ging es ähnlich. Eine Aneinanderreihung von grausamen Situationen, ungestaltet, ohne Handlung, ohne Spannungsbogen, die Protagonisten ständig schlamm- oder blutbespritzt, schwer von einander unterscheidbar, ohne Individualität, wir wissen auch nichts über ihre Vorgeschichte. Wir sehen nur, wie sie zugrunde gehen. Es könnte eine Doku sein, aber auf dergleichen ist man nicht eingestellt, wenn man einen Oscar-verdächtigen Film herbei streamt.

Der Film frustriert unsere Sehgewohnheiten. Wir sind gewöhnt an Handlung, Spannung und an Sympathieträger, die wir zu Identifikationsfiguren wählen können – auf deren Seite wir stehen und stellvertretend mitfühlen können. Schliesslich eine Auflösung der Spannung und irgendeine Form von Showdown und Ende, Happy End, Broken Happy End oder Bad End. Jack klammert sich an eine verbliebene Tür der Titanic, die im Nordatlantik treibt, und wir leiden mit Rose, die schliesslich seine Hand loslässt – eine ikonische Szene. Ein Band verbindet uns mit den Figuren, in diesem Fall mit Rose und ihren Wünschen. IWNN bietet keine ikonischen Szenen, manchmal fragt man sich ob überhaupt etwas gestaltet wurde und nicht nur Grauen produziert.

Dann überraschen die wiederholten Aufnahmen einer stillen und unberührten, immer indifferenten Natur, in der kein freundlicher Schöpfergott mehr spürbar ist, sie scheint nur das Treiben der Menschen zu ihren Füssen aussitzen zu wollen. Ein Moment der Gestaltung, in seiner Stille kontrapunktisch eingesetzt gegen das Menschengetöse.

Der Film erzählt keine Geschichte, mit der wir mitgehen, mithoffen und -bangen könnten wie Schindlers Liste oder die Titanic, er bietet nichts zum Festhalten, führt nicht und nimmt uns nicht an die Hand; es rollen nur mitleidlos die Schrecken über uns hinweg, einer nach dem anderen, wir können keine Gefühle mehr entwickeln, dafür ist kein Raum mehr, auch kein Denk- und Phantasieraum. Nur überwältigende Leere, Sinnlosigkeit und der Schrecken der Endlosigkeit des Schreckens.

Und genau das ist der Krieg. Und der lässt sich nicht künstlerisch fassen und gestalten. Adorno meinte, man könne nach Auschwitz keine Gedichte mehr schreiben, den habe ich immer gut verstanden, wie soll man Auschwitz „gestalten“? Offenbar lässt er sich auch nicht sprachlich fassen.

Wer dabei war, kann oft nicht darüber sprechen – unsere Väter und Grossväter konnten es nicht und wir Jüngeren reagierten mit Abwehr, wenn sie es versuchten, es war uns lästig. Dahinter steckte sicher Angst, ein Spüren des Anliegens der Veteranen endlich einmal sprechen und abladen zu wollen und uns damit zu überfordern. Oder ihre ganze Frustrationswut abzukriegen. Meistens begann es mit dem Gestus „Ihr habt ja keine Ahnung, Euch gehts ja gut …“, auf dieser Vorwurfsschiene erwarteten wir uns mit Recht keine gedeihliche Diskussion. Da beschlossen wir lieber dass es uns nicht interessiert. Man hatte mit dem eigenen beginnenden Leben genug zu tun.

Ist es anmassend sich vorstellen zu wollen, was ein Soldat in dieser Situation erlebt? Jetzt und heute würde ich es gerne wissen, jetzt traue ich mir zu es auszuhalten, aber die meisten Weltkriegsveteranen leben jetzt nicht mehr.

Ich habe inzwischen viel gelernt über Trauma und Trauma-Verarbeitung, die Reaktion des Gehirns auf Nicht-mehr-Verarbeitbares, auf das Durchbrechen des Reizschutzes und das Versagen der psychischen Abwehr, über das Abschalten gefühlsverarbeitender Hirnzentren und das Aktivieren von Zentren, die für das blosse Überleben zuständig sind. Im Krieg gäbe es keine Depressionen, heisst es; vermutlich stimmt das, das Gehirn arbeitet da anders, heute spricht man von Dissoziation, ein psychisches Entweichen aus der Situation, das bis zu ausserkörperlichen Erfahrungen führen kann.

Diese Phänomene finde ich beim Betrachten dieses Filmes wieder – abschalten, distanzieren, flüchten, nichts mehr fühlen – er „zieht nicht hinein“, er stösst uns aus und zwingt uns unser Gefühlsleben abzuschalten. Und den Fernseher gleich mit dazu. So werden wir zu Deserteuren. Da ändern auch Erzbergers Bemühungen um einen Waffenstillstand nichts, das weckt keine Hoffnung. Irgendwann fühlt man nicht mehr, nicht weil der Film schlecht gemacht wäre, sondern weil er traumaspezifische Verarbeitungsweisen triggert. So erkläre ich mir das Rätsel das ich mir gerade selber bin.

Die Fähigkeit eines Regisseurs, Derartiges loszutreten, ist hoch einzuschätzen – ob es für die Oscarnominierungen verantwortlich ist oder hier eher ein Woke-Mechanismus greift, sei dahingestellt. Der Westen, der seine Friedfertigkeit so oft und gern zitiert und demonstriert, kann es sich schlecht leisten, einen Antikriegsfilm nicht zu preisen und zu be-preisen. Wie stehen wir denn da? Und so kommt jetzt bald die rauschende und wort- und tränenreiche Gutmenschennacht.

 

2023 31 Jan.

Ein Film über … was?

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Der Rausch (Dänemark, 2020) von Th. Vinterberg

 

Empfehlung von Micha. Ein kleiner, feiner Film über – ja, über was genau? Eine Tragikomödie im Gewand eines Buddy-Movies mit Tiefgang. Über das Leben? Zu platt! Über Sucht? Auch zu platt! Ein Oscar für die beste Regie, eine weitere Nominierung sowie auch eine für die goldene Palme und andere Bepreisungen. Der Soundtrack ist vielgestaltig, von Klassik bis Jazz.

Es beginnt mit einer Zeichnung bürgerlichen Wohlstandslebens und dessen langsamen Einmündens in Alltagsöde und Ausgebranntsein, Sich-Verschleissen in täglichen Wiederholungen des immergleichen Schulstoffs, nöligen Abiturienten und allzu geölt-eingefahrenen Familienlebens.

Vier miteinander gut verkumpelte Gymnasiallehrer, alle ziemlich amtsmüde, beschliessen ein Experiment: Sie wollen sich auf einem 24-Std.-Alkoholpegel von 0,5 bewegen, um mehr Feuer in ihren Alltag zu bringen. Der norwegische Psychiater Finn Skårderud postulierte, dass dieser Alkoholpegel, dauerhaft eingehalten, Menschen geistig leistungsfähiger und seelisch stabiler halten würde.

Man kann sich nun den Kopf zermartern, wieso vier intelligente Männer ein Experiment starten, dessen Ausgang hinreichend bekannt ist, aber darum geht’s nicht. Das Experiment beginnt, der Film transportiert zusehends eine spürbare Leichtigkeit und Lebensfreude, die Midlifers tollen herum wie ihre eigenen Schüler, der Hauptdarsteller in einem mänadisch anmutenden Tanz, die Kamera kreiselt schwindelerregend mit, die Umgebung wird wohltuend verschwommen, das Alltagsgrau schrumpft zu einem blassen Schatten (eine wirklich gelungene visuelle Umsetzung einer Rausch- und neuen Lebenseuphorie), und die Schüler freuen sich über ihren dynamischen und einfallsreichen Lehrer. Die Ehefrau desgleichen über einen wieder potenten Ehemann.

Dann schlägt das gnadenlose Prinzip des Verlangens nach Dosissteigerung zu – natürlich misslingt das Experiment; ein fraglicher Suizid ist zu verzeichnen, es bleibt offen, was geschehen ist; einer der vier wird von seiner Frau wegen seiner zunehmenden Suchtprobleme verlassen.

Eine an sich wenig komplexe Handlung, aber sie eröffnet einen Denk- und Phantasieraum, in dem das Gesehene (und Gehörte) noch lange nachhallt: ist der Mensch überhaupt dazu geschaffen, glücklich zu sein? Geht es ohne Rauschmittel? Ist er am Ende eine Fehlkonstruktion; zum Glück aus sich selbst heraus nicht fähig, immer abhängig von Menschen oder Substanzen? Ist es nicht besser in einem Bacchanal zu enden als nach einem langen öden Leben? Oder scheitern wir nur an einem überzogenen Dauerglücksanspruch?

Ein guter Film beantwortet keine Fragen, sondern stellt sie; es ist also hier auch keine Lösung zu erwarten. Nach der Beerdigung seines Freundes (oder anstatt: geht der Protagonist mit seinen Abiturienten feiern, beginnt wiederum zu trinken und ekstatisch zu tanzen. Er klettert auf ein Geländer und springt mit einem Kopfsprung in das Hafenbecken in dem sein Freund zu Tode kam. Hier stoppt der Film und er verbleibt in der Luft schwebend für alle Zeiten, wie Thelma und Louise als ihr Wagen über den Rand des Abgrunds im Grand Canyon schoss. Dort wurde uns erspart, Zeuge des Schrecklichen zu sein, wir verlassen die beiden Frauen noch als Lebende und das Leben Feiernde und so bleiben sie uns in Erinnerung.

 
 

 
 

Hier zeichnet der Film eher das Carpe-Diem-Motiv nach; das „Verweile doch, Du bist so schön“, den Wunsch, die Zeit so stillstehen lassen zu können wie die Kamera. Die verdammte Flüchtigkeit des Augenblicks …! Also kein Film über Sucht, sondern über Sehn-Sucht, über den urmenschlichen Wunsch, glücklich zu sein und einmal nicht über den Preis nachdenken zu müssen. Ein Film über das „Trotzdem“ oder „Erst recht“. Über ein Glück, das man einem Stärkeren immer wieder abtrotzen muss.

 

 
 

Teenager-Dystopien: Ein eigenes Genre

 

In den Jahren 2010 bis 2020 hatten die Teenager-Dystopien in Literatur und Kino Hochkonjunktur: Maze Runner, The Giver, Die 5. Welle, Seelen oder die postapokalyptische Serie Lost. Interessanterweise bilden die Erscheinungsjahre dieser Filme ein Cluster um das Jahr 2014, das Jahr in dem die Taliban den islamischen Staat ausriefen; zum ersten Mal beherrschten die radikalen Muslime durch ihr Vordringen in den Irak ein zusammenhängendes und grenzüberschreitendes Gebiet unter ihrer Alleinherrschaft und kochten fröhlich das Mittelalter auf. Grund genug für dystopische Zukunftsphantasien; bei Hinzunahme der Ukrainekrise im gleichen Jahr und Putins aggressiver Expansionspolitik wären das zwei fulminante Abstürze in die Anfänge des Paläozoikums. Ist natürlich Spekulatius – wie Micha sagen würde – aber man sollte immer die Gesamtsituation im Blick haben.

Im Gegensatz zur Fantasy, angesiedelt in einer Parallelrealität oder irgendwo im Outer Space, bewegt sich die Dystopie auf dem Zeitstrahl weiter in eine ferne Zukunft, zeichnet eine Szenerie von oft atemberaubenden technischen Errungenschaften, aber gemanagt von Menschen, die sich auf dem Zeitstrahl eher rückwärts Richtung Neandertal bewegt zu haben scheinen. Eine spannungsreiche Dialektik, in Deutschland erstmalig erprobt von Wolfgang Menge in Das Millionenspiel 1970. Ein paar aufrechte Teenager werden in diese Situation geworfen (in der Filmwelt nennt man das Cold Open) und müssen sich dort zurechtfinden oder wahlweise in ihr zugrunde gehen. Im 21. Jahrhundert gelang nach Harry Potter der gender switch, ab jetzt waren die Mädels für die Rettung der Welt zuständig. Auch was wert!

Vor einigen Wochen sendete das Fernsehen wieder den erfolgreichsten dieser Epen, den 5-teiligen Film Die Tribute von Panem nach der Romanvorlage von Susan Collins (2008). Das Neandertal ist hier verortet in einer hochtechnisierten Zukunft aber gleichzeitig auch in der Antike und ihrer schlechten Panem-et-Circenses-Angewohnheiten, organisiert nach den Prinzipien einer gnadenlosen Klassengesellschaft und einer verelendeten und resignierten Unterschicht, in der die Verarmten im Wald wildern müssen, um sich zu ernähren. Die Hauptdarstellerin Katniss läuft also durch die Gegend wie weiland der Wildschütz Jennerwein in den Tegernseer Bergen und erlegt Eichhörnchen.

Staat und Gesellschaft laufen ins Leere eines entfesselten Haifischkapitalismus, Familienstrukturen und Berufe geben keinen Halt mehr. Teenager müssen sich hier zurechtfinden, ebenso wie sich die Generation Y heute in unserer Gesellschaft zurechtfinden muss. Die fühlt sich zwar digital gut gerüstet – ähnlich der Protagonistin im Film, die mit Pfeil und Bogen ihre Familie ernährt – findet aber keine ethischen und sinngebenden Strukturen mehr  und sieht ihre eigenen Lebensentwürfe nicht mehr verwirklichbar.

Die schöne Heldin mit der Seele eines Spartakus und der Pfeilsicherheit eines weiblichen Wilhelm Tell soll an den jährlich stattfinden Hunger-Games teilnehmen, in dem Jugendliche von 12 bis 16 Jahren aus allen Distrikten wie Gladiatoren gegeneinander kämpfen müssen, bis nur noch einer übrigbleibt: eine post-antike-Wrestling-Show. Es treten also Kinder gegeneinander zum Kampf auf Leben und Tod an. Bei Erscheinen des Filmes hat mich das zutiefst schockiert – auch in Anbetracht der Freigabe ab 12 Jahre. Erschreckenderweise – für mich – waren aber die Kids überhaupt nicht erschrocken, sondern nahmen es hin und fanden es spannend. Ebenso wie Katniss – deren Gesicht ständig in langen Totalen zu betrachten ist – keineswegs Fassungslosigkeit ausdrückt, sondern eher Ergebenheit und Sich-Einstellen auf die nächste Lebensbedrohung, die sich in rascher Folge und in vielen Variationen einstellt. Sind die Millenials auf das Homo-homini-lupus-Play schon so komplett eingeloggt, sodass sie nichts mehr schockiert?

Und dann der Kampf jeder gegen jeden, gnadenloses Entertainment, das unser Big Brother- und Dschungelcampgetöse durchaus zu toppen weiss. Samt erster Bildung von Seilschaften und Allianzen unter den jungen Gladiatoren, die sich zusammenrotten gegen einzelne – das Mobbing-Prinzip wurde also auch internalisiert.

Alles, was jetzt in Form von Reality-TV noch hier im Keim ist, wird dort konsequent zur Blüte getrieben; das ist die postmoderne kapitalistische Gesellschaft auf den Punkt gebracht im Mikrokosmos dieser Hunger Games. Inklusive des grenzenlosen Zynismus des Regimes, das den Show-Wert einer schönen jungen Revolutionärin erkennt und medial zu nutzen weiss. Hätten wir uns Che Guevara übers Bett gepinnt wenn er nicht so gnadenlos gut ausgesehen hätte? Fidel Castro jedenfalls hing da nie, Enver Hodscha nur einmal. Eine Revolution, als mediales Ereignis auffrisiert, ist natürlich ein Papiertiger. Ein Revolutionär, der an allen Wänden hängt, wäre auch misstrauisch zu betrachten – beziehungsweise derjenige, der ihn dorthin gepappt hätte.

So geht es auch Katniss zunächst, als sie und ihr Jugendfreund Peeta zum Ende des Spiels übrigbleiben und sich weigern, sich gegenseitig umzubringen und lieber Giftbeeren schlucken wollen. Das Regime schaltet blitzschnell um und baut die beiden als revolutionäres Liebespaar auf, das füreinander in den Tod gehen will. Weitere Show-Events werden folgen, sind ja noch 4 Sequels im Kommen.

Ein grausamer, aber im Grunde kluger Film, der der Gesellschaft den Vergrößerungsspiegel entgegenhält und das Kinderabschlachten mit der gebotenen Zurückhaltung gestaltet. Die Voyeure werden nicht über die Maßen bedient wie in anderen Teenie-Horror-Produktionen. Und die Generation Y fand sich wohl darin wieder: Einspielergebnis 1,5 Mrd.

Und beim Abschalten finden wir selbst uns wieder in der schreckenerregenden Position des Panem-et-Circenses-Betrachter (die wir gerade noch auf der Leinwand verabscheut haben, während wir selbst es gerade zweieinviertel Stunden praktizierten und uns blendend unterhielten) und erkennen, dass wir damit Teil des Systems sind, das wir auf der Leinwand entsetzlich fanden. Der Spiegel der Schneekönigin, der uns die hässliche Seite zeigt.

 

P.S.: Eine junge Klientin zeigte mir vor Jahren stolz ihr cooles Che-Guevara-T-Shirt.

 

– Rosi, das ist jetzt aber Fidel Castro!
– Nöö, Che Guevara!
– (Etwas Hin und Her, dann kurze Smartphone-Recherche …)
– Mist, doch Fidel Castro!
– Weisst Du denn, wer das war?
– Nöö! Aber is doch wurscht!

 

Tja – wenn’s geil ausschaut … mach was dran …! Selenskyj sieht ja auch nicht gerade aus wie der Glöckner von Notre Dame in seinen Khakipullis. Gibt’s den auch schon auf T-Shirt?

 
 

 
 

KEIN FAKE:

Tagesschau.de entschuldigt sich. Man habe beim Bericht über den Tod Gina Lollobrigidas statt ihrem Foto ein Foto von Christine Lambrecht eingeblendet. Das gibt Stoff zum Nachdenken …

Aber naja, sehen sich ja auch ziemlich ähnlich …

 

2023 10 Jan.

Mission accomplished

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Man war in AVATAR 2.

Als Cineastin mit immer einem Auge auf die Entwicklung des Trivialfilms, kommt man natürlich an den jetzt erwachsen gewordenen blauen Schlümpfen nicht vorbei. Eines steht fest: Um der Handlung willen geht niemand in „Avatar“ oder dergleichen, da kann man sich ebenso gut Winnetou oder Pocahontas oder den König der Löwen als Culture-Clash-Melodram reinziehen. Der Evaluationsstatus der special effects und 3D-Kapriolen ist bekanntermassen immer umgekehrt proportional zum künstlerischen Wert des Filmwerks und der Differenziertheit der Figurenzeichnung. Lohnt also nicht, denn 3D hat man ohnehin den ganzen Tag. Wenn man um derlei Einschränkungen weiss, ist man auf alles gefasst und hält dergleichen aus, auch wenn noch so viel geemmericht wird. Das All-in-one-Paket „The Way of Water“ arbeitet sich gerade wacker zum Titel „erfolgreichster Film der Pandemiezeit“ mit bereits 1,5 Mrd Einspielergebnis nach vorne und hat den Doppelnullagenten samt Olive bereits geschüttelt, durchgerührt und überholt.

Dabei begann alles durchaus charmant: Teil 1 „Aufbruch nach Pandora“ (aus deren Büchse allerlei Unheil über die Welt kommt; ein Schelm wer bei diesem Mythos an Sexualsymbolik denkt!) hatte ja anno 2009 noch den Reiz der Neuheit und die Na’vi – Schlümpfe, ein spirituelles und im Einklang mit der Natur lebendes Volk (den Apostroph nicht vergessen, es handelt sich nämlich nicht um das Dingens, das einen beim Autofahren immer in den Wahnsinn treibt) vermochten das Herz derer zu rühren, die immer schon gern Indianerfilme geguckt und blutige Stammesfehden, Skalpierungen, Folterungen und Marterpfähle geflissentlich ausgeblendet hatten. Ab 1962 gehörten die Indianer zu den Guten, aber das ist eine andere Geschichte und hat mit deutscher Nachkriegspsychodynamik zu tun.

But back to Pandora Teil 1: eine kühne Mischung aus Western, Science-Fiction, Antikriegsfilm und Magic-Mushroom-Drogentrip mit Anklängen an das schon in der „Matrix“ intelligent angerissene Thema über den Charakter von Realität, und wie wir uns ihrer Authentizität versichern können – nämlich eigentlich gar nicht. Das hat ja schon die alten Griechen beschäftigt. Das Ganze natürlich in 3D, ein Effekt, der zunächst überwältigt, aber den Film nicht über Stunden zu tragen weiss.

Doch bekommt die Räumlichkeit eine eigene Poesie – weniger in den hintereinander gestaffelten Landschaften, die wir betreten dürfen, sondern in den kleinen Dingen: dem Wassertropfen, dem Funkenflug, den kleinen Insekten und Medusen, die in den Zuschauerraum zu schweben scheinen und für kurze Momente eine Verbindung zwischen irdischem Kino und Pandora herzustellen verstehen. Freilich donnern uns auch Pfeile entgegen. Und wir teilen die Freude des querschnittgelähmten US-Marines Jake Sully, der sich in einem unversehrten Avatarkörper wiederfindet und damit auf einen anderen Planeten geschickt wird und dort keinen Rollstuhl mehr braucht, sich wie ein Schimpanse von Ast zu Ast schwingt und dann die schöne Häuptlingstochter kennenlernt, die allerdings blitzblau ist; aber wer fragt danach in einer Schäferstunde? Hier lassen schon mal Tarzan und Pocahontas grüssen. Das ganze gekonnt gemacht mittels des aufwendigen Motion-Capture-Verfahrens, wofür sogar Schauspieler von Rang und keineswegs No-Names herhalten mussten, damit der Sigourney Weaver-Avatar auch wirklich wie Sigourney ausschaut.

Jetzt, 13 Jahre später, wird die Büchse der Pandora erneut geöffnet, und es entweichen ihr neue Schrecken und Freuden. Cameron entführt uns in die Welt am, auf und unter dem Wasser, mit einer Tierwelt, die merkwürdig unschön und gestaltlos anmutet, aber dem Volk, das sie als Reittiere zu zähmen wusste, treu ergeben sind. Die Idylle wird aber immer wieder gebrochen durch den Überfall der schurkischen Komantschen in die Jagdgründe der edlen Apatschen … ähm … sorry … ich meinte der Orks in das Reich der Elben … nee … von Lord Voldemorts Dementoren nach Gryffindor … auch nicht? … wurscht! Langsam kommt man wirklich durcheinander bei diesen ständigen Deja-vus, die sich im Verlauf des Filmes immer zahlreicher einstellen.

Als die braven Na’vi zum Wasservolk der Metkayina flüchten (sehen genauso aus, nur mit Maori – Ornamenten im Gesicht) und sich dort integrieren müssen, entsteht eine Anmutung von West Side Story mit Spannungen zwischen Zugewanderten und Ureinwohnern bei gleichzeitigem Knüpfen zarter Bande zwischen den verfeindeten Fronten. Das Romeo-und-Julia-Drama in Teil 3 wäre damit auch gesichert, gottlob singt niemand „Maria“ oder „Tonight“. So manches erspart man uns doch.

Danach cirka eine Stunde ein „Flipper“ – Verschnitt, eine symbiotisch-telepathisch getragene Liebesgeschichte zwischen einem Jungen und etwas Walfischartigem, bei dem man bis zum Ende nicht dahinterkommt, wo hinten und vorne ist, aber auf jeden Fall ist es edel und herzensgut wie Lassie. Oder Fury.

Zunehmend sieht man sich also in immer kürzeren Abständen mit Versatzstücken anderer Filmgenres und deren Erzählmustern und Trivialmythen konfrontiert, ausgelutscht wie die Kaugummis, die man in der Schule zurückbekam, nachdem man sie vorher an sämtliche Freunde verliehen hatte. Und die einem den Spass an der ausgefeilten Optik gründlich verderben; nicht zuletzt die Familienpimpelei zwischen Winnetou, Ribanna und ihren adoleszenten Kindern nee, natürlich Franz Josef und Sissi, ach zum Teufel, ich brauch ne Pause!

Ich meinte den Clan um Jake und Neytiri – ganz im Sinne einer american suburbian family. Wobei es übel aufstösst, dass die Kinder ständig „Yes, Sir! „zu ihrem Vater sagen. (Bei Marines heisst es korrekt „Sir! Yes, Sir!“. Warum auch immer!). Good american education auch bei spirituellen Naturvölkern, warum auch nicht? Die unterwandern wir doch auch noch mit dem american way of life, ist schliesslich der einzig richtige … wer daran zweifelt bekommt sowieso immer gleich eins auf die Zwölf!

Ein Ziehsohn der Sullys entpuppt sich als genetischer Sprössling des Hauptbösewichts und teilt damit das Schicksal von Luke Skywalker als heimlichem Sohn Darth Vaders der auch …psst … der Vater von Prinzessin Leia … oder so! Irgendwie …! Dann hätten wir diese Herrschaften auch noch mit drin. Blickt noch jemand durch? Nö, oder? Aber warum solls Euch auch besser gehen?

Nachdem hinreichend mit Flipper geflirtet worden war, bricht für cirka anderthalb Stunden eine Orgie der Gewalt los, als die in Avatarkörper gesteckten US-Marines in die Idylle einbrechen, um Pandora zu kolonisieren und den aufrührerischen Sully zu finden, der sich auf die Seite der Pandoraner geschlagen hat wie Old Shatterhand zu den Indigenen, nur mit dem marginalen Unterschied, dass ersterer seine NschoTschi heiraten durfte anstatt sie zu Grabe zu tragen. Es hebt also ein ohrenbetäubendes Geballer, Geflüchte, Explosionen und Feuersbrünste und sonstiges Martial-Arts-Gefuchtel an, das mit einer Akribie und Begeisterung dreidimensional auf die Leinwand geklatscht wird, als wäre es das Hauptanliegen des Filmes und das die gesamte Gutmenschenbotschaft konterkariert.

Aus guten Filmen lernt man etwas über den oder die Menschen, aus schlechten Filmen etwas über den Zustand der Gesellschaft und ihrer Wünsche und Ängste – was lernen wir also hier?

Vor einigen Monaten habe ich wortreich das Verschwinden der inneren Bilder unter dem Trommelfeuer äusserer Reize beklagt (Juni 22). Den hier zu verkraftenden Bilderfluten in ihren raschen Schnitten, Schuss-, Gegenschuss-Einstellungen und den mentalen Anstrengungen der Handlung zu folgen (da sich die Bläulinge alle irgendwie ähneln, ist es schwierig zu identifizieren, wer nun gerade mit wem agiert und aus welchem Grunde er das tut, was er gerade tut) ist genauso unmöglich wie Reflexion, Nachspüren, und einen eigenen Standpunkt zu finden – die nächste lautstarke Sensation durchbricht sofort den Reizschutz.

Das ist bekannte Strategie von Kriegspropaganda und hat schon immer funktioniert, das beherrschen scheinbar nicht nur Reichspropagandaminister,  sondern auch Regisseure. Nur nicht in die Reflexion kommen – was richtig ist, sagt uns die Leinwand. Auf dem Heimweg fühlte ich mich auf Krawall gebürstet, reizbar, zuviel action, zuviel Gewalt, zuviel B-Movie. Nachdem die Vorbereitung des Filmes sich über viele Jahre hinzog, ist auch schwer zu sagen, inwieweit das Pentagon hier wieder mitgemischt hat und auf welche Aktion hier eingestimmt werden sollte.

Der Film ist ein unverbundenes und sorgfältig in der Spaltung gehaltenes Nebeneinander von Zerstörung und breitestgetretener Sentimentalität, die bekanntlich das Alibi der Herzlosen ist (nicht von mir, sondern vom geschätzten Kollegen Schnitzler so formuliert). Am Ende dann der übliche Cliffhanger: Jake Sully gibt den Selensky und teilt dem Zuschauer eben mal Auge in Auge mit, dass man für seine Heimat kämpfen muss anstatt sich aus ihr vertreiben zu lassen – klar, die Fortsetzung ist für 2024 geplant, da muss ja auch irgendetwas passieren und Krieg hat immer seinen Unterhaltungswert. An Ende beschäftigen wir uns nur noch mit Natur, Liebesgeschichten und Spiritualität …. schnarch!

Und über dem ganzen Getöse haben vermutlich sämtliche Rezensenten und Woker versäumt, den Tatbestand der kulturellen Aneignung der Dreadlocks tragenden Schlümpfe zu rügen. Für ein Wasservolk ohnehin ungünstig, die Dinger trocknen nämlich ewig nicht. Und schliesslich sind die auch keine Rastafari, wo kommen wir denn da hin? Und die Maori sind sicher auch wieder nicht gefragt worden, ob man ihr Make-up so einfach abkupfern darf. Da hätten die Designer und Maskenbildner wirklich originellere Trachten kreieren können – das wäre dann aber wirklich das einzig Neue in diesem Film.

 
 

 
 

Als Kontrastprogramm dann heute früh die immersive (das Wort kannte ich auch noch nicht)  virtuelle Ausstellung über Frida Kahlo in München genossen: ein auch räumliches Eintauchen in den Seelenkosmos einer vor Schmerzen und Kreativität berstenden Künstlerin, von deren Innenwelt man eine Stunde lang geradezu schwindelerregend umkreist wird. Das hat die blauen Schlümpfe endgültig aus dem Gehirn gepustet oder anderweitig verstoffwechselt.


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